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Arneiaer für die Sfahf und den Kreis Fulda. AmNiches Äreishfaff.

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lahra« 53.

Rückdttck auf Erfurt.

Non Reichsminister a. D. Giesberts, M.d.R.

Es roar an sich eine kluge und vernünftige Idee, kurz vor Beginn der großen Parlaments­tagungen in Preußen und im Reich den Reichspar. ieiausschuß und den Vorstand zusammenzuberu­fen, um Stellung zu nehmen zu den wichligen poli­tischen Problemen, die die Parlamente im Laufe des Winters bejchäftigen werden. Liefe Uebung sollte man beibehalten. Der Wert solcher Verhand­lungen liegt ja nicht in den Beschlüssen, sondern vielmehr in der Aussprache und in der persön­lichen Fühlungnahme, und der aus dieser Situa­tion herausfließenden politischen Linie für das par- lamentarische Leben. Rach dieser Richtung waren die Verhandlungen des Parteiausschusses außeror­dentlich fruchtbringend. Die zweitägige Aussprache im Vorstand und im Ausschuß zeigt, mit welchem Verständnis und welcher Tiefe man im Lande Sie politischen Aufgaben verfolgt. Es kam darin ein außerordentlich starkes politisches Verantwor­tung sbew u ßt fein zum Ausdruck. Das letz­tere ist für das parlamentarische Regierungssystem die erste und wichtigste Voraussetzung. Es kann in diesem Rückblick nur auf einzelne Fragen zu­rückgegriffen werden.

Da ist zuerst die Frage der auswärtigen P o l i ti k, die ganz naturgemäß infolge der Ei- genart der Lage Deutschlands nach dem Kriege die Priorität unter allen politischen Fragen einnimmt. Die Zentrumspartei kann hier mit Genugtuung und Befriedigung auf ihre Haltung seit dem Zu­sammenbruch des Krieges zurückblicken. Es war gewiß eine bittere Zeit der Verärgerung und der Mißverständnisse auch in unseren eigenen Reihen. An diesem Weg liegen die Gräber von E r z b e r - g e r und Rathenau, und an diesem Weg liegt auch die Schmutzflut von Beschimpfungen, die sich gegen die Männer richtete, welche diese gradlinige Poli- tik in der Regierung vertraten, gegen Wirth und Marx. Wir freuen uns für das deutsche Volk, daß wir allmählich aus diesem trüben Sumpf her­auskommen und einen klareren Blick für die Zu­kunftsaufgaben gewinnen. Bei aller Genugtuung über die Richtigkeit der politischen Linie, wie sie unsere Partei vertreten hat, kam noch in Erfurt rein übertriebener Optimismus zur Geltung, son- vern eine ruhige, nüchterne Beurtei - I u n g. Es fiel auch das Wort: Wir müssen war­ten können, und es fiel weiter das Wort, daß olles Sturmen und Drängen uns nur übel aus- gelegt werden könnte. Aber ebenso sehr war zu unterstreichen, daß nicht die Lasten des Dawes- planes allein das deutsche Volk und die deutsche Wirtschaft belasten, sondern daneben die ungeheure Verschuldung durch Ausländsanleihen so­wohl öffentlicher Körperschaften wie auch großer privater Unternehmungen.

Ganz naturgemäß führt die Betrachtung der auswärtigen Politik zu einer Stellungnahme zu den Fragen der Wirtschaft, wie sie sich gegenwärtig in Deutschland entwickelt. Wir er» eben gegenwärtig, daß fast mehr als die Politik, sie Wirtschaft sich international verknüpft und zwar, man möchte sagen, es zwangsläufig tun muß. Das Interesse der einzelnen nationalen Wirtschaft der Länder gebietet, schädliche und nutz­lose Konkurrenzkämpfe zu vermeiden, aber je nach der Leistung und der Bedeutung des einzelnen Wirtschaftszweiges diese Konkurrenzbedingungen auszugleichen. Damit gibt die Wirtschaft eine wichtige Grundlage für die Völkerverständigung, vor allem für eine Verständigung der europäi­schen Rationen. Daraus erhellt aber, welche großes Interesse auch die Zentrumspartei hat, Männer aus ihren Reihen unter den sichtenden Kreisen der Wirtschaftler zu haben, damit auch diese Politik von dem Geist beeinflußt wird, aus dem die Zentrumspartei von jeher Wirtschafts- und Spezialpolitik betrieben hat, dem Geist der ausglei- chenden Gerechtigkeit und der Achtung vor dem Menschentum der Völker.

