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Beilage zur Zuldaer Zeitung Für unsere Frauenwelt. Nr. 278 vom 2. Dezember 1926.

Mama bleibt immer schön!

Don Karl Siebet.

Durch grünumrantte Fenster blickt die Sonne ins Gemach:

Großmutter sitzt und nickt und strickt, ste nick« den ganzen Tag.

Ihr Amt ward weiß: es grub die Zeit viel tiefe Furchen ein.

Zu ihren Füßen tändelnd kniet ihr jüngstes Enkelein. —

„Was nickst du denn so immerzu?" die kleine Unschuld spricht, „Großmutters Gar nicht schön bist du! dein Amt gefällt mir nicht — und überm Auge aus der Stirn die große Falte da!

Es ist Mama viel schäner doch!

Wie schön ist doch Mama!"

Großmutter steht den Liebling an: „Schönheit vergehet bald! Das Alter hat's mir angetan, und auch Mama wird all!" „Mama?" — Des Kindes Äug' umgebt ein Aauch von Kümmernis — „O nein! Mama bleibt immer schön! Das weiß ich ganz gewiß!"

Vie wählende Zentrumsfrau.

In Konstanz wird bei allen Wahlen aus statisti­schen Gründen nach Geschlechtern gewählt. Bei den letz­ten ©emeinberoablen übten von 8479 Männern 5469, und von 10936 Frauen 5429 ihr Wahlrecht aus. Die Männer haben also zu rund 60 Prozent, die Frau-n nur zu rund 50 Prozent gewählt. Für die Kornmuni- sten stimmten 936 Männer und 504 Frauen, für die Sozialdemokratie 1032 Männer und 724 Frauen, für die Demokraten 668 Männer und 569 Frauen, für die Dolkspartei 259 Männer und 211 Frauen, für die Na. tionalsozialisten 86 Männer und 42 Frauen, für die Wirtschaftler 547 Männer und 448 Frauen, für die Deutschvölkischen stimmten 130 Männer und 62 Frauen. Fleißig zur Partei hielten die Frauen der Deutsch- nationalen, denn 284 Männer und ebensoviel« Frauen stimmten für diese Liste; am tüchtigsten aber waren die Frauen des Zentrums, denn hier stehen 1462 Män­nerstimmen eine viel größere Zahl Frauenstimmen, nämlich 2501, gegenüber. Die Konstanzer Zentrums­frauen also hoben dem Zentrum zum Erfolg verhalfen dutch sehr rege Wahlbeteiligung.

Modische Kleinigkeiten.

Don Eva Dauernfeind -Paris.

W«fchfammet bleibt wohl die ganz« Winter- saison zroße Mode, das beweisen nicht nur die neuen Pariser Winter Modelle, einfacheren Genres, sondern vor oll.m auch die großen Aufträge der einschlägigen Fabriken.

Der Muff, dieses praktische und wärmende Gar- derobestvck der Frau, erfreut sich bei den Modekünsüern diesem Wimer keiner sonderlichen Beliebtheit. Soweit man ihn überhaupt steht, ist er klein und unscheinbar.

Die Handtasche nähert sich in ihrer Form wie­der dem urgroßmütterlichen Pompadour. Man trägt sie : mit einfachem Seidendurchzug oder auch mtt kostbaren f Bügeln aus Metall. Das kleine Täschchen verschwin- bet zu Gunsten des größeren, das insosern auch prakti- scher ist, als sich die für eine Dame dringlich notwendi­gen Dinge besser darin unterbringen lassen.

Wieder einmal prophezeit man den Untergang des Hellen Strumpses. Der gute alle schwarze Strumpf,

allerdings in feinster Webart, soll wieder zu Ehren kommen. Die Botschaft hör ich wohl .... Doch warten wir's ab, ob dieses Mal Modekünstler Recht behalten?

Auch die B > u s e soll wieder zu neuem Leben er« tehen. Jedenfalls zeigen alle Kleider und Kostüme einen stark blusigen Schnitt, der namenttich am besseren Abendkleid auffällig in Erscheinung tritt.

Taschentücher aus farbiger Seide, mit bunten Blumen bemalt, für Damen sind der neueste Pariser Modeunfug. Sie sollen nicht etwa nur dekorativen Zwecken dienen, sondern von ihrem „Erfinder" durch­aus als praktische Hilfsmittel der weiblichen Toilette ge­dacht fein. _______

vorweihnachtliche Vackerei.

