Jtr. 273.
Anzeiger für die Skadk und den Kreis Fulda.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: ^Illustrierte Beilage" und „BuchendlStter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Rr. 9.
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Freitag, 26. November 1926.
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3m Reichstag
wurde am Mittwoch die außenpolitische Aussprache fortgesetzt, nachdem zuvor ohne Aussprache das deutsch-französische Abkommen über die Saarindu» strie, der deutsch-polnische Vertrag über die Regelung der Grenzverhältnisse und das deutsch-polnisch- Danziger Eisenbahnabkommen endgültig angenom- »ien worden war.
Der Wirtschaftsparteiler D r. B redt bezeichnete die Rede des deutschnationalen Abg. Dr. Hoetzsch als besonders interessant. Sie sei so gehalten gewesen, daß die Deutschnationalen schon morgen in die Regierung ausgenommen werden könnten. Die Regierung werde die Wirtschaftliche Vereinigung bei den Bemühungen um die Befreiung des Rheinlandes immer hinter sich haben.
Der sozialdemokratische Fraktionsvorsitzende Müller-Franken polemisierte zunächst gegen die Deutschnationalen und verteidigte dann die Politik von Locarno und Thoiry. Er versetzte dem Italien Mussolinis einen kleinen Seitenhieb und lehnte zum Schluß seiner Rede die Unterstützung bts Antrags der bürgerlichen Parteien auf Wieder- ichrollung der Kriegsschuldfrage ab.
Der Völkische Graf Rentlow erklärte, die Ausrottung der Kriegsschuldfrage sei nicht zu erreichen, solange die Dawes-Gesetzgebung und die Locarnoverträge bestehen und Deutschland dem Wlkerbund angehört.
Der deutschnationale Abg. v. Freytag - Lo- ringhoven begründete kurz den von allen bür- gerlichen Parteien unterzeichneten Antrag, die Reichsregierung möge in eine Prüfung der Frage eintreten, wieweit die Satzungen des Völkerbundes und des Ständigen Internationalen Gerichtshofes Möglichkeiten bieten, eine Prüfung der Kriegsschuldfrage durch diesen Gerichtshof zu erreichen. Namens seiner Fraktion unterstrich er dann nochmals in etwas schärferem Ton die Ausführungen seines Fraktionskollegen Dr. Hoetzsch.
Reichswehrminster Dr. G e ß l e r nahm alsdann Gelegenheit, sich gegen die neueste
Veröffentlichung des Führers des Jungdeutscheu Ordens Mahraun
zu wenden. Mahraun hat in den Auseinandersetzungen über die Wehrverbände eine Erklärung abgegeben, worin es heißt: Ich (Mabraun) faste meine Erklärung dahin zusammen, daß die von mir eingereichte Denkschrift nachweislich den einzigen Zweck hat, den Mißbrauch nationaler Kräfte und Organisationen zu landesge- sährlichen Abenteuern zu verhindern. Auf Grund meiner Kenntnisse bin ich überzeugt, diesen Zweck auch zum Heile des Vaterlandes erreicht zu haben. Entweder von denjenigen politischen Kreisen, welche die Verwirklichung solcher Abenteuer wünschen, oder von solchen, welche die wirklichen Ereignisse nicht genügend kennen, werde ich in letzter Zeit angegriffen. Ich werde aber dennoch wie bisher, so auch in Zukunft, meine ganze Kraft dafür einsetzen, daß Abenteuer verhindert werden, welche Deutschland nur in ein u n a b s e tz- bar e s Unglück stürzen, ihm aber das nicht bringen, wofür ich kämpfe und sterbe: seine Freiheit und seinen Wiederaufstieg.
Reichswehrminister Dr. G e ß l e r führte dazu aus:
l i ch e Kreise gehandelt, die versucht haben, uns in außenpolitische Verwicklungen hineinzubringen. Wir haben mit diesen Dingen nichts zu tun. Wir haben nur unsere Pflicht getan. Daß durch solche Behauptungen in einem Augenblick, wo der Außenminister sich um Verständigung bemüht, im Ausland die phantastischen Vorstellungen entstehen müssen, ist doch selbstverständlich.
