Verlage zur Zuldaer Zeitung
Für unsere Frauenwelt.
Nr. 26t vom II. Nov. 1926.
$rau Sorge.
Bon Heinrich Heine. In meines Glückes Somienglanz, Da gaukelte fröhlich der Mückentanz — Die lieben Freunde liebten mich Und teilten mit mir brüderlich Wohl meinen besten Braten Und meinen letzten Dukaten.
Das Glück ist fort, der Beutel leer, Und hab auch keine Freunde mehr; Erloschen ist der Sonnenglanz, Zerstöben ist der Mückentanz, Die Freunde, sowie die Mücke, Verschwinden mit dem Glücke.
An meinem Bett in der Winternncht Als Wärterin die Sorge wacht. Sie trägt eine weiße Unterjack, Ein schwarzes Mützchen und schnupft Tobak Die Dose knarrt so gräßlich, Die Alte nickt so häßlich.
Ich träumte manchmal, gekommen sei Zurück das Glück und der junge Mai Und die Freundschaft und der Mückenlchwarm Da knarrt die Dose — daß Gott erbarm!
Es platzt die Seifenblase — Die Alte schneuzt die Nase.
wen soll man heiraten?
Von F. Silbereisen.
Die Chinesen sagen: „Es gibt fünf Arten von Frauen, die ihr nicht heiraten mußt: jene, die aus einem Haufe ist, wo man die kindlichen Pflichten nachlässig ausübt, — jene, die unordentlich und von verdächtiger Aufführung ist, — eine öffentlich beschimpfte, — eine, die mit einer Familienkrankheit behaftet ist und — eine älteste Tochter, die ihren Vater verloren hat."---
Andere Völker sind weniger streng in der Bestimmung der Arten von Frauen, welche nicht geheiratet werden sollen. Sie begnügen sich mit allgemeinen An- deutungen. — Die Slaven stellen als Regel auf: „Hol dir die Frau aus der Nachbarschaft, die Gevattern aber von so weit als möglich!" — In Italien und Spanien gilt derselbe Grundsatz: „Wer in die Ferne geht um zu heiraten, will entweder betrügen oder wird betrogen." — Der Toskane sagt: „Wer sich die Frau aus ferner Gegend holt, hat oft für die neuen Verwandten Ausgaben zu machen." — Der Bresciane aber erklärt: „Wer die Frau von draußen gebracht, hot fein Haus zum Gasthaus gemacht."
Als H a u p t r i ch t s ch n u r bei der Wahl des zu heiratenden Mädchens wird überall empfohlen, auf ihre Familie zu achten. Denn „der Apfel fällt nicht weit vom Stamm". Die meisten Völker find der Ansicht, daß namentlich die Mutter dabei entscheidend ist. „Wie der Vater, so die Buben! Wie die Mutter, so die Tochter!" lautet ein bekanntes Sprichwort, oder: „Schau auf die Mutter, nimmst du die Tochter!" ober: „Willst du gern die Tochter ha(be)n, sieh zuvor die Mutter an!"
Die Russen hingegen sagen: „Willst du die älteste Tochter nehmen, fo schaue auf den Vater und die Mutier! Bei der zweiten schaue auf die Schwester!" Die
Serben behaupten: „Wie die Brüder, so die Braut!" Deutsche und Engländer behaupten bisweilen: „Fleißige Mutter hat faule Töchter."--
Die Meinungen, ob auf die Schönheit beim Heiraten Gewicht zu legen ist, sind geteilt. Der Araber sagt: „Wer eine Schönheit will, muß sein Hous verkaufen." Der Litauer warnt: „Mit deiner Frauen Schönheit wirst du dich nicht kleiden!" — Schönheit ist zwar mächtig, denn im Sprichwort heißt es: „Schönheit zieht mehr als Ochsen," es wird jedoch beigefügt: sie ist vergänglich und — kein Brot! „Schönheit ist eine Blüte, die, kaum entfaltet, vergeht." — „Lieblichkeit stirbt geschwind." Man muß auch hinzusetzen: „Schönheit ist kein Erbgut" oder „Schönheit brockt man nicht in die Schüssel."--
Verwerflich ist es besonders, wenn die Che wie ein einfaches Geschäft behandelt und gehandhabt wird. Viele junge Männer und besonders auch versorgungssüchtige Eltern richten bei der Heiratsfrage ihr Augenmerk zunächst auf den Geldbeutel, die Tochter geht nur so nebenbei mit. Daher kommt es, daß viele Eltern be» strebt sind, den Schein des Wohlstandes zu zeigen, wenn sie viele Töchter haben. Gerade dadurch wird aber in den künftigen Frauen oft der Keim solider Häuslichkeit zerstört. Kochen, moschen, ©trumpfe stopfen, Kleidung oilsbessern usw., überhaupt gemeine „grobe Arbeit" darf das Fräulein nicht verrichten. Das würde ja aussehen, als ob man „es nötig hätte", und die Aussicht auf einen höheren Angestellten oder Beamten wäre bann in der Wurzel erstickt.
