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Anzeiger für die Stadt und den kreis Fulda. Amtliches kreisblatt.

Nr. 265.

Erscheint sechsmal wöchentlich Wochenbeilage: .Illustrierte Beilage" und „Buchenölätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

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Dienstag, 16. November 1926.

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Europäische Grenzen.

Von Dr. Julius Rud. Kaim.Konstantinopel.

Don Zeit zu Zeit — so anläßlich des Paneuropa- g < Kongresses — drängt sich dem Kulturpolitiker die Frage auf: Wo beginnt, wo endet Europa. Nicht jrrritcf) das geographische, sondern das politische, das kulturelle Europa!

Dem Reisenden, der Süditalien oder die Do- brutscha oder die Balkanstaaten bereist, werden sich oft Vergleiche zu „Europa" aufdrängen; er wird eine gewisse Zivilisation und Kultur vermissen, die sich nicht allein in guten Fahrwegen, Eisenbahnen der dem Vorhandensein eines Theaters ausdrücken In dieser Hinsicht ist es recht interessant, die Be­wohner des nahen Orients über Europa sprechen zu hören und sestzustellen, was sie darunter ver­stehen. Man kann dann feststellen, daß fie Nord- und Mitteleuropa stets europäisch empfinden. Ita­lien erscheint ihnen schon als äußerster Ausläufer, als eine Art levantinischen Vorlandes, Spanien rechnen sie fast nie, den Balkan, das aanze heutige Iuaflawion überhaupt nicht, die Tichschoslowakei dagegen sicher dazu. Die Ostsee-Randstoaten, mit denen sie ganz vage Begriffe verbinden, sind ihnen zu fern, um in den Rahmen ihrer Betrachtunoen eingeschlossen zu werden, Volen beginnt erst sich ihnen als selbständiges Gebilde vorzustellen.

Diese Vorstellungen und Beoriffe sind durchaus nicht so kindlich oder a"s der L»ft gearisfen, wie sie vielleicht im ersten Auaenblick scheinen. Ver­gessen wir doch nicht, daß erst in jüngster Zeit uns in Deutschland ein > neue Idee d->r * f n :t i f c’’ c n Kulturart entstanden ist. daß wir bis vor weni­gen Jahren, ja in großen Kreisen der Gebildeten bis heute, die Anschauung hatten, Spanien f»i in seiner europäischen „Entwicklung' zurückgeblieben, lebe ein L»ben Hi' litt;, träume vor vergangenen Seiten. (Daß triefe grundfalsche Vorstellung von Spanien vor dem Krieae in Deutschland allgemein verbreitet war. ging auf untere sog-nannten Gebil­deten zurück, die ein katholisches Land non vorn­herein für inferior erklärten und hartnäckig lächelnd von dem Standpunkt „Uns kann keiner" auf die Spanier herabblickten. Die Schriftleitung.s. Und Portugal erscheint auch den meisten Deutschen als & ein euronöifdier Randstaat, mit dem man als Ko- ? lonislwackit wohl zu rechnen habe, das man als ei- oennirfjer, Europa aber für beschränkt ansehen dürfe. Fraat man dann nach einer Dearündung dieser Anschauung, so wird man die verschied»nst-n Auworten erhalten, die aber alle auf eine Grund- ibee zurückzuführen sind: Dief-s Land tut zur Er- Haltuna der Kultur und «'m Fortschritt der Zivili­sation so gut wie aar nichts.

Daraus scheint sich doch zu ergeben, daß der Europäer, den der Orientale als solchen ansieht, selbst eine ähnliche Einstellung Hat, daß er also lebten Endes Europa als einen Kulturbegrif empfindet und auffaßt. fWer sich aber die Grenz­gebiete des bentiaen aeogranhifchen Europas an» sieht, wird leicht feststellen können, daß die Gren­zen wenig genug zu tun haben brauchen. Viel- leicht wird dies am beutfichfbn, wenn ich zur Be- leuchtuna das mir am nächsten liegende Gebiet, die Türf-’i. als Beispiel beranziehe.

