Anzeiger für die Stadt und den kreis Fulda. Amtliches kreisblatt.
Nr. 265.
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Dienstag, 16. November 1926.
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Europäische Grenzen.
Von Dr. Julius Rud. Kaim.Konstantinopel.
Don Zeit zu Zeit — so anläßlich des Paneuropa- g < Kongresses — drängt sich dem Kulturpolitiker die Frage auf: Wo beginnt, wo endet Europa. Nicht jrrritcf) das geographische, sondern das politische, das kulturelle Europa!
Dem Reisenden, der Süditalien oder die Do- brutscha oder die Balkanstaaten bereist, werden sich oft Vergleiche zu „Europa" aufdrängen; er wird eine gewisse Zivilisation und Kultur vermissen, die sich nicht allein in guten Fahrwegen, Eisenbahnen der dem Vorhandensein eines Theaters ausdrücken In dieser Hinsicht ist es recht interessant, die Bewohner des nahen Orients über Europa sprechen zu hören und sestzustellen, was sie darunter verstehen. Man kann dann feststellen, daß fie Nord- und Mitteleuropa stets europäisch empfinden. Italien erscheint ihnen schon als äußerster Ausläufer, als eine Art levantinischen Vorlandes, Spanien rechnen sie fast nie, den Balkan, das aanze heutige Iuaflawion überhaupt nicht, die Tichschoslowakei dagegen sicher dazu. Die Ostsee-Randstoaten, mit denen sie ganz vage Begriffe verbinden, sind ihnen zu fern, um in den Rahmen ihrer Betrachtunoen eingeschlossen zu werden, Volen beginnt erst sich ihnen als selbständiges Gebilde vorzustellen.
Diese Vorstellungen und Beoriffe sind durchaus nicht so kindlich oder a"s der L»ft gearisfen, wie sie vielleicht im ersten Auaenblick scheinen. Vergessen wir doch nicht, daß erst in jüngster Zeit uns in Deutschland ein > neue Idee d->r * f n :t i f c’’ c n Kulturart entstanden ist. daß wir bis vor wenigen Jahren, ja in großen Kreisen der Gebildeten bis heute, die Anschauung hatten, Spanien f»i in seiner europäischen „Entwicklung' zurückgeblieben, lebe ein L»ben Hi' litt;, träume vor vergangenen Seiten. (Daß triefe grundfalsche Vorstellung von Spanien vor dem Krieae in Deutschland allgemein verbreitet war. ging auf untere sog-nannten Gebildeten zurück, die ein katholisches Land non vornherein für inferior erklärten und hartnäckig lächelnd von dem Standpunkt „Uns kann keiner" auf die Spanier herabblickten. Die Schriftleitung.s. Und Portugal erscheint auch den meisten Deutschen als & ein euronöifdier Randstaat, mit dem man als Ko- ? lonislwackit wohl zu rechnen habe, das man als ei- oennirfjer, Europa aber für beschränkt ansehen dürfe. Fraat man dann nach einer Dearündung dieser Anschauung, so wird man die verschied»nst-n Auworten erhalten, die aber alle auf eine Grund- ibee zurückzuführen sind: Dief-s Land tut zur Er- Haltuna der Kultur und «'m Fortschritt der Zivilisation so gut wie aar nichts.
Daraus scheint sich doch zu ergeben, daß der Europäer, den der Orientale als solchen ansieht, selbst eine ähnliche Einstellung Hat, daß er also lebten Endes Europa als einen Kulturbegrif empfindet und auffaßt. fWer sich aber die Grenzgebiete des bentiaen aeogranhifchen Europas an» sieht, wird leicht feststellen können, daß die Grenzen wenig genug zu tun haben brauchen. Viel- leicht wird dies am beutfichfbn, wenn ich zur Be- leuchtuna das mir am nächsten liegende Gebiet, die Türf-’i. als Beispiel beranziehe.
