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stc. 288.

Dienstag, 14. Dezember 1926.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: „Illustrierte Beilage" and „Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Rulboex Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Rr. 9.

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Fuldaer Zertung

■____ Anzeiger für die Stadt und den Kreis Fulda. AmkNches kreisblakk.

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Um die Kriegsschuld.

Sn die vierfachen Mau-, Gelb- und Weiß. Jücher, welche die kriegführenden Regierungen zu ihrer Rechtfertigung bei Ausbruch des Krieges herausgegeben haben, glaubt schon lange niemand nicht. Es waren Agitationsschriften, die aus dem vorliegenden Mtenmaterial gerade das htraushvlten, was den Regierungen zur Aufpeit- rg ihrer Völker zweckdienlich erschien. Sie wur- wohl während deS Krieges von zahlreichen Historikern und Journalfften emsig miteinander ver- Lchen, wobei sich aber nichts mehr herausstellte, U daß sie insgesamt lückenhaft und damit für die Ieurteilung der Schuldftage wertlos waren. Ein neues Moment wurde in die Debatte durch die A f- tenveröffentlichu na der Bolschewisten (»Rußland gebracht, bie im November 1917 zur Dacht gelangt waren und nun kein größeres In­teresse hatten, als den Weltftieg als ein Schacher- «schäft der imperialistischen Kavitakfften zu ent- jarven. Die nächsten weiteren „Entscheidungen" über die Kriegsschuldftage brachte die überlegene eng­lische . Propaganda und das überlegene Kriegs- «aterial der Entente. Beide Kampfmittel standen zwar jenseits des Bereiches vorurteilsloser historischer Kritik, aber das kümmerte ihre glück­lichen Besitzer sehr wenig, und so wurde in dem Lersailler Friedensvertrag dittiert, daß Deutsch­land die Alleinschuld am Weltkrieg trüge.

stzruch getan hatte, daß man in den Weltftieg über- M.chineingetvrkelt" sei. Strefemann, der nach sei­nen Besprechungen in Thoiry in einem allzurofigen Opümlsmus lebte, verfiel in denselben Fehler in xiner berüchtigten Genfer Eambrinusrede, die den W belasteten und darum sehr nervösen Recht­haber Poincarö auf den Plan rief, um Sftesemann abzukanzeln. Neuerdings sind die Mittelparteien mit den Rechtsparteien im Reichstag zusammenge- SMen, um einen gemeinsamen Antrag in der Kriegsschuldftage zu beschließen, der die Reichs-

Kriegsschuldftage zu beschließen, der die Reichs- tMierung mit der Prüfung der Frage beauftragt, ob auch die Kriegsschuldfrage dem Völkerbund oder dem ständigen internationalen Gerichtshof wckerbreitet werden könnte. Alle diese taktischen Schachzüge sind für die Lösung dieses Problems vollkommen belanglos. Dor allem ist die Hoff- vung iklusorisch, als könnte eine Rehabilitierung der Mächte für sich irgendwie zu einer Revision des Versailler Vertrages führen. Was heute an deutsch-ftanzösischen Verständigung erreicht worden P, geschah völlig außerhalb der Diskussion über me Kriegsschuldftage. Ja, man kann sagen, diese Frage wftd vielleicht erst dann eine einigermaßen

Von dieser Zeit an wurde in Deutschland mit Mß die Kriegsschuldftage zu einer partei­politischen Angelegenheft gemacht. Die deutsch- Mtionale Dolkspartei tat so, als sei sie die alleinige Unschuld, obwohl sie grundsätzlich der Idee der Machtpolitik huldigt und der Unabhängig­keit der Staatsinteressen von allen privaten Moral- • anschanungen. Ihre Agitation hatte den Zweck, die republikanischen Regierungen zu verdächtigen, daß diese ein besonderes Interesse an der Auftechter- haltung der Meinung hätten, daß die Urheberschaft für den Weltftieg allein oder größenteils bei den Mittelmächten liege. Das Verhalten der Sozial- demoftatie, die immer wieder das mMärische Eli- guensystem am Hofe Wilhelms II. und vor allem auch diesen selbst verdächtigte, gab den Deutsch­nationalen mitunter weiigHende Handhaben. Noch heute ist der parteipolitische Kampf um die Kriegs- 3 schuld frage in Deutschland nicht ausgeswrben, und immer wieder glauben unsere Regierungen auf die Agitationsmanöver der Deutschnationalen Rück- W nehmen zu müssen. Als das zum ersten Mail der Außenminister Dr. Simons auf der Londoner

