Fuldaer Zeitung
2. Blatt.
Dctttt Bet Fuldaer töcflenbruderei, Fulda
Aus der Zentrumspartei.
wie wird das Wetter?
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Opfer bringen, weil es der Sonne eben gefällt,
Keill««« Da«««irf ... «... mt «t«» > vpfer ortngen, wen es Der «sonne even gefüllt, SlääigSS BaugSiu ZU nur Ow/o Zins Kehrt au machen, was obendrein noch bloßer Schein
Zahlreiche freiwillige Anerkennungen
: strophe dieses Liedes umgeändert und der Text vor
geschlagen:
■ ist? Meint ihr, es werde auch nur ein Lied wie „Stille Nacht" den kleinsten Rest von Poesie behalten, wenn ihr mit eurer Umdichtung zu Hilfe J kommt. Tatsächlich wird zum Beispiel die Schluß-
wann hat die Erhebung der Vermögenssteuer zu unterbleiben? Von Regierungsrat Jacobson (Wesermünde-L).
M 298.
Lamstag, 25. Dezember 1926. .
Trotz des milden Winters gibt es immer mehr Leute, die so ein Gefühl haben, als würde es bau ernt* kälter auf Erden. Sie machen die Erfahrung des jungen Schiller, der an die Frau von Wolzogen schrieb: „Ich harte die halbe Welt mit der glühendsten Empfindung umfaßt, und am Ende fand ich, daß ich einen kalten Eisklumpen in den Armen hatte." Die große Not hat viele Menschen so harl gemacht wie auch die dunkle Empfindung, es schwebe irgendein furchtbares Schicksal in der Luft. Ändere wieder glauben gelernt zu haben, daß noch so viele Beweise persönlicher gegenseitiger Liebe nicht sonderlich helfen, weil jede Blume in denc grausige» Eiswind sterben muß, der aus den Gletscherzonen der Wirtschaft, der Finanz und der Politik und überhaupt des ungeheuren Mechanismus des modernen Lebens beständig weht. Ach, wenn doch irgendwoher ein milder Golfstrom sich unfern winterlichen Küsten nähern wollte!
Da ist nun Weihnachteni wieder da. einst, so brechen wunderbare Zauber aus ihm hervor. Es ist ein Fest der Liebe. Jeder will schen. ken. Man denkt nicht an sich, man denkt jedenfalls auch an den andern. Man will sich freuen wie ein Kind. Lichtlein werden aufgesteckt und bunte glitzernde Pracht schlingt sich um den festlichen Baum. Kinderlieder werden gesungen. Selbst die verschlosiensten Alten, die schon lange nichts mehr hinter den S,kernen suchen, hören gläubig ergriffen zu. Die Freude eint. Herrschaft und Dienerschaft scheinen an diesem Tage inniger zusammenzugehören und eine einzige Familie zu bilden. Ich kenne einen Fabrikdirektor, der alle seinen Ar- beiterkindern an diesem Tage eine ganz neue Ausrüstung schenkt, von den Schuhen bis zum Hui. Die Fabrik beschäftigt etwa 500, aber es macht ihm eine solche Freude, daß er auch in schwerer Zeit nicht daraus verzichten will. Wenn er dann unter sie tritt, dann entsteht ein heller Jubel. Dann ist auch hier eine einzige große Familie.
