Arneiaer für die Sfahf und den Kreis Fulda. AmNiches Äreishfaff.
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lahra« 53.
Rückdttck auf Erfurt.
Non Reichsminister a. D. Giesberts, M.d.R.
Es roar an sich eine kluge und vernünftige Idee, kurz vor Beginn der großen Parlamentstagungen in Preußen und im Reich den Reichspar. ieiausschuß und den Vorstand zusammenzuberufen, um Stellung zu nehmen zu den wichligen politischen Problemen, die die Parlamente im Laufe des Winters bejchäftigen werden. Liefe Uebung sollte man beibehalten. Der Wert solcher Verhandlungen liegt ja nicht in den Beschlüssen, sondern vielmehr in der Aussprache und in der persönlichen Fühlungnahme, und der aus dieser Situation herausfließenden politischen Linie für das par- lamentarische Leben. Rach dieser Richtung waren die Verhandlungen des Parteiausschusses außerordentlich fruchtbringend. Die zweitägige Aussprache im Vorstand und im Ausschuß zeigt, mit welchem Verständnis und welcher Tiefe man im Lande Sie politischen Aufgaben verfolgt. Es kam darin ein außerordentlich starkes politisches Verantwortung sbew u ßt fein zum Ausdruck. Das letztere ist für das parlamentarische Regierungssystem die erste und wichtigste Voraussetzung. Es kann in diesem Rückblick nur auf einzelne Fragen zurückgegriffen werden.
Da ist zuerst die Frage der auswärtigen P o l i ti k, die ganz naturgemäß infolge der Ei- genart der Lage Deutschlands nach dem Kriege die Priorität unter allen politischen Fragen einnimmt. Die Zentrumspartei kann hier mit Genugtuung und Befriedigung auf ihre Haltung seit dem Zusammenbruch des Krieges zurückblicken. Es war gewiß eine bittere Zeit der Verärgerung und der Mißverständnisse auch in unseren eigenen Reihen. An diesem Weg liegen die Gräber von E r z b e r - g e r und Rathenau, und an diesem Weg liegt auch die Schmutzflut von Beschimpfungen, die sich gegen die Männer richtete, welche diese gradlinige Poli- tik in der Regierung vertraten, gegen Wirth und Marx. Wir freuen uns für das deutsche Volk, daß wir allmählich aus diesem trüben Sumpf herauskommen und einen klareren Blick für die Zukunftsaufgaben gewinnen. Bei aller Genugtuung über die Richtigkeit der politischen Linie, wie sie unsere Partei vertreten hat, kam noch in Erfurt rein übertriebener Optimismus zur Geltung, son- vern eine ruhige, nüchterne Beurtei - I u n g. Es fiel auch das Wort: Wir müssen warten können, und es fiel weiter das Wort, daß olles Sturmen und Drängen uns nur übel aus- gelegt werden könnte. Aber ebenso sehr war zu unterstreichen, daß nicht die Lasten des Dawes- planes allein das deutsche Volk und die deutsche Wirtschaft belasten, sondern daneben die ungeheure Verschuldung durch Ausländsanleihen sowohl öffentlicher Körperschaften wie auch großer privater Unternehmungen.
Ganz naturgemäß führt die Betrachtung der auswärtigen Politik zu einer Stellungnahme zu den Fragen der Wirtschaft, wie sie sich gegenwärtig in Deutschland entwickelt. Wir er» eben gegenwärtig, daß fast mehr als die Politik, sie Wirtschaft sich international verknüpft und zwar, man möchte sagen, es zwangsläufig tun muß. Das Interesse der einzelnen nationalen Wirtschaft der Länder gebietet, schädliche und nutzlose Konkurrenzkämpfe zu vermeiden, aber je nach der Leistung und der Bedeutung des einzelnen Wirtschaftszweiges diese Konkurrenzbedingungen auszugleichen. Damit gibt die Wirtschaft eine wichtige Grundlage für die Völkerverständigung, vor allem für eine Verständigung der europäischen Rationen. Daraus erhellt aber, welche großes Interesse auch die Zentrumspartei hat, Männer aus ihren Reihen unter den sichtenden Kreisen der Wirtschaftler zu haben, damit auch diese Politik von dem Geist beeinflußt wird, aus dem die Zentrumspartei von jeher Wirtschafts- und Spezialpolitik betrieben hat, dem Geist der ausglei- chenden Gerechtigkeit und der Achtung vor dem Menschentum der Völker.
