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Anzeiger für die Stadt und den kreis Fulda. Amtliches kreisblall.

17r. 248.

Srtoeint fetfi8mo' wöchentlich. Wochenbe'Iatien Illustrierte Bei­lage" und Buchenblötter" Rotationsdruck und Berlag der Iuldaer «eNendruckerei iu Iulda. Iernivrecher Rr. S.

M ""onftt'cher Be-nas^rel?. 1.50 ""f.

Dienstag, 26 Oktober 1926»

nteToen» Tre-'e- ftlemteilr 'Colonel) ofo1 O.ld Re'chSmar tuswLrtS 0.20 Reichsmort. Re"onre,eiie. lokal r*.6r ReichSmar« auswärts 0.80 Reichsmark.

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lahrq. 53.

Die Zukunft des britischen Reiches.

von der britischen Reichskonferenz. — Der Schwerpunkt ist die kom­merzielle Ueberiegenheit, nicht die militärische Stärke. — Der Anteil Deutschlands am Welthandel und das britische Reich.

Die in der Freitag-Sitzung der britischen Reichs- konferenz vom australischen Premiermi­nister Bruce gehaltene großangelegte Rede war ganz auf den Ton eingestellt, daß Großbritan­nien seinen vollen Anteil an der Besserung öes Welthandels habe, weil es einem riesigen Wettbewerb gegenüberstehe und daß Australien alles tun werden, um Großbritannien zu helfen, es sicher zu stellen, daß britische Waren in zuneh­mender Weise auf dem australischen Markt ver­braucht werden. Er bezeichnete die Frage der F ö r« d e r u n g des Handels innerhalb des britischen Reiches als die w i ch t i g st e, die man im gegen­wärtigen Stadium erwägen müsse. Bruce führte aus, die Zukunft des britischen Reiches hänge von der Lösung der wirtschaftlichen Probleme ab. Das Ansehen des britischen Reiches im Rate der Böller hänge von seiner kommerzie llen Ueberlegen- heit und nicht von seinen Streitkräften oder seiner militärischen Stärke ab. Dies sei auch der Faktor, von dem seine Verteidigung in Zuknust abhöngen müsse. Weil das große Reich über alle Gebiete der Well zerstreut sei, muffe seine Flotte aufrechterhallen bleiben. Die Lage des britischen Reiches beruhe auf besonderen Umständen. Man müsse die bei irgendeiner Frage der Rüstungsver- Minderung klar vor Augen halten, daß Großbritan­nien seine Handelsverbindungen aufrechterhalten und die Wege seines Handels sicherstellen müsse. Wenn man die Dominions sich stärker entwickeln lasse, dann könne man sicher in die Zukunft des britischen Reiches blicken. Dieie Frage müsse sofort gelöst werden.

D't wirtschaftlich» Stärke des britischen Reiches hänge von der Lage Großbritanniens ab. Großbritannien trage heute die Hauptlast der Ver­teidigung des Reiches. Australien erkenne an, daß

seine eigene Lage beute durch die Tatsache gesichert fei, daß es sich innerhalb des britischen Reiches be­finde und sich stets auf die Verteidigung 'einer Küsten durch dic britische Flotte verlassen könne.

