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Dienstag, 28. Dezember 1926.

Jtr. 299

Monatlicher Bezugspreis 1,50 Ml

deutsche Verhandlungen mit der WWslerkonlerenz

lich kann tzie-Regierv den Rechtssage gegen

»et der bestsW,. nch nichis unur«

tischen Lebensformen Im Gegensatz zu der strengen Etikette des althergebrachten Hofzeremoniells.

Anläßlich des Todes des Kaisers von Japan ist in London eine dreirvöchentliche Hoftrauer angeordnet worden. Alle Schiffe der britischen Ma­rine haben Halbmast geflaggt.

• Di« Revo'uit on in Nikaragua. Nach einer int ,5»untfll des DebaiS' veröffentlichten Agenturmel- düng aus Washington haben die tn Puerto CabezaS lN caragua) gelandeten Streitkräfte zum Schutz des Eigentums der amerikanischen Staatsangehörigen eine neutrale Zone geichaffen, bereit Betreten den Streitkräften beider Parteien, nämlich der Libe­ralen und Konservative»» verboten ist.

* Schaffung einer evangelischen Kirchenfahne. Der deutsch-evangelische Kirchenausschuß bat nach Anhören von namhaften Künstlern und Sachver­ständigen beschloffen, für eine einheitliche Kirchen» sahne ein dunkelviolete« Kreuz auf weißem Grunde allen Instanzen zu empfehlen.

• Dav stzechenbachurteil ausgehoben. IhrtDHhfr»» gericht hat, wie die ,Doss. Zig/ meldet, das Urteil bei Landgerichts München gegen den Journalisten Fechenbach, soweit el sich a>>f die Beröffentlichung des Ritter-LelegrammS bezieht, ohne erneute Haupt- Verhandlung endgültigaufgehoben. Die Kosten hat der Staat zu tragen. Das Landgericht München f'aite f. Zt. ans 10 Jahre Znchthau S und Tragung der Kosten gegen Fechenbach erkannt. — Der Fall Fechenbach ist einer jener dunklen Flecke, wie sie in der Nachkriegsgeschichte der Justiz leider nicht selten sind. Der Landesverrat, der ihm seinerzeit vorgeworfen wurde, wurde dar­aus konstruiert, daß Fechenbach das sogenannte Rit­ter-Telegramm an einen französisch-schweizerischen Journalisten zur Veröffentlichung weiter gegeben hat. Es ist dies ein Telegramm, das der bayerische Gesandte beim päpstlichen Stuhl, Ritter, am 26. August 1914 an die bayrische Regierung gerichtet hat. Fechenbach hatte eine Abschrift des Tele­gramms im April 1919 weitergegeben. Obwohl dieses Telegramm überall bekannt und in öffent­lichen Versammlungen verlesen worden war, wurde die Uebergabe der Abschrift als Verrat eine, diplo- malischen Geheimniffes aufgezwungen. Aehnlich stand es mit dem zweiten Fall, der Fechenbach vor­geworfen wurde und in dem er Informationen über deutsche militärische Geheimverbände an die Berliner Zweigniederlassungen eines Infor-

Die Lage in Spanien.

toft). Paris, 27. Dez. (Tel.) Bei einer Unter­redung mit der Mitarbeiterin des „Figaro" betonte der spanische Diktator Priomo de Rivera, er verberge seine Ziele nicht. Primo de Rivera wies die im Ausland auftauchende Behauptung zurück, der König sei sein Gefangener. Auf die Frage, ob Primo de Rivera noch lange an der Regierung bleiben werde, erwiderte er, um seiner selbst willen wolle er dies zwar nicht, aber er könne sich nicht zurückztehen, wenn 99 Prozent der Beoökerung hin­ter ihm stände.

Auch in der deutschen Poesie wird anerkannt, daß die rasche Begnadigung den Dillen der fran­zösischen Regierung zeigt, den Fehlpruch der fran­zösischen Offiziere in Landau wieder gut zu ma­chen. Cs wird aber darauf hingewiesen, daß der Freispruch des Leutnants Rouzier fortbesteht. Frei­

nehmen. Inner-politisch rd der Fall von Ger­mersheim in Deutschland noch oft erörtert werden. Die Deutfchnationalen betrachten ihn näm­lich als Partei-Argument und der Hugenbergfche „Tag" schrieb im Hinblick auf den Landauer Vor­gang: „Schade, schade, daß wir jetzt keine Dahlen haben!"

vir Keife im Reich.

