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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stabt und den kreis Fulda. AmlNches krelsblalt.

Mittwoch, 22. Dezember 1926.

Nr. 295.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: ^Illustrierte Beilage" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

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Nach der Schlacht.

Die Auseinandersetzungen über die Regierungs- frage in den letzten Wochen haben die politischen und sozialen Gegensätze in unserem Volke einmal wieder kraß aufeinanderprallen lassen. Es ist be­merkenswert, daß der Kampf um die Außen­politik stark in den Hintergrund getreten ist. Wer hätte es vor zwei Jahren für möglich ge­halten, daß sobald in einer großen politischen Aus­sprache die zum Sturz eines Kabinetts führte, der außenpolitischen Aufgaben kaum Erwähnung getan wurde, daß sie im Gegenteil nur von der 'Regierung als ein Moment, das zur Versah n- l i ch k e i t reizen sollte, in die Aussprache mühsam hineingeschoben wurde. Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und der damit gewonnene Ab­schluß einer ersten großen Etappe der nationalen Besamung unseres Volkes hat auf die früher so erhitzten politischen Gemüter das Oel der Beruht, gung gegossen. Die alten Gegner des außenpoliti­schen Kurses der neuen Republik sind ermattet oder hoben sich bekehrt. Wo kritisiert wird, geschieht es schon mit einer gewißen Müdigkeit, die keinerlei Katastrophen, Umwälzungen und Neuorientierun­gen mehr herbeizerren will. Die schlimmen Tage sind vorläufig vorüber, wo die heftigen Sprecher gereizter Oppositionsparteien die Regierungen und ihre Führer vor den Staatsgerichtshof zitieren woll­en, weil sie angeblich die Interessen des Reiches ver­letzt hätten. Es ist wohl angebrac^, sich dieser Entwicklung einmal zu erinnern und dabei auch mit einem gewißen Stolz auf die Verdienste hinzuwei­fen, welche sich in der Führung der deutschen Außen­politik und bei der verantwortlichen Initiative, die sie einleitete, der deutsche Katholizismus und das Zentrum erworben haben.

Die Aussprache über die Außenpolitik und die Aufrechterhaltung alter gehässiger Gegensätze ist eine Angelegenheit geworden, an der sich gegen­wärtig nur mehr gewiße Nachgeordnete In- stanzen abmühen. Es sei hier auf einen Artikel hingewiesen, den der evangelische Theologie-Prof. Dr. Daumgarten in Kiel in der „Frankfurter Zei­tung unter dem Titel „Hofprediger Doehring und der Evangelische Bund" am letzten Sonntag veröf­fentlicht hat. Prof. Dr. Baumgarten hatte kürzlich in der Monatsschrift „Der Zusammenschluß" das Wort ergriffen, um seinen Austritt aus dem Evan­gelischen Bund zu begründen. Sein Aufsatz in der „Franks. Ztg." unterstreicht das dort Gesagte und macht es weiteren politischen Kreisen bekannt. Der Grund seines Austritts ist das Verhalten des ersten Präsidenten des Evangelischen Bundes, des Hof­predigers Doehring, von dem er sagt, daß er durch seine konseßionspolitische Hetze die berechtigten Auf­gaben des Evangelischen Bundes, wie er sie auf­faßt, aufs schlimmste behindere. Die Aufrei­zung zum Konfessionshaß, die Doehring ohne Unter- laß betreibe, und mit Schlagworten, die vollkom­men unbegründet seien, müßten jedem objektiv den­kenden Protestanten dem Evangelischen Bund ab­wendig machen. Die katholische Preße kennt Doeh­ring zur Genüge. Es ist aber erfreulich, daß im Protestantismus selbst jetzt gewichtige Stimmen laut werden, die das volksfeintlliche Treiben dieses ehemaligen Hofpredigers brandmarken. Die alten Gegensätze in der deutschen Außenpolitik werden von Doehring auf das Konfessionspolitische über­tragen, und damit reißt er die alten Spaltungen im deutschen Volk, die politischen Gegensätze zwi­schen Katholizismus und Protestantismus mit neuen gehässigeren Mitteln immer weiter auf. Baumgarten macht darauf aufmerksam, daß auf katholischer Seite die soviel verlästerten Jesuiten sich die größte Mühe gäben, den Protestantismus zu verstehen und zu versöhnen, und er kommt zu dem Schlüsse: „Wenn der berufene Sprecher des Evan­gelischen Bundes die heutige Stunde für geeignet hält, das katholische Deutschland, das während des Weltkrieges und feit der Revolution, für die es wahrlich nicht verantwortlich zu machen ist, alles auf­geboten hat, um unser Dcllk in geordnete Verhält- niste und in das Konzert der Westmächte zurück­zuführen, das sich unter Führung gerade von Je­suiten der aufreizenden konfessionellen Polemik ge­flissentlich enthält — mag sein: nur aus kluger Taktik —, dies kath. Deutschland zu brandmarken als auf eine Bank mit den Bolschewisten zu setzen- des Element der Dekomposition Deutschlands, dann gibt es für die Freunde des nationalen Zusammen- schlustes nur eine Möglichkeit — sich frei zu machen von aller Mitverantwortung für solche volksstörende Torheit durch Austritt aus dem Evangelischen Bund." '

