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FuldaerZertung

M- Anzeiger für die Stadt und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

Ilr. 282.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: .^Illustrierte Beilage" und „Buchenlilätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

Monatlicher Bezugspreis 1,50 Ml :<

Dienstag, 7. Dezember 1926.

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Zahrg.SZ.

Die Tagung des Rats in Genf.

wtb. London, 6. Dezember. (Eig. Funkmeldung.)

* Rücktritt des Herrn v. Berg? Wie dem „B. T* ro’1 Berliner Korreipondenz gemeldet wird, >o!l der Generalbevollmächtigte deS früheren deutschen Kaisers, Herr v. Berg, beabsichtigen, von seinem Posten inrudtgutreten, nachdem im wesentlichen die Ve> moeenSrechtlichen Auseinandersetzungen des Hoben» zollernZauseS mit dem Preußischen Staat e r l e d i g t sind.

Beibehaltung der' bisherigen liberalen Politik ist und lediglich den Schub japanischer Untertanen in China durch die japanische Regierung befürwortet.

rung betont der Generalagent besonders die Stär­kung des inländischen Kapitalmarktes und das Anwachsen der Spartätigkeit. Aus­wärtige Anleihen seien jedoch in der letzten Zeit fast z u r e i ch l i ch nach Deutschland geflossen. Der Generalagent hebt dann noch die verhältnis­mäßig günstige Entwicklung des deut- schen Außenhandels hervor, der in dem am 31. Oktober 1926 abgeschlossenen Jahr einen Ueberschuß von 216 Millionen ergeben hat, und schließt mit den Worten: „Die Zeit der Cndrege- lung ist noch nicht gekommen. Wie die Zukunft aussehen wird, ist ungewiß. Inzwischen wird aber der Plan vorwärtsgehen auf Grund der bisherigen Erfolge und unter Beobachtung seiner durch ihn geschaffenen Sicherungen. Auf diese Weise wird es zur gegebenen Zeit und in dem gleichen Geiste des Vertrauens und gegenseitigen Verständnisses, der dem Plan zu Grunde liegt, möglich sein, eine allgemeine Endlösung zu finden, die allen Beteiligten gerecht wird und Europa gestattet, auf dem Wege friedlichen Wiederaufbaues weiter vor­wärts zu gehen."

, ^pans Thina-politik.

lCig. Funkm.) Reuter ’0, 6<$6 im japanischen Kabinett 9 ^Verschiedenheiten hinsichtlich i6nhF9^nij.ber einzuhaltenden Haltung ’ 'ünge Mitglieder die Einberu- de I^onfereng wünschen, die über unt.,r?"bmen gegenüber China be- andere, darunter der Pre- ' Oen Minister des Aeußern, der für

-hn Laufe des Sonntags fand in Genf die mte Fühlungnahme zwischen einzelnen Mit- oliedern der nunmehr vollzähkig anwesenden Dele- aatümen der vierzehn Ratsstaaten statt, von denen «.hm nämlich Deutschland, England, Frankreich. Belgien, Holland, Tschechoslowakei und Polen, durch ihre Minister des Auswärtigen vertreten sind. Nach «mer längeren Unterredung zwischen Dcmdervelde Mtd Aamberlain hatte nachmittags Reichsminister Dr. Sttesemann beim Tee mit Briand eine andert» halbstündige Besprechung. Nach sechs Uhr abends b^ab sich Strefemann zu Chamberlain, mit dem rr zwei Stunden einen Gedankenaustausch pflegte, lieber die Gesichtspunkte, die bei diesen Unterredun­gen eine Roste spielten, bewahren die Staatsmänner vollkommenes Stistschweigen. Jmmechin ließ Briand bei einem Presseempfang erkennen, daß nach seiner Auffassung für die Frage der interalliierten Kontrolle in Deutschland die in Paris wieder Bentretende Botschafterkvnferenz zu- sei. Eine Verbindung der Frage der inter- it Militärkontroste mit dem vom Völker­bundsrat im September 1924 genehmigten, aber von Deutschland inzwischen unter Berufung auf Artikel 213 des Dersaister Verttages angefochtenen Investigationsprogramms scheine dem französischen Minister des Aeußeren im Rahmen der Tagesord­nung der beginnenden Ratstagung nicht nur mög- sich, sondern erwünscht. Er glaube, daß eine Übereinkunft über diese beiden Punkte bei beider- seittgem gutem Wist en möglich wäre.

einer Konferenz der Minister des Aeußern Eng­lands, Frankreichs, Deutschlands und Italiens endgültig aufgegeben sei.