Honigkuchen-Rezepte.

Don einer Hausfrau.

Weißer Lebkuchen. 560 Gr. Zucker werden mit 4 ganzen Eiern während 10 Minuten gerührt und darauf in Pauien von je 10 Minuten noch vier Eier einzeln nacheinander hinzugefchlagen und während der Pausen tüchtig gerührt. Dann werden drei Messer­spitzen voll Zimmt. eine Mesierspitze gelloßene Nelken. Cardamom. Hirschhornsalz, 245 Gr. abgezogene, ge­riebene Mandeln, 245 Gr. Zitronat, von einer Zitrone die fein gewiegte Schale und zuletzt 560 Gr. Mehl hin­zugemischt. Ist der Teig gut verrührt, wird er auf Ob­laten gestrichen, eine Mandel in die Mitte gelegt, mit Zucker reichlich bestreut, und se nach der Wärme des Raumes 6—8 Stunden getrocknet, oder über Nacht stehen gelasien, bis sich eine Kruste gebildet hat. Am andern Tage erst wird der Lebkuchen bei mäßiger Wärme ge- backen.

.Nürnberger Lebkuchen. In 4 zu Schnee geschlagene Weißeier rührt man 280 Gr. Zucker eine halbe Stunde lang, fügt d-mn von einer Zitrone die fein gewiegte Schale, 50 Gr. Zitronat, 50 Gr. Oran­geat, je eine Messerspitze gestoßenen Zimmt und Nelken, sowie Cardamom und 280 Gr. geschalte und in Stille geschnittene Mandeln hinzu. Die gut durchgerührte Masse streicht man auf Oblaten, gibt eine Mandel in die Ritte, streut Zucker darüber und löbt die b'-'-m-Me­ten Lebkuchen in einem warmen Raume drei Stunden lang übertrocknen. In einem mäßig warmen Ofen bädt man die Lebkuchen und bestreicht sie mit einer kalt gerührten Zuckerglasur.

Baseler Lebkuchen. 560 Gr. Honig läßt man mit 560 Gr. Zucker aufkochen, schüttet 560 Gr. ab­gezogene, in Stifte geschnittene und geröstete Mandeln, sowie 560 Gr. Mehl, 70 Gr. grob gewiegtes Zitronat, die gleiche Menge Orangeat, von einer Zitrone die Schale, je eine Messerspitze gestoßenen Zimmt und Nel­ken hinzu, löst 17 Gr. Pottasche in einem halben Wein­glas voll Arrak, verarbeitet alles gründlich und läßt darauf den Teig während sechs Tagen an einem nicht zu kühlen Orte stehen. Nach Derlauf dieser Zeit arbei­tet man den Teig nochmals gut durch, walgt ihn einen halben Zentimeter dick aus, schneidet Stücke daraus, fetzt sie auf ein mit Wachs bestrichenes Blech und bäckt sie bei guter Hitze. Nach dem Backen bestreicht man die Lebkuchen mit einer falt hergestelllen Zuckerglasur

Zucker-Lebkuchen. Dier Eier werden mit 500 Gr. Zucker eine Stunde lang gerührt, dann 60 Gr Zitronat, 60 Gr. Orangeat und die klein geschnitten« Schale einer Zitrone, 60 Gr geriebene Mandeln, je ine Mesierspitze gestoßener Zimmt und Nelken dazu getan und mit 500 Gr. Mehl alles leicht vermischt. Don die­ser Masie setzt man auf ein mit Mehl bestäubtes Back­blech nach Belieben große Häufchen, läßt sie eine Weile übertrocknen und bäckt sie in einem mäßig warmen Ofen. Nach dem Backen überzieht man die Lebkuchen mn einer Zuckerglasur.

Haselnuß-Lebkuchen. 9 Weißeier werden zu Schnee geschlagen, 1000 Gr. Zucker, 100 Gr. Zitro­

nat. 100 Gr. Orangeat, 350 Gr. geriebene Haselnüsse und von einer Zitrone die Schale dazu gemengt, die Masse auf Oblaten gestrichen, mit Zucker bestreut, über- trocknen gelasien und in einem mäßig erhitzten Back- ofen gebacken.

