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FuldaerZertung

Anzeiger für die Skadk und den Kreis Fulda. AmlNches Kreisblakt.

Jtr. 286.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: .^Illustrierte Beilage" und .,Buchenl>Iötte?' Rotationsdruck und Bering der Kuldaer Rctiendnickeret In Fulda Fernsprecher Nr. 9. w Monatlicher Bezugspreis 1.50 Ml >:

Samstag, 11. Deiember 1926.

«»zeigen.Preise- Kleinzeil» (Colonel) lokal 0,15 JEZ, auswärts 0,20 JUl Reklamezelle: lokal 0,60 JUL, auswärts 0,80 JUL Bei Wiederholungen «obett :* Postscheckkonto Franksurt a M Nr «051 x

Zahrg.53.

Der Friedens-Nobelpreis für Streiemann.

Kuch Brtcmö, Chamberlain und Dawes Friedens-Nobelpreisträger.

wtb Oslo, 10. Dez. sPrivaktelgr.). Das Nobel- komkkee hat in seiner gestrigen Sihunq dsn N o b e l- friebenspreis für das Jahr 1926 dem deut­schen Außenminister Dr. S k r e s e m a n n und dem stau wüschen Austenminister Briand, den im Vor'ahre zurückoestestken Dreis für 1925 dem briti­schen Außenminister Sir Austen Chamberlain nrtö dem amerikanischen Vizepräsidenten, General Lharles Dawes, verliehen.

Beschlüsse des Völkerbundsrates.

Die vom Völkerbund geplante Internationale Konferenz über die Kontrolle der privaten Her­stellung von Waffen, Munition und Kriegs­material soll «ach dem Beschluß des Völkerbunds- rates auf jeden Fall im Laufe des nächsten Jahres abgehallen werden.

In einem zweiten Beschluß hat der Rat den italienischen Antrag auf Verlängerung der Frist des internationalen Architektenwettbewerbs für den Bau des Völkerbundshauses mit der Be­gründung verworfen, daß durch eine Fristverlän­gerung diejenigen Architekten benachteiligt würden, die sich an die Mitte Januar 1927 ablaufende Frist hielten.

Mit einem dritten Beschluß setzte der Rat zur Prüfung der von Frankreich aufgeworfenen Frage der Falschmünzerei und chrer Bekämpfung einen Ausschuß von juristischen und finanziellen Sachverständigen em, der einen Vorentwurf für ein internationales Abkommen ausarbeiten soll.

Durch einen weiteren Ratsbeschluß werden ent­sprechend einem Antrag des Vorsitzenden des Der- kchrs- und Transitausschusses und in Verfolg der zwischen England, Italien, Frankreich und Rumä­nien getroffenen Vereinbarung einige strittige Fra­gen über die Befugnisse der Donaukommission dem ständigen Internationalen Gerichtshof im Haag zur Begutachtung unterbreitet.

Schließlich genehmigte der Rat den Bericht über das Hilfswerk des Völkerbundes zugunsten der griechischen Flüchtlinge.

Die Weltwirtschastskonferenz.

In einem vom Rat angenommenen Bericht Dr. Ctresemanns über die Vorarbeiten zur Welt- wirtschaftskonferenz wird hervorgehoben, daß die Aufgabe der zweiten Tagung des Vorberettungs- ausschusies darin bestanden habe, die wesentlichen Fragen hervorzuheben, um das Gebiet, das die Konferenz zu behandeln haben werde, so genau als möglich zu umgrenzen. Das für die Konferenz vor­liegende Programm halte die Möglichkeit einer all­gemeinen Aussprache über die gegenwärtige Wirt­schaftslage offen, ziele aber auch gleichzeitig darauf

hin, die Konferenz zu einer tiefergehenden Unter» suchung bestimmter Fragen zu bringen, für die sich Möglichkeiten internationaler Lösungen erken­nen ließen. Die Einteilung des Programms in all­gemeine Fragen einerseits und Handel, Industrie und Landwirtschaft andererseits entspreche dieser zweifachen Tendenz. Das vorgelegte Material sei objektiv und solle dazu dienen, eine beschränkte Ana­lyse des Tatbestandes aufzustellen.

