An,einer für die Sfabt und den Kreis .^ufba. Amtliches Kreisb'alk.
nr. 244. |
(Srfdieint 'ettoma' wöibentUch. Mo»enbe lagen Illustrierte »et- aae" und Buckenb'St'er- Rotat'onrdruck und Verla« der Iuldaer «ctiendruckeret In Iulda. Iernlvrecher Nr 9.
Hf-TnnUHr»«* I.ICO
Donnerstao, 2L Oktober 1926.
n-e-aen- Pre »Ifnwllo Coiond) oka <>,Ib Re »»mar aurwSrtr 0.20 Reichsmark. Reklame,.ile> 'oka> >.S ReichSmor aurwSrt» 0.80 Reichsmark.
"e* ^Nled-r^o'nn.en Vorf*"#f,n-'*n Tf'in,ettr* n. m. «'M
3ahrq. 53.
wesentlichen die europäischen Staaten an gebe, insofern ihnen die Lebensbedingunaen keine weitgehenden Verschiedenheiten aufwiesen und daher die Zollmauern nicht in derselben Weise wirkten wie in den Vereinigten Staaten.
wtb. New Jork (Reuter), 20. Oft. ((Fig. Funkm.) Hier wird dem Wirtschaftsmanifest keine betontere Bedeutung beigemessen. Ein führender Sanfter bezeichnete das Manifest als ein harmloses und von frommen Wünschen erfülltes Plädoyer. Lohn Mitschell, der mit zu den Unterzeichnern des Manifestes gehört, erklärte, die vielfältigen, dem handel in Europa zurzeit aufgelegten Beschränkungen seien der gesamten europäischen Wirtschafts-Wohlfahrt äufierft schädlich und hätten fchon vor langer Zeit beseitigt werden muffen. Wie behauptet wird, ist der G»danke des Wirtfchaftsmanifeftes im veraangenen Frühjahr in britischen Sanfierfreifen entstanden und man habe amerifanitoe Gefchäftsl->>'te um ihre Unterschrift ersucht, weniger in der Absicht, dem Plädoyer moralische Stoßkraft zu geben als die beteiliaten Ame- rifaner auf ein scharf umrissenes Programm fest- zulegsn.
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Zu dem WirUchaftsmanifeft nehmen die ersten englischen Wirtschgftshlgftern in Le'tartifeln Stellung. Die liberale Presse begrübt es natur» aemäb mit Wärme. Das Arbeiterblgtt ..Daily Aeralb" sieht dagegen darin einen Versuch des Kapitalismus, ffch durch Konzentrierung, Re- oraanifierung und Zentralisierung der Produktion und des Handels EurovaS unter der Kontrolle einer kleinen Gruppe allmächtiger Banken z« befestigen. —
* Str vchsteriöle Besuch im Haus Doorn. Zu dem Besuch deS holländischen Ministers deS Jnne,n Dr. Kan beim ehemaligen deutschen Kaiser in Doorn bemerkt „Allgemeen HandelSblad', vonseiten der niederländischen Regierung werde die Erklärung aufrecht erhalten, daß von einer Abreise des früheren Kaisers feine Rede sei. Der Besuch deS Ministers stehe in feiner Verbindung mit einer solchen. Es fei unrichtig, daß die niederländische Regierung in dieser Frage gegenüber den Großmächten Verpflichtungen eingegangen sei. Zu den in der deutschen Presse geäußerten Vermutungen, die englische Regierung habe über eine Rückfehr deS ehemaligen Kaiser- auf offiziösem Wege im Haag Erfun- digungen einziehen wollen, erklärt ,$elegroaf* daß keinerlei derartige Schritt- unternommen worben seien.
Der Kampf um Schanghai.
wtb. Paris, 20. Oft. (Gig. Funfm.) Wie der „Chicago Tribüne" aus Schanghai gemeldet wird, wird von japani"r - Seite das Gerücht verbreitet, die Eng lä t hätten Stpitschuanfang 13 Mill. Dollar izielle Unterstützung gewährt, um auf diese Weise die englische handels-pokitische Herrschaft auftechtzuerhalten. Gerüchte aus Han» kau wissen von einer Zunahme der England» feindlichen Stimmung im Jangtse-Tal zu melden, well die britischen Streitkräfte in dieser Gegend zu stark anwachsen. Gegenwärtig seien längs der chinesischen Küste ausländische Schiffe stationiert.
Das vroaramm do*’ Thoiry.