Rur Fanatiker werden dem gebildeten und ge- schulten Konstantinopler Türken und f-inen. freilich w-niaer zahlreichen, anatolifchen Genosien die „Würde" eines Europäers abfvrechen. aurfi wenn er selbst sich fast nie als Europäer fühlt. Denn er hat ein eigenartig ausgeprägtes Gefühl für die Ueberganasst-lluna. die er einnimmt, er weiß, daß t feine wissenschaftlichen Inst't,,te. feine fechnifrh»n Einrichtungen alle europäischer Abstammung sind, k weiß, daß ein großer Tess der neuen fastal-n Ent- ‘ wicklung des Landes eine ungeahnt» Annäherung an Europa darstellt, weiß aber auch, daß die ei­gentliche Volksseele nicht entfernt abendländischer Struktur ist. Würde man ihm sein wenn auch Halbes Zugehöriqkeitsaefühl zu Europa nehmen, so nähme man »hm heute die Stühe 'eines nickst fest verankerten Ichs und böte ihm den Raum zwischen Zwei Stühlen als Sitzgelegenheit an: denn aurh zum eigentlichen Osten gehört er ja nicht. Zu diesem aber gehören gerade trieieniaen Volksfeste, die für die stgatswirtfchaftliche Enlwickluna des Lande« in absehbarer Zeit kaum in Frage kommen werden, die M a s s e der Türken auf europäischem unh klein- asiatilchem V»den, die Kurd»n und anhenm Stämme des inneren Anatolien«. Ohne den festen kulturel­len Anschluß an den Westen nähme man dem auf« bai!befähiaten_ Türfen die Gelegenheit de« A»f- baus oder mürbe ihn in Bälbe zum abhänainen Sllanen Rußlands wachen. Denn so ist es mit ihm bestellt: sein Welen ist. wie bas seiner Brüder und 5)ettern im Land, felbstnerständlich moraenländiich, i sein Wille, fein auf inhinihueder Erkenntnis ru- | Hend"« Str»hen aber europäisch.

Wozu also soll man diese« Land, ober besser, U wozu soll man feine geistig führenden Menichen Mrechnen? Wo läuft der Grernstrtch zwifchm Eu- i^ropa und Asien innerhalb der Türkei? Die Frage wird komplizierter und wird aus dem Rahmen theoretischer Erörterung Zur praktischen Melhode Gebangt, wenn man sich bie kleiggsiatifche Türkei tn. 'hrer Zulamnumseßuna näher betrachtet. Man ^ird nämlich festst-'llen können — und damit ist

* rtfd)cfr:j p Seile d<" ar stger Vrohlewe be- c uL sie überhaupt keine g »schlossen» Ein- Heit darstellt. sondern in mindestens Zwei große kul­turelle und^ wirllcbastljche Abschnitte zerfälll. non Denen der eine, den wir — obwohl dos oberflächlich ist Den westlichen nennen wollen, auch schon heute euronc!'chen Method-n zugänglich wäre, wäh­rend der östliche. der im Norden durch den Kauka- 'us' V? ? <n ^"''^.die Grenzen gegen Persien und ’en kfrak begrenzt royb. weit davon entfernt ist, ils Wlttichaftsgeblet im europäischen Sinne heute

Ein Sonntag der ü

ahlen.

Gemeindewahten in Sachsen.

Bei überaus warmer regnerischer Witterung wurden am Sonntag in ganz Sachsen die Ge­meinden- und Stadtverordnetenwah­len vorgenommen. Soweit Nachrichten vorliegen, ist der Wahlakt ruhig und ungestört verlaufen. Tie Wahlen haben vielfach eine Verschiebung nach Links ergeben. So wird aus Meißen, wo bisher eine bürgerliche Mehrheit vorhanden war, ein Verhältnis von 20 Linksstehenden zu 17 Rechtsstehenden gemeldet. In Dresden ist das endgültige Wahlergebnis folgendes: Sozialdemo­kraten 26 Mandate, Deutsch-Nationale 9, Deutsche Volksparte! 10, Kommunisten 10, Mrtsckiaftsgruppe 6, Demokraten 5, alte sozialdemokratische Partei 3, Zentrum 1, Hausbesitzer .3, Volksrecht und Auf­wertung 2. Insgesamt wurden 36 Rechtsstehende, 36 Linksstehende und 3 Altsozialisten gewählt. Bis­her waren in der Stadtverordnetenversammlung 44 Bürgerliche und 31 Sozialdemokraten und Kom­munisten vertreten.