Wie bet „Montag Morgen" auS Parlamentär» sehen Kreiien hört, soll Reich St agspr ältden. Löbe von sozialdemokratischer Seite zur E'nbe rufunn deSReichstagS dem 19. Januar zwecks Beschleunigung der Regierungsbtldung aus- gefordert werden. , . . . .

Auch die Frankfurter Zeitung fordert, daß der Reichsiag angesichiS der wichtigen Snticheidungen, die er zu treffen hat, seine Weihnachtsferien etwas abkürzt. e __ -

Reichskanzler Dr. Marx stellte dem Korrespon- benfeit bet „Reuen freien Presst" die folgenden Aeußerungen zur Verfügung: „Es tft z. Zt. noch unklar, wie die ReaierunaSkrise sich auswachien wird. Bei der ganzen Entwicklung un-erer auswattigen Politik, hal,e ich eS unter allen Umständen für er- forderlich, daß Stresemann dem neuen Kabinett angehört. Tenn damit wi>d ausgesprochen, dast wir an'der bisherigen Linie unserer auswärtigen Politik festhalten. WaS ich tun kann, werde ich tun. Tenn e8 ,st meine feste Ueberzeugung, daß alles, WaS bis- her durch Stresemann in der auswärtigen Politik ausgeführt ist, zum Guten gewesen ist. Soweit es von mit abhängt, wird an der auswärtigen Politik Deutschlands nichts geändert werden.

Darum bedauere ich gerade von meinem Em­pfinden auS ganz außerordentlich das Urteil deS französischen Kriegsgerichts in Landau. Was sich fetzt in Germersheim und Landau abge­spielt hat, beweist, daß ein friedliches Zuwmmen- arbeiten zwischen Deutschland und Frankrich nicht eher möglich ist, alS bis die Besetz»ng deutschen Gebietes durch fremdländische Truppen voll­ständig beseitigt ist.

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Maer Zeitung

NomrmmistenKomplott in Bulgarien.

wtb. Paris, 27. Dez. (Tel.) Wie aus Sofia gemeldet wird, hat bte bulgarische Polizei etwa 100 Personen im südlichen Bulgarien ver­haftet, und zwar im Verfolge der Aufdeckung eines kommunistischen Komplottes.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: .Illustrierte Berlage" und „Buchenbiätter". 'Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Aetienbruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

war der Friede 1917 möglich?

Der „Offervatore Romano" veröffentllcht einen längeren, aus Köln datierten Artikel, überschrieben Exkanzler Michaeli« und die päpstliche Frredens- vermittlung von 1917. Am Ende des Artikels heißt es: Der Ausgang dieser Untersuchung hat den Vermutungen neue Nahrung gegeben, daß Michaelis die Angelegercheit hinhaltend behandeln wollte, um auf andern Wegen an eventuelle Frie­densaussprachen anzuknüpfen, damit auf diese Weise öas Serbien ft eines Erfolges nicht dem Heiligen Stuhle zugefchrieben werden könnte. Die Tatsache, daß die Redaktion des kuriaoffiziöfen Blatte» diese Schlußstelle des Kölner Berichts mit- veröffentlicht hat, beweist, daß sie in dieser wich­tigen Sache kein Bedenken gegen den Inhalt hatte. Solche Bedenken würden sicherlich erhoben wor­den fein, wenn die Kölner Darstellung in wesent­lichem Widerspruch zur Kenntnis des Staatssekre­tariats unt die fraglichen diplomatischen Vorgänge oder zu dessen gesamtpsychologsichem Eindruck ge­standen hätte.

Der Abgeordnete Joos hat, so schreibt die „K. D.", mit Recht in der Kölnischen Volkszeitung aus die Schwierigkeiten der vollen Wahrheitsermitt­lung infolge der vatikanischen Tradition der Nicht­veröffentlichung diplomatischer Akten hingewiesen. Wir haben begründeten Anlaß zur Annahme, daß die Schweigepflicht, an die der Vatikan sich gebun­den fühlt, in diesem Falle ein besonderes Opfer der Selbstverleugnung des Heiligen Stuhles ist, welches verhindert, daß einstweilen die päpstliche Friedensvermittlung in ihrer ganzen geschicht­lichen Tragweie recht gewürdigt werden kann.

