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Nr. 242.

Anzeiger für die Sfabf und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblalt.

Erscheint (ed>8mn' wöchentlich. Wochenbe'Iaaen Illustrierte Bei- ase' und Sudbenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Nuldaer Actiendruckerei in Null»«. Iernwrecher Nr. 9.

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Dienstoa, 19. Oktober -4926.

n«eir»en- Pre« e- Stein,eile 'Colonel) ofai N.Id ReichSmar nu-wörk» 0.20 Reichsmark. Reklame,eii». lokal n.O* ReichSmar auSwörtS 0.80 Reichsmark.

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3nhra. 53.

Der Zahre^taa von Sccirno.

Aus Anlaß des Jahrestages der Paraphierung der Verträge von Locarno fand im Justizpalast in Locarno eine Erinnerungsfeier statt, zu der Bundesrat Motta, sämtliche Mitglieder der Tessiner Negierung und der Lvkalbehörd'en sowie zahlreiche bekannte Persönlichkeiten erschienen waren. Die Feier wurde durch eine Ansprache des Bürger­meisters von Locarno eingeleitet, der vor allem die große Bedeutung des Paktes würdigte. Darauf nahm der Präsident des Tessiner Staatsrates Rossi das Wort, um namens des Tessiner Volkes der Stadt Locarno für ihren Anteil an dem Zustande­kommen des Paktes durch die gastfteundliche Auf­nahme der Konferenz zu danken.

Bei der Feier hielt Bundesrat Motta eine Ansprache, in der er einleitend betonte, daß er vor allem als Tessiner' spreche, und dann u .a. aus­führte: Die letzte Völk^rbundsversammlung in Genf hat Deutschland einstimmig als Mitglied in den Völkerbund aufgenommen. Damit ist der Pakt von Locarno in Kraft getreten. Ich will mich nicht »abei aufhalten, darzulegen, daß mit dem Augen­blick, wo der letzte unserer Nachbarstaaten, aber größte hinsichtlich der Bevölkerungszcchl, in den Völkerbund aufgenommen wurde, dem wir dank des weisen Entscheides des schweizerischen Volkes uttb der Kantone von Anbeginn angehörtrn, auch eine der wichtigsten Interessen unseres Landes ge­wahrt worden ist. Wir wollen heute diesen denk- wütdigen Akt von einem umfassenderen Stand» purrkt aus betrachten. Er ist für uns das Zeichen der Versöhnung zwischen den Kriegsführen- den von gestern. Er erlaubt die Hoffnung, daß die lang bedrängten Völker zusammen an den Wer­ken des Friedens und der Kultur arbeiten werden. Er bestätigt den Verzicht auf die Anru­fung der Waffen als höchstes Mittel zur Lösung der Konflikte zwischen den Staaten und gibt dem edlen Gedanken der Versöhming und der Schieds­gerichtsbarkeit einen entscheidenden Impuls.

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In Ereil hielt anläßlich der Einweihung eines Kriegerdenkmals der Delegierte, Frankreichs beim Völkerbund, der sozialistische Abgeordnete Paul 9)oncour, eine Rede, in der er erflärte: Wenn wir jetzt in Genf ruhig über den Frieden ver­handeln können, so deshalb, weil zunächst viele refallen sind. Man mußte zunächst die Un- rbhängigkett des Landes und seines Bodens sowie lein moralisches Erbe retten. Ich, der ich Frank­reich in Genf vertrete, vergesse nicht einen einzigen Tag das Opfer der Totem, derjenigen Frankreichs und derjenigen sämtlicher im Frieden ver­söhnten Nationen. Ich trenne nicht diese beiden Worte: für das Vaterland und für den Frieden.

* Der Reichspräsident ist am Montag von Groß Schwülper kommend im Automobil in Braun­schweig eingetroffen und hat mit dem fahrplan­mäßigen D-Zug um 11.38 Uhr die Rückreise n a ch. B e r l i n angetreten.

Oesterreich und der Anschluß.