Unsere innere Wirtschaft steht nach wie vor unter dem Druck der furchtbaren Arbeitslosigkeit. Es ist in Erfurt klar zum Ausdruck gekommen, daß die Zentrumsvartei sich nicht befriedigt erklärt, daß man die Rot der Arbeitslosen nach Möglichkeit lindert — das ist etwas Selbstverständliches — sondern vielmehr sollte man darauf bedacht nehmen, die Arbeitslosigkeit zu überwinden. Ohne die Mithilfe und den allerbesten Willen der Wirtschaft cehi das natürlich nicht Es darf vor allem der Gedanke keinen Boden finden, als wenn es Kreise der Wirtschaft aäbe, die an der Erhaltung einer arbeitslosen Reservearmee auf dem Arbeitsmarkt in Sinne ein Interesse Hätten, daß sie mit Hilfe dieser Rotleidenden die Löhne und Arbeitsbedingungen korrigieren könnten. In Erfurt ist glücklicherweise der entgegengesetzte Standpunkt von führenden Mirtschaftleri vertreten worden, der dahin geht, es muß alles anfa-boten werden, um die Arbeits- losiakeit zu überwinden. •
In dieiem Gedankengong war es ganz natur» aemäß, daß dieAktien S i l v e r b e r g s in der Fraae der A> beit-nemeinschaft und der großen Koalition einen Rahmen in der Erörterung bildeten. Den von Herrn Silverbero emnsohlenen Koalitionsbestrebungen steht die Zentrumspartei mit jener fühlen Ruhe gegenüber, die sie auf Grund der Ersahrunoen der lebten ^ahre sich aneianen mußte. Politische Koalitionen lassen sich nicht enroinoen, wenn sie erzwungen werden, werden sie bald politische Versaaer. Boiitiiche Koalitionen können nur aus dem ernsten Willen au rerantwortunasvcller und gemeinschaftlicher Mila, bei: an den Erfordernissen des Staates und des Volkes entstehen. Das gleiche könnte man sagen von der Arbeitsgemeinschaft der
Wird Thoiry
fortacfiifjrt?
Bon einem besonderen Berliner Mitarbeiter:
Die Frage, die wir in der Ueberschrift aufwar- sen, mußte sich in den letzten Tagen allen denjenigen, welche die Pressestimmen aus den verschiedensten Ländern verfolgten, aufdrängen. Einmal aus Paris, das andere Mal aus London und wiederum aus New Pork kamen in der Form zwar verschiedenartig gefärbte, ober doch, wie wir jetzt wissen, immer wieder aus einer einheitlichen Quelle stammenden Nachrichten, die nichts anders zum Zweck haben, als Verwirrung in die Thoiry- Politik Frankreichs sowohl wie Deutschlands zu bringen.
Demgegenüber muß vom deutschen Standpunkt aus mit allem Nachdruck zum Ausdruck gebracht werden, daß die Politik, die in Thoiry nun einmal unter Billigung der Reichsregierung eingeschlagen worden ist, auch mit allen zweckdienlichen Mitteln weiter geführt.roerben muß. Ob diese Politik zum Ziele führt, kann natürlich heute niemand sagen. Wir wissen, daß wir noch mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, wir wissen aber nicht, ob wir sie überwinden werden und ob nicht die tatsächlichen Verhältnisse stärker sind als Menschenkraft hinreichen würde, um sie zu überwinden. Jedenfalls steht im deutschen Volke Einmütigkeit darüber, daß unser Rheinland möglichst bald f r ei und daß auch das Saara-biet rasch an Deutschland wied-r zurückoeführt wird.