Braunschweiger Lebkuchen. Zwei Liter Honig läßt man kochen bis er Faden zieht, worauf man folgende Zutaten hinzufügt: 15 Gr. Weinsteinsalz, 1 Glas Franzbranntwein, 125 Gr Zitronat, 125 Gr Po- meranzenschole, 750 Gr geMmittene Mandeln. 500 Gr Zucker. 30 Gr. Zimmt, 15 Gr. Nelken, 18 Gr. Carda- man, die Schale von zwei Zitronen und 2'/- Kilo (5 Pfund feines Roggenmehl. Der Teig muß ganz be­sonders gut burfhnearbeitet werden. Selbstverständlich kommen die verschieden genannten Zutaten erst in den Honig, wenn er vom Feuer genommen wurde. Ist der Teil gut durchgearbeitet, streicht man ihn auf ein mit Mehl bestäubtes Blech und bäckt ihn bei mäßiger Hitze. Der Lebkuchen wird nach dem Backen mit einer Zucker- glafttr versehen.

Eine einfache Zuckergiasur wird wie folgt herge- stellt: 125 Gr. in ein wenig Wasser aufgelöster Puder­zucker wird mit zwei zu steilen Schnee gefdjtaoenen Weißeiern vermischt, gut verrührt und mit einem Pin- fei auf die Lebkuchen gestrichen. Die Glasur muß in einem mäßig warmen Raume trocknen.

v:e $rau als (Eriieberin.

f. wort halten muß auch ein Kind können. Selbst bann, wenn es sich um scheinbar geringfügige Dinge handelt, sollen Eltern darauf bestehen, d"ß ein einmal gegebenes Versprechen gehalten wird. Es ist so viel Gewöhnung in der Bildung eines Menschen vorhanden, daß man die Gewöhnung zum Guten nicht zu gering bewerten sollte.

'Vie Zrau als Hausarzt.

f. Feuchtigkeit der Hände. Defteres Waschen mit Wasser, dem pro Liter 10 Gramm Weinsäure zugesetzt sind, befestigt das liebel in vielen Fällen. Auch das folgende alte Hausmittel hat sich bewährt: Abends wird eine Handvoll Thymian mit % Liter kochenden Wassers übergo'sen. Arn anderen Morgen setzt mar eine Messerspitze voll Alaun zu und wäscht m dieser Mischung feine Hände. Das Pudern beseitigt das lästige liebel stets nur für den Augenblick.

f. Asthwaleideuden kann man zur Nacht das Atmen nach den reichen Erfahrungen eines Arztes erheblich er­leichtern, wenn man für viel Feuchtigkeit im Zimmer sorgt, am besten durch Aufhängen eines nasien Bett- tuches. ______________

praktische Winke.

f. Der Perlcnbehang an Campen wird im Laufe der Zeit staubig. Wenn man ihn von Zeit zu Zeit ab­bürstet, so erhäll er wohl wieder ein leidliches Aus­sehen, aber eine gründliche Reinigung ist nur möglich, wenn die Perlen gewaschen und frisch aufgeschnürt wer­den. Zuweilen genügt es auch, die Perlen durch eine Trockenwäsche mit Kartoffelmehl zu reinigen. Beson- ders wenn es sich um Gold- und Stahlperlen handelt, ist diese Art zu empfehlen. Man muß bann nachträg« lich behutsam, aber energisch die Perlenschnüre ab- bürsten. _______________

Vie Frau in der ttüche.

f. (Brünfemfuppe mit Mark. Auf die Person rech­net man einen Eßlöffel Grünkernmehl, rührt ihn in Wasser glatt und läßt ihn in der entsprechenden Menge kochender Fleischbrühe aufkochen. Inzwischen hat man Ochsenmark gut ausgemdffcrt, in Scheiben geschnitten

und läßt es nun in der Supp« weich kochen, die nach- träglicb mit Eigelb legiert wird.

f. Bayerische klöfe. Ein Viertel Kiko würfelig ge- ichnittene Semmel wird mit ein Achtel Kilo Milch ange- suchtet, Salz, Muskatnuß. 5 Eier und 200 Gramm Mehl jetzt man hinzu, rührt und knetet die Masie und formt Klöfe davon, die in reichlichem, kochendem Wasser, das gut gesalzen sein muß, gekocht werden. Die Klöfe werden vor dem Anrichten mit in Butter braun ge­rösteten Semmelkrume bestreut.

Mutterliebe und Erziehung.

Don I. Adams.

