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Anzeiger für die Skadk und den Kreis Fulda. Amkliches Kreisblakk.

Nr. 277.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: Illustrierte Beilage" undBuchenvlätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

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rnittwoch, 1. Dezember 1926.

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Die deM-iranMchen Uüterhckungen.

Kein rosaroter Optimismus,

In letzter Zeit ist in die deutsch-französischen De­batten ein starker Mißklang gekommen, so zwar, daß in Deutschland ein starker Pessimismus weaen der Entwicklung der Dinge, wie man sie im An­schluß an Genf und Thoiry erwartet hatte, sich breit­machte. Dieser Pessimismus ist ein ganz natür­licher, Rückschlag gegen den unmittelbar nach Thoiry sich geltend machenden und von uns immer be­kämpften allzurosaroten Optimismus. Danach wird man aussprechen können, daß im gegenwärtigen Augenblick auch zu einem Pessimismus, wie er jetzt auftritt, keine Berechtigung besteht. S t r e f e - mann hat im Reichstag bereits ausgesprochen, daß solche großen Probleme, wie sie seht aur De­batte stehen und sie betreffen ja die volitilche und wirtschaftliche Neuordnung der Verhältnisse zwi­schen zwei Ländern und Völkern, die jahrelang auf den Schlachtfeldern sich gegenüberstanden, und zwischen denen sich in iabrzebntelanger Entwicklung förmlich eine sog.Erbfeindschaft" entwickelt hatte nicht in acht Wochen beordnet werden können. Mn hat auch B r i o n d in ähnlichem Sinn sich ausgesprochen, indem er nach einer innreren Unt-r- redung mit einem deutschen sozialistischen Presse­vertreter (Vorwärts") diesen ermächtigte, seine Auffasiung wie folgt zusammenzufassen:

Ich sehe keinen Grund zu einer ungünstigen Beurteilung der Situation. Die inzwischen einge­tretenen Schwierigkeiten bilden für mich keine Ueberraschung, denn sowohl Herr Stresemann wie auch ich haben bereits in Tboirn erkannt, daß die Politik der deutsch-französischen Annäherung nicht von heute auf morgen u^d nicht ohne Ueberwin- dung mancher Hindernisse verwirklicht werden könnte."

Der Döft,erhiinösrat in 6>enf.

Die deutsche Delegation für Genf.

Die deutsche Delegation für Genf setzt sich laut lägt. Rundschau" voraussichtlich aus folaenden Herren zusammen: Reichsaußenminister Dr. Stre­ss m a n n. Staatssekretär v. Schubert, Mini­sterialdirektor Dr. Gauß, dem Dirigenten des Dölkerbundsl?kretariats v. Dölow und Gesandt- schotforat Foltze.

Der Generalsekretär d»s Völkerbundes, Sir Eric Drumm onb ist am Montag abend von Berlin Nack Genf abgereift

Wie bereits mitgeteilt, ist Sir Eric Drummond mit dem Reichskanzler und dem Reichsauß-nmini- ster zusammenaetroffen und hat mit den zuständi­ger, Herren des Auswärtigen Amtes in einge­henden Besprechungen die mit der bevor­stehenden Tagung des Volkerbundsrates zusammen­hängenden technischen Fragen erörtert, wie er es in gleicher Weise in Paris und London getan hat.

3n der französischen Kammer.

Die französische Kammer hat in einer Nachtsihung die allgemeine Beratung des Budgets des Mi­ni st e r i ums für auswärtige Angelegen­heiten begonnen. Als erster Redner sprach d"r Kommunist Cachin, der t^n Völkerbund angriff, weil er keine seiner Fri^dmsbestrebungen verwirk­licht habe Dre sozialistische Aba Fontanier erklärte, seine Freunde verfolgten mit größter Snm« pachte die deutsch-französische Annäherung. Die Entwaffnung Deutschlands dürfe nicht eincHg fein, sondern die anderen Großmächte denselben Weo beschreiten, lieber das Eingreifen Frankreichs m China sprach der Redner seine Beunruhi­gung aus und Außenminister Briand mußte zu- geben, daß an beide Partei-n Kriegsmaterial, dar­unter auch Flugzeuae, verkauft worden seien.