Wenn man sich die „Zweck"-Meldunaen, die wir oben erwähnt haben, d-s näheren ansieht, so begönnet man vielfach der Behauvtuna. doß durch die Thoirn-Bolitif die Beriehunaen Deutschlands au den übrioen Mächten, insbesondere aber zu England und Amerika leiden mürben. Man konnte aeltenb machen hören, baß in Amerika hie N-iguna, un« Kredite zu geben, in Folge der Do- liftk von Thoiry verringert würbe. Das gerade Gegenteil ist b»r Fall. Amerika hat vielmehr ein aroßes Interesse an der Konsolidierung Europas und als Etapve hierzu betrachtet man in Amerika mit outem Grund die Annäherung Deutschlands und Frankreichs "Nd damit die Möglichkeit, die den europäischen Frieden seit lanaem immer wieder aefährdenden Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten zu beorbnen.
Weiter ist behauntet worben, baß Frankreich über bie finanzielle Hilfe Deutfchlanbs zur Stabilisierung der französischen Währung auch noch eine Stabilisierung der Ost grenze fordere. Wir können auf das bestimmteste demgegenüber feftfMfen, daß von frauaösilcher offizieller Seite die mit Thoiry aufgeworfenen Fragen in keinerlei Beziehung zu der Frage der Ostarenze ober auch au b»r Anfchliißfrage g-bracht worben sinb. All diese Meldungen sollen offenbar nur dazu dienen, eine in Deutschland aewiß vorhandene, aber doch recht schwache Opposition gegen die Thoiry-Politik zu stärken mit dem Ziel, diese Politik zum Scheitern zu bringen. Damit würde aber nur den Interessen einer bestimmten Gruppe Vorschub geleistet. Eine weitere Behauptung, der man in der Oeffentlichkeit begegnet, ist bie, baß Frankreich bem Uebergang ber Militärkontrolle in ben Völkerbund nur dann zustimmen werbe, wenn bie Kontrolle von einer Kommission ausgeübt werbe, bie aus Tranaofen, Polen unb Tschechen bestehe. Daran ist. wie zuverläffio versichert werben kann, kein Wort wahr. Ebenso unrichtig ist bie, einem französischen Sachverständigen zuoeschriebene Behauptung, die deutsche Regierung habe einen großen Fehler d-»>">--h h^nnnprt. daß sie ben Geban-
** "iner beutsch-französischen Anleihe faneiert hohe. Dieser Gedanke ist von deutscher Seite n i e aufgeworfen worden. Daß in Frankreich ber Tier» ständiaungsoedanke auf Schwierigkeiten stößt, ist felbftverstänblich in einem Lande, bas noch unlängst behauptete, baß bie Räumungsfrist noch
gar nicht begonnen Habe. Daß Brianb schweren Hemmungen begegnen würbe, ist von deutscher Seite von vornherein angenommen wordm, und man hat hie* keineswegs damit gerechnet, daß sich die Sache sozulggen im Handumdrehen machen ließe.
Es wird sich empfehlen, dem weiteren Verlauf gegenüber die Nerven zu behalten. Mr haben versucht, zu einer Verständigung zu gelangen. Stößt der Versuch bei den Franzosen auf rm- übersteigliche Hindernisse, so werden wir das nicht zu verantworten haben. Die Räumung der besetzten Gebiete muß in absehbarer Zeit erfolgen, ja eine vorzeitige Räumung liegt mehr und mehr im Interesse Frankreichs, das in diesem Augenblick für eine derartige Konzession sich noch Zuaeständniffe aushandeln könnte, was aber nicht mehr der Fall wäre, wenn die Räumungsfristen ohnehin schon ihrem Ablauf sich nähern.
Man kann gewiß nicht ver'chweioen, daß mit den in Thoiry begonnenen Verhandlungen man gegenwärtig auf einem ,.toten Punkt" ängelangt ist. Das kommt bei allen Verhandlungen vor. Wieviel „tote Punkte" gibt es nicht bei Handelsvertragsverhandlungen. Der Politiker muß damit und mit Rückschlägen als mit etwas Selbstverständlichem rechnen.
Es hat int gegenwärtigen Augenblick auch keinen politischen Sinn unb Zweck, nach einer Revision des Dawes-Planes zu rufen. Eine Aenderung der Grundlage dieses Dawes-Planes ist für uns ein zweischneidiges Schwert, denn mit ber Aufhebung dieses Planes ginge auch der Transfer-Schutz für uns verloren. Die Aufrechterhaltung des Dawes-Planes in seiner jetzigen Gestalt wird noch mehr als bei uns in Deutschland anderwärts als unhaltbar empfunden.