Der Reichskanzler bei Hindenburg.

wtb. Berstu. 6. Dezbr. (Eig. Funkm.) Reichs­präsident von Hindenburg empfing heute morgen Reichskanzler Dr. Marx zum Vortrag.

Die deutsche Abrüstung.

Wickhan Steeb schreibt in der Londoner „Sunday werde täglich klarer, daß der Kampf nm vre Sicherbni in Europa erst gewonnen sein werde, wenn bte Mehrheit des deutschen Volkes klar ent- W'i’lfert fei, weder eine monarchistische a?^0"' noch Krieg zu dulden. Die Aufgabe deS VölkerbundSrateS sei, fest und klug dem deutschen Volke zu helfen, diesen Kampf zu gewinnen. Eteed ist überzeugt, daß die meisten Staatsmänner im Rat das Problem in diesem Sinne sehen.

Zum Beain n der Ratssitzung schreibt der .Observer', es sei undenkbar, daß von irgend einer Seite versucht roorben sei, Deutschland eine dauernde Ueberwachung o deutschen Abrüstung aufzuerlegen, solle nickt 1-ocarno und Tboirh eine Täuschung sein. Poincars erkenne zweifellos, daß dies unmöglich fei. Auf Köen Fall achte er Verträge. Sollte es noch immer eme offene Frage sein, ob die Unklarheit des Artikels ... u •* ?tner sündigen Kontrolle über Deutschland «en sei, so müsse der Weltgerichtshof knr checken, dessen Urteil nicht zweifelhaft fei.

Der Dank des Reichskanzlers.

Vor dem Verein Berliner Preffe, der zu fetmer oem;^DeoanJtoItun9 Me Spitzen des politischen und ss' M Lebens des Reiches oerfammelt sah, hielt M^°"^er Dr Marx eine Rede. Der Reichs- £ fc9cba$te bc3 ersten Reichspräsidenten Fried» imm- o e r t, dessen edle und starke Persönlichkeit mehr erkannt werde, je mehr wir vorcm- ^"tewDas deutsche Volk 'ei inzwischen voran­

gekommen. Das ganze Volk habe dabei mitgewirkt. Das Hauptmoment am Dorwärtskommen sei die konsequent fortgesetzte Linie der Außen- p o l i t i k. Der Kanzler sprach den Wunsch aus, daß es Dr. Strefemann vergönnt fein möge, weiter glückliche Schritte auf dem Wege der Derständi- Bmit den anderen Staaten zu erreichen. Der

iskanzler fuhr fort: „Wir sind in den nächsten Tagen mit ganzem Herzen und ganzer Ausmerk- samkeit bei den Verhandlungen in Genf. Wir sind zur Verständigung seit langen Jahren bereit gewe­sen. Wir erwarten aber auch nunmehr von der Gegenseite, daß man sich endlich auch dorl der Ein­sicht nicht verschließt, daß eine dauernde Besetzung weiter Gegenden unseres Vaterlandes nicht dazu beitragen kann, das Verständnis zwischen Deutsch­land und feinen ehemaligen Gegnern weiter zu kräftigen und zu festigen.

