Einzelbild herunterladen
 

FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadl und den Kreis Fulda. Amkliches Krelsblakk.

)lr. 298

Samstag, 25. Dezember 1926

Zahrg.SZ

Weih

Diese Begnadigung werde schon am n a ch t s t a g e ausgesprochen werden.

Sefa-

General

Der Oberbefehlshaber des tzungsheeres in den Rheinlanden,

Wiedergutmachung Landaus.

Freitag vormittag findet in Paris ein Mini­ster a t statt. Nach dem „Slatin" soll er sich auch mit dem Urteil von Landau und wahrscheinlich auch mit einem Vorschlag, allen Verurteil­ten Straferlaß zu gewähren, beschäftigen.

Nach einer Breslauer Meldung der „Voss. Zig." erklärt Präsident Calonder am Schüsse einer Entscheidung gegen die rechtswidrige Aus- schließung deutschsprachiger Kinder vorn Be- suche der M i n d e r h e i t s s ch u l e n, daß er, falls die zuständigen polnischen Behörden seine Stellung- nähme nicht annehmen, sich veranlaßt sehen würde, dem Völkerbundsrat zu bitten, den ganzen Rechtsstreit in seiner nächsten Session zu entschei­den, ,

Eine Delegation des radikalen Parteivorftan- des hat sich zu Kriegsminister Painleve begeben, um mit ihm die Folgen des Urteils des fran­zösischen Kriegsgerichtes zu besprechen.

Die rheinische Zentrumspartei sandte ans An­laß des Urteils im Rouzierprozeß folgendes Tele­gramm an den Reichsminister für die besetzten Ge­biete: Das rheinische Zentrum spricht Ihnen Dank für Ihre Erklärung zu dem unerhörten Fehlurteil des französisclzen Kriegsgericht von Landau aus. Mit Ihnen und der Reichsregierung erwartet die rheinische Bevölkerung e-e-tt nur die Revision die­ses Urteils, sondern auch die Entfernung der Besatzung vomRhein. damit solche Schäden für die Politik der Verständigung unmöglich ge­macht und dem Rheinland Reifst und Freiheit wie­dergegeben werden. ur

Der bäuerische Ministerpräsident Dr. Held richtete an die pfälzische Bevölkerung einen W e I h- nachtsgruß, in dem es heißt: Was in Germers­heim trotz ßoearno und Thoiry gescheuen und was mit dem entsetzlichen Urteil des französischen Mili­tärgerichtes in Sandau gutgeheißen worden Ist, widerspricht aller Befriedungsarbeit verantwor­tungsbewußter Stnatsmänner, allem Recht- und Gerechtigkeitso-tühl, fa aller Menschlichkeit. Ich bin bewußt, ■rrt die Pfälzer, die in staunenswerter Opferwilligkeit schon so viel in der langen Leidens- zeit ertragen haben, auch durch dieses Urteil sich nicht zu unüberlegten Worten und Taten hinreißen lassen. Möoe das Urteil von Landau der Well zum Bewußtsein bringen, was es für ein Kultur­volk bedeutet, beinahe ein Iabnehnt unter der Herrschaft fremden Militärs zu leiben.

2)r. Held schließt mit dem Wunsche, daß bald der ^ag der Freiheit und de« Friedens auch für die Pfalz kommen möge. Dafür in Wort unb Tat zu wirken, werde vornehmste Aufgabe der baysri- fchen Regierung sein.

Das „B. T." will misten, baß Botschafter von Ho-sch nach feinem Besuch bei Bertbelot von den zuständigen Stellen der Reichsreaienmg angewie­sen worden sei, bei der französisch«-«, Regierung In dem Sinne vorstellig zu werden, daß sie Im Felle Rouzler einen Modus finden möge, der der be­rechtigten Entrüstung in Deutschland im Sinne einer Genugtuung Rechnung trage. Die Reichs- regierung selbst habe keine Vorschläge ge­macht, weil sie die Ausfastuno vertrete, daß es Sache Frankreichs fein müsse, eine Lösung zu finden, die auf eine Wiedergutmachung hinaus- laufe.