Ser radikale Abgeordnete Berthold beglück­wünschte Briand zu den Bemühungen, die er un- ktnommen habe, damit nicht wieder die Geißel des Krieges Europa heimsuche. Frankreich könne die besten Beziehungen zu allen seinen Alliierten aus b«m großen Krieg unterhalten und trotzdem den ^ersuch machen, sich m i t De u t s ch l a n d z u v e r- » tilgen. Aus diesem Grunde müßte man sich bb«r die Zusammenkünfte von Locarno und Thoiry

aber auch kein Pessimismus.

freuen. Deutschland verlange das Ende der Kon­trolle. Die französische öffentliche Meinung habe sich erregt, daß mehrere Jahre nötig gewe­sen seien, um die Ausführung der Entwaffnungs­klauseln des Friedensvertrages von Versailles durchzuführen. Die Räumung des Rheinlandes könne nur erfolgen, nachdem die Sicherheit Frank­reichs garantiert fei. Die faschistische Außenpolitik Italiens dürfe man jetzt trotz aller Garantie n.cht dramatisieren. Er glaubt nicht, daß Italien mor­gen die Waffen gegen Frankreich ergreifen würde.

Der radikale Abg. M i l h a u d erklärte, die von der Regierung in Locarno und Thoiry befolgte Po­litik habe nicht die Zustimmung aller Parteien er­halten aber sie w-rde von dem ganzen demokra­tischen Frankreich gebilligt. Die Rede Stre- semanns habe in Frankreich enttäuscht. Die Nach­richten über die Organisation der vaterländi­schen Verbände konnten nicht in Zweifel ge­zogen werden. Sie stammten aus deutscher Ouclle. Die Vertreter der französischen Nation müßten Deutschland, dem man die Hand reiche, sagen, wenn man auch den pazifistischen Willen der deutschen Regierung schätze, man fürchte, daß man eines Tages über sie Hinweggehen werde. Der Redner wünschte, daß Briand bei den Besprechungen, die zwischen den Außenministern der großen Nationen ftattfintien werden, bei der Politik, die er so glück­lich in Locarno, Thoiry und Genf eingeleitet habe, verbleiben werde.

Zur Entwaffnung Deutschlands.

Reuter erfahrt, daß die Besprechungen über die Entwaffnung Deutschlands in den nächsten Wochen von den Ministern des Aeußern der Alliierten "nti Deutschland in Genf fortgesetzt werden. Man hoffe, zu einer Verständigung über die Uebertra» gung der Befugnisse der Interalliierten Kontroll­kommission auf ein Völkerbundsorgan zur Heber- wacbung der deutschen Rüstungen zu gelangen und die Zusammensetzung sowie die Vollmachten dieses Organs festzufetzen.

1927 Keine Abrüstungskonferenz-

In einer in Genf abgehaltenen Pressekonferenz teilte Lord Robert Cecil mit, nach seiner Ansicht fei nicht mehr damit zu rechnen, daß die inter­nationale Abrüstungskonferenz im nächsten Jahre ftattfintien werde.

Brmnö, Chamberlain, Mussolini.

wtb London, 30 Nov. (Eig. Funkm.) Der di­plomatische Berichterstatter desDaily Herald" will wissen, es sei endgültig vereinbart worden, daß Chamberlain, Briand und Mussolini nach Schluß der Tagung des Dolkerbundsrates in einer ita­lienischen Stadt Zusammenkommen werden. Stresemann fei zur Teilnahme eingeladen, aber es fei noch nicht sicher, ob er annehmen werde. Hauptgegenstand der Erörterungen würde fein, wie Italiens koloniale Wünsche in einer Weise ge­regelt werden konnten, die keine Schwierigkeiten zwischen Italien und Frankreich schaffen würden. In einem Leitartikel sagteDaily Herald", die Bil­dung eines Blocks von vier Großmächten, die den Völkerbundsrat beherrschen oder ihn vor sofortige Beschlüsse stellen würde, bedeute notwendigerweise einen tödlichen Schlag für den Völkerbund.