Wieoiele Töchter und Söhne an eure.- sogenannter „Mutterliebe" zugrunde gehen. — Ihr wäret entsetzt, Mütter, wenn ihr es mühtet!

*

„Ich liebe in meinem Kinde mich selbst!" so han- dell die verblendete Mutterliebe.

„Ich liebe in meinem Kinde das Geschöpf Gottes!" so handelt die echte Mutt^'iebe!

Eine Mutter wird als Segen ernten, was ste als Strenge gesät!

Beobachte nur einmal, liebe Mutier, ob durch rest­lose Erfüllung aller Wünsche dein Kind auf die TMuer zufrieden und glücklich wird. Du züchtest nur die Be- gehrlichkeitl

Hast kein S^elzeug in den Händen, Junge Mutter, drum gib acht!

lind em Mensch wird aus dem Kinde

Werden, eh du es o»dacht!

*

Ein offenes Aug für die ganze Welt

Empfänglich Gemüt für das Schöne, —

Das dünkt mich ein Erbteil, bester als Geld,

Für unsere Töchter und Söhne!

•

Erst bei der Erziehung unserer Kinder merttn wir ost, wie wenig wir selbst exogen sind.

e '■

Ein Studium gibt es, das ich jeder Frc.u empfehle: Mög' sie studieren in des eigenen Kindes Seele!

Vücher für Frauen.

„wie beschässige ich mein Kind?" Von Erna Kraehe (Einzelheft Nr. 206, Verlag von W Dobach u. Eo. G. m. b. H., Berlin-Leipzig. Preis 1.20 <X). Das Büch­lein ist mit reichern Illustrationsmaterial versehen und ist von einer fachkundigen Frau, der Leiterin des Kin­dergartens des Lette-Vereins Berlin, geschrieben, so daß es die Gewähr gibt, daß alles, was darin enthalten ist, einer sachkundigen Feder entstammt.

Weiteres.

Praktikus. „Lümmel, wenn du noch lange mit mei­nen Birnen liebäugelst, haue ich dir eine runter." „Fein, da brauch' ich ja gar nicht erst ruffzuklellern."

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1 zum Schwan.

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Unter falscher Flagge

Roman von 3. Hohenfeld.

Auch das schlug fehl! Sie be» lieben. All« mein« Pläne ver- sie in meiner Gewalt zu haben mir stets aufs neue und jetzt dem Schutz des Herzogs von

Strebens, zu erhalten, gann einen anderen zu nichtete sie. Wenn ich glaubte, so entfloh sie befindet sie sich unter

den Trumpf ausfpielenl Die Stunde der Vergeltung bat jetzt geschlagen! Ich habe alles verloren, — Glück. Liebe, alles! Ich habe gestrebt mein ganzes Leden lang, der nächste Besitzer der de Vignyschen Güter zu werden. Seit zwanzig Jahren habe ich Pläne geschmie- tet, die mich zum Ziele führen sollten, und jetzt stehen vier Menschenleben zwischen mir und diesem Plan« Ich liebte di« Komtesie von Chatrois! Und sie war im geheimen bereits das Weib meines Rivalen und die Mutter feiner Kinder. Als ich dieser Enttäuschung inne wurde, faßte Ich den Entschluß, ihre Tochter zu heiraten und mir auf diese Weise bas Erbe, das Ziel all meines

JluMhnte

Her Arbeiten. der l/umtstopfert

Beaufort und locht ihres ohnmächtigen Feindes. Doch gemach, meine schöne Giralda! Wer zuletzt lacht, lacht am besten! Ich bin ein Mann, dem jedes Mittel recht ist. Ich werde ietzt meinen Trumps ausfpielenl Sehen mir, wer siegt!"

Er ballte seine Hände und stieß entsetzliche Derwün» ichungen aus: seine erlittene Niederlage hatte ihn mit Haß und Wut erfüllt und nahezu all seiner Sinne be­raubt

„3a, ich werde meine Karte ausspielen — noch diesen Morgen!" rief er wild. „Ich werde das ganze Geheim- ms der Komtesie ihrem Vater und meinem Onkel, dem alten Marquis de Digny, enthüllen! Ich werde sie mtt Schmach und Schande überhäufen! Ich werde ihr das Herz brechen, wie sie bas meine gebrochen hat! Ah. wer ist das?"

