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Fuldaer Zeitung

Der Kulturkampf in Südtirol.

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bem ließ nun der Schuldirektor, als die Eltern von ihrem Rechte Gebrauch machten, verschiedene von ihnen au sich kommen und suchte sie durch allerlei Presiionsmittel, wie Androhung von Kon- sequenzcn, Anbietung von Armenbüchern, für den Fall, daß sie die Kinder wieder schickten, zur Zu­rücknahme der Abmelduna zu beweaen. Wenn die Kinder trotzdem den italienischen Religionsunter, richt verlassen wollten, wurden sie am Weggehen verhindert. Den Kindern der Bozener Marien- schule mußten noch über Druck de? Direktors von der Lehrerin der vierten Klasse mit Ausschließung aus der Schule gedroht werden, wenn sie sich vom italienischen Religionsunterricht abmeldeten.

Es ist klar, daß der Klerus Südtirols diese na­tionale Vergewaltigung der Kinderseelen nicht ohne Widerspruch hinnehmen durfte. Er hat dar­um dem Schulamte von Trient eine von der gesamten Geistlichkeit unterfertigte Erklärung über­geben, worin diese ihren Standpunkt in der Frage niedergelegt haben. Unter Berufung auf den be­kannten Hirtenbrief des Trienter Bischofs, den die­ser noch in der österreichischen Zeit herausgegeben und worin er für die Kirche das unveräußerliche Recht in Anspruch nimmt, die Kinder in der Mut- t e r s p r a ch e in der Religion zu unterrichten, ein Recht, das den Trientinern unter Oesterreich unge­schmälert belassen worden war, erklärten sie auch für die deutschen Kinder dasselbe Recht mit allen aesetzlichen Mitteln verteidigen zu müssen, weshalb sie unmöglich den deutschen Kindern italienischen Unterricht erteilen könnten. Gleichzeitig erklären sie aber ihre Bereitschaft, den italienischen Kindern den Religionsunterricht in deren Muttersprache zu vermitteln.

Was geschah nun? Der Präfekt richtete an jeden der Unterzeichner ein rekommandierendes Schreiben, worin er sagte, er hätte die Erklärung der Geistlichen an das Schulamt ohne weiteres dem Staatsanwalt übergeben zur Anwendung von Strafmaßnahmen gegen die Unterzeichner im Sinne des Artikels 178 des italienischen (straf- aeiebes, worin den staatlichen Funktionären mit Geldstrafen gedroht wird, und des Artikels 183, rrorin den Kultusdienern Gefängnisstrafen bis zu drei Jahren angedroht werden.

Vor der Anwendung dieser Straflanktionen wolle er, so heißt es im Schreiben des Präfekten, jeden einzelnen „formell verwarnen". Sollten die Geist- licken in Zukunft irgendeine Bewegung, die einen „Widerstand gegen die Anwendung der nationalen Gesetze" bedeute, auch nur indirekt fördern, dann würden gegen sie nicht bloß die angedrohten Straf­sanktionen angewandt werden, sondern auch die Maßnahmen des österreichischen Gesetzes vom 7. Mai 1874, wonach in bestimmten Fällen die Ent­fernung des Geistlichen von der kirchlichen Be­hörde. auf jeden Fall aber die Gehaltsentziehung gefordert werden könne.

Kus dem N^chbaraebiet.

— Hünfeld. In der ersten Hauptversammlung der freiwilligen Sanitätskolonne Hün­feld, die gut besucht war, wurde nach Annahme der Satzungen die Vorstandswahl vorgenommen. Gewählt wurden: Landrat Ludwig zum Vor» sitzenden, Kreisausschußobersekretär Hartmann zum stellv. Vorsitzenden und Zeuawart, Dr. Ri­chard zum Kolonnenarzt, Justizmachtmeister B a l l w e i e r und Kreiskommunalkassenführer Hillenbrand zum Kolonnen- bezw. stellv Ko- lonnenfübrer. Als Schriftführer wurde Stadt­sekretär Schmitt, als Kassierer Karl Drescher gewählt.

