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Anzeiger für die Sfabf und den Kreis .Fulda. Amtliches kreisblafk.

fir. 255.

Erschein« te*8mai wöchentlich. Wockenbe-Iaaen Illustriert? Bei- afle" und Buchend!Stter" Rotationsdruck und «erlaa der

Iuldaer Actiendruckerei in Iulda. Tiernivrecher Nr. 9.

Beriio»»r?i« 1.KO "T

Donnerstaa, 4 November 1926.

'n < einen» Bre- e- Klein,eil? Coioneli ofoi O.lb Reichsmar auswLrts 0.20 Reichsmark. Reklame,eile lokal 0.6' ReichSmarl auswärts 0.80 Reichsmark-

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]ahrg. 53,

Nach d m Mussolini-Attentat.

Lavoro d' Italia" berichtet aus Nizza, daß dort eine Verschwörung italienischer Emi­granten gegen das Leben Mussolinis aufgedeckt und zwei Emigranten verhaftet worden seien, die bereits Vorkehrungen für die Rückkehr nach Ita­lien getroffen hätten. Die Grenzen würden stark überwacht.

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Im Zusammenhang mit dem Anschlag auf Mus­solini fanden in einigen Städten Italiens K u n d- aebungen gegen umstürzlerische Elemente statt. In Genua wurden zwei Personen getötet. In Cagliari tötete ein antifaschistischer Abgeordneter einen Faschisten, der eine Rede an Manifestanten hielt.

*

Der Havasvertreter in Nizza berichtet über den Zwischenfall, der sich in Ventimiglia zwischen italienischen Faschisten und französischen Eisenbah­nern ereignete, noch Folgendes: Die safch'stischen Behörden hätten bei dem französischen Konsul ihr Bedauern über die gestrigen Zwischenfäll-' ausge­drückt. Im Uebrigen, heißt es in der Meldung weiter, sei es richtig, daß ein Faschist in das fran­zösische Konsulat eingedrungen sei, nachdem er der Polizei erklärt habe, er habe eine Begegnung mit dem Konsul und daß er dann vom Balkon des stanzösifchen Konsulates aerufen haben soll: Her zu mir, Ihr Kameraden! Die Franzosen fordern uns heraus! Die faschistische Miliz habe die Faschisten daran gehindert, weitere Kundaebungen zu ver­anstalten, jedoch hätten die Faschisten am Abend Umzüge veranstaltet, in denen sie franzosenfeind­liche Bemerkungen fallen ließen. Die B-wölkerung von Ventimiglia mißbillige diese Kundgebungen. Eine hohe politische Persönlichkeit habe dem Haras- vertreter gegenüber erklärt, die Ursache für die Zwischenfälle sei in der Art gewisser in Nizza in italienischer und französischer Sv?a-b» erscheinenden Zeitungen zu suchen, bi-* unaufhörlich auf Musso­lini und die italienische Regierung schmähten. Es wäre deshalb nötig, diese Zeitungen in italieni­scher Sprache zu verbieten.

wtb Rom, 3. Nov. (Eig. Funkm.) Die Blät­ter berichten von Zwischenfällen >n ecschie» denen Städten infolge des Attentats. In Cag­liari wurden zwei Redaktionen gestürmt sowie ein Oppositions-Abgeordneter verhaftet. In einem Ort in der Nähe von Mailand wurden das Vereinslokal der P o p o l a r i sowie ein? Druckerei in Brand gesetzt. Die Feuerwehr wurde von der Löschtätigkeit abgehalten, lodaß die Gebäude nie­derbrannten. Auch in Neapel wurden die Woh­nungen einiger Antifaschisten vernichtet.

(Eine würoige Abfuhr.

In seiner Rede vor dem Reichsparteiaus- fch der Zentrumspartei in Erfurt erklärte Reichs­kanzler Dr. Marx auch folgendes:

Die Zentrumspartei hat ununterbrochen bis zum heutigen Tage sich wie feit ihrer Gründung als eminente Schützerin und Förderin des Staates bewiesen. Sie hat, wie sie mit Stolz immer wie­der feststellen kann, seit 1919 noch niemals ihre Pflicht, für das Volk auch an verantwortlicher Stelle politische Arbeit zu leisten, verleugnet oder vernach­lässigt. Sie hat immer wieder die schwere Last der Verantwortung auch in der Uebernahme von Re­gierungsstellen auf sich genommen, wenn auch das Parteiinteresse es als viel verlockender hingestellt hätte, sich von der Regierung zurückzuziehen und bequemem Agitationsinteresse Vorschub zu leisten. Diese Versuchung hat die Partei stets mit Entschie­denheit zurückgewiesen.

