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Anzeiger für die Stadt und den kreis Fulda.

Jtr. 276.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: „Illustrierte Beilage" und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Rulbaet Actiendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 8. :»: Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk

Dienstag, 30. November 1926.

Amtliches Kreisblakt.

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Die internationale Lage.

Man schreibt un8 au? Berlin:

In Berliner Kreisen sind neuerdings verschiedene Meldungen der Pariser Prefle sehr ernst und nach­drücklich erörtert worden, daß sich eine gewisse Gegen- sätzlicbkett der Auffassungen zwischen Briand und Stresemann, einmal in der Frage der Militärkontrolle und zu anderen über die Entwaffnung?- und Räu­mungsfrage ergeben habe.

In Kreisen der deutschen Reichsregierung macht »an geltend, daß die Militärkontrollsrage im alloe- ineinen wohl Aussicht auf günstige Lösung habe. Voraussichtlich werde schon in der Dezember-Tagung deS Vdlkerbundsrates in Genf ein Termin für die Aufhebung dieser Militärkontrolle, bezw. für die Zurückziehüna der M litärkontrollkommüsion festge­setzt werden können. Zugegeben wird aber anderer. seitS, daß von französischer Seite her Schwierigkeiten in der Auffaffung der Räumungsfraoc gemacht werden. Man stellt sich dort auf den schroffen Stand­punkt der Bestimmungen des Versailler Vertrags und will den deutschen Standpunkt nicht anerkennen, wonach durch Locarno und Genf eine Aufhebung der Entwaffnungsbestimmungen und eine vorzeitige Räumung der besetzten Gebiets notwendig ist. Da­raus ergibt sich, daß man in Frankreich auch weiter­hin diese Frage und ihre Erledigung als ein Druck­mittel gegenüber Deutschland zu benutzen gedenkt.

Die neuen Erörterungen haben zwischenzeitlich zu einem lebhaften Meinungsaustausch innerhalb der Kabinette geführt. Erschwert werden die Dinge dadurch, daß der Reichsaußenminister Stresemann wieder bettlägerig geworden ist, wie überhaupt dessen Zustand nachgerade zu Beiorgnissen Anlaß gibt.

. Ferner hören wir, daß gelegentlich der Anwe'en- heil des Generalsekretärs des Völkerbundsrates in Berlin in Vorbereitung der Dezembcrtagnnq des

Völkerbundsrates in Genf auch die Frage erörtert wurde, ob im März nächsten Jahres der Völker- bundsrat in Berlin tagen und bei dieser Gelegen­heit Deutschland den Vorsitz übernehmen wird. Die Tatsache der Abhaltung der Märzsihung des Völker- bundSrates in Berlin scheint heute schon festzustehen.

Str Eric vrummond in Berlin.

Der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, ist zu Besprechungen mit dem Ans» wärtigen Amt in Berlin eingetroffen.

Sir E'ic Drummond hat, wie der .MontaV be­richtet, bald nach seiner Ankunst in Berlin Beiprech- ungen mit dem Reichsmtnister des Aeußern Dr. Stresemann und dem Staatssekretär v. Schubert. Die Besprechungen bezogen sich ledialich auf die Be- ratungstechnik der Genfer Ratssitzung und werden fortoesetzt. Die Abreise Drummonds von Berlin ist für Montag abend vorgesehen.

Tagung der Votschaftcrkonferenz.

Havas bestätigt, daß die Botscbafterkoitterenz in ihrer am Samstai abgehallenen Sitzung Kenntnis -genommen hat von v?rschiedenen Berichten über den Stand der noch in der Schwebe b findlicken Fragen betreffend die Entwaffnung Deutschlands, deren Studium sie, wie es in der amtlichen Aus­lastung heißt, mit dem Wunsche sortsetzte, die Rege­lung soweit wie irgend mö lich zu b e s ch l e u n i g e n.

Borah über die neue Locarno-Konferenz.

„Gerald Tribüne" meldet aus Washington: In einem Interview äußerte Senator Borah die An­sicht, die geplante neue Locarno-Konferenz werde sich eingehend mit der Fraoe befassen, Europa wirt- ' nftlich von Amerika unabhängig zu machen.