Rur Fanatiker werden dem gebildeten und ge- schulten Konstantinopler Türken und f-inen. freilich w-niaer zahlreichen, anatolifchen Genosien die „Würde" eines Europäers abfvrechen. aurfi wenn er selbst sich fast nie als Europäer fühlt. Denn er hat ein eigenartig ausgeprägtes Gefühl für die Ueberganasst-lluna. die er einnimmt, er weiß, daß t feine wissenschaftlichen Inst't,,te. feine fechnifrh»n Einrichtungen alle europäischer Abstammung sind, k weiß, daß ein großer Tess der neuen fastal-n Ent- ‘ wicklung des Landes eine ungeahnt» Annäherung an Europa darstellt, weiß aber auch, daß die eigentliche Volksseele nicht entfernt abendländischer Struktur ist. Würde man ihm sein wenn auch Halbes Zugehöriqkeitsaefühl zu Europa nehmen, so nähme man »hm heute die Stühe 'eines nickst fest verankerten Ichs und böte ihm den Raum zwischen Zwei Stühlen als Sitzgelegenheit an: denn aurh zum eigentlichen Osten gehört er ja nicht. Zu diesem aber gehören gerade trieieniaen Volksfeste, die für die stgatswirtfchaftliche Enlwickluna des Lande« in absehbarer Zeit kaum in Frage kommen werden, die M a s s e der Türken auf europäischem unh klein- asiatilchem V»den, die Kurd»n und anhenm Stämme des inneren Anatolien«. Ohne den festen kulturellen Anschluß an den Westen nähme man dem auf« bai!befähiaten_ Türfen die Gelegenheit de« A»f- baus oder mürbe ihn in Bälbe zum abhänainen Sllanen Rußlands wachen. Denn so ist es mit ihm bestellt: sein Welen ist. wie bas seiner Brüder und 5)ettern im Land, felbstnerständlich moraenländiich, i sein Wille, fein auf inhinihueder Erkenntnis ru- | Hend"« Str»hen aber europäisch.
Wozu also soll man diese« Land, ober besser, U wozu soll man feine geistig führenden Menichen Mrechnen? Wo läuft der Grernstrtch zwifchm Eu- i^ropa und Asien innerhalb der Türkei? Die Frage wird komplizierter und wird aus dem Rahmen theoretischer Erörterung Zur praktischen Melhode Gebangt, wenn man sich bie kleiggsiatifche Türkei tn. 'hrer Zulamnumseßuna näher betrachtet. Man ^ird nämlich festst-'llen können — und damit ist
* rtfd)cfr:j p Seile d<" ar stger Vrohlewe be- c uL sie überhaupt keine g »schlossen» Ein- Heit darstellt. sondern in mindestens Zwei große kulturelle und^ wirllcbastljche Abschnitte zerfälll. non Denen der eine, den wir — obwohl dos oberflächlich ist Den westlichen nennen wollen, auch schon heute euronc!'chen Method-n zugänglich wäre, während der östliche. der im Norden durch den Kauka- 'us' V? ? <n ^"''^.die Grenzen gegen Persien und ’en kfrak begrenzt royb. weit davon entfernt ist, ils Wlttichaftsgeblet im europäischen Sinne heute
Ein Sonntag der ü
ahlen.
Gemeindewahten in Sachsen.
Bei überaus warmer regnerischer Witterung wurden am Sonntag in ganz Sachsen die Gemeinden- und Stadtverordnetenwahlen vorgenommen. Soweit Nachrichten vorliegen, ist der Wahlakt ruhig und ungestört verlaufen. Tie Wahlen haben vielfach eine Verschiebung nach Links ergeben. So wird aus Meißen, wo bisher eine bürgerliche Mehrheit vorhanden war, ein Verhältnis von 20 Linksstehenden zu 17 Rechtsstehenden gemeldet. In Dresden ist das endgültige Wahlergebnis folgendes: Sozialdemokraten 26 Mandate, Deutsch-Nationale 9, Deutsche Volksparte! 10, Kommunisten 10, Mrtsckiaftsgruppe 6, Demokraten 5, alte sozialdemokratische Partei 3, Zentrum 1, Hausbesitzer .3, Volksrecht und Aufwertung 2. Insgesamt wurden 36 Rechtsstehende, 36 Linksstehende und 3 Altsozialisten gewählt. Bisher waren in der Stadtverordnetenversammlung 44 Bürgerliche und 31 Sozialdemokraten und Kommunisten vertreten.