Aber Dr. Doehring wird wohl nicht aus seiner Haut heraus können, und wir zweifeln gar nicht daran, daß, wenn das außenpolitische Verantwor­tungsgefühl des deutschen Katholizismmus unserem Volk wieder zur alten Höhe des Ansehens zu seiner allen Geltung in der Welt zurLckgeführt haben wird, ja, wenn diese große Leistung des kath. Volkes für das neue Deutschland weiteste Anerkennung im In- und Ausland gefunden haben wird, Dr. Doehring immer noch mit seinem nationalistischen Zorn von den Kanzeln und in den Volksversammlungen her- tmterroettern wird: „An Rom sterben die Völker." Wie mitleiderregend und bedäuernswert ist nicht solcher Gestt der Hetze. Wäre Doehring ein religiös positiv veranlagter Deutscher, so würde er für die religiösen Kräfte, wo sie sich auch immer zeigen, Verständnis haben und ihnen mit Ehrfurcht begeg­nen. Er würde in ihnen den Urgrund auch der sitt­lichen Dolkskraft erkennen, in der schließlich alles große politische Können und jede große politische Leistung ihre tiefen Wurzeln haben. Wenn man den deutschen Katholizismus und feine Bedeutung für die deutsche Politik nach ihren Früchten bewer­ten soll, dann wahrlich hat ein Mann wie Doehring «Len Grund Ich su schämen. Noch, ist Deutschland

Dr. Stresemann in Hamburg.

3m großen Festsaal des Hamburger Rachauses gab der Senat anläßlich des Besuchs des Reichs- ministers Dr. Stresemann ein Essen, an dem außer führenden Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft das gesamte Konsularkorps — in Hamburg sind jetzt fast sämtliche Staaten der Erde vertreten — teilnahmen.

In seinen Begrüßungswvrtm hob Dr. Peter­sen die Bedeutung der Vermittlerwlle hervor, die die Hansestädte seit ihren Anfängen in den Beziehungen zwischen Deutschland und dem Aus­land erfolgreich durc^eführt haben. Sie hätten ein gut Teil dazu b er getragen, jene Einschätzung Deutschlands im Auslande mit zu schaffen, die Reichsminister Dr. Stresemann erneut aufzubauen erfolgreich bemüht sei. Bürgermeister Dr. Peter­sen gedachte dann der letzten Tagung in Genf, auf der Reichsminister Dr. Stresemann jene klare und gerade Linie der Politik vertreten habe, die von der deutschen Repnblft feit 1919 verfolgt wor­den sei, jene Politik, deren Leitmotiv der Glaube an den Willen der Mensckcheit zum wahren Frieden und nach einer gerechten Verständigung sei. Er glaube, Reichsminister Stresemann am erwünschtesten zu chren, wenn er seine Worte aus­klingen lasse in ein Hoch auf die Führer aller Völker, die in Treue zum Wesen der eigenen) Nation und in Achtung vor dem der ftemden den Frieden der Welt zu sichern bereit sind.