ImgeWung der MiheMsukOMgebuna?

Wie die „Franks. Ztg." aus Berlin erfährt, , plant die Rüchsfinanzverwaltuna eine außer­ordentlich wicytige und weittragende Umgestaltung I der Anleiheablösungsgesetzgebung. Sie will den , Inhabern von Altbesihablösungsanleihe den Um- ■ tausch in ein normales Reichsanleihepapier anbie- ! ten. das vom 1. Januar 1927 an zu 4;< Prozent verzinslich sein soll. Da der Erwerb und Besitz der neuen Anleihestücke mit Steuererleichterungen ver­bunden werden soll, wird der oanze Plan in Form ctner Gesetzesvorlage demnächst auch den Reichstag j befchaftioen.

Der angemeldete Betrag von Altbesitzanleihe ! umfaßt etwa 40 Milliarden Papiermark, die dafür : m gewährende Ablösungsanleihe daher rund 5 Mil- I liarden Reichsmark nominal. (Auf je 1000 Pa- mennark Altbesitzanleibe entfallen bekanntlich 125 Reichsmark nominal Ablösungsanleihe.) Ebenso

hoch würde sich der Betrag der neuen Reichsanleihe stellen, wenn alle Inhaber ucn Altbesitzablösungs- anleihe von der Umtauschmöglichkeit Gebrauch ma­chen. Für die Reichskasse würde der Vollzug des Umtauschs bedeuten, daß anstelle der in den näch­sten Jahren notwendigen Aufwendung von etwa 250 Millionen Reichsmark jährlich rund 225 Mil- Honen Reichsmark aufznwend"n wären, dafür würbe neuerdings, wenn keine Tilgung vorgesehen würde, die Zinslast dauernd bleiben, während die Ablösunasanlrihe in einem längeren Zeitraum aus­gelost würde. Soviel man hört, hat der Plan, des­sen gesetzgeberische Vorbereitung im Gange ist, auch in parlamentarischen Kreisen weitgehende Zustim­mung gefunden, da er den Besitzern von Altanleihe eine alsbaldige Verzinsung und eine sichere Verwertungsmöglichkeit bietet.

politische Schläaereien.

®oi Samstag wurde in Schöneberg ein junger Mann festgenommen, weil er den Fahnenträger ^nes Reichsbannerzuges tätlich angegriffen hatte. Eine weitere Person wurde verhaftet, weil sie die Feststellung des Täters zu verhindern suchte. In den ersten Stunden des Sonntags kam es in der Hasenheide zu Schlägerei-m zwischen Werwolf- Mitgliedern und Angehörigen des Fußballklubs Berolina- Neukölln. 12 Werwolf-Leute und 18 Mitglieder des Klubs wurden verhaftet. Vor­mittags mußten anläßlich einer Schlönerei zwischen Nationalsozialisten in Uniform und Passanten Am Knie in Cbarlottenburg 16 Personen, darunter vier Verletzte, festgenommen werden.

Um 1.45 Uhr nachmittaas kam e<< mährend einer Ansprache des Reichspräsidenten Lobe vor dem Gau Brandenburg des Reichsbanners am Fehrbel­liner Platz zu Zusammenstößen zwischen Angehöri­gen des Reichsbanners und National­sozialisten, wobei ein Reichsbannermann durch einen Schuß am Kopf verletzt wurde. Auch das Publikum nahm Partei. Die Polizei konnte nach Festnahme von zwei Reichsbannerleuten und 14 Nationalsozialisten sowie einer Person, die im Besitz einer Pistole war, die Ruhe wiederherstellen. Den Nationalsozialisten wurden Schlagringe und Dolche abgenommen. Auch in einer Straßenbahn, die im Augenblick, afg der Schuß fiel, die Stelle passierte, ist eine Pisto'- aufgefunden worden.