Lauschend trat er an bi« Tür. Er glaubte, draußen eine bekannte Stimme reden gehört zu haben. Er horchte atemlos. Ja, er hatte sich nicht getäuscht Die Stimme kannte er. Schnell entschlossen ritz er die Tür auf und stand dem Polizeispion Jean Frosiord gegen­über.

Der Geheimpolizist behänd sich in ebenso gehobener Stimmung, als der Graf ärgerlich und mißmutig war.

Mit einer energischen Handbewegung gebot Eugen Monsieur Frosiord, ins Zimmer zu treten.

„Guten Morgen, Herr Graf!" rief der Polizeispion überrascht aus. „Es hat mir nicht geträumt. Sie hier ui finden Aber ich preise die Fügung, die mich hierher- führte. Nichts kommt mir gelegener als bas. Ich hab«

Auf feine Anfrage wurde ihm der Bescheid, daß eine Reisegesellschaft, wie er ,ie beschrieb, am Bahnhof nicht gesehen worden sei.

Aus dem Gespräch zweier Dahnangestellter, welches er belauschte, entnahm er jedoch, daß der Graf von Chatrois und die Komtesie Gabriele in Sanssouci an­wesend wären und daß auch der Marquis de Digny aus wenige Tage im Schlosie zu Gast sein würde.

Ein jäher Gedanke überkam Eugen bei diesen er­lauschten Mitteilungen.

„Der Herzog von Beaufort wird Giralda und deren Bruder nach Sanssouci begleitet haben, um ihnen eine geheime Zusammenkunft mit ihrer Mutter zu erwirken," dacht« er. „Dielleicht sind sie jetzt schon dort! Unver- züglich muß ich nach dem Gasthof eilen und Erkundigun­gen einziehen. Möglicherweise hat der Herzog dort Pferde und Wagen genommen."

Er eilte noch dem Gasthof und richtete seine Fra- gen an den Wirt, der keinen Anlaß sand, ihm die Ant­wort vorzuenthalten.

„Der Herzog von Beaufort?" wiederholte er. „O. ja Euer Gnaden! Der Herzog befindet sich soeben mit sei­ner Gesellschaft beim Frühstück!"

„Mit seiner Gesellschaft?" wiederholte Graf Eugen bestürzt.

„Ja, Euer Gnaden," berichtete der Wirt, „mit Fräu­lein Alvarez und deren jüngerem Bruder. Der Wagen welcher sie noch Sanssouci bringen soll, wird bereits angespannt. Sind Sie ein Freund des Herrn Herzogs. Euer Gnaden?"

„Nein!" zischelte Graf Eugen zwischen den Zähnen, während seine Züge sich verzerrten, so daß der Wirt glaubte, er habe seine Sinne verloren. „Sein Freund" Nein!"

Graf Eugen trat in ein Seitenzimmer.

„Sie gehen nach Sanssouci und ich kann sie nicht daran hindern!" knirschte er, die Hände ballend. „Sie werden eine geheime Unterredung mit der Komtesie Ga­briele haben und ich kann es ihnen nicht verwehren, an- gesichis des Schutzes, unter dem sie stehen! Ich habe mein Epiei verloren! Was bleibt mir jetzt noch zu tun übrig?"

Er ging in dem Zimmer unruhig auf und ab, wäh­rend feine Augen in satanischem Feuer erglänzten.

„Nein, dos Solei ist doch noch nicht zu Ende!" rief er plötzlich halblaut aus: während feine Augen Blitze schossen. „Noch habe ich ein« Karte und ich werbe jetzt

wichtige Nachrichten für Sie. Aber schließen wir zu­nächst die Tür. Es braucht nicht jeder zu hören, wa, ich Ihnen zu sagen habe."

Er ließ den Worten die Tat folgen. Dann wandO er sich wieder dem Grafen zu und fuhr fort:

„Setzen wir uns. Was ich Ihnen mitzuteilen habe» ist nicht mit ein, zwei Worten abgetan."

Graf Eugen schäumte vor Wut über bas seltsam ver änderte Wes-n des verkappten Polizisten, aber er b< zwang sich. Lag doch sein Schicksal, wie er ahnte, in den Händen dieses Mannes.

„Gemach, Herr Graf! Jedes Ding will seine Zett haben!" versetzte Jean Frosiard, sich bequem in her Sesiel zurücklehnend. „Sollten Sie jedoch glauben, daß meine Nachrichten Sie nicht interessieren —"

Er macht« Miene, sich langsam wieder zu erheben

Eugen fuhr rasch von seinem Sitz empor.