Auch in Leipzig und Chemnitz haben die Sozial- Demokraten und Kommunisten die Mehrheit er­halten.

vürgerschaftswcchlen in Lübeck.

Aufgrund der am Sonntag getätigten Bürger­schaftswahlen in Lübeck setzt sich die neue Bürger­schaft zusammen aus:

Sozialdemokraten 35 (bisher 28), Kommunisten 5 (10), Demokraten 2 (7), Haus- und Grundbesitzer­verein 0 (3), Aufwertungspartei 1 (0), Zentrum 1 (0) Hanseatischer Volksbund 36.

Die Wahlbeteiligung betrug rund 86 Prozent gegenüber 87,3 im Jahre 1924.

Wahl in Kiel.

Bei der am Sonntag getätigten Wahl des be­soldeten Stadtrats von Kiel erhielt der sozial­demokratische Rechtsrat Dr. Hoffmann-Kaisers« lautern 35843 und der Stadtsynd kus Dr. Löwe- Kiel, der Kandidat der Bürgerlichen, 31468 Stim­men. Dr. Hoffmann (Soz.) ist somit gewählt.

Wahlen in Vaden.

Die Stadtverordnetenwahlen in Baden haben bei außerordentlich geringer Wahl­beteiligung (ca. 35 Prozent) eine wesentliche Ver­änderung der Sitzverhältnisfe nicht gebracht.

Aus Mannheim wird folgendes amtliches endgültiges Ergebnis gemeldet. Nach dem erst um 1,30 Uhr nachts amtlich festgestellten Endergebnis haben bei den Gemeindewahlen erhalten: Sozial­demokraten 21442 Stimmen, Unabh. Soz. 916,

oder morgen angefprochen werden zu können. Die­ser östliche Abschnitt stellt die. ausgesprochene asia­tische Türkei dar, er ist ein ganz anderes Land, mit Menschen anderer Weltanschauung, andersge­arteter Fähigkeiten, grundverschieden vom westli­chen Abschnitt. Und trotzdem behandelt die türkisch» Regierung beide Abschnitte gleichzeitig, behandelt etwa nicht den einen als Kernlandland, den an­deren als angeschlossenes Kolonialland, sondern fühlt sich als Gebieterin eines durchaus einigen Reiches. Der weitaus größte Teil des Ruches hat aber mit Europa in unserem Sinne wenig zu tun, ist so asiatisch in seinem Wesen, daß es absurd erscheinen könnte, ihn nur um der west­lichen Städte und Menschen wegen in ein geeintes Europa irgend einer Form einschließen zu wollen. Genau so absurd aber müßte es erscheinen, wenn Konstantinopel, Smyrna, ja Angora kulturell im Sinne eines geeinten Europa nicht zu diesem ge­rechnet würden.

Man kann aus diesen kurzen Hinweisen die Schwierigkeiten erkennen, die sich dem der euro­päischen Grenzfrage Nähertretenden bieten. Denn im Grund zeigen Rumänien und Bulgarien, viel­leicht auch manche Teile Süditaliens ähnliche Pro­bleme, wenn sie sich auch nicht so klar und kraß darstellen wie in diesem Falle. Gerade tn den letz­ten Monaten hat sich aber außerdem gezeigt, daß derartige Gedankengänge keine müßigen lieber- fegungen sind. Denn was hier Theorie scheint, ist bis zu gewissem Grade bereits Praxis dadurch geworden, daß die Türkei tatsächlich auch politisch vor der Grundlage steht, ob sie sich zu Vorderasien unter der Führung Rußlands ober zu Europa rech­nen soll, ob sie ihre Stützpunkte beim Genfer Völ­kerbund oder bei der Sowjetregierung in Moskau suchen soll; wobei vielfach die Frage erörtert wurde, ob nicht die natürliche Stellung des Landes heute gerade eine Mittlerstelle gebietet, eine Rolle, die zwar sehr ideal, aber wenig erfreulich und in prak­tischer Beziehung höchst unerguicklich sein könnte.