Fremde Botschafter und Gesandte, so erklärte der Kanzler, hätten das Verhalten des deutschen Volkes während der letzten Jahre und gegenüber horten Regierungsmaßnahmen wiederholt mit den Worten höchster Anerkennung gerühmt. Er dankte dem ganzen deutschen Volke in allen fei­nen Schichten für die großen Opfer. Be­sonderen Dank richtete er an den Reichspräsiden, ten v. Hindenburg, der nach tatenreichem Leben in hohem Alter keinen Augenblick gezaudert habe, dem 9htf zu folgen, der ihm neue schwere Pflichten auferlegte. Der Redner ging dann auf die Beziehungen zwischen Regierung und Prefse ein und erinnerte daran, daß er einmal sehr ernst­haft den Gedanken einer Notgemeinschaft des deut­schen Volkes erwogen habe. In die'er Beziehung sei die Arbeitsgemeinschaft im Reichsverband der deutschen Preffe geradezu vorbildlich. Diese Ge- meinschast habe der deutschen Preffe nicht nur im Intonde, sondern auch im Auslande einen Ruf ge­schaffen, der kaum noch übertroffen werden könne. Sollte, sagte der Kanzler, das deutsche Volk nicht diesem Beispiel folgen, sollten wir im deutschen Volk uns nicht einmal zusammenschließen kön- nen, und noch dazu jetzt in einer so schweren Zeit, in der der Zusammenschluß aller Kräfte erforder­lich ist: sollten wir nicht alles, was uns trennt, zurückstellen und den Austrag von Meinungsver­schiedenheiten auf spatere Zeiten verschieben kön­nen? Ich wünsche dem Reichsverband in feinen Bestrebungen weiter besten Erfolg. Möge das deutsche Volk an diesem Zusammengehen ein Bei­spiel nehmen. Ich glaube, daß ein solcher Zusam­menschluß dem Einzelnen, der einzelnen Partei, dem einzelnen Beruf zum Besten dienen wird, und ganz besonders dem ganzen deutschen Volk, unse- rem geliebten deutschen Vaterland. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.)

Hus (vst-(vberschlesien.

Beschwerde beim Präsidenten Calonder.

Aus Beuthen wird gemeldet, daß Senator Meyer bei Präsident Calonder wegen der Vorgänge in Chorzow (Ueberfast auf deutsche Gerneindever- treter) und Ruda (Ueberfast auf eine Versammlung des deutschen Frauenhilfsvereins) vorstellig gewor­den. Calonder habe die Wünsche des Senators Meyer entgegengenommen, jedoch erklärt, daß zu- nächst einmal die Ortsbehörden dafür zu­ständig seien, Ordnung zu schaffen. Er werde nicht versäumen, die Forderungen der deutschen 'Minder­heiten mit größtem Nachdruck bei den zuständigen Bchörden zu unterstützen. Im Anschluß daran be- gab sich Senator Meyer auch zum OberstaatS» anwalt Swiatkowski und ersuchte ihn, gegen die Täter von Chorzow öffenfliche Anflage zu erheben. Der Oberstaatsanwalt hat die Untersuchung sofort ausgenommen.

Ailtzt -es ßenerafanenten für das zweite Planjahr Jt^nem Bericht über die Reparationszahlung

\ 8^e»en Planjahr erklärt der General- uuh ' ba& Deutschland pünktlich gezahlt bebfi* <. “Weren Abwicklung der Zahlungen er- bes -^.getragen hat. Während die Zahlungen ousE" Pl""j»hres zu vier Fünfteln durch die lanb imt0c Anleihe finanziert wurde, hat Deutsch- 1220 TO-Fweiten Planjahr den Gesamtbetrag von honen Goldmark allein aufgebracht. Die

,ebenmäßiger Programme für die Lei- sv™öjtun9en im 3- Vahre ist damit gewähr-

L. Deutsche Reichsbahngesellschaft und die

rt l)°ben ihre Verpflichtungen

erfüllt. ^ Unter Bezugnahme auf die gün- ern.-ta0n,"e ber verpfändeten Einnahmen kn« nt' das Abkommen über den klei- , ^ltofchein dem Kommissar für die ver- » Einnahmen hinsichlich ber Genehmigung ^"Herabsetzungen eine beträchtlich ent- inienbere Haltung gestattet. Unter Hin- ^^.oas Gleichgewicht im Haushalt, die Pro- am.neuen Steuerprogramms und bie -i}ne 6 tabilität ber deutschen Wäh.

Veutsrbkonservativer Parteitag.