Mit Fug und Recht kann sie die Vorwürfe als unbegründet zurückweisen, die der

frühere Kaiser

in seine soeben erschienenen Jugenderinnerungen gegen ihre Vaterlandstreue zu erhben sich unterfängt. Der Vorwurf, daßdie Führer des Zentrums geistig abhängig von einer auswärtigen Macht, dem Papsttum, seien, daß sie ihre natürliche Abneigung gegen das protestantische Herrscherhaus niemals verleugnet, noch sich zu einem vorbehalt­los freudigen Bekenntnis zum Reichsgedanken auf- geschwungen hätten, daß dem Zentrum jedes konse­quente Programm für eine nationale Politik ge­fehlt und es in allen grundlegenden politischen Fra­gen, in allem für das nationale Leben Wesentlichen eine Selbstsucht an den Tag gelegt habe, die die Partei bis auf den heutigen Tag gehalten habe", läßt eine unglaubliche Unkenntnis der wahren Sachlage erkennen, feine Haltlosigkeit ist durch zahi reiche unbestreitbare politische Ereignisse für Pden politisch und Gerechtdenkenden unzweifel­haft längst entschieden. Die Zentrumspartei kann «nit Stolz darauf Hinweisen, daß schon seit Jahren kein mannhafter Politiker es mehr gewagt hat, solche Vorwürfe, die in der Hitze des Kulturkampfes auf katholikenfeindlicher Seite entschuldbar erschein-n mochten, gegen die Zentrumspartei zu erheben. Die Partei weiß, daß ihre für das Vaterland wertvolle und unentbehrliche Arbeit von der Weltge­schichte eine gerechtere und zutreffende Beurtei­lung erfahren wird.

Bravo!

Unbegreifliche Handlungsweise des Prinzen Oskar. ,, ,®m, testen Samstag hatte dasBerliner Tage- blatt berichtet, der P r i n z O s k a r von Preu­ßen habe einem der beiden Angeklagten, die kiirz- Ln rines Anschlages auf Stref emann oor Gericht standen, eine Schachtel Zigaretten und :nen freundlichen Brief gesandt. Die Angeklagten wurden inzwischen wegen g e i st i g e r Mi n d e r- Wertigkeit freigefvrochen. Die Nachricht von,

Die parlamentarische Arbeit le.imnt

Der Reichstag, der am Mittwoch seine Sitzung aufnahm, findet eine Fülle von Problemen vor, die nach einer Lösung rufen. Es sind sowohl im Reichsparlament als auch im preußischen Land­tag, der jetzt gleichfalls feine Arbeit wieder auf­nimmt, bemerkenswerte Erörterungen zu erwar­ten. Vorab gelöst werden muß die

Zrage der Erwerbslosenfürsorge.

Das Reichskabinett hielt am Dienstag eine Sitzung ab, um s-ir>" ,n ^rage

der Erwerbslosenfürsorge vorzubereiten.

In der später stattfindenden Sitzung des Unter- ausschusfes des Sozialpolitischen Ausschusses machte die Regierung folgende Vorschläge über die Neu­regelung der Erwerbslosenfürsorge: Verlängerung der bisherigen Unterstützung der Ausgesteuerten bis zum 31. Mörz 1927. Dabei sollen die Länder von ihrem Anteil befreit werden, während die Ge- meinden mit einem Prozentsatz von etwa 25 bis 30 herangezogen werden können. Die Sätze der Hauptunterstützungsempfänger sollen um 10 Pro­zent erhöht werden.