Der belgische Generalkonsul Mvulaert verlieh im Namen des gesamten Konsularkorps der Freude darüber Ausdruck, daß es Gelegenheit gehabt habe, Reichsminister Dr. Stresemann persönlich kennen $u lernen: er stellte die fortschreitende Verbesserung des wirtschaftlichen Lebens in Deutschland fest, gedachte der gwßen Verdienste Dr. Stresemanns auch um die im Konsularkorps vertretenen Länder, die ,im Nobel-Preis ihre geziemende Aner­kennung gefunden haben, und schloß mit einem Hoch auf die Reichsregierung.

Hierarif ergriff Reichsminister Dr. Stre- semann das Wort. Er dankte für die Worte seiner Vorredner und entwickelte zunächst unter besonderer Bezugnahme auf die Eigenart Ham­burgs die Gesichtspunkte, die für die Gestaltung der deutschen Außenpolitik maßgebend find. Schwierigkeiten und Rückschläge, so führte er aus, dürfen uns nicht m der Erkenntnis be­raten, das; der von uns eingeschlagene Weg der richtige ist und schließlich zum Ziele führen muß. Trotz der scharfen parteiplEischen Auseinander- setzungen darf ich das einte mit Genugtuung fest- stellen, daß Schwankungen innerpoliti» scher Art am Kurs der deutschen Außen­politik nichts ändern werden, die sich heute auf die Zustimmung der überwiegenden Mchrhett des deutschen Volkes zu stützen vermag.

Zn dem Ergebnis der letzten Genfer Tagung übergehend, sagte Dr. Stresemann: Dies«! Ergeb­nis bedeutet einen Schritt vorwärts cmf unse­rem Wege. Es ist dort gelungen, eine grund­sätzliche Regelung für zwei schwierige Fragen zu finden, die dem Fortschritt der politischen Entwick­lung bisher im Wege standen. Es ist gelungen, für die Jnvesttgationsbefugnifse des Völkerbundes denjenigen festen Rahmen zu vereinbaren, der sich aus der gerechten Auslegung der Vertregsbestim- mungen ergibt. Dom deutschen Standpunkt aus dürfen wir es als einen Fortschritt bezeichnen, daß dabei die Entwaffmmgsaktion, für die ein naher Endtermin festgesetzt worden ist, nuumchr allseitig als durchgeführt anerkannt ist. Das ist eine wichtige Etappe, aber freilich doch nur eine Etappe, und ich will offen aussprechen, daß eS auf die

Dauer ein unmöglicher und mit der Gleichberech­tigung im Völkerbund unvereinbarer Zustand ist, die allgemeine Rüstungsfreiheit bestehenzu lassen und dabei einem einzelnen Staat die volle Entwaffnung vorzuschreiben und sie einfettig zu kontrollieren. Diesen Zustand zu beseitigen, konnte sicherlich Nicht Aufgabe der letzten Genfer Ver­handlungen fein. Diese Aufgabe muß aber im Zu- sammerchang mit dem allgemeinen Abrü­stungsproblem Tmbebmgt gelöst werden. Die Mett totrb Verständnis dafür haben, daß Deutsch- lcmd seinen Willen zur loyalen Innehaltung der Entwaffnungsbestimmungen und die Anerkennung der Jnveftigationsbeftlgnis des Völkerbundes nicht betonen kann, ohne gleichzeitig auszufprechm, daß auch der Gedanke der allgemeinen Slbrüstung seiner Verwirklichung zugeführt wird. Vielleicht liegt der wertvollste Erfolg von Genf darin, daß die Methode offener Aussprache, für die der Völkerbund einen so hervorragend geeigneten Rahmen abgibt, sich wiederum voll bewährt hat.