Die weliwirlschaftskonlerenz.

Wie zuverlässig verlautet, hat sich die nieder­ländische Regierung bisher mit den in der Presse aufgetauchten Plänen noch nicht ernster beschäftigt, Amsterdam zum T a g u n g s or t der vorberei­tenden W-ltwirtlchaftskonferenz zu machen. Eine derartige Stellungnahme wird erst aufgrund von Besprechungen erfolgen, die der in Genf eingetrof- fene niederländische Außenminister Karnbeeck in dieser Frage mH den übrigen Mitgliedern des Dol» kerbundsrätes haben wird

Zuspitzung der Lage in China.

Meuter meldet aus Schanghai: Die hiesige all­gemeine chinesische Hande'skammer hat verschiedene v'wnywe Drohbriefe erhalten, in denen die lüsrufung eines Streiks verlangt wird. Der un- «unstige Ruf, in dem die Tschang-Tfo-Lin-Truppen ^khsn, erleichtern den aus dem Süden kommenden £r°Paaanbiften ihre Aufgabe beträchtlich, lieber ^militärische Lage sind genauere Nachrichten erhalten. Nach Mitteilungen aus Hankau dort Marineftreitkräfte zur Ausrechterhal- W8 der Ordnung gemeldet.

^Thamberlain über die Lage, bei^? englischen Unterhaus erklärte Chamberlain, fern- Aerwaltung der Seezölle habe sich mit Un- hstfitsung des chinesischen Amtsvorstanties ein Ver- der unteren chinesischen Beamten gebildet, . es als fein Ziel bezeichne, sämtliche A u s l ä n- drZ aus der Verwaltung der Seezölle zu ver- t-n« n$en und sie gänzlich unter chinesischer Km- bringen Der Verwalter der Seezolle hoffe

-l-'enst im Zollgebäude und die Elektrizitäts- >rgung aufrechtzuerhalten. Das be: den Ia- rn bedienstete Housperlonal fei bereits in den Setreten und die Japaner seien genötigt, sich

Lebensrnittel aus anderen Städten zu beschaffen. Die Kommunisten zeigten eine außerordentlich eifrige Tätigkeit. Der Generalstreik würde allge­mein gefürchtet, da es dann den Aaitatoren leicht sei. die unbeschäftigten Massen zu Ausschreitungen aufzuhetzen.

Die Laoe in Lankau.

wtb. London, 30 Nov (Eig. Funkm.). Die Blätter besprechen die ernste Lage in Hankau mit großer Besorgnis. Es wird gemeldet, daß britische, französische und japanische Marinesolda­ten zum Schutz des Fremdenviertels gelandet sind. Heute werden in Honkong 200 britische Marinefol- daten an Bord eine Kreuzers eintreffen und sofort nach Hankau weiter gehen. Mit dem gleichen Krieosschiff wird in Honkong der neue britische Botschafter Lampsen erwartet.

Dos Ende des enaiischen Streiks.

Die Arbeit in den englischen Kohlengruben ist allgemein wieder ausgenommen worden. Der K o h l e n p r e i s ist um ungefähr 20 Schilling für die Tonne gefallen.

Mussolini und die Arbeiter.

Verurteilung streikender italienischer Arbeiter.

Da bei Mailand 81 Arbeiter einer Weberei, weil sie die Arbeit verlassen hatten, um dadurch bessere Arbeitsbedingungen zu erhalten, vom Ge­richt zu einer Geldstrafe von 135 Lire verurteilt worden waren, bemerkt der Laboro d'Italia, man möae bei der Anwendung der neuen Gesetze doch nicht so scharf aegen die Arbeiter vor­gehen, bevor sie sich etwas an die neuen Vor­schriften gewöhnt hätten.