3n einemDie Neuregelung der Crwerbslosen- frage" überschriebenen Aufsatz in Nr. 518 desB. T." vom 2. November heißt es am Schluß:Zur gerichtlichen Festlegung der Entwicklung des gan­zen Problems ist es von Wichtigkeit, festzustellen, daß sich in der ganzen Frage der ReichsarbeÜs- m,mster eine starke Zurückhaltung auferlegt hat. Die Vergünstigungen der neuen Vorlage sind dem initiativen Eingreifen des Reichsfinanzministers Dr. Reinhold zu verdanken." Diese Behauptung ent­spricht in keiner Weife den Tatsachen. Die Initiative innerhalb des Reichskabinetts lag selbst­verständlich beim zuständigen Reichsarbeits- Minister. Dementsprechend ist auch die Vor- lage, die dem Unterausschuß des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstages unterbreitet worden ist, vom Reichsarb^itsminister ausgearbeitet und von ihm im Kabinett vertreten worden. Die Dar­stellung, als ob der Reichsfinanzminister in Fragen der Erwerbslofenfürforge weiterginge als der Reichsarbeitsminister, ist durchaus falsch. Es be-

barf wohl keiner Erwähnung, daß der Reichsfinanz- minister Dr. Reinhold der erwähnten irreführen­den Notiz fernsteht.

Per Finanzausgleich.

Auf Grund der Verhandlungen mit den Fi­nanzministern der Länder, die in Berlin staitfan- den, wird das Reichsfinanzm!nist»rium einen neuen Entwurf für den provisorischen Fi­nanzausgleich ausarbeiten und dem Reichskabinett zuleiten. Der neue Entwurf enthält, derDoff. 3tg." zufolge, einige Aböntz^vnnaen zu G u n st e n der Länder und stellt ein Kompromiß zwischen dem bisherigen Finanzausgleich und dem ursprünglich vom Reichsfinanzminister geplanten n-uen Provi­sorium dar. Das Reichsfinanzministerium hat, wie das Blatt wissen will, bei den 93»rh<t-'bfingen erreicht, daß der Paragraph, der den Ländern mit geringem Steueraufkommen 80 v. H. des durch- schnittlichen Reichsertrages an Einkommensteuer garantiert, in Zukunft fortlällt. Der Bsbo'-f der Länder soll jedoch bei der Verteilung der Steuer­anteile auch in Zukunft berücksichtiot werden. Die garantierte Summe des Reiches für die Einkom­mensteuererträge der Lände? wird von 2,1 auf 2,4 bis 2,5 Milliarden erhöht werden.

Die Wahlreform.

Wie die Blätter berichten, Bat der Reichsminister be§ Innern dee Arbeiten zur Wahlgesetzreform ab- aeich lass en und den Gesetzentwurf dem Reichs­kabinett zur Beschlußfassung zugeleitet.

Bayern und Reich.

Auf Einladung des Reichsinnenministers Dr. Külz war der bayrische Innenminister Stütze! zu einer Besprechung in Berlin. Wie die ,Voss Zig.' zu berichten weiß, wurden alle zwischen dem Reiche und Bayern schwebenden Angelegenheiten besprochen, darunter auch grundsätzliche Fraaen, die Verhältnisse zwischen Reich und Ländern betreffend. In der Be- 'Prechung wurde zwischen den Ministern Heber- einstimmung über die Behandlung dieser Fragen hergestellt.

Kundgebung für europäische VerWMgung

tens der Volkswirtschaften Europas nötig fei. Wie und welches die Einheit des Deutschen Reiches, so könne auch I sein müßten.

Der frühere Reichswirtschastsminister Wissel erklärte, ohne westere Aushebung der politischen Atmosphäre und ohne völlige politische Verstän­digung, wie sie in der Arbeiterinternat'ivnale längst gegeben sei. werde es nie möglich sein, das Werk eines europäischen Zollvereins zu schaffen, das zur Sicherung eines harmonischen Zusammenarbei-