Beim Vorstand der Sozialdemokrati­schen Partei Deutschlands traf folgendes Tele­gramm aus Paris ein, als Antwort auf das Tele­gramm, das fang zuvor von den deutschen Sozial­demokraten Müller, Wels und Crisplen an den französischen Parteivorstand gerichtet worden war:

„Wir haben die In t e r o e n t I o n sofort e I n- geleitet und haben gute Hoffnungen aus einen Erfolg, gez. Paul Saure, Leon Blum."

wirtschaftliche Kampfbewegungen.

— Noch heilte Entscheidung im fofjntrtit der Schuh. Industrie. Am 23 Dezember fanöin un ReickdatbeuS- mtniiterium Verhandlungen über den Antiaa der Gewerkschaften auf Verbindltchkeit»erklärun->debTchtedr. spräche- vom 16 Dezember über die Lobnregelxng in der Schuhindustrie statt Emigun--versuche seiunS bei Vorsitzenden, Ministerialrat Dr. MeweS, bneben er. folalo». Dr. MeveS er lärte bt-rauf, datz der Reichs- orbeitSminister sich die Enu'chetdung über den Antrag bet Gewerkschaften Vorbehalt

Wie Havas berichtet, werde die von den drei verurteilten Deutschen eingelegte Berufung von dem aus höheren Offizieren bestehenden Revi­sionsgericht In Paris geprüft werden, das lediglich über die rein tur I ftI(rf)e Seite der Angelegenheit und nicht über die Angelegen­heit selbst Beweis erhebe.

Weihnachten in Amerika.

wtb Paris, 24. Dez. ((Fig. Funkrn.) Der „New- york-Herald" bringt Weihnachtsbotschaften verschie­dener ausländischer Staatsmänner an das ameri­kanische Volk. Darunter befindet sich eine Aeuße- rung des Reichsministers Dr. S t r e s e m a n n, der nach einem Hinweis auf die fruchtbringende Zu­sammenarbeit Deutschlands mit seinen ehemaligen Feinden und auf seine Zusammenarbeit mit Briand erklärt, leider habe B r i a n b sowohl wie er mit einer starken Opposition zu kämp. fen. Nach einem Kriege wie dem zurückliegenden sei es aber nicht leicht, allen Elementen in einem Lande wie Deutschland verständlich zu machen, daß es klug sei, eine Politik gegenseitiger Ver­ständigung mit den großen Ngfionen zu be­treiben, mit denen Deutschland im Kampfe stand. Indessen macht diese Erkenntnis mit der Zeit sich immer mehr geltend. Briand erklärt in seiner Botschaft nach einem Hinweis auf das Zustande­kommen der Locarno-Politik: Einen sehr glück­lichen Umstand erblicke ich für mich in der Tatsache, daß ich in Dr. S t r e s e m a n n einen Staatsmann gefunden habe, der vollkommen die Lage verstand.

von der Ostgrenze.

Reichsdeutsche werden au, dem Memelgeblek aus­wiesen.

Die Blätter beschäftigen sich eingehend mit der Ausweisung von deutschen Schriftleitern und an­dern Reickzsdeutschen aus dem Memelgebiet und weisen darauf hin, daß diese Maßnahmen in schar­fem Gegensatz zu den deutsch.freundlichen Erklärun­gen der neuen Machthaber in Litauen stehen. In den Kommentaren Der Berliner Blätter wird die Forderung laut, daß die deutsche Regierung un­verzüglich gegen die Ausweisung P r o t e st erheben und die sofortige Aufhebung der Maßnahmen ver­langen solle. ____________________

MvtevauUche Umlegungsorbnung, die die Erschließung unb zweckmäß.ge Gestaltung des Dau- getandes fördern soll, daS WohnungSgesetz mit seiner Weiterbildung der eben genannten Ge­setze und bet Erweiterung der baupolizeilichen Be- fugnisse zum Zwecke der Verbesserung der Wohn- weise in Einzelhaus und Stabtanlage und anderes mehr.

Guillaumat, ist in Paris angekommen. Die Reise steht in Verbindung mit dem Urteil des französischen Kriegsgericht in Landau.

* Neues aus Mexiko. Ein sofort in Kraft tre­tendes Dekret des Präsidenten von Mexiko ver­bietet die Einfuhr von Kriegsmateri al nach Mexiko für ein Jahr.