Die Dotschafterkonferenz.

Die Botschafterkonferenz hat am Donnerstag nachmittag von 5.30 bis 8 Uhr getagt. Rach Be­endigung der Sitzung ist das folgende Kommuni-. quee ausgegeben worden: Die Botschafterkonferenz hat von dem Ergebnis der Verhandlungen und Un­terredungen Kenntnis genommen, die feit der letz­ten Sitzung abgehalten wurden. Sie hat den Wort- laut des Berichtes festgesetzt, den sie an die Minister und Delegierten der in Genf vertretenen Regierun­gen absendet. Es ist für Freitag eine weitere Si­tzung der Dotschafterkonferenz vorgesehen.

„Slatin* glaubt über Verlauf und Ergebnis der gestrigen Sitzung der Dotschafterkonferenz berichten zu können: In der Entwaffnungsfrage besteht noch eine Schwierigkeit hinsichtlich der Befestigun- gen an der deutschenO st grenzen. In dem Bericht, der gestern von der Botschafterkonferenz ausgearbeitet und sofort nach Genf telephoniert wor­den ist, kommt klar zum Ausdruck, daß in diesem wichtigen Punkte die deutsche und die französische These noch immer im formellen Widerspruch zueinander stehen. General Pawelß habe erklärt, wir haben keine neuen Festungen gebaut, sondern uns nur darauf beschränkt, die bereits bestehenden zu unterhalten. Diese Argumentierung wird von den französischen Sachverständigen, besonders von denen, die in Königsberg i. Pr. Erhebungen ange- stellt haben, bekämpft. Deshalb hat die Botschafter­konferenz betont, welches Interesse oorliege, von Stresemann selbst das Versprechen einer Durch­führung des Vertrages zu erhalten. Es versteht sich von selbst, daß in dem Bericht der Dotschafterkon­ferenz unter Berufung auf die gegen die n a t i o- naliftischen Verbände getroffenen Maß­nahmen gern der offenkundige gute Wille Deutschlands festgestellt wird. Alles in allem gibt dieser der Meinung Ausdruck, daß Stresemann in der Lage fei, eine wünschenswerte Beruhigung hinsichtlich der hinsichtlich der noch nicht erledigten Punkte zu geben. Unter diesen Umständen hängt von den Besprechungen, die Freitag vormittag in Genf stattfinden werden, die endgültige Entscheidung der Dotschafterkonferenz ab.

Reichstags-ÄuflöMg?

Die sozialdemokratische Reichstagsfrak- lion hat zur Rede Scholz folgenden Beschluß ge­soßt:

1 Durch die Reden des Abg. Dr. Scholz, des Führers der Deutschen Volkspartei, in Jnsterourg und Königsberg find die Vereinbarungen, die zwi­schen dem Reichskanzler und der sozialdemokrati­schen Fraktion über die Fühlungnahme mit den Regierungsparteien getroffen waren, hinfällig geworden. Die sozialdemokratische Fraktion erhält dadurch freie Hand für alle politischen Entichei» dungen.

2. Zum Mißtrauensvotum gegen den M i n i st e r Dr. K ü l z hat die Fraktion sofort Stel- lang genommen und zwar durch die Rede des Abg. Areitscheid durch die Erklärung zur dritten Lesung und zur Abstimmung zum Schund- und Schmutzge­setz, n>obei ihr Mißtrauen gegen den Minister Külz Mrs zum Ausdruck kam. Die Fraktion hält eine Entscheidung über die künftige Gestaltung der Reichsregierung für notwendig und wird sie bei der dritten Lesung des Nachtragetats herbeifuh- »n. Aus diesem Grunde wird sie sich bei der Ab» “ihimung über den kommunistischen Mißtrauens» ontrag der Stimme enthüllen.