Anläßlich des Ablebens des Koffers uon Japan hat der Reichsminister de» Auswärtigen Dr. St re- sem a n n in Begleitung des Chefs des Protokoll«, Gesandten Köster, dem japanischen Botschafter einen Besuch abgestattet und ihm da, Beileid der Reichsregierung ausgesprochen. Sm Auftrage des Herrn Reichspräsidenten hat Staatssekretär Meiß­ner und im Namen des abwesenden Reichskanz­lers der Staatssekretär Pünder beim japanischen Botschafter einen Kondolenzbesuch gemacht.

Zum Zeichen der Trauer haben das Palais des Reichspräsidenten und das des Reichskanzlers, so­wie das Auswärtige Amt auf Halbmast geflaggt.

Der R e i ch » p r ä s i de n t hat an den neuen Kaiser von Sapan das folgende Telegramm ge­richtet:

Schmerzlich bewegt von der Nachricht de. Hin- scheidens Seiner Majestät des Kaisers Poshihito bitte ich Euere Majestät, die Versicherung meine, aufrichtigsten und tiefempfundenen Beileides ent- gegenehmen zu wollen.

„Sm Interesse der Befriedung und Be- ruhigung der Oeffentlichkeit nimmt der Kriegsminister in Uebereinftimmung mit dem Iustizminister und dem Minister des Aeußern den Vorschlag des Kommandierenden Generals des 32. Armeekorps, dem der Dbertommanbierenbe der Rheinarmee seine Zustimmung erteilt hat, an. Er ist der Meinung, daß für die Verurteilten, und zwar auch für diejenigen, welche nicht vor dem Kriegsgericht erschienen sind. Gnadenmaßnah- rnen ergriffen werden könnten."

Dieser Degnadigungsakt wird in der fran­zösischen Linkspresse freudig b e g r Ü ßt.

Die „BolontL" betont vor allem das schnelle Handeln der Regierung, womit sie verhütet habe, daß die deutsche Empörung sich zu einer nicht wie­der gut zu machenden feindseligen Stimmung ge­gen Frankreich auswachse. Die zivile Macht habe nicht gezaudert, da, Kriegsgericht zu desavouieren, und die Irrtümer der Militärmacht wieder gutgemacht, um alle Hindernisse für die europäische Verständigung zu beseitigen. Damit habe man auch den deutschen Nationalisten ein ge­fährliches Propagandamittel entzogen.

Die französische Liga für Menschen­rechte, die gegenwärtig in Metz ihre Iahres- tagung abhält, hat einstimmig folgende Ent­schließung angenmmen: „Der Kongreß roejft darauf hin, daß der Commiffaire du gouvernement bei dem Kriegsgericht in Landau sich zu einer Kri­tik an der Friedenspolitik der Regierung hat hin­reißen lasten, daß das Kriegsgericht ein rein p o- litisches Urteil gefällt, und damit bas für den europäischen Frieden unerläßliche Werk der Ver- söhnuna gefährdet hat. Der Kongreß wiederholt daher seine Forderung auf Abschaffung der Kriegsgerichte, da diese eine ungerechte und gefähr­liche Justiz bedeuten."

Thronwechsel in Zapan.

Der Mikado Voshihito gestorben.