Im übrigen wird der deutsche Reichstag schon in der nächsten Woche zu diesen Fragen Stellung nehmen und es wird sich dabei zweifellos ergeben, daß er in seiner großen Mehrheit hinter der Reichsregierung und hinter der Thoiry-Politik steht.
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Der deutsche Botschafter in Paris v. Hoesch hatte am Donnerstag eine ein stündige Unterredung mit dem Generalsekretär im französischen Ministerium für Auswärtiges, Philipp Berthelot.
Das Gesicht Amerikas.
Der Premierminister von Australien, Bruce, sagte in einer Rebe in Lonbon, die er auf einem von der amerikanischen Handelskammer gegebenen Frühstück hielt:
Australien und Amerika sehen mit Er- schrecken die Erbitterung unb ben Haß, burch ben bie Völker Europas in felnbliche Lager gespalten werden. Man barf sich nicht verhehlen, baß bie Völker Europas Amerika ben Vorwurf machen, es habe nicht wie Europa bie großen Lasten bes Krieges getragen unb es fei durch bie Leiden ber Völker Europas reich geworben. Es habe bie größte Tragödie ber Welt ausgenutzt, um seine Stellung zu verbessern unb suche nun von ben Völkern Europas Lösegelb zu verlangen. Diese Spannung muß beseitigt werben, da die Zukunft der Welt von einer besseren Verständigung zwischen Europa unb Amerika unb von ber Mitarbeit Amerikas bei ber Lösung ber wirtschaftlichen Probleme ber Welt abhängt. Solange man Amerika so wie geschilbert sehe, ist aber feine Mit- arbeit nicht zu erhoffen. Die Völker Europas müf« fenzu ber Erkenntnis gebracht roerben, baß bas amerikanische Volk seine Pflicht kennt unb daß es '-"it ist, das Seine zu tun. Unb bie Am-wikaner müssen sich klar machen, baß bie Völker Europas burch unerhörte Leiben geganaen sinb unb baß sie wirtschaftlichen unb sozialen Problemen gegenüber stehen, die sie unmöglich allein lösen können.
tes hindern könnte Gewiß, es wirb zwischen diesen vier Persönlichkeiten und den Auffassungen, die jeder von ihnen vertritt, immer Nuancierungen geben Aber darauf kommt es nicht an. Das Ausschlaggebende ist ber feste unerschütterliche Wille, auf bem Boben der Zentrums- i b e e unb der Zentrumspartei gemeinsam am Wohle des Volkes und des republikanischen Volksstaates zu arbeiten. Die Spekulationen der Gegner, daß burch bie Strömungen unb etwas stürmischen Auseinanbersetzungen innerhalb ber Zentrumspartei die Letztere auseinanderfallen könnte, sind wie so oft, feit dem mehr als fünfzigjährigen Bestehen der Zentrumspartei alle wieder zu Wasser geworden. Schmerzlich ist nur in diesem Zusammenhang bie Trennung von ber Bayerischen Volkspartei Doch darüber soll heute nichts gesagt fein. Vielleicht findet dieses Problem auch eine nähere Erklärung auf der in Aussicht genommenen Versammlung der Vorstände ber Zentrums- Partei ber einzelnen Gänber. Dieser Tagung darf man eine große Bedeutung beimessen. Denn auch wir in unserem Parteilager müssen doch allmählich eine klare Linie finden zu ber Frage, wie die Rechte der Länder gegenüber dem Reich abgegrenzt werden sollen. Da wird ber Finanzausgleich eine große Rolle spielen und auch wohl das Reben- unb llebereinanberregieren von Reichs- unb Länderinstanzen.