Die Reichstagsfraktion der D c u t f ch e n D o l ks. Partei nahm, wie das Nachrichtenbüro des VDZ. erfährt, am Donnerstag u. o. den Bericht des Frak- tionsvorsitzenden Dr. Scholz über feine Insterdur- ger Rede entgegen. In der sich anschließenden Er­örterung kam, wie das Nachrichtenbüro des VDZ. erfährt, zum Ausdruck, daß die Fraktion einmütig die Haltung ihres Fraktionsvorfitzenden billigt.

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l Die Ankündigung der Sozialdemokraten, bei der »ritten Lesung des Nachtragsetats eine Entscheidung über die polllische Lage herbeiführen, zu wollen, ®irb von den Blättern dahin verstanden, daß die Sozialdemokraten ein Mißtrauensantrag llegen das Gesamtkabinett einbringen werden, wenn dahin nicht bestimmte Zusicherungen vorliegen, "oß an die Bildung eines Rechtsblocks nicht gedacht werde Die dritte Lesung des Nachtragsetats wird, °er „Poff. Zta" zufolge, erst in der zweiten Hälfte nächsten Woche erfolgen. Man nimmt an, daß dahin Dr. Stresemann zurückgekehrt sein wird und es seinem Einfluß gelingen wird, die in- uerpvlitische Lage zu klären. Eine Entscheidung ist Mer vor Ende nächster Woche-nicht zu erwarten, zj* nächsten Besprechungen zwischen dem Kanzler swd den Parteiführern sind oorläufia a u f S a m s- angeletzt worden Im Reichstage rechnete

9N gestern trotz der Zuspitzung mit der Möglich­

keit eines Ausgleichs, da andernfalls nur die A u f- löfung übrig bleibe.

Erhöhung öes Zuckerzolles.

Auf 15 Mark erhöht.

Besprechungen, die am Donnerstag zwischen den Vertretern der Regierungsparteien über die Er­höhung des ZuckerzollS stattgesunden haben, haben laut „Dossischer Zeitung" zu dem Ergebnis geführt, daß der jetzt zehn Mark bettagmde Zoll pro Doppelzentner auf fünfzehn Mark erhöht wer­den soll. Das Ernährungsministerium hatte eine Erhöhung auf zwanzig Mark in Aussicht ge­nommen. Die Deutsche Volkspatte!, die Bayerische Volkspattei und das Zenttum einigten sich aber auf eine Erhöhung auf fünfzehn Mark pro Dop­pelzentner. während die Demokraten für den bis­herigen Zollsatz von zehn Mark eintraten. Die Zollerhöhung soll am 1. Januar in Kraft treten. Da die Deutschnationalen jedenfalls für die Er- hühung sind, ist eine Mehrheit dafür im Reichstage sicher.

Die Tschechoslowakei und Deutschland

Im außenpolitischen Ausschuß deS Prager Ab- georduetenhauses verlas der bevollmächtigte Mini­ster Girsa einen von Benesch eingesandten Bericht über die auswärtige Sage der Tsche­choslowakei. Wir sind, so heißt es in dem Bericht, unmittelbare Nachbarn Deutschlands und seit dem Kttege Verbündete und Freunde Frank­reichs. Das Slbkommen dieser beiden Staaten wird unstreitig zur ruhigen Entwicklung auch unseres Staates beittagen und unsere internationale Sage erleichtern. Wir sind beftrebt gewesen, bei jeder Gelegenheit zur Versöhnung und Zusammen- arbeit dieser beiden Staaten beizutragen, was der Republik umso mehr möglich war, als direkte Stteitsragen zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland nicht bestehen. Wir können also mit Genugtuung konstatieren, daß heute, wo Frank­reich zu Deutschland in neue Beziehungen tritt, unser Verhältnis zu dem letzteren sich durch unseren Socarnovettrag zu einer guten und freundschaft­lichen Nachbarschaft ftabilifiert hat, einem Verhält­nis, welches im Saufe der letzten sieben Jahre politisch und wittschafttich immer fteundschaftlichere Formen amiahm.

