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Fuldaer- Zeitung

Mittwoch, 15. Dezember 1926,

Aus -em Hulda» Lantz

T.

— Bebra. Auf Grund einer Wette

wollte ein innerhalb

— Probebetrieb des neuen Rheinlandsenders. Di« technische Anlage des neuen Rheinlandsenders in Lan­tz e n b e r g ist nunmehr soweit gediehen, daß man hofft, von Mitte Dezember ab mit Probebetrieb zu beginnen zu können. Es ist jedoch zu hoffen, daß trotz des tech­nischen Dersuchsbetriebes für etwa je eine Stunde nach­mittags und abends ein regelmäßiges Senbeprogramm gegeben werden kann, dessen Zeitdauer und Inhalt durch die Tageszeitungen veröffentlicht werden wird. Man rechnet damit,-daß die endgültige Betriebseröffnung des Langenbergsender Mitte Januar des nächsten Jahres er- folgen wird.

der vereinbarten Zeit „nut" sechzehn Würste ver­tilgt, sodaß er den Rest an feine Wettbrüder ab­geben und die Zeche selbst bezahlen mußte.

— Raffet Am 1. Januar 1927 sind es dreißig Jahre, daß Herr August Koehler, Königstraße 91, als Geschäftsführer bei der hiesigen Baumate- rialien-Großhandluna G. I. Engelbrecht u. Co. tätig ist. Durch seine rastlose Tätigkeit und seinen kauf­männischen Weitblick hat sich der Jubilar daS An­sehen und Vertrauen seiner Firma in vollstem Maße erworben. Möge ihm noch viele Jahre weiteren Schaffens beschieden sein!

— Offenbach. In einem Prozeß gegen den Architekten Johannes Ott aus Lämmerspiel und den Bauunternehmer Burkart, die angeklagt waren, durch fahrlässige Bauführung den Tod eines Lehrlings und Körperverletzung zweier anderer bei einem Neubau der Firma Oden weller in Bieber verschuldet zu haben, wurde der eine der Ange­klagten freigesprochen, der andere aber zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

— Burgjoß. Am Sonntag abend hielt unser Herr Pfarrer einen sehr anregenden Lichtbilderabend ab, dessen Verlauf an anderer Stelle beschrieben ist. Einen kunstvollen Rahmen zu diesem Abend boten die deklamatorischen und gesanglichen Darbietungen der hie­sigen Schule unter Leitung des Herrn Lehrer Imand. Er hatte die schönsten Gedichte und Lieder ausgewählt, vor allem ans dem berühmten Werk: „Altdeutsche Weih­nacht". erschienen in der Ehr. Kunst in München. Die Lieder, meist Sffimmiae Kinderchöre, wurden tonrein, exakt vorgetragen. Möge recht bald wieder ein solcher Abend unserem stillen Spessartdörfchen geboten werden.

Die obere Mauer des damals Bohn'schen Gattens, links an dem nach der Höhe des Frauenberges führenden Treppenwege war um die Mitte des vorigen Jahr­hunderts in einem sehr „baugebrechlichen" Zustand. Aber weder der damalige Besitzer des genannten Garten», Speisewirt Philipp Bohn noch auch der Frauen­berg wollten bert städtischen Polizei gegenüber eine Verbindlichkeit zur Wiederinstandsetzung des „gefahr- drohenden" Mauerteils anerkennen. So kam es im Jahre 1849 zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung um das Eigentum der fraglichen Mauer, die zugunsten des Frauenberges endigte. Dieser konnte nämlich eine ganze Reihe von über 70 Jahre alten Zeugen vorführen, welche die bestimmte Wahrnehmung gemacht hatten, daß die Vorbesitzer und früheren Eigentümer des Bohn'schen Gartens die obere Mauer nicht nur auf ihre eigenen Soften repariert und unterhalten, sondern auch ständrg als ihr Eigentum behandelt hatten.

