Einzelbild herunterladen
 

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Für unsere Frauenwelt.

Nr. 266 vom 17. November 1926

Mi Julcfreisslick f

duldet, tyorthoffifäQ

Kinderlieber.

Von Dr. Gustav Hagernann-Münster.

Kinderland — das ist ein sonniger Garten, in dem di« blauen Blumen blühn, in dem er singende Bäum« gibt, Märchen ohne Zahl. Und gleich dem Dichter, dem die Sehnsucht das Lied von der Jugendzeit eingab, tra- gen wir all« in stillen Einkehrstunden ein Heimweh in uns nach jenem seligen Lande, das uns nur einmal offen ' ist und dann für immer verfchlosien wird. Nur den ' Müttern ist es vergönnt, den Weg zu ihm zurückzufin- 1 den, ihnen öffnen sich die Tore nochmals weit, wenn in ihren Kindern die eigene Jugend sie grüßt und ihnen zu­lächelt. Dann beginnt in ihren Herzen etwas zu klingen, M ein längst vergeßener Ton steigt auf, und sie beginnt ein d kleines Lied zu singen, das uns so seltsam lieb und M. traut anmutet. Und bald summen es die Kinder nach, bald — denn die Jahre vergehen ja so schnell — und sin­gen und tanzen sie es auf der Frühlingswiese im Kreise luftiger Gespielen. Singende Kinder — das ist etwas Rührend Schönes!

Freilich will uns Große das Kinderlied oft törWjt und einfältig erscheinen. Wir lächeln Grüber, weil wir uns in unserer erwachsenen Weisheit >ug dünken, und wir geben uns keine Mühe, es zu ver- und uns in seinen Sinn einzuleben. Aber das .. ct)i diese Lieder, das Kind versteht sie, es lebt in J J11;*1 beschäftigt sich mit ihnen nach seiner Weise. , sollten auch wir, vor allem unsere Mütter, sie ennen und durch sie den immer tätigen Geist des Kindes zu verstehen suchen. „Wie trocken und dürr stellen sich manche Leute die Seele eines Kindes vor," ruft Herder «nm« aus; „und was für ein großes und treffliches Z.el wäre mir dasselbe, wenn ich mich je in Liedern die- fer Alt versuchte! Eine ganze, jugendliche, kindliche Seele zu erfüllen, Gesänge in sie zu legen, . . . welch ein Zweck, welch em Werk!" Woran man zu Herders Zei- «n nock nicht gedacht batte, die Kinderlieber zu sam- j

Pommerland ist abgebrannt, Maikäfer flieg!

Dieses Pommerland ist wiederum Hollerland, Holda- land. Es geht eine alte Sage, nach der die Hel- und Feuerriesen einst gegen Wodans hohe Walhall hinauf- ziehen. Die Götter rücken heran, Wodan mit Gollchelm, Brünne und Speer. Doch in dem gewaltigen Kampfe fällt er, und mit ihm alle Götter und Riesen. Der letzte Riese aber schleudert Feuer über sich und die Erde, und „es schwält in Lohe der Himmel", wie es im Muspilli heißt, „der Mond fällt, es brennt der Mittelgarien (die Erde), vom HirnMel fallen die Sterne funkelnd" — Holdaland ist abgebrannt. So leuchtet der große Wel­tenbrand, die Götterdämmerung, mit einem letzten, fah­len Schimmer in das Kinderlieb hinein.

Längst ist der mythische Jnhall der kleinen Lieder vergessen, aber noch immer singt sie das Kind, noch im- mer freut es sich an den Worten und Weisen; es freut sich ja so gern und so leicht, in jener schönen Zeit, die noch nichts weiß und nichts wissen soll von den Sorgen des Lebens, jener Zeit, in der das Bübchen auf seinem Steckenpferd gleich eine große Reise um die Erd« zu machen wähnt:

Hopp, hopp, hopp, zu Pferde!

Wir reiten um die Erde, Die Sonne reitet hinterdrein. Wie wird sie abends müde fein!