Des Lebens ungemischte Freude warb keinem Sterblichen zuteil. Auch ben Deutschnationa- leit nicht. Vor Wochen beispielsweise, als ber Gras Westarp bei ber Beratung der Gesetze über bte Erwerbslofenftirsorge seinen Fraktionsgenoffen bte neue Taktik befahl, die weitgehenden Anträge der Sozialdemokratie zu unterstützen und dadurch Regierung und Reichstag in Verlegenheit zu brin- B hat er zwar die erstrebte Verwirrung erreicht, e aber beinahe auch wider Willen bie große Koalition zustande gebracht. Der Kampf um das Gesetz zum Schutz der Jugend gegen Schmutz tmd Schund hat sie neuerdings auS dieser peinlichen Sorge erlöst, und schon segeln die deutfckmationalen Hoffmingskähne wieder, befreit von allem Druck, in die frohe Weite. Doch in dem Augenblick, da der Sozialdemokrat Dr. Breitscheid im Reichstag die Kündigung der „Stillen Koalition" glaubte an- brofyen zu müssen, saßen im Lehrervereinshaufe am Berliner Aleranderplatz die Vertreter der Deutschkonservativen Partei zusammen, um gegen bie Deutfchnativnale Dolkspartei unb damit schließlich auch gegen sich selbst zu demon- ffrieren.. Denn was ist es anderes als eine scharfe Verurteilung ber deutschnationalen Politik, wenn der Vorsitzende Gras Seydlitz-Sandreezki vor einem begeisterten Hoch auf Kaiser und König sozusagen mit einem inneren Ruck feststellfe: „Die Konserva­tive Partei wird sich weiter im Rahmen der Deutsch- nationalen Volkspartei betätigen, um ihr gegenüber asten verwirrenden Strömungen der Gegenwart ben nötigen Rückhalt an der tonservativen Gesinnung zu geben.“ WaS bedeutet es anders als eine Kritik an der Deutschnationalen Volks- Partei und insbesondere deren deutschkonservativen Dorsitzenben Grafen Westarp, ber seinen Regie­rungsdrang in einer Weise erkennen läßt, bie mit Würbe wahrhaftig nichts zu tun hat; wenn ber- selbe Gras Seydlitz-Sandreezki seststesten muß, daß immer noch eine Regierung am Ruder sei, die „chr Recht herleite von dem Verbrechen des 9. Novem­ber", baß bie „ewige Kompromißwirtschaft nicht so weitergehen könne unb Männer nötig seien, bie sich nicht um jede Kompromißmöglichkeit herum­rankten". Aber wenn die Deutschnationalen auf jede Kompromißmöglichkeit, bie sich ihnen bietet, unb die sie als eine Hilfe für ihren Einmarsch in die Regierung betrachten, geradezu erpicht sind, weshalb verbleiben die aufrechten Deutschttmser- vatioen in ber Deutschnationalen Volkspartei? Und ist es nicht auch ein Kompromiß, wenn man in der Resolution feststellt: „Die verwirrende Parole: Hin- ein in ben Staat! birgt die schwere Gefahr einer Koalition Mit Leuten in sich, welche die Begriffe „Vaterland" und „Nationale Größe" nicht kennen" und dann doch in der Deutschnationalen Volkspartei bleibt, bie aus dieser verwirrenden Parole neuer- bings ihren höchsten parteipolitischen Grundsatz ge- macht hat? Und die sich garnicht scheut, „an bet Seite von Landesverrat und Korruption", wie es in der Resolution so pharisäerhaft heißt, „dem SBaterlanbe zu dienen"??

Aber die Kritik an ber Deutschnationalen Volks­partei geht weiter. „Wir brauchen Führer!" sagte ber Reichstagsabgevrbnete Dr. Everfing. Der Ruf ist natürlich eine nachträgliche, etwas bängliche Kritik an dem bereits geflügelt gewordenen Worte: „Der Graf hat befohlen". Aber Everling meinte eS auch wohl anders. ES ist nicht eigentlich der Führer alS Person, den er sucht, es ist das alte System, das wieder „führen" soll. „Die Führung ist uns gegeben in der Monarchie", so meint er. WaS nützt der befta Führer, der härteste Graf, wenn solche Führung letzten Endes nur zu einem Kompromiß führt, zu einem Kompromiß mit ber Außenpolitik, zu einem Kompromiß mit ben Par­teien „des Landesverrats und ber Korruption"? „Die Führung ist uns gegeben in der Monarchie", was soll das jetzt anders heißen, als daß jede Politik, mag sie auch noch so viele Kompromisse nach innen und außen in sich schließen, dadurch, daß sie eben eine Politik ber Monarchie ist, Mora- lttät, Abel unb Weihe empfängt, eine Politik sinn- vollster Führung wirb. „Aber," so fuhr Everling