Der Kaiser von Japan, Poshihito, ist am 24. De- I zember, nachmittags 1.35 Uhr gestorben, k Kaiser Yoshihito, der 123. Mikado, wurde am 31. Stunuft 1879 als Sohn Mutsuhito geboren. Seine Mutter war nicht die Kaiserin Haruko, der ! Nachkommen versagt blieben, sondern eine von den l fünf Nebenfrauen des Kaisers, deren Kinder nach j japanischem Recht als ebenbürtig gelten. Nach dem | frühen Tob seiner Mutter erzog ihn die Kaiserin l Haruko mit großer Zärtlichkeit wie ihren eigenen | Sohn, und am 6. September 1889 würbe Poshihitv, [ dessen eigentlicher Name Haru-no-mya lautete, zum I Thronfolger proklamiert. Er war der erste japa- | nische Kronprinz, der eine moderne und halb mili- f tärische Erziehung erhielt. Zu diesem Zwecke wurde f eine alte, aufgegebene Institution, die Adelsschule, wieder ins Leben gerufen. Wenn Poshihito auch nicht die westeuropäischen Sprachen beherrschte — er sprach nut wenige Worte englisch —, so kannte et unt so gründlicher das chinesische. Am 10. Mai 1909 heiratete er die Prinzessin Sadako aus dem strstlichen Hause Konoye, eine der fünf Familien, denen allein bis dahin die künftigen Kaiserinnen . entnommen wurden. Nach dem Tode des großen Reformators Mutsuhito am 30. Juli 1912 bestieg Doshihito den Thron Japans.

Wahrend Kaiser Mutsuhito den Uebergang aus bei Zeit des Feudalsystems in die moderne Aera vermittelte, stand Kaiser Poshihito schon ganz auf dem Boden moderner Weltanschauung, was auch in verschiedenen Einrichtungen zum Ausdruck kam, die er bald nach feinem Regierungsantritt am Hofe einführte. Als erster Herrscher Japans ließ er sich nicht mehr als Gott betrachten und entzog sich auch nicht der Berührung mit gewöhn­lichen Sterblichen. Allerdings trat er, von Jugend auf kränklich, selten in die Oeffentlichkeit. Nur einmal, im Jahre 1908, hat er Japan verlassen und eine Studienreise nach Korea gemacht. Stets bemüht, sich westlichen Vorbildern anzuschlie- ; .ßen, plante er auch eine Reise nach Europa. Große Sorgfalt wandte er dem Heer und der Flotte zu. Ein immer stärker hervortretentes Lungenleiden, das bereits im Jahre 1913 fein Geben bedrohte, zwang ihn jedoch bald, auf alle weitgreifenden Ab- Mten zu verzichten und die Regierung fast völlig feinen Ministern zu überlassen. Mit her Zeit ver. schlimmerte sich Kaiser Poshihitos Zustand so stark, daß am 25. November 1921 fein Sohn, Kronprinz Hiroth ! to, zum Regenten ernannt wurde. Die« L ser folgt ihm jetzt als Kaiser auf den Thron.

s Neben Hirohito hatte der verstorbene Mikado aus feiner Ehe mit Prinzessin Sadoko noch zwei Söhne. Fünf Töchter und ein Sohn, die ihm von seinen Nebenfrauen geboren wurden, sind gestorben.

Der neue Kaiser Hirohito wurde als ältester Sohn des Mikados Poshihito am 29. April E. 1901 geboren. Die bedeutendsten japanischen Ad­mirale und Generale unterrichteten ihn in Militär- und Flottenfragen. Im November 1916 wurde der Prinz zum Thronfolger proklamiert. Im Jahre : 1918 verlobte er sich mit Prinzessin Nagako Kuni. Da diese jedoch nicht einer der fünf gro­ßen Familien des Hochadels angehörte, die als ebenbürtig gelten, protestierte der damalige Regie­rungschef Yamagata gegen dieses Heiratsprojekt, und zwar um so heftiger, als die Prinzessin die Tochter eines feiner politischen Gegner war.

Große Bedeutung gewann für die Entwicklung des jungen Prinzen Die Reiss, die er im Jahre 1921 nach Europa unternahm. Die Eindrücke, die Hirohito während dieser Fahrt erhielt, bestärkten ihn noch in seiner fortschrittlichen Gesinnung. Nach feiner Rückkehr sagte er darüber unter anderem: „Ich habe die Schlachtfelder in Frankreich gesehen, und angesichts dieser Verwüstungen habe ich die Wohltaten desFriedens und die Notwen- t digkeit der Eintracht unter den Völkern verstehen M gelernt"

Worte, die zu feiner Popularität nicht wenig i beitrugen. Infolge der Krankheit feines Vaters * wurde Kronprinz Hirohito am 25. November 1921 t zum Regenten ernannt. Wenn er auch für Sport | aller Art sehr lebhaftes Interesse zeigte, erwies s er sich den schwierigen Aufgaben der Regentschaft doch mit erstaunlicher Sicherheit gewachsen. Im x Jahre 1922 besuchte ihn der Prinz von Wales, - der englische Kronprinz, in Japan und die bereit» in London angebahnte Freundschaft zwischen den beiden jungen Prinzen vertiefte sich bei dieser Ge­legenheit.