Im Verlaufe dieses Prozesses, der mehrere Termine notwendig machte, wurden auch manche Details über d i e Entstehung des Gartens und seiner Umfas­sung bekannt. Diele Zeugen erinnerten sich noch sehr gut, wie der Bohnsche Garten ehedem eine Wüstenei war und zu den Domänen des Landesherrn gehörte. Weber diese wüste Fläche führte ein jijmaler sog. Kirch- Pfad unmittelbar nach dem Frauenberg. Allein außer diesem konnte man, wie es auch geschah, weil keine Mauer und kein Hindernis da war, auf allen Seiten den Berg hinauf- uird heruutergehen. Der früher dahier ver. lebte Hofkellermeister und Kammerrat Schild erhielt von dem damaligen Landesregenten, Heinrich von Bibra, aus besonderer Gnade diese „Wüstung" zu dem Zwecke geschenkt, um daraus einen Garten zu bilden und na­mentlich um auf diesem der Südseite zugekehtten Platze einen Weinberg anzulegen. Ein aus Geisa gebürtiger Gärtner, namens Schwab, besorgte die Anlage des Gartens, den Schild bann nach seinem ganzen Umfang mit einer Mauer umgeben lieh.

Bemerkenswert ist besonbers bas Zeugnis bes 71 jährigen Pförtners am Schullehrer-Seminar, Johann Anton Kircher, welcher erklärte: „Den Bohn'schen Garten und seine ihn umgebende Mauer kenne ich und weiß auch, daß die Fläche noch wüst und Ackerfeld war und nur oben vom Armenseelenhäuschen abwätts ein Stück Mauer vorhanden war, welche von diesem Häus­chen abwärts bis in die wüste Fläche, wo dortmals ein Bildstock stand, an welchem sehr oft ein Blinder sah und betete, sich verlief. Der Bildstock steht jetzt zur Seite (b. h in der Ecke der Mauer des Franziskanerklosters, dorr, wo die Lindenbäume enden) und bis dahin, wo er sich jetzt befindet, ging die alte Mauer, welche die Franzis­kanermauer genannt wurde und dazu diente, das Ab­stürzen des Häuschens und feiner Umgebung zu vorhin- dern. Die Mauer war jedoch nicht so hoch, wie jetzt, londern der Erde gleich und die Erhöhung der Mauer hat der Kammerrath Schild durch seinen Maurermeister Hillenbrand erttchten. lassen. Dies alles habe ich selbst gesehen und auch wahrgenommen, dah der Kammer­rath Schild an der vorhandenen Mauer hat fortbauen und um den ganzen Gatten ziehen lasten." Der Zeuge wies auch daraus hin, daß man noch genau den allen vor Anlegung des Gartens vorhandenen Test von dem Fortsätze der damals verlängetten Mauer unterscheiden könne.

Nach diesen Feststellungen kann unser Garten mit sei­ner Umfassungsmauer nicht lange vor 1790 angelegt wor­den sein, fönst Hütten sich die erwähnten Zeugen wohl

schwerlich noch an die einst wüste Fläche vor Errichtung des Gartens erinnern können. Nur das Mauerstuck vom „ersten Heiligenhäuschen", wie früher das Armen- feelenhäuschen vielfach genannt wurde, ist älter und viel­leicht zugleich mll jenem Mauerstück errichtet worden, das den Vorplatz vor der jetzigen Kirchenfassade abschließt und nach dem darin befindlichen Jnschriftensteine imJahre 1706 aufgeführt wurde. Darnach wäre auch die von P. M Bihl in seiner „Geschichte des Franziskanerklo­sters Frauenberg" S. 90 gemachte Bemerkung, daß sich das Alter der Mauer links am Hauptweg nach dem Frauenberg schwerlich feststellen lassen dürste, zu be- richtigen.