Die Grenzen Europas, das wird man nach alle­dem schon äpaeben müssen, sind sehr verschwommen und lassen sich nur kultur- und wirtschaftspolitisch bestimmen. Aber auch die« ist heute unmöglich Und wird uns unmö"lich bleiben, bis Europa weiß, was es eigentlich will, das beißt, was es eigentlich ist und vorstellt Unzweifelhaft ist sie der Maß­stab der Grenzbest'mmung. Da aber, wo sie beute nicht zu treffen ist. braucht Europa nicht aufzu­hören: es kann Gebiete geben, die sich im Laufe der Zeit ar« völlig „europareif" ergeben, es kann aber auch G-biete geben, die Heute fo erscheinen, in Wirtlichkeit iedoch m»it davon entfernt sind, es je werden zu können. D»nn di»s scheint der Kern­punkt zu fein: die europäifrfie Kultur bedingt eine ganz bestimmte psnchifche Struktur als Voraus- fetzuno für ihre AnHäno-r, sie bedingt eine ganz klare Erkenntnis vom Wesen des abendländischen

Zentrum 10861, Deutsche Dolkspartei 9022, Wirtschaft!. Vgg. 3835, Demokraten 4796, Deutsch- nationale 2136, Kommunisten 10 184, Ebristl. So­ziale Reichspartei 931,'Reichspartei für Dolksrecht und Aufwertung 1488, Deutsche Aufwertungspar­tei 593 Stimmen. Ungültig waren 2199 Stimmen. Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen 68 403. Wahlbeteiligung etwa 45 Prozent.

Endgültiges Ergebnis aus Heidelberg: Sozialdemokraten 20 Sitze (21), Kommunisten 10 C9), Deutsche Volkspartei 9 (12), Zentrum 14 (14), Demokraten 9 (12), Vereinigte Bürgerliche Gruppe 18 (16), Aufwertungspartei 4 (0).

In Karlsruhe erhielten Zentrum 19, So­zialdemokraten 24, Kommunisten 6, Demokraten 5, Deutsche Volkspartei 12, Deutsckmationale Volks­partei und Vaterländisch» Verbände 9, Reichsngr- tei für Aufwertung 5. Wirtschaft!. Vgg. 3, Wirt- chgttijche Gruppe 1 Mandat.

IDabl in polmsch-OHerschlesien.

Aus Kattowitz wird über den Ausgang der am Sonntag peranftatteten Wahlen zu den Gemeinde- Vertretungen in Ost-Oberschlesien gemeldet: Es kann mit einem großen Erfolg verdeutsch en Listen bei den Gemeindewahlen in Ost-Oderschle- fien gerechnet werden. In Kattowitz zum Beispiel konnte sich in 23 von 41 Bezirken die deutsche Wahl­gemeinschaft nicht weniger als 11173, das heißt über 50 Prozent der abgegebenen Stimmen sichern. Dazu kommen noch 1600 Stimmen der deutschen Sozialdemokraten. Die zweitstärkste Liste, der Korfantyblock, hat nur 3961 Stimmen auf sich ver­einigen können. Aus den übrigen Kreisen werden gleiche Erfolge gemeldet. Es wird damit gerech­net, daß nach vorsichtiger Schätzung die deutschen Parteien mindestens 50 Prozent aller ab« gegebenen Stimmen für sich werden buchen können. *

lieber das Ergebnis der Gemeindewahlen in Oberschlesien wird weiter berichtet: In 16 von 24 Gemeinden des Kreises Kattowitz erhielten die Po­len 120 Mandate und die Deutschen 48, in 12 von 16 Gemeinden des Kreises Schwientochlowitz er­hielten die Polen 67 Mandate und die Deutschen 74, in Königshütte-Stadt erhielten die Kommuni­sten 2, die polnisch-sozialistische Partei 3, die deut­schen Sozialisten 6, die deutsche Partei 32, der Korfanty-Block 11 Mandate.

Wahlen in Bulgarien.

Aus Sofia wird gemeldet: Der Wahltag in Bulgarien ist in vollster Ruhe und Ordnung ver­lausen. Weder in der Hauptstadt, noch in her Pro­vinz haben sich Zwischenfälle ereignet. Die Wahl­ergebnisse werden erst später bekannt werden.

Menschen. Nur wo dieser abendländische Mensch zu finden ist oder wo er herangebildet werden kann, wird die europäische Kultur Fuß fassen. Und nur so, durch die Moglichkeitsarenzen dieser Sulfur, können die wahren Grenzen Europas und der Eu­ropäisierung gefunden werden.