Gegenüber den in den letzten Tagen insbesondere in der ausländischen Presse auftauchenden Ge- rüchten, daß die deutsche Regierung die Absicht habe, zur Durchführung des Programms von Thoiry die Einberufung einer internationalen Fi. nanzkonferenz vorzufchlagen, wird von zu- ständiger Seite festaestellt, daß diese Gerüchte jeder Segriinbung entbehren. Ebenso ist die Meldung einer polnifchen Zeitung, wonach die deutsche Regierung mit Vorschlägen für die Regelung der Ostfrage an die anderen Mächte herantreten wolle, selbstverständlich völUa aus der Luft gegriffen.
Die „Tägliche Rundschau", das Oroan Strese- manns, bemerkt noch, daß diese Gerüchte auf einer völligen Verkennung der Sachlage beruhen. Wie bekannt, hat das Reichskabinett be- schlosi-m. die hiirrf) das Vroaramm von Thoiry aufgeworfenen fragen zunächst einmal einer eingehenden fachmännischen Prüfung zu unterziehen. Damit ist ein Kabineftsausschuß beauftragt worden, b»r sich aus dem Reichsminister des A»ußern, dem Reichsfinanzminister und dem Reichswirt- fchaftsminifter zulammenfetzt und zu dessen Sera« tungen dem „Lokalanzeiaer" zufolge auch der R-ichsbankvräfident Dr. Schacht hinzugezoaen werden soll. Auch auf französischer Seite wird das Verständiaunasprogramm vorerst nach feiner technischen Seite hin aeprfift, und auch dort sind Sachverständiae mit bMer Rnrarbett betraut. In diesem Stadium der Entwicklung würde es an jeder Voraussetzung für die Einberufung einer internationalen ' Finanzkonferen» fehlen
keine Begegnung TRuffoIini—Brianb.
Der römische Korrespondent des „Secoio" stellt gegenüber französischen Meldungen über eine Zusammenkunft zwilchen Mussolini und Srianb fest, baß eine solche augenblicklich absolut unwahr- s ch e i n l i ch ist.
* Ein Entwurf jur Vereinheitlichung des fron- zöstschen und italienischen bürgerlichen Rechts wirb dem französischen Parlament im Laufe de- Jahres 1927 vorgelegt.
Die Kirchenverfolgung in Mexiko.
Ein Telegramm au- San Cristobal besagt, baß der B i s ch o f v o n ChiapaS auf Befehl des mexikanischen Ministeriums deS Innern verhaftet würbe. Der Bischof 'oll unter m ilitärischer Bewachung nach ber Stabt Mexiko gebracht worben sein.
Der Sohn des Lullens.
Rach einer Blätiermelbung au8 Konstantinopel bat Prinz Zia-Ebbih, der Sohn des verstorbenen Sultans Mohamed V, ber als Verbannter im Auslände lebt, am Montag ben Versuch gemacht, mit Hilfe eines falschen PafleS nach ber Türkei zurückzukehren. Bei seiner Landung würbe er jedoch trotz feiner Verkleidung erkannt und wieder aufS Schiff gebracht, auf dem er die Reise in die Heimat angetreten hatte.
3um wirtschoftsmanisest.
Wie ben Blättern zu bem internationalen Wirt- schaftsmanifest mitgeteilt wirb, entstaub ber Ge- danke, in einer Art Manifest zu gelegener Zeit an die Oefsentlichkeit heranzutreten, um die Wirtschaftslage klarzulegen, vor etwa sechs Monaten gelegentlich der Anwesenheit Dr. S ch a ch ts in London. Die Teilnehmer an der zu diesem Zweck abgehaltenen Besprechung hatten sich bereit erklärt, die erforderlichen Unterschriften zu sammeln, was auch in Deutschland geschehen ist. Es ist eine pri- »ate Angelegenheit, die aber dadurch nicht an Wert verliert. Don den Unterzeichnern bat nie- manb seine Unterschrift zurückgezogen. Daneben läuft eine Aktion der Internationalen Handelskammer; deren nationale Unterausschüsse wurden ebenfalls angewiesen, sich mit ben in bem Manifest aufgeworfenen Fragen zu beschäftigen unb herüber nach Paris Bericht zu erstatten. Der Bericht biefer Unterausschüsse soll bem Zentralausschuß ber Internationalen Handels- tammer vorgelegt werben, unb es ist anzunehmen, daß auch biefer Bericht veröffentlicht wirb.