Wie wird sie abends müde sein! — Das ist echt kind­lich gedacht. Denn die Phantasie des Kindes, die noch durch keine Erfahrung in ihrem Fluge gehemmt ist, be­lebt und personifiziert die ganze Natur. Und da ist dem Kinde alles gleich bedeutungsvoll. Es singt feine reizenden Grußliedchen an die Sonne und an den Regen:

Regen, Regentröpfchen, Fall mir auf mein Köpfchen! Fall mir nicht daneben.

■ei

Spiele! Bald wird die Arbeit kommen, die hagere, die ernste,

Und der gebietenden Pflicht mangeln die Lust und der Mut,

JJnrtähmo

Vier Arbeitender Idunststopferef

Es behandelt die Tiere als feine besten Spielkame- raden, plaudert mit ihnen, dem Hafen, dem Kuckuck, dem Käfer, dem Raben, spottet ihrer, lacht mit ihnen, al, wären sie seinesgleichen:

Was habt Ihr Gänse für Kleider an, Gigagack?

Wir gehen barfuß alle Zeit

In einem weißen Federkleid.

Gigagack, wir haben nur einen Frack!

Der Phantasie des Kindes ist eben nichts unver­ständlich; weil es alles in den engen Bereich feiner An­schauungen zieht. Die drei strengen Schicksalsfrauen, die die Geschicke des Menschen spinnen und die dunklen Lose des Lebens werfen, macht es zu drei freundlichen, schönen Jungfrauen:

Eine, die spinnt Seide,

Die andere wickelt Weide;

Der dritte schließt den Himmel auf,

Läßt ein bißchen Sonn' heraus,

Läßt ein bißchen drin,

Daraus die Jungfrau Maria spinn Ein Röcklein für ihr Kindelein, Ei so sein, ei so fein!

In diesem duftig zarten Märchen erkennt man die Nornen allerdings nicht wieder; aber was ist dem Kinde denn auch Tod und Leben anders als ein schönes Spiel? Und wer möchte ihm seine unschuldoolle Ahnungslosig. keil nicht gönnen! Schiller, der große Menschenerzieher, hat auch hier Recht, in unseren Tagen mehr denn je:

Spiele, liebliche Unschuld! Noch ist Arkadien um dich.

Und die freie Natur folgt nur dem fröhlichen Trieb

Brahfer

Jülda -Zoh er strasse '16'73 fomruf-Wr

Färberei u chatt fättigunqsdjistdlh 'tls. Empfehle meine mit den neuesten

/araSk — . Wasdiinenu. Apparaten ausgerüstete staubfreie ,c/tem'sdte:'Reinigung «*»

Ich ahn' dich nur . . .

Ich ahn' dir nur, ich kenne dich noch nicht: Mir ist, als ob weit hinter blauen Bergen Ein feiner Glockenton zu mir Herzöge — Derlor'ner Heimat wohl ein Traum, ein Hauch, ein Gruß?

Sag', Herz, bist du die Wiege, drein es sinken muß?

Ich ahn' dich nur und schaue dich noch nicht---,

Aus purpurfarb’nen dunklen Gottesgründen Ward nächstens wohl ein neues Licht entzündet, — Das wandert mir entgegen, stetig, unbeirrt. Bis es das Herze mein erwandert haben wird.

Ich ahn' dich nur und kenne dich noch nicht---,

Ich fühl' nur, wie aus tiefem Wunderbrunnen Ein scheues Kinderhändchen nach mir tastet — Da quillt das Herz mir auf in füßern, bangem Weh, Ich hab dich lieb, wenn ich dich gleich nicht kenn, nicht seh':

Ich hab' dich lieb, mein Kind.

Margart Senne.

von der Trauerkleidung.

Ein kullurgeschichllicher Slreifzug von A. K r u h m, Frankfurt a. M.