Ob man mit einer kulturellen Hochzüchtung in diesem Sinne den Menschen jener Staaten et­was besonderes Schones als Geschenk darbringt, ob sie dieselben Vorteile daraus ziehen würden wie ihre Staaten — das bleibt freilich eine andere Frage.

Die Zusammenkunft von Odessa.

Nus Odessa wird gemeldet: Tschitscherin und Tewfik Ruschdy B-y gaben einen Bericht au?, der besagt:

Der Minister der türkischen Republik Tewsik Ruschdy Bey und Volkskommissar des Auswärtigen Tschitscherin erwogen die beiden Regierungen ge­meinsam interessierenden Fragen. Sie stellten fest, daß keine einzige Frage die Richtung der Politik beider Staaten ändern und die zwischen ihnen be­stehenden Beziehungen stören könne, dgß e§ heute wünschenswert fei, diese Beziehungen noch enger und herzlicher auSzubaiien und das; die Befestigung dieser Beziehungen für den Weltfrieden äußerst wich­tig sei.

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DoS rumänische Parlament ist am Sonn­tag eröffnet worden. Der König erwähnte in feiner Thronrede die Erneuerung der Verträge mit Polen, die grundlegenden und unantastbaren Abmachungen mit der Tschecho-Swwakei und Jugoslawien. Die Außenpolitik fei bekräftigt wo-den durch die schieds­gerichtliche Schlichtung von Streitigkeiten mit Frank­reich. Rumänien habe auch einen FreundschastZver- trag mit Italien unterzeichnet und der Befuch des Herwgs von Toledo und des Marschalls Badoglio basten einen erwünschten Anlaß geboten, um bie Empfindlichkeiten traditioneller Brüderlichkeit der lateinischen Nationen kundzutun. Auch England habe Rumänien seine Wertschätzung gezeigt. Die Thron­rede kündigt sodgnn Gesetze über innere Ange­lege n h eit e n an.___________________

Halbsten in Parts.

Aus Paris wird gemeldet: Etwa neun bis zehn Faschisten sind, wie Havas berichtet, am Sonntag abend in dem Gebäude der „Action Francaise" er­schienen, begaben sich in das zweite Stockwerk und verlangten, empfangen zu werden.

Es entspann sich eine lebhafte Diskussion. Die Faschisten zerschlugen einige Fensterscheiben. Mit­glieder der „Action Francaise" gaben einige Revol­verschüsse auf die Faschisten ab, wobei ein Faschist verwundet wurde. Die Faschisten ihrerseits er­widerten das Feuer und zoaen sich bann unter Mit­nahme ihres verwundeten Kameraden zurück. Eine Untersuchung ist eingeleitet.

Der Aufstand auf Zava.

Die kommunistische Bewegung in Java, von der hier am Samstag berichtet wurde, wird geistig von den rnailaiischen Studenten geführt, die auf holländische Staatskosten in Lenden unterrichtet wurden. An sich wenig einflußreich, wird ihre Or­ganisation, der „Sarikat Rejat", von der mächti­gen malaiischen Organisation „Sarikat Islam" ge­stützt, welche die U n ab h ä n g i g k e i t Javas, Su­matras, Borneos und Celebes von der holländi­schen Kolonialherrschaft anstrebt. Der Führer die­ser letzteren Bewegung, der eingeborene javanische Prinz Djokro Aminotrv, bedient sich der kommuni­stischen Bewegung für die — an sich bürgerliche — Freiheitsbewegung.

In der Sitzung des niederländisch-indischen Volksrats gab der Regierungsvertreter Sckiri»ker eine Erklärung ab, in der es u. a. beißt: Die Re­gierung ebenso wie der Volksrat stehen unter dem Eindruck der kommunistischen Anschläge, die in Ba­tavia und anderen Orten des Landes sich ereig­neten. Die Regierung, die zwar im Augenblick noch über keine eingehenden Informationen ver­fügt, legt Wert darauf zu erklären, daß zu ernsten Besorgnissen fein Anlaß besteht. Dank der so­wohl von den europäischen wie von den eingebore­nen Behörden ergriffenen Maßnahmen beherrscht die Regierung die Lage vollständig. Die Reoie- rung wird auch vor keiner Maßnahme zurück- fchrecken, die sich zur vollständigen Wiederher­stellung der Ruhe und Ordnung als not­wendig Herausstellen sollte.