* Verschlimmerung im Befinden des Kaisers van Japan. Ein in Tokw auSgegebenes Bulletin besagt, daß im Befinden des Kaisers eine Verschiimmeiung eingetreten ist Es ist eine Entzündung der rechten Bunge festgestellt worden.

JeM-italieMer Schieb- u. FreunMaslS-Lerlrag

wtb London, 10 Dez. (Eig. Funkm.l. Reuter berichtet aus Genf: Angesichts der Meldung von einer Beunruhigung in Völkerbundskreisen durch die Nachricht über den Abschluß eines deutsch­italienischen Schied?- und Freundschaftsvertrages wird betont, daß tatsächlich Verhandlungen über einen solchen Vertrag schwebten, ist seit einiger Zeit bekannt gewesen und daher ist keinerlei Ueberra- lchung oder überhaupt Erregung in gut unterrichte­ten Kreisen durch die Tatsache verursacht worden, daß die Unterzeichnung eines solchen Vertrage? als unmittelbar bevorstehend angesehen werden könne. Der Vertrag entspricht dem Geiste der Grund­sätze des Völkerbundes, geht in derselben Richtung wie die ähnlichen Verträge mit Spa - n i en, der Schweiz und anderen Ländern und wird in der üblichsten Weise beim Völkerbund registriert werden.

wtb London, 10. Dez. (Eig. Funkm.). „Mor- ning Post" berichtet aus Genf, cs verlaute, daß Stresemann die durch Scialoja übermittelte Ein­ladung nach Rom zu kommen, wegen der Gefahr einer Deutung dieses Besuches abgelehnt habe. Stresemann habe Briand mitgeteilt daß der Ver­trag Deutschlands mit Italien ein einfaches Schieds­abkommen sei, das aller besonderen politischen Be­deutung entbehre und nicht in irgend einem ande­ren Lichte angesehen werden dürfe.

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Reichsminister Stresemann wird nach seiner Rückkehr aus Genf nur kurze Zeit in Berlin blei­ben und dann über Weihnachten eine mehrwöchige Erholungsreise nach dem Süden unter­nehmen.

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Beim Abschluß bes deutsch-italieni­schen Handelsvertrages vom 31. Oktober 1925 war die Regelung einiger Fragen noch Vorbe­halten worden. Ferner haben sich auf beiden Sei­ten Meinungsverschiedenheiten und Beschwerden über d!e Regelung und Tragweite einzelner Ver­einbarungen über die beiderseitigen Zolltarife er­geben. lieber die Klärung dieser im Interesse der Handelsbeziehungen liegenden Fragen sind in den letzten Wochen Verhandlungen zwischen

Vertretern der beiden Regierungen gepflogen wor­den, die jetzt zum Abschluß gelangt sind.

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Die französische Presse zeigt eine gewisse Er­regung übet das zwischen Italien und Albanien abaeschlossene Abkommen. Der Genfer Bericht- erftatter der „Information" meldet sogar, daß Briand nach Beendigung der Völkerbundstcmung direkt nach Paris reisen werde, da die Span­nung zwischen Belgrad und Rom ein Zusam­mentreffen DriandS mit Mussolini im Augenblick nicht angebracht erscheinen lasse. DaS gleiche Blatt spricht in Verbindung damit auch von den d e u t f ch- italienischen De rhaudlungen über einen Schiedsgerichtsvettrag und erklärt, der italienisch- albanische Vettrag sei nur ein Glied in der Kette, die in dem Maße länger werde, als Europa sich stabilisiere und festige. Auch der italienisch-spa­nische Vettrag vom 7. August 1926 gehöre hierzu. Alsbald werde der italienisch-deutsche Vettrag fol­gen. Inzwischen leihe Stresemann, dessen lin­dernde Mystik nicht gegen Offensiven eines fühl­baren Realismus geschützt sei, Mussolini ein Ohr, während er mit dem anderen Briand zu­höre. Ein Gegenstück zu dem Vettrag vom 24. April 1926 sei in Berlin und m Rom in Vorberei­tung. Derartige diplomatische Donner­schläge seien stets Warnungen. Keine schlechte Saune von einzelnen — der Artikel spielt auf Italien an — werde aber die Karawane hindern, vorüberzuziehen: Die Kleine Entente festige sich, und die deutfch-ftanzösischen Verhandlungen dauern an.