Wolff meßet aus Paris, baß sich hort ber Verwaltungsrat ber Internationalen Hanbelskammer unter bem Vorsitz von Sir Allan Anbersen versammelt. Gegenstand der Beratungen wird vor allem die Stellungnahme der Internationalen Handelskammer zu dem Programm der W e l t w i r t » schaftskonferenz sein. Der Ausschuß zur Sefeitioung der Handelsbeschränkungen bat im Hinblick auf die Sitzung des vorbereitenden Ausschusses der Konferenz unter der Leitung seines Präsidenten E. Elementel und seiner Vizepräsidenten Dr.
Roland Boyden (Boston) und Dr. Kotzenberg (Frankfurt am Main) eine eingehende Denkschrift fertiggestellt, deren Genehmigung dem Verwaltungsrat obliegt. Sie soll dann veröffentlicht und in der Sitzung am 15. November dieses Jahres in Genf durch Sir Arthur Balfour vertreten werden.
Das Manifest des internationalen Danktrustes findet in der italienischen Prefle keine sehr günftige Aufnahme.
Die „Tribuna" und der „Giornale d'Italia" machen Vorbehalte, der „Teuere" lehnt die Sache von vornherein ab.
Die „Lavora d' Italia" sieht darin eine Verschwörung des internationalen Judentums, das alle Länder unterjochen wolle. Das Blatt erklärt, es wolle keinen antisemitischen Kreuzzug her- aufbeschwören. Wenn aber die jüdische Offensive nicht aufhöre, so müßten die Juden, die diesem Plan günstig gesinnt seien, als feindliche Ausländer behandelt werden.
Amerikanische Aeußernngen.
lieber die Stellungnahme des Präsidenten E o o l i d g e zu dem europäischen Wirtschaftsmanifest berichtet Asiociated Preß aus Washington:
Coolidae ist ber Ansicht, baß zwischen ben Me- tboben unb Zielen ber Zollsysteme der europäischen Staaten und dem Zosisnstem der Vereinigten Staaten ein beträchtlicher Unterschied besteht. Der Präsident zweifele, ob durch Aenderung der Zollsysteme viel zur Belebung des europäischen Handels geschehen könne, ohne daß die Stellung Amerikas und seine Lebenshaltung beeinträchtigt würden. Eoolidge ist der Meinung, daß das Manifest im
Bekenntnis zur deutschen Republik.
In Koblenz fand am 18. Oktober unter sehr erheblicher Beteiligung aus dem ganzen Rheinland eine Tagung ber Zentrumspartei im Wahlkreise K o b l e n z—T rier statt. Auch ber Ober- präfibent ber Rheinprovinz, Dr. Fuchs, nahm an ber Tagung teil, auf der vor allem Prälat Dr K s a s über die Außenpolitik sprach. Abg. v. G u e r a r b sprach über die innerpolitischen Fragen des Reiches und Abg. Dr. Heß über die Innenpolitik in Preußen. Die Referate fanden ihren Niederschlag in folgenden
Entschließungen:
Die Entwicklung, die das Finanzwesen in den Cinzclstaaten sowohl wie in den weitaus meisten Gemeinden genommen hat, verlangt gebieterisch nach einer baldigen grundsätzlichen Umgestaltung der gesamten Eteuergebarung innerhalb Deutschlands. Die Berte,, lung der Steuerquellen verlangt eine Regelung, bei der die Selbständigkeit und Lebensfähigkeit der Länder und Gemeinden gewahrt und gesichert erscheint, ohne daß sie auf Steuern beschränkt bleiben, durch welche ein- Seine Stände über die Maßen belastet werden, und an denen namentlich die Gemeinden sich auf die Dauer verbluten müssen. Eine kraftvolle Selbstverwaltung der Gemeinden und ein starkes Eigenleben der Einzelstaaten sind aber in der Vergangenheit der Urgrund deutscher Blüte in Kultur und Wirtschaft ge- wesen. Die Zentrumspartei des Wahlbezirks Koblenz- Trier will daher diesen Urgrund in alter Stärke wiederhergestellt sehen. Sie erwartet daher daß mindestens durch eine schleunige Zuteilung des Zuschlagsrechts zur Einkommensteuer an die Länder und Gemeinden mit dieser Abkehr der Anfang gemacht wird. Das oberste Ziel muß in einem baldmöglichen fqftematif*en A b- bau der G e s a m t st e u e r l a st liegen. Dazu ge- hört auch die unabweisbare Notwendigkeit, in Zukunft bei der Lastenverteilung zwischen Reich, Länd-rn und Gemeinden gleichzeitig auch mit größter Sorgfalt und Bedacht zu nehmen auf die wirkliche Leistungsfähigkeit der Lastenträger und eine gerechte Verteilung der Be- lastimg. Die Delegiertenversammlung wünscht insbesondere, daß auf der soeben von der Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages beschrittenen Bahn zum A b- bau der unerträglichen Hauszins st euer konfegneni fortgeschritten wird, und daß auf eine tragbare Struktur der Gewerbe st euer hingewirkt wird. Ferner erwartet sie vor» allen öffentlichen Körp-rschaf- ten, daß deren benifene Vertretungen in jeder Hinsicht °"f die größtmögliche Sparsamkeit sehen und alle Aus- gaben vermeiden, deren Zweckbestimmung für bessere Zeiten vorbehalten werden kann.