«friedigende Lösung für all« Parteien finden kört- ven, wenn die politisch« Verständigung die psycho- Mschen Voraussetzungen dafür bereits geschaffen hat. Die historischen Feststellungen allein genügen nicht, sie müssen auch von den Regierungen und M Völkern auf beiden Seiten anerkannt wer- ftn, und das setzt allerdings eine Ausmerzung Kriegsgeistes und des gegenseittgen Mißtrauens "°laus, woran Europa noch immer sehr leidet.

^Denn irgend etwas di« objektive Erkenntnis Ordert hat, dann sind es die Aktenpubli- ?fltionen des Auswärtigen AmteS,von hEiwi kürzlich der letzte Band, der di« Ereignisse ? de» letzten Wochen vor Kriegsausbruch behan- M erschienen ist. Eine Ergänzung hat diese ^ttenpublikation in England gefunden, wo auf

Anregung Macdonalds hin das Britische Aus- wartiAtz Amt eine Mtensammlung herausgibt, die °Mngs nur bis zum Jahre 1898 zurückgreift. ö)t ist jetzt der neunte Band erschienen, der ^ Dokumente vom 28. Juni bis zum 4. August J’U enthält. Die Ordnung des Materials ist durch politischen Historiker Dr. G. P. Gooch und Dr.

Temperley erfolgt. Wie die Presse aller ,.7^der zuzugeben scheint, vermögen diese Ergän- ZlMkn das auf Grund der deutschen Aftenpubli- ^>n«n gebildete Urteil nicht mehr wesentlich zu Es wird nur der Eindruck verstärtt, daß Rr k 1 ^^luakige Außenminister Sir Edward 71rz von vornherein entschiedener als er es wirk- Setan hat, zum Ausdruck gebracht hätte, daß lank,eittem Kriegsausbruch auf Seiten Ruß- deutt^ Unb Frankreichs stehen würde, die «lieb Kriegserklärung«» wahrscheinlich ver- ivorden wären. Er ist dazu von seinem h»rh»„aat?fettrtäT ®r Ehre Grow« aufgefordert - lanh VLDt,nc diesem Rate zu folgen. In Teutsch- r.ie 1?an bekanntlich an den höchsten Stellen

Seite Stuben wollen, daß sich England auf die

. trifft w Eegner schlagen könnte. Insofern

Ende du MilitSrkontrMe am 31. Ianvar 1927.

Vas Ergebnis in Genf.

Die Dezembertagung des VAkerbundsrates ist am Samstag abend abgeschlossen worden. Die öf- fentlichen Schlußsitzungen brachten Reden der füh­renden Staatsmänner, die sich an die Verleihung des Nobelpreises knüpften. Es wurden wichtige De- schlüsie gefaßt, die die Unschädlichmachung des In­vestigationsrechts (Untersuchungsrechts) des Völker, bundes bezweckten und auch erreicht haben. Wich­tiger noch als die Verhandlungen des Völkerbunds- rats waren die sie begleitenden Verhandlungen zwischen Deutschland und seinen Hauptgegnern aus dem Vertrage von Versailles, die erst am Sonn­tag ihr Ende fanden. Dabei handelte es sich um die baldige Aufhebung der von den Stotterten aus- geübten Militärkontrolle.