Nach dem Tod Pamagatas gedachte der Prinz, r regent feine Vermählung mit Prinzessin Nagako | Äuni endlich zu feiern, aber das furchtbare Erd - " beben, das Japan damals heimsuchte, veranlaßte 1 ihn zu einer neuerlichen Verschiebung der Hochzeit, t die erst am 26. Januar 1924 in aller Stille und MEinfachheit stattfand. Auch diesmal wäre es üb- M rigens beinahe nicht zur Trauung gekommen, denn | kurz vorher, am 27. Dezember 1923, erfolgte ein " A11entatauf den Prinz-Regenten, als er gerade I; zur Eröffnung der Parlame^ssefsion fuhr. Die • Kugel des Attentäters durchbohrte das Fenster des - Wagens, in dem Hirohiti faß. ohne ihn jedoch zu treffen. Bemerkenswert ist schließlich noch, daß um ’ ‘er Hirohitos Regentschaft das allgemeine Wahlre cht in Japan eingeführt wurde.

Auch die junge Kaiserin Nagako Kuni, die °>n 6. März 1903 geboren wurde, erfreut sich der größten Volkstümlichkeit. Sie hat gleichfalls eine woderne Erziehung genoffen, beherrscht das Eng- usche und Französische, kennt die Literatur und ^eschichxx ber Weststaaten, ist eine talentierte Mu- merin und zeigt auch Vorliebe für die demokra-

SozialdemoKratie und Industrie.

In einem Artikel mit obigem Tlickl liest man in der sozialdemokratischen Presse u. «.:

„Die volle Entfaltung ber industriellen Kräfte ist so­wohl ein Problem der Priduktionstechnik als ein Problem des Absatzmarktes für Jndustriepro- butte. Die Produktionstechnit erfordert bei der moder­nen Entwicklung der Nasienfabritation in immer höhe­rem Matze eine Ausammenfasiung der Unternehmungen in den einzelnen Gewerben. Die unorganische Anhäu­fung de« Besitzes von vielerlei Unternehmungen in einer Hand aus rein finanziellen Gesichtspuntten, wie sie in der Inflationszeit in Deutschland sich im besonderen Matze entwickelt hotte, ist von uns stets als ein Auswuchs kapi- talistischer Wirtschaft betämpst worden, während wir den Zusammenschluß gleichartiger Unternehmungen im In- tereffe der Rationalisierung des Produktionsprozesse» auch dann anerkannt haben, wenn er sich in rein kapi­talistischen Formen vollzogen hat. Der Zusammenschluß- bewegung, mag sie die Form von Syndikaten oder Trustbildungen haben, steht die Sozialdemokratie nicht mit reaktionären Forderungen ,des Verbots gegenüber sondern mit dem Anspruch auf gemeinwirtschaft- iiche Kontrolle derjenigen Gebilde, die ein ordnen­des Prinzip in die Wirtschaft hineintragen können, die es ober nur hineintragen werden, wenn ihre rein privat­kapitalistische Orientierung überwunden wird."

Hier zeigt sich ein bemerkenswerter Wandel der Auffassungen. Früher stand die Sozialdemokra­tie auf dem Standpunkt, man müsse durch den Klas­senkampf den Kapitalismus erst zerschlagen, be­vor die Herrschaft deS Sozialismus kommen könne. Heute ist die Partei in ihren maßgebendsten Ver­tretern der Ansicht, daß der Weg zum Sozialis­mus über die Produktionsförberung führt. Letzteres ist eher zutreffend, dahingegen findet die erstere rückständige Auffassung ihre Vertretung noch bei den Kommunisten, die „wissenschaftlich" einige Jahrzehnte noch hinter der Sozialdemokratie her laufen.