fort, und er hatte als bezahlter Vertreter der Vermögensinteressen der Hobenzostern allen Grund zu solchem Derdammungsurteil, „es gibt in un­seren Kreisen Subjekte, die ihre Treue zum angestammten Königshause damit beweisen, daß sie heute in die Hetze gegen die Fürsten ein­stimmen. Das ist hundsg emein!"

Stürmischer Beifall hat sich erhoben, als sich der Sntereffentiertreter ber Hohenzollernschen Ver­mögensansprüche berart entrüstete. Wenn aber schon in beutfdjnationalen Kreisen gegen bas angestammte Königshaus gehetzt wird, wenn das am grünen Holze geschieht, wie kann man sich wundern über das, was am dürren geschieht. Mit der von der „Kreuzzeitung" einmal in jäher Angst weggeworfe­nen Parole „Mit Gott für König unb Vaterland" schloß Everling seine kritischen Ausführungen, die in der Tat nichts anderes erkennen lleßen, als wie innerlich verlassen und armselig sich diese politische Fronde fühlen muß, die heute nicht einmal bie moralische Kraft aufbringt, sich von ber Deutsch- nationalen Dolkspartei löszusagen, der sie so kri­tisch gegenübersteht. Die Resolution, die gefaßt wurde, bringt ein Treugelöbnis sum angestammten Fürsten, verurteilt die mit dem Ausland eingegan­genen internationalen Verbindungen und findet es schließlich „verbrecherisch", baß bie Armee „poli­tisiert" werden soll. Politisierung der Armee be­deutet nach deutschkonservativen Begriffen bereit Abwenbuna vom Kaiser, vom monarchischen Prin­zip. Die Armee bürste in ber Vergangenheit be­kanntlich bie verfassungsmäßigen Zustände unb Ge­setze nie höher achten als ben Willen des Kaisers, auf den sie vereidigt war. Wenn die Entschließung die „Politisierung" ber Reichswehr ablehnt, d. h. ihre Verpflichtung auf ben republikanischen Gedanken, bann geht biefe Ablehnung von ber Voraussetzung aus, baß man auch bie Reichswehr immer iwch auf ben Monarchen vereidigt glaubt. Wenn sich die deutschkonservativen Monarchisten mit der bestehenden Reichswehr, wie sie ist, nicht völlig innerlich verbunden fühlten, würden sie deren Hineinfübrung in die Republik unmöglich als „ver­brecherisch" bezeichnen können. 'Ein ungemein be­merkenswertes Geständnis.

Die Deutschnationalen und die Regierung.

Wie der „Montag" aus Recklinghausen meldet, hat dort der Parteitag des Landesverban­des Westfalen-West der Deutschnationalen Dolks- artet stattgefunden. In einem Dorttag über die innerpvlitische Lage in Preußen und im Reich unterstrich der Vorsitzende, Universitätsprofessor Dr. Hoffmann, Münchberg, Mitglied des preu­ßischen Landtages, die Bereitivilligkeit der Deutsch­nationalen zur Beteiligung an der Regierung. Die Deutschnationalen würben ben Beweis erbringen, baß ohne sie auf die Dauer nicht regiert werden könne.

vom Sadismus.

Aus Rom wird gemeldet:

Der Generalsekretär für die ausländischen Fciszistenverbänbe, Abg. Bastianini, hat sein Amt niebergelegt, weil er, wie verlautet, zu anderen Aufgaben berufen fein soll. Er war der Gründer und Organisator der ausländischen Faiziftenverbände und hat aus zahlreichen Reisen, deren Verbindung mit ber römischen Zentrale hergestellt und erhalten.