Ne-
Zur Staatsmann.
Die D-legiertenverlammlung legt hiermit ein feier« liebes Bekenntnis zur republikanischen 61 a a t 9 f o r m ob. Namens der Zentranwwäbl-rschast des Wahli'erirk-'- Kvh'enz-Trier gelobt sie, als deren a"f demokratisch"'' G-nn^cnae n-rtnnhe oe,nmmene polst'sche Wstttung, Staat und Reich in unerf-N'tte’lirf’'"' T--"- oller fi-nft zur Verküpung zu stehen. Sie weist Bestreb;" "en, Ne Nre't cn'f e-"- A»nderi"m her ?^"fassnng"Mäßig festa-leaten rennblikanischen Stg"t?. Ä c rnr"ck r-eif dad"'ch '»ne
• "b’ und Pfefirfeft aestörj wird, die die »»fte Vvr- oussetzuyg für eine gesunde Auswärtsentmick'"ng tin- lerc'5 Balke? b'ldet narb den schweren feiten in die es 0" <T- Tnf„»n b'
. einer Entschließung zttm SIrbeitsbe- I(haffunn5progromm wirb lebhaftes Se- Tonern bnrüber zttm Ausdruck gebracht, daß die Rhstnproninz, ghgesehen non einer Zuweisung her -ueich-yastverwalfunq, keine Berücksichtigung gefnn» Den hat.
Obervrösident ber Rheinproninz Dr Fuchs, P?r *?nr Eröffnung ber Auslnrach» »ini"? Warte an Fl Serfammlung richtete sagte unter anberem:
, ? ein Bedürfnis ein ma^tnafle- S-Nnntnis ff ood Aukaeden de? Zentrums ab,',leren
nur eine S"'>stve-stand,ich'est dast der ,« n» Obemräfihent in ih-er Miste erscheint,
in «onw / ^‘"it habe ich oft bedauern müllen hgß
" , nh e*Hft 6ff»r -er A„°druck mW*
i>:„, s fkehi dem Zentrum nahe. Mer llch zu Zentrnn. n t" Zentnims bekennt, steht nicht dem hat sich zu ihm au he. dn- 5el,t ’.l her letzten Zeit mflr*»n- ^nn,
aen min nach schmarz-rvt-aald ffaa,
O h -b ^art!m f°nor ff" der üilanae de? Freistes Liberia kommt. Wir die Df licht des
Mutes zur Ueberzeugung und die Pflicht, nach außen dieser Ueberzeugung Ausdruck zu geben. Die Versammlung darf sich darauf verlassen, daß in all den Dingen, die Kirche, Schule und Staat betreffen, sie mich stets an ihrer Seite haben wird.
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Zu ben Tatsachen, baß die Reichspostverwaltung beabsichtigt, die neue Zehnpfennigsrnarke mit bem Bildnis des Preußenkönigs Friedrichs II. zu versehen, schreibt die „St. V ": Kein Mensch wird zögern, ben Alten Fritz als einen überragenden Kops zu bezeichnen; über seine politische Wirksamkeit im eigentlich deutschen Sinne kann man aber recht wohl sehr geteilter Meinung sein. Seine Kriege stärkten wohl Preußen, schwächten aber das Reich. Den Mann, der mit besonderer Vorliebe Französisch sprach und mit französischen Gelehrten sich besonders gerne unterhielt, kann man nicht gut als einen im üblichen Sinne stark d"e u t j ch empfindenden Mann bezeichnen, wenn auch zugegeben ist, daß er diese Schwäche für die französische Sprache und französische Literatur mit vielen anderen deutschen Fürsten unb gewöhnlichen Sterblichen feiner Zeit geteilt hat. Was bei Bekanntwerden dieser neuen Zehnpfennigmarke befürchtet werden konnte, ist bereits eingetreten: die Marke wird von der Linkspresse als monarchistische Propaganda angesehen, und es wird empfohlen, sie zu meiden und dafür zwei Fünfpfennig-Schillermarken zu verwenden.