Selbst die Sozialisten können sich den Zauber der Weihnacht nicht verschließen. Interessant ist, was uns Pater Hugo Dausend O. F. M. darüber in den „Franziskanerstimmen" erzählt. Er erinnert an einen Artikel, der der „Sozialistischen Erziehung" entnommen ist. Dort heißt es: „Das Weihnachtsfest ist fest und traditionell in den Menschen, auch bei den Proletariern verankert. Dieses Fest tritt uns heute noch mit aller herkömmlichen kirchlichen Dogmatik, als symbolischer Brauch der Religion entgegen und ist in dieser Gestalt tief in den Herzen der Menschen verankert. Wenn sich auch viele über die symbolischen Gedanken dieser Woche nicht mehr im klaren sind, so machen sie aus reiner Tradition doch mit. Wir stehen nun vor der Tatsache, daß wir dieses Fest in seiner jetzigen Erscheinungsform keineswegs gebrauchen können ..." Wie, ein Fest, das so viel Liebe schenkt, können wir nichtmehrgeb' rauchen? Habt ihr Freunde des armen und arbeitenden Volkes denn schon einen Ersatz? „Wir müssen", so heißt es weiter, „uns also der Aufgabe unterziehen, dieses Fest seiner kirchlichen Entkleidung zu entledigen . . . aus diesem Fest der Kirche wieder das Fest der Wintersonnenwende zu machen." 0, ihr klugen Dolkserzieher. Meint ihr denn wirklich, es würde ein Mensch für einen andern auch nur das kleinste
Oetkers
Marmeladen
dürfen auf keinem Frühstückstisch fehlen
Jahre all war, während der gute Nachbar das sechzigste Lebensjahr überschritten hatte, somit der letztere sich mit Recht auf 8 8 des Vermögenssteuergesetzes
Das Hochdruckgebiet über Norderrropa hat sich weiter verstärkt, gleichzeitig aber etwas süd- und westwärts verlagert. Im wesentlichen wird es aber seinen Einfluß aus Unsere Witterung auch weiterhin behalten, sodaß bei nördlichen und östlichen Winden mit bet Fortdauer des Frostes gerechnet werden kann.
Aussichten bis Sonntag: Keine wesentliche Aendenmg.
berufen konnte. ,
Der genannte Paragraph bestimmt zunächst, datz bei allen' natürlichen wie juristischen Personen die Vermögenssteuer nicht erhoben wird, wenn das abgerundete Vermögen 5000 Reichsmark nicht Übersteigt. Da das Vermögen bei der Berechnung der Vermögenssteuer auf volle Hundert nach unten abzurunden rst, sind alle natürlichen und juristischen Personen, insbesondere auch nicht rechtsfähige Vereine, Anstalten, Stiftungen, offene Handelsgesellschaften und Kommanditgesellschaften ver- mögenssteuerstei, wenn ihr Vermögen am 1. Januar 1925 nicht höher war als 5099,99 Reichsmark.
Die Vermögenssteuer lvird bei den natürlichen steuerpflichtigen Personen außerdem nicht erhoben, Ivenn das abgerundete Vermögen 10 000 Rm. und außerdem das letzte Jahreseinkommen 3000 Rm. nicht überstiegen hat. Auf Grund dieser Bestimmung mußte die Beran- anlagnng eines großen Teiles, insbesondere der ländlichen Bevölkerung unterbleiben. Die Einkommensgrenze von 3000 Mark erhöht sich bei den genannten Personen je nach der Anzahl der Kinder bis 6000 Rm., so daß also ein Steuerpflichtiger mit fünf Kindern bei einem Vermögen von 10 000 Rm. und einem Einkommen von 6000 Rm. immer noch nicht zu veranlagen ist.
Schließlich kommt eine Erhebung der Vermögens- steuer bei den natürlichen Personen nicht in Frage, die über 60 Jahre alt oder erwerbsunfähig ober dauernd behindert sind, ihren Lebensunterhalt durch eigenen Erwerb zu bestreiten, falls das abgerundete Vermögen 20 000 Rm. und das letzte Jahreseinkommen 5000 Rm. oder, falls das abgerundete Vermögen 30 000 Rm. und das letzte Jahreseinkommen 4000 Rm. nicht überstiegen hat. Sind mehr als zwei minderjährige Kinder vorhanden, so erhöht sich bei diesen Personen die Einkommensgrenze von 3000 bezw. 4000 Rm. auf 6000 bezw. 5000 Rm. So ist also ein 61 jähriger Vater mit drei minderjährigen Kindern nicht zu veranlagen, wenn sein Vermögen sbezto. das gesamte Vermögen der Eheleute) 30099,99 Rm. und sein letztes Jahreseinkommen 5000 Rm. nicht überstieg.
Die Voraussetzungen hinsichtlich des Alters, der Erwerbsunfähigkeit ober der Erwerbsbehinderung müssen bei Ehegatten in der Person des Ehemannes vor liegen. Nur, wenn die Ehefrau für den Erwerb des Vermögens wesentlich beiträgt oder beigetragen hat, kommt chre Person für die genannten Befreiungsvorschriften in Frage.