-- Lmsterbach. Im benachbarten M a a r hat der Spar- und Darlehnskassenverein eine Aktion unter­nommen, um seinen Mitgliedern billiges Brot zu verschaffen. In der letzten Generalversammlung wurde nämlich beschlossen, Korn bei den Mitgliedern zu kaufen, es mahlen zu lasten und aus dem reinen Roggenmehl in einer dortigen Bäckerei backen zu lassen. Der 4-Pfundlaib soll 65 Pfennig kosten. Diese Verbilligung kommt vor allem den Nichtland­wirten unter den Genossen zugute: ebenso kommen aber auch die Landwirte durchaus auf ihre Kosten. Das Brot soll ohne Zusatz von Weizennachmehl hergestellt werden.

=- Gelnhausen. In der nunmehr abgeschlossenen Saison wurden im hiesigen Solo-S prüfeelbad 6550 Bäder v era bfolgt geoen 2773 im Vor­jahre. Das ist ein günstiges Zeichen für die Ent- Wicklung des Badehauses, zugleich aber auch ein Beweis für die Güte des Sprudels.

= Heringen. Im Alter von 54 Jahren der- starb plötzlich der Bergwerksdirektor Richard Rosterg von dem Mmerballkonzern. Der Ver­storbene gehörte der Direktion der Gewerkschaft Glückauf bei Sondershausen an und ist ein Bruder deS bekannten Generaldirek'ors August Rosterg.

— Kassel. Die Kasseler haben schon allerlei an­gestellt, um sich endlich mit einem K schreiben zu dürfen. Auch das Stadtparlament ist in feiner Mehrheit für die K-Schreibung und hat vor einiger Zeit gegen eine Minderheit beschlossen, einen dementsprechenden Antrag bei der Regierung zu stellen. Aber die C-Fanatiker haben den Kampf noch nicht aufoegeben und kämpfen weiter beharrlich für die alte Schreibweise bezw. den alten Zopf. Auch viele Kasseler Behörden haben gegen die Aenderuno protestiert und die Entscheidung des Ministeriums des Innern angerufen.

— Lohr. Beim Suchen nach einer Ansströmstelle von Gas im diesigen Babnbof ereignete sich eine Explosion, bei der der Gasarbeiter Weis im ffie- sichte sehr schwere Verletzungen davontrug. Statons. Vorstand Wolf und GaLarbeiter Hammler erlitten leichtere Ver etz"ngen. Auch wurde einiger Gebäude­schaden angerichtet.

— Aschaffenburg. Der Elektrotechniker Georg v-chedel aus Leng furt, der vor einiger Zeit seine Frau und sich selbst durch Schüsse schwer verletzte, ist infolge hinzugekommener Lunaenentziindung jetzt seinen Verletzungen im Lmtpoldkrankenhaus in Wurzbura erlegen.

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Die Tiefdruckstörungen über dem Festland haben sich infolge der allgemein einaetreteuen Erwärmung stark ab 'eflacht, sodaß eine Beeinflussung unserer Witte­rung durch sie nicht stattfindet. Die Entwicklung der Wetterlage deutet daraufbrn, daß in der nächsten Zeit mit der Herrschaft milderer westlicher Winde zu rechnen ist. Gleichzeitig treten in Verbindung mit den west­lichen Wmden Renenfälle auf.

Aussichten für Samstan: Wolkig bis bedeckt, wei­tere Regenfälle, inüdc südwestliche bis westliche Winde

Aus S ü d t i r o l wird uns geschrieben:

Die mit dem laufenden Schuljahr begonnene Einführung des i t a l ie n i s ch en Unterichtes fängt bereits an, Konflikte heraufzubeschwören Bereits im letzten Schuljahr war in den Volksschulen von 20 Gemeinden, die eine erdrückende deutsche Majo­rität aufweisen, der italienische Religionsunterricht eingeführt worden. Ende August erschien ein Rundschreiben des Trienter Schulamtes, das ver­fügte, in allen bereits italienischen Schulen des Landes, und zwar mit dem vierten Volksschuljahr- gang beginnend, den italienischen Religionsunter­richt einzusühren.