Zur eurcpülichen Lage übergehend, er- klärte Bruce, es habe eine sehr große Ausdehnung im Ausfuhrhandel der meisten Industrieländer Europas staitgefunlen. In den letzten drei Jahren habe Deutschland nicht auf einer wir klichen Konkurrenz ba, y gestanden, aber es habe seinen Ausfuhrhandel riesig ausgedehnt. Rur um ein Beispiel anzustih» cn: seine Ausfuhr von Eisen und Stahl habe seit 1923 um über 100 Pro­zent angenommen, obgleich sein Textilhandel noch nicht recht wiederhergestellt sei, gewinne es in Maschinen und Metallen seine Dorkriegsstellung wieder. Bruce unterbreitete hierauf eine Tabelle, auf der die Ausfuhr von Fertigwaren ans den Jah­ren 1923 und 1925 verglichen wird. Er befaßte sich eingehender mit den für D e u t s ch l a n d ange­führten Zahlen und sagte, im Jahre 1923 habe Deutschland Fertigwaren in Höhe von 270 Millio­nen Pfund ausgeführt; im Jahre 1925 habe die Ausfuhr 326 Millionen Pfund betragen. Dies be­deutete eine Vermehrung um 20 Prozent. Die Zahlen Großbritanniens im Jahre 1923 seien 579 Millionen Pfund und im Jahre 1925 616 Millionen Pfund gewesen. Das sei eine Zunahme von 6,3 Prozent. Bruce befaßte sich hierauf mit der Zu- nähme im Ausfuhrhandel der verschiedenen Domi­nions nach auswärtigen Ländern und der Vermin­derung der Anteile, den Großbritannien übernehme. Er betonte nachdrücklich, daß dies eine äußerst un­erwünschte Lage sei und schloß mit der Versicherung, daß Australien entschlossen sei, alles zu tun, was in seiner Macht stehe, um den Handel innerhalb des britischen Reiches zu fördern.

Zur deutschen

Deutschnattonale und Regierung.

Nach einer Meldung der „Montaqspoff führte Reichsarbeitsmini st er Dr. Brauns auf dem Parteitag der oldenburgischen Zentrumspartei u. a. aus, die Deutschnationalen erklärten jetzt, daß sie sich auf den Roden der Tatsachen stellen und mitreateren wollten. Wir müssen aber, fuhr der Minister fort, eine größere Bereitwilligkeit zur Verantwortung verlangen. ES geht nicht an, daß man in der Regierung mittut, auf der anderen Seite aber die Verantwortung nicht übernehmen will. Der Minister besprach bann die Fürsten­abfindung und begrüßie die Regierung in Preußen. Er betonte nachträglich, daß das Zentrum den repu­blikanischen Staat nicht nur au8 praktischen Gründen, sondern mit innerer Befriedigung bejahe.

Die Politik der Demokraten.

Die demokratische Führertagung in Berlin fand Ihren Abschluß durch die einstimmige Annahme der solgenden Entschließung, die von den Abg. Dr. Mischer und Oskar Meyer formuliert war:

„Die deutsche Demokratische Partei hat seit ihrer Begründung zwei beherrschende Ziele verfolgt:

in der Außenpolitik eine die nationale Würde fahrende Berständigung mit den Gegnern im Kriege und die Schaffung eines internationalen Rechtes zwischen allen Völkern der Welt, unter dessen Schutz

Innenpolitik.

unserem Volke Gleichberechsigung und Freiheit und der ganzen Welt der Frieden gesichert werden;

in der Innenpolitik die vom Willen des Volkes geschaffene republikanische Verfassung zu festigen und im sozialen Sinne auszubauen.

Die D. D. P. stellt mit Genugtuung fest, daß diesen Zielen sich jetzt auch außer den Parteien, die das Weimarer Werk verantwortlich geschaffen und erhalten haben, weitere große und bedeutungsvolle Teile unseres Volkes zur Verfügung stellen.

In der Außenpolitik sind Locarno, Genf und Thoiry Meilensteine auf dem Wege, den Walter Rathen au gewiesen hat, und dessen tatfräftige Fort­setzung durch den Reichsaußenminister Stresemann die D. D. P. dankbar anerkennt. Die völlige Be­freiung Deutschlands von fremder Besatzung und eine der Leistungsfähigkeit angepaßte Regelung unserer Reparationsvflichten müssen als nächste Zukunfts­aufgaben mit stärkstem Nachdruck verfolgt werden.

In der Innenpolitik haben das Versagen der Deutschnationalen in der Regierung und die wachsende Erkenntnis von der Notwendigkeit der Betei­ligung aller Volkskreise an der Verantwor­tung hie Richtigkeit der Politik der D. D. P. bestä­tigt. In wirtschaftlicher Beziehung ist unter demo­kratischer Führung eine wesentliche Erleichterung des auf dem Volke lastenden Druckes angebahnt worden.