„Das Gesetz verpflichtet die Witwen zu einem Trau- erfahr und gewiß ist eine solche Epoche, die den Wechsel aller Dinge in sich begreift, einem fühlenden Herzen nö­tig, um die schmerzlichen Eindrücke eines großen Der- lustes zu mildern," schreibt ein Goethe in „Wilhelm Meisters Wanderjahren". Dieses Trauerjahr verlangt von aliersher für die Witwe als äußeres Zeichen eine besondere Kleidung. Sie ist bei den einzelnen Völkern verschieden, jedoch überall werden bunte Farben und auffallende Formen vermieden.

Als Trauerfarben gelten, vorwiegend bei den Grie­chen und Römern, die dunklen, schwarzen, welche auch die Christen übernahmen, trotzdem viele Kirchenlehrer, wie Cyprian, Chrysostomus dieselben tadelten, weil sie der Hoffnung auf die ewigen Freuden zu widersprechen schienen. Die alten Aegypter trauerten in gelben Klei­bern, di« Argiver in weißen Gewändern, welche auch noch heute bei den Chinesen neben blauen und grauen Kleidern üblich sind. Die Juden verhüllten den Kör­per mit einem groben, sackartigen, in der Mitte gegür­teten Gewände und bestreuten, wie die Griechen das Haupt mit Asche, woher die Redensart „in Sack und Asche trauern* stammt. Man sagt, die verschiedenen Trauerfarben der Völker habe ihre Ursache in den reli­giösen Anschauungen derselben; sv weise das türkische Blau auf die Farbe des Himmels hin, während das Grau, welches Aethiopien als Trauerfarbe bevorzugte, das Symbol des Staubes sei, zu dem der Verstorbene bestimmt ist und das Gelb der Aegypter das sterbende Herbstlaub versinnbildliche. Die äußere Trauer um einen Dahingegangenen zu zeigen, war stets mehr ein Vorrecht der Frau wie des Mannes, der sich damit de- gnügte, in dunklem, einfachen Gewände einherzukom- men.

Die Trauerkleidung der Frau wurde vielfach früher in geschmackloser Weise durch eine überladene Verwen­dung von Krepp, sei es auf Kleibern, Mänteln, Hüten oder als Kreppschleier übertrieben. Heute hat sich die Frau, welche den Verlust eines Angehörigen zu befia» gen hat, zu dem einfach schlichten Schwarz zurückgefun- den, womit sie beweist, daß der tiefe, innerliche Schwaz um das Dahinscheiden eines nahestehenden, llebgew, . neuen Menschen sich gar schlecht mit der ehemals aus. geübten ausfälligen Ausmachung der Witwentracht ver- einbaren läßt.

Sei verschwiegen.

Von Maria N i e ß e n, Odenkirchen (Rheinland).

Diese Mahnung ist nicht etwa nur an die Schwatz- haften gerichtet. Es gibt vielmehr genug Menschen, dir ohne gerade wegen ihrer Redseligkeit und Zungengeläu- figkeit zu den Schwatzhaften zählen, von dem Wahne der Eitelkeit betört, sich durch Mitteilung eines wichtigen Geheimnisses (das sie z^ällig, ober gar in strengstem

Vertrauen, „unterm Siegel der Verschwiegenheit" oder wie sonst immer erfahren hoben) selber wichtig zu ma­chen, förmlich unter der Last ihres Geheimnisses leiden, es preßt ihnen fast das Herz ab, es drückt sie, das vielleicht allein zu wissen, was andere, wenn sie es er­führen, in nicht geringes Erstaunen versetzen würde. Sie können es daher wenigstens nicht unterlassen, bei irgend einer Gelegenheit bemerklich zu machen, daß sie im Be­sitze eines Geheimnisses sind, ohne daran zu denken, daß sie damit schon die eine Hälfte desselben ausliefern. Einige gewandte Fragen reichen bann gewöhnlich hin, daß sie auch andere Hälfte nicht mehr lange behalten.