Ter Verband für europäische Verständigung ver- anstaltete im Reichstag eine Kundgebung, zu der sich eine Anzahl von Ministern und Parlamen­tariern sowie zahlreiche Persönlichkesten aus Wissen­schaft, Literatur und Kunst eingefunden hatten. Reichstagsabgeordneter S ch ü ck i n g, der die Ver­sammlung eröffnete, erklärte, der Verband für eu­ropäische Verständigung wolle über alle Grenzen der Konfessionen, Klassen und Parteien hinweg alle diejenigen sammeln, die heute in der auswär­tigen Politik guten Willens sind. Er wolle die Reichsregierung, die auf neuen Wegen die natio­nalen Ziele verfolge und das Ihrige zur großen Menschheitssache beizutragen bestrebt sei, bei die- streben stützen, aber auch jeder deutschen Regierung das Gewissen sein. Letzten Endes komme es nicht auf Verträge, sondern auf die Gesinnung der Völ­ker an. Diese Gesinnung in Deutschland und in den anderen Ländern Europas ju verbreiten, sei die Aufgabe der Verbände für europäische Verstän­digung.

an ihre Abhängigkeit von einander. Die friedliche Regelung internationaler Schwierigkeiten ist leich­ter, und ein Krieg zwischen den zivilisierten Na­tionen schmier iger gemacht worden. Ein neuer Geist ist in die Welt gebracht worden . Durch Blut und Tränen ist man soweit gekommen. Ich habe mit Besorgnis einige sich kürzlich bemerk- bar machende Anzeichen dafür beobachtet, daß das gegenseitige Vertrauen, das zwischen dem Völler- bundsrat und der Dölkerbundsversammlnng be­stehen müßte, noch nicht voll gesichert ist. Man kann nicht verfehlen, zu bemerken, daß eine gewisse Unter st römung von Eifersucht auf die Stellung bestanden hat, die den Großmächten durch die, Völkerbundssatzung zugewiesen wird. Ich bitte diejenigen, die sich durch dieses Gefühl beeinflussen lassen, zu erwägen, wohin es sie führen würde, und welches die Folgen davon für den Völkerbund

die Einheit Europas nicht wirtschaftlich allein, son­dern nur im Verein mit politischen Einheilswillen geschaffen werden.

Nachdem Frecherr v. Reibnitz betont hatte, daß die sogenannten nationalen Verbände kei­neswegs den Gedanken einer europäischen Verstän- ständigung ablehnten, sprach sich der letzte Redner, der frühere Reichstagsabgeordnete Wilhelm Heile gegen den Gedanken einer Kontinentalpolitik ohne England und für die Anwendung des demokra­tischen Prinzips und die Organisation der Staaten aus. Der internationale Gedanke werde zum Vol­lender des wahrhaft Nationalen Gedankens, indem er die freie Entwicklung der Nationen durch ihren Zusammenschluß sichere. Die Ausführungen des Redners klangen aus in den begeistert aufgenom­menen Ruf: Europäer aller Richtungen und Euro­päer aller Länder vereinigt euch!

Chamberlain über den Völkerbund.

Wie die Blätter aus London berichten, hielt Chamberlain, der in Glasgow feierlich als Lord- rekwr der dortigen Universität eingeführt wurde, eine Rede, in der er aussührte: Der Völkerbund hat die Praxis des internationalen Zusammenwir- kens geschaffen und mahnt dauernd alle Nationen

Reichstagsabgeordneter Dr. Kahl bezeichnete die völkerrechtliche Gleichberechtigung der Staaten Europas als notwendige Grundlage einer euro­päischen Verständigung. Nach seiner Ansicht ist der Gedanke eines europäischen Staatenbundes oder so­gar eines Bundesstaates eine Otopie. Die euro­päische Verständigung sei nicht ein Akt, sondern ein P.r o z e ß. Sie könne nur durch ein Netz von Einzeln erstand i gungen auf den allen Staaten ge­meinsamen Interessengebieten znstandekommen.

Reichstagsabgeordneter Dr. K a a s betonte, daß in dem Aufruf des Verbandes für europäische Ver­ständigung die Verneinung jeder aggressiven Zu­spitzung des Eurvpagedankens gegenüber anderen Kontinenten klar zum Ausdruck komme.

der Zigarettensendung wurde in der Rechtspresse prompt als falsch erklärt. Jetzt ist dieT ä g l i ch e Rundschau" genötigt, festzustellen,daß die Meldung tatsächlich stimmt, und daß der Begleit­brief des Prinzen Oskar, der der Schachtel Ziga­retten beigefügt war, e ch t ist".