Mr befinden uns noch immer im ersten An­fangsstadium einer neuen europäischen Entwicklung, und es ist gerade m diesem Stadium von Bedeu­tung, daß die leitenden Staatsmänner dem Ver- ttauen der Völker auf jene Enttwicklung so oft als möglich durch sichtbare Ereignisse neue Nah­rung geben. Das ist im Interesse aller beteiligten Länder in Genf geschehen. Zugleich ist mit den erzielten Ergebnissen aber der Weg frei gemacht für die praktische Inangriffnahme anderer außen­politischer Probleme, die an Bedeutung die bisher geregelten Fragen noch weit übertreffen. Auf diese Fragen sachlich im einzelnen einzugehen, möchte ich mir hier versagen. Der Grundgedanke, von dem die beteiligten Staatsmänner bei ihrer Lösung aus­gehen müssen, ist die Erkenntnis der Solidari­tät der Interessen, die die Völler Europas untereinander, und darüber hinaus die Völker Eu­ropas mit den übrigen Böllern der Welt verbin­det. Das Werk von Locarno und der Einttitt Deutschlands in den Völkerbund haben eine gute und sichere Grundlage für diese Polittk der Solr- darttät der Interessen gelegt, aber doch nur eine Grundlage. Die geschlossenen Verttäge würden ein toter Buchstabe bleiben, wenn es nicht dazu käme, im großen Geist der Verständigung darauf Wetter zu bauen und so endlich das Gebäude zu errichten^ das den Böllern ein ftiedliches Nebeneinander- Wohnen und Mtteinanderarbetten ermögllcht.

Reichsminister Dr. Sttesemann erinnerte daran, daß Dr. Petersen sich in seiner Rede zu diesem Grundgedanken des Zusammenwirkens und der Ver­ständigung der Böller bekannt hat. Er erhob fein Glas auf das Wohl Hamburgs unb seiner Führer.

Die Ausführungen des Auhenmnnsters, die vom Festsaal auf den Rundfunk übertragen wurden, wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen.

Zur Rede Stresemanns tn Hamburg heben von den französischen Müttern sowohl „Echo de Paris" wie „Oeuvre" hervor, daß Stresemann die deutsche Entwaffnung als die Vorstufe für die allge­meine Entwaffnung bezeichnet habe. Wäh. rend „Echo de Paris" als nationalistisches Organ diesen Gedanken ablehnt, unterstteicht „Oeuvre", daß darin keinerlei Grund zu einem Tadel gegen­über Stresemann liegen könne. Diese Art sei die einzigmögliche, um die Entwaffnung jenseits des Rheins annehmbar zu machen. Im übrigen handele es sich ja bei diesen Auslassungen Strese­manns um eine Feststelung aus dem Frie­densvertrag von Versailles.

Line Ansprache der Papstes.

Der Papst hielt am Montag ein geheimes Konsistorium ab, um den Erzbischof von Turin, Gampa, und den päpstlichen Nuntius in Warschau, Lauri, zu Kardinälen zu kreiieren.

Der Papst hielt bei dieser Gelegenheit eine A n- spräche, in welcher er nach einem Hinweis auf die Ereignisse dieses Jahres, den Eucharistischen Kongreß in Chicago, die Feierlichkeiten für den Heiligen Franziskus und die Konsekration der chi­nesischen Bischöfe, nochmals auf die religiöse Verfolgungen in Mexiko zu sprechen kam. Die Verfolgungen seien mit Schärfe und unmensch­licher Unbarmherzigkeit durchgeführt worden. Nach den letzten Meldungen seien sie noch grausamer ge­wesen, als er vorher angenommen habe. Der Papst wandte sich der Lage in Frankreich zu. Er erinnerte an seine früheren Erklärungen und betonte nochmals, daß den Katholiken nicht er­laubt sei, ein Programm zu unterzeichnen ober auch nur nach ihm zu handeln, in welchem die P o- litit vor bie Religion gestellt werde. Den Katholiken sei auch nicht gestattet, Zeitungen zu unterstützen, zu begünstigen ober zu lesen, die von Männern geleitet-sind, deren Veröffentlichun­gen nach dem katholischen Dogma und katholischer Moral zu verdammen sind. Der Papst drückte fein Bedauern aus, daß das französische Volk durch rein politische Fragen gespalten sei. Alle Franzo­sen müßten sich auf dem religiösen Gebiet einigen. Es sei der glühende Wunsch seines Herzens, daß diese große, segensreiche Einigung zustande ferne. Im übrigen könne jeder von dem Recht seiner Freiheit Gebrauch machen, auf dem gesetzlichen, ehrenhaften Wege die poltischen Ideen unb Pro­gramme zu vertreten, die den Gesetzen und gött­lichen Besttmmungen entsprechen. Der Papst drückte das Vertrauen aus, daß die ftanzösischen Bischöfe sich zum Dolmetsch seines väterlichen Wil­lens machen werden, und daß sie keinen Grund geben zu schiefen und falschen Auslegungen, wie sie in den letzten Nummern der „Action Francaise" zum Ausdruck gekommen seien.