Nur selten entspricht die Belohnung für derlei ge- heimnisvolle Mitteilungen der anfangs davon gehegten Erwartung, gleichviel ob sie nun in der besseren Mei- nung, höheren Achtung oder in einer sonstigen Aner­kennung derer bestehen soll, denen sie gemacht wurde. Welches Unheil hat schon gedankenloses Ausplaudern, z B. der Familien- oder Geschäftsverhältnisse anderer, die man halb oder ganz erfahren, angerichtet. Dasselbe gilt von den Schwächen und Fehlern der Nebenmenschen Solche Mitteilungen werden in den Augen eines Ver- ständigen immer ein schiefes Licht auf den Sprecher, denn unwillkürlich wird der Hörer an den alten Satz denken: Traue demjenigen nie, der fremde Gebrechen dir aufdeckt; wisse, daß ebenso gern andern er deine verrät.

Db davon eine böse Absicht, ober eine unbebachte Schwatzhaftigkeit ber Grunb gewesen: in ben Wirkun- gen unb Folgen gilt bas ganz gleich. Darum mehr als gehütetes Gelb nützt ein gehütetes Wort!

Krähenfüße.

Wer in ber Damenwelt brächte nicht schwere Opfer, um von Krähenfüßen unb Runzeln befreit zu fein. In der Regel sollen bie Falten unb Linien der Haut eigent­lich erst mit bem 30. Jahre sich zu zeigen beginnen — allein tn den zartesten unb schönsten Gesichtern erschei- nen sie meistens schon viel früher. Das Waschen in nur warmem Wasser ohne kalte Nachspülung, ber Aufent­halt in ungelüfteter, oerborbener unb zu trockener Stu« benluft unb die zu geringe Bewegung in frischer Luft begünstigen das Auftauchen der Runzeln und Falten schon in jungen Jahren. Außerdem begünstigen üble Angewohnheiten junger Mädchen leicht schon in früher Zeit tiefe Falten und häßliche Runzeln. Sie machen leider nur zu oft, bei Arbeiten oder irgendwelchen Be- schwerden verdrießliche Gesichter, legen, um Ernst zu zei- gen, die Stirn in finstere Falten, ziehen die Augen- brauen in bie Hohe, lassen ben Mund hängen, beglei­ten ihr Sprechen unb Tun mit willkürlichem Mienenspiel. Ganz abgesehen bavon, daß das Mienenspiel leicht ver­zerrt und zur Grimasie wird, bringt es jedem Gesicht unfehlbar früh entstellende Falten. Gebildete Men- scheu sollten immer daran denken, daß die Wiederspiege- lung ihres Seelenlebens im Gesicht nur bann wahrhaft ist, wenn sie unwillkürlich erscheint, während durch Ge- sichterfchneiben auch bas holdeste Antlitz zur Fratze ent- stellt wirb. Selbstverstänblich sinb ferner heftige unb (anganbauernbe Erregungen, Leidenschaften, Schmerz, Gram .Sorge und dergleichen die Ursachen früher Höß- sicher Falten. Am allerschlimmsten jedoch wirkt auf das Gesicht das Zusammengehen unb Pressen der Gesichts- muskeln, wenn man von den Sonnenstrahlen belästigt wird» wo das Zusammenkneifen ber Augen tatsächlich keinen Schutz gewährt.

Am frühesten wird das Gesicht um di« Augen, neben dem Munde, dann zunächst an der Stirn von leich­ten, anfangs kaum erkennbaren Linien heimgesucht, aus benen dann bald genug Runzeln, Falten, bunte Krähen- süße werden. Eine Falte ist der Haut, wo es auch sein mag, gar bald eingeprägt Diele Menschen pressen sich „Denkerfalten" gedankenlos in die Stirn, andere ziehen sie bei jeder geringsten Aergerlichkeit kraus, ohne wirk- lich böse zu sein. Wo aber Falten vorhanden sind, las­sen sie sich kaum wieder entfernen; denn ein wirksame, Mittel zur Entfernung ber Runzeln unb Falten ohne den neuzeitlichen operativen Eingriff gibt es nicht. Bei mageren Personen verschwinden die Runzeln zum Teil mit der Zunahme an Körperfülle. Man kann infolgedessen in diesem Falle durch nahrhaftes Esten und Trinken, gu­tes Bier, Kakao unb dergleichen nicht bloß seinen Kör-

vorn, fiermartn ßebetdisch MsMfcfrasseßß

. .färmufffil.