Abgesehen von den bereits oben erwähnten 20 Gemeinden des sogenannten deutschen Unterlandes südlich Bozen bis Salurn. in denen bereits «eit Beginn des Jahres 1923 sämtliche Volksschul- siassen ausschließlich italienische Unterrichtssprache haben, ist im übrigen Teil des Landes die Jtalia- nisierung der Schule bis zum vierten Volksschul- jahrgang fortgeschritten. Die ein- und zweiklas- sigen Schulen sind bereits in diesem Jahre in völ­lig italienische umgewandell worden.

Die Ortsschulleiter bekamen den Auftrag, jene Geistlichen namhaft zu machen, die die Befähigung besäßen, den Religionsunterricht in italienischer Sprache zu erteilen. Seien solche nicht vorhanden, so müßten die Lehrer den Religionsunterricht über­nehmen.

Bei der Durchführung dieses Planes stieß die Regierung auf die größten Schwierigkeiten. Es erging daher an die beiden fürftbischöflichen Kurien Trient und Brixen die Mitteilung des Trienter Provinzschulamtes, daß in diesem Schuljahr außer in den oben genannten 20 deutschen Gemeinden auch in den Zentren des übrigen Landes, u. z. zunächst im vierten Schufjahrgange der Religions­unterricht in italienischer Sprache erteilt werden müsse. Die „Zentren", die bereits in diesem Jahre von den befaaten Maßnahmen b-»troffen werden, sind: Bozen. Kaltern, Meran, Brixen, Sterzing und Bruneck

In Boren wurde als Katechet der die vierten Klassen besuchenden deui'chen Kinder der faschi­stische Geistliche Albert Bo'ffani von der Schnl- Vhörbc anaestellt dessen Kampagne gegen den deutschen Klerus in lebhafter Erinerung steht. Wiederholt haben sich die Eltern an die kirchliche Behörde gewandt, um die Entfernung Paissanis zu erreichen, aber stets vergeblich. Ja, er wurde dieses Jahr sogar zum .stauntkatecheten der Bozener Schulen bestellt, dem sich auch die noch verbliebe­nen deutschen Katecheten unterworfenen haben.

Soweit sich feie Eltern feer Kinder nicht indirek­ter staatlicher Abhängigkeit fühlten und daher am ihre Existenz kämpfen,, meldeten sich ihre Kinder vom Religionsunterricht ab. In Bozen allein gab es gegen 100 solcher Abmeldungen, die das italie­nische Schulgesetz den Eltern einräumt. Trotz

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— Die Ueberstunden im Bankgewerbe. Vor dem Einzelrichter hatte sich in -weiter Instanz der Personal- chef einer hiesigen Großbank zu verantworten, weil er kein richtiges Ueberstundenverzeichnis fuhren ließ und die Angestellten rn ungesetzlicher Weise über die er­laubte Arbeitszeit hinaus (46—71 Stunden) pro Woche beschäftigte. Das Urteil lautete auf 4000 M. wegen Vergehens gegen das Arbeitszeitgesetz und auf 50 M roegen N'chtführens eines Ueberstundenverzeichnisses

== Deisehung des Landeshauptmanns Dr. Woell. Die Leiche des nerftorbenen Landeshauptmanns des Re­gierungsbezirks Wiesbaden. Dr W a e I l, wird von Frankfurt a. M nach Wiesbaden überfuhrt, wo sie im Landesbause ausgebahrt und voraussichtlich am Sams­tag bestattet werden wird.

' — Das Ende der Pserdedroschken. Die wenigen Pferdedroschkenkutscher Frankfurts fristen, durch die übermächtige Konkurrenz der Automobile erdrückt, ein nteljr als kümmerliches Dasein. Sie haben sich nunmehr hilfesuchend an den Magistrat und die Polizei gewandt und diese Instanzen dringend gebeten, die Umwandlung der letzten Pferdedroschken in' Kraftdroschken möglichst bald zu vollziehen. Der Magistrat hat dem Wunsche, da er berechtigt ist, ftatgegebeh und legt nun seinen Beschluß der Stadtverordnetenversammlung zur Genehmigung vor.

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