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In Verona sind 43 Komm uni st en unter der Beschuldigung verhaftet worden, in zahlreichen geheimen Versammlungen kommunistische Propa­ganda betrieben zu haben. Ihr Führer, der früher Sekretär bet Arbeilerkammer war, ist inS Aus­land geflüchtet.

♦ Austritt Theodor Wolffs aus der Demokra­tischen Partei. Wie ber „Montag Morgen" er­fährt, ist Theodor Wolff, der Chefredakteur des „Berliner Tageblatts" aus der Demokratischen Par­tei auSgetteten. Der Austtitt sei wegen des Ver­haltens der Demottatischen Partei in Sachen deS Gesetzes gegen Schmutz und Schund erfolgt.

Das Volksbegehren

Das Manöver der 1

Wenn man die Wahlzeitungen las, die den hes- fischen Lokalblättern im Vogelsberg, die angeblich „überparteilich" sind, in den letzten Tagen beigelegt waren, so mußte man annehmen, daß durch die hemmungslose Demagogie, die sich da entfaltete und namentlich auf die Steuerscheu spekulierte, die letzte Stunde für den jetzigen hefsifchen Landtag und einer aus Zentrum, Demokraten und Sozial- demokraten gebildeten Regierungsmehrheit gekom­men sei. Zumal die von der Rechten betriebene Auflösung des Landtages durch die Kommuni- st e n unterstützt wurde, die immer mit profitieren, wenn auf Kosten der auf Ausgleich hin arbeiten- den Mitte rechtsradikale Flügel Boden gewinnen. Es ist anders gekommen. Aus Darmstadt wird ge­meldet: Im Freistaat Heffen wurde am Sonntag ein Volksentscheid über die Frage herbeigeführt, ob der Hessische Landtag, besten Mehrheit sich feit dem Januar 1919 ununterbrochen aus Zen­trum, Demokraten u. Kozialdemokraten zusamm- setzt, aufgelöst werden soll. Das Verlangen auf Abf- lösung war von den im Wirtschafts- und Ordnungs­block zusammengefchloffenen Oppositionsparteien, dem Hessischen Bauernbund, der Deutschnationalen Partei und der Deutschen Volkspartei gestellt wor- den, deren Wablfeldzug sich in erster Linie gegen den nach ihrer Meinung unerträglichen Steuer­druck in Hessen richtete. Im Mittelpunkt des Kampfes hatte deshalb der hessischen Finanzmini-

in Heffen abgelehnt,

echten fehlgeschlagen.

ster Henrich gestanden. Auch die K ommu­tt i ft e n hatten sich in ihren Versammlungen für Auflösung des Landtags ausgesprochen. Die Wahl- beteiligung betrug 40 bis 50 Prozent.

Nach vorläufigen Zusammenstellung wurden bet ber Abstimmung abgegeben: 202 464 Jastim­men und 219 226 Neinstimmen. Das Volks­begehren ist damit a b g e l e h nt worden.

In der Stadt Darmstadt stimmten mit Ja (Rechts und Kommunisten) 18 894, mit Nein (Regierungs­parteien 15 948, m Offenbach mit Ja 11943, mit Nein 15586, in Gießen 5097 mit Ja, 4803 mit Nein, im Streife Lauterbach 6335 mit Ja, 1823 mit Nein, in der Stadt Mainz 8726 mit Ja, 23 761 mit Nein, im Kreise Mainz 12 965 mit Ja, 33 491 mit Nein, in Worms 8090 mit Ja, 8552 mit Nein. Die Zentrumswähler haben sich, trotz ber großen Verlockungen, bie von rechts kamen, bemerkenswert gut gehalten.

Das Endergebnis.

wtb. Darmstadt, 6. Dez. (Eig. Funkm.) Nach de» amtlichen ge ft Heilungen find bei dem Volks­entscheid über Auflösung des Landtages 219453 Nein- stimmen und 202657 Jastimmen abgegeben worden. Die Zahl der ungültigen Stimmen betrug 5084. Insgesamt abstimmungsberechtigt waren 675516 Personen.- "* - -