Der Hoch m ei st er des Jungdo Mah- raun hat an die „Vossische Zeitung" ein Schrei­ben gerichtet, in dem er sagt, seine angebliche Ant­wort auf die Frage, was ihn veranlaßt habe, seine Denkschrift zu verfassen, lege ihm Beweggründe als Veranlassung für die Denkschrift unter, die in dvr Deffentlichkeit ein völlig falsches Bild erweckten. Er erklärt hierzu, er habe die Beantwortung dieser ürage ausdrücklich abgelehnt, im Beisein von zwei Herren der Ordensleitung habe er dem Vertreter °er „Vossischrn Zeitimg" "lediglich eine Darstellung »er Entstehung und Geschichte des Jungdo, der gei- l"8en Entwicklung des jungdeutschsn Gedankens, '"wie des von ihm geführten Kampfes gegen l/?oktion, Pkutokratie und B o l s ch e - ro> 3 m u g gegeben. Der in der „Vossischen Zei- hUn9" wiedergeaebene Wortlaut entspreche nicht tatsächlich Gesagten, seine Aeußerungen seien "Uch nicht schriftlich fixiert worden

* Herabsetzung der Zuck rstcuer? Wieden Blät- ein p™me,het wird, ist im Reichsfinanzministerium flhnor °tIa(,e peplantz nach der die Z ickersteuer her- f-dr und der Preis für Branntwein heraufge-

"1, n ^ll. Die Vorlage werde vermutlich in r naanten Zeit dem Reichskabinett zugehen.

| Freistaat fielen.

Reichsfinanzminister Dr. Reinhold zur Finanzlage Hessens.

Reichsfinanzminister Dr. Reinhold hat an den ; hessischen Finanzminister Henrich folgendes j Schreiben gerichet:

Wie ich aus der Presse ersehe, ist in Hessen in der Oeffcntlichkeit ein Streit entstanden, welchen Grund und Zweck die mit der hessischen Regierung bei meiner Anwesenheit in Darmstadt getroffene Vereinbarung hat, daß eine aus Vertretern des , Reiches und des Landes best"hende Prüfungs­kommission die hessische Finanzlage untersucht.

Ich erlaube mir deshalb zur authenischeu Klar­stellung diescr Vereinbarung darauf hinzuweilen, daß nach meiner Ueberzeugung das, wie ich höre, in Hessen gebrauchte Wort „G e s ch ä f t s a u f - s i ch t" den Sachverhalt in keiner Weise trifft. Die Kommission hat nach unseren Vereinbarungen kei­nerlei diktatorische Vollmachten sie soll vielmehr lediglich prüfen, ob die vom Reiche anerkannte Finanznot Hesse ns zum überwiegenden Teil auf die B e s a tz u n g s k o st e n oder auf andere Gründe zurückzuführen ist. Von dem Ergebnis die­ser Prüfung wird es abhängen, ob das Reich dem Lande Hessen die zur Erfüllung seiner staatspoliti- schen, insbesondere seiner kulturellen und sozialen Verpflichtungen nötige Summe, die es aus eigenen Mitteln bei sparsamer Verwaltung nicht ausbrin- gcn kann, gesondert zur Verfügung stellt.

Ich habe den Gedanken dieser Kommission des­halb mit besonderer Freude aufgenommen, weil meiner Ueberzeugung nach nur eine sachliche Prüfung die Möglichkeit gibt, die im Streit der politischen Meinungen hart umkämpften Fragen wirklich zu klären und, falls sich ergibt, daß Ne Besetzung eines großen Teiles des Landes die Hauptursache der schlechten Finanzlaoe ist, dem Lande Hessen von Reichswegen zu helfen.

* Spannung znffchen den französischen Beamten- j grwerksckafken und der Regierung. Sonntag nach- ; mittag hielten die gewerkschaftlich organisierten Be­amten in Paris eine Besprechung ab. Der ur­sprünglich für den 29. und 30. 11. sowie 1. 12. angesetzte Kongreß kann nicht stattfinden, weil die Regierung den Teilnehmern den Urlaub ver­weigerte. Es wurde gegen diese Haltung der Regierung, welche eine Verletzung der Gewerk­schaftsrechte genannt wurde, in schärfster Weise Stellung genommen und beschlossen, vom 21. bis 23. 12. einen Kongreß abzuhalten. Es wurde be­tont, daß eine Anpassung der Löhne und Gehälter an die Steigerung der Lebenshaltungskosten nötig fei. Der Pariser Soir ist der Ansicht, daß das Verhalten der Regierung Anlaß zu e r n st e n K on- ftitten geben könnte.