* weitere Verschlimmerung im Befinden des Kaisers von Japan. Der Regent unb die hohen Palastbeamten finb, wie aus Tokio gemeldet wird, an bas Krankenlager bes Kaisers gerufen porden. Nach dem ärztlichen Bericht läßt bie Herztätigkeit "ach. Der Puls geht unregelmäßia unb bie Atem- tätigteit ist beschleunigt

Zaszisten-Terror.

Wie die Zeitungen melben, wirb am 3. 1. ein Sonbergericht fi I [bet, das die Anschläge auf den Leiter der Regierung aburteilen soll. Die­ses Gericht wird aus fünf Konsuln der faschistischen Miliz unter dem Vorsitz bes Generals Sanna be­stehen. Der Prozeß gegen Zaniboni unb General Eapello wird am 25. Januar, ber gegen Cucetti am 22. Februar beginnen. Für ben Prozeß gegen Fräulein Eidson ist noch fein Tag bestimmt.

Ein neuer Vulkan.

wtb Rom, 24. Dez. (Etg Funkrn.) Nach BM- termetbungen aus Tirana Ist in ben Bergen von Sciacca in Albanien nach mehreren (Erb- stößen ein neuer VulkanInTätigkeitge- treten, dessen Ausbruch bereits zwei Tage an­dauert.

Die Schweizerische Depeschenagentur meldet aus Zürich:

Der italienische frühere Abgeordnete Advokat Guido Miglioli, Mitglied der katholischen Dolkspartei Italiens, überschritt trotz strenger Bewachung durch die Miliz die Grenze. Seit eini­gen Monaten wurde er, wie er erzählt, von der Polizei überwacht und hätte in diesen Tagen de­portiert werben sollen. Miglioli begibt sich nach Paris. Unter ben katholischen Flüchtlingen befindet sich auch Gilarbi. ber Direktor bes Insti­tuts für Kriegsblinde in Mailanb. Gilarbi ist In­haber verschiebener Ehrenmebaillen unb Kriegs­auszeichnungen. Seine Flucht führte ihn über den Bernina-Paß, aber seine Freunde in ber Schweiz finb bis jetzt ohne Nachricht über sein Verbleiben.

Das Recht deS Städtebaues (st bisher in viele Gesetze jerftreit und uneinhe^tllch geregelt. Es war schon längst notwendig, die Gesetzgebung über ben Städtebau zusammenzufassen unb zu verein- y«Klch«n. Dazu gehören das BaufluchtNnIen- gesetz mit der Regelung deS Dauens und bet Strafzenanlage in ben Ortschaften selbst, bie Der- unstaltungSgesetze mit ihrem Streben, die schEmsten Beleidigungen deS Auges zu verhüten

WtorWtt Baufchähe zu schützen, die städtebauliche Umlegunasordnung " Erschließung und zweckmäß:ge Gestaltung

Der StiidteLaugcsehenÜvurf

Von Minister Hirtsiefer.

Srfcbeint sechsmal wöchentlich Wachenbeilage: .Illustrierte Beilage' und „BuchenblStter" Rotationsdruck und Verlag der Rulbaet Actiendruckerei In Fulda Fernsprecher Nr. 9. :« Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk v.

Sine nt diesen Gesetzen enthaltenen städtebau- l-chen Sachgebiete find unter ber teilweise not- wendigen Welterentwickluna durch den Entwurf zu emem einheitlichen Recht des Städtebaues verschmolzen worden.

Mer diese Kodifikation genügt keineswegs. Seit ^E^Jahchundart haben die Zusammenballuncen von Fabritbetriabe-n und Menschenmassen an grö­ßeren Plätzen, feit Jahrzehnten bie ins Große stei- genbe Ausnutzung bet Bodenschätze, die Konzen- tratlvnsbewegung in ber Industrie unb bie Ueber- Zlehuna ganzer Landesteile mit industriellen An- lagen die Bewegung bet städtebaulichen Gestaltung ton Stadt unb Land unb ihr Tempo von Grund I