Unsere innere Wirtschaft steht nach wie vor un­ter dem Druck der furchtbaren Arbeitslosigkeit. Es ist in Erfurt klar zum Ausdruck gekommen, daß die Zentrumsvartei sich nicht befriedigt erklärt, daß man die Rot der Arbeitslosen nach Mög­lichkeit lindert — das ist etwas Selbstverständliches — sondern vielmehr sollte man darauf bedacht nehmen, die Arbeitslosigkeit zu überwinden. Ohne die Mithilfe und den allerbesten Willen der Wirtschaft cehi das natürlich nicht Es darf vor allem der Gedanke keinen Boden finden, als wenn es Kreise der Wirtschaft aäbe, die an der Erhaltung einer arbeitslosen Reservearmee auf dem Arbeitsmarkt in Sinne ein Interesse Hät­ten, daß sie mit Hilfe dieser Rotleidenden die Löhne und Arbeitsbedingungen kor­rigieren könnten. In Erfurt ist glücklicherweise der entgegengesetzte Standpunkt von führenden Mirtschaftleri vertreten worden, der dahin geht, es muß alles anfa-boten werden, um die Arbeits- losiakeit zu überwinden. •

In dieiem Gedankengong war es ganz natur» aemäß, daß dieAktien S i l v e r b e r g s in der Fraae der A> beit-nemeinschaft und der großen Koalition einen Rahmen in der Erörterung bilde­ten. Den von Herrn Silverbero emnsohlenen Koalitionsbestrebungen steht die Zen­trumspartei mit jener fühlen Ruhe gegenüber, die sie auf Grund der Ersahrunoen der lebten ^ahre sich aneianen mußte. Politische Koalitio­nen lassen sich nicht enroinoen, wenn sie erzwun­gen werden, werden sie bald politische Versaaer. Boiitiiche Koalitionen können nur aus dem ernsten Willen au rerantwortunasvcller und gemeinschaft­licher Mila, bei: an den Erfordernissen des Staates und des Volkes entstehen. Das gleiche könnte man sagen von der Arbeitsgemeinschaft der

Wird Thoiry

fortacfiifjrt?

Bon einem besonderen Berliner Mitarbei­ter:

Die Frage, die wir in der Ueberschrift aufwar- sen, mußte sich in den letzten Tagen allen den­jenigen, welche die Pressestimmen aus den verschie­densten Ländern verfolgten, aufdrängen. Einmal aus Paris, das andere Mal aus London und wie­derum aus New Pork kamen in der Form zwar verschiedenartig gefärbte, ober doch, wie wir jetzt wissen, immer wieder aus einer einheitlichen Quelle stammenden Nachrichten, die nichts anders zum Zweck haben, als Verwirrung in die Thoiry- Politik Frankreichs sowohl wie Deutschlands zu bringen.

Demgegenüber muß vom deutschen Standpunkt aus mit allem Nachdruck zum Ausdruck gebracht werden, daß die Politik, die in Thoiry nun einmal unter Billigung der Reichsregierung eingeschlagen worden ist, auch mit allen zweckdienlichen Mitteln weiter geführt.roerben muß. Ob diese Po­litik zum Ziele führt, kann natürlich heute niemand sagen. Wir wissen, daß wir noch mit Schwierig­keiten zu kämpfen haben, wir wissen aber nicht, ob wir sie überwinden werden und ob nicht die tatsächlichen Verhältnisse stärker sind als Menschen­kraft hinreichen würde, um sie zu überwinden. Je­denfalls steht im deutschen Volke Einmütigkeit dar­über, daß unser Rheinland möglichst bald f r ei und daß auch das Saara-biet rasch an Deutschland wied-r zurückoeführt wird.

