Anzeiger für die Sfobf und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblafk.
Nr. 246.
Erlchelvt <ed)8ma' wöchentlich. Machende Ionen Illustrierte Bei- >a«e" und Buchenb'St'er" Rotat'onkdrnlk und «erlag der Iuldaer Actiendruckerei in Iulda. Nernkvrecher Nr 9 «e>„k>,^e'8 1.50 T
Snmstag, 23. Oktober 1926.
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lahrcu 53.
Friede in der Weltwirtschaft?
Von einer besonderen wirtschaftspolitischen Seite wird unS geschrieben:
Der Friede in der Weltwirtschaft ist sicher ebenso erstrebenswert, wie der Friede in der Wellpolitik Es iff gewiß ein außerordentlich bedeutsames Zeichen der Neuorientierung der Welt auch auf wirtschaft, liebem Gebiet, daß ein „europäisches Wirtschasts- Manifest", wie es dieser Tage in der Oeffentlickkeit bekannt wurde, erscheinen konnte. Indessen sind wir aber auch jetzt wieder nahe daran, die Kraft und Wirkung einer derartigen Aktion ebenso zu über, schätzen, wie das hinsichtlich der Wirkungen von Genf und T'oiry noch der politischen Seite hin der Fall war. Und davor muß man warnen.
Die Finanzpolitiker aller Länder, soweit sie rein finanzielle Interessen vertreten, haben tatsächlich an dem Niederieißen aller Zollmauern ein Interesse. Etwas kritischer werden die Dinge aber schon, wenn die WirtsckaftsPolitiker auf den Plan treten. Richtig ist, daß Engherzigkeit, Starrsinn und vielfach auch Kleinlichkeit einen großzügigen Austausch der Güter unter den einzelnen Ländern und Völkern hemmen kann, ober der Freihandel ist heute ebenso wenig ein Ideal, wie er es jemals gewesen ist.
Die größte Bedeutung des europäischen Wirt- schafts-Manifestes liegt desbalb auch nicht darin, was finanz» und wirtschaftspolitisch herouskommt, sondern ist durch die Tatsache an sich begründet, daß man endlich einmal auf einem einheitlichen Boden zu einer einheitlichen Aktion sich findet. Damit sind wir dem Wirtschaftsfrieden zweifellos nähet gerückt, und die Epoche, in der man glaubte, den Krieg mit wirtschaftlichen Mitteln mit Erfolg für daS einen solchen Krieg führende Land und Volk durchführen zu können, ist vorüber. Alles drängt nach Verständigung und Vereinheitlichung, und nach dieser Richtung hin ist das Wirtschafts-Manifest auch in der Hauptsache zu bewerten. Ebenso wie schon früher, unter allerdings viel kritischeren Berhältniflen, Wirt- schaftspolitiker aller Länder zusammentraten, um darüber zu beraten, ob es nickt aus dem politischen Chaos einen Ausweg gebe, ebenso muß auch diese jetzige, freilich auf emer wesentlich breiteren Basis erfolgende Aktion in diesem Sinne gedeutet werden. Der barte Zwang der Realiläten steht mit seinem scharfen Druck hinter oll diesen Dingen, und man wird deshalb auch gut tun, die Dinge sehr nüchtern und real und frei von Humanitäisduselei zu beurteilen. DaS Motiv der allumfassenden Menschen- freundschaft spielt am allerwenigsten bei derartigen finanziellen und materiellen Dingen eine Rolle. Die Finanzleute und Wirtschaftler der Länder sehen ganz einfach, daß sie mit den jetzigen Mei Hoden nicht vor- wärtS kommen, und daß eS dem Gewinn eher zuträglich ist, wenn man sich zu beständigen sucht. Ob aus der jetzigen Aktion praktisch etwas heraus- kommt, ist auch noch zu bezweifeln. Immerhin ist es zu begrüßen, daß eine einheitliche Linie auch in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit gefunden werden soll, die zweifellos auch der Erreichung der politischen Ziele von Nutzen sein wird.
Vr. Schacht spricht.
Im Wirtschafts - Enquete - Ausschuß bestritt Reichsbankpräsident Dr. Schacht bei der Darlegung der Finanzpolitik der Reichsbank jede Einwirkung der Transferfrage auf die Reichsbank und erklärte die wirtschaftlichen Grundsätze des D a- wesplanes als gesund. Man dürfe jedoch den Plan nicht ein für allemal als die Bibel der Wirtschaft ansehen. Selbstverständlich seien im Dawesplan auch Fehler gemacht worden, vor allem durch die Trennung von Post und Eisenbahn Born Staat. Die Geldpolitik und Derkehrspolitik dieser öffentlichen Einrichtungen dürften, so betonte er, nicht privatwirtschaftlich eingestellt sein, sondern müßten, was heute nicht immer geschieht, die h ö - h e r e n gesamtwirtschaftlichen Gesichtspunkte berücksichtigen. Nach längeren Ausführungen über die Vereinheitlichung des Geld- und Kapitalmarktes und über die Herabsetzung des Zinsniveaus untersuchte Dr. Schacht die mit den Auslandskre» d i t e n zusammenhängenden Erscheinungen, wobei er mit besonderem Nachdruck dabei verweilte, daß die auf der deutschen Wirtschaft ruhende jährliche Zinsen- und Rückzahlungslast
durch Hereinnahme weiterer Auslandskredite fortwährend vergrößert und dadurch die augenblicklich sehr günstig aussehende Zahlungsbilanz im Laufe der Jahre ständig verschlechtert wird. Unter allen Umständen, so sagte der Reichsbankpräsident, muß in diesen Dingen Maß gehalten werden. Dazu kommt die reparationspolitische Seite der Auslandskredite. Die zurzeit bei der Reichsbank durch Auslandskredite zusammenkommenden Devi- senbestände brauchen mit nicht. Deshalb würde ich eine Frage des Reparationsagenten, ob wir Devisen für den Transfer abgeben können, mit 3 a beantworten können. Wir täuschen derzeit eine Transferfähigkeit vor, die mit absolutester Sicher- heit nach geraumer Zeit nicht mehr vorhanden sein wird. Wir müssen uns deshalb unbedingt auf dem Gebiet der Auslandskredite einschränken. Das große internationale Verschuldungsproblem ist nicht nur für Deutschland, sondern wird auch für eine ganze Reihe anderer Länder akut. Die internationale Tendenz kann nur dahin gehen, eine Begrenzung aller politischen Schul, den ckuf das wirtschaftlich und transfervolitisch traqbare Maß herabfotzen. Reichsbankpräsident Dr. Schacht svrach zum Schluß von der Notwendigkeit, daß die ausländischen R»qierungen mit Deutschland gemeinsam dieses Problem prüfen.
Loucheur.
Der französische Wirtschasts- und Staatsmann Loucheur hat sich von einem Redakteur der „Liberte" interviewen lassen und in Bezug auf das Manifest der internationalen Bank- und Handelswelt zwecks Beseitigung der wirtschaftlichen Hindernisse erklärt, die UMerzeichner der Kundgebung wollten die Ein- und Ausfuhrverbote beseitigen und in zweiter Linie die Zollbarrieren niederreißen, jedenfalls aber deren wesentliche D e r- minderung erreichen. Im Grunde genommen gäbe es nichts Gerechteres und Wünschenswerteres. Das Manifest enthalte nach dieser Richtung grundsätzlich Werte, die niemand anzweifelt. An der Praxis allerdings müsse man Vorbehalt machen.
Richt uninteressant ist, daß Loucheur das Manifest auch mit der Sicherheitsfrage in Verbindung zu bringen sucht. Er sagt, wenn der FreiheitSwille ,so wie «S die Bankiers vorschlü- gen, siegt, dann tömte Italien keinen Stahl mchr haben, also besitze es keine Mittel, um seine Landesverteilung sicher zu stellen. Die gesamte Metallindustrie würde sich alsdann im Norden Frankreichs, in Lochrinqen und Westfalen konzentrieren, wo sich die Kohle befände. Wenn also Italien nicht entwaffnet werden solle, müsse eS seine Schutzzölle auftecht schalten. Das Gleiche sei für Frankreichs Automobilindustrie der Fall. Die Produkte des Amerikaners Ford wür- den das ganze Land überschwemmen. Man sehe also, so schließt Loucheur, das daS Problem verwickelt sei. Schließlich wies der Redner auf die bcherrschende Stellung Deutschlands in der Farbenindustrie hin, die gleichfalls die ge- bieterische Notwendigkeit, die Zollgrenzen beizu- behalten, in sich schließe.
Die belgische Stabilisierungs-Anleihe.
Nach einer Meldung der „Chicago Tribuns" aus London sollen die Bank von England und die übrigen naüonaleg Danken, ausgenommen die Bank von Frankreich und die Bank von Italien, sich bereit erklärt haben, die belgische Stabilisierungs-Anleihe von 75 Mill. Dollar, die zu einem Kurse von 93,6 aufgelegt werden soll, zu zeichnen.
Amerika.
Einer Reutermeldung aus Washington zufolge hat sich die Regierung der Vereinigten Staaten bereit erklärt, unverzüglich bekanntzugeben, daß das internationale WirtschaftSmani- fest ihrer Meinung nach nicht auf die Ser» einigten Staaten anzuwenden sei. Gleichzeitig wird di- Auffastung vertreten, daß die Regierung den Vorschlag, die Zollschranken zwilchen den B ö l ker n Europas zu vermindern, unterstützen werde.
Die britische Reichskonferenz.
Auf der Reichskonferenz in London ging der Präsident des Handelsamtes, Cunliffe Lister auf die wirtschaftlichen Aufgaben der Konferenz ein. Er stellte fest, daß der Handel zwischen dem Mutterland« und den anderen Reicksstellen in den letzten Jahren an Umfang zugenommen hat. 1913, so erklärte er, betrug der Anteil des Britischen Reiches an der Einfuhr nach England 24,87 °'o. Im letzten Jahre stieg vieler Anteil auf 31 %• In Jahre 1913 gingen eiwa 37 % der engli chen Ausfuhr nach den übrigen Reichsstellen, während sich dieser Prozentsatz im letzten Jahre auf etwa 42 °/o er' öhte.
Auch die Gesamtziffer des Außenhandels des Briijschkn Reiches hat beträchtlich zugenommen. Lister erklärte, das Bedürfnis nach einer Entwicklung des Handels innerhalb des Reiches sei besonders Boß wegen der wirtichastlicken Nachwirkungen °es Weltkrieges. Die ausländischen Staaten, die >hre Währungen zu stabilisieren suchten, würden zwangsläufig dazu gebracht werden, ihre Kredit. Bewährung und ihre Einkäufe einzuschränken. Je größer der Warenaustauich innerhalb des Reiches sei. um so leichter werde es den einzelnen Reichs» teilen fallen, ihre Währung aufrechtzuerhalten.
♦ Verurteilung wegen Beleidigung eines Staats- ^Misters. (Gig. Funkm.) Das Schöffengericht in -öena hat den Lauvtschristleiter der sozial-demo
kratischen Zeitung „DaS Volk" wegen Beleidigung des thüringischen Staatsministers Dr. Leutheußer in einem Artikel über das Verbot des Filmes „Panzerkreuzer Potemkin" zu Mk. 300 Geld- strafe oder einen Monat Gefängnis verurteilt. Der Antrag des Anklagevertreters lautete auf Mk. 800 Geldstrafe.
* Ei» Entwurf zur Wahlreform. Unmittelbar nach Zusammentritt des Reichstags soll, wie ein parlamentarisches Büto mi,teilt, die Wahlreformfrage mit den Führern der oroßen Parteien im Reichstage bei prochen werden. Erst noch diesen Besprechungen soll der Entwurf seine endgültige Fassung erhalten. Vorläufig liegt ein Referenten» eniwurf vor, dessen Schicksal von der Aufnahme abhängt, die ihm die großen Parteien bereiten wer- oen.' Wann die Vorlage an das Reichskabinett gelangt, ist zurzeit noch nicht zu übersehen.
— Ergebnislose Verhandlungen bezüglich des Beitritts der tschechoslowakischen Eisenwerke zum Stohlkar- kell. Wie die Blätter melden, sind die Verhandlungen der tschechoslowakischen Eisenwerke über die Frage des eventuellen Beitritts zum Stahlkartell ohne Beschluß- fassung auf unbestimmte Zeit vertagt worden, da in der Frage der Aufteilung der auf die Tschechoslowakei entfallenden Quote unter die tschechoslowakischen Werke keine Einigung erziest werden konnte.
Thoirh und die Botschafterkonferenz.
Gegenüber Schlußfolgerungen, die die deutsche Rechtspresse an die Havasmeldung über den Beschluß der Botschafterkonferenz bezüglich der Mi- litärkontrolle in Deutschland geknüpft hat, bemerkt die „T ä g l i ch e R u n d s ch a u", daß mit dem Beschluß der Botschafterkonferenz keineswegs die Thoiry-Politik als erledigt zu betrachten sei. In unterrichteten Kreisen wisse man. daß in Paris sowohl wie in Berlin die vorbereitenden Arbeiten fortschreiten, die erforderlich sind, um die un- mittelbaren Verhandlungen in Fluß zu bringen. Man habe ein Recht zu faoen, daß die Botschofter- konferenz sich über den Kurs der französischen Außenpolitik hinwegsetzt, wenn sie sich zum Svrach- rohr der Militärkontrollkommission macht. Nichts aber berechtige zu der Schlußfolgerung, das Bri- ands Außenpolitik nunmehr gescheitert fei.
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Eine offizielle Stellungnahme wird in Berlin erst erfolgen, wenn der amtliche Wortlaut des Konferenzbefchlusses in Berlin vorliegt. Zu den einzelnen Punkten des Beschlusses bem-rken die Blätter, daß bezüasich der Stellung des Ehsfs der Heeresleitung Aenderungen nicht vorgenommen worden sind und auch nicht m-hr zu erwarten sind, nachdem bereits über die Frage eine Einigung erzielt worden ist. Da der Rücktritt Seeckts eine rein innerpolitische Angelegenheit war, ist es vollständig abwegig, von Direktiven au sprechen, die dem Nachfolger, Generalleutnant Hene, gegeben worden seien, und die „einige Beuunruhigung gebracht hätten". Was die behaupteten illegalen Rekrutierungen anbetrifft, so sollte gerade die Demission des Generalobersten v. Seeckt wegen der Einstellung des Kronprinzen als Beweis dafür dienen, daß der Reichswehrminister solche Rekrutierunaen nicht dulden wird, lieber die Frage des Handels mit Kriegsmaterial sind die Verhandlungen noch im Gange, desgleichen bezüglich der Polizei- oraanisation. Aber auch hier können die wesentlichsten Punkte als geregelt gelten.
Was die Verwertung ehemaliger Kasernen anbetrifft, so hat sich die Regierung wiederholt um
den Verkauf dieser Gebäude bemüht, jedoch bei der gegenwärtigen Wirtschasts- und Finanzlage vielfach ohne Erfolg. Hinsichtlich der Frage der Sportverbände weisen die Blätter auf das Gesetz vom März 1922 hin, das militärisch organisierte Verbände verbietet. Schließlich werden in der Havasmittei- (ung noch die Arbeiten an den Befestigungen von Königsberg (i. Pr.) erwähnt. Hierzu erklären die Zeitungen, daß die Befestigungsanlagen völlig wertlos werden müßten, wenn sie nicht unterhalten werden dürften. Zusammenfasiend heben die Blätter hervor, daß es kaum zu verstehen fei, wenn die nebensäckisichen Dinge, die wirklich noch keine Regelung gefunden haben sollten, aur Rechtfertigung einer Verlängerung der Militärkontrolle herangezogen werden. D-r ganze Tenor des Beschlusses berechtigt zu der Frage, welcheKräfte hier am Werke sind, um dem deutsch-französischen Akkord von Thoiry entgegenzuarbeiten.
k>oesch bei BertbeTot.
Der deutsche Botschafter in Paris von Hoesch stattete dem Generalsekretär im Ministerium des Aeußern, Berthelot, einen Besuch ab Wie Havas berichtet, wird der deutsche Botschafter lehr bald auch eine Unterredung mit Briand haben.
Hierzu schreibt ..Petit Parisien", es sei wahrscheinlich, daß die Andeutungen, die dem deutschen Botschafter gemacht wurden, Zeugnis ablegten einerseits von einer weniger großen Eile und andererseits von einem natürlichen Wunsche französischerseits. im einzelnen sowohl die technischen, die wirtschaftlichen, militärischen und politischen Seiten des Problems prüfen zu lassen, bevor man sich in Verhandlungen weiter vorwaae. Es sei schon viel, daß der Gedanke einer Annäherung in Frankreich so ausgenommen wurde, wie dies tatsächlich geschehen sei. Aber nicht im Verlaufe von einigen Wochen könne ein derartiger G-danke Gestalt annehmen bevor die G e a e n l e i sk°d n g für die von Frankreich erwartete Räumung deutlicher hervortrete.
Ehescheidung ftn Robenzollern-Haiks.
Die Ehe des Prinzen Eitel Friedrich mit der Prinzessin Sophie Charlotte von Preußen, Herzogin von Oldenburg, ist, wie die „B. Z." meldet, aeschieden worden. Als schuldiger Teil ist Vrinz Eitel Friedrich, bekanntlich der zweite Sohn Wilhelms II., erklärt.
♦ Rückkehr des Reichspräsidenten. Der Herr Reichspräsident ist Freitagmorgen 717 Uhr auS Bremen wieder nach Berlin zurückgekehrt.
* Graf v. Merveldt aefforben. Wie die.Germania' au« Münster erfährt, ist der beu Heb •nationale Reichstagsabgeordnete Regierungspräsident a. D. Graf Felix v. Merveldt einem Schlaoanfall erlegen. Merveldt ist einer der wenigen deutschnationalen Katholiken.
• Ernennung im Reichsveirkehrsminifterium. Im Reichsverkehrsministerium ist der bisherige Ministerial-Direktor der technischen Eisenbahnab- teilung, Gutbrod, zum Staatssekretär und der Ministerialrat Geheime Saurat Sn aut zum Ministerialdirektor der technischen Eisenbahnabteilung ernannt worden. Beide Beamten stammen ans der preußisch-hessischen Staatsbahnverwaltung.
Das Neichsehrenmal.
Beim Rcichskunstwart Dr. Redslob fand eine Besprechung über die Stellung der K ü n st l e r s ch a s t zur Frage des Reichsehrenmale« statt. Die anwesenden Vertreter sämtlicher Künstlerverbände waren sich bei der Aussprache darüber einig, daß für die Lösung der Aufgabe nur ein Ehrenhain in betracht komme, in besten Mittelpunkt ein künstlerisch gestaltetes Symbol Platz finden müßte. Was b!e Platzsrage anbetrifft, so sollen bei der Wahl deS Ortes auch Künstler hinzuaezoaen werden.
* Um die Friedericus-Marke. DaS ,B. T.' meldet, daß ReichSpostminister Etingl einen kommunistischen Antrag auf Einberufung des V er» waltungsratS der Reichspost zu einer Sondersitzung über die geplante Schaffung einer Zehn- Pfenmg-Marke mit dem Bildnis Friedrichs deS Großen mit der Begründung abgelehnt habe, daß er allein für die Herausgabe einer neuen Starten- ferie veramwortlich fei.
* Das Volksbegehren auf Au lösung deS Hessischen Landtages. Der Helsiche Landtag stimmte nach zweitägiger Debatte einstimmig dem Beschlüsse des Ge etzaebungSauSschuffeS zu, der feststellte, daß die für daS Volksbegehren deS hessifchen Wirtschafts- ordnungsblocks auf Auflösung des Landtages notwendige Zahl der Unter chriften vorhanden sei.
Tschechoslowakei.
Wie die „Prager Abendzeitung' meldet, traf der Führer der Slowakischen Volkspartei, Pater Hlinko, von seiner Amerikareiie in Praa ein. Er ist noch abends nach Rosenberg in der Slowake, abgereiü.
Das Blatt meldet weiter: Zwischen dem Minister- präsiden'en und dem llowakstchen Bischof Hubnitsch fanden Beratungen statt, wobei übet die Rückgabe der in bet Slowakei enteigneten geistlichen Güier verhandelt wurde. Wie verlautet, soll der Ministerpräsident die Rückgabe der enteigneten und be- ichlagnahmten Güter bet slowakischen Geistlichkeit zugesichett haben.
Die Gvfer des Orkans.
lieber 650 Tote. — 10 Orte zerstört. 100 Millionen Dollar Schaden.
wtb. Havanna, 22. Ott. (Eig. Funkm.) Die Zahl bet Todesopfer bei dem gestern gemeldeten Wirbelsturme auf Kuba ist auf mehr als 650 Personen gestiegen. Die Anzahl der Verwundeten ist unbekannt. 6500 Personen sind ohne Obdach. Unter anderem find in Havanna selbst 200 Tote zu verzeichnen. In Batabano 300. Ungefähr 10 Stabte und Dörfer sind vollkommen zerstört. Der angerichtete Schaden wird auf 100 Millionen Dollar veranschlagl.
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Wie Havas au8 Miami (Florida) meldet, ist die Polizei feit den frühen Morgenstunden damit beschäftigt, der Bevölkerung im Hinblick auf den von Cuba kommenden Wirbelsturm Zufluchtsorte anz«. weisen. DaS Barometer steigt ständig und man glaubt, baß bet Wirbelsturm feine größte Heftigkeit auf bem Meere entfalten werbe. In der vergangenen Nacht seien durch einen heftigen Sturm die Telefon- und Telegraphenverbindungen in Süd- Florida zerstört worden.
Der Terror in Mexiko.
Die von der mexikanischen Regierung gestellte Alternative an die Lehrer der öffentlichen Sckulen, die antireligiöse Politik anzuerkennen oder ouS bem Lehrberuf auSzuscdeiden, hat in ben größeren Städten de» Landes zur Folge gehabt, daß am Tage des Schulbeginns wegen Mangels an Lehrern die staatlichen Anstalten nicht eröffnet werden konnten. Manche sind noch heute geschloffen. Im ganzen Lande bieten viele Lehrer bet Regierung kühnen Widerstand; int Staate JaliSco wurden allein 400 Lehret entlasten.
Die staatliche Straßenbauverwaltung erließ an alle Anaestellten und Arbeiter eine Anfrage, von deren Beantwortung im Sinne der Regierung die Beibehaltung der Stelle (!) abhängig gemacht wurde. Der Fragebogen lautet wie folgt: „Ohne Rücksicht auf die von Ihnen bekannte ^Religion wollen Sie bitte frei und offen ‘olgenöe Fragen bean«Worten: „Sind Sie KolumbuSritter? Mitglied der Liga für religiöse Verteidigung? Der katholischen Union deS Bundesbistrikts? Unterstützen Sie die Politik der Regierung? Kritisieren Sic deren Handlungen? Betrachten Sie sich als loyalen Dienet bet Regierung?" Für viele Angestellte, namentlich Tagelöhner, bedeutet ein offenes Bekenntnis zur Kirche dzw. gegen die Reaierung bei bet schlechten Wirtschaftslage mit der Entlastung zugleich den wirtschaftlichen Ruin der Familie.
Msgr. Echeverria, Bischof von Saltillo, wurde berbafiet und unter Eskorte nach der Hauptstadt gebracht, weil er angeblich Flugblätter bat verteilen lasten, in denen die Eltern ausgeso bett wurden, ihre Kinder nicht in die Staatsschulen zu senden.
Bischof Navarrcte von Sonora erhielt den Ausweisungsbefehl, weil er angeblich den Jagui- (Indianer) Ausstand angezettelt bade, von dem jüngst die Blätter berichteten. Die Beschuldigung ist haltlos, zumal feit Monaten kein katholischer Priester mehr bet ben Jaquis war.