auf verändert. Während auf allen Gebieten bet Technik bet Mensch Herr der sich überstürzenden Bewegung geworden ist, ist er dies im Städtebau }um schaden ber Gesundheit der Bevölkerung und zmn Schaden der Volkswirtschaft noch nicht. Ohne Ziel und Plan hat man entstehen lassen, was und wo es wollte. Ein Häuserkranz um den anderen beengte dem Großstädter das Atmen, häß. liche Fabrikanlagen zerstörten unnötig landwirt- fchastllche Schönheiten, Rauchschwaden der am fal­schen Platz gebauten Jndustriewerke treibt ber West­wind über bie Wohnviertel, ober sie vernichten ohne Not Wälder und Felder, fraglich wird im Bergbau zuweilen die AbbauwürdiKeit, weil die Gemeinden sich nach einer Richtung ausgedehnt haben, wo sie auf wertvoller Kohle stehen, und wollen Industrie und Verkehr sich Bahn'brechen, müssen sie fortreißen, was ihnen gerade in den Weg gebaut worden ist. Diese unhallbaren Zustände wünscht der Städtebauaesehentwurs zu ändern. Tas wilde Bauen sott em Ende haben. So wichtig daS Bauen von Wohnhäusern und industriellen und bergbaulichen Anlagen ist, ihnen weit vvraus- gehen muß eine Planung in großen Zügen, mit öilfe deren ledern Bedürfnis des menschlichen Da­seins sein Platz gewahrt wird. Es ist dies so wich- ng, datz man nicht versäumen darf, es immer wie« bet und wieder auszusprechen. Zehn Jahre nach Erlaß deS Gesetzes wird Niemand mehr verstehen

erst so spät auf den Gedanken kommen konnte, es zu fordern.

Darin besteht das einzige Neue des Entwurfs von größter Tragweite, baß er ben Begriff bes so- genannten wilben Bauens erheblich weiiersaßt als inan es bisher im Absiedlungsrecht unb bem kom- munalen Baurecht getan hat. Wilbes Bauen ist ein Bauen im Umkreis von Ortschaften außerhalb ber bie Bebauung regelnden Pläne. Und wilbes Bauen muß verhinbert werben. Nach bem Ent­wurf soll es nicht nur möglich sein, sondern auch zriweuen vargeschrieben werden können, solche Plane über das bisher ben Bebauungsplänen zu­gängliche Gebiet ber unmittelbaten Ortsnähe hin­aus in einen weiteren. Manchmal sehr weiten Kreis zu erstrecken. Je weniger enge Grenzen sich der Plan zieht, desto wertvoller wird er häufig für bie kuustige Entwicklung sein, besto eher wird er ber Bevölkerung ihre Gesundheit zu erhalten helfen, desto mehr Verluste wirb er ber Wirtschaft ersparen.

Die Wichtigkeit der Mitarbeit ber Wirtschaft an nieten biefer Pläne, 3. B. in Bergbaubezirken, liegt °uf der Hand. Dechalb zieht ixr Entwurf sie in ihren Verbänden an ben Planungstisch.

Auch bas Baufluchtliniengesetz ist im Jahre 1875 nut feinen schwer, wenn auch notwendigen Eingrif­fen in das Recht bes Grunbeigentümers für das ge­samte Staatsgebiet erlassen worben. Es ist in vie- len Gemeinden noch beute unbekannt unb wird in

Der Städkebaugeseßentwinf, der setzt dem Preu- hischen Landtag torTicgt, umfaßt eine Anzahl außer­ordentlich schwieriger Rechtsgebiete, auf denen selbst den Rechtskundigen meist, den Derwaltungsfachleu- ten und Kommunalpolitikern vielfach Kenntnis und Erfahrung abgeht. Kein Wunder, daß di« Oeffent- lfchkell und die zur Wahrung der berufSständischen Interessen bestimmten Verbände selbst im Dunkeln tappten, als sie von dem Entwurf hörten, kein Wunder auch, daß sie auf Gebieten Schlimmes be­fürchteten, tue gar nicht mehr neu sind unb sich bereits Jahre oder Jahrzehnte in der Praris be- wahrt und Klagen bisher nicht ober nicht in nennenswertem Umfange hervorgerufen haben. Ich steilch feststellen, daß mir in vereinzelten Fallen «nmal einer der von solchen Verbänden lür ihre Versammlungen bestimmten Redner über Bestimmungen des Entwurfes, deren Zweck und Wirkung nicht leicht erkennbar waren, eine Be­sprechung mit meinen Mitarbeitern gesucht hat wahrscheinlich nicht zum Schaden der UrteilSfähig- kcht dieser Verbände. Heber fein endgültiges Schick- sat kann man bei der grundsätzlichen Zustimmung öfter Fraktionen zu seinen Absichten und bei ber Anerkennung des Standpunktes, daß eine Der- Zögerung nicht zu rechtsertigen fei, em Streit kaum bestehen.