Heber die aufeinander folgenden Besitzer des Gattens gibt uns Hartmanns „Zeitgeschichte von Fulda" einige Auskunft. Vom Küchenmeister Schild ging der ©ar­ten zunächst auf feinen Tochtermann, den Baumeister E o u t r a y, und dann auf den Restaurateur Jakob Odenwald' über, und 1845 auf Philipp Bohn. Da­mals verkehrte vorzugsweise die Hautevolee hier. Bohn gab den Garten weiter an W. Hochhaus, der ihm den Namen Bellevue beilegte und von dem im Oktober 1883 Lehrer I. Bogel die Restauration für 22 000 Mark kaufte. Im Jahre 1917 erwarb den Gatten C. A r n v, von dem er 1926 auf den Frauenberg überging.

Der ebenso tätige als geschickte Hofkellermeister Schild war wohl deshalb einst mit diesem sonnigen Stück Erde beschenkt worden, weil er an der wesentlichen Verbesse- rung des Weinbaues unter dem Fuldaer Fürstbischof Heinttch VITT, von Bibra den verdienstvollsten Anteil hatte. Die von Schild in seinem neuen Gatten am Frauenberg angelegte Weinpflanzung erfreute sich übrigens keines langen Lebens. Schon 1829 wurde ihr von Dr. Jos. Schneider ein baldiges Cxide prophe­zeit, als er in seiner Buchonia (IV. ‘2. S. 8) schrieb: »Wein baut man (— in Fulda) nicht und selbst der noch vorhandene Weinberg am Frauenberg wird von seinem Besitzer ehestens in eine nützlichere Anlage umgeschasfen werden, weil der Boden auf eine andere Art benützt, mehr einträgt."

Interessant und mit dem oben Gesagten übereinstim­mend ist auch die poetische Schilderung, die P. Poly- carp Schmitt im Jahre 1326 von unserem Garten gab: „Werfen wir, so schreibt er in Schneiders Buchonia (I. 2. S. 69), nur noch auf den vor lins und unter uns liegenden Odenwald's chen Garten einige flüch­tige Blicke! Dieser war vor nicht gar zu langer Zeit noch größtenteils Acketteld. Der edle Rebengott Lyä 0 s scheint sich einst auf seinen Streifereien durch die Welt hierher verirrt zu haben. Er fand Ceres (d. i. bte ®affin des Ackerbaues) hier und — blieb. Der da­malige Eigentümer, der verstorbene Kammerrat und Kellermeister Schild, gönnte-ihm gerne diesen Aufent­halt, und suchte ihm denselben angenehm zu machen. Er heiligte ihm einen kleinen Rebenhügel an des Gattens oberer Mauer, lud zu Ceres und Lyäos auch noch die Göttin P 0 m on a (d. i. die Göttin des Obstes) ein, und damit sie ihm nicht wieder entwischten, um­gab er den ganzen -Gatten mit einer stattlichen Mauer. Dazu gesellten sich noch die Göttinnen Euterpe (d. i. die Muse der Tonkunst) und Terpsichore (d. t die Muse der Tanzkunst), und der jetzige Gattenbesitzer ließ ihnen einen kleinen Tempel, seinen Tanzsaal, am Ein­gänge des Gattens erttchten."

Aber gottlob sind diese zwei letzten Musen trotz Ein­schlußmauern nun glücklich wieder verttteben!

P. A. E.

«acholische Welt. .

— ll. Hranzirkus - Jubiläum» - yilqerzuq der Fran- ziSkaner.Minoriten in Deutschland vom 19. September bis 1. Oktober 1927. Im Hinblick darauf, daß der erste Zug bei größter Beteiligung zu allaemeiner Zu- friedenheit auSaefallen ist, haben wir uns entschlossen, zu den Schlußfeierlrchkeiten deS JubiläumSjabreS in Assisi nochmals einen Sonderzug zu veranstalten: Reiseroute: Würzbura (Köln), Ludwigshafen, Gotthard, Mailand, Rapallo, Rom, Assisi, Padua, (Venedig), Brenner, Innsbruck München. ReisepreiSr Mi. 245v— 3. Klaffe, alles Inbegriffen. S. Kl. Mk. 290.—, nur auf der Babn. Auskünfte und Anmeldungen tbiefe möglichst frühzeitig) bei den Franziskan^-Minoriten- Klöstern in Würzburg und OagerSheim (Rheinpfalz).