Die D. D. P. ist auf Grund dieser Entwicklung mehr denn je entschlossen, zum Besten des Vater­landes ihren Zielen unbeirrt zu dienen."

Trotzkis Sturz.

Beschlüsse des Zentralkomitees der kommunistischen Partei der 1L 5 .S . K.

Das Zentralkomitee und die Zentralkommission der Kommunistischen Partei der U. S. S. R. nah­men in Moskau eine Entschließung an, in der den Mitgliedern des Zentralkomitees Trotzki, Sinow­jew, Kamenew, Pjatalkow, Iewdokimew, Solonikow und Soilga sowie der Kandidatin für einen Sitz im Zentralkomitee, Frau Nikolajew, ein Verweis erteilt wurde. Ferner wurde festgestellt, daß eine weitere Tätigkeit Sinowjews im Komitee der Dritten Internationale unmöglich sei, da er dicht die Richtlinien der Kommunistsichen Partei der U. S. S. R. im Komitee der Dritten Internationale vertrete und die deutschen, englischen, französischen, amerikanischen und andere Sektionen erklärt hät­ten, daß Sinowjew infolge seiner früheren fraktio- dellen Tätigkeit im Komitee der Dritten Jnternatio- Nale das Vertrauen der Kommunistischen Parteien °Mgebüßt habe. Außerdem wurde beschlossen, Trotzki von seinen Pflichten als Mitglied des politischen Büro m Anbetracht ihrer führenden fiak- ttonellen Tätigtest zu en.heben

Trotz ihre Unterwerfung sind also die Führer ?,cy Opposition im bolschrwistischen Lager kalt ge­sellt worden.

Leine neue Flagge der Sorojef-Union. .Die Berliner Vertretung der Telegraphenagen- -Ur der Sowjet-Union ist zu der Feststellung ermäch- «nt, daß eine Meldung der „Chicago-Tribüne" aus »y arichau. wonach die Sowjet-Union eine Adände- rung der Staatsflagge der U. S S. R. beabsichtige, allen Punkten erfunden ist. Angeblich sollte ^.lchntcherin die rote Flagge durch eine rot-grüne

S9e zu ersetzen beabsichtigen.

Amerika und die Giftgase.

Nach einer New-Docker Meldung be8 Reuterschen Büros hat die Washingtoner Regierung die Auf­fassung, daß Gifigaie eines der barbarischsten Kriegs mittel seien. Das Staatsdepartement wolle sich deshalb bemühen, den Senat zur Ratifi­kation deS Genfer Protokolls zu bewegen, durch das die Verwendung von Gasen verboten würde. Jedoch beitrete Staatssekretär Kellogg die Ansicht, daß Amerika auf der Höhe der chemischen In­dustrie des Auslandes bleiben müsse, damit es für den Fall, daß eine feindliche Macht die Gas­waffe anwenden sollte, nicht ungerüstet dastehe.

* Verhaftung eines Mörders Erzbergers? (Eig. Funkm.) Wie ,Times^ erfahren haben will, hätten die französischen Behörden in Mühlhausen i. E. einen Mann verhaftet, der der Mörder Erzbergers sein soll. Er habe dort seit zwei Jahren unter dem Namen Fournier gelebt. Seit zwei Monaten sei er den Behörden verdächtig geworden und seitdem sorgfältig bewackt worden.

* Am 5. Dezember Volksentscheid in Hessen. Die hessische Regierung hat als Abstimmungstag für das Volksbegehren auf Auslösung des hessischen Land­tags den 5. Dezember festgesetzt. Der Laudesausschuß 6er hessischen Sozialdemokratie hat in einer in Frank­furt a. M. abgehobenen Sitzung bereits Stellung zu der Frage des Volksentscheios genommen und die Durchführung der Wahlagitation beraten. Ueber» einstimmend wurde der Auffassung Ausdruck gegeben, daß die bevorstehende Abstimmung die (Situation in Hessen im Sinne einer Stärkung der bestehen­den Koalition aussallen werde.