Der oben näher ausgeführte § 8 findet nur auf unbeschränkt steuerpflichtige Personen Anwendung. Personen, die im Deutschen Reicht nicht ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben, können sich somit nicht auf chn berufen.
Wie ist es nur möglich, meinte dieser Tage ein Landwirt, daß mein Nachbar, der, ebenso tote tch. em Vermögen von 29 000 Mark besitzt, und dessen letztes Jahreseinkommen übrigens auch wie das meinige 3d Mark betrug, vermögenssteuerfret 'st 'nsbe- i'onbere seine für 1925 und 1926 geleiteten Vermögens sleuervorauszahlungen erstattet bekommt, wahrend ich für die beiden Jahre Nachzahlungen leisten muß und für 1927 vorauszahlungspflichtig bin? Das nennt nun das Finanzamt eine gerechte Besteuerung! — Am Befragen stellte sich heraus, daß der Interpellant i » Jahre alt war, während der gute Nachbar das sech-
Rund um die Woche.
Eisklumpen und Golfstrom. — Weihnachten — Der soziale Fabrikdirektor — Sozialistisches „Stille Nacht". — Reinke und das Christentum. — Ein Kanonenschuß in der Weihnachtsnacht.
Das Zentrum in Nassau. Der Nassauische Zentrumsparteitag findet am 6. Januar 1927 (Dreikönigstag) m Limburg statt. Der Vorsitzende wird den Rechenschaftsbericht verlegen und Professor Dr. Lau- scher. Mitglied des Preußischen Landtags, em Referat übet die Schulfrage erstatten. Nachmittags um 3 Uhr findet in der Turnhalle eine große öffentliche Versammlung statt. In dieser Versammlung werden frechen-. 1. Der Vizepräsident des Reichstags Esser über Wirtschaftsfragen; 2. Reichskanzler a. D. Dr. Wirth über Außen» und Innenpolitik.
wurden von derBausparkasse derGemeinschafi der Freunde Luftkurort Wüstenrot in knavv 1H Jahren an 600 Bau» Ivorer »um Bau von Eigenheimen und gemeinnützigen Sauten vergeben. Wer nach einem Eigenheim strebt, oer- lange alle Unterlagen. Sofortige Darlehen werden nicht gegeben. Diesbezügliche Anfragen zwecklos. Die Gemejn. lÄaft der Freunde ist die erile.alteste.grvhte.erfolor-uhste. leistungsfähigste und sicherste Baulxarkaue Deutschlands- i
„Stille Nacht, heilige Nacht, Arbeitsvolk, halte Wacht, kämpfe mutig mit heiliger Pflicht, bis die Weihnacht der Menschheit anbricht, bis die Freiheit ist da! . .
Man sollte dergleichen schon aus künstlerischen Gründen nicht für möglich halten, aber den Kindern das Christkind stehlen, den Familien das Bild Per heiligen Familie, der armen Menschheit den Erlösungsgedanken, wißt ihr wirklich für unser Volk nichts Besseres zu tun?