— Der vifchof von Dijon gestorben Der Bischof von Dijon ist im Alter von 72 Iabren gestorben.

Rus dem Iotzgrund.

In vergangener Woche haben an den einzelnen Or­ten der Pfarrei Oberndorf Pfarrfamilienabende stattgefunden, die allgemeinen Beifall sanden. Dor allem aus den beiden Filialen Pfaffenhausen und Burgjoß war der Besuch sehr zahlreich. Herr Pfarrer Trage- fer, von den Lehrpersonen der drei Orte treu unter» stützt, bot den Gemeinden einen sehr anregenden Licht­bilderabend. Im ersten Teil führte dieser Vortrag in zwei heilige Zeiten ein, in den Advent und das 700- jährige Franziskusjubiläum. Was die kirchliche Kunst an herrlichen Advents- und Weihnachtsbildern geschaf­fen, was die christliche Malerei aus dem Leben des hei­ligen Franziskus kunfwoll dargestellt, wurde in klaren Bildern gezeigt und erklärt. Der zweite Teil hatte mehr unterhaltenden Charakter. Er bot zunächst herrliche Landschaftsbilder aus Thüringen, vor allem wurde die Wartburg, verwoben mit dem Leben der hl. Elifabech in künstlerischen Bildern von Schwind und anderen Meistern vorgeführt. Daran schloß sich an eine Reise nach Oberitalien. In 25 farbenprächtigen Bildern wurde die „Stadt auf dem Meere", Venedig, uns vor Augen gestellt. Zum Schluß wurde an der Hand von wunder­schön kolorierten Lichtbildern das Märchen „Marienkind" von Grimm erzählt.

Alle Besucher hatten die Heberzeugung, daß solche, dem Edlen, Schönen und Guten dienenden Abende einen tiefen Eindruck hinterlassen. Die Darbietungen wurden durch den ganz neu erschienenen „Ianulus" Epidiaskop gegeben, der für kleine Säle recht brauchbar ist. Er ist bei Liesegang für 150 <* ohne Glasbilder, für 200 <M. mit Glasbildereinrichtung zu haben.

Angestellter einer Eifenberger Gießerei ____________

swe» Stunden zwanzig Rostbratwürste von je 25 Zentimetern Länge verzehren. Der Rekord- effer gab sich zwar alle Mühe, hatte aber innerhalb

Awas aus Her Vergangenheit her Fuldaer „Bellevue"