Auch in Leipzig und Chemnitz haben die Sozial- Demokraten und Kommunisten die Mehrheit erhalten.
vürgerschaftswcchlen in Lübeck.
Aufgrund der am Sonntag getätigten Bürgerschaftswahlen in Lübeck setzt sich die neue Bürgerschaft zusammen aus:
Sozialdemokraten 35 (bisher 28), Kommunisten 5 (10), Demokraten 2 (7), Haus- und Grundbesitzerverein 0 (3), Aufwertungspartei 1 (0), Zentrum 1 (0) Hanseatischer Volksbund 36.
Die Wahlbeteiligung betrug rund 86 Prozent gegenüber 87,3 im Jahre 1924.
Wahl in Kiel.
Bei der am Sonntag getätigten Wahl des besoldeten Stadtrats von Kiel erhielt der sozialdemokratische Rechtsrat Dr. Hoffmann-Kaisers« lautern 35843 und der Stadtsynd kus Dr. Löwe- Kiel, der Kandidat der Bürgerlichen, 31468 Stimmen. Dr. Hoffmann (Soz.) ist somit gewählt.
Wahlen in Vaden.
Die Stadtverordnetenwahlen in Baden haben bei außerordentlich geringer Wahlbeteiligung (ca. 35 Prozent) eine wesentliche Veränderung der Sitzverhältnisfe nicht gebracht.
Aus Mannheim wird folgendes amtliches endgültiges Ergebnis gemeldet. Nach dem erst um 1,30 Uhr nachts amtlich festgestellten Endergebnis haben bei den Gemeindewahlen erhalten: Sozialdemokraten 21442 Stimmen, Unabh. Soz. 916,
oder morgen angefprochen werden zu können. Dieser östliche Abschnitt stellt die. ausgesprochene asiatische Türkei dar, er ist ein ganz anderes Land, mit Menschen anderer Weltanschauung, andersgearteter Fähigkeiten, grundverschieden vom westlichen Abschnitt. Und trotzdem behandelt die türkisch» Regierung beide Abschnitte gleichzeitig, behandelt etwa nicht den einen als Kernlandland, den anderen als angeschlossenes Kolonialland, sondern fühlt sich als Gebieterin eines durchaus einigen Reiches. Der weitaus größte Teil des Ruches hat aber mit Europa in unserem Sinne wenig zu tun, ist so asiatisch in seinem Wesen, daß es absurd erscheinen könnte, ihn nur um der westlichen Städte und Menschen wegen in ein geeintes Europa irgend einer Form einschließen zu wollen. Genau so absurd aber müßte es erscheinen, wenn Konstantinopel, Smyrna, ja Angora kulturell im Sinne eines geeinten Europa nicht zu diesem gerechnet würden.
Man kann aus diesen kurzen Hinweisen die Schwierigkeiten erkennen, die sich dem der europäischen Grenzfrage Nähertretenden bieten. Denn im Grund zeigen Rumänien und Bulgarien, vielleicht auch manche Teile Süditaliens ähnliche Probleme, wenn sie sich auch nicht so klar und kraß darstellen wie in diesem Falle. Gerade tn den letzten Monaten hat sich aber außerdem gezeigt, daß derartige Gedankengänge keine müßigen lieber- fegungen sind. Denn was hier Theorie scheint, ist bis zu gewissem Grade bereits Praxis dadurch geworden, daß die Türkei tatsächlich auch politisch vor der Grundlage steht, ob sie sich zu Vorderasien unter der Führung Rußlands ober zu Europa rechnen soll, ob sie ihre Stützpunkte beim Genfer Völkerbund oder bei der Sowjetregierung in Moskau suchen soll; wobei vielfach die Frage erörtert wurde, ob nicht die natürliche Stellung des Landes heute gerade eine Mittlerstelle gebietet, eine Rolle, die zwar sehr ideal, aber wenig erfreulich und in praktischer Beziehung höchst unerguicklich sein könnte.