Wir werden gerade in dtzeser Weihnacht auf sehr ernste Gedanken gelenkt. Unser Staatswesen ist ioeben wieder durch schwere Stöße erschüttert worden. An unseren Grenzen erlebten wir Revolutionen. Kriegsdrohungen rasen durch die abgehetzte Welt. Die Zahl der Beschäftigungslosen nimmt wieder, zu. Das Wort Weihnachtsfriede weckt in uns eigentümliche Gefühle. Es wird unheimlich Wie sich in der Literatur die Bücher über den Teufel mehren, so wittern manche Dämonisches. Als ginge nicht der Gloriaengel um, sondern der Leibhaftige. 'Jom, die klaren Blicke in diese Ge- heimnifse, die in den Unter- und Hintergründen der Geschichte weben, sind uns versagt. Aber Wissende Öffnen sich immer mehr der Erkenntnis, daß wir die gefamten Fundamente, auf denen das Leben heute steht, von neuem untersuchen müssen. Einzelne haben diesen Fragen ihr ganzes Leben gewidmet. So etwa der hochbedeutende Universitätsprofessor Reinke, der Naturwissenschaftler, der uns vor einiger Zeit seine Erinnerungen geschenkt bat. Schon über 50 Jahre waltet der verdiente Mann seines Amtes in der Wissenschaft und in der Erziehung. Er hat seine Augen offen gehalten und kennt die große Welt so gut, rote die mikroskopische, der er mit so viel Erfolg ihre Heimlichkeiten ablauschte. Er schreibt, wohl in dämmernder Erinnerung an ein bekanntes Goethe wort: „Heber die Hoheit und Heiligkeit des Christentums ist unter uns noch niemand hinausgekommen, und mit seiner Vernichtung würde Jtie Grundlage unseres inneren Lebens zerstört werden. Die Auffassungen der einzelnen vom Wesen des Christentums weichen gewiß voneinander ab; dennoch werden diese vielen bekennen: Ich bin ein Christ. Wollte ich meine persönliche Auffassung hier darlegen, so könnte ich mich nicht kurz fasten." Zu letzter Klarheit ist Reinke gewiß noch nicht vorgedrungen, aber schon diese, in schwerer Lebenserfahrung erkämpften Sätze geben zu denken. Weihnachten ist nicht das kosmische Fest der Wintersonnenwende, vielmehr ist es das christliche Fest des Glaubens, das Fest der Sonne unserer abendländischen Sulfur. Unsere ganze Geschichte und unser gesamtes Dasein als Volk steht auf der wunderbaren Tatsache dieser Mitternacht, und verlischt dieses Licht, dann sind Sonne und Sterne von unferm Himmel gefallen, und der Untergang ist da.
Fefern wir MeUsttachken, Tetern wir es auch in der Familie und lasten wir der Festfreude nur ruhig ihren Weg bis in das profane Leden hinein. Aber eine Komödie soll es nicht werden. Ich kenne irgendwo ein Haus, in dessen unteren Geschäftsräumen oft zweifelhafte Dinge vor sich gehen. Aber in den Weihnachtstagen steht oben auf dem Giebel dieses Hauses ein riesiger Reklamechrist- baum, der mit unzähligen elektrischen Kerzen brennt. Pfui, habe ich gesagt, und wenn ich eine Flugzeugabwehrkanone zur Hand hätte, bann würde ich das Ding herunter schießen, und sollte der Schuß auch mitten in das Gloria der Engel hineinknallen . . . Nicht für ungut, fröhliche, gnadenreiche Weihnacht!
Der Mann im Monde.
von den Hochschulen.
-- Aniversstäts-Nektorenkonferenz in Würzburg. Zu bet deutschen UniversitStsrektorenkonferenz, die am 17. Januar in Würzburg tagt, werden alle Rektoren und Prorektoren der deutschen Hochschulen erwartet.
Weihnachten.
; „Friede den Menschen auf Erden." Das hören güt alle Jahre Weihnacht und fingen es dann von r Thristmette bis Mariä Lichtmeß. Und es gibt uns ! jedesmal einen Stoß und wir denken: „Ach ja, jo kkmüßte es fein", und träumen wenigstens einen Tag ! lang, es sei so und wäre nicht ganz unmöglich, daß . e5 so bleiben könnte. Aber unser Glaube ist so - schwach geworden, daß wir dabei in einer Ecke un- i. strer Seele lächeln über unsere Torheit. Im Hin- | tergrunbe unseres Bewußtseins bleibt das Gefühl | wach, daß wir da mit einem Gedanken bloß f p i e- : (en. Und so pinseln wir das Wort über allo F Krippen, die wir bauen. Heben es als Vorspruch s vor den Predigten, die wir hören, drucken es in alle Zeitungen, schicken es fort auf taufentten von £ Karten und verzieren sogar unseren Weihuachtsku- r zchn damit, und tuen so, als sei es uns ernst damit : und „wissen" dabei doch ganz genau, daß wir aus dem Traum zur „rauhen Wirklichkeit", rote wir es gern überlegen nennen, erwachen werden, noch ehe die letzte Kerze am Christbaum verschwelt ist. So sind wir, und ernst nehmen wirs mit dem — Christentum.