Weiter führte der Heilige Vater aus: Auch Italien lernte in den vergangenen Jahren Zei­ten des Sturmes kennen. Zuerst war es der Sturm der Entrüstung gegenüber jenem wahnsin­nigen Attentat auf das Leben eines Menschen, der mit so viel Energie und Geschick die Geschicke seines Vaterlandes leitet, daß man wohl glauben kann, daß, wenn er sich in Gefahr befindet, sich zugleich das Land in Gefahr befindet. Unsere Danksagun­gen dafür, daß diese große Gefahr glücklich über­standen wurde, waren sicherlich unter den ersten. Während sich aber Bischöfe, Priester und Gläubige zu Danksagungen vereinigten, beging man gegen Personen, Sachen und Einrichtungen, ohne vor der ehrwürdigen Autorität der Bischöfe, vor dem heiligen Amte des Priesters und den Gebäuden Halt zu machen, Gewalttätigkeiten. Wir wissen, daß strenge Befehle ergingen, um jeder Gewalt­tätigkeit zuvorzukommen, sie zu unterdrücken und zu bestrafen. Wir freuen uns über diese weisen Maßnahmen der Reichsregierung. Es scheint aber so, als ob auch heute noch eine dunkle Gefahr für die Organisationen und Werke der Katholiken be­steht. Wir drücke ndte Hoffnung aus, daß man Sri keinen Grund haben wird, ähnliche Fest-

ngen zu machen und daß jeder Grund für ein _ rauen beseitigt ist und daß eine vollständige einträchtige Zusammenarbeit zum Wohl und zum Glück der Allgemeinheit sich entwickele.

verkappte Diktatur in Kowno.

in nationaler Beziehung nicht völlig frei, aber so­weit es frei ist, ist es ein Hauptverdientt tvr Katho- Ilten.

Sportverein „Olympia."

Aus Berlin wird gemeldet: y

Auf Grund der letzten Haussuchungen wird von den Behörden die Absicht oertreten, daß der Sport­verein „Olympia" bis in die letzte Z'jtt hinein M i- litärwaffen besesien hat unb als militärischer Verein zu betrachten sei. Sagegen haben nun­mehr, nach einer Korrespondenz, bte früheren Füh- rer der „Olympia" Gegenbeweise ängeboten und erklären, daß nur in einigen Fällen bei früheren Mitgliedern Waffen gefunden worden seien, die noch aus dem Weltkrieg stammen. Die „Olympia" sei 1923 von maßgebenden Stellen zum Grenzschutz herangezogen worben und habe damals Militärwaffen erhalten, die jedoch 1924 wieder zurückgegeben worben seien. Die Darstellung wird nun, der Korrespondenz zufolge, vom Staats- g e ri ch t s h o f im Januar nachgeprüft werden und es sollen als Zeugen maßgebende Vertreter des Reichswehrministeriums geladen werden.

Italien und Frankreich.

Aus Genua wird uns gefdpieben:

Die offiziöse, Mussolini nahestehende ttaüenische Telegraphenagentur „Transalpina" in Paris ver- öffennicht ein Communiquä, in dem ausgeführt wird, daß alle Nachrichten von einem Handstreich der Fascisten auf Nizza ober Korsika, sowie über­haupt Gerüchte, über italienische Rüstungen unbe- gründet seien.

Deshalb würde die französische Regierung gut tun, dir Beunruhigung der öffentlichen Memunz Frankreichs „durch eine gewisse Presse" emzn- dännnen.