„Mann!" stieß er aus. „Bedenken Sie doch, wie Sie mich quälen mit jeher Minute des Zögerns! Was ist geschehen?"

„Herr Graf, ich stehe nicht mehr in Ihrem Solde," versetzte der Polizeispion trocken. „Nachdem ich Sie auf die richtige Fährte gebracht hatte, wo Sie Sir Armand de Digny auffinden konnten, entließen Sie mich. Sie hatten mich Ihrer Meinung nach nicht mehr nötig Hütter, Sie es nicht getan, ich denke, Sie würden sich selber heute dankbar dafür sein. Wenn ich mich dennoch herbeilasse Ihnen meine wichtigen Entdeckungen mitzuteilen, so tue ich bas aus bem einfachen Grunde, weil ich berechne, daß Ihnen an der Kenntnis meiner Forschungen am meisten gelegen fein muß und daß Sie mich deshalb auch am besten dafür bezahlen werden. Zudem sind Sie mein erster Auftraggeber, zu dem ich nun, wie das nicht mehr als recht und billig ist, in alter Treue zurückkehre," schloß er höhnisch.

Eugen waren die Schweißtropfen auf die Stirn ge­treten. Di« Erwartung, das zu erfahren, wovon viel, leicht feine ganze Zukunft abhing, raubte ihm nahezu den Atem.

„Spannen Sie mich niajt länger auf die Folter, Frosiard!" rief er erregt aus. „Sagen Sie kurz, wat Sie von mir wollen! Ich denke, wir verstehen einan­der! Welchen Preis verlangen Sie, wenn Sie mir Ihr Geheimnisse verraten?"

(Forttetzung folgt.)

W Barbera u ehern, fän/qunqsdnsfdlh Empfehle meine mit den neuesten Wäschinen u ßpparaten ausgerüstete

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„Alles vernichtet!" schrie er, wütend das Gemach durchschreitend. „Alle meine Pläne zerstört und mein Ruin beschlossen! Tod und Teufel! Ha! Aber wenn ee denn fein soll, wenn es denn zu Ende fein soll, bas Spiel, wohlan, so fei es! Aber bas schwöre ich bei *Hen Dämonen ber Hölle: Soll ich untergehen, so werde ich es nicht allein! Ich werbe sie mit mir vernichten, Ke ganze, verhaßte Brut! Sie alle, alle sollen mit mir ««.»derben! O, hart an der Schwell« der Pf ort«, die zun- Glück führt und zurückgestoßcn von dem neidischen Sdpffal ins alte Elend, — nein, in ein Elend, weit schlimmer als zuvor! Doch nein und tausendmal nein: Es kann, es soll noch nicht olles verloren (ein! Ich muß sie wieder in meine Gewalt bekommen und kostet« es wein Leden! Ich werde, ich will siegen und triumphie­ren' Aber ist mein Untergang beschloßen, soll ich un­tergeben, bann zittere, Arrnanb be Digny! Denn stürze ich, so stürzest du mit mir, so wahr ich dich hasie — dich Und die Deinen — tödlich, bis aufs Blut, und so wahr ich dich Haffen werde in alle Ewigkeit."

LVI.

Erne Stunde mochte vergangen fein, als Bertram ä*rüdtam und berichtete, daß er keine Spur der Flüchi- ichge entdeckt habe Er war überrascht von der schein- |Aren Gleichgültigkeit, mit welcher Gras Eugen feinen bricht entgegennabm, mehr aber noch über die ge- ? Jwtige Veränderung, welche fett der Entdeckung der

")t der (Befangenen mtt demselben vorgegangen war.

r sah aus, als hätte er um zehn Jahr« gealtert in einen Nacht. Sein Gesicht war fahl, feine Augen tief in ihren Höhlungen und waren mit blauen

■em umgeben. Sein ganzes Aussehen war em tisch erschreckendes.

^—»Sattle mein Pferd!" gebot Graf Eugen nach einer - ^Seren Pause mit heiserer Stimme feinem Diener E "vielleicht haben die Flüchtlinge sich noch Vernon ge- :: wandt!"

Bertram erfüllte den Befehl seines Herrn ohne Säu- *n- Wenige Minuten später saß Eugen zu Roß und in der Richtung nach Vernon davon, sofort den ■6 nach bem Bahnhof einschlageub.

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