| Ja, aber, weiß du denn nicht? . . . O ja, aber Mnatürlich, sehr genau weiß ich. Ich weiß, daß kein Friede in der Wett fein kann, weil es immer böse Nachbarn gibt. Und dieser Nachbar bin manchmal ich, manchmal ist es ein dritter, und manchmal bist — du es auch. Ich weiß, daß es keinen Frieden B gibt in der Welt, weil wir drei ich und du und der [ dritte da, keinen Frieden halten wollen. Ich weiß, daß alle Menschen alle nebeneinander gern Frieden t roif Erden hätten, daß sie aber von der Ehre Gottes, die das Fundament alles Friedens ist, nichts wissen wollen. Dächte aber jeder in allem und bei jeder Gelegenheit allein an die Ehre Gottes, wo sollte da »er Streit Herkommen? Nein, nein, der Streit geht immer nur um das karge Wmpchen, das wir unsere Ehre nennen.
Sollten wir nicht mal dieses Lämpchen „Ehre" nehmen und resolut dem Christkind als Opfer bringen? Ich glaube, das wäre ein richtiger Anfang, Weihnachten zu feiern. Iodokus.
Das Rätsel des Heidegrabes.
Roman von Ernest Becher.
18] --------
„Donner! Du erschreckst mich!" fagte Dunste aufgeregt. „Aber was! Dann müßte der Vormund eben auch die Post übernehmen — und ich glaube überhaupt nicht, daß Elkeborg ein solches Schriftstück in frembe .Hände gelegt hat. Er muhte schon die Möglichkeit erwägen, daß es durch Zufall ober Absicht zu unrecht geöffnet L, wird."
Der Notar zuckte die Achseln, ohne eine Antwort zu fe geben.
Der Eintritt des Dieners unterbrach das Gespräch.
1 es war mittlerweile dreiviertel 9 Uhr geworden und der - Beginn der Amtszeit ruckte heran.
„Gutsbesitzer Föns steht draußen und ersucht um F Einlaß!" meldete Knud.
„Gustav Föns»" sagte Thorhus erstaunt. „Was will her Dänenfresser bei mir und noch dazu so zeitig?"
„54 verschwinde über die Spiegeltreppe," flüsterte Danske eilig. „Wenn mich der Kerl bet dir sieht, wer meih, was er dann wieder herausschnüffelt!"
„Gib acht, daß du nicht fällst! Die Treppe ist steil tmb hat schadhafte Stufen," antwortete der Notar leise, indem er den Freund zur Türe des Nebenzimmers begleitete.
„3 wo, ich kenne sie doch!" flüsterte der Schriftleiter über die Schulter zurück. „(Bebt mir bald Nachricht, ich bin sehr gespannt — nur nicht Samte!"
Er schritt auf einen langen, schmalen Spiegel zu, der | den Eingang zu einer geheimen Treppe verkleidete.
Danske drückte auf eine Rosette des reichgeschnitzten Rah | mens und die Türe tat sich geräuschlos auf.
Nachdem der Schriftleiter in der dunklen Deffnung U verschwunden war, schloß Thorhus die Derbindungsiüre | zwischen den beiden Zimmern. Er setzte sich vor seinen U Schreibtisch in einen Lehnstuhl, öffnete einen Akt, legte || ihn vor sich hin und besohl endlich dem roarterfben MDiener:
„Führe den Herrn herein!"
|F Gleich darauf betrat ein hochgewachsener, kräftiger Dtann bas Amtszimmer und grüßte höflich. Thorhus war aufgestanden, nickte kurz und wies mit her Hand «Uf den Stuhl neben dem Schreibtisch.
Die Männer setzten sich und der Notar blickte fragend auf den Besucher.
f »Ich komme in Angelegenheiten des verstorbenen Buchhändlers Elkeborg zu Euch, Notar Thorhus," be- Sann der Gutsbesitzer, den anderen ruhig ansehend.
, »Die?" entfuhr es dem Notar. Doch faßte er sich schnell und sagte: „3d) verstehe nicht."
„Hendrik Elkeborg hat verfügt," fuhr der Gutsbesitzer fort, daß heute sein Testament eröffnet werde — drei Tage nach seinem Tod, bestimmte er seinerzeit. Ist dem so?" * •
„Allerdings," antwortete Thorhaus erstaunt. „Doch »erstehe ich noch immer nicht, wieso Euch diese Angelegenheit berührt. Woher wißt Ihr von dieser Verfügung?"