Faschismus und Arbeiterschast.

In einer in Mailand gehaltenen Rede erklärte der fas ch i st i f ch e Gewerkschaftsführer Rossoni. die faschistische Partei werde dem italienischen Volk die Magna Charta der Arbeit neben, die bisher dm Arbeitern immer wieder versagt worden sei, nämlich Befriedigung der Hand- und Kopfarbeiter durch Sicherung ihres täglichen Brotes und ihrer Mmschenwürde. Der Fcffchism"s müsse ein unschönes Wort ausmerzen, das Wort Patrone, das auf der anderen Seite Knechte vvraussetze und einen Ersah durch das Wort Kommandant, das würdigm und gerechten Führern zukomme, schaffen. In Italien gebe es nur Italiener m't gleichen Rechten und gleichen Pflichten. Mit dieser Ausmerzung falle auch das andere Wort Knecht oder Proletarier. Die. Arbeiter sollten sich nicht in einem armen Italien betätigen, sondern in einer groben Heimat mit einem ewigen Rom als Zentrum, das die Lehr­meisterin der Zivilisation für die gesamte Zivili­sation gewesen sei.

Die italienischen Seearsenale werden Privatbetriebe.

Die Agenzia bi Roma kündigt die Umwandlung der italienischen Seearsenale in Privatbetriebe an und zwar derart, daß der befehlshabende Admiral zukünftig nur staatliche Aufsicht ausüben wird. Die Arsmale sollen eigene Bilanzen aufstellen und Vor­schläge machen können.

Der deutsch-amerikanische Studenten­austausch.

wtb. Rewyork, 30. Nv. (Eig. Funkm.) Im Colony-Club fand ein Empfang zu Ehren der deut­schen Austauschstudenten statt. Der Leiter des Stu- denten-Austaujchs, Dr. Friedrichs, teilte mit, daß t'm Studienjahr 1927-28 50 deutsche Studenten für amerikanische und 20 amerikanische Studenten für deutsche Universitäten erwartet werden. Bot­schafter von Maltzan, der mit Gemahlin bei dem Empfang zugegen war, gab in einer Ansprache der tiefen Dankbarkeit Deutfchlands für alles, was Ame­rika in den letzten Jahren für Deutschland getan habe, Ausdruck. Der Austausch von Studenten sei eines der besten Mittel, um zu einem besseren Verständnis zwischen den beiden Ländern zu aelangen. David Hunter Miller, der darauf das Wort ergriff, betonte, Botschafter von Malhan habe bewiesen, daß es mH der Hingabe an die In­teressen des eigenen Landes nicht nur vereinbar sei, sondern geradezu ein Bestandteil dieser Hingabe sei, daß man die Interessen einer großen befreundeten Naston würdige und ihren Verhälinisien Rechnung rage.

Das Schicksal des Berliner . Kaiserhoss". Diens­tag mittag hat laut B. Z. im Kaiserhof die außer­ordentliche GeneralversammlungIn eiaener Sache" begonnen. Aus der Tagesordnung steht der in den letzten Wochen heiß umstrittene Verkauf des Hotels an die Reichsregierung.

* Gesuntis»ettszusfond des 6 ""ins von Rumänien. Der Gesundheitszustand des Königs ist, wie aus Bukarest gemeldet wird, weiterhin zufrie­densten end. Der König wird im Laufe dieser Woche mit den Ministern arbeiten.

Nene Verhaftungen auf Sana. In her Rest- dmzstadt Bantam sin zahlreiche neue Verhaf­tungen vorgenömmen worden.

E'me Geßler-Unse?

Aus parlamenatrischm Kreisen wird uns ge- fdjrieben:

Man muß es zugeben: In der Reichswehr stimmt nicht alles. Sfrcr man muß auch weiter aus- sprechm, daß der amtierende Re'chswehrminister (Schier nun auch nicht gerade als Sündenbock für olles das, was sich nicht basten und verteidigen läßt, herangezooen. werden kann.