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Havas meldet aus Tirana, daß die albanische Reaierung das italienisch-albanische Abkommen ratifiziert habe.

Jugoslavlens Protest gegen das italienijch-albanifche Abkommen.

wtb Paris, 10. Dez. (Eig Funkm.). Nach einer Agenturmeldung aus Belgrad hat die jugoslavifche Regierung bei der albanischen Regierung den an- gekündigten Protest gegen das italienisch-albanische Abkommen nunmehr erhoben und weiter an die Großmächte eine Note gerichtet, um ihre Aufmerk­samkeit auf die Tatsache zu lenken, daß dieser Der trag für den Frieden auf d em Bert f an gefährlich werden könne.

paschitsch geftorben.

wtb. Belgrad, 10. Dez. (Eig. Funkm.) Unga­risches Telegraphen- und Korrespondenz-Büro. Ni­kola P a f ch i t s ch, der nachts 2 Uhr einen Herz­schlag erlitt und in Argonie verfiel, ist um 8,15 Uhr gestorben.

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Paschitsch, einer der meist genannten Balkan- ftaatsmänner, ist 80 Jahre alt geworden. Er war im Jahre 1846 geboren und von Beruf zu­nächst Ingenieur. Er wurde dann Bürger­meister der serbischen Hauptstadt Belgrad und erlangte schnell eine führende Rolle unter den ser­bischen Altradikalen. Paschitsch, äußerlich eine un- gemein imponierende Erscheinung, war oftmals serbischer Ministerpräsident. Als solcher leitete er auch die serbische Politik in den Balkankriegen und schließlich im Weltkrieg. Auf die Ausgestal­tung des heutigen Iugoslaviens, des vergrößerten Serbiens, hat er beim Friedensschluß 1918 wesent­lichen Einfluß ausgeübt und für die zentra­listische Einrichtung des jugoslavischen Staates den Ausschlag gegeben, wobei leider die kulturellen Belange einzelner Volksteile des neuen Staates in den Hintergrund gedrängt worden find.

Die polnischen Landarbeiter.

Diedeutsch-polnischenVerhandlun- gen in der Frage der polnischen Landarbeiter ha­ben zu einem vorläufigen Abkommen für das Jahr 1926/27 geführt, durch das folgende Punkte geregelt werden:

Anwerbung und Verpflichtung polnischer Wan- berarbeiter, der Arbeitsvertrag mit diesen Arbeit­gebern, ferner die Frage der Rückwanderung der seit dem Jahre 1926 ober früher in Deutschland verbliebenen polnischen ßanbarbeiter. Die im Jahre 1927 in Deutschland arbeitenden polnischen Land­arbeiter werden auf Grund des Abkommens in ihren Ansprüchen aus der Unfallversiche­rung und in der Frage des Ruhens der Renten aus der Unfallversicherung wie deutsche Reichsange- hörige behandelt werden. Schließlich sollen die pol­nischen Wanderarbeiter im Januar 1927 von der Beitragspflicht für die Erwerbslosenfür­sorge befreit werden. Die Verhandlungen über ein endgültiges Emigrationsabkommen sollen spätestens am 1. Februar 1927 wieder aufgenom­men werben.