Einem Vertteter der „Süffci dateb Preß" erklärte Mussolini, daß eine ftanzösisch-ttalienffchc Berern- barung eine grundlegende Notwendigkeit der euro­

päischen Entwicklung sei; ferne Politik sei friedlich, wenn auch nicht pazifistisch; im Zusammenhang mit den italienischen Kolonialwünschen sei eine Zusam­menarbeit mit Frankreich und England wünschens­wert; die Kolonial wünsche bedeuten nicht, daß Italien der erstbesten Nation an die Kchle fahren werde, um eine Kolonie wegzunehmen.

Beide Verlautbarungen betonen also bte „fried­liche" Absicht; der Grund fft einleuchtend: einmal Zureckstrücken der Schuldfrage unb sodann: Ein­schläferung Frankreichs.

Das zweite Interview ist übrigens eine Antwort auf die Darstellungen des „Observers", um äußer­lich vorrutäuschen, daß man gewM wäre, ans dies­bezügliche Verhandlungen sknzugehen.

Wie Mussolini wirstich denkt, bewerfen der Wei­tere Zufluß von Grenzvorbereitungen. Immerhin dienen dermalen friedliche Töne wohl auch dazu, um die Bereinigung der fdjwdbenben Oft {tagen ungehindert durchzubringen.

Mißwirtschaft in klmerika.

In einer Meldung der „Associated Preß' aus Washington heißt es, der Bericht des Generallon- trolieurs Mae Gart über die Verwaltung des be­schlagnahmten ehemals feindlichen Eigentums habe die „übelste systematische Ausplünde­rung enthüllt, die Amerika je erlebt habe". Sena­tor Borah kündigte an, daß der Senat nach den Weihnachtsferien eine genaue Untersuchung der Angelegenheit anordnen werde. Der Senat hat bereits den Gedanken einer Untersuchung gebilligt, hat aber noch nicht die nötigen Geldmittel angewie- ;en. Senator Borah hat die Absicht, nach den Weih­nachtsferien im Senat darauf zu drängen, daß der Betrag von 50 000 Dollar für diese Untersuchung be­willigt wird,

* Französisch-ungarischer Handelsvertrag. Die m Paris geführten Verhandlungen betreffend den Abschluß eines neuen französisch-ungarischen Han­delsabkommens sind nunmehr zum Abschluß gekom­men« ' *■■■

lieber das Schicksal des bisherigen litauischen Sejm, des Parlaments, ist zur Zeit noch keine Klarheit vorhanden„ Es wird von dem Verhalten der Linksparteien abhängen. Falls die Sozialdemo- traten und Volkssozialisten auch ferner, so bei der Präsidentenwahl, den «Atzungen fernbleiben, wird der Sejm aufgelöst werden, doch glaubt man in politischen Kreisen, daß die Rückkehr der Volkssozia­listen nicht ausgeschlossen ift In einem solchen Falle wird die Auflösung des Sejm voraussichtlich unter­bleiben.

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Nach einem Privatbericht der „Dost. Ztg." ans Kowno sollen auf der außerordentlichen Sitzung des litauischen Sejm, in der die Wahl des Staats­präsidenten Smetona vorgenommen wurde, nur die Abgeordneten der Rechten teilge» nomtnen Haden, während sämtliche Abgeordnete der Linken gefehlt hätten. — Unter den über 100 Verhafteten befinden sich nach dem gleichen Bericht maßgebende Gewerkschaftsführer unb der bisherige Generalstabschef. Die Verhaftungen sol­len noch weitergehen. Sämtliche Arbeiterzeitungen und das Organ der Dolkssozialistien seien verboten. Nach der Bildung des neuen Kabinetts sei sofort mit einer Umgruppierung in den Höch- ft en Armee st eilen begonnen worden.

* Der neue Regierungspräsident von Köln. Der Provinzialausschuß in Köln erklärte in feiner Si­tzung gemäß Artikel 86 der preußischen Verfassung sein Einverständnis mit der Ernennung des Ministerialrats Elfgen zum Regierungspräsidenten in Köln.

* Mißbrauch der militärischen Dienstgewalt. In Ludwigslust wurde nach einer Meldung des „Berl. Tageblattes" ein Oberwachtmeister des dortigen Reiterregiments auf Veranlassung der Staatsan­waltschaft wegen Mißbrauch der militärischen Dienstzewalt gegen Untergebene verhaftet und in bas Unterfuchungsgefäncmhi einaeliefert