Politische Schlägerei.

Sonntag vonnittag kam es in Neu-Kölln an mehreren Stellen zu Schlägereien zwilchen An­gehörigen des Reichsbanners, Kommunisten und Nationalsozialisten. Die Nationalsoziali­sten hatten sich zu einem Demonstrationszug ver­sammelt. Als von allen Seiten Personen, nament­lich Kommunisten, hinzuströmten, tarn es zu auf­reizenden Reden, die bald zu schweren Schlägereien führten, bei denen von Wurfgeschossen, Totschlä­gern, Stocken und Pistolen Gebrauch gemacht wurde. Auch Angehörige des Reichsbanners be­teiligten sich daran. Die Schutzpolizei muhte ver­stärkt werden, um die Streitenden zu trennen. 13 Personen wurden festgenommen und dem Polizei­präsidium zugeführt. Ein Nationalsozialist, den bie Kommunisten aus einem Straßenbahnwagen herausgegoaen hatten, wurde ins Krankenhaus mit Rippenbrüchen eingeliefert, während verschiedenen anderen Personen Notverbände angelegt wurden.

v. Tirpitz und die Weltgeschichte.

In der Doss. Zeit, veröffentlichte her amcrU kcmische Berichterstatter Karl E. v. Wiegand feine Version eines Gesprächs mit Charleville am 21. 11. 1914 über den uneingeschränk­ten Il-Bootkrieg. Diese Unterredung, die am 22. 12. 14 in Amerika veröffentlicht wurde, führte bekanntlich zum Sturze von Tirvitz und zum Ein­tritt Amerikas in den Krieg. Wiegand stellt diese seine Darstellung von dem Interview derjenigen von Tirpitz in dessen neuem Buche „Deutsche Ohn- machtspvlstik im Weltkrieg" gegenüber. Tirpitz sagt in _ seinem neuen Buch: Der Berichterstatter v. Wiegand erhielt nach eigener Angabe das Inter­view am 29. November von mir mit der Weisung, es im Auswärtigen Amt vorzulegen und mit dem stritten Auftrage, es nur mit Geneh­migung des Auswärtigen Amtes der Presse zu geben.

Demgegenüber stellt v. Wie«Md fest, daß er niemals solche Angaben gemacht habe, das der deutsche Marinestaatssekretär ihn angewiesen habe, das Interview dem Auswärtigen Amte vorzu­legen oder die Billigung des Auswärtigen Amtes zu ferner Veröffentlichung nachzusuchen. Der Groß­admiral v. Tirpitz habe gewußt, daß das Inter- View Selbmann Hollweg und dem Auswärtigen Amte nicht vorgelegt werden würde, ehe er es nach Amerika sandte, daß das Interview mit dem Stempel des Marinezensors versehen nach Holland gebracht und von dort durch amtlichen Kurier nach London geschickt wurde.

Katalonien.

Neue Verhaftungen in Barzelona.

Wie HovaS auS Barzelona meldet, hat die Polizei etwa 15 Syndikalisten und kata'onische Separatisten, darunter den Führer der Syndikalisten Angel Peftana und den Kata'onier Dr. Iacq es Aguade, verhaftet. Die Berbafteten sollen in Be- Ziehungen zu dem in Perpignan aufgedeckten separa- tistischen Komplott stehen.

Oberst Maria und Garibaldi in Haft.

Oberst Macia und Garibaldi sind nunmehr regel­recht in Haft aenommen und in das Unteriuchungs- gefängnis in Pa^is eingeliefert worden. Beide haben bereits ihre Bei leidiger bezeichnet, Garibaldi den ehemaliaen Abgeordneten Andrö Hesse, ehemaliger Kolonialminister und Mac;a den der kommunistischen Partei nahestehenden Rechtsanwalt Tocres.

•

Nach Meldungen aus Perpignan ist einer de, verhafteten katalanischen Verschwörer, bie nach Paris gebracht werden wollten, verschwunden. Nack Abreise der übrigen 27 nach Varis hat man den 87 noch in der Perpignauer Kaserne verbliebenen Teil- nehmern der Bewegung an getönt) tat, daß sie aus. gewiesen werden würden.