Wenn man sich die „Zweck"-Meldunaen, die wir oben erwähnt haben, d-s näheren ansieht, so begönnet man vielfach der Behauvtuna. doß durch die Thoirn-Bolitif die Beriehunaen Deutschlands au den übrioen Mächten, insbesondere aber zu England und Amerika leiden mürben. Man konnte aeltenb machen hören, baß in Amerika hie N-iguna, un« Kredite zu geben, in Folge der Do- liftk von Thoiry verringert würbe. Das gerade Gegenteil ist b»r Fall. Amerika hat vielmehr ein aroßes Interesse an der Konsolidierung Europas und als Etapve hierzu betrachtet man in Amerika mit outem Grund die Annäherung Deutschlands und Frankreichs "Nd damit die Mög­lichkeit, die den europäischen Frieden seit lanaem immer wieder aefährdenden Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten zu beorbnen.

Weiter ist behauntet worben, baß Frankreich über bie finanzielle Hilfe Deutfchlanbs zur Stabili­sierung der französischen Währung auch noch eine Stabilisierung der Ost grenze fordere. Wir können auf das bestimmteste demgegenüber feftfMfen, daß von frauaösilcher offizieller Seite die mit Thoiry aufgeworfenen Fragen in keinerlei Be­ziehung zu der Frage der Ostarenze ober auch au b»r Anfchliißfrage g-bracht worben sinb. All diese Meldungen sollen offenbar nur dazu dienen, eine in Deutschland aewiß vorhandene, aber doch recht schwache Opposition gegen die Thoiry-Politik zu stärken mit dem Ziel, diese Politik zum Scheitern zu bringen. Damit würde aber nur den Interessen einer bestimmten Gruppe Vorschub geleistet. Eine weitere Behauptung, der man in der Oeffentlichkeit begegnet, ist bie, baß Frankreich bem Uebergang ber Militärkontrolle in ben Völkerbund nur dann zustimmen werbe, wenn bie Kontrolle von einer Kommission ausgeübt werbe, bie aus Tranaofen, Polen unb Tschechen bestehe. Daran ist. wie zuverläffio versichert werben kann, kein Wort wahr. Ebenso unrichtig ist bie, einem französischen Sachverständigen zuoeschriebene Be­hauptung, die deutsche Regierung habe einen gro­ßen Fehler d-»>">--h h^nnnprt. daß sie ben Geban-

** "iner beutsch-französischen Anleihe faneiert hohe. Dieser Gedanke ist von deutscher Seite n i e auf­geworfen worden. Daß in Frankreich ber Tier» ständiaungsoedanke auf Schwierigkeiten stößt, ist felbftverstänblich in einem Lande, bas noch un­längst behauptete, baß bie Räumungsfrist noch

gar nicht begonnen Habe. Daß Brianb schwe­ren Hemmungen begegnen würbe, ist von deutscher Seite von vornherein angenommen wordm, und man hat hie* keineswegs damit gerechnet, daß sich die Sache sozulggen im Handumdrehen machen ließe.

Es wird sich empfehlen, dem weiteren Verlauf gegenüber die Nerven zu behalten. Mr haben versucht, zu einer Verständigung zu gelangen. Stößt der Versuch bei den Franzosen auf rm- übersteigliche Hindernisse, so werden wir das nicht zu verantworten haben. Die Räumung der be­setzten Gebiete muß in absehbarer Zeit erfolgen, ja eine vorzeitige Räumung liegt mehr und mehr im Interesse Frankreichs, das in diesem Augenblick für eine derartige Konzession sich noch Zuaeständniffe aushandeln könnte, was aber nicht mehr der Fall wäre, wenn die Räumungsfristen ohnehin schon ihrem Ablauf sich nähern.

Man kann gewiß nicht ver'chweioen, daß mit den in Thoiry begonnenen Verhandlungen man gegenwärtig auf einem ,.toten Punkt" ängelangt ist. Das kommt bei allen Verhandlungen vor. Wieviel „tote Punkte" gibt es nicht bei Handels­vertragsverhandlungen. Der Politiker muß damit und mit Rückschlägen als mit etwas Selbstverständ­lichem rechnen.

Es hat int gegenwärtigen Augenblick auch kei­nen politischen Sinn unb Zweck, nach einer Re­vision des Dawes-Planes zu rufen. Eine Aenderung der Grundlage dieses Dawes-Planes ist für uns ein zweischneidiges Schwert, denn mit ber Aufhebung dieses Planes ginge auch der Transfer-Schutz für uns verloren. Die Auf­rechterhaltung des Dawes-Planes in seiner jetzigen Gestalt wird noch mehr als bei uns in Deutschland anderwärts als unhaltbar empfunden.