. In Berlin sprach im Rahmen des Oester- reichisch-Dentschen Dolksbundes Bundeskanzler a. D. Dr. Renner-Wien über das Thema:„Oester­reichs Anschluß und der Völkerbund, ein Problem des Rechts und des europäischen Friedens." Für die Anschlußfreunde im Reich und in Oesterreich fiet der Zusammenschluß, so führte der Redner aus, eine Herzenssache, bedeute er doch die Heim- 'kchr eines in die Fremde verirrten Familienmit­gliedes. Darüber hinaus sei aber der Anschluß ein europäisches Problem geworden. Man habe in b«rr Friedensverträgen Staaten geschaffen, ohne sich zu fragen, ob diese Staaten 'mögliche Wirt­schaftsgebiete sind. Oesterreich könne als Klein­staat nicht leben. Es müßten zwei Linien herge­stellt werden: Donau-Rhein durch den Kanal und Dvnau-Ostsee-Nordsee über Berlin. Dann wäre der Verkehr mit der Weltwirtschaft hergestellt. Don der Intelligenz der Welt werde in absehbarer Zeit der Gedanke kommen, daß große Wirtschaftskörper aufgerichtet werden müssen. Dann werden die poli­tischen Grenzen aufhören Wirtschaftsgrenzen zu sein. Es würde ein Locarno an der Donau geben. _____________________

Südtirol.

Ein weiterer Schritt in der systematischen Der- welschung Südtirols geschah jetzt in Bozm. Den Faszisten war von jeher die wirtschaftliche Macht der ländlichen DarlehnSkasfen in Südtirol, welche die deutsche Bauernschaft sich selber geschaffen batte, ein Dorn im Auge. Sie sollten fallen und den fasziltischen Bauernkorporationen einverleibt werden. Da das gesetzlich nicht ging, so mochte man e« eben ungesetzlich. Die Faszisten brachen durch Fenster und Türen in daS Versammlungslokal ein, wo die Generalversammlung ffa-tfinben sollte, und schleppten unter den Augen des ReqierungSvertreters die Abrechnungen, Berichte und Bücher w-g. Dabei wurde mit Stockschlägen gegen die unb woffneten Lauern vorgegangen.

In dankenswerte Weise stellte der Osservatore Romano diese Tatsache vor die breite Oeffentlichkeit rnd tragt, ob eS denn keine Gerewtiqkeit und keine Behörden mehr gibt, bte solche Vorfälle unmöglich machen.

Vielleicht siebt sich die Regierung daraufhin ver­anlaßt, den Präfekten in Triest nach einer besseren Stellung zu befördern, toi- es im Falle Macerato geschehen ist. Das Vermögen der Darlebnskassen wird sie aber ebensowenig herauSoeben, wie seiner Zeit dasjenige der Ässociazione della Stompa in Rom, das von den Faszisten sequestriert wurd», wo­bei der Journalistenverein in eine saszistljche Kor- Parastou umgeivandelt wurde-

Wiederaufbau der Weltwirtschaft

Ueber London kommen Meldungen, die eine be­deut-ame Kundgebung prominenter Bankiers und Geschäftsleute im Sinne internationaler Ver­ständigung ankündigen. Im einzelnen wird uns berichtet:

Im Zusammenhang mit der Pariser Sitzung der in- ternationalen Handelskammer melden englische Blätter, daß möglicherweise eine Art Manifest führender in- ternationaler Bankiers am Mittwoch veröffentlicht werden wird, das als das wichtigste Dokument seit dem Versailler Vertrag bezeichnet werden kann. Es verlange die Annahme eines endgültigen Planes zur Heilung der wirtschaftlichen Uebel Europas und soll die wohlerwo­gene Ansicht der besten und klügsten Köpfe der Finanz, welt darstellen. Man erwartet einen tiefgehenden Ein» fluß auf die künftige Gestaltung der finanziellen und politischen Lage der Welt. Es soll nichts mit dem aus Berlin gemeldeten Plan der Bildung eines internationa­len Bankentrustes zu tun haben.