Die Grenzen Europas, das wird man nach alledem schon äpaeben müssen, sind sehr verschwommen und lassen sich nur kultur- und wirtschaftspolitisch bestimmen. Aber auch die« ist heute unmöglich Und wird uns unmö"lich bleiben, bis Europa weiß, was es eigentlich will, das beißt, was es eigentlich ist und vorstellt Unzweifelhaft ist sie der Maßstab der Grenzbest'mmung. Da aber, wo sie beute nicht zu treffen ist. braucht Europa nicht aufzuhören: es kann Gebiete geben, die sich im Laufe der Zeit ar« völlig „europareif" ergeben, es kann aber auch G-biete geben, die Heute fo erscheinen, in Wirtlichkeit iedoch m»it davon entfernt sind, es je werden zu können. D»nn di»s scheint der Kernpunkt zu fein: die europäifrfie Kultur bedingt eine ganz bestimmte psnchifche Struktur als Voraus- fetzuno für ihre AnHäno-r, sie bedingt eine ganz klare Erkenntnis vom Wesen des abendländischen
Zentrum 10861, Deutsche Dolkspartei 9022, Wirtschaft!. Vgg. 3835, Demokraten 4796, Deutsch- nationale 2136, Kommunisten 10 184, Ebristl. Soziale Reichspartei 931,'Reichspartei für Dolksrecht und Aufwertung 1488, Deutsche Aufwertungspartei 593 Stimmen. Ungültig waren 2199 Stimmen. Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen 68 403. Wahlbeteiligung etwa 45 Prozent.
Endgültiges Ergebnis aus Heidelberg: Sozialdemokraten 20 Sitze (21), Kommunisten 10 C9), Deutsche Volkspartei 9 (12), Zentrum 14 (14), Demokraten 9 (12), Vereinigte Bürgerliche Gruppe 18 (16), Aufwertungspartei 4 (0).
In Karlsruhe erhielten Zentrum 19, Sozialdemokraten 24, Kommunisten 6, Demokraten 5, Deutsche Volkspartei 12, Deutsckmationale Volkspartei und Vaterländisch» Verbände 9, Reichsngr- tei für Aufwertung 5. Wirtschaft!. Vgg. 3, Wirt- chgttijche Gruppe 1 Mandat.
IDabl in polmsch-OHerschlesien.
Aus Kattowitz wird über den Ausgang der am Sonntag peranftatteten Wahlen zu den Gemeinde- Vertretungen in Ost-Oberschlesien gemeldet: Es kann mit einem großen Erfolg verdeutsch en Listen bei den Gemeindewahlen in Ost-Oderschle- fien gerechnet werden. In Kattowitz zum Beispiel konnte sich in 23 von 41 Bezirken die deutsche Wahlgemeinschaft nicht weniger als 11173, das heißt über 50 Prozent der abgegebenen Stimmen sichern. Dazu kommen noch 1600 Stimmen der deutschen Sozialdemokraten. Die zweitstärkste Liste, der Korfantyblock, hat nur 3961 Stimmen auf sich vereinigen können. Aus den übrigen Kreisen werden gleiche Erfolge gemeldet. Es wird damit gerechnet, daß nach vorsichtiger Schätzung die deutschen Parteien mindestens 50 Prozent aller ab« gegebenen Stimmen für sich werden buchen können. *
lieber das Ergebnis der Gemeindewahlen in Oberschlesien wird weiter berichtet: In 16 von 24 Gemeinden des Kreises Kattowitz erhielten die Polen 120 Mandate und die Deutschen 48, in 12 von 16 Gemeinden des Kreises Schwientochlowitz erhielten die Polen 67 Mandate und die Deutschen 74, in Königshütte-Stadt erhielten die Kommunisten 2, die polnisch-sozialistische Partei 3, die deutschen Sozialisten 6, die deutsche Partei 32, der Korfanty-Block 11 Mandate.
Wahlen in Bulgarien.
Aus Sofia wird gemeldet: Der Wahltag in Bulgarien ist in vollster Ruhe und Ordnung verlausen. Weder in der Hauptstadt, noch in her Provinz haben sich Zwischenfälle ereignet. Die Wahlergebnisse werden erst später bekannt werden.
Menschen. Nur wo dieser abendländische Mensch zu finden ist oder wo er herangebildet werden kann, wird die europäische Kultur Fuß fassen. Und nur so, durch die Moglichkeitsarenzen dieser Sulfur, können die wahren Grenzen Europas und der Europäisierung gefunden werden.