Im übrigen wird der deutsche Reichstag schon in der nächsten Woche zu diesen Fragen Stellung nehmen und es wird sich dabei zweifellos ergeben, daß er in seiner großen Mehrheit hinter der Reichs­regierung und hinter der Thoiry-Politik steht.

♦

Der deutsche Botschafter in Paris v. Hoesch hatte am Donnerstag eine ein stündige Un­terredung mit dem Generalsekretär im fran­zösischen Ministerium für Auswärtiges, Philipp Berthelot.

Das Gesicht Amerikas.

Der Premierminister von Australien, Bruce, sagte in einer Rebe in Lonbon, die er auf einem von der amerikanischen Handelskammer ge­gebenen Frühstück hielt:

Australien und Amerika sehen mit Er- schrecken die Erbitterung unb ben Haß, burch ben bie Völker Europas in felnbliche Lager gespalten werden. Man barf sich nicht verhehlen, baß bie Völker Europas Amerika ben Vorwurf machen, es habe nicht wie Europa bie großen La­sten bes Krieges getragen unb es fei durch bie Leiden ber Völker Europas reich geworben. Es habe bie größte Tragödie ber Welt ausgenutzt, um seine Stellung zu verbessern unb suche nun von ben Völkern Europas Lösegelb zu verlangen. Diese Spannung muß beseitigt werben, da die Zu­kunft der Welt von einer besseren Verständigung zwischen Europa unb Amerika unb von ber Mit­arbeit Amerikas bei ber Lösung ber wirtschaft­lichen Probleme ber Welt abhängt. Solange man Amerika so wie geschilbert sehe, ist aber feine Mit- arbeit nicht zu erhoffen. Die Völker Europas müf« fenzu ber Erkenntnis gebracht roerben, baß bas amerikanische Volk seine Pflicht kennt unb daß es '-"it ist, das Seine zu tun. Unb bie Am-wikaner müssen sich klar machen, baß bie Völker Europas burch unerhörte Leiben geganaen sinb unb baß sie wirtschaftlichen unb sozialen Problemen gegenüber stehen, die sie unmöglich allein lösen können.

tes hindern könnte Gewiß, es wirb zwischen die­sen vier Persönlichkeiten und den Auffassungen, die jeder von ihnen vertritt, immer Nuancierungen geben Aber darauf kommt es nicht an. Das Ausschlaggebende ist ber feste unerschütterliche Wille, auf bem Boben der Zentrums- i b e e unb der Zentrumspartei gemeinsam am Wohle des Volkes und des republikanischen Volks­staates zu arbeiten. Die Spekulationen der Gegner, daß burch bie Strömungen unb etwas stürmischen Auseinanbersetzungen innerhalb ber Zentrumspartei die Letztere auseinanderfallen könnte, sind wie so oft, feit dem mehr als fünfzig­jährigen Bestehen der Zentrumspartei alle wieder zu Wasser geworden. Schmerzlich ist nur in diesem Zusammenhang bie Trennung von ber Bayerischen Volkspartei Doch darüber soll heute nichts gesagt fein. Vielleicht findet dieses Problem auch eine nähere Erklärung auf der in Aussicht genommenen Versamm­lung der Vorstände ber Zentrums- Partei ber einzelnen Gänber. Dieser Tagung darf man eine große Bedeutung beimes­sen. Denn auch wir in unserem Parteilager müs­sen doch allmählich eine klare Linie finden zu ber Frage, wie die Rechte der Länder gegenüber dem Reich abgegrenzt werden sollen. Da wird ber Fi­nanzausgleich eine große Rolle spielen und auch wohl das Reben- unb llebereinanberregieren von Reichs- unb Länderinstanzen.