Föns lächelte ein wenig. Er griff in die Innen ti^he seines Rockes und zog ein Blatt Papier hervor, das er entfaltete und dem Notar hinreichte.
„Elkeborg hat mich zu seinen Lebzeiten beauftragt," sagte er dabei, „der leftamentseröffnung als Zeuge beb .-»wohnen."
Der Notar blickte den andern faffungelos an.
„Ihr — Ihr seid Zeuge?" stotterte er.
Der Gutsbesitzer nickte.
„Das Blatt hier enthalt die Ermächtigung," en- viderte er.
Mechanisch sah der Notar auf das Schriftstück, ohne eie wenigen Zeilen sogleich zu lesen. Endlich sagte er
„Es ist richtig, Ihr seid legitimiert."
„Für wie viel Uhr habt Ihr die Testamentseröfsnung angesetzt Notar Thorhus?"
„Um neun Uhr kommen die von mir bestellten Zeugen: Bürgermeister Götrik, Doktor Carstens und der Lehrer Iänike — lauter Frettnde des verstorbenen."
„Ich weiß!" gab Föns mit unmerklichem Lächeln zurück. „Es ist gleich neun Uhr: da gestattet Ihr wohl, bah ich hier so lange warte?"
„Bitte!"
Der Gutsbesitzer stand auf und betrachtete die Oelge- inätbc. die an den Wänden hingen, während der Notar tat, als studiere er den vor ihm liegenden Akt; feine Gedanken waren aber anderswo, er fragte sich fortwährend: „Was nur hat Elkeborg bestimmt, diesen Föns als Zeugen beizuziehen, ihn, dem er doch feindlich gegenüber gestanden war?"
Er hatte nicht lange Zeit zu sinnen; Knud meldete zuerst Iänike und gleich darauf traten Götrik und Carstens ein. Alle drei zeigten unverhohlenes Erstaunen, Föns hier anzutreffen.
Der Notar klärte sie auf.
„Der verstorbene Elkeborg hat Gutsbesitzer Föns zum Zeugen für die Testamentseröffnung bestimmt — dort liegt die Schrift," sagte er, auf den Schreibtisch deutend.
Betroffen blickten Götrik und der Arzt einander an und bann auf Iänike. Der neigte unmerklich bas Haupt auf die Schulter.
„Da die Zeugen versammelt find, so schlage ich vor, gleich zu beginnen," unterbrach der Notar die Stille. Er holte aus einer Lade einen großen, versiegelten Brief
umschlag hervor und reichte es der Reihe noch den Anwesenden hin mit den Worten:
„Darf ich bitten, sich zu überzeugen, daß das Siegel unverletzt ist?"
„Es ist in Ordnung," antwortete Föns, der den Umschlag zuletzt erhalten hotte und ihn mm nach sorgfältiger Prüfung dem Notar zuriickgab.
„Ich bitte die Herren, sich zu setzen!" lud der Notar ei». Gewohnheitsmäßig fiel er in feinen geschäftsmäßigen Ton.
Man nahm Platz und dir Verlesung des Testament, begann.
Wie zu erwarten gewesen war, hatte der Buchhändler dem Enkel al» seinem einzigen lebenden Berwandien all sein Hab und Gut vermacht, bas genauest aufgezählt wurde. Nach dieser Bestimmung kam die Stelle, welche sich aus die Bestellung eines Bormundes bezog.