Die Verhandlungen über die Aufhebung der Militärkontrolle, erschwert durch den Beschluß der Pariser Botschasterkonferenz, dauerten noch den ganzen Sonntag an. Das Ergebnis wurde in einem Protokoll niedergelegt, das folgenden Wortlaut hat:

„Im D^laufe einer Besprechung, die am 12. Dezember 1926 in Genf zwischen den Vertretern der deutschen, belgischen, französischen, englischen, italienischen und japanischen Regierung über die von der interalliierten Miltärkonftollkommission und der Botsämsterkonferenz noch in der Schwebe be- findlichen Fragen stattgefunden hat, ist zunächst mit Genugtuung feftgestellt worden, daß über den größten Teil der mehr als hundert Fragen, die zwischen den genannten Regierungen im Juni 1925 hinsichtlich der Ausführung der militärischen De- sttmmungen des Versailler Vertrages waren, eine Verständigung erzielt worden ist. Nur die Verständigung über zwei Fragen füeht noch aus. Alles berechtigt daher zu der Hoffnung, daß diese beiden Fragen güttich geregelt werden kön­nen.

Unter diesen Umständen ist Folgendes verein­bart worden:

1. Die diplomatisch« Erörterung über die Frage der Festungen und die Frage des Kriegsmaterials wird von der Botschafterkonferenz fortgesetzt wer­den. Es werden neue Vorschläge gemacht werden, um die Erörterung zu fördern und ihren Abschluß zu erleichtern.

2. In der Zwischenzeit bis zur Erzielung einer Lösung werden alle in Rede stehenden arbei­te n an den Festungen eingestellt, unbescha­det des Rechtes der Parteien, ihren Rechtsstand- punkt aufrechtzuerhalten.

3. Die Interalliiert« Militärkon­trollkommission wird am 31. Januar 1927 aus Deutschland zurückgezogen. Von diesem Tage an findet Artikel 213 des Fliedensver­trages Anwendung nach Maßgabe der von dem Dölkerbundsrat gefaßten Beschlüsse.

4. Wenn an diesem Tage die bezeichneten Fragen wider Erwarten noch keine endgültige Lösung ge­funden haben sollten, werden sie vor den Völ­kerbund gebracht werden,

5. Für alle Fragen, die mit der Ausführung der erzielten ober noch zu erzielenden Lösungen Zusam­menhängen, kann jebe ber in ber Botschafterkon­ferenz vertretenen Regierungen ihrer Botschaft in Berlin einen technischen Sachverständigen attachie- ren, der geeignet ist, mit den zuständigen deutschen Behörden ins Benehmen zu treten."

Die deutschen Journalisten und die aus Anlaß der Völkerbundsratstagung in Genf anwesenden deutschen Pressevertreter hatten anläßlich der Ver­leihung des Nobelpreises an Reichsminister Dr. Strefemann diesen und seine engeren Mitarbeiter zu einem Frühstück in das Hotel „Metropol" geladen. Auf eine Glückwunschansprache des Donen der deutschen Journalisten in Genf dankte der Mi- nister. Dr. Strefemann betonte dabei, daß in der Verleihung des Nobelfriedenspreises eine Anerken­nung der Idee liege, für welche neben anderen Nationen Deutschland sich besonders eingesetzt habe. Auf die Fragen der Dölkerbundstagung eingehend, betonte der Minister, bedeutsam fei im Völkerbund vor allem die regelmäßige Wiederkehr des Zusammentreffens der Staatsmänner, die in dieser Form in der europäischen Politik bisher nicht be­standen habe. „Ich kann mir vorstellen," sagte Dr. Strefemann, „daß der Weltkrieg nicht aus- gebrochen wäre, wenn eine solche Fühlung- nahm damals schon bestanden hätte. Der le­bendige Kontakt von Mensch zu Mensch ist durch Telegramm« und Instruktionen in keiner Weise zu ersetzen. Aehnliches gilt auch für die Presse, der durch die regelmäßigen Zusammenkünfte, in Genf eine persönliche Fühlungnahme ermöglicht wird, die es bisher nicht gab." Der Redner hob dann sein Glas auf das weitere vertrauensvolle und er­sprießliche Zusammenwirken zwischen der deutschen Politik und der deutschen Presse.