Man muß sich nur einmal vor Augen führen, unter welch widrigen Verhältnissen Minister Geß> ler bisher arbeiten mußte. Er übernahm em Heer das mindestms in seinen führenden Schichten voll­ständig auf der alten Tradition ruhte, dessen Führer innerlich mit dem neuen Staate n'chts oemein hatten. Und es oblag ihm die Aufgabe., dieses Heer zu einer Schutztruppe und Waffe oeaen innere und äußere Gefahren zu machen, denen dieser neue Staat ausgesetzt ist. Daß all in den Jahren, in denen Geßler unter den schwierigsten Derhästnifsm sein Amt führte, es ihm gelungen ist, solche fßrüfun- n zu vermeiden, wie sie uns der Kapp-P'itsch reitete, daß es ihm gelungen tft, über den Luden-

dorfs- und Hitler-Ausstand hinwegzukommen, das er es verstanden hat, die Zersetzunaserscheinungen die oft genug die Reichswehr zu zerreißen drohten wieder zu meistern, alles das bedeutet ein Verdienst, das nur diejenigen gerecht würdigen können, die sich ein Bild über die ungeheuren Widerstände und Schwierigkeiten zu machen vermögen.

Eine Reichswehr aber, die nicht das Dolksver- trauen sich zu erwerben vermag, wäre eine untaug- liche Waffe. Die Art, wie Geßler dieses Vertrauen für die Reichswehr zu sichern suchte, machte seine Persönlichkeit nur noch um so sympathischer. Di« schwerste Belastungsprobe, die Entlassung des Ge­nerals Seeckt, hat Geßler ausgezeichnet bestan­den und das war der Moment, in welchem die Reichswehr unter Geßlers Führung zweifellos dm kritischen Punkt der Vertrauenskrisis überwunden hatte.

Nun aber mehren sich in der letzten Zeit immer wieder von den Linksparteien her Materialver­öffentlichungen über Zustände innerhalb der Reichs­wehr, namentlich über eine unheilvolle Zwitterrolle besttmmter in der Reichswehr führender Persönlich­keiten, über Maßnahmen und Einrichtungen, so namentlich über unbefugte Geldsammlungen und unerlaubte Bildungen von sogenannten Sportver- binbungen mit unklaren Zwecken, daß neuerdings wieder eine lebhafte Debatte über die Reichswehr im allgemeinen und über die Stellung Geßlers im besonderen sich entwickelt hat. Man svricht auch bereits wieder von einer Eeßler-Krise. Wir müssen allerdings auch zugeben, daß gewisse Dinge vov ftegen, die einfach nicht mehr gerechtfertigt werden können, aber wir wissen andererseits auch, daß bei Reichswehrminister mit aller Energie auf den Ab­stellung dieser Mängel hinarbeitet. Richtig fft, daß Geßler vielfach sich zu entgegenkommend und S weich verhaften hat und daß dieses Entgegen- mmen und diese Nachsichtigkeit bestimmte, sicher­lich auch heute noch in der Reichswehr vorhandene, dem neuen Staat feindlich gesinnte Kräfte ermutigt haben. Hier wird der Reichswehrminister ohne Schonung von Personen durchgreistn müfsm. Daß er das vermag und daß er das will, hat er ja im Fall Seeckt ganz deutlich gezeigt.

Wir wehren und wenden uns gegen eine Eeß- ler-Knsis, denn wir sehen nicht den Mann, der eine Persönlichkeit wie Geßler in bicrer Zeit zu ersetzen vermag. Nicht nut die Zeitverhältnisse, unter denen Geßler arbeitet, sondern auch die lange Dauer seiner Amtsführung trotz aller innerer und äußerer Schwierigkeiten, in deren Mittelpunkt immer wieder die Reichswehr stand, beweisen, daß Geßler der richtige Mann an der richtigen Stelle war. Wir haben ru Geßler das Zuttauen, daß er Mißhellig- ketten, Die zweifellos vorhanden sind, auszuräumen weiß, denn die ganze bisherige Tätigkeit Geßlers war ein Beweis dafür, daß er die Reichswehr zu einem sicheren und brauchbaren Instrument zum Schutze des Staates beranbilbete. Und nun liegt es bei Geßler selber, daß er, getragen von diesem

Ae Frage der Verlängerung des Zolltarises.