Anzeigen.Preise Kleinzeile (Colonel) total 0,15 JLX, auswärts 0,20 ÄA Retlamezeiie: total 0,60 JLK, auswärts 0,80 JUl Sei Wiederholungen Rabatt.

Postichecktnnto Frankfurt e. 9R 9?t 4051 wt

Deutsche Weihnachtswünsche.

Wohl wie kein anderes Fest ist das WeihnachtS- fest geeignet, uns aus ber Hast und dem Treiben des täglichen Lebens hinüberzuleiten in jene stille Dämmerung der Verinnerlichung und des Besin­nens, wo der Mensch sein eigenes Selbst einmal toiebetfinbet. Die Weihnachtsstimmung läßt die Kompliziertheit unserer Gegenwartsnöte zurück­treten und bringt uns wieder die ursprüngliche Naivität des Kindes. Das große Leitmotiv dieses Festes „Friede auf Erden" bringt auch £*ute noch in bie Herzen selbst der verhärteten EeaenwartS- menschen. Wir brauchen solche Selbstbesinnung. Daraus strömen neue Kräfte, neue Wünsche werden wach und neue Ziele gesetzt.

Das Ziel des deutschen Volkes ist klar, eS gilt seinen Aufstieg. Als es bei Kriegsausgang hlif- los am Boden lag, hätte kaum einer zu hoffen gewa.lt, daß es je wieder auf die eigenen Füße wmmen könnte. Es ist ihm gelungen. Aber noch ist nicht zu sagen, ob nicht noch große Rück- schlüge den Weg des deutschen Volkes zur Höhe mühseliger unb beschwerlicher machen, als er ohne­dies ist. Wie schwer die Zukunft auch immer er» ‘ scheint, ber wird fein Ziel niemals erreichen, ber sich selbst aufgibt unb hoffnungslos die Hände untätig in ben Schoß legt. Es oilt, nachdem der Untergang des deutschen Volles abgewehrt worden ist, nunmehr dem Staate Kräfte zuzuführen, die ihn fähig machen zu bem weiteren Marsch burch die Wüste, der ihm noch bevorsteht. Es gilt da vor allem, ben Feind im Rücken des deutschen Dolles zu treffen, ben Mangel an Staats­bejahung. Es ist boch leiber so, daß 50 Pro­zent unserer Volksgenossen ben neuen Staat ver­neinen unb von diesem Nein aus auch ihre Ein- stell"ng zu ben sozialen, wirtschaftlichen unb kul­turellen Fragen einrichten. Um diese Seelen wird gerungen werben müssen. Den Ansatz bazu aber müssen diejenigen machen, die sich heute schon freu­dig zum neuen Staat bekennen. Dieses Bekenntnis zum neuen Staat muß tiefer verankert werden, als es bislang der Fall war, wo man allzusehr aus Konjunkturgründen dazu gekommen ist. Eine einfache Ueberlegung führt dazu. Wie immer die Einstellung zum Staat unb seiner äußeren Form ist, das Eine ist doch allen gemeinsam, jeder wttl, daß der Staat lebe. Ziehen wir daraus bie Fol­gerung. Der sittliche Imperativ des vierten Ee- totes lautet: „Du sollst Vater und Mutter ehren." Und es wird auch gleich die Begründung ange- fugt, warum dieses Gebot erlassen wird, „damit es dir wohl ergehe auf Erden.'' Der Staat sind wir. Wir alle, die wir zusammengeschlossen auf deutschem Staatsgebiet gemeinsam das schreie deut­sche Schicksal tragen müssen, sind ber lebendige Organismus des Staates. Unb heute ist ber Staat, krank, seufzt unter ben Wunden, bie Krieg unb Zusammenbruch ihm geschlagen. Sollen wir ihn deswegen weniger ehren und lieben? Gute Kinder, verdoppeln ihre Hilfe und mühen sich mtt ver­mehrter Sorge in kranken Tagen ihrer Väter. Den Vater Staat zu ehren unb zu achten, das muß zum sittlichen Imperativ des politischen Denkens und Wollens werden. Nicht, weil die Verhältnisse es einmal so gefügt haben, wollen wir den neuen Staat bejahen, sondern wett wir uns als Fleisch ton feinem Fleische fühlen, weil fein Schicksal das unsere ist, und seine Ehre die unsere.