Roch ein letztes Wort zu einer dringlichen Auf­gabe, die in Erfurt herausgestellt rourtV. Das ist die Frage der politischen Bildungs < arbeit innerhalb ber Zentrumspartei. Wir kommen mit ben primitiven Mitteln der früheren Zeit nicht mehr aus. Wenn eine Partei, wie die Zentrumspartei, verantwortunasvoll unb führend in dem Parlament tätig fein soll, bann muß sie auch die Kräfte haben, diese Arbeit zu vollbringen. Diese Kräfte findet man nicht zusällig auf der Straße, sondern sie müssen durch eine ausnebehnte Bildunasardeit herausgefunben werden. Mit die­ser Bilbunasarbeit aber hänat engstens zusammen das Maß ber Ovferwilligkeit unserer Par­teiangehörigen für bie Zwecke ber Partei. Unb das war wohl in Erfurt ber dunkelste aller Punkte, baß es mit dieser Opferwilliakeit leider schlecht be­stellt ist. Hunberttausenb scheiben hier ohne wei­teres aus, weil sie in Rotständen sich befinben, die nicht gestatten, von ihrem dürftigen Brot, was sie Frau und Kindern schuldig sind, noch etwas für andere Zwecke herzu geben. 2thör es mutet eigenartig an, wenn, was auch in Erfurt immer wider betont wurde, der kleine Mann in unserer Partei immerhin, wenn auch in bescheidenem Um­fange, bereit ist, finanzielle Opfer zu bringen, daß aber die Kreise, bie meist die größten Anfor­derungen stellen, die z u g e k n o p f t e st e n Ta- f cf) e n haben. Man wird darüber bei eine spä­teren Gelegenheit noch einmal ganz besonders be­raten müssen. Es kann gar keinem Zweifel un­terliegen, daß bei ber Einigkeit und Geschlossenheit, wie sie in Erfurt zum Ausdruck kam, unb bei der Begeisterung unb Hingabe für bie Ziele unb Auf­gaben, auch im gleichen Sinne bie Dpferroitligfeii in unserer Partei steigen wird.

Handwerk unb ben Mittelstand ausgesprochen hätte. Herr Lammers hat in aller Oeffentlichkeit jetzt nach-

Vorkrieasverschillduno übersteigt. Wenn man sich in dem Ziele einig ist, eine leistungsfähige Länd­

lichen und sozialen Verständigung das vollste Ver­ständnis enfoegenbringt, bedarf keiner weiteren Betonung. Auch hier schlägt bie Wirtschaft Bah­nen ein, bie durchaus in ber Zielrichtung alter erprobte Zentrumspolitik liegen.

Mit ber Wirischaftsfraae unlöslich verbunden ist bas Scbickfal des Mittel st anbes unb ber Lanbwirfschaft. Besonbers bie letztere befindet sich in einer außerordentlich schwierigen Uebergangsperiobe. Der Entschuldung ber Land-

wirtschafi zu erhalten mit intensiver Bewirtschaf­tung so wird man auch die Mittel unb Weae iu- chen, bas zu ermöglichen Hier liegt zweifellos, was in Erfurt auch bargetget wurde, bie größte Schwierigkeit Es wirb viel gegenfeitinen Ver­trauens unb gegenseitigen outen Willens bebürfen, um hier wirksame Hilfe zu bringen Unb

betroffen worben ist Unb die Gärung und die Unruhe in unseren Reihen, die auch auf dem Par­teitag in Kassel sich noch sehr lebhaft bemerkbar machte, hat in Erfurt eine große Abgleichung und 2lbklärung erfahren. Das roar wohl das erha­benste der Erfurter Tagung, daß Reichskanzler M a r x als Vorsitzender ber Partei erklären konnte. „Hier zeigt sich bie Universalität ber Zentruins- ibee". Den Ausspruch tat er, als die Debatte er­gab, baß Wirth unb Stegerwalb unb Ioos unb von Popen in eine Linie rückten unb ge­meinsam ihre unerschütterliche Entschlossenheit zum

gewiesen, baß bas Gegenteil ber Fall ist. Aus bem Gebiete der Sozialpolitik steht ja ber Reichstag vor großen Vorlagen: Arbeitslosenver­sicherung, Arbeitsgerichte, Arbeitszeitgesetz ufro. Sie erforbern bie weitere intensive unb zähe Mit­arbeit des Zentrums. Die Stellungnahme des Parteiausschusses ist dazu eindeutig zugunsten einer fortschrittlichen sozialen Reform.