-- Petersberg. Der vergangene Sonntag brachte un­serem Dorfe eine schöne stimmungsvolle Abendunter­haltung. Drei junge Franzistanerpatres vom Frauen­berg veranstalteten eine M i s s i 0 n s f e i e r mit Licht- bilderoortrag tm Birkenbach'fchen Saale, den der Be- scher in dankenswerter Weise unentgeltlich zur Verfü­gung gestellt hatte In anschauliche^ Weise lernten die zahlreich erfd)ienenen Teilnehmer Land und Leute, Sit­ten und Gebräuche des japanischen Volkes und den Wir- längstreis der thüringischen Ordensprovinz kennen. Die farbenprächtigen Bilder und de» erläuternde Vortrag ließen einesteils die Vorzüge des japanischen Volkes, : anderenteils aber auch die großen Hindernisse der Chri- | stianisierung erkennen. Der zweite Teil des Vortrages behandelte die Missionsgeschichte der Franziskaner in Japan. Groß sind die Opfer, die gebracht werden muff­ten, bis der Same, den die ersten Glaubensboten und Märtyrer ausgeftreut hatten, die ersten Früchte zeitigte. . Für manchen der Zuschauer war es recht interessant, jene Glaubensboten in ihrem Wirkungskreis in Japan kennen zu lernen, die sie vor Jahren von dem Frauen­berg hatten scheiden sehen. Auch der Vottragende, der hochw. Herr Pater Zeno Fleck und sein „Operateur", der hochw. Herr Pater Martin Friese werden im Laufe des Frühjahrs nach diesem fernen Osten ziehen. In anerkennenswerter Weife hatten sich die Spielleute ter Fuldaer Normannsteiner für den Abend in den Dienst der guten Sache gestellt. Durch gut ausgewählte Musikstücke und passende Lieder trugen sie nicht minder zum guten Gelingen der Missionsfeier bei. Wie nötig und erfolgreich solche Missionsfeiern für das Volk find, betonte Pater Alban Herzig in feiner Begrüßungs­ansprache. Es ist nicht genug, daß ein Teil des koch. Volkes durch Beitritt zum Franziskaner-Missionsver- em die Mlssionsarbeil unterstützt. Das ganze kathol. Volk muß dafür begeistert werden. Dies sollte im klei­nen Rahmen der Zweck dieser durchaus gelungenen Mis- Wßonsfeier fein. Es ist daher zu wünschen, daß noch recht sielen Gemeinden des Kreises Fulda solche schöne Fei­ern veranstaltet werden können. Die hochw. Herrn MPatres vom Frauenberg werden gewiß sehr gerne einer | solchen Einladung Folge leisten. Hnd, könnte man den MN bald scheidenden jungen Missionspatres ein schöne­res Abschiedsgeschenk überreichen als die Heberzeugung, Daß die in der Heimat zurückbleibenden Schwestern und 9 Brüder ihrer gedenken und sie unterstützen?

2. Blatt.

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I Das Rätsel des Heidegrabes.

| - Roman von Ernest Becher.

5] ----------

Angst ergriff Friedel; es war das erstemal, daß er sn dem Bett eines dem Tod Geweihten stand, und dieser Sterbende war noch dazu sein Großvater. Wie, wenn Pch der Anfall jetzt erneuerte, da der Arzt abwesend war, ler Anfall, von dem Carstens gesagt hatte, daß er dem H «reis den Tod bringen würde?

Friedel stöhnte auf. Wenn doch nur der Arzt schon tot märe!

£ Der Jüngling blickte angswoll auf den Leidenden, dessen Gebaren immer unheimlicher wurde. Pfeifend Sing der Atem, die Brust hob und senkte sich, die Finger- Hitzen zuckten krampfhaft und doch biteben die Hände *tarr und unbeweglich auf der Decke liegen. Habet ßöhnte Elkeborg immer lauter, immer schmerzlicher.

~ Friedel beugte sich über ihn.

„Großvater!" flüsterte er angstvoll und dann nach •folgen Sekunden etwas lauter: „Großvater!"

Er Die Lider des Leidenden bewegten sich, doch er schlug ne nicht auf. Ein jammervoller Laut drang aus feinem - Munde.

E Ratlos blickte Friedel um sich, fein Auge fiel auf das Fläschchen mit den lindernden Tropfen. Rasch öffnete *r es und träufelte davon auf den bereitliegenden Lös- lei. Mit zitternder Hand versuchte er, dem Großvater Heiltrank einzuslößen. Er verschüttete reichlich die Hälfte, braune Flecken verbreiteten sich auf dem Polster F ° Rest versuchte er doch dem Leidenden einzu- ? 2 x n‘ ®r ro*e dieser die Flüssigkeit hinunterschluckte, "Nd er versuchte es noch einmal, dem Alten einen halben | *-°“el voll einzugießen.

gl»..®5 gelang, und bald wurde der Großvater ruhiger. Hk'edel atmete auf. Er eilte an das Fenster, um nach em Arzt zu spähen. Aber er hörte nur das eintönige n ber fallenden Regentropfen; der Mond wo, v°n ^Bolten verhüllt und Friedels Blick vermochte nicht L 'n^e* lu durchdringen.

x der Jüngling sich aufseufzend umwandte, sah er, m Alle die Augen aufgeschlagen hatte. „Großvater!" rief Friedel freudig aus und eilte an K Veit

"l!r "eidende versuchte, fein Antlitz vollends dem fc’”w9nng zuzuwenden. Es gelang ihm nicht, nur eine

säst unmerkliche Bewegung des Hauptes brachte er zu­stande.