Den Schluß der Sitzung bildete eine groß angelegte Rede des früheren Reichskanzlers Dr. Wirth (Ztr.), der einen Appell an Frankreich richtete, jetzt, nachdem das deutsche Volk so viele Opfer gebracht habe, Entgegenkommen zu zeigen, lieber die durch ein ganzes Jahrhundert gehende tiefe Kluft des Völkerhasses zwischen Frankreich und Deutschland sei jetzt von Deutschland eine Brücke geschlagen, und an Frankreich sei es nun, gemeinsam mit Deutschland an dem Aufbau und der Belebung der europäischen Solidarität zu arbeiten. Seine Rede fand stürmischen Beifall.
Am Donnerstag steht außer der Weiterberatung die Vorlage gegen Schmutz und Schund auf der Tagesordnung.
Die Hbftimmung.
Die Abstimmung über den kommunistischen und den noch dazu komm n.den völkischen Mißtrauensantrag gegen den Reichsaußenminister wird wahrscheinlich erst am Freitag erfolgen. Mit Sicherheit ist jedoch anzunehmen, daß mit großer Mehrheit die beiden Mißtrauensanträae a b- gelehnt werden. Obwohl der zweite Fraktions- rebner der Deutschnationalen die Forderungen seiner Partei noch einmal mit aller Schärfe zum Ausdruck brachte, nimmt man in parlamentarischen Kreisen doch an, daß die Deutschnationalen bei der Abstimmung über die Mißtrausvoten sich der Stimme enthalten werden.
Zu dem Gesetzentwruf zur Bekämpfung von Schmutz und Schund, der am Donnerstag als letzter Punkt auf der Tagesordnung steht, wird, wie das Nachrichtenbüro des DDZ. hört, Abg. Frau Matz (D. Vp.) den Bericht des Ausschußes erstatten. Darauf wird Reichsminister des Innern Dr. Külz das Wort ergreifen, um vom Standpunkt der Regierung aus den Entwurf eingehend zu erläutern. Der Arbeitsplan der Neichsregierung.
DaS Reichskabinett beschäftigte sich in seiner Mittwoch-Sitzung mit dem Entwurf eine? neuen ArbeitsichuhgesetzeS vor allem mit der Berlänge- tung des Sperrgesetzes für gerichtliche Auseinandersetzung zwischen den Ländern und den vormals regierenden Fürstenhäusern. Auch wirtschaftliche Fragen, so die Kohle »Versorgung, wurden erörtert.
Nach einer Mitteilung des Demokratischen Zei- tungsdiensteS hat das Reichsernährungsministerium angesichts der am 31. 12. d. I. notwendig werdenden Neuregelung der Zölle für Roggen, Weizen, Futtergerste, Hafer und Mais eine Vorlage auSgearbeitet, die dem Reichskabinett vorliegt. Der Korrespondenz zufolge wird angenommen, daß die Vorlage nach Verabschiedung durch
deutsche Blüte zuzuschreiben sind, i der Lage in Polen, das sich von
fluß der neuen 1 im Gegensatz zu „ ..... ,
seiner schweren wirtschaftlichen und finanziellen Krise noch nicht ganz erholt habe.
In gut unterrichteten französischen Kreisen nimmt man an, daß gegenwärtig eine Zusammenkunft zwischen Chamberlain, Briand und Mussolini nicht zustande kommen wird.
* Tschitscherin, der russische Außenminister, hat seine Urlaubsreise nach Deutschland angetreten.
* Ausdehnung des deutsch-englischen Handels- Vertrages. Nach Mitteilung der britischen Regierung wird der deutsch-enalische Handels- und Schiff- fahrtSvertrag vom 22. November 24 auch apf das Territorium Tonga-Inseln ausgedehnt.
neutrales Urteil über Gberschlesien Line spanische Presieskimme zu den oberschlesischen Dahlen.