„Das Gesetz verlangt," las der Notar, daß meinem Enkel für die Zeit feiner Minderjährigkeit ein Vormund gefetzt werde. Bisher habe ich das Vormundschaftsamt innegehabt, im Fall meines Ablebens aber muß für Gottfried ein neuer Vormund bestellt werden. Aus der Erwägung nun, baß Ich es dem Gutsbesitzer Föns schul, big bin--*
Hier unterbrach sich der Notar und kos die nächsten Sätze für sich. Er wurde bleich und warf einen hilfesuchenden Blick auf die Freunde, die ihm verständnislos zufahen. *
Endlich fuhr der Notar stockend fort, feine Stimme Hang heiser:
..---daß ich es dem Gutsbesitzer Gustav Föns
schuldig bin, ihm für die mancherlei Unbill, die ich ihm infolge von Mißverständniflen zugefügt, Genugtuung zu leisten, bin ich gewillt, ihm einen Beweis meines Vertrauens zu geben. Ich erwarte, daß er meinen letzten Willen erfüllen wird, und so bestimme ich, bah Guts- bescher Gustav Föns, wohnhaft zu Gjelstebt auf der Sommerheide, meinem Enkel Gottfried Elfeld zum Vor. mund gefetzt werde. Ich bestimme btes auch deshalb, weil ich sicher bin, auf diese Weise im Sinn von Soll- friebs Vater zu hanbeln, ber ein Freund des obengenannten Gutsbesitzers gewesen ist, und ich vertraue, daß Gustav Föns im Gedenken an seinen toten Freund deflen Sohn gegenüber die Pflichten des Vormundes getreulich erfüllen wirb."
Götrik und Carstens sahen auf den Gutsbesitzer, der unbewegt dasaß. Der Bürgermeister war bis in die Sippen erblaßt, der Arzt runzelte finster die Stirn. Sänfte hatte mit wett geöffneten Augen atemlos zu gehört.
Der Notar verlas dann noch einige Bestimmungen, bte sich auf Margret und Jürgen, sowte auf die Dienst- teufe des Meierhofes bezogen. Ihn«, allen t/nti» Elle.
borg Vermächnisfe ausgesetzt; insbesondere hatte er bestimmt, daß die alte Margret zett ihres Lebens ein Wohnrecht in des Erblassers Haus haben und eingedenk ihrer oieljährigen Treue auch getreulich gepflegt und gewartet werden sollte, sobald sie einmal ihrem Dienst nicht mehr nachkommen könnte.
Dann folgten das Datum und Elkedorgs Unterschrift, sowie jene der drei Zeugen, Männer aus Gjelstedts Umgebung, bei deren Namensverlesung sich Götrik und Carstens wieder betroffen ansahen.
„Mr sind zu Ende," sagte der Notar, der sich während des Verlesens gefaßt und sich Mühe gegeben hatte, den Eindruck eines Unbeteiligte«! zu erwecken. „Hat einer der Zeugen etwas einzuwenden?"
„Ich nicht," antwortete Föns; die andern drei schul- letten stumm das Haupt.
„Gutsbesitzer Fons," fragte der Notar wieder, „seid Ihr gewillt, die Euch auferlegte Vormundchast zu über- nehmen?" s . < s a
Föns nickte. "' "
„Ich bin es,' sagte er, „da es so der Wille bes Toten ist."
.Ich bitte also die Herren," mir die gesetzmäßige Ver- toutbarung des Testaments, sowie den Umstand zu be- (tätigen, daß fein Einwand erhoben wurde," bat der Notar, nachdem er einige Zeilen auf ein Blatt Papier geworfen hatte, und reichte dem Bürgermeister die Feder.
Götrik schrieb mit vor Aufregung zitternder Hand seinen Namen. Carstens und die beiden anderen Zeugen folgten, worauf auch der Notar seinen Namen beb setzte und bann siegelte.
„Benötigt Ihr mich sonst irgendwie, Notar Thorhus?" fragte Föns.
Thorhus verneinte stumm.
„Dann gestattet, daß ich Euch danke und mich entferne," sagte der andere, sich verbeugend. „Ich will fetzt nach meinem Mündel sehen."
„Gottfried ist krank!" bemerkte der Arzt mit halb lauter Stimme.
-Ich weiß es", erwiderte Föns. „Umso mehr ist es meine Pflicht, ihn aufzusuchen."
Er verbeugte sich nochmals und ging.
Als sich die Türe hinter ihm geschlossen hatte, sahen die Zurückgebliebenen einander an. Carstens rief:
„Die konnte Elkeborg uns dies antun! Unfern ärgsten Widersacher bestimmt er zum Vormund!"
„3ch habe Unangenehmes vorgeahnt," sagte der Notar düster. „Daß es aber von dieser Seite kommen «ürde, dachte ich nicht. Das ist schlimmer als ich ahnte"
»Die Schrift!" stöhnte Götrik. „Die bekommen wir nun die Schrift?"
(Fortsetzung folgt)