* Zu den kommunistischen Unruhen aus Java Aus Batavia wird gemeldet: Im ersten Prozeß gegen die Rädelsführer der Aufstandsbewegung wur­den vom SanbeSrat drei Angeklagte wegen Anstif. tung zum Aufruhr und Ermordung eines Polizei­beamten zum Tode, einer zu lebenslänglicher Ge­fängnisstrafe und einer zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt-

matlonsbüros in Rotterdam gegeben hatte. Ge­rade der letzte Landsberger Femeprozeß hat wie­der gezeigt, daß auch diese Dinge im Ausland viel bester bekannt waren als in Deutschland und daß Fechenbach mit seinen Mitteilungen durchaus keine Geheimnisse verraten hat. Die Entscheidung des Reichsgerichts bezieht sich übrigens nur auf den er­sten und nicht auf den zweiten Fall.

Aus Paris wird gemeldet: Die Verhandlun­gen, die Botschafter v. H ö f ch und Geheimrat F or- st er in letzter Zeit mit der Botschafterkonferenz über gewisse Restpunkte des Entwaffnungspro­gramms, nämlich Polizeifragen, vorübergehende Einstellung in die Reichswehr und Sportverbände, geführt hatte, haben zu folgendem Ergebnis ge­führt:

Die P o l i z e i f r a g e ist durch einen Noten­wechsel zwischen der Botschafterkonferenz und Herrn v. Hösch endgültig geregelt worden. Die deutschen Polizeikräfte sind damit auf insgesamt 140 000 Mann festgesetzt, davon 105 000 Mann staatliche Polizei und 35 000 Mann Kommunal­polizei. Dabei hatte aber die Botschafterkonferenz ausdrücklich anerkannt, daß gewiße polizeiliche Hilfskräfte, die in der Note von Boulogne noch in die Zahl der eigentlichen Polizeikräfte eingerech­net worden waren, nicht als solche anzusehen sind und daher zu der von 140 000 Mann hinzukom­men. Dazu ist zu bemerken, daß die Note von Boulogne die Zahl dieser Hilfskräfte auf 15 000 bemessen hatte. Es ergibt sich also eine Vermeh­rung der zugelassenen eigentlichen Polizeikräfte um 5000. Auch die Frage der Anrechnung der Polizei der Hansestädte bei der Verteilung der staatlichen und Kommunalpolizei ist in einer den deutschen Belangen Rechnung tragenden Weise ge­löst.

Ferner ist hinsichtlich der »o rübergeb en- den Einstellung in die Reichswehr und der Verbandsfrage eine völlige Einigung erzielt worden.

Der Austausch der im Entwurf bereits vor­liegenden Noten wird voraussichtlich in der ersten Januarwoche stattfinden. In beiden Fragen hat sich die Botschafterkonferenz von den ihr von der deutschen Regierung mitgeteilten Maßnahmen, die sich im Rahmen des allgemeinen deutschen Rechtes halten, befriedigt erklärt. Insbesondere hat sie von der früher gestellten Forderung einer Auf­lösung von Verbänden Abstand genommen und das Vertrauen ausgesprochen, daß, wenn sich etwa in Zukunft die getroffenen Maßnahmen nicht als ausreichend erweisen sollten, die deutsche Re­gierung selbst das Nötige veranlasten wird.

Die Begnadigungen.

Der Präsident der französischen Republik hat dte schon am Weihnachtsabend freigelassenen in Landau verurteilten Deutschen am 25. Dezember in aller Form begnadigt.

. In dem Bericht, den der Kriegsminister dem Präsidenten vorgelegt hat, heißt es:

Die italienische 5lrmee.

^Popolo d'Jtalia" veröffentlicht die neue terri­toriale ülrmeeglteberung. Die Armee besieht darnach aus zwanzig Armeekorps zu je zwei bis drei T>vi» sionen und überdies aus den ivtiliiäiko nmandos von Sizilien und Sardinien. DaS vierte Armeekorps von Verona mit Bozen und Venedig besteht aus drei Divisionen, das fünfte von Triest mit Udine, Görz und Pola auS vier Divisionen. Die Zahl der MililarergänzungSbezirke bleibt wie bisher 145.

Anzeiger für die Stadt und den kreis Fulda. Amtliches kreisblakt.

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