Wenn alle diese wichtigen sozialen und wirt­schaftlichen Fragen in Erfurt sachgemäß behandelt wurden, so zeigt das schon, von welchem Geist die Tagung in Erfurt beseelt mar. Es ist ganz na­turgemäß, daß in diesem Wirbel ber revolutionä­ren Zeit mit ben abenteuerlichsten Jbeen, mit bem

wirtschaft ist sehr halb eine neue Verschuldung ge­folgt, bie, trenn sie an Summe auch kleiner ist,

Gewerkschaften unb ber Arbeitgeber« In mittelstänbnerischen Kreisen hatte man bie Näch­t' e r bä n d e, trotzdem bie Verhältnisse hier einfacher richtet verbreitet, baß Herr Lammers sich gegen liegen. Hier wirb es sich im Wesentlichen barum eine Ausdehnung ber Wirtschaftsenquete auf das handeln, das gegenseitige Mißtrauen zu überwin­den unb nach neuen Formen ber Betätigung einer solchen Arbeitsgemeinschaft zu suchen. Daß bie Zentrumspo--tei unb die in ihr vertretene christ­liche 2lrbeiterschaft bem (Bebauten ber wirtschaft-

innerhalb ber Zentrumsvartei werben bie Wirt­schaftler unb d>e ßanbroirte aanz ernsthaft über dies" Trave sich uniethalten müssen.

Erfreulich war. daß burch eine Aussprache zwi­

schen bem Abgeordneten Lammers und Esser Ausdruck brachten, alles fernzuhalten, was den un» eine 9icitationsente aus ber Welt geschaffen mürbe. 1 gestörten Stufbau bes republikanischen Volksstaa»

v.t, .......... ^muuiic Uuui ucinci bitteren Schmerz über Vergangenes auf ber einen,

aber an Zinsverpflichtungen zum^Tetl jetzt hie ' unb der großen Enttäuschung bes Nichterreichten auf ber anderen Seite auch bie Zentrumspartei

Balkan-Phantasie.

Eine ungarisch-rumänifche Personalunion?

In der ungarischen Nationalversammlung be houptete der demokratische Abgeordnete Vmz-nz Nagy, die Regierung habe die Absicht, mit Ru­mänien eine Perwnalnnwu zu schaff m, und zwar in der Weise, baß daß rumänische Exkronprinz Carol zum ungarischen Köncg oelvählt werde, unter ber Voraus etznng, daß er auch in seine Rechte als rumäni-cher Thronfolger wieder einae-etzt weide, um bann in seiner Person bie beiden König­reiche zu vereinigen.

In politischen Kreffen Ungarns haben diese Aus­führungen des Abg. Vinzenz Nagy allgemein Be­fremden erregt. Man wundert sich, daß Nagy den gleichlautenden, aber wiederholt dementierten solchen Nachrichten einzelner ausländischer Blätter in der ungarischen Nationalversammlung Retonanz ver­liehen hat. Der Pester Lloyd stellt in feinem Par­lamentsbericht fest, daß bie Ausführungen Nagys auf keiner Seite des Hauses ernst genommen wurden.___

Die Vorgänge an der spanisch' französischen Grenze.

Zur Frage ber in ber französischen Grenzstadt Perpignan aufgedeckten Verschwörung hat die spa­nische Regierung eine Note der Presse zugestellt, in der es u. a. heißt: Die spanische Sicherheits- Polizei hatte seit etwa 14 Tagen Kenntnis von einer angezettelten Verschwörung, deren einzige» Ziel die Störung der öffentlichen Ordnung war. Die Verschwörer standen im Einvernehmen mit einigen wenigen in Spanien wohnenden Elementen. Das Wesentliche dabei ist, daß die schwachen Min­derheiten, die sich gegen das Regime auflehnen, burch Mangel an Kraft und burch bas Fehlen einer angemessenen Stimmung, in ihrem Versuche, die Ordnung zu gefährden, noch einmal erfolglos blieben unb baß das Land ruhig weiter leben kann, indem es nicht allein seiner Sicherheits-Polizei vertraut, sondern auch ber französischen Regierung, die die Gastfreundschaft, mit der sie die politischen Flüchtlinge aufnimmt, nicht mißbrauchen lassen will.

Nach einer Meldung des „Echo be Paris" aus Toulouse verhaftete die französische Poli­zei ben letzten Trupp ber Ausständigen, die die spanische Grenze überschreiten wollten. Etwa 700 Separatisten haben übet bie Grenze gelangen können.

Nach bem „Petit Parisien" befinden sich jetzt in Frankreich 115 Verschwörer, darunter 80 Spa-