Im Reichstag wurden die Besprechungen zwi- schen der Regierung und den Parteiführern über bie Frage der Verlängerung des Zolltarifs fortge­setzt. Bei den Beratungen zwischen Regierung und Koalitionsparteien loll nach einer Mitteilung des Berl. Tagebl." eine Einigung dahin erzielr worden fein, daß dem Reichstag eine Verlängerung der bestehenden Zr>l!gel"ve um 3 Monate norge- Ichlagen wird Den Demokraten soll es, dem gleichen Blatt zufolge, gelungen fein, für die Ver­längerung der Futtermittelzolle eine Garantie da­für zu schaffen, daß diese Zolle die Interessen des Handels, wie auch des Futtermittelbaues sichern. Auch mit den Sozialdemokraten glaubt man, wie das Blatt mitzuteilen weiß, eine Eini­gung erzielen zu können, sodaß die Regierung auf eine große Mehrheit für die Verlängerung der Zolle rechnen könne.

Reichstag.

In feiner Montagrsihung letzte der Reichstag bie Einzelb-ratung des Geutzentwiirscs zur Bewah­rung der Jugend vor Schund und Schmutz fort. Nach längerer Debatte, an der sich Redner oller Parteien betrügen, wird die Aussprache geschlossen und es sofoen dann die Abstimmungen zu den einzelnen Paragraphen. Nach Ablehnung ver chie- dener Anträge wird ein Antrag der Deutschen BolkS- pentei anaenommen, wonach eine Zeitschrift erst dann auf die L ste gesetzt werden soll, wenn zwei Nummern beanstandet worden sind. Weiter wird ein Antrag der Volkspartei angenommen, wonach politische Zei»

tu gen und Zeitschriften nicht auf die Liste geletzt w den dürfen. Nach Ablehnung verjchiedener An­träge werden auch noch die §§ 5, 6 uns 7 ange­nommen. Nach der Abstimmung klafft in dem Ge­setz eine Lücke, da jetzt nicht bestimmt ist, wer di Schriflen auf die Bei twis Liste zu setzen hat.

Damit ist die zweite Beratung erledigt. Um 6V< Uhr benagt sich baS Haus auf D en Stag Ans der Tagesordnung steht bie Beratung des Nach- tiagsetals für die besetzten Gebiete.

Zu diesen Abstimmungen int Reichstage über bie Paragraphen des Gesetzes gegen Schmutz und Schund schreibt dielägt Rundschau": Wie man aus dem Verlauf der Dinge ersieht, ist das Ab- stimmungsergebnis keine grundsätzliche Ableh- nung des Entwurfes. Es wird nunmeh» versucht werben, ein Einvernehmen über die Paragraphen 2 und 3 des Gesetzes herbeizuführen. Auch die Germania" glaubt, daß sich für die dritte Lesung eine Mehrheit finden werde. Nach Ansicht des Bert. Tagebl." haben die Kompromißversuche keine Aussicht auf Erfolg, weil die Bayerische Volkspartei gegen jede Reichsprüfstelle sei und die Demokra­tische Partei an der von ihr vorgeschlagenen einen Reichsprüfstelle festhatten werde. DieVoss Zig." hält es für sehr zweifelhaft, daß für bie Regie­rungsvorlage auch durch Kompromißverhantilun» gen eine Mehrheit zu finden fein werde. ImVor­wärts" heißt es: Ein folches Gesetz darf, wenn nicht einstimmig, so doch nur mit überwältigender Mehr­heit gemacht werden.