Fttedel hatte ihn beobachtet, er erriet, was der Alte wollte, und rief:

„Watt, Großvater, ich helfe dir!"

Zatt faßte er das Haupt des Kranken mit beiden Händen und legte es fo, daß der Alte- geradeaus vor sich blicken konnte.

„Ist es so recht?" fragte er.

Hnverständliches Gemurmel kam von den Lippen des Leidenden; feine Augen blickten von einer Ecke zur andern und bann wie suchend hn Zimmer umher.

Friedel sah es und sagte:

„Wir sind allein, Großvater! Doktor Carstens war hier, et wurde von einem Boten geholt, aber, er kommt wieder. Watte, ich werde den Schirm wegnehmen, da- mtt du besser sehen kannst!"

Er entfernte den vor den Kerzen ausgeftellten Licht­schirm, ungehindert fielen die Strahlen durch das ganze Zimmer.

Gedlendtt'schloß Elkeborg einen Augenblick die Lider, schlug sie aber gleich wieder auf. Nochmals glitt fein Mik forschend durchs Zimmer; Dann versuchte er zu sprechen, doch nur hilfloses Gestammel wurde hörbar.

„Willst du etwas, Großvater?" fragte Friedel. „Was denn? Wasser etwa, willst du trinken?"

Wieder versuchte der Alte zu sprechen — es gelang ihm nicht. Die vergebliche Anstrengung trieb chm die Rote ins Gesicht, er keuchte hörbar. In seinem Antlitz zuckten die Nerven. Starr heftete er seinen Blick auf den Jüngling, mit roeitgeöffneten Augen, in denen Qual und Verzweiflung brannten.

Rattos blickte Fttedel auf ihn.

Plötzlich fiel ihm das Gespräch mit Ohm Christian ein. Eilig beugte er sich zu dem Alten nieder und rief:

„Du willst mir etwas sagen, Großvater, gelt? Ohm Christian hat es mir angebeutet."

Er sah, wie es aus ben Augen bes Alten aufleuchtete und der qualvolle Ausdruck aus denselben verschwand.

„Gelt, ich habe es erraten?" rief er froh aus. „Laß dir Zeit, Großvater, strenge dich nicht fo an, ich werde dich schon verstehen — sieh, fo!“

Er hielt fein Ohr ganz nahe an die Livven Elke- borgs.

Da versuchte dieser Worte zu formen, doch die Lippen gehorchten ihm nicht, nur Stammel- und Zischlaute wurden hörbar:

Ein Aechzen drang aus der Brust des Alten, als er merkte, daß er sich nicht verständlich machen konnte. Wieder trat der qualvolle Ausdruck in seine Augen, die Stirnabern schwollen an, bas Gesicht rötete sich immer mehr, sein Atem würbe pfeifenb, Schweißtropfen brachen ihm hervor.

„Nicht, Großvater!" bat Friedel besorgt. „Du ftrengft dich zu sehr an, das schadet dir — ich werde dich schon verstehen! Ruh dich jetzt ein bißchen aus!“

Der Alte stieß unartitulierte Laute aus, immer und immer wieder versuchte er zu sprechen. Aber so sehr auch Friedel sich bemühte, er vernahm kein verständliches Wort.

Das Antlitz des Leidenden wurde bläulich, die unge­heure Anstrengung drohte chn zu ersticken.