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wtb London, 18. Okt. (Eig. Funkm.) Einer ergän- zenden Meldung zufolge wird der Bericht, den Sir Ar-

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der weltbankiers.

thur Balfour am Mittwoch der Pvlrifer Sitzung der

internationalen Handelskammer vorletzen wird und der dann der internationalen WirtfchastEonferenz des Völ­kerbundes unterbreitet werden soll, für den Internationa- len Handelsverkehr w i ch t i g e F r a g,e n behandeln, wie die Behandlung von Ausländern, Hindernisse für den Warentransport und finanzielle Schroierigkeiten, Preis- und Kredit-Probleme, Verbote betr. Ein- und Ausfuhr, freien Verkehr von Rohmaterialien und Ausfuhrabga­ben, Zollformalitäten und iMernostionale industrielle Vereinbarungen.

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— Berlin, 18. Okt. (Eig. FunSspi.) Der für Mitt­woch angekündigte Aufruf führendes auch deutscher Ban­kiers und Industrieller enthält u. a., wie die B. Z. mel- bet, folgende Namen: Geheimrat 'Dr. Bosch, Geheim­rat Felix Deutsch, Dr. Karl M.o l ch i o r, Franz von Mendelssohn, Dr. Schacht, Karl Friedrich von Siemens, Franz U r b i g, Gen eraldirektor V ö g l e r und F. H. W i t t h o e f t. Englcnsd ist u. a. vertreten durch Sir Arthur Balfour, SQtontagu Normann, die Vereinigten Staaten durch I. P. Morgan.

(Eine bedeutsame Kundgebung

Um die Räumung

„Petit Parisien" berichtet, Kriegsminister P a i n l e v e habe erklärt, baß die Gerüchte über eine „überstürzte" Räumung des Rheinlanbes unb über Vorbereitungen für ben Abmarsch der Besatzungs-Armee unbegründet seien. Wenn er eine Unterredung mit General Guillaumat ge­habt habe, so deshalb, um sich über die Ausführung des Planes zu unterrichten, der schon seit mehreren Monaten festgelegt worden sei und sich seitdem nicht geändert habe.

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Reichsarbeitsminister Dr. Bell erklärte einem Mitarbeiter des W.T.B. über seine Eindrücke im besetzten Gebiete u. a.:

„Cs sei eine bittere Tatsache, daß das besetzte Gebiet, das seit 1914 ununterbrochen die schwer­sten materiellen und seelischen Opfer für das ganze deutsche Vaterland gebracht hat, auch heute noch am schwersten an diesen Opfern zu tragen hat. Trotz der bisweiligen fast unerträglich schwierigen Lage, hat jedoch niemand im besetzten Gebiet den Optimismus verloren, der Vorbedin- gung ist für den politischen, kulturellen und wirt­schaftlichen Wiederaufbau unseres schwergeprüften Vaterlandes. Die Rheinlande wollen lieber auch

des Rhein Landes.

weiterhin Opfer auf sich nehmen, wenn es im In­teresse des ganzen deutschen Vaterlandes liegt. Das Zusammenleben mit der Bq Satzung hat für bte Rheinländer zu bitteren Klcugttn leider allzu oft An­laß gegeben. Ich bin nickst ein einziges Mal bei den Rheinländern auf Empfkudungen gestoßen, die sich nicht vereinbaren ließear. mit dem Geiste und dem Willen zur Verständigung mit den ehe- maligen Gegnern. Wenn «mch die Bewohner der besetzten Gebiete nichts sehnlicher wünschen, als die baldige restlose Befreiuung von fremder Besatzung, so ist dieser Wunsch doch jrei von nationalistischer Leidenschaft. Gerade im o-esetzten Gebiet hat man Verständnis für die Politik der Verständigung mit Frankneich und billigt fie1 Und noch eins: Einen Separatismus gibt es irn besetzten Gebiet nicht. Es ist für die ttieuen Rheinländer eine schwere Beleidigung, roeyn immer wieder von der „seperatiftischen Gefahr" joeredet wird. Meinen ge­samten Eindruck fasse ick» dahin zusammen, daß ich mich eins fühle mit dem, Rheinland in dem Bestre­ben, dem rheinischen Dmlke zu seinem Rechte und zu seiner Freiheit zu verhelfen, und dadurch die Grundlage zu schaffen {für die praktische Verwirk­lichung des Gedankens her Völkerverständigung und wirklichen Befriedung (Qaropas.

