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Fuldaer Zeitung

M 287

Sonntag, 12. Dezember 1926

Iodukus.

selber? würde uns leichter.

A

für immer auf sämtliche Rechte und zerschnitt so die letzten Bande, die sie noch mit Kairo zu­sammenhielten. Damit aber drohte Aegypten gleichzeitig zu einer englischen Kolonie zu werden, und nur dem aufopfernden Eingreifen einzelner Manner, wie Zaolul Pascha, hinter den sich das ganze Volk gestellt hatte, war es zu verdanken, daß aus dem sslf-aovernment mit rein kolonialem An- ftitcf) heute ein Staat mit einem verhältnismäßig hohen Grad von Selbständigkeit geworden ist. Und alles läßt darauf schließen, daß der Tag der völligen Freiheit nicht fern liegt. Allerdings dürfte auch Aegypten dann dem Beispiele der Türkei folgen und eine Volksregierung einführen, wenn nicht der nächste König sich tatkräftig den Landesinteres- fen zuwenden wird. Denn Fuad I., der augenblick­lich auf dem Thron sitzt, ist Wachs in den Händen der Downingstreet-, er kümmert sich fast nur um seine persönlichen Güter, seine eigenen Geschäfte und Privatvergnügen.

* Die Zahl der Geifteskrauken in Deutschland. In den Anstalten für Geisteskranke, Epileptiker, Idioten, Schwachsinnige und Nervenkranke befan­den sich im Deutschen Reich im Jahre 1924 ins­gesamt 203140 Insassen. Von diesen waren rund 98 000 weiblichen Geschlechts. Die größte Anzahl nämlich 93 050 litt an einfachen Seelenstörungen, 38 900 an angeborener Idiotie, 19 850 an Epilepsie mit und ohne Seelenstörung, 11120 an Krankheiten des Nervensystems und 9465 an paralytischen See­lenstörungen, Alkoholismus 7385, Hysterie 7375, Neurasthenie 6665. Der Anteil der Frauen ist be­sonders bei den Leiden an Seelenstörungen groß und übertrifft den der Männer mit 52 700, ebenso bei Hysterie mit 4135. Dagegen überwiegt der An­teil der Männer bei den Kranken mit angeborener Idiotie und paralytischer Seelenstörung mit 7000. Bei den Krankheiten an Alkoholismus stellen die Männer das Hauptkontingent mit rund 6800, wäh­rend die Frauen nur mit 540 beteiligt sind. Ebenso find über zwei Drittel der an Neurasthenie Er­krankten Irren, nämlich 4000 Männer. Im Ver­gleich zum Vorjahre ergibt sich eine Zunahme von rund 20 000 Geisteskranken in den Irrenanstalten. Insgesamt starben 12 150 Kranke, was eine Sterb­lichkeit von 6,45 Prozent bedeutet.

wie wird das Wetter?

Im hohen Norden ziehen fortgesetzt kräftme Tief- druckwirbel ostwärts, deren Einflußbereich dar ranze europäische Festland erreicht Sie verursachen hier eine milde Westströmung und Auftreten vor Bewölkung, aber der uns nur aanz geringe Niederschläge.

Aussichten für Sonntag Not, keine wesentliche Aenderung des herrschenden Witterungscharakters.

wa ur^<xtrofferu> Cei/tungrsfähigkeit und befinden leichte Kindlichkeit- * v/AMn ~stdubfdug^ hdben. Zter VAMPYR ift der beite aller Staubfänger.

Dritter Adventssonntag.

»Was sagst du von dir selber 7' Ev.

Welch wundervoll demütige Antwort der- ftenpretnger auf diese Frage zu geben weiß. Dos sind keine demütigen Phrasen, die den Pfauen­schwanz der Eitelkeit nur mühsam verbergen. Jo­hannes fühlte sich als wahrhaft unwürdiges Werk­zeug in Gottes Hand und man sieht, wie ihn einzig die Sorge durchbebt, ob er seinem Amte auch nm einigermaßen gerecht werde. Er wartet geradezu auf den Augenblick, wo er seinen Auftrag in die Hand jenes Größeren legen darf, der nach ihm kommen wird. Er ist weit entfernt, sich für unent­behrlich zu halten. Demut ist das Zeichen, das keinem wahrhaft Großen fehlt.

Und wenn nun einer käme und uns fragte: Was sagst Du von Dir selber?" O, vielleicht ge­hören wir zu den ganz Schlauen, denen man eine noch schärfere Zange ansetzen muß, indem man etwa fragt:Was denkst Du von Dir selber?" Hand aufs Herz, sind wir nicht der stillen Ansicht, daß der Platz, auf dem wir stehen, bei weitem zu bescheiden ist für das, was wir leisten könnten? Andere, höher gestellte ,ach, Du lieber Gott, was sind sie klein in unfern Augen! Und sind wir nicht weit entfernt, uns auch nur die geringste Sorge zu machen darüber, ob wir etwa unferm Amt auch wirklich genug tun?

Und doch ist es Gottes Wille, daß wir auf dem Platze, auf dem wir stehen, und durch das Amt, das wir verwalten, Christo und feinem Reiche die Wege bereiten sollen. Was bedeutet da noch klein und groß? Ich glaube, mir denken daran zu we­nig, sonst hätten wir ganz andere Sorgen und die Antwort auf die Frage:Was denkst Du von Dr­

ein Geschäft zugleich! Die Kunst geht nach Brot, aber das Handwerk hat einen goldenen Boden. Das Stück war noch nicht fertig, aber die Kontrakte waren bereits unterschrieben. Natürlich, sind trenn nicht die Kontrakte die Hauptsache? Was hat über­haupt der dramatische Dichter noch mit der Bühne zu tun? Das macht doch alles der Regisseur! Möchte sich die neue Sektion für Dichtkunst doch recht bald einmal mit diesem Erwerbszweig beschäftigen. Sie bildet sich am Ende dabei um eine richtiggehende G. m. b. H. Das nächstübergeordnete Ressort wäre dann das Finanzministerium. Wie schloß doch jener Humorist?O, meine Muse . . . O segne du se . . . "

Da roräe ich ja wieder in meiner Jammerstim- mung und starre in den Nebel. Werde mich sofort an Max Valier wenden und ihn bitten, mich auf seiner Mondrakete auf einen glücklicheren Stern im Universum zu versetzen. Vielleicht befördert mich auch eine von Mussolinis Ozeanwindhunden der Zukunft auf ein fernes Eiland, wo dieser Jammer schweigt. Meine elektrische Tischlampe kann ich aus- drehen und man sieht eben nichts weiter. Aber das Wissen im Geist um das Leid der Welt ist ewig wach . . .

Nun haben mir endlich eine größereSpende für Oberschlesien bewilligt. Bei der Gele­genheit ist unsere Aufmerksamkeit wieder auf ein Stück deutschen Kulturbodens gelenkt worden, wo der Versailler Vertrag bis auf den heutigen Tag wie ein vernichtendes Feuer wütet. Welch eine Tu­berkulosen- und Säuglingssterblichkeit dort! Welch eine Wohnungsnot in den Städten, die den Flücht- lingsftrom aus dem polnischen Teil haben aufneh­men müssen. Wie unnatürlich diese Aufteilung des Landes, wenn man zum Beispiel bedenkt, daß von dreizehn Knapplchaftslazaretten elf an Polen gefal­len sind! Welch ein Zustand, daß in dem Deutsch­land verbliebenen Teil 26 000 Arbeiterinvaliden wohnen, die bis zu dreißig Jahren in den an Po­len gefallenen Betrieben gearbeitet haben! Und so geht das fort. Und das nennt sich Friedensver­trag! In ein Land eine Wunde schneiden, die nie­mals heilen kann und noch Gift hineintun für alle Dauer das nennen die Herren der Welt Frie­den. Herr Valier, nicht wahr, wir fahren mit der neuen Rakete ins Universum! Zur Vorsicht können wir ja die ersten Versuche mit Herrn Poin- care und den übrigen, die von jenen großen Frie­densstiftern noch übrig »--blieben sind/den Anfang machen ausplatonischer Liebe", würde Gari- balfri sagen . . .

Und nun bin ich eben hinübergegangen und habe etwas gesehen, was mich wieder froh macht. Im behaglichen Familien-s'-"'i-r haben sie alle vier Lich­ter auf dem Adventskranz an gezündet. Dann wur­den alle anderen Lampen ausgedreht, und es war auf einmal vorweihnachtliche Stimmung. Die kleine Anneliese schlug das Lie-d an: O komm, o komm. Emanuel . . . Einer nach dem andern fiel mit ein. und es war auf einmal eine wund-rliebliche Mischung von Kirchenandacht und hänslsch-r Be- ßaglichkeit. Als ober dann die reine Kinderstimme fang: Tauet Himmel den Gerechten ... da war mir auf einmal, als östnete sich die Tiefe her Welt. Auf allen Straßen blieben die Menschen stehen, in den elendesten Wohnungen horchten sie auf; über­all, wo die Not weint, und die Verzweiflung sich schmerzvoll windet, da summten und fangen sie mit- Tauet Himmel den Gerechten--und aller Mew

schen Seelen lockerten fick auf, und alles Eis schmolz, und es war das ganze Tränental nichts anderes als ein einziges Echo der traurigen und doch von sanf­ter Hoffnung durchleuchteten Klagen der weinenden Kinder Evas. . .

Der Mann im Monde.

S. Blatt.

Drurf 6er Fuldaer Aclieudruckerei, Fulda

Das neue Aegypten.

Von TdomaS I. Wellmann-Konstantinopel.

Seit fast einem Jahrhundert konnte Aegypten ttI5 ein freies Land betrachtet werden. Es ;xar burd) eigene Kraft unabhängig geworden. Cs hatte nich! okzidentaler Schwerter bedurft, um feine Frei- fceit zu er'angen. Im Gegenteil: Die R irdiänaer hatten ihm mit G-wclt und uChig rechten,-id.ig die Fluge! zu einem großartigen Fluge beschnitten, fl(5 sie sich in dl- Zwistigkeiten etnr.;d;ieit, iie gtambul und Kc.irn ausfochten. Wer weiß,, ob ^ir nicht heute einen mächtigen Kalifen in Aegyp- f.-t bä1 wenn nicht die emopäischei Staaten dazwischen gekommen wären, als Mehmed Alis Truppen bei Konia ihre Standarten entfalteten und nur wenige Tagemärsche vor Konstantinopel standen.

Dieser Mehmed Ali Pascha ist der Begründer heutigen Aegyptens. Aus Albanien gebürtig, kam er nach Kairo, wo er der grausamen Gewalt der Mamelucken ein Ende bereitete und sich dann die Herrschaft des Landes anzueignen wußte, wor­auf er sich immer mehr von der Hohen Pforte [dfte. Bald war der glorreiche Pascha dem Osma- nenfutian ein Dorn im Auge. Mehmed Ali wurde in den Bann getan, für vogelfrei erklärt. Doch er kümmerte sich um nichts. Sein Heer blieb ihm treu; die von ihm ins Leben gerufene ägyptische Motte war dem sieggewohnten Führer fernerhin ergeben. In einem einzigen Triurnvhzug fegten Mehmeds Alis Krieaer des Sultans Soldaten fort, die Widerstand zu leisten rnaoten; Akkon wurde nach längerer Belagerung im Sturm genommen. Dar­auf ging es nach Anatolien, wo bei Konia ein glänzender Sieg banongetragen wurde. Damit war der Pascha mit einem Schlage Herr Klein­asiens geworden, damit war ihm das ganze os­manische Reich in die Hände Gefallen. Doch dann erschien auf den Hilferuf des Sultans ein rusiifches Deschwader in Konstantinopel. Frankreichs Ge­sandter versuchte sofort eine Friedensaktion ein» .zuMen. Lord Palmerston mischte sich ein. Der Suüan setzte Mehmed Ali wieder in seine Aemter und Ehren ein, trat ihm sogar Syrien und die Provinz Adana ab.

Seit der Zeit aber fing England an, seine Geg­nerschaft für die ägyptische Freiheit zu bekunden. Lord Porsomdy ging so weit, während einer diplo­matischen Konferenz in Konstantinopel einfach die Absetzung und Deportation des Paschas zu be­antragen. Unter dem nachfolgenden Sultan ge­lang es den britischen Intrigen, Mehmed Ali Sy- rien zu entreißen. Dagegen aber erlangte dieser hird) den Frieden von London (1841) eine neue Konzession seitens des Padischahs: Das alte Pha- raonenlanb wurde zum dauernden Erbe der Nach­folger gerader Linie des Paschas erklärt. Er wurde berechtigt, ein eigenes Heer zu haben, und mußte dem Sultan nur einen jährlichen Tribut Zahlen. Das war die Grundsteinlegung für das bis auf diesen Tag bestehende Herrscherhaus.

Mehmed Ali mar ein großer Krieger, doch auch kulturell war er sehr erleuchtet. Trotz allem Fana- ferner Umgebung wußte er abendländische WMnwh'V sEn Hof zu berufen, moderne Ar- wifsmethotnen m Landwirtschaft und Handwerk

Verbindung Alexandriens mit fouo vermittelst eines Kanals wurde geplant, die ;?Ce J8ou bes Suezkanals erhielt schon zu nn-^s^.ett Europäische Schulen wurden ge- Aundet- und die Zivilisation schritt mit ungewohn- bla6"

Aach dem Tode Mehmed Alis wurde alles an« ws. Kemer feiner Nachfolger wußte feiner Größe gennges nahezukommen. Was er J?'1!attc bl.e be f°cto völlige Selbständig.

S'ng langsam von Herrscher zu Herrscher verloren. Oder richtiger: Die Unabhän- KiXV" H°h°n Morte nahm rein äußerlich wLT \b 9!£en~andererseits ein Opfer des stets zunehmenden Einflusses europäischer Großmächte, ich» ?? der zweite Nachfolger Mehmed Ali Pa- S°5' S(llb- begann den größten, den schicksals- 25^ sm-err $eb(e£f e,ne Staatsanleihe in Höhe von Franken im Auslande zu tätigen. SL^rfe,fe,ne5 Dorfahrens gab er aber den als er am 30. November 1854 die Kon- ben rr-ben,Sai! « 3 Suezkanals vollzog. Schul- alles^n^». ^uezkanal-Konzesstonen sind die Ursachen alles Uebels geworden, der Grund der Vernichtung GnJ,» , errungenen Freiheit. Denn obgleich der vue.ckanal einen internationalen Charakter haben r.~f; n?°r es doch jedem klar, daß eine solche Mee- esverbindung, die für Indien von unermeßlicher . war, auf jeden Fall den Gelüsten Eng-

ndz verfallen mußte. Die Verwirklichung dieses Aegypten Dcr^tärfte Großbritanniens Absichten auf

Die 3ufunft des Landes wurde bald klar. Is- 7"*L®er. 1866 vom Sultan eine neue Auszeichnung x? Aedive (Vice-König) zu erhalten und sich wie- seinen Schritt weiter von Konstantinopel zu ent- wußte, konnte nicht verhindern, daß die ^ayawitzjgen Ausgaben der Staatskasse den von °noon fest langem ersehnten Bankrott einbrachten, irnvr* umrde eine Schuldenverwaltung unter aus«

Leitung gegründet. Schließlich sah sich iie« x1 l0£ar gezwungen, seinen Anteil an den Ak- n des Suezkanals zu sehr niedrigem Preise an "Sland zu verkaufen; so trat auch das britische < "pital der Kanalgesellschaft bei, zu deren (Brün- i ^9 es nicht hatte beitragen wollen.

Fr Gefahr, durch derartige Operationen dec Lreihest gänzlich verlustig zu werden, wuchs von

J11 Tag, und da half auch nicht der künstlich r1 Ismail angefachte Aufstand unter der Parole:

IVf 190- ^^hhmgin tSNorutststenJlH. K5- neuntedigcnchubehe>r' Jtrl. Erhältlich in allen einfehlägigen (ge/chäftan..

Megppten ben Aegytern! Das Foreign Office nahm sich der Borsenleute, seiner politischen Bankiers an, deren Lage in Kairo bedrohlich erschien. London und Paris einigten sich und schufen ein Kondo- minimum, sandten ihre Beiräte in die Ministerien des Khedioen.

Don einer Zeit innerer Ruhe und glücklichen Fortschritts trat das alte Nilland in eine Epoche unruhiger Aufstände und Gewalttätigkeiten. Als 1882 blutige Ausschreitungen gegen die Fremden erfolgten, war die englische Flotte sofort an Ort und Stelle, bombardierte Alexandrien, landete Truppen, und seitdem ist in Aegyten Groß- britanniens Militär geblieben.

Die Besatzung hatte allerdings nur vorüber­gehend sein sollen. Im Mai 1887 wurde zwischen Sir Drummonb Wolff und der Hohen Pforte eine Konvention abgeschlossen, wonach die englischen Truppen innerhalb drei Jahre Aegypten wieder verlassen sollten. Die Türkei, die auf dieses Land {eit langem nur wenig Einfluß ausgeübt hatte, erklärte plötzlich, Aegypten sei in jeder Hinsicht her bedeutendste Bestandteil des Osmanischen Reiches, eine conditio sine qua non feiner Existenz. Wie Gladstone selber erklärte, nährte Lord Beacons­field den Gedanken, es dem werdenden britischen Weltreiche einzuverleiben. Lord MUner sprach die bedeutsamen Worte:Wir haben in Aegypten seit 1882 ein großes Werk vollbracht; jetzt müssen wir davon Nutzen ziehen, ohne mit irgend jemand an­ders zu teilen."

Der Weltkrieg hat auch hier große Veränderun­gen veranlaßt. Das Reich der Khedioen ist eine Monarchie geworden, selbständig, das heißt immer noch unter dem Schutze Großbritanniens. Mit dem LausannerFriedensvertrage verzichtete die Türkei

Was schenke ich meiner Frau zu Weihnachten? So überlegte feit Wochen der treue Gatte. Er mufjte um ihre geheime Sehnsucht. In dem einen Hause will man das Kind, aber es kommt nicht. 3n dem anderen kommt es immer von neuem, aber man will es nicht. Hier rief eine mütterliche Frau feit vielen, vielen Jahren darnach . . . Und was tut er? Er geht eines Tages an die Stätte, wo die kleinen Würmchen beisammen sind, die niemals erfahren werden, wer ihr Vater und wer ihre Mut- ter gewesen ist. Er sah sie sich an und kaufte eines. Unb als bie Weihnacht kam, ba mar in der Krippe unter bem Christbaum einlebendigesKind. Die Frau strahlte . . . Sie hatte nun ein Kind, so ein goldenes, so ein Engelchen ... Das ist nm-, schon Jahre her. Das Kleine ist ausgewachsen wie ein Kind des Hauses. Aber wie die Menschen find' Der Schwiegervater will es nicht anerkennen. Es ist doch nicht ebenbürtig. Dazu kommen Erbschasts- fragen. Unb nun kämpfen die beiden für ihren Findling. Der weiß davon nichts, und ist so mun- derlieb geworden, wie nur irgenb eins aus den besten" Kreisen . . . War das nicht ein schönes Weihnachtsgeschenk?

Wo mir eben an Weihnachtsgeschenken sind, so kauft doch etmas Vernünftiges. Gewiß sind Spiel­sachen für die Kinder etwas Unentbehrliches unb Schönes. Aber statt so manchem anderen für die erwachsenen Töchter kann man auch ein Kunst- bild kaufen ober ein nützliches Buch. Wie wünschte ich das mir hier vorliegende:Vom Leben ge­tötet" (Herder) in so manches Haus. Solch ein merkwürdiges Buch habe ich überhaupt noch nicht gelesen. Ein Großstabtkinb hat es in einem Alter zwischen 14 und 16 Jahren geschrieben. Wenn die Herausgeberin M. I. Breme es uns im Vorwort nicht auet-rücklich barlegte, man würde es nicht glauben, baß ein Kind bas alles geschrieben. Wer noch nicht weiß, was es um bie Großstadt und um ihre sittlichen Gefahren für jede reine Menfchen- blute ist, der kann es hier in erschütternden Bildern schauen. Wer auch noch die kleinste Regung von Pharisäertum den Opfern der Straße gegenüber spürt, der wird durch diese Lektüre geheilt. Dies Gretchen war nicht nur ein hochbegabtes Talent, sondern sie war auch gut, ein Edelstein, der eben auch einmal in ein schmutziges Wasser fallen kann. Es endet tragisch. Ob, man wird furchtbar trau­rig. Eine der letzten Aufzeichnungen beginnt:Es werden Lieber gesungen von Frühling, Mai und Liebe. Alles gehört ber Iugenb. Ich bin jung, mir ist's, als fei mein Lebensmai vorüber, Lachen und Sinnen und Liebe feien in mir gestorben, nein, nicht gestorben, man hat alles in mir gemordet. Man hat mich behandelt wie ein elternloses Kind, wie einen herrenlosen Hund, man heißt den Ort Wohlfahrt, und doch weiß keiner ber Herren und Damen, die mich schändeten, daß ich ein Herz im Seihe hatte, unb daß sie mit Hohn unb Schande meine Seele mordeten ..." Genug lieber bie- fes Buch muß noch mehr gesagt werden. Es zeigt die Grenzen unb bie grauenhafte UnWhiateit float- sicher und polizeilicherFürloroe". Mit besonderer Freude liest man in der Ankündigung des Verlags, es fei bie Herausgabe dieses Buch-sauf Anre. gung von hoher kirchlicher Seite" erfolat. Ja, das erwarten wir von den Kirchen, daß sie ein An­walt des Rechtes und der Armut unb der Unschuld fei. Alle Männer und Frauen der Fürsorge sollten dieses Buch lesen, unb nicht zuletzt bie Stadtväter und die Polizei.

Es lohnt sich mehr als ber neue Gerhart fiauptmann, den unsere großen Sühnen als Katze im Sack haben kaufen müffen. Natürlich aing bas alles auf sehr anständige Weife zu. Es | handelt sich doch eben um eine Dichtung! Aber welch |

Radio-Programm.

Montag, den 13. Dezember.

Frankfurt a. M. Welle 428,6 (9 kW) Staffel (1,5 kW) Welle 272,7. 3.304: Die Stunde der Jugend (unter Leitung von Mittelschulrektor K. Wehrhan): Denksport: Rätsel, Reime und Gesellschaftsspiele vorgetragen von Irma Dresdner Allerhand Christbaumschmuck Die Weihnachtsuhr Denksport: Anekdoten (für kleine unv große Kinder) 4.305.45: Konzert des Hausorchesters: Neue amerikanische Tanzmusik. 1. Tilzer :That's mere I meet my girl". Foxtror 2 Davis u. Green:Sleepy head", Walzer 3. Green u. Step:Lo-nah", Fox- trot 4. Green, de Sylva u. Henderson:Alabamy bound", Eisenbahn-Foxtrot 5. Tilzer:Keep a little sunshine". Foxtrot 6. Iellen, Ager u. Pollack:My old gol", Walzer. 7. Berlin.While you walke baut", Foxtrot 8. Green u. Warren:D gotta now how to looe", Foxtrot. 5.456.05: Die Lesestunde (Die No­velle): Aus der NooellensammlungDer Hungerkünst­ler" von Franz Kafka Sprecher: O. W. Stuütmann. 63.07:lieber das Briefmarkensammeln, eine Ein­führung für den Anfänger", Vortrag von I. A. Boßhard, Spezialprüfer des Germaniringes. Verband deutscher, österreichischer und schweizerischer Sammlerverbände int Bund Deutscher Philatelistenverbände. 77.30: Funk­hochschule (Abt. Sozialwissenschaft):Ebaraktergestalten aus der Geschichte des neueren deutschen Unternehmer­tums: Albert Ballin und die Entwicklung der Hapag (Hamburg-Amerikanische Paketfahtt-Aktien-Gesellschaft) Dottrag von Pros. Dr. G. Küntzel. 7.308: Englischer Sprachunterricht, erteilt von Studienrat Paul Olbrich. 88.15: Englische Literaturproben, vorgetragen von Studienrat Paul Olbrich. 8.15: Sinfonie-Konzert. 1. Antonin Dvorak: Ouv.In der Natur" 2. Antoni» Dvorak: Konzert für Violoncello und Orchester (opus 104). 3. Robert Schumann: Sinfonie in B-Dur Musikal. Leitung: Dr. Ludwig Rottenberg Solist: Ary Schuyer. 10.3011: Weihnachtswoche des armen Kindes: KrippenspielDas Gotteskind" Ausführende: Mitglieder des Frankfurter Schauspielhauses Leitung: Hans Nerking. Anschließend: Neue Schallplatten.

* Für 300 Millionen Dollar Automobile ae- stöhlen. Die Bereinigten Staaten sind ba$ Land der Automobile, ober auch das Land der noch- 1 äff inen unb forploen Automobilbesitzer. Im vorigen Jahr sind unbeaufsichtigt auf den Straßen stehende Automobile im Gesamtwert von dreihundert Millionen Dollar gestohlen worben. Bon den entwendeten Fahrzeugen wurden schließlich 80 Prozent wieder zustande gebracht, aber ein Vermögen von fednie Millionen Dollar wechselte auf diese Wetse doch die Besitzer. Deshalb sind die Prämien für Diebstahls- Versicherung fast unbezahlbar hoch. Man will jetzt ein Zentral? etektlvbureau gegen Autodiebstählg

Rund um die Woche.

Was schenke ich meiner Frau? Bom Leben getötet. Unfertige Dichtungen «ud fertige Kontrakte. Mondraketen. vberfchlesien. Der Adventskranz.

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