DieSoff. Ztg." erinnert in dem Zusammen­hang an die folgenden Ausführungen, die dem Prinzen, der wiederholt an deutsch-völkischen Para- den teilnahm, von einem Frontkämpfer vor einiger Zeit gewidmet wurden:

Ein Prinz von Hohenzollern, der an der Cote-Lor- raine, angesichts der blutbespritzten Bataillone wegen Herzkrämpse" vom Posten seiner Verantwortung fort­getragen werden mußte dieser Prinz, der dann, aus Rußlands Leichenhausen kommend, erschüttert vor mir saß, wild den Krieg verdammend hält in seinen Händen schwarzweißrot bebänderte Sträußchen? . . . Wie? Dieser königliche Herzkrompf peitscht in den Jun­gens, die da endlos vorüberjubeln, den Revanchegeist? Warum verschweigt er auch feinen Herzkrampf? Warum

stellt er sich zwischen die Generalität dreist im Schmuck der Waffen? Brennen ihn nicht die Maiglöckchen und Vergißmeinnicht in seiner Hand wie der Hauch der (Er­innerungen? . . . Heldenhafter Oskar, erschienst Du mir, als Du, vom Jammer des Soldaten gepackt, in Dir erwachen fühltest zum ersten Male den Men­schen. Daß Du es gefühlt hast, wofür ich Zeuge bin ..."

So zu lesen in dem BuchFlügel der Nike". Der das schreibt, ist der preußische Offizier Fritz von 11 n r u h.______________________

* Der neue päpstliche Nuntius in Paris, Monsignore Maglione, hat Rom berloffen, um seinen Posten anvtnefen.

China.

Ermordung eines französischen Konsuls in China.

Der französische Konsul in Lunlchau, Robert, ist während einer Automobilfahrt von Räubern getötet worden.

Nickklanq zu (Erfurt.

Don einer besonderen Seite wird uns geschrie» den:

Die Tagung des Reichsparteiausschusses der Deutschen Zentrumspartei in Erfurt, die in ihrer Bedeutung einem Parteitage durchaus gleichkommt, findet in der Nicht-Zentrums presse ein ganz außerordentlich starkes Echo. Man verkennt dort die Tragweite der Entschließungen, die insbesondere zu den schwebenden innen- und außenpolitischen Fragen gefaßt worden sind, durchaus nicht. Es liegt in der Natur der Dinge, wenn die deutsch­nationale Presse vorab mäkelt darüber, daß die Anbiederung der Deutschnationalen an die Regie­rungsparteien einer kühlen Zurückhaltung begegnet. Andererseits ist man sich aber auch wohl bewußt, daß das Zentrum n a ch L i n k s eine deut­liche Unterscheidungslinie a'ifgezeigt hat, und daß gerade auch hinsichtlich der Stellungnahme des Zen­trums zum Reichsbanner der Wille der Zentrums­partei zum Ausdruck kommt, alle derartigen Kampf- verbönde verschwinden zu lassen und die Wahrung der Autorität des Staates diesem selbst und seinen Machtmitteln zu überlassen.

Da; wichtigste Ereianis der Zentrumstagung in Erfurt war die Aussprache, die zwischen den beiden führenden Vertretern, W i r th auf der einen und von P a p e n auf der anderen Seite stattgefun- den hat. Joos Hatte ganz recht, daß gerade in die­ser Aussprache und ihrtzm durchaus harmonischen Abschluß die größte Bedeutung dieser Tagung ruht. Denn bisher sind wir ja doch zu einer derartigen Aussprache überhaupt nicht gekommen. Dafür wurde aber umsomehr außerhalb der geordneten Instanzen geredet, und daß mußte naturgemäß den Eindruck eines scharfen sachlichen Zwiespaltes Hervorrufen. Daß ein gründ tzlicher Gegensatz zwischen den beiden Auffassungen überhaupt nicht besteht, ist in aller Klarheit und Deutlichkeit in Erfurt zum Ausdruck gekommen. Wenn über die Mittel und Wege, die politischen und parlamentarischen Me­thoden verschiedenartige Auffassungen vorherrschen, so ist das wirklich kein Unglück, kann und darf je­denfalls nicht zu einer Entzweiung über das fach­liche, von beiden Seiten für richtig.gehaltene Ziel führen. Die Klärung, daß dem so ist. und daß es auch dem Willen aller Beteiligten entspricht, daß diese Auffassung sich durchsetzt, ist einwandfrei in Erfurt in die Erscheinung getreten. Sicherlich sind damit nicht die Meinungsverschiedenheiten über das eine oder andere Taktische ein für alle Male aus dem Wege geräumt, aber die Hauptsache ist doch, daß das Ziel für alle das gleiche bleibt, und daß der Erreichung dieses Zieles von den Beteiligten mit aller Kraft entgegengestrebt wird. Das haben Wirth und Herr von Papen, der gerade die Persönlichkeit und Aktivität Wirths besonders an­erkannte, unumwunden ausgesprochen.