Wir denken nicht daran, in der Friedrichsmarke eine Gefahr für den Bestand der Republik zu sehen, schlagen die Kritik der Auslandspresse in diesem Punkte nicht überwältigend hach an und nehmen auch gar keinen Anstand zu betonen, daß Friedrich der Große trotz aller feiner Fehler unter die Reihe ber wirklich großen beutschen Tatmenschen einzustel» In ist. Allein es fragt sich, ob es nicht boch besser gewesen wäre, bei ben so häufig verwenbeten Zehn- pfennlgbrtefmarten ben Alten Fritz auszuscheiben unb, wenn man schon auf ihn nicht verzichten wollte, auf bie 80 - Pf. - Marke zu setzen. Der Reichsfreiherr o.Stein hätte sich auf ber Zehnpfennigmarke recht gut ausgenommen; fein Bilbnis hätte keinen Anlaß zu irgenbwelchem Ser- bacht gegeben. Sicherlich hat bie Reichspoftverwal- tung nicht an monarchistische Propaganba gedacht (?); immerhin hätte sie auch den Schein vermeiden unb überlegen müssen, ob bei ben nun einmal gegebenen politifrf>en Derhältnisien in Deutschlanb der Kopf eines Fürsten auf einer sehr eft verwendeten Briefmarke von einem erheblichen Teile ber Deutschen nicht als ftörenb empfunden werden würde, zudem in einer Zeit, in der recht viel Unfug mit dem Fridericus rex getrieben wird. Wir denken an den innerpolitifchen Frieden, ber uns jo notwendig ift wie bas tägliche Brot. Man sollte alles vermeiben, was biefem Frieden auch nur in geringem Umfange schaden könnte.
Auch ber Bayrische Kurier. baS 5,'aupt» organ ber Bayrischen Volksvartei schreibt über bie neuen 10 Pfg.-Briefmarken mit bem Bilde Frieb- richs bes Großen «. a.
„Man man bie Verdienste Friedrichs II. um die Machtstellung Preußens auch voll würdigen. Seine Stel- Innanahme als deutscher Reichsfürft gegen den Kaiser ist zu werten. Ein wahrhaft deutscher Fürst war er nicht. Man würde es in Süddeutschland nicht verstehen. wenn fein Bild auf einer Reichsmarte erschiene. Den derzeitigen Friedricu?-Ku>t mitzumachen, haben doch nur diejenigen ein Interesse, die ein Großpreußen anstreben Oder soll mit der Friedericus-Marte ange- dentet trerben, daß alles im Reiche schon verpreußt ist, und daß ein Großvreußen an bie Stelle des alten, großen, deullchen Reiches getreten ist? Was würde man in Berlin sagen wenn da? Bild eines banerischen Königs, etwa Ludwigs I, besten deutsche Gesinnung höher, steht als bi? Friedrichs II., auf einer Reichsmarte erscheinen würde?"
Tiefe Auslassung ist um fo beu>c.'enslverter. | als ein Bayer, Dr. S t i n g I, an ber Spitze . bes Reichspostministeriums steht. •
Das neue österreichische Kabinett.
Aus Wien wirb gemelbet: Die Gesamtparteileitung ber Christlich-Sozialen Par- t e i richtete an ben früheren Bunbeskanzler Dr. Seipel bas Ersuchen, Verhanblungen mit ben Mehrheitsparteien über die Neubildung der Regierung aufzunehmen.
Wie in parlamentarischen Kreisen in Wien verlautet, wirb Dr. Seipel folgende Mlnisterllste vorlegen:
Bunbeskanzler und Aeußeres: Dr. Seipel, Vize- kanzler unb Justizminister Dr. Dinhofer (Groß- deutsch), Finanzen: Dr. Klenbök (Christlich-Sozial), Unterricht: Dr. Schmitt (Christlich-SvMl), Han- bei: Dr. Schürff (Grvßbeutsch) Ackerbau: Thaler Mrlstllch-Soz.), Heerwesen: Vaugoin (Christlich. Sog.), soziale Verwaltung Dr. Resch (Christlich- S°z.)
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Aus Wien wird uns von einem besonderen Mitarbgiter geschrieben:
Es konnte bereits darauf verwiesen werben, boß dem Plane einer Regterungsumwanblung die Absicht zugrunde lag, bie für bie parlamentarische Parteiführung verantwortlichen Persönlichkeiten auch zur Regierungsführung zu berufen, um in konsolidierter Stäike in bas Wahlzwangs- jahr einzutreten. Für ben Zeitpunkt, in welchem biesc Umwanblung spruchreif werden sollte, waren zwei Erwägungen maßgebend: entweder wurde der Augenblick in Betracht gezogen, in dem Kanzler Ramek durch bie Erreichung ber Freigabe der Kre bitreste vom Dölkerbunb bie Aufgaben seines Programms erfüllt habe, ober jener Moment, in bem bas Kabinett auch bie noch reftierenben Detailarbeiten ber Erlebigung zugeführt habe Unter diesen nahm bie Beamten-Gehaltsreform zwar nicht bie wichtigste, wohl aber bie zuerst spruchreife Stellung ein.
Di» Beamten-Geha'tsreform zieht sich in mehreren Wellenbewegungen eigentlich seit dem Zusammenbruch be* offen Staates hin, besten Erbe für Deutsch-O"sterre!ch m ber Uebernahme einer Ream, tenschatt bestand, bie eben für einen Großstaat zugeschnitten war Trotz roeiigehenbffen Abbau ber Beamtenzaht in ber fjcheitsoermaltung, trotz Glie» berung in Alt- unb Neuv-nflonisten verblieben dem beutsch'ösferreichffwen Staat boch Lasten, welche ein« wirkliche (ButfteHung der Beamtenschaft nicht
gestatten; dies ist eine Tatsache — genau so wie er ober auch Tatsache ist, baß von budgetären Ausgaben im Ausmaß von 712 Millionen Goldkronen allein 570 Millionen G.-K. auf Personalausgaben verwandt werden, und nur ein Viertel dieser Summe, also 140 Millionen G.-K. für Sachausgaben übrig bleibt.
Bei ben nun fdjroebenben Verhanblungen ber letzten Tage glaubte die Regierung Ramek einen Betrag von 80 Millionen Schilling zur Gehaltsaufbesserung noch verantworten zu können. Als unter dem Druck radikal eingestellter Organisati- 1 onen, so insbesondere der Postgewerkschaft und der technischen Union, der 25er Ausschuß der Beamtenschaft mit der endgültigen Anwendung gewerkschaft. kicher Konsequenzen, bas heißt bem Streik drohte, sah sich Dr Ramek außer Stande, bas noch oorlie- genbe Detallpensum feiner Kanzlerschaft in ersprießlicher unb sich mit feinem Verantwortungsgefühl beckenber Weise aufzuarbeiten, und gab daher feine Demission.
Als Nachfolger Dr. Rameks kommt Altbundeskanzler Dr. Seipel mit Dr. Kienböck als Finanz- minifter in Betracht.
Es wär- indessen voreilig, bem abtretenden Bundeskonzler schon jetzt einen politischen Nekrolog schreiben zu wollen. Auf innerpolitischem Ge- biet steht bie Verfassung^- und Verwaltungsreform sowie der Finanzausaieich zwischen Bund unb Län- bern, auf außenpolitischem Gebiet bie Beenbigung der Kontrolle und bie Freigabe der Krebitreste auf ben Blättern ber Geschichte Deutlch-Oesterreichs. Persönlich erfeute sich Dr. Ramek selbst in gegnerischen Kreisen jener Achtung, bie fein anstonbiaee Wesen zwgnoslät'fio mit sich brachte, — ..beinahe körperlich ausftrghfenbt Anftönbigkeit" fa kenn^eich- net ein großes Wiener Blgtt jene Athmosvhären, bie Romek um sich oerbieitete. Unter all biefen Umftsnb»n ist Kontter Rom»k nirfit nur nicht . unmöglich" geworben, — wie bedauerlicher Weife PT ff rtn —
sondern wirb Ram-k iu jenen Kanzlern Oesterreichs zählen, welch» die Naoesv^obe bestanden „nb Oette-. reich? moralischen Krebit gehoben haben; es ist baher bamit zu rechnen, baß Ramek auch weiterhin im politischen Lehen Oesterreichs jene Rolle spielen wirb, bie seinen Verdiensten, feiner Recht- Uchkelt unb seinem Charakter verdienter Weise zukommen.