Wieder bemächtigte sich des Jünglings der Gedanke, der Großvater könne ihm unter den Händen sterben. Wo blieb nur der Arzt fo lange?

In feiner Angst eilte Friedel neuerdings ans Fenster, er riß es auf und achtete es nicht, daß ihm der Wind den Regen ins Gesicht peitschte. Mit lauter Stimme rief er hinaus:

„Doktor Carstens! Doktor Carstens! Ohm Fre- derik!"

Ein schriller Schrei drang vom Bett her an (rin Ohr. In wahnsinniger Angst lief er hin — in wirren, Dirrcheinander sprudelten die Laute von bes Großvaters Lippen:

Schr--sch--schsch--iff — schschiss —

schif-tt!" I

Die Angst hatte Friebels Sinne geschärft; er ver­meinte ben Men zu verstehen unb rief:

„Eine Schrift, Großvater? Eine Schrift?"

„Sch — schr — fff — schr--chchch--schifft,"

stammelte ber Leidende noch einmal, seine Stimme wurde leiser.

Die Flammen ber Kerzen zuckten ängstlich hin und her, ber burchs offene Fenster einbringende Wind drohte sie zu ersticken. Im Hause wurde es lebendig, man hatte Friedels Ruf gehört. Der Jüngling beachtete weder das eine, noch das andere.

„Wo, Großvater, wo?" fragte er und beugte sich «mz nahe zu des Men Munde.

„B--bi--bibi--" stammelte der Alte,

bann ging fein Atem in immer heftiger werbendes Rö­cheln über.

Da wurde die Türe ausgestoßen. Carstens trat ins Zimmer, hinter ihm die alte Margret mit blaffen Wan­gen.

Den regenfeuchten Mantel über den Schultern, eilte der Arzt zum Bette, ohne ein Wort zu fragen oder zu sprechen. Er warf nur einen Blick auf den Röchelnden bann griff er eine Pinzette aus betn Besteck, bas noch auf bem Nachttischchen lag — ein kurzes Suchen an dem linken Arm« unb gleich barauf spritzte ein bunfler, fast schwarzer, Blutstrahl auf bie Bettdecke.

Margret riß die Zinnschüssel vom Boden, darften- winkte ihr ab.

„Laß!" sagte er kurz. Nach einigen Augenblicken nahm er eine ber bereitiiegenben Bandagen und wickelte sie geschickt um die Wunde.

Das Röcheln des Leidenden wurde leiser und leiser. Der Arzt öffnete bas Hemd des Alten unb legte ihm bie Hanb auf das Herz.

„Es geht zu Enbe!" sagte er mit leiser Stimme.

Margret sank auf bie Knie und betete aufschluchzend bas Vaterunser. Auch Friedel sank nieder unb legte wei­nen!) bas Haupt auf bie Bettbecke zu Füßen des,Groß- oate'rs.

Plötzlich öffnete biefer weit bie Augen unb heftete den Blick starr auf den grünen Vorhang an ber gegen- überltegenben Wand.

Der Arzt folgte ber Richtung bes Blickes. Mit schnei len Schritten verließ er bas Krankenlager — ein Riß an ber Jugschmir unb ber grüne Vorhang flog zur Seite Aus breitem Ebenholzrahmen leuchtete bas lebensvolle Bild einer jugendschönen Frau.

Friedel hatte das Klirren der Dorhangringe gehört, er blickte empor.

„Mutter!" schluchzte er auf.

Elkeborg hielt feinen Blick auf das Bild gerichtet, die Starre feines Auges wich einem Hellen Leuchten, bas immer matter unb matter würbe. Plötzlich erlosch es ganz, das Antlitz des Alten wurde intensiv rot, bann bläulich Ein krampfhaftes Zucken unb Schütteln lief über seinen Leib. Er öffnete ein wenig ben Mund, rin leiser Seufzer kam von seinen Sippen.

Dann streckte sich ber Körper — Buchhändler Elke­borg war tot.

ffiortfebuna folgt)