Um bie Prenßen-Reqier"nq.

Aus dem Preußischen Landtag schreibt man uns: Die Deutsche Dolkspartei in Preußen hat die von den Vertretern der Regierungsparteien mit ihr geführten Koalitionsverhandlungen als a b g e b r o- ch e n erklärt. Dieser Entschluß der Deutschen Volks- Partei wird in den Reihen des Zentrums außer­ordentlich bedauert. Man hatte sich namentlich in der 3ent: umsfrattion größte Muhe gegeben, btt Verhandlungen zu einem positiven Ergebnis zu führen, und immer wieder haben die Zent'ums- tjerircMr den ernstesten und -hrltchsten Willen ge­zeigt, in beirr Frage vorwärts zu kommen Da­bei war ma" sich im Zentrum vor allem bewußt der großen Bedkui.:ng dieser Dinge und einer p> si- lioen Regelung nicht nur für die Politik Preußens, sondern auch im ganzen Reich.

Die Dolkspartei macht geltend, sie könnte ange­sichts der Haltung der Sozialdemokraten einen er­sprießlichen Ausklang der Beratungen nicht mehr annehmen und verweist insbesondere darauf, daß der Ministerpräsident über seine Besprechungen mit den Vertretern der Regierungsparteien die Deutsche Dolkspartei nicht unterrichtet habe. Es wird nun aber aus parlamentarischen Kreisen geltend ge- macht, daß eine derartige Unterrichtung schon tech­nisch garnicht möglich war, weil diese erste Be- sprechung auch nur Dorfühler darstellte, und man überhaupt zu einem Ergebnis garnicht gekommen war. Richtig ist allerdings daß die Sozialdemo­kraten auf eine Verzögerung taktierten, so zwar, daß über die Frage der Schaffung der Großen Koa- lition erst nach dem Wiederzusammentritt des Reichstags verhandelt werden soll, um festzustellen, ob im Reiche und in Preußen gleichzeitig dieses Ziel zu verwirklichen wäre. Die Erkundi- gung der Preußischen Sozialdemokratischen Frak­tion bei ihrer Schwesterfraktion im Reichstag sind offenbar nicht ermutigend verlaufen. Immerhin läßt auch die gegenwärtige Situation es durchaus möglich erscheinen, daß bei Wiederzusammentritt der Parlamente Anfang November dieses ganze Problem wieder ausgenommen und einheitlich zur Debatte gestellt werden wird. Man nimmt in par- lamentarischen Kreisen an, daß diese ganze Ange­legenheit dann mit verstärkter Kraft in Angriff ge­nommen werden muß, da ja im Reiche nach ben Dingen von Genf unter allen Umftänben wenig­stens ber Versuch zur Verbreiterung der Regie­rungsbasis gemacht werden muß.

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Aus parlamentarischen Kreisen erfahren wir, daß Minsterpräsident Braun auf bas höchste über­rascht war über die Begründung, welche die Deutsche Dolkspartei bezüglich des Anspruchs der Kaolitions- verhandlungen gegeben hat. In demselben Augen­

blick, in dem Ministerloräsident Braun dabei war, die Deutsche $offspatffd über das Ergebnis der Verhandlungen mit ben Regierungsparteien zu unterrichten ist ihm liiefer Beschluß der Deutschen Volkspartei zur Kenntnis gegeben worden, in dem es heißt, daß die Dolkspartei diese Stellung ein« nehmen müsse, weil sie keine Antwort über den Verlauf dieser Verhandlungen erhalten habe. Mini­sterpräsident Braun hat der Volkspartei mltteiten lassen, daß man »erhandelt habe einