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Jtr. 296

Donnerstag, 23. Dezember 1926

T.4ft Jatjrg.53

Postscheckkonto Rrantiuti a M Nr 4051

Nreuzerbauprogramm in Amerika

Erkrankung des bayerischen Finanzniinifters. Finanzminister KrauSneck ist nn Gelenkentzündung erkrankt und mutz das Bett hüten.

Der Bürgerkrieg in China.

Reuter meldet at:§ China, General ^tangfen ziehe eine Truppen in der Gegend von Jtsebang zusammen, um diese Stadt gegen die Kantonaimee zu verteidigen, Me daS Tal des Janglle aufwärts marschiert. Es wird ferner berichtet, datz der Tilulargouverneur der Provinz Szetschuan, Liuhsiang, eine hohe Stelle in der Kaiysonarmee annahm.

Die deutsch-französischen Beziehungen.

Neue Bedrohung der Verständigung durch ein unbegreifliches Urteil des Militärgerichts in Landau. Die schwere arbeit der Diplomaten. was Frankreich zu dem Freispruch Nouziers tagt

wtb. Hankan, 22. Dez. (CPg. Funkm.) Reuter mel­det: Ein unangenehmer Zwischenfall wurde gestern abend vermieden, als 300 chinesische Soldaten in die britische Konzession einzudringen oersuchien. Die Sol- baten wurden an der nutzeren Sperre des britischen Kon- sulates von Seeleuten aufqehallen. Die örtlichen chine- fischen Behörden entschuldigten sich beim brit. Konsul.

wtb. hankan, 22. Dez. ((Fig. Futzkm. Reuter.) Rach einem drahtlosen Telegramm aus Itschang Haden Soldaten die gesamte Stadt geplündert, aber das (Eigen­tum der Ausländer nicht angelastet.

auswärts 0,80 JIA Sei Wiederholungen

Einberufung deS rheinischen Provinziallandtags. Tie preußische Slaatsregiernng berief den rheinischen Prov nziallondtag auf den 29. Dezember, nachmittags P/s Ut>r, zu einer Tagung in Düsseldorf ein mit dem einzigen Gegenstand: Bau einer Auto- st raße Köln-Düsseldorf.

* Ein Jahr Gefängnis für Beschimpfung bet Rcichssarben. Wegen Beschimpfung der Rerchsfarben hatte sich ein Arbeiter vor dem Lüneburger Gericht zu verantworten. Das Urteil lautete auf ein Jahr Gefängnis

Explosionsunglück auf einer spanischen Tnmpf- sähre. Aus der spanischen Insel in Menorca sank eine Dampsfähre durch eine Explosion. Von Ben 50 Insassen wurden 3 getötet und 20 schwer verletzt.

vr. Bell z im Landauer Uteil.

wtb. Berlin, 22. Dez. (Eig. Funkm.). Der Reichsminister für die besetzten Gebiete, Dr. Bell, gab einem Vertreter des Wölfischen Telegraphen- Büros gegenüber folgende Erklärung über das französische Kriegsgerichtsurteil in Landau ab: Mit Empörung und E n t r ü st u n g bat das ge­samte deutsche Volk das unerhörte Fehlurteil des französischen Kriegsgerichts in Landau vernom­men. Rouzier ist freigesprochen. Deutsche Bürger sind zu schweren Gefängnisstrafen verurteilt, unter diesen ein Mann, der in einer Heidelberger Klinik an den Schüssen von Rouzier schwer krank darnie- derliegt und nun in einem unserem Rechtsempfin­den ins Gesicht schlagenden Abwesenheitsverfah­ren 2 Jahre Gefängnis erhielt. Rouzier hat einen deutschen Bürger getötet und zwei andere Deutsche durch Schüsse verletzt, einen in lebensgefährlicher Weise. Eine Beweisaufnahme des französischen Gerichts läßt die Schuld Rouziers klar hervortre­ten. Trotzdem dieser Freisnruch, der der Gerechtig­keit Hohn spricht. Diese Verhältnisse sind einfach untragbar. Wenn das Leben der Einwohner dem Kriegsgericht so leicht wiegt, fühlt sich die Be­völkerung in einem Zustand der Rechtsloliakeit, der im schreienden Geaensatz steht zu den Bemü­hungen der letzten 2 Jahre, eine Rechtsordnung des Friedens zwischen Deutschland und Frankreich zu schaffen. Im ganzen Volke können solche unbe­greifliche Vorkommnisse nur als e I n S ch l a g g e- gen die Verständigungspolitik wirken.

In Washington erklärte ein Regierungsoertreter über den Bauplan von 10 Kreuzern, -Präsident Coolidge halle es nicht für nötig, daß mit dem Bau sofort begonnen werde. Das Gesetz über das nommen, nach der die Gruppen 1 dis 6 gleiche Programm befinde sich zur Prüfung im Staats- Weihnachtsbeihilfen erhalten, wie die Reichsbeam- bepartement, ohne daß die Bewilligung der dazu ten. Die weitergehenden Anträge der Rechtsparteien ettorberlidien Mittel beantragt w-rde. 1 wurden abgelehnt.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wvchendeilage: .Illustrierte Beilage" andBuchenblätter" Rotationsdruck and Verlag der Rulbaer Actiendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

Monatlicher Bezugspreis 1.50 Mk :<

ian» eber-

* Aus dem Hessischen Landtag. Der Hessische Landtag hat bei der Beratung der Wirfichastsbei- hilfe für die Beamten die Regierungsvorlage ange­nommen, nach der die Gruppen i bis 6 gleiche

Die europäische Diplomatie, die Staatsmänner der großen Mächte, Briand, Chamberlain, Strese- mann, ringen um den Frieden Europas, der die westeuropäische Kultur vor den schweren Gefahren sichern soll, die mit katastrophalen Entwickelungen drohen. Die Diplomaten arbeiten. Aber es sind Kräfte am Werk, die den Erfolg ihrer Arbeit in Frage stellen. In Landau haben am Dienstag die 5 französischen Offiziere, die als Militärrichter den Leutnant Rouzier, einen verbummelten Studenten und Reserveleutnant, freisprachen, obwohl er erwiesenermaßen nach einer langen Kneiperei in einer Wirtschaft einen Deutschen erschoß und einen andere schwer verwundete, mehr zerstört, als lange Diplomatenarbeit aufbauen kann. Die fünf Militärrichter von Landau, denen die Politik von Locarno unsympathisch ist, haben der Erhal­tung des Nationalhasses zwischen Deutschland und Frankreich einen guten Dien st geleistet. Die Anhänger des Völkerfriedens aber und der christlichen Kultur stehen, unbeschadet ihrer Nationalität, in schmerzlicher Trauer und möchten in Scham ihr Antlitz verhüllen.

Blutige Ztreikunruhen in polen.

wtb. Warschau, 22. Dez. (Eig. Funkm.) In Dzwiniacz in O-Galizien kam es gestern mittag zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Arbei­tern einer fertigen Erdwachsgrube. Die Arbeiter, die wegen Lohnstreitigkeiten schon seit Monaten streiken, verlangten die Stillegung der Grube. Zwi­schen der zum Schutze der Grübenanrichtuna herbei­geeilten Polizei und den Arbeitern, ungefähr 150 Mann, entspann sich ein regelrechter Kampf. Ins­gesamt wurden bei den Zusammenstößen auf beiden Seiten drei Personen getötet, 15 schwcr und 20 leicht verletzt.

von Kuhlmann bei ihrer Vernehmung dafür angegeben haben, daß sie damals den Brief vom 24. September dem Siebener-Ausschuß nicht mitteilten, hält Dr. Bredt fll» unbedingt stichhaltig. Er sieht sie in dem maßgebenden Einfluß, den die damalige oberste Heeresleitung auch auf dem politischen Gebiete ausübte. »Die Stellung der obersten Heeresleitung war so führte er aus, )o stark, daß sich sowohl der Reichskanzler wie der Staats­sekretär nicht getrauten, gegi nen Willen der obersten Hi

Oesterreich.

Zwischenfall im österreichischen Nationalrat.