* Annahme bes französischen Gesamtbubgels. Die Kammer hat bas ©efamtbubget für 1927 mit 410 gegen 135 Stimmen ber Sozialisten unb ber Kommunisten angenommen. Das Budget weist auf ber Einnahmeseite 40 099, auf ber Ausgabeseite 39 634 Milliarden Franken auf. Im Verlaufe der Beratungen hat der Berichterstatter des Finanz­ausschusses den zu erwartenden Anteil Frankreichs an ber Annuität bes Dawesplanes auf 800 Millio­nen Golbmark geschätzt

* Das Desahungs- Leistungsgeseh. Dem Reichs­tag ist vom Minister für bie besetzten Gebiete das Besatzungs-Leistungsgesetz zugegangen, bas eine Vereinheitlichung ber sämtlichen einschlä­gigen Bestimmungen durchführt, um auf diese Weise eine schnelle Unterrichtung über die Rechts­lage zu ermöglichen und die zweckmäßige Verfol­gung berechtigter Entschädigungsansprüche zu er­leichtern.

* General Heye in Hannover. Der Ebes der HeereSleitung, General ber Jnianierie Heye, der gegentoärtig in Hannover weilt, besickuigie die dortigen Truppenteile und stattete dem Oberpräsidenten N os ke einen Beiuck ab.

♦ Neuwahl bes Reichslanbbunbes. In ber Ver­treterversammlung bes Reichslanbbunbes wurde ber gesamte alte Bundesvorstanb wiebergewählt unb wesentlich erweitert.

• Der Verfasser der mysteriösen Briefe in der Ha« - Angelegenheit verhaftet. Der unter dem Namen „Goldsüllfedettönig" bekannte Kaufmann Ernst Winkler wurde als jener Mann entlarvt, der sich in an die Staatsanwaltschaft in Karlsruhe und an Berliner Blätter gerichteten Briefen als der Mörder der Frau Molitor bezeichnete. Auf Winkler war der Verdacht gefallen, der Schreiber der Briefe zu sein. Er wurde zur Polizei ge bracht, wo er anfangs leugnete, als jedoch die Schriftsachverständigen seststellten, daß die der hie­sigen Polizei von der Staatsamvaltschast Karlsruhe zur Verfügung gestellten Briefe von chm herrühr-, ten, legte er ein Geständnis ab. St gab an, die Briefe vorn Sommering und von Salzburg aus geschickt zu haben. Gegen Winkler wurde ein Straf­verfahren wegen Betruges und Irreführung ber "-T-n-brrt eingeleitet.

* Eine für Rußland arbeitende Spionaaegesellschast In Polen ausgedeckt. (Eig. Funkrn.l Pressemeldungen zu- fclge wurde In Warschau eine weit verzweigte, zu Gunsten Sowjet-Rußlands arbeitende Spionagegesell­schaft aufgedeckt. An Ihrer Spitze stand ein gewisser Chmielewski, gewesener Polizeikommandant in Radom, der seinerzeit wegen Bestechung zu 4 Jahren Gefängnis venirteill worden war.

* Ei« neuer Mord bei Ventimiglia. (Eig. Funkm.) Aus Genua wird gemeldet: Am Donnerstag wurde in einem Eisenbahnzuge in der Röhe von Ventimiglia ein Karobiniere von einem jungen Mann durch zwei Revoloerschüsse getötet. Der Carabiniere wollte den jun­gen Mann festnehmen, weil dieser ohne Fahrkarte in Dem nach Frankreich fahrenden Zuge Platz genommen halte. Man glaubt, daß der Täter der gesuchte Dandi- tenführer ist, der am Mittwoch 2 Karobiniere erschoß.

Marokko.

Neue Kämpfe an der Marolkosront.

Wie HavoS aus Tetuan berichtet, meldet man zahlreiche Nachtangriffe gegen die neuen spanischen Stellungen in der Gegend der Beni Jddel und der Beni Ar>us. Als Repressalien bähen die Spanier die Geißeln der Beni Jddel ins Gefängnis geworfen. Ein DerfolgungSzug, bestehend aus Eingeborenen, sei am 6. Dezember in Uschebel Ansen überfallen und sechs Mann gelötet worden.