Reichsminister Dr. Strefemann, der mit der deutschen Delegation Montagabend Genf ver­läßt, wird, dem „Montag" zufolge", am Mitt­woch dem Reichskabinett Bericht erstatten. Am Donnerstag beginnt die große politische Aussprache im Reichstag.

lieber den französischen 3K t n i ft errat, der Sonntag abend unter dem Vorsitz des Präsi­denten der Republik im Elisee zusammengetreien war und zu den letzten Genfer Abmachungen Stel­lung nahm, wurde folgendes offizielle Kommu- niquee ausgegeben:

„Der Ministerrat hat fein Einverständnis mit dem Minister des Aeußern feftgestellt und feine Befriedigung über die glücklichen Ergebnisse aus­gesprochen, die durch die vertrauensvolle Zusam­menarbeit der Regierung mit Briand erziett wurde."

Die Frage der Zurückziehung ber französischen Truppen aus betn Saargebiet unb bes von Frank- reich geforberten militärischen Bahnschutzes ist in der Schlußsitzung bes Völkerbundsrates auf Vor­schlag des Berichterstatters Scialoja auf die nächste ordentliche Ratstagung im März vertagt worden. Der einstimmig genehmigte Bericht nimmt Bezug auf bie früheren Beschlüsse des Dölkerbundsrates, wonach die enbgütlige Räu­mung des Saargebiets in Etappen durchgeführt werden soll und verlangt, daß die Regierungskom­mission bie Frage des Dahnschutzes einer neuen Prüfung unterzieht und dem Rate genaue Vor­schläge darüber vorlegt. Diese Vorschläge sollen dem Rate so rechtzeitig zugehen, daß er in seiner Märztagung einen endgültigen Beschluß in dieser Angelegenheit faffen kann.

Eine revolutionäre Massenversammlung in Hankau.

wtb. London, 13. Dez. (Eig. Funkm.) „Times" berichtet aus Hankau über eine große Massenver­sammlung zur Begrüßung bes bolschewisti­schen Ratgebers ber Kanton-Regie­rung, General Borodin, bis am Samstag statt- fanb. Nach ber chinesischen Presse sollen 300 000 Personen teilgenommen haben. Der Minister des Aeußeren der Kanton-Regierung, bie Frau und ber Sohn Sunjatsens und bie führenben nationalisti­schen Minister waren anwesend. Es wurden im Sanzen 33 Reben gehalten, die im wesentlichen zur nterstützung der Nationalisten bei der Durch­führung ber Sowjet-Politik In ganz China aufforderten. Borodin erklärte, die Re- Dotation fei deshalb geglückt, es gelte nun, das ganze Land unter einer bolschewistischen Regierung zu vereinigen. Die Unterstützung ber Arbeiter werde es der Regierung ermöglichen, die einseitigen Ver­träge zu beseitigen, die Schuld an ber chinesischen Armut seien. „Times" stellt fest, baß 28 der ge-

haltenen Reden ausgesprochen englandfeind­lich waren.

Havas berichtet aus Peking, gut unterrich­tete Ausländer und Chinesen, die aus der Gegend am Jangtsekiang nach Peking zurückkehrten, erklär- ten, die Lage am Jangtsekiang fyibe sich in den letz­ten sechs Wochen beträchttich verändert. Wegen der von ihnen verlangten hohen Abgaben unb der aus. brechenden Streiks feien ihnen jedoch jetzt viele Chinesen feindlich gesinnt. Die Lage der Ran- tontruppen sei in Wirklichkeit nicht so gut, wie es den Anschein habe, denn die Militärbehörden der Provinz Honan, Hupe und Kiangsi seien nicht ge­neigt, den Befehlen des Oberbefehlshabers der Kantontruppen nachzukommen. Die Anträge auf Gewährung der provinziellen Auto­nomie aus den Zentralprovinzen würden immer dringender, da diese sich weder von Kanton noch von Mukden regiert zu sehen wünschten.

Niger in einem schlechten Willen als in seinem schwankenden Charakter begründet war.

* Wiebereinstellung der spanischen Artillerie- Offiziere. In Madrid wurde eine Verfügung amt­lich verbreitet, durch die sämtliche Artillerieoffiziere, die innerhalb der vorgesehenen Frist um Wieder­einstellung ersuchten, zum Dienste wieder zugelas­sen werden. _______________________

BeamtenbefoIöungs*Reform.

Die Beamtenbeihilfe In Preußen.

Der Beamtenausschuß des preußischen Landtags setzte die Verhandlungen über die Besoldungs­anträge fort Finanzminister Dr. Höpker - A s ch'o f f erklärte zugleich im Namen und im Auf­trage Jxs Minifiernr-Lüdenfeu. dast das. Staats*

minifterium beschlossen habe, in der Frage der Weihnachtsbeihilfe dieselbe Regelung zu treffen wie im Reiche. Das Staatsministerium habe weiter beschlossen, die Mittel für diese Auf­wendungen vom Reich zu verlangen. Der preußische Ministerpräsident habe sich mit einem sozialdemokratischen Antrag einverstanden erklärt, wonach das Reich den Ländern bie Mittel für eine Besolbungsaufbefferung überweisen solle. Der Fi- nanzminifter wies weiter darauf hin, daß Preu- ßen von sich aus die mit den einzelnen Anträgen ber Derkniebenen Fraktionen geforberten Mittel n'i cht aufbringen könne. Das Reich habe bas Verlangen ber Länber auf Erstattung der Aus­gaben für die Weihnachtsaktion abgelehnt. Cs erscheine zum mindesten fehr zweifelhaft, ob das Reich angesichts feiner Finanzlage bereit fei, für eine Dauermaßnahme Summen zur Verfügung zu fielen. 2m 2ntereile der Beamten dürften keine

Anträge gestellt werden, deren Erfüllbarkeit nicht gesichert fei. Aus staatspolitischen Gründen dürs­ten die höheren Beamten bei einer Besolbunasaus- befferung nicht ausgeschloffen werden. Die Frage der Besoldungsneuregelung werde nach ber Erklärung des Reichsfinanzministers jetzt in Fluß kommen.

Der Ausschuß nahm schließlich nach längerer Aussprache einen Antrag an, bas Staatsmini­sterium zu ersuchen, eine laufende Erhö­hung des Zuschlages auf die Grund­gehälter in den Besoldungsgruppen I dis VT auf 25 Prozent, in den Gruppen VII bis IX nuf 20 Prozent, in den Gehaltsgruppen X bis XII auf 18 Prozent und in der Gehaltsgruppe XIII auf 15 Prozent vorzunehmen. Der Woh­nung s g e l d z u s ch u ß sock auf 120 Prozent be­messen werden, der Frauenzuschlog soll um 100 Prozent, die Kinderzuschläge sollen auf 50 Prozent erhöht werden.

Die italienisch-französische Spannung

In einer Auslastung der italienischen „Agenzia Stefani" heißt es, bie französische Presse fördere mehr oder minder offen bie Erregung ber öffentlichen Meinung in Südslawien über den Abschluß des italienisch-albanischen Vertrages, wäh­rend die zuständigen Kreise in England durch Vermittlung Reuters unb der ernst zu nehmenden Zeitungen Italiens gutes Recht anerkennen. Ita­lien fei die Entrüstung Südslawiens und die Hal­tung Frankreichs u n v e rst ä n d li ch. Wenn Süd- slawien sich heute fo über einen. Vertrag entrüste, der die Integrität des Gebietes von Albanien ge­währleist«, fo liegt doch der Verdacht nahe, daß es darauf bedacht fei, sich eines Tages Albaniens und Skutaris zu bemächtigen. Briand fei es ge­lungen, den Nobelpreis zu erhalten, indem er viel von Frieden und vom Geist von Locarno spreche, aber er würde vielleicht bester daran tun, einem gewissen Teil der französischen Preste Ruhe an- zuraten, sobald diese mit italienischen Ereignissen sich beschäftige, namentlich mit dem schon unter­zeichneten italienisch-albanischen Vertrag oder mit dem dem Abschluß nahen deutsch-italieni­schen Vertrag. Denn beides seien Beweise für Taten und nicht nur für Worte der friedlichen Orientierung der Politik Mussolinis.