Unruhe in Latein-Amerika.

Revolution in Panama und Costarica?

Nach einer vom Pariser „Fntransiaeanf ver­öffentlichten Meldung soll in den ^tnaten Panama und Costarica eine revolutionäre Bewegung ausge­brochen sein.

* Senatsnräfibenf Großmann wieder im Rich­terverein. Wie der „Montag-Morgen" erfahren haben will, ist es durch Vermittlung des preußichen Justizministeriums zwischen dem Preußischen Rich- teroerein und dem Senatspräsidenteu Dr. Groß­mann vom Kammergericht zu einer Einigung ge­kommen, wonach der Ausschluß Großmanns aus dem Richterverein widerrufen und das Per- bot der Dopvelmitgliedfchaft gegenüber dem Repu- blikanifchen Richterverein aufgehoben werden soll. Auf Seiten des Richtervereins ist bisher nur der Vorstand mit den Einigungsverhandlungen befaßt gewesen. Cs bleibt abzuwarten, wie das Blatt be­merkt, ob der Vorstand feine Ansicht auch bei den Mitgliedern durchzufetzen imstande ist.

Zu Ehren Urassins.

3000 Role F^onckämpfer waren in Berlin Soun- laa abend zu cin-r T> auerkundaebuna für Kra'üu, dessen Alche auf dem Weae nach Rußland eintreffen lallte, am Schlesischen Bahnhof versammelt. Der kommunistische Ab-eorduete P'cck teilte jedoch mit, daß infolge von Verzöreriinaen bei der Ueberfabrt nach dem FelllarOe die U>be’ter‘e Krassins erst im Laufe der N cht in Berlin e>nt-cffen und in der Sawfetbotfchaft Un'er den L uden auf-ebahrt werden, um am Montag abend 7 Uhr die Weiterreise nach Moskau anzutreten. Tie Koa-munisten wurden aufgefordert, am Montaa Nachmittag sich im Lust» aarten zu versammeln, wo "er Zug mit h-n Überreifen Krassins auf dem W^ge von der Bot- schalt nach dem Balmbof vorbeikommeii werde. Ein starkes Polizeiaufgebot halte keinen Anlaß zum Ein­schreiten.

Tas Bcfiudcn des llönios von Rumänien. Wie die Agentur Orient.Radio erneut mitteilt, sind alarnucrenbe Gerüchte über den Gesunddeitsz ustand des Königs unbearündet. Das Befinden des Königs ist zufriedenstellend und bessert sich mit jedem Tao.

16 Das tschechos'owakffche Budget wurde im Ab- aeordneteuhaus in Prag in erster und zweiter Leümg angenommen.

Rücktritt des chinesischen Kabinets.

wtb. Peking, 29. Novbr. (Gig. Fnnkm.) Das chinesische Kabinett ist gur"(foetTeten.

Das rurückaetret-me chinesische Kabinett bat an die 5 Führer der Nordarmee ein Zirkular« telearamm aesimdt, dem es a^s Grund für feinen Rücktritt den Mangel an Geldmitteln an­gibt.

Reuter meldet aus Peking: Eine der Kefandt. febaften erhielt ein Telearamm ihres Generalkonsuls aus Hankau, in dem mifaeteilt wird, daß das Leben und Eigentum seiner Landsleute in Ge­fahr sei.

Rücktritt des Gouverneurs von Rom.

wtb. Nom, 29. Nov. (Eig. Funkm.) Der Gou- tierneuer von Rom, Cremonesi, hat infolge Mei- nungsv erschiedenheiten mit der Re­gierung fein Amt niedergelegt.