Der Nationalrat in Wien erledigte einen Teil der Einzelbcraiung des Budgets. Bei dem Titel Bundeskanzleramt" hielt der sozialdemokratischc Kärntner Abg. Falle eine Rede, in der er in hef­tigsten Ausdiücken gegen die italienischen Konsular behörden in Kärnten Stellung nahm und einige Fälle anfübrte, in denen diese sich U her- griffe hätten zu schulden fommcn lassen, deren energischste Zurückweisung er ve>langte. Die Partei­genossen begleiteten feine Rede mit stürmischen Zu­rufen, die den Piäsidenten veranlaßten, einzelne Aboeoidnete wiederholt wegen urpailamentarischer Ausdrücke zur Ordnung zu rufen und, nachdem der Redner seine Ausführungen beendet hatte, die ge­fallenen beleibtgenöen Aeußerungen zurückzuweijen.

* Zunahme der staatlichen Armennnterstützung in England. Die Zahl der Leute, welche staatliche Armenunterstützung bekommen, nimmt in England immer mehr zu. Zurzeit sind es 1400000, aber in jeder Woche kommen, je mehr es zum Winter ceht, 90 000 hinzu, 10 daß die zweite Million bald erreicht fein wird. Im Jahre 1925 wurden 13 Millionen Pfund (260 Millionen Mark) für Armennnterstützung ausgegeben, in diesem Jahre wird die Summe von 16 Millionen Pfund (320 Millionen Mark) erreicht oder überschritten werden.

sekretör nicht getrauten, gegen den deutlich ausgesproche­nen Willen der obersten Heeresleitung zu handeln. Da nun aber die Stellungnahme der obersten Heeresleitung mit der Stellungnahme des Siebenerausschusses unmög­lich zu vereinigen war, haben sie den Ausweg nur darin erblickt, daß sie dem Siebener-Ausschuß von dem Brier des 24. September keine Mitteilung machten. Insofern haben die Vernehmungen einen völlig klaren Gnmv für das Verhalten des Reichskanzlers und des Staats­sekretärs ergeben. Aber es ist derselbe Grund ja tn

einem Gutachten auch bereits angegeben worden."

Dr. Luthers Mckkehr.

utb. Bremerhaven, 22. Dez. (Eig. Funkm.) Der ftühere Reichskanzler Dr. Luther traf heute in den ersten Morgenstunden mit dem Llovd- dampserSerra Ventana" in Bremerhafen ein. Da das Schiff die Quarantäne passieren mußte, fand die Begrüßung erst heute moraen kurz vor der Abfahrt des Lloydzuges nach Bremen statt. Dazu war außer den Kindern Dr. Luthers u. a. der Generaldirektor des Norddeutschen Llovd, Ge­heimrat Stimming, Reichskanzler a. D. Geheim­rat Euro, sowie eine Anzahl von Pressevertretern erschienen. In der Unterhatung mit diesen lehnte es Dr. Luther auf das entschiedenste ab, sich zu der derzeitigen deutschen Regierungs-Krise zu äu- ßern. (In deutschnationalen Kreisen wünscht man bekanntlich seine Rückkehr.) Um so eingehender er­zählte er von den Eindrücken, die er in Süd-Ameri­ka empfangen habe. Den Ausfuhrmöglich­keiten der deutschen Jndnsttie nach Süd-Ämerika glaubt Dr. Luther ein durchaus günstiges Horos­kop stellen zu können. Das gilt insbesondere von den Erfahrungen des deutschen Flugzeugbaues. Die Reise von der Küste nach der cokimbionischen Hauptstadt, sowie das Schlußstück der ganzen Reise, der Wec; von Buenos Aires nach Riode Janeiro, wurde in deutschen Flugzeugen zurückgelegt, die sich in jeder Beziehung tadellos bewahrt haben. Heute ist Dr. Luther, der in Bremen bei Geheim­rat Stimming wohnt, Gast des Bremer Senates. Morgen wird Dr. Luther sich mit einem Flug­zeug nach Berlin begeben.

Die Lage in Litauen.

In Litauen herrscht überall Ruhe. Nur die nächtlichen Patrouillen und die vor dem Gebäude deS Generalstabs in Kowno ausgestellten Panzer­autos und Tanks erinnern an die jüngsten Ereig­nisse. Der Sttaßenverkehr ist bis 11 Uhr nachts freigegeben. Der Führer der linksgerichteten Volks­partei, welche zusammen mit den Sozialdemokraten die Opposition bildet, erllärte, die Partei werde wieder an den Sitzungen des Sejm tellnehmen, behalte sich jedoch vollständige Handlungsfreiheit vor. Sie mache chre Takttk von dem Ausfall der Regierungserklärung abhängig. Die Partei lehne die Entfesselung innerer Kämpfe ab.

die Red,, des anklagenden Kapitäns Traget zu lesen. War es eine Anklagerede gegen den Beschuldigten? Rein es war eine Anklagerede gegen die äußere P 0 l i- tik Frankreichs. Man erkennt, daß es sich darum handelt, die Abkommen von Locarno zu verurteilen. Die­ser Prozeß ist der Prozeß gegen Frankreich geworden, den auf deutschem Gebiet ein französischer Offizier geführt hat. In der Stunde, in der Deutschland inmitten einer ministeriellen Krise lebt, zwischen dem Frieden und der Revanche, hat man ge­glaubt, besonders geistreich dadurch zu sein, daß man sich nach der Seite des Hasses wandte, also jeden Versuch der Annäherung noch schwieriger machte.

Die Lage kann nicht besser gekennzeichnet wer­den, als wie es das französische Blatt hier tut.

Der Eindruck in England-

wtb London, 22. Dez. (Eig. Funkm.). Alle Blätter veröffentlichen eine Reutermeldung aus Berlin, worin es heißt, die Nachricht vom Urteil des Landauer Kriegsgerichts fei in amtlichen Kreisen in Berlin mit großer Empörung ausgenommen wor­den. Das Urteil werde sicher beträchtliche Erregung in der deutschen öffentlichen Meinung Hervorrufen und in verantwortlichen Kreisen werde befürchtet, daß die ganze Angelegenheit einen großen Teil des im Locarno begonnenen Werkes für die Besserung der Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland zunichte machen werde.

Briand und v. Hoesch.

Der deutsche Botschafter v. Hoesch hatte am Dienstag eine Unterredung mit Außenminister Briand. Es kam dabei zu einer Aussprache über gewisse politische Fragen, wie sie sich nach dem Er­gebnis der letzten Genfer Tagung darstellen. Ins­besondere wurde auch die Frage berührt, in welcher Weise die bekanntlich noch ausstehenden zwei Punkte der E n t w a f f n u n g s f 0 r d e ru n- gen 31t behandeln sein werden.

Sur Hamburger Stresemannrede.

Zur Rede Stresemanns in Hamburg schreibt derTemps", wenn tatsächlich, wie Sttesemami gesagt habe, die gegenwärtige Orientierung der Außenpolitik Deutschlands von einer großen Mehr beit des deutschen Volkes unterstützt werde, so müsse man diese Politik mit Hilfe dieser Mehrheit, die aus dem Zentrum und den Linksparteien be steht, weiter verfolgen. Wenn Sttesemann in seinen Ausführungen die Fortschritte, die er bei seinen kürzlichen Unterredungen in Genf erzielt habe, fest- gestellt habe, so habe er doch auch betont, daß diese in seinen Augen nur eine Etappe seien und daß er von der Zukunst mehr erwarte. Diese Erklärung sei hervorzuheben. Sttesemann habe wie­der einmal die These aufaestellt, daß es unmöglich sei, zuzulassen, daß man allgemein es jedem Staat freistelle, seine Rüstungen zu bestimmen, während man gleichzeitig einem Staate vollkommene Ab­rüstung unter einer einseitigen Kontrolle zur Vor­schrift mache. Der deutsche Minister vergesse, daß Deutschland in Ausführung eines Vertrages entwaffnen müsse, den es unterschrieben hat und der in feiner ganzen Kraft weiterbesteht.

Die wirtschaftlichen Gesichtspunkte.

Der der sozialistisch - republikanischen Fraktion angehörende bekannte Rechtsanwalt be Moro

Die deutsche Parteipresse spiegelt die Wirkungen des Landauer Urteils: DieDeutsche Ztg." sagt: Das französische Kriegsgericht hat einUrteil" ge­fällt, das dem Kriege dient. DieKreuzzeitung" ruft aus: Wir werden das Urteil von Landau nicht vergessen, wenn man uns wieder von französischer Seite mit Versprechungen irre zu führen sucht. Auch dieser Geist ist eine Realität, an der mir jedenfalls nicht vorübergehen werden. DieDeutsche Allgern. Ztg." schreibt: Dieses Urteil ist ein blutiger Hohn auf das Rechtsempfinden aller Menschen.