In einem Artikel der Madrider Zeitung ABC über die Ergebnisse der Gemeinde wählen in Polnisch-Oberschlesien heißt es u. a.:
Die Städte und Jndustriekreise bleiben im wc- fenißichen deutsch. Die blühet« Industrie der Provinz ist ein.Werk der d e u t f ch e n Arbeit und des deutschen Kapitals. Es sind dies Tatsachen, die kein polnischer Nationalist ableugnen Farm. In Oberschlesien ist dieselbe Erscheinung zu beobachten, wie in anderen europäischen Ländern, z B. in der Tschechoslowakei und Siebenbürgen. Der ABC glaubt, daß eine ähnliche Formel wie diejenige, die zur Bildung des St a h l k a r t e l l s führte, gesucht werden könne, damit die oberschle- stsche Grenze jo wenig wie möglich die industrielle Entwicklung hemmt. Das Blatt sagt zum Schluß, daß die Ergebnisie der Wahlen dem Ein-
das Kabinett bereits in der nächsten Woche im Reichstage eingebracht werden wird.
Brianb über die auswärtige Lage,
Im französischen Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten erstattete Briand Bericht über die auswärtige Lage. Nach dem offiziellen Kommuni, guee wurden Fragen gestellt hinsichtlich der dringenden Probleme der auswärtigen Politik anläßlich der vom deutschen Außenminister eingeleiteten Verhandlung. Briand habe mitgeteili, daß er eine Politik der Entspannung zu befolgen gedenke. Bisher haben es beide Regierungen sich angelegen sein lassen, Abkommen wirtschaftlicher 2lrt zu realisieren. Die Besprechungen seien im Geiste von Locarno geführt worden. Was die Beziehungen Frankreichs zu Italien betreffe, habe der Außenminister seine Erklärungen vor dem Kam- merausschuß für auswärtige Angelegenheiten bestätigt, daß immer die Regelung sämtlicher Zwischenfälle von freundschaftlichem Geiste beseelt gewesen sei und weiter beseelt sein werde. Der Ausschuß beschloß, eine Unterkommission zu ernennen, die die Frage der interalliierten Schulden prüfen soll.
Die Glaubensverfolgung in Mexiko.
Der Tanz auf dem Pulverfaß.
Maßnahmen gegen revolutionäre Umtriebe in Italien.
Aus Venedig melden die Blätter, daß eine Pro- vinzialkommisstön unter dem Vorsitz eines Präfekten sieben Personen aus der Provinz, darunter ehemalige Abgeordnete, zum Zwangsausenthalt verurteilte. Ferner wurden weitere acht Personen, darunter ein Journalist und ein Provinz'alabgeo-dneter, zu der gleichen Strafe verurteilt. Zn der Provinz vquila wurden ebenfalls mehrere Personen zum Zwangs- aufentbalt verurteilt, die beschuldigt waren, das jetzige Regime bekämpft und mit ausländischen Umstürzlern in Verbindung aeftanben zu haben.
•
Mussolini und der grtechische Gesandte unterzeichneten das griechisch-italienischeHandelS- und Schiffahrtsabkommen auf der Grundlage der Meistbegünstigung. Die Gültigkeitsdauer des Abkommens beträgt zwei Jahre.
Das Geheimnis der französisch-italienischen Grenze.
' wtb. Paris, 25. Nov. (Eig. Funkm.) Die kommunistische Humanste bringt eine Nachricht, für die sie die Verantwortung übernehmen muß: 2500 Faszisten halten sich in Ventimiglia in Kriegsbereitschaft auf, wo sie die bisher von Carabinieri durchgeführte Grenzüberwachung übernommen haben. Die französische Regierung ist davon unterrichtet. Sie hat infolgedessen die Zollbeamten mit Maschinengewehren ausgerüstet und auch den Waldhütern Karabiner geliefert. Außerdem seien zwei Batterien aus Nimes und ein Infanterie-Bataillon aus Toulouse an die Landesgrenze abgegangen.
Der Hufftanb in Nicaragua.
Präsident Diaz hat eine Kundgebung erlassen, in der er die liberalen Aufständischen beschwört, die Feindseligkeiten einzustellen. Er bietet an, den Aus» ständischen ihre Waffen ab zu kaufen, ihren Truppen den Sold zu bezahlen und den Führern 50 000 Dollar zu schenken, wenn sie den Bürgerkrieg abbrechen.
Mehr kann der Mann wirklich nicht tue.
Sur Lage in China.