Eurova-veutschland.

In Folge der Vortragsreihe der Reichszentrale für Heimatdienst sprach in Essen im städtischen Saalbau Reichstagspräsident Löbe über „Euro« päische Verflechtung Europa - Deutschland". Der Redner führte u. a. aus:

Selbst ein Riesenreich wie das russische glaubt, dem schweren Schaden eines Ausschlusses wirtschaftlicher und finanzieller Beziehungen mit anderen Ländern vorbeugen zu müssen. Die deutsche Landwirtschaft in ihrem gegenwärtiaen Stadium könne mit ihrer jetzigen Produktionsfähigkeit etwa ein Drittel bis ein Viertel unserer Landsleute nicht ernähren. Alle Bemühungen der inneren und äuße­ren Politik waren in den Nachkriegsiahren der Wiederherstellung unserer Existenz gewidmet. Die­ser zwingende Grund entschuldigt die Zustimmung zum Versailler Verttag. Richt nur Deutschland, sondern 'ganz Europa ist nach dem Kriege gegen­über anderen Kontinenten weit zurückgefchleudert worden. Im Verhältnis Eurovas zu Amerika hat heute Europa die Weltherrschaft ver­loren und ist arm geworden, während Am erika zum reichsten Land der Welt wurde. Nach und nach ringt sich aber die Ueberzeugung durch, daß nur ein zusammengefaßtes Europa einen Wett­bewerb gegenüber Amerika und den Völkern des Fernen Ostens weiterführen könne. Europa müsse sich als Konttnent organisieren, nicht mir zur Verhütung weiterer Kriege, die seinen Tod bedeuten könnten, sondern auch in der Aufrechter­haltung feinet wirtschaftlichen Position. Der Redner kam dann aus die befcmnten Wilsorischen Ideen zu sprechen, aus dessen Eedankengängen der Völker­bund entsprungen sei, der ttotz all«: Rückschläge und Mängel eine Machtorganisation der Zu­kunft fei.

Redner kam zu der Schlußfolgerung, daß, wenn Deutschland in den Völkerbund hineingegangen sei, eine weitere Frage akut werde, die eine alldeutsche sei: das Selbstbestimmungsrecht, das jetzt in Europa so ziemlich allen Nationen eingeräumt sei, könne auch dem großen deuttchen Volle nicht vorenthalten werden. Den sechs Millionen Deutsch - Oesterreichern, soweit sie ihr Schicksal selbst bestimmten, dürste der Weg zur Reichseinheit nicht verlegt werden.

Die Ausführungen deS Redners wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen.

Neue Kämpfe in Syrien.

Wie Havas au8 Beirut berichtet, ist eine starke Abteilung Eingeborener aus dem Transjordan- land kommend in der Nacht vom 3. bis 4. Oktober in das Haurangebiet eingedrungen. Sie wurde bei Dael von französischen Truppen angentiffen und flüchtete sich zunächst nach Leja, von wo sie, nach- dem die französischen Truppen ein Fliegerbombarde- ment auf diese Stadt ausaeführt hatten, sich nach dem Transjordanland zurück zogen. Eine Abteilung unter Führung eines Emirs Hot sich nach dem Innern des Landes geflüchtet und wurde verfolgt. Alarmierte Truppen sind nach Damaskus abaegangen. Am 23. Ottober sind nach kurzem Kampf 150 Eingeborene geflüchtet und haben 50 Tote auf dem Schlachtfeld jurüdgelaffen._______________________

* Neuer Reichstagsabgeordneter. Anstelle des kürzlich verstorbenen deuttchnanonalen Reichstags­abgeordneten Grafen v. Merveldt tritt der christ­liche Gewerkschaftsiekretär Ewald Sauer aus Dillenburg als Ersatzmann in den Reibstag ein.

x Der Solschen» smus in China.

Reuter berichtet, aus Schanghai, daß die roten Truppen im Rücken des Generals Sun Tschung Fang äußerst tätig wären. Ein Teil der Bahn Schanghai-Nanking wurde aufgerissen, was zur Entgleisung eines nach Nord»n fabrenben Zuges führte. Die Verluste seien glücklicherweise nicht groß. Eine Gruppe von 50 Studenten ver­suchte mit Bomben und anderen Waffen eine Poli­zeistation am Westende von Schanghai anzugreifen. Die Studenten wurden jedoch von der Polizei unter Zurücklassung von zwei Verwundeten und vier Ge­fangenen zurückgetrieben und entkamen in Kraft­wagen.

General F en g P u H s i a n g hat in einem in Peking veröffentlichten Manifest seine Stellung dar­gelegt' Es heißt darin: Während die imperialisti­schen Mächte unser nationales Leben durch unge­rechte Verträge erwürgen, hat Rußland frei­willig seine Verträge aufgegeben. Sollten wir etwa davon absehen, warme freundschaftliche Ge­fühle gegenüber der Sowjetregierung zu hegen, oder wollen wi: versuchen, die Gunst derer zu erschmei­cheln, die uns als Sklaven anfehen. Die Smviet- regierung hat die Aufgabe der Befreiung der schwa­chen und ausgcbeuteten Russen übernommen und wir brauchen nicht zu befürchten, daß sie irgend etwas tun wird t:m untere Interessen zu gefährden. Feng ?)i. Hsiang erklärte, daß er aus dem Aus­land zurückgekehrt sei, um die Imperialisten zu stürzen. Der „Observer" berichtet aus Peking, die Soroietreaierurn führe in Eile Munition aus der mongolischen Ebene nach der Basis Feng Pu Hsiangs an der mongolischen Grenze Ehinas herbei.

*

Meldungen aus Schanghai zufolge ist, da ver­schieden' Verletzungen der öffentlichen Ordnung be­richtet wurbem übe" die unmittelbare Umgebung von Schanghai das Kriegsrecht verhängt wor­ben.

Attentat auf den Schah von Persien.

wtb Paris, 25. Okt. lEia. Funkm.) Nach einer Meldung der „C'üca-w-Tribüne" aus Teheran soll auf den Schah von Persien, Während einer Reise durch das Innere ves Landes ein Bombenatten- tat verübt worben fein. Während der Schah un­verletzt geblieben ist, sei ein Begleitautomobil mit der ganzen Besatzung in die Luft geflogen

Die englischen Bergarbeiter.

Die russische Unterstützung des englischen Berg» ardeiterstreiks.

An8 London Wird gemeldet: Der Präsidem her Bergarbeitervereiniguna Smith erkläre in einer Versammlung, von je 16 Pence, die von der Ver­einigung an die ^Bergarbeiter bis Ende September gezahlt Wurden, stammten IV/i Pence von Ruß­land. Er habe keine Bedenken Wegen der Annahme der russischen Gelder. Wenn die Sowjetregierung morgen 1 Million Pfund senden sollte, so wurde er sie mit Dank annehmen.

*

Wie aus London gemeldet wird, wurden in Staffordshire die Notverordnungen der englischen Regierung von der Polizei in Anwendung gebracht, um den ® er gar bett erführet Cook zu verhin­dern, in einer Versammlung unter freiem Himmel zu Bergarbeitern zu reden.

Minister Zaleski stteiste in seiner Pressekonfe­renz, die vornehmlich den Erläuterungen der an Rußland abgesandten polnischen Note galt, auch das deutsch-französische Verhältnis. Der Minister hob hervor, daß die in Thoiry zwischen Stresemann und Briand stattge'uudene Unterredung Polen keinen Anlaß zur Beunruhigung geben würde. Nicht nur die richtige Einschätzung der grundlegenden Beziehungen Polens zu Frankreich ermächtige ihn zu dieser Behauptung, sondern auch mehrfache erschöpfende Unterredungen, die er über diesen Gegenstand in Genf und in Paris mit mass aebenden Vertretern Frankreichs geführt hätte.

Das Verhältnis Mischen

Die Polnische Telegraphenagentur meldet: In einer Aussprache mit Pressevertretern äußerte sich der polnische Minister des Aeußern Za- leski über das Verhältnis zwischen Polen und Deutschland folgendermaßen: Entgegen allen wider­sprechenden Erscheinungen scheint in Deutschland ein Verständnis für die Notwendigkeit einer Ab­kehr vom rein negativen Verhalten Polen gegen­über zum Schluß doch durchzudringen. Immer öfter lassen sich in letzter Zeit Stimmen jenseits der Grenze hören, die in der Erfassung des pol­nisch-deutschen Problems einen außerordentlich sachlich en Gesichtspunkt zu wahren verstehen. Gerade diese Erscheinung kamt bestimmt auf eine freundliche Aufnahme in Polen rechnen. Man ist allgemein davon überzeugt, daß, falls es gelingen sollte, dieser Gesinnung eine bleibende und allge­mein gültige Form zu verleihen, gerade durch sie der Weg zu einer fruchtbaren Zusammenar- beit beider Völker angebahnt werden könnte. Die Verwirklichung dieses Endziels setzt allerdings große Anstrengungen auf beiden Seiten als Vor­bedingung voraus. Zunächst also müßte die Ein- stellung jener propagandistischen Entgleisungen er­folgen, die durch das Aussprengen von feindseligen und meist unernsten Nachrichten jeglichen positiven Zusammenschluß von vornherein unmöglich machen. In dem Verhältnis zwischen Deutschland und Polen gab es bisher und wird es auch in Zukunft eine Reihe von Verrechnungen und wirtschaftlichen Fra­gen geben, die geregelt werden müssen. Die pol- nische Regierung setzt alles daran, um den laufen­den Fragen gerecht zu werden. Viele wurden bereits einer günstigen Lösung zugeführt, was durch zahlreiche zwischen den beiden Staaten zum Ab­schluß gebrachte Konventionen bestätigt wird. Andere Fragen sollen demnächst erledigt werden. In letzter Zeit wurde die polnische Regierung wegen ihres Standpunktes in der Ehorzow-Angelegenheit von der deutschen Presse scharf und zu unrecht angegriffen. Ich mutz bemerken, erklärte der Mi-

MMionii und Polen.

nister, daß in dieser Frage die polnische Regie- rung von dem Gedanken ausgeht, daß die beider­seitigen Ansprüche bloß im Wege der direkten Ab- machungen zwischen beiden Ländern gelöst werden können.

Anmerkung des W. T. B.: Wir mSchten hierzu nur bemerken, daß Deutschland Polen gegenüber immer um Vieles sachlicher und ruhiger eingestellt war und ist als umgekehrt. Zum Beweise genügt es, auf die deutschfeindliche Betätigung aller pol­nischen Parteien zu verweisen. Im übrigen be­grüßen Wir es, wenn Zaleski eine günstige Lö­sung zahlreicher zwischen beiden Ländern schwe­bender Fragen ankündigt, denn wir hoffen, daß sich diese Ankündigung in einer entgegenkommen, deren Haltung der polnischen Regierung auf vielen Gebieten umseßt. Die gegenwärtigen Taten der polnischen Regierung, ihre Haltung bei den Nie­derlassungsverhandlungen, der Kattowitzer Prozeß, die Chorzow-Angelegenhheit, die drohende Aus- Weisung einiger reichsdeutscher Direktoren aus Pol- nisch-Oberschlesien und die dieser Tage erfolgte Liquidierung von zwölf deutschen Wohlfahrtsan­stalten, bilden einstweilen einen wenig erfreulichen Kommentar zu den Worten des polnischen Außen­ministers.