* Die Sage in Albanien. Hebet die Sage in Albanien wird au8 Belgrad gemeldet: Die Auf­ständischen ziehen sich zurück. ®tne große Anzahl hat.sich ergeben. Die Regierungstruppen versuchen, die ubrgen zu umzingeln. Man Hot den Eindruck, daß die Aufstandsbewegung ihrem Ende entaenen» gebt. Achmed Zo m, der Präsident der Republik, hat zahlreiche Telearamme erhalten, in welchem ihm Hilfe zur Niederkämpsung der Aufstandsbewegung angeboten toho.

Reichstag.

Die zweite Lesung des Gesetzes zur Bewahrung der Jugend vor S ch u n d- und S ch m u tz f ch r i f » t e n wurde am Samstag fortgesetzt.

Die Demokraten ließen durch Dr. Heuß erklä­ren, daß sie das Gesetz für unannehmbar halten würden, wenn die Landesprüfstellen mit Wirkung für das Reich bleiben. Wirtschaftliche Vereinigung, Bayerische Volkspartei und Völkische stimmten dem Gesetz zu. In der Einzelberatung erklärte ein so­zialdemokratischer Redner, es müsse klargestellt werden, ob unter das Gesetz nur solche Schriften fallen, die gleichzeitig als Schmutz und Schund zu betrachten feien. Reichsinnenminister Dr. Külz antwortete, das Gesetz richte sich ebenso gegen Schmutz wie gegen Schund. Es könne eine solche Schrift sich vom Schmutz fernhalten und doch Schund sein. Ein sozialdemokratischer Antraa will eine Schrift nur bei Einstimmigkeit der Prüfstelle I in die Liste aufgenommen wissen.

Am Montag wird die Beratung fortgesetzt.

Von den deutschen Parteien.

Eine Rede v. Rardorffs,

Auf dem Parteitag der Deutschen Volkspar­tei Hessens in Worms hielt Reichsta^sabgeord- ncter v. Kardorff eine Rede, in der er sich zunächst mit der Außenpolitik beschäftigte. Er nannte c§ das Schicksal Deutschlands, daß es das Pri­mat der Außenpolitik in der Vergangenheit nie­mals verstanden habe, und die Tragik der heutigen Außenpolitik, daß sie nicht zur Einigung d er V arte i en geführt hat. Nirgends im deutschen Vaterland, so saate v. Kardorff, wird die Außen- vvlitik des Führers der Deutschen Volkspartei fle- kcmnKich d-ie Fortsetzung der Politik timt Wirth, Rachemm und Marr) besser erTarmt als im be- setzten Gebiet. Ihr Ziel war die Befreiung von Rhein und Ruhr. Wir haben die Räu­mung des Ruhrgebietes erreicht, der Sanktions­städte und der ersten Zone. Mit der Räumung der ersten Zone war die These Poincares, daß die Fristen noch nicht laufen, erledigt. So kann auch das Rheinland auf ein schnelles Ende feiner Leiden hoffen. Ich freue mich, mit gewisser Ge­nugtuung festzustellen zu können, daß der deutsch- nattonale Abgeordnete Hötzsch gesagt hat, daß es über die Opfer für die vorzeitige Räumung des be­setzten Gebietes keinen Streit geben dürfte. Weiter sprach der Redner über den Dawesvertrag. Er erklärte: Die Revision des Verttags ist die erste Forderung des Tages. Wir werden wetter gehen und uns durch Rückschläge nicht entmutigen laffen. Mit Nachdruck betonte der Redner: Wir werden auf eine Verewigung der Militärkontrolle nicht eingehen und werden die Investitionen nsicbt annchmen. Die Politik, eine endgültige Verstört- bigung zwischen Frankreich und Deutschland zu er­reichen, hat bisher zum Erfolg nicht geführt. Diese Politik würde den Erfolg haben, der Welt zu 'Zgen, daß nicht Deutschland, sondern Frankreich der Ruhestörer ist. Ueber die Stellung zum Staate st,gte der Redner: Wir sind aufdemWegezum Einheitsstaat durch Derreichlichung der Eisen- Lahnen und der Steuern weit vorgeschritten, aber weitere Schritte würde die Deutsche Dolkspartei auf das entschiedenste ablehnen. Auch der Anschluß von Oesterreich ist mir in einer bundes- staatlichen Form möalich. Kardorff kündigte an, daß die Deutsche Volksparte: die Befug, nisse des Reichspräsidenten, der aus direkten Wahlen hervorgeht, nach dem Vorganae von Amerika und der Schweiz stärken werde. Wei- ter wies er die Gerichtsspielerei des Reichstags der das deutsche Rechtswesen untergrabe, entschie­den zurück, Die Bestrebungen der Linken, die Reichswehr in die Hand zu bekommen, müßten ab- gewiesen werden. Die Darstellung, als sei die Sozialdemokratie wieder ein stiller Teilhaber der Regierung, sei indessen durchaus irrig. Die Frak­tion der Deutschen Volkspartei sei solchen Bestre­bungen entgegengetreten. Die weiteren Ausfüh­rungen W Redners beschäftigten sich mit der Re­

form der Verfassung, der Verwaltung und der Steuergesetzgebung.

Demokratischer Reichsparteitag.

Der Reichsparteitag der Deutschen demokrati­schen Reichstagsfraktion trat am Sonntag zu einer Sitzung im Reichstag zusammen, die unter dem Vorsitz des Reichsmmisters a. D. Erich Koch erst­malig wieder stattfand. Unter den Anwesenden bemerkte man die Führer und Abgeordneten der Reichs- und Landwgsfraktion und die demokrati­schen Reichs- und Staatsminister. Nach einer kur­zen Begrüßungsansprache an die Erschienenen nahm Reichsminister a. D. Koch das Wort zu ei­nem fast zweistündigen Referat über die poli­tische Lage. Reichsinnenminister Dr. Külz äußerte sich dann über den Gesetzesvlan des Reichs­innenministeriums, wobei er zur Frage der Wehr- verbände erklärte, ihre generelle Auflösung sei nicht zulässig. Wo man aber den Anschein militärischer Betätigung vermute, müßten diese restlos aufge­löst werden. Jede Verbindung mit der Reichswehr müffe unterbleiben. In der Frage der Fürstenabfin­dung hoffe er, daß die Verlängerung des Sperr« «efetzes die Beteiligten veranlassen werde, auch in Thüringen und in anderen Ländern zu einer Eini­gung zu gelangen. Die Frage der Titel und Orden bedürfe einer Klärung. Der Minister kam bann auf die Ftnanzreform zu sprechen und betonte, daß der Finanzausgleich ohne die Verwal­tungsreform nicht möglich fei. Es fei in Deutsch« lanb ein Hebel, daß wir 2000 Abgeordnete und 6 0 Minister hätten. Ein neues Wahlgesetz sei dem Kabinett zugegangen. Auch ein Ausfüh­rungsgesetz nach Artikel 48 der Reichsverfaffung fei in Vorbereitung. Der Minister ging dann auf bas Schund- und Schmutzgesetz ein Die harte Sri. Hfel an dem Gesetz nehme er nicht übel. Es handele sich bei dem Gesetz lediglich um die Legalisierung einer starken Bewegung. Die Freiheit der Kunst werde in keiner Weise berührt. Zum Schluß be­sprach der Minister das neue Sch ul g e s e tz, das er in den nächsten Tagen einbringen werde. Man dürfe von ihm nicht allzuviele kulturpolitische Ent- scheidungen erwarten. Es muffe eine Organisation der Volksschule gewährleistet werden, die der Schule die notwendigen Entwicklungsniöglichkeiten gebe, bic sie im Interesse des Kindes, des Staates und des Volkes brauche. Die staatliche Aufsicht dürfe nicht angetastet werden. Jede Zersplitterung des Schulwesens fei zu verhindern.

An die Referate schloß sich eine längere Aus­sprache an, nach deren Beendigung eine Entschlie- »ung angenommen wurde, in der die Fraktion er­sucht wird, auf die Abstellung der Mängel in der Reichswehr und auf die Sicherung des republikanischen Eharakters der Reichswehr zu drängen. In einer zweiten Entschließung lehnt man die Vorlage über den Schutz der Jugend vor Schund und Schmutz « der jetzigen Fassung ad.