Im Zentrum ist R a u m f ü r a t1 e! Wir wol­len die positiven Kräfte sammeln, wie das der alten Windthorst'fchen Tradition entspricht. Wir wollen, wie Herr von Papen sagte, die Arme weit aufmachen für alle diejenigen, die mit uns Mitar­beiten wollen am Aufbau des neuen Staates und wir wollen das tun mit der Weitherziokeit und dem Verständnis und der Kluaheit, Eigenschaften, die immer die Zentrumspolitik ausoezeichnet haben. Das war ja immer das Bedrückende in unseren Reihen, daß durch das Schweigen einer bestimmten (Bruppe die Meinung aufkommen konnte, diese Gruppe stände überhaupt in aeschlossener Geaner- frfiaft zu dem neuen Staat. Daß das nicht der Fall ist. haben die Ausführunaen des Herrn von Papen klar erwiesen, und Dr. Wirth konnte be-hafb auch unter der einheitlichen Zustimmung des Reichsvar- teiausschnffes feMellen, daß ein enormer Fortschritt darin besteht, daß wir uns nunmehr über diesen Staat und feinen Schutz in aller Öffentlichkeit aus* sprechen können.

Tatsächlich bedeutet die Tagung von Erfurt eine ganz außerordentliche Stärkung des Staates und ber Staatsform. Das ist ein Faktum, mit dem alle politischen Parteien rechnen müssen, ein Faktum aber auch, das aber ganz besonders geeignet ist, den inneren Fortschritt, die Sicherung der Ruhe und der Ordnung zu gewährleisten. Das Zentrum bietet die Hand dazu, daß b-i den kommenden poli­tischen Entscheidungen im Reiche wie in Preußen und den übrigen Ländern die Zusammenarbeit aller positiv schaffenden Kräfte sicher gestellt- wird und der warmherzige Appell, den der Reichskanz­ler M a r r am Schluffe der Taaung an d i e B a y» rische Dolkspartei gerichtet hat, gewinnt un­ter diesen Gesichtspunkten eine aanz besondere Be- beutuna. Das Zentrum, das sich immer und aerobe in ben stärksten Stürmen als bas festeste Bollwerk erwiesen hat, wird auch jetzt, getreu seiner Heber» lieferuno, im Geiste feiner Gründer und heimaegan- aenen Führer ben Anforderungen des neuen staat­lichen und volklichen Lebens, im Mick auf die ewi­gen Wahrheiten, von denen alle unsere Handlungen ausgehen und geleitet werden müff-m, gerecht wer­den, feine Arbeit zum Nutzen für Volk und Vater­land fortzufetzen.____________________

toenöunq im Salle Hölz.

Der Reichsbegnadigungsausfchuß verhandelte über ben Fall Mar Hölz, ber im Juni 1921 zu lebenslänalichem Zuchthaus verurteilt wor­ben war. Dem Vorwärts nach haben einige der Belastungszeugen gegen Hölz erklärt, daß sie ihre damals in der Aufregung gemachten Aussagen heute nicht mehr aufrecht erhalten können, insbeson­dere soweit sie die Tötung des Gastwirtes Heß be­treffen, für die Hölz lebenslängliche Zuchthausstrafe erhalten hatte. Der Ausschuß beschloß, sich zu ver­tagen. Es soll zunächst abgewartet werden, welche Erfolge die Verteidigung im Wied-"--»,if- nabmeoerfahren erreicht.