Wie die Agentur Indv-Pacific aus Peking be» rächtet, teilt die Presse mit, daß im Verkaufe der Konferenz von Tientsin beschlossen worden sei, Li- Huan-Hong zum Präsidenten und Tschang- Tjo-Lin zum Vizepräsidenten der chinesischen Republik zu ernennen. Die Nationalversammlung werde einberufen werden, um diesen Beschluß zu ratifizieren. Ein Koalitionskabinett, in dem alle politischen Parteien vertreten sein würden, würde gebildet werden. Der Erfolg der Truppen von Kanton werde anerkannt werden, ebenso wie die Regierung Kuomintschungs. Die Verträgt Chinas mit den verschiedenen ausländischen Mächten würden nach und nach revidiert werden Alle Rechte und Interessen würden gewahrt werden. Die Zollkonferenz werve aufs Neue zusammenberufen werden.
*
General Pangsen ist mit 50000 Mann zu den Kanton-Trnppen übergegangen. Damit haben diese die größte Provinz des eigentlichen Chinas in ihre Hände bekommen.
io ba-
Irttnb,
Slotter Schwindel. Er hot bie jungen Leute vor die ftonzösilchen Maschinengewehre tteiben wollen. (Abg. Dittmonn (Soz.): Ist es richtig, baß Matter 18 000 TO. Pension bekommt?) Das weih ich nicht. Die Osfi- *e« bes alten Heeres unterstehen ja nicht mir, sondern «ttn Reichsarbeitsministerium. Ich glaube nicht, daß er Kviel bekommt. (Lachen bei den Soz.) Wehren muh mich aber dagegen, daß Mahraun es so barstellt, als er mich über bie Vorgänge von 1921 jetzt im Jahre 1926 noch informieren müsse, lieber diese Dinge waren •fir, sowohl die Reichsregierung wie die preußische Re- Vierung, im Jahre 1922" vollständig informiert. (Zuruf links: Weshalb verlangten Sie denn van Herrn Mah- F°un schriftliche Aufklärung?) Ich habe diese nicht von ihm verlangt. Was hier behauptet wird, sind Dinge, die allgemein längst bekannt n*ren. Irn Jahre 1925 fallen lieber ähnliche Pläne bestanden haben. Da r wird der Name des Obersten Nicolai genannt. Auch hier haben die Leute sich völlig zu Unrecht auf Beziehun- e zu uns berufen. Damit dies völlig klargestellt wird, e ich den Minister Severing gebeten, diesen Dingen b nachzugehen. Der Oberst Nicolai ist sorgfältig beobach- | tat worden, man Hot aber keinen Anlaß gesunden, gegen B ihn etwas zu unternehmen. Er ist ins Ausland ge- k gangen und hält sich, glaube ich, heute noch dort auf.
<ti hat sich bei diesen Plänen um unoerantroort-
Ich habe mir das Wort erbeten, um auf die Erklärung einzugehen, die heute der Vorstand des Iungdeut- schen Ordens abgegeben Hot. Ich habe das Elaborat sorgfältig durchgelesen. Es beschäftigt sich mit den Vorgängen des Jahres 1921, und zwar heißt es do. «nals habe man einen Ueberfalt auf die französischen Befatzungstruppen veranlassen »ollen, und dann wird davon gesprochen, daß im Mit- Mpunft der Aktion ein damals viel genannter General gestanden habe. Mahraun meint, das hätte tr uns mitteilen müssen. Der General, der da gemeint . ist, ist General v. Watte r. Er gehört zu den- senigen Personen, vor denen ich im Jahre 1922 den U Reichstag gewarnt habe, indem ich auf den „Verrückten' hingewiesen habe. (Abg. Ludwig, Soz.: Alfl Wals waren die schon verrückt» Das mar der ®i - Weshalb wir ihn damals gleich nach dem Kapp-Putsch von seinem Kommando a b g e 18 ft und verabschiedet hoben. (Abg. Ludwig: Ich Hobe Ihnen dos in der ersten Rächt im Ministerium schon gesagt!) Ich Hobe ihn auch gleich abgelöstl (Zuruf links: Aber wann!) Sofort natürlich! General Waller ist es allerdings gewesen, der i n - der Aufregung diese Pläne gehabt Hot. Deshalb Hobe ich auch damals im Reichstag gegen diese aktivistischen Pläne aufs schärfste Stellung genommen und Satter aufs sorgfältigste überwacht. (Abg. Ludwig Soz.: llnd den Mann hoben Sie ins Ruhrgebiet geschickt! — t- Segenruf rechts: Ja, er hat das Ruhrgebiet von der Roten Armee gerettet und jetzt erntet er den Dank vom Haufe Geßler! — Minister Dr. Gehler fährt erregt fort:) $Bas General Wotter den Leuten damals vorredete, war