Dielägt. Rundschau" betont: Eine schlim­mere Sabotage der Politik Briands konnte wohl in diesem Augenblick nicht erdacht werden. Aus dem ganzen ergibt sich ein neuer Beweis für die Unmöglichkeit der Aufrechterhaltung der fremden Besatzung auf deutschem Boden.

Wir sind weit davon entfernt, so wird in der Germania" ausgeführt, für die Untat von Landau die französische Staatsleitung verantwortlich zu machen, aber wir möchten sie doch darauf aufmerk­sam machen, daß eine wirkliche Annäherung zwi­schen Deutschland und Frankreich unmöglich ein­treten kann, wenn die Engstirnigkeit loka­le r I n st a n z e n sich ungehemmt austoben kann. Im Interesse der Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich wünschen wir, daß der Justizfre- vel von Landau in einer Weife gesühnt wird, die der berechtigten Empörung in Deutschland Rech­nung trägt.

DieVoss. Ztg." schließt ihre Ausführungen mit den Worten: Die Räumung deut sch en Ge­bietes darf nach dem Urteil von Landau auch nicht eine Stunde mehr vom täglichen Arbeitspläne der deutschen Regierung verschwinden.

DasBert. Tagebl." sagt: Die Bemühungen der Diplomaten müssen fruchtlos bleiben, wenn man es O ffizieren, die sich als Eroberer fühlen, überläßt, ihre Politik zu durchkreuzen.

DerVorwärts" zieht aus den Vorfällen von Germersheim und dem Urteil von Landau folgende Lehre: Solange die Besetzung andauert, solange wird man die Gefahr laufen, daß ähnliche Zwischen­fälle und ähnliche Kriegsgerichtsurteile die Klust zwischen den beiden Völkern immer wieder vertie­fen, die die große Mehrheit auf beiden Seiten zu überbrücken bestrebt ist.

DieRote Fahne" nennt den Landauer Spruch ein K'assenurteil, gegen das mit den deutschen Kom­munisten die französischen Kommunisten den schärf- sten Protest erheben werden.

Die französische presse.

wtb. Paris, 22. Dez. (Eig. Funkm.) Die ge­tarnte Presse begnügt sich damit, das Urteil des französischen Kriegsgerichts in Landau abzudruk- fen. Zum Teil bestehen die Berichte aus einer Polemik gegen die deutschen Verteidiger. Am wei­testen geht hierbei der Korrespondent desJour­nal". NurOeuvre" äußert sich redaktionell zu dem Urteil. Das Blatt schreibt:

Frankreich ist durch ein Kriegsgericht verurteilt. Als ich, fo schreibt der Chefredakteur des Blattes, die Nach- richt von diesem Urteil gehött habe, habe ich mit der Faust auf den Tisch geschlagen.Dieses Urteil ist noch schlimmer als verbrecherisch . Sie können mir glauben, daß mir der kleine Leutnant Rouzier vollkommen gleich- gültig ist. Er bildete sich ohne Zweifel gutgläubig ein, daß unser Sieg das Recht für ihn bedeute, die Reit­peitsche zu traktieren, wenn er aus einem Wirtshaus her- auskommt. Was besonders ernst an dem Urteil von Landau ist, ist, daß es im Voraus gefällt zu fein scheint. Das ist ein politisches Urteil. Man braucht nur

FuldaerZertung

Anzeiger für die Stabt und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Giafferio hielt in Paris unter den Auspizien des Office Franco-Allemand du Commerce et de l'Jn- dustrie einen Dorttag über die deutsch-franzö­sische Annäherung. Er ging auS von der Vorttiegslage Europas, die charakterisiett gewesen sei durch die Zollschranken der verschiedenen Län­der. Jetzt müsse man die Wirtschaftslage Europas imb seinen Handelsmarkt wiederherstellen gegen­über dem amerikanischen Martt tmd ferner Industrie. Für die Sicherung des europäischen Friedens sei die Wiederherstellung des Gleichgewichtes eine euro­päisch« Notwendigkeit. Dieses Gleichgewicht sei je­doch nicht zu venvttklichen ohne die deutsch-ftan- zösische Annäherung. An Frankreich und Deutsch­land liege es also, die Initiative für em« Annähe­rung zu ergreifen. Dies müsse durch den Abschluß von .Handelsabkommen geschehen, was ja bereits dadurch Fvttschritte mache, daß man demnächst den Abschluß eines definitiven H delsvertrages erwarten könne. Die llu__ wachung derartiger Abkommen müsse einer starken Auwrität übertragen werden. Diese geeignete Stelle sei der Völkerbund. Der Redner sieht in der Verwirklichung der Annäherung eine wirklich revo­lutionäre Bewegung mit dem Ziele der Verei­nigten Staaten von Europa. Dem mit starkem Beifall aufgerommenen Vorttag wohnten zahlreiche Mitglieder der deutschen und russischen Kolonie in Paris bei.

(Eine 5ch!uhsolgcrung.

Die Ergebnisse im Untersuchungsausschuß.

Der wirtschaftsparteiliche Reichstoasabgeordnete Prof. Dr. Bredt, dessen Gutachten über die Rolle des Reichstags im Kriege die erneute Vernehmung der Herren Dr. Michaelis und Dr. von Kühlmann im Untersuchungsausschuß des Reichstags veronlaht hat, bat sich in einer Unterredung über die Ergeb« nisse der in der letzten Woche abgeschlossenen Zen- genvernebmungen geäußert. Tas eigentliche Thema der Beweisaufnahme war die Frage, ob der ogenannte Siebenerausschuß des Reichstags on der damaligen Regierung übet die Beau'Wortung «r päpstlichen Friedensnote richttg iniormiert roor» */en war oder nicht, zumal da der Ausschuß aus­drücklich ,u bie'em Zwecke eingesetzt worden war.

Die erste offizielle Antwort der Regierung ist, so bemerkt jetzt Dr. Bredt, zusammen mit dem Siebener- Ausschuß festgestellt worden. Als dann aber der Kar- dinal-Staatssekretär Gaspari, dem das Konzept zu dieser Antwort oerttaulich mitgeteilt worden war, sofort tele­graphisch mitteilte, daß die Absendung dieser Antwort das Ende der Friedensaktion bedeuten würde, ist dem Siebener-Ausschuß leider keine neue Mitteilung gemacht worden, sondern man hat chn bei dem Glauben belassen, daß eine völlig ausreichende Antwort an ine Kurie vorliege. Diese Antwort ist daraufhin auch tat­sächlich abgeschickt worden. Tatsache ist. daß die offizielle Antwort vom 19. September eine Bezugnahme auf die Fredensrefolution enthielt und daß dem Siebenerau». schuß gesagt wurde, hierin liege der völlige Ver­zicht auf Belgien einbegriffen. In dem Bries vorn 24. teilt der Reichskanzler dann mit, daß die Regie­rung demnächst ihre Forderungen in bezug auf Belgien mitteilen würde. Ferner hatte die Kurie die sofortige Ab- gäbe einer bindenden Erklärung über Belgien als Vor­aussetzung für weitere Friedensverhandlungen bezeichne». In dem Brief vom 24 wird aber die Abgabe dieser Er­klärung ausdrücklich abgelehnt. Der Siebener-Ausschutz war jedoch der Ansicht, daß die Bezugnahme auf die Friedensresolution diese Erklärung enthalten solle, rote ihm ja von der Regierung ausdrücklich mitgeteilt roai. Stellt man allo den Wonlaut der beiden Dokumente tu- beneinanber, fo ist eine Uebereinftimmung schlechterdings nicht herbeizuführen."

Die Gründe, die die Herren Dr. Michaelis und Dr.

* Zur Kabinettsbildung in Jugoslavien. Aus Belgrad wird gemeldet: Der König beauftragte den Demokraten David 0 witfch, ein Konzentrations­kabinett oder ein Kabinett der großen Koalition zu bilden .<

* Die Philippinen im Völkerbund. AuS Ma- n i la wird gemeldet: Wie die Zeitungen melden, werde die Regierung vom Parlament ber Philip, p nett die Genehmigung deS Antrags an den Völker­bund zur Anetkennnng und Aufnahme verlangen, der der amerikanische Resident rvstimnute.