Roch ein letztes Wort zu einer dringlichen Aufgabe, die in Erfurt herausgestellt rourtV. Das ist die Frage der politischen Bildungs < arbeit innerhalb ber Zentrumspartei. Wir kommen mit ben primitiven Mitteln der früheren Zeit nicht mehr aus. Wenn eine Partei, wie die Zentrumspartei, verantwortunasvoll unb führend in dem Parlament tätig fein soll, bann muß sie auch die Kräfte haben, diese Arbeit zu vollbringen. Diese Kräfte findet man nicht zusällig auf der Straße, sondern sie müssen durch eine ausnebehnte Bildunasardeit herausgefunben werden. Mit dieser Bilbunasarbeit aber hänat engstens zusammen das Maß ber Ovferwilligkeit unserer Parteiangehörigen für bie Zwecke ber Partei. Unb das war wohl in Erfurt ber dunkelste aller Punkte, baß es mit dieser Opferwilliakeit leider schlecht bestellt ist. Hunberttausenb scheiben hier ohne weiteres aus, weil sie in Rotständen sich befinben, die nicht gestatten, von ihrem dürftigen Brot, was sie Frau und Kindern schuldig sind, noch etwas für andere Zwecke herzu geben. 2thör es mutet eigenartig an, wenn, was auch in Erfurt immer wider betont wurde, der kleine Mann in unserer Partei immerhin, wenn auch in bescheidenem Umfange, bereit ist, finanzielle Opfer zu bringen, daß aber die Kreise, bie meist die größten Anforderungen stellen, die z u g e k n o p f t e st e n Ta- f cf) e n haben. Man wird darüber bei eine späteren Gelegenheit noch einmal ganz besonders beraten müssen. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß bei ber Einigkeit und Geschlossenheit, wie sie in Erfurt zum Ausdruck kam, unb bei der Begeisterung unb Hingabe für bie Ziele unb Aufgaben, auch im gleichen Sinne bie Dpferroitligfeii in unserer Partei steigen wird.
Handwerk unb ben Mittelstand ausgesprochen hätte. Herr Lammers hat in aller Oeffentlichkeit jetzt nach-
Vorkrieasverschillduno übersteigt. Wenn man sich in dem Ziele einig ist, eine leistungsfähige Länd
lichen und sozialen Verständigung das vollste Verständnis enfoegenbringt, bedarf keiner weiteren Betonung. Auch hier schlägt bie Wirtschaft Bahnen ein, bie durchaus in ber Zielrichtung alter erprobte Zentrumspolitik liegen.
Mit ber Wirischaftsfraae unlöslich verbunden ist bas Scbickfal des Mittel st anbes unb ber Lanbwirfschaft. Besonbers bie letztere befindet sich in einer außerordentlich schwierigen Uebergangsperiobe. Der Entschuldung ber Land-
wirtschafi zu erhalten mit intensiver Bewirtschaftung so wird man auch die Mittel unb Weae iu- chen, bas zu ermöglichen Hier liegt zweifellos, was in Erfurt auch bargetget wurde, bie größte Schwierigkeit Es wirb viel gegenfeitinen Vertrauens unb gegenseitigen outen Willens bebürfen, um hier wirksame Hilfe zu bringen Unb
betroffen worben ist Unb die Gärung und die Unruhe in unseren Reihen, die auch auf dem Parteitag in Kassel sich noch sehr lebhaft bemerkbar machte, hat in Erfurt eine große Abgleichung und 2lbklärung erfahren. Das roar wohl das erhabenste der Erfurter Tagung, daß Reichskanzler M a r x als Vorsitzender ber Partei erklären konnte. „Hier zeigt sich bie Universalität ber Zentruins- ibee". Den Ausspruch tat er, als die Debatte ergab, baß Wirth unb Stegerwalb unb Ioos unb von Popen in eine Linie rückten unb gemeinsam ihre unerschütterliche Entschlossenheit zum
gewiesen, baß bas Gegenteil ber Fall ist. Aus bem Gebiete der Sozialpolitik steht ja ber Reichstag vor großen Vorlagen: Arbeitslosenversicherung, Arbeitsgerichte, Arbeitszeitgesetz ufro. Sie erforbern bie weitere intensive unb zähe Mitarbeit des Zentrums. Die Stellungnahme des Parteiausschusses ist dazu eindeutig zugunsten einer fortschrittlichen sozialen Reform.