Neben diesem Mangel an blutechter Siebe zum neuen Staate trägt Deutschland bie Mißachtung der Autorität als Last mit sich. Hier kann nur die Pflege wahren Familiensinnes bie Sorge für bie Zukunft bannen. Die Familie ist bie Zelle des Staates, und wenn bie einzelnen Zellen krank sind, kann sich ber Organismus nicht Wohlbefinden. Gegenüber den ansoinandertreibenden Wirkungen deS modernen Lebens muß in der Familie der Ruhepunkt und die Kraftquelle geschaffen werden, aus der heraus allem wahre Liebe und verständ- nZsvvlles Einfügen und Unterordnen unter die Forderungen der Allgemeönheit erwachsen kann.

Für alles dieses aber muß das Fundament gelegt werden durch «neu demutSvollen GotteS- e>en unb praktisches Christentum. Die zehn te müssen wieder Geltung haben in unserem Leben. Diese geben uns Ruhe, Gerechtigkeit und Fvdeben. Diese allein befähigen uns, unser mensch- LcheS Streben anzuheften an die ewigen Sterne.

Was sollen nur darum bem deutschen Volke jetzt zu Weihnachten anders wünschen als bas, daß es mft dem Herzen und mit ber Tat bestrebt tarn möge, in diese seine Ausgaben hineinzuwachsen. Möge das ganze Doll daS Eemciinsame erkennen. Uns allen, die wir deutsche Laute sprechen unb deutschen Stammes smd, stcht bad Zeichen emes ms Unglück geratenen Dolles an ber Stirn. Wir alle tragen gemeinsam an bem Leib des ganzen Dolles und bangen gememfam um unsere Zukunft. Diese Schicksahsgememschaft muß uns hinwegheben über trle Hindernisse persönlicher Wünsche und uns «mporheben zu ber Liebe zum neuen Volksstaat. In t-ieser geistigen Erneuerung allein liegt bie Gewähr des mutten Friedens und die Sicherheit des Ausstiegs unseres Volkes bis zur enofaf.cn Freiheit. Nicht organisatorische und gesetzgeberische Maßnahmen allem können es schaffen, sondern rm ganz besonderen Maße gilt hier das Wort, daß es der Gafft ist, der lebendig macht.

Line neue polnische Note.

wtb Berlin, 24. Dez. ((Fig. Funkrn.) Die polni­sche Gesandtschaft in Berlin hat bem Auswärtigen Amt in der Frage der Erklärung der Regierungs­parteien des Reichstages zu den Gemeindewahlen in polnisch Oberschlesien eine weitere Note zugehen lassen. In dieser Note stellt die polnische Regie­rung fest, daß sie den in der deutschen Note vom 3. Dez. zum Ausdruck gebrachten Standpunkt durch­aus teilt, daß in Bezug auf Oberschlesien die ge­naue Innehaltung des Genfer Abkommens für bie deutsch-polnischen Beziehungen bestimmend sei. Die Erklärung der deutschen Regierungsparteien be­deute aber eine unzulässige Einmischung in die An­gelegenheit Polens. Die polnische Note verweist hierbei auf Artikel 72 des Genfer Abkommens der die Zuständigkeit des Völkerbundes für die in Dem Genfer Abkommen geregelten Fragen feftftellt.

Eine Antwort auf diese polnische Note wird auf diplomatischem Wege erfolgen. Es sei jedoch hier bemerkt, daß von einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staa­tes oder eine Beeinträchtigung der Zuständigkeit des Völkerbundes keine ReDe sein kann, wenn die deutsche Oeffentlichkeit ihr Interesie an der Inne­haltung eines Vertrages zum Ausdruck bringt, in dem Deutschland Vertragspartner ist.

Der Warschauer Rundfunk verbreitet die sen­sationelle aufgemachte Meldung, daß der frühre sationelle ausgemachte Meldung, daß der frühere Spionageorganisation in Polen verhaftet worden sei. Diese Meldung ist, wie die ,/ esische Zei­tung" erfährt, von Anfang bis zum Ende erfunden.