-

(ilk^QKz^o/d-’u

mein, heute liegen sie gedruckt vor, all die kleinen Lied­chen. zarte und liebliche, fröhliche und schelmische, und es gibt ihrer so viele, daß niemand sie ausfingen könnte, daß sie unseren Kindern von früh bis spät ein glückliches Lachen zu bescheren vermöchten.

Wenn man sich einmal näher in diese Art der volks- tümlichen Dichtung einfühlt, ist man überrascht zu er­kennen, welch tiefer Sinn sich oft hinter dem einfältigen Liebchen birgt. Denn oft genug tauchen sie in dunkele Fernen unserer nationalen Vergangenheit, da noch die alten Götter über dem Leben unserer heidnischen Vor­fahren walteten. Damals waren es noch keine Kinder­lieber, fonbem heilige Hymnen zum Preise Wobans unb Donars, zum Preise Frohs, des lichten Himmelsgottes imb Holdas, der milden, hohen Himmelsfrau.

Nach altgermanifchem Glauben wohnte Holda weit hinten im Wolkenbrunnen. Dort warteten bei ihr, in Blütkelchen und auf Büschen — im Holberbusch — bie Seelen ber neugeborenen Kinber, bie ben Anblick der Menschen fliehen. Unsere Kinder aber tanzen unb sin­gen noch heute in fröhlichem Ringelreihn:

Ringel, ränget, reihe, Es sitzen der Kinber dreie, Sitzen auf dem Holberbusch, Sagen alte:

Husch, husch, husch!

Der Storch war ihr Bote, althochdeutsch: Adebar, d. h. Glücksbringer, der den Menschen das lebendige Glück, bie Kinblein aus Holbas heiligem Borne, ins Haus brachte: Noch jetzt bestürmen ihn ja die Kinder mit ihren Bitten:

Storch, du guter, bring mir ’n kleinen Bruder, Adebar, bester, bring ’n kleine Schwester.

Auch das Maikäferlied birgt heidnischen Mythus.

Maikäfer flieg!

Dein Vater ist im Krieg,

Deine Mutter ist im Nommerland. 1

perzuftand, sondern auch feine Schönheit zu verbessern suchen. Aber körperliche Uebersülle macht an und für sich unschön unb begünstigt bie Bilbung tiefer Furchen unb Falten. Zur Vermeibung ber unliebsamen Schön­heitsfehler ist in jebem Falle viel Bewegung in frischer Lust unb fleißiges Waschen mit kaltem Wasser zu emp­fehlen. Dann werben sich auffällige Runzeln erst im vorgerückten Alter einftellen. Kaltes Wasser, das die Haut srisch und elastisch erhält, ist bas sicherste Dorbeu- gungsmitteln unb oft sogar Heilmittel gegen Krähenfüße und Runzeln. W. 6.

Kultur und Küche.

Wenn Friedrich der Große einmal sagte: „Alle Kul­tur geht vom Magen aus," so kann man dieses Wort auch ebensogut umdrehen unb behaupten, baß die Kul­tur den Magen beeinflußt, daß der kulturell hochstehende Mensch nach einer Verfeinerung der Kost verlangt. Jede große Kulturepoche hatte denn auch ihre entsprechende Küche, die bas getreue Spiegelbilb bes Zeitalters war, und es ist eine alte Erscheinung, daß Zunge und (Säu­men um so feiner unb genießerischer würben, je mehr sie eine Kultur in Ueberfultur unb schließlichen Verfall wanbeite. Aus ben Kochbüchern, bie uns aus alten Zeiten erhalten sinb, erkennen wir, mit welcher Sorg­falt man sich in Zeiten ber äußeren Kultur nicht nur ber Zubereitung ber Speisen widmete, sondern auch be­strebt war, neue Speisen, neue Tafelvariationen zu er­sinnen. So stand Roms Kochbuch auf hoher Stufe, während das frühe Mittelalter fein Hauptaugenmerk nicht auf die Güte, sondern auf die Menge der Speisen richtete. Viel mußte auf ben Tischen stehen, ganze Schweine unb Ochsen am Spieß gedreht, unheimliche Mengen Wein kennzeichnen bas Jbeal des mittelalter« lichen Menschen in kulinarischer Beziehung.