Ein Mädchen, das tätig fein will, Vergnügung nicht als den vorherrschenden Zustand, sondern nur als Würze und Ausnahme betrachtet, — ein Mädchen, das eine Hausfrau fein will, um den Monn mit sanften Bonden an das Haus zu fesseln, dos dabei für sich wenig Ansprüche macht, ein solches Mädchen kann ein Monn leicht verköstigen und zufrieden stellen. Eine solche Frau hilft ihm, eine solche Mitgift der Häuslichkeit, 2(rbeit= famteit und Anspruchslosigkeit ersetzt im Notfälle viel Geld und Gut, das ein reiches Fräulein wohl in die Che mitbringen mag, bann ober leicht unb schnell mit dem Anbringen desselben fertig wird, weil es sich keine Wünsche zu versagen „sich leisten kann".
Das Geld allein ober ein schönes Gesicht können kein bauerndes Glück im Hguse schaffen. Ein schönes Gesicht gleicht den Blumen, die eine Zeitlang blühen unb dos Auge ergötzen, bann aber welken unb vergehen. Wenn deshalb vor dem Heiraten gefragt wird: „Was hat sie?", fo soll darauf die Antwort lauten: „Die Braut hat Religion, häuslichen Sinn unb ein gutes Herz."
Bringt sie biefe Schätze mit ins Haus, so bringt sie bem Manne bas beste Heiratsgut, bas bauernb beglückt unb über zahllose roiberroärtige Logen hinweghilft.
Ein glücklicher Ehebunb muß ein Lebensbund der Herzen, nicht der schnell erlöschenden unb verrauchenden Leibenschoften ober gewinnsüchtigen Geldspekulation fein. — Gott hat ihn in solcher Art liebender Uneigennützigkeit gegründet und er segnet nur ein solches Bündnis. s
Gut sind von den vier großen G: Geld, Geist, Gesicht, Gesinnung alle, aber unwandelbares Glück verbürgen nur Geist und gute Gesinnung.
„Darum prüfe, wer sich ewig bindet. Ob sich das Herz zum Herzen findet! Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang."--
Das Tagebuch.
Bon Karl W i tz e l - Darmstadt.
Die Dichrerin Amalie v. Helvig, eine Vertraute der Herzogin von Weimar, bringt fo recht zum Ausdruck, was dos Tagebuch fein soll. Als sie ihrer Tochter Dora zum 13. Geburtstag ein solches schenkte, schrieb sie hinein: „Du bist mir, obgleich noch Kind, bisher stets wahr gewesen, bleib' es dir selbst, wenn ich nicht mehr bin! Wenn nicht die mütterlich dringenden Fragen mehr das Bekenntnis kindischen Vergehens dir zu entlocken hier vernehmbar sind, wenn das Mutterouge nicht mehr forschend in bas beine blickt — alsdann, meine Dora, fei dir selbst ein ernster Mahner, daß für alle Zeiten Wahrheit dir und Liebe heilig fei!"
Das Tagebuch ist eine Schöpfung des 18. Johrhun- derts. Im Zeitalter der Empfindsamkeit ward es geboren. Es ist ia auch leicht begreiflich, daß gerade biefe Zeit bes überschwenglichen Gefühlslebens einen für alle Tage bauernben Niederschlag suchte. So sind uns denn aus jener gefühlsreichen Epoche Tagebücher überliefert worden, die die geheimsten Regungen wiedergeben. Cs war üblich, bem heronwachsenben Kinbe ein solches in die Hand zu legen, um hier alles, was es denkt, fühlt, will, einzutragen. Doch war es nicht Absicht einen ausführlichen Lebenslauf festzulegen, vielmehr verband man mit der Schenkung den Wunsch, wichtige und markante Momente aus dem Leben aufzuzeichnen, um sie der Nachwelt zu hinterlassen. Daß es in der gefühlserregten Zeit selbstverständlich auch zu Auswüchsen kam, beweisen nur zu viel Werke aus jenen Tagen, wo oft Nebensächliches in den Vordergrund geschoben wurde, während für uns heute Wichtiges einfach totgeschwiegen worden ist. Cs ist ja auch ungemein schwer, zu den Geschehnissen des Innen- und Außenlebens den richtigen Maßstab zu finden, da es meist am notwendigen Abstand mangelte, und die Urteilsfähigkeit oft nicht in dem Grade vorhanden war, wie es wünschenswert gewesen märe.