(Ein weltrundschreiben Pius XL
Papst Pius XI. richtet aus Rom vom 18. November eine Enzyklika De asperrima rei catholicae condicione in foederatis Mexici civitatibus an den Episkopat der gesamten Erde, di« im Osservatore Romano Nr. 271 vom 21. November im lateinischen Originaltext enthalten ist. Wir entnehmen der päpstlichen Enzyklika den nachfolgenden Auszug, der soeben in den führenden katholischen Blättern Italiens veröffentlicht wird:
Der Heilige Vater dantt zunächst vor allem für die Gebete, die für die bedrängte mexikanische Nation dargebracht worden sind. Dann ermuntert er, in ihnen fortzufahren, weil, wenn sie bis jetzt eme Besserung der Verfolger noch nicht erlangt hätten, dennoch eine andere großartige Wirkung erzielt hätten: Die bewundernswürdige Standhaftigkeit der Verfolgten. Anschließend beginnt der Papst, den einen oder anderen Punkt besonders auseinanderzusetzen, d. h. sowohl die Zunahme der Ausschreitungen der mexikanischen Regierungsbehörden gegen die Katholiken, wie die Ausdehnung und Festigung des mutvollen, wenn auch ftiedlichen Widerstandes der Katholiken gegen die Feinde ihres Glaubens.
Der Papst erinnert daran, wie die Revolutionen in den letzten Zeiten häufig in Verfolgungen gegen die Religwn ausgeartet sind. Dann prüft er vor allem die Willkürlichkeiten der sogenannten politischen Konstitution des Jahres 1917 und die unerträgliche Erschwernis, die durch die jüngsten noch gehässigeren Gesetze und durch ihre gewalttätige, mit enormen Mißbräuchen bis zur blutigen Tyrannei verknüpfte Anwendung hervorgerufen worden ist. Die Enzyklika macht die hauptsächlichsten Willkürhandlungen dieser Gewaltherrschaft namhaft, die alle durch die sichersten Zeugnisse belegt sind und sich nicht^nur gegen geweihte Orte und Personen, sondern auch gegen alle sich offener zum Katholizismus bekennenden Bürger, die dadurch des Widersttebens gegen die religions- feindlichen Gesetze der Regierenden verdächtig werden, richten. Es ist somit eine Beschreibung, welche die Greuel der schlimmsten Vorgänge aus Verfol- gungszeiten in die Erinnerung zurückruft, nicht ausgeschlossen jene der französischen Revolution, deren Märtyrer der Papst kürzlich zur Glorie erhoben hat, wobei er auch, wie er erllärte, an ihre Nachfolger, die Märtyrer der mexikanischen Revolution, dachte.
Dem düsteren Bilde der Schreckenstaten der Verfolgung setzt der Heilige Vater das Beispiel der Standhaftigkeit der Bischöfe, der Priester und aller Laien und besonders der Mitglieder der katholischen Vereine entgegen, welche von ihm namentlich belobt werden, so die Gesellschaft der Kolumbusrittcr, der Verband zur Verteidigung der religiösen Freiheit, der Verein der katholischen mexi- Ä Jugend, der Bund der katholischen Frauen , die alle in besonderer Weise um di« katholische Kirche und das Vaterland verdient sind. Dann führt der Statthalter Christi die Helden des Glaubens auf und weift mst besonderer Rührung auf die teuren Jünglinge hin, welche, aufgefordert „Es lebe der Verfolger" zu rufen, den Tod vorzogen, und chm mit der Krone in der Hand und mit Lobpreisungen auf Christus den König entgegengingen; ferner auch auf das iwch mehr zu verurteilende Los jener christlichen Jung- ftauen, welche die satanische Wut der Verfolger m den Kerker warf und im Gefängnis den schlimm- sten Unmenschlichkeiten au »setzte.