Ob man mit einer kulturellen Hochzüchtung in diesem Sinne den Menschen jener Staaten etwas besonderes Schones als Geschenk darbringt, ob sie dieselben Vorteile daraus ziehen würden wie ihre Staaten — das bleibt freilich eine andere Frage.
Die Zusammenkunft von Odessa.
Nus Odessa wird gemeldet: Tschitscherin und Tewfik Ruschdy B-y gaben einen Bericht au?, der besagt:
Der Minister der türkischen Republik Tewsik Ruschdy Bey und Volkskommissar des Auswärtigen Tschitscherin erwogen die beiden Regierungen gemeinsam interessierenden Fragen. Sie stellten fest, daß keine einzige Frage die Richtung der Politik beider Staaten ändern und die zwischen ihnen bestehenden Beziehungen stören könne, dgß e§ heute wünschenswert fei, diese Beziehungen noch enger und herzlicher auSzubaiien und das; die Befestigung dieser Beziehungen für den Weltfrieden äußerst wichtig sei.
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DoS rumänische Parlament ist am Sonntag eröffnet worden. Der König erwähnte in feiner Thronrede die Erneuerung der Verträge mit Polen, die grundlegenden und unantastbaren Abmachungen mit der Tschecho-Swwakei und Jugoslawien. Die Außenpolitik fei bekräftigt wo-den durch die schiedsgerichtliche Schlichtung von Streitigkeiten mit Frankreich. Rumänien habe auch einen FreundschastZver- trag mit Italien unterzeichnet und der Befuch des Herwgs von Toledo und des Marschalls Badoglio basten einen erwünschten Anlaß geboten, um bie Empfindlichkeiten traditioneller Brüderlichkeit der lateinischen Nationen kundzutun. Auch England habe Rumänien seine Wertschätzung gezeigt. Die Thronrede kündigt sodgnn Gesetze über innere Angelege n h eit e n an.___________________
Halbsten in Parts.
Aus Paris wird gemeldet: Etwa neun bis zehn Faschisten sind, wie Havas berichtet, am Sonntag abend in dem Gebäude der „Action Francaise" erschienen, begaben sich in das zweite Stockwerk und verlangten, empfangen zu werden.
Es entspann sich eine lebhafte Diskussion. Die Faschisten zerschlugen einige Fensterscheiben. Mitglieder der „Action Francaise" gaben einige Revolverschüsse auf die Faschisten ab, wobei ein Faschist verwundet wurde. Die Faschisten ihrerseits erwiderten das Feuer und zoaen sich bann unter Mitnahme ihres verwundeten Kameraden zurück. Eine Untersuchung ist eingeleitet.
Der Aufstand auf Zava.
Die kommunistische Bewegung in Java, von der hier am Samstag berichtet wurde, wird geistig von den rnailaiischen Studenten geführt, die auf holländische Staatskosten in Lenden unterrichtet wurden. An sich wenig einflußreich, wird ihre Organisation, der „Sarikat Rejat", von der mächtigen malaiischen Organisation „Sarikat Islam" gestützt, welche die U n ab h ä n g i g k e i t Javas, Sumatras, Borneos und Celebes von der holländischen Kolonialherrschaft anstrebt. Der Führer dieser letzteren Bewegung, der eingeborene javanische Prinz Djokro Aminotrv, bedient sich der kommunistischen Bewegung für die — an sich bürgerliche — Freiheitsbewegung.
In der Sitzung des niederländisch-indischen Volksrats gab der Regierungsvertreter Sckiri»ker eine Erklärung ab, in der es u. a. beißt: Die Regierung ebenso wie der Volksrat stehen unter dem Eindruck der kommunistischen Anschläge, die in Batavia und anderen Orten des Landes sich ereigneten. Die Regierung, die zwar im Augenblick noch über keine eingehenden Informationen verfügt, legt Wert darauf zu erklären, daß zu ernsten Besorgnissen fein Anlaß besteht. Dank der sowohl von den europäischen wie von den eingeborenen Behörden ergriffenen Maßnahmen beherrscht die Regierung die Lage vollständig. Die Reoie- rung wird auch vor keiner Maßnahme zurück- fchrecken, die sich zur vollständigen Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung als notwendig Herausstellen sollte.