Mit der Renaissance kam aber auch für die Küche die große SKanblung. Man begann wieder mit Be­wußtsein zu essen. Die Entdeckung Amerikas vermittelte neue Gewürze, durch den lebhaften Handels- und Reise­verkehr brachten deutsche unb französische Kaufleute Re­zepte aus Italien mit unb halb begann ein eifriges Stubieren, Probieren und Entdecken nicht nur in den Fürsten-, Sibels- unb Patrizierhäusern, fonbem auch im einfachen Bürgerhaus. Ausbruch unb Folgen bes 30- jährigen Krieges machten jeboch ben Anfängen deutscher Kochkunst bald wieder ein Ende, während Frankreich die Kunst des Kochens weiter ausbildete und es verstand, sich bald eine führende Stellung in der Küche zu erwer­ben, die es durch Jahrhunderte behauptete.

Das Rokoko war wohl bie letzte Epoche, deren Küche der Spiegel ber Zeit war. Pasteten in allen Großen, raffinierte Nachspeisen, komplizierte Soßen, zartes Ge- bäck, Ragouts, Eis, Cremes kennzeichnen bie Zeit ber Zierlichkeiten unb ber Koketterie, zugleich aber auch den Auf- und Niedergang einer Kultur. Es war bie letzte, schon kränkliche Blüte der Kochkunst.

Auch die französische Küche lebt heute nur noch von ihren alten Rezepten, auch sie ist erstarrt im Handwerk­lichen, ebenso wie die übrigen Küchen von Ruf. Da jede Kultur einmal in Zivilisation versandet, ist es fein Wunder, wenn in dieser Gegenwart auch unsere Küche nicht nur unschöpferisch, sondern auch verarmt ist. Frei­lich: wir haben Zeiten hinter uns, bie uns nicht gestatte­ten, kulinarische Forberungen zu stellen, aber wenn wir diese Einwände ausschalien, werden wir finden, daß unsere Küche schon vor bem Kriege recht bedenklich zu einem Schema erstarrt war. Ist es verwunderlich, wenn ein Ehemann schlechtgelaunt wird, wenn er, von Werk­statt oder Büro nach Hause kommend, sich immer nur im Kreise von fünf bis sieben Gerichten durch das ganze Leben bewegen kann und darf? Ihm wird es gehen wie jenem Boten, der dreißig Jahre lang täglich zweimal einen Gang durch einen Wald zu machen hatte und, nach Art des Geholzes befragt, nicht wußte, ob es Laub- ober Nadelwald fei; er wird, wenn er das Haus verlaßen hat, schon nicht mehr wißen, was er zu Mittag gegessen hat. Erziehung und das frühe Berufs- leben ber Töchter von heute tragen große Schuld an den Zuständen, wie sie heute in vielen Familien herr­schen, leider sind aber auch Bequemlichkeit und eine gewisse Lieblosigkeit ber Frauen ber Anlaß. Man sieht heute oft bas Kochen als etwas Verächtliches an, bas

bie Frau „nun mal" ausüben muß unb bei bem sie sich gerabe auf bas Notwenbigste beschränkt: bas sollte nicht sein.

Die Frau, bie nicht nur heiratet, um versorgt zu fein, sondern die ihre Aufgabe darin erblickt, um ihre Familie b e sorgt zu sein, wirb erkennen, baß ihr Reich boch auch bie Küche ist. Sie kann den Mittags- und Abendtisch selbst mit den einfachsten Mitteln, aber mit Liebe und Sorgfalt, zu einer Quelle der Anregung, ber behaglichen Stimmung imb gelegentlich sogar ber Festes« ftimmung machen. H. Fredersbors.