Auch in den Schulen der damaligen Zeit wurde darauf gedrungen, Tagebücher zu führen. Von den Schülern mußten sie oft oorgelegt werden. Die jugendliche Eitelkeit wollte mit Erlebnissen glänzen und nahm daher oft ihre Zuflucht zur Unwahrhastigkeit.
Es ist zu bedauern, daß gerade in unserer Zeit bas Tagebuch fast ganz abhanben gekommen ist. Hier und da trifft man es noch beim zarten Geschlecht, in der Herrenwelt ist es fast ganz ausgeftorben. In den rauben Kriegsnöten hat wohl mancher mal danach gegriffen unb die auf ihn mit elementarer Wucht einftürmenben Ereignisse feftgelegt. Diese alte schöne Sitte sollte mehr als bisher gepflegt werben, damit uns die spätere Geschichtsschreibung nicht ben Vorwurf ber Gefühls kälte unb -bürre macht. Auch kann sie aus ben Tagebüchern großer Leute wichtiges Material zur objektiven Beurteilung unserer Gegenwart fdiöpfen.
Kehrt zum Tagebuch zurück. Tragt aber nur Wichtiges ein. was. euch charakterisiert unb für die kommenden Geschlechter von Bedeutung sein kann.
Die Srau als Erzieherin.
f. Einfachheit. Wer fein Kind zur Einfachheit erziehen will, gewöhne es an möglichst wenig Bedürfnisse,
vor allen Dingen an gar keine Bedienung. Ein Kind, dem alles Uebermatz an Freude, Luxus, an Speise unb Kleidung fremd ist, wird viel weniger leicht unglücklich als ein solches, dos immer alle diese guten Dinge in Hülle und Fülle hatte.
f. Arbeitsamkeit. Wie erzieht man Kinder dazu - Nichts einfacher als das' Man lebt ihnen ein fleißiges Leben vor! Es ist sicherlich nur eine Ausnahme, wenn es fleißige Eltern gibt, die faule Kinder haben. Ein Kind muß begreifen lernen, daß nicht Geld unb Gut die Quellen wöhres Glückes sind, fonbern die Arbeit!
—i tpxar ’jinn—in
Die Frau als Haus arzl
f. Starkes Nasenbluten bei Kindern darf niemals leicht genommen werden Ehe der Arzt zur Stelle ist, können allerlei einhämmenbe Mittel angemanbt werden. Dabin gehört dos Verstopfen der Nase mit in Essig getauchten Wattepfropfen ober, wenn feine Watte vorhanden ist, mit Leinwondfosern. Auch kalte Aufschläge auf den Leib oder in den Nacken mildern die Blutung, die ferner zuweilen gehemmt wird, wenn bas Kind auf- recht sitzt und. den ^opf noch hinten biegt, während es die Hande gefaltet auf den Kopf legt.
Die Zrau in der Küche.
f. hammelfrikaffee. Richt zu fette flache Rippen werden in kleine Stücke zerhackt und mit kochendem Wasier aufgesetzt. Man nimmt nur soviel Wasser, als nötig wäre, die Rippen zu bedecken. Dann gibt man einige Löffel voll geriebenes Schwarzbrot hinzu, sowie 4 bis 5 in feine Würfel geschnittene Zwiebeln und läßt altes langsam weich schmoren. Kurz doi; bem Garwerben gibt man einige Kümmelkörner hinzu, unb wenn die Sauce noch nicht sämig genug ist, einen Löffel voll in Butter hellgeb geschmortes Mehl.
f. Blumenkohlsolal. Ein Blumenkohl wird geschält und zerkleinert unb in Salzwasser abgekocht. Dann rührt man in / Liter saure Sahne 2 hartgekochte Eibotter, etwas Del unb Essig, schmeckt nach Solz ob, gibt ein wenig gestoßenen Pfeffer hinzu unb einen Eßlöffel geriebenes Schwarzbrot, sowie eine holde geschabte ober geriebene Zwiebel. Diese Sauce wirb über ben Blumenkohl geschüttet. Er muß darin eine zeitlong durchziehen.
Praktische winke.
f. ftatloffel-Sago darf nur falt gewaschen werden, unb wirb am schmackhaftesten, wenn er in kochende Milch oder Fleischbrühe geschüttet wird. Mit kalter Brühe angesetzt, brennt er leicht an.
f. Wenn man Käse längere Zeil ausbewahren will, schlage man ihn in ein Leinentuch, das in Solzwasser getaucht unb gut ausgerungen fein muß.
Heiteres.
f kindergefellschaft. Mutter: „Nun* Gretchen, bist bu roieber da, bas ist schön! Von was habt ihr euch benn unterhalten bei eurem kleinen Kaffeekränzchen?" „Unterhalten? Aber Mutti, wir konnten boch nicht, wir hotten den Mund boch immer voll Kuchen unb Torte!"
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