Politische Schlägerei.
Sonntag vonnittag kam es in Neu-Kölln an mehreren Stellen zu Schlägereien zwilchen Angehörigen des Reichsbanners, Kommunisten und Nationalsozialisten. Die Nationalsozialisten hatten sich zu einem Demonstrationszug versammelt. Als von allen Seiten Personen, namentlich Kommunisten, hinzuströmten, tarn es zu aufreizenden Reden, die bald zu schweren Schlägereien führten, bei denen von Wurfgeschossen, Totschlägern, Stocken und Pistolen Gebrauch gemacht wurde. Auch Angehörige des Reichsbanners beteiligten sich daran. Die Schutzpolizei muhte verstärkt werden, um die Streitenden zu trennen. 13 Personen wurden festgenommen und dem Polizeipräsidium zugeführt. Ein Nationalsozialist, den bie Kommunisten aus einem Straßenbahnwagen herausgegoaen hatten, wurde ins Krankenhaus mit Rippenbrüchen eingeliefert, während verschiedenen anderen Personen Notverbände angelegt wurden.
v. Tirpitz und die Weltgeschichte.
In der Doss. Zeit, veröffentlichte her amcrU kcmische Berichterstatter Karl E. v. Wiegand feine Version eines Gesprächs mit Charleville am 21. 11. 1914 über den uneingeschränkten Il-Bootkrieg. Diese Unterredung, die am 22. 12. 14 in Amerika veröffentlicht wurde, führte bekanntlich zum Sturze von Tirvitz und zum Eintritt Amerikas in den Krieg. Wiegand stellt diese seine Darstellung von dem Interview derjenigen von Tirpitz in dessen neuem Buche „Deutsche Ohn- machtspvlstik im Weltkrieg" gegenüber. Tirpitz sagt in _ seinem neuen Buch: Der Berichterstatter v. Wiegand erhielt nach eigener Angabe das Interview am 29. November von mir mit der Weisung, es im Auswärtigen Amt vorzulegen und mit dem stritten Auftrage, es nur mit Genehmigung des Auswärtigen Amtes der Presse zu geben.
Demgegenüber stellt v. Wie«Md fest, daß er niemals solche Angaben gemacht habe, das der deutsche Marinestaatssekretär ihn angewiesen habe, das Interview dem Auswärtigen Amte vorzulegen oder die Billigung des Auswärtigen Amtes zu ferner Veröffentlichung nachzusuchen. Der Großadmiral v. Tirpitz habe gewußt, daß das Inter- View Selbmann Hollweg und dem Auswärtigen Amte nicht vorgelegt werden würde, ehe er es nach Amerika sandte, daß das Interview mit dem Stempel des Marinezensors versehen nach Holland gebracht und von dort durch amtlichen Kurier nach London geschickt wurde.
Katalonien.
Neue Verhaftungen in Barzelona.
Wie HovaS auS Barzelona meldet, hat die Polizei etwa 15 Syndikalisten und kata'onische Separatisten, darunter den Führer der Syndikalisten Angel Peftana und den Kata'onier Dr. Iacq es Aguade, verhaftet. Die Berbafteten sollen in Be- Ziehungen zu dem in Perpignan aufgedeckten separa- tistischen Komplott stehen.
Oberst Maria und Garibaldi in Haft.
Oberst Macia und Garibaldi sind nunmehr regelrecht in Haft aenommen und in das Unteriuchungs- gefängnis in Pa^is eingeliefert worden. Beide haben bereits ihre Bei leidiger bezeichnet, Garibaldi den ehemaliaen Abgeordneten Andrö Hesse, ehemaliger Kolonialminister und Mac;a den der kommunistischen Partei nahestehenden Rechtsanwalt Tocres.
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Nach Meldungen aus Perpignan ist einer de, verhafteten katalanischen Verschwörer, bie nach Paris gebracht werden wollten, verschwunden. Nack Abreise der übrigen 27 nach Varis hat man den 87 noch in der Perpignauer Kaserne verbliebenen Teil- nehmern der Bewegung an getönt) tat, daß sie aus. gewiesen werden würden.