Wenn alle diese wichtigen sozialen und wirtschaftlichen Fragen in Erfurt sachgemäß behandelt wurden, so zeigt das schon, von welchem Geist die Tagung in Erfurt beseelt mar. Es ist ganz naturgemäß, daß in diesem Wirbel ber revolutionären Zeit mit ben abenteuerlichsten Jbeen, mit bem
wirtschaft ist sehr halb eine neue Verschuldung gefolgt, bie, trenn sie an Summe auch kleiner ist,
Gewerkschaften unb ber Arbeitgeber« In mittelstänbnerischen Kreisen hatte man bie Nächt' e r bä n d e, trotzdem bie Verhältnisse hier einfacher richtet verbreitet, baß Herr Lammers sich gegen liegen. Hier wirb es sich im Wesentlichen barum eine Ausdehnung ber Wirtschaftsenquete auf das handeln, das gegenseitige Mißtrauen zu überwinden unb nach neuen Formen ber Betätigung einer solchen Arbeitsgemeinschaft zu suchen. Daß bie Zentrumspo--tei unb die in ihr vertretene christliche 2lrbeiterschaft bem (Bebauten ber wirtschaft-
innerhalb ber Zentrumsvartei werben bie Wirtschaftler unb d>e ßanbroirte aanz ernsthaft über dies" Trave sich uniethalten müssen.
Erfreulich war. daß burch eine Aussprache zwi
schen bem Abgeordneten Lammers und Esser Ausdruck brachten, alles fernzuhalten, was den un» eine 9icitationsente aus ber Welt geschaffen mürbe. 1 gestörten Stufbau bes republikanischen Volksstaa»
v.t, .......... ^muuiic Uuui ucinci bitteren Schmerz über Vergangenes auf ber einen,
aber an Zinsverpflichtungen zum^Tetl jetzt hie ' unb der großen Enttäuschung bes Nichterreichten auf ber anderen Seite auch bie Zentrumspartei
Balkan-Phantasie.
Eine ungarisch-rumänifche Personalunion?
In der ungarischen Nationalversammlung be houptete der demokratische Abgeordnete Vmz-nz Nagy, die Regierung habe die Absicht, mit Rumänien eine Perwnalnnwu zu schaff m, und zwar in der Weise, baß daß rumänische Exkronprinz Carol zum ungarischen Köncg oelvählt werde, unter ber Voraus etznng, daß er auch in seine Rechte als rumäni-cher Thronfolger wieder einae-etzt weide, um bann in seiner Person bie beiden Königreiche zu vereinigen.
In politischen Kreffen Ungarns haben diese Ausführungen des Abg. Vinzenz Nagy allgemein Befremden erregt. Man wundert sich, daß Nagy den gleichlautenden, aber wiederholt dementierten solchen Nachrichten einzelner ausländischer Blätter in der ungarischen Nationalversammlung Retonanz verliehen hat. Der Pester Lloyd stellt in feinem Parlamentsbericht fest, daß bie Ausführungen Nagys auf keiner Seite des Hauses ernst genommen wurden.___
Die Vorgänge an der spanisch' französischen Grenze.
Zur Frage ber in ber französischen Grenzstadt Perpignan aufgedeckten Verschwörung hat die spanische Regierung eine Note der Presse zugestellt, in der es u. a. heißt: Die spanische Sicherheits- Polizei hatte seit etwa 14 Tagen Kenntnis von einer angezettelten Verschwörung, deren einzige» Ziel die Störung der öffentlichen Ordnung war. Die Verschwörer standen im Einvernehmen mit einigen wenigen in Spanien wohnenden Elementen. Das Wesentliche dabei ist, daß die schwachen Minderheiten, die sich gegen das Regime auflehnen, burch Mangel an Kraft und burch bas Fehlen einer angemessenen Stimmung, in ihrem Versuche, die Ordnung zu gefährden, noch einmal erfolglos blieben unb baß das Land ruhig weiter leben kann, indem es nicht allein seiner Sicherheits-Polizei vertraut, sondern auch ber französischen Regierung, die die Gastfreundschaft, mit der sie die politischen Flüchtlinge aufnimmt, nicht mißbrauchen lassen will.
Nach einer Meldung des „Echo be Paris" aus Toulouse verhaftete die französische Polizei ben letzten Trupp ber Ausständigen, die die spanische Grenze überschreiten wollten. Etwa 700 Separatisten haben übet bie Grenze gelangen können.
Nach bem „Petit Parisien" befinden sich jetzt in Frankreich 115 Verschwörer, darunter 80 Spa-