Endlich erinnert der Papst an die göttlichen Verheißungen des endlichen Sieges und der Unver- gänglichkeit der Kirche inmitten aller auch der zchreckenerregendsten Stürme, und er kommt am Schluß auf die Hoffnung zurück, daß selbst die Verfolger, wenn sie in sich gehen, begreifen lernen, wie sehr das Vaterland und sie selbst der Kirche und der katholischen Religion zu Dank verpflichtet sind, da nur von ihr ausgegangen ist und ausgeht, was es an Gutem, an Gesittung und Fortschritt in den Staaten von Mexiko gibt, die durch die Arbeit der Kirche zunächst von der Habgier der Konquistadoren und dem Widerstand der Eingeborenen gerettet wurden, dann aber bereichert wurden durch den Glanz des Kultus, aller Wohltaten der christlichen Zivilisation, der Institute der Nächstenliebe und der Wohltätigkeit, der Schulen jeder Stufe und jeder Att.
Zum Schluß ruft der Pontifex die Gottes- mutter von Guadalupe an, damit sie die ihr widerfahrenen Beleidigungen vergesse und dem mexikanischen Volke Frieden und Eintracht erflehe, und, wenn jener so schöne Tag noch nicht kommen sollte, für die verfolgten Katholiken die süßesten Tröstungen erlange, und sie im Widerstande gegen die Gesetze festige, welche sie der Freiheit, ihre Religion zu bekennen» berauben.
* Abreise bet k. nigin Marie aus den 11. S. A. Königin Marie von Rumänien hat die Rückreise nach Europa angetreten. Zuvor hatte die Königin noch demamerikanischenVolkeauf radio- telesonischem Wege eine Abschiedskundge- b u n g übermittelt, in welcher sie die Amerikaner auffordert, sich nicht an der alten Welt vollständig zu desinteressieren, denn die „Neue"'und die „Alte Welt" müßten einander verstehen und einander helfen. Die Kundgebung schließt mit den Worten: „Auf Wiedersehen, Amerika, liebes, schönes Amerika!"
3um Tode Kraffins
wird der Frankfurter Zeitung aus London geschrieben: Mit dem unerwarteten Tode Krassins erleidet Rußland einen schweren diplomatischen Der- lüft, denn Krassin war der einzige Vertreter der Sowjetregieruna, der in England eine gewisse An- ertennung erhielt. Nachdem er kürzlich seinen Posten nach langer Abwesenheit von London wieder auf» nahm, sah man hier darin mit Recht einen neuen Versuch, einen Ausgleich zwischen England und Rußland ins Werk zu setzen, und es schien nicht ausgeschlossen, daß Krassin eine Formel fin- ben könnte, um den Widerstand, welchen die Regierung und die City bekanntlich gegen die finan- e' ~t Anerkennung Änvjetrußlands nach wie vor ndet hat, einigermaßen oder wenigstens prinzipiell zuftiedmstellend zu lösen und einer späteren Anleihe sowie einer Neuordnung der Handelsbeziehungen einen Weg zu öffnen. Diese neue Mission Krassins begann freilich unter höchst ungünstigen Umständen, da die Unterstützung Sowjetrußlands für den Bergarbeiterstreik, die über eine Million betrug, st>wke die kommunistischen Umttiebe innerhalb der englischen Gewerkschaften die Stimmung in Regierungs- und City kreisen gegen Moskau neuerdings wieder verschärft hatten. Die ersten Interviews Krassins in London, insbesondere seine Unterredung mit Chamberlain, waren kühl und ergebnislos. Aber man war bet Ansicht, und bie englische Presse spricht bies auch offen aus, baß, wenn überhaupt auf einen Erfolg zu rechnen war. hierfür Krassin der bei weitem geeignetste Mann war, zumal seine Persönlichkeit und fein Auftreten die englischen Ansprüche durchaus zu be- friebigen schienen.
Krassin litt schon seit einem Jahre an einer gefährlichen Blutzersetzungskrankheit,