Die Frau als Erzieherin.

f. Eigenlob. Es ist eine ber häßlichsten Eigenschaf­ten, wenn ein Kinb schon auf sich selbst ruhmredig ist, seine Talente unb Taten herausstreicht, um sich in ben Vorbergrund zu drängen. Bescheidene Kinder wer­den von jedermann geliebt, und diese Tatsache sollten sich jene kleinen eitlen Frätzchen merken, anstatt zu prah­len und sich vorzudrängen. Leider sind Eltern oft selbst daran schuld an diesen unliebenswürdigen Eigenschaften. Sie bewundern ihre Kinder öffentlich und machen sie eitel und unbescheiden Ein Kinb braucht Stille, um sich zu entfalten, und sparsames aber gerechtes Lob.

Die Frau als Hausarzt.

f. Daß schnelles Essen zu allerhand Magenkrankheiten Veranlassung geben kann, ist allgemein bekannt. Neuer- bingj ist nun aber feftgeftellt, daß die Reizung der Ma­genschleimhaut sich durch Reflexwirkungen seitens des Nervensystems auf die Haut fortsetzen können. Beobach­tet wurden bei Schnellessern außer Magenschmerzen Hautjucken, Schweißausbruch, Haarausfall. Nachdem sich die Patienten das hastige Essen abgewohnt hatten, ließ das Leiden schnell nach. Die Kranken erhielten das Eßen in mäßigen Mengen unb würben angehalten, bie Speisen gut zu tauen.

Die Frau in der Mche.

f. Gebackene Rudeln. Man bereitet einen Nudelteig aus einem großen Stückchen Butter, zwei ganzen Eiern und einer Dotter, einer Prise Salz und soviel Mehl, als zu bem Teig erforderlich ist. Dann treibt man ihn mit Vorsicht so dünn wie möglich aus, zerschneidet ihn in fingerbreite Nudeln unb bäckt biefe in heißem Schmalz gelbbraun. Man reicht eine Weinsäure bazu.

Praktische winke.

f.Wollstrünipfe, bie beim Wal hrn jufammengegan« gen sinb, werben in einer Lauge von einem Eimer lauen Wassers unb brei Eßlöffel Salmiakgeist eingeweicht, ge­rieben unb geklopft. Nach 2—Smaliger Wieberholung bes Verfahrens in frischer Lauge werben bie Strümpfe in reinem Wasser gespült unb über einer hölzernen Strumpfform getnxfmi. Die berart präparierten Woll« ftrümpfe passen bann wieder vorzüglich unb fpenben bie im Winter so angenehme Wärme, ohne den Fuß zu be­lästigen.

f. Kartoffeln feilten immer in einem nur für diesen Zweck bestimmten Topf gekocht werben, da ihr guter Ge­schmack sonst beeinträchtigt wird. Am besten ist ein Topf aus verzinntem Weißblech zum Kartoffelkochen ge­eignet.

Bücher für Frauen.

Im Verlag W. Vobach u. Co. G. m. b. H., Berlin- Leipzig, ist als Einzelheft Nr. 204 ein Büchlein von Ger­trud Schmerse erschienen: „wie schneidere Ich für meinen ITlann?“ (Preis 1,50 M.) An Hand einer großen Anzahl Illustrationen wird der schneidernden Hausfrau das Maßnehmen und Zufchneiden, Wattieren und Füt­tern, Anprobieren, Aufbügeln ober Wenben unb Aus- bessern von Herrengarberobe gezeigt, so baß biefes kleine Lehrbuch jeder Frau, die mit ihrem Wirtschaftsgeld rech­nen muß, ein treuer Helfer beim Unfertigen ber Garbe- robe für ihren Mann ist.

W‘ ungesalzen erhalten Sie stets frisch

rTöR in bester Qualität ira^

xfltams&fiiarfs my'QQ leipiStrAI-RorlstrJi LindenstrSh