wtb. Paris, 13. Dez. (Eia. Funkm.) Nach einer Meldung des „Matin" ans Ranch toerbf-n für fran­zösische Verstärkungen ber Süd-O st-Grenz« zwei Bataillone Jäger zu Fuß, die in Sotbrngen stationiert waren, in Alpenjäger-Bataillone nmge- wandelt und in da» Departement Alpes Maritimes verlegt werden.

* Die AuSsLhrnngSdeftimmungen zum Schund- «esetz. Aus den dem ReichSrat zugegangenen Aus­führungsbestimmungen zu dem Gesetz gegen Eckund- unb Schmähschriften weiß die ,MonlogS - Post' foIgenbeS mitzuteilen: Die Zuständigkeit der Prüf­stellen richtete sich nach dem Sitz deS Antragsstellers. Wenn gegen eine Schrift aus verschiedenen Teilen des Reiches Anträge einlaufen, soll die Prüfstelle zuständig fein, aus deren Bereich der erste Antrag gestellt ist. _____

Zwei Schiffskatastrophen.

67 Matrosen ertrunken.

wtb. Buenos Aires, 13. Dez. (CEig. Funk­meldung.) wie die Zeitung „Radon" aus San­tiago des Chile meldet, sind 6 7 Mann der Be­satzung des chilenischen Schiffes „Arauco" das während eines furchtbaren Sturmes bei L o k a ge­sunken ist, ertrunken. 29 Personen konnten ge­redet werden.

25 Chinesen ums Leben gekommen.

Der von Tientsin kommende Dampfer „LienShing" ist 64 Meilen von Schanghai auf einen Felsen auf­gelaufen und gesunken. Ein in ber Nähe liegendes Lotsenboot rettete bie fremben Offiziere unb eine Ainalck Chinesen.

Nach einer Funkmeldung hatte ber „Liensching" 237 Personen, darunter 26 Europäer und fünf Kin­der an Bord. Der finanzielle Verlust beträgt bie Ladung ungerechnet, 90 000 Pfund Sterling. Soweit bis jetzt dahin bekannt, sind 25 Chinesen er« trunken.

• Einbruch in bie japanische Botschaft in Berlin. In der Nacht zum Sonntag branaen in Ber lin iu die japanische Botschaft am Platz der Republik Diebe ein. Sie gelangten bin in das Schlafzimmer deS Botschafters, ber noch bis 3 Uhr im Bett gelesen hatte. Der Botschafter hatte Wohl ein leichtes Ge­räusch gehört, ihm aber keine Beachtung geschenkt. Nachdem et daS Licht gelöscht hatte, schlichen sich bie Diebe ein unb entwendeten u. a. ein goldenes Ziga­rettenetui, ein Portemonaie mit 1600 Mark Bargeld, ferner von bet Flurgardeiobe einen wertvollen Herrennetzpelz, einen Sportpelz und einen Ulster. An wichtigen Papieren ist ihnen der Diplomatenpaß deS Bo fchafterS in bie Hände gefallen. Die Diebe sind anscheinend sehr ortskundig gewesen.

* Neuprägung von Münzen. Die MünzauS- Prägungen im November betrugen 1.73 Millionen Ein- und 11.16 Millionen Zweimarkstücke. Die Ge- famtauSptägunnen betragen nunmehr 287.66 Mil­lionen Ein- 171.77 Mtllwnen Zwei-, 152.29 Mil­lionen Drei-, 8.42 Millionen Fünfmarkstücke, ferner 2.79 Millionen Ein-, 5 Millionen Zwei-, 27.68 Mil- honen Fünf-, 56.95 Millionen Zehn- und 109.94 Millionen Fünfzigpfennigstücke, insgesamt 822.4 Millionen, von denen .allein bei der ReichSbank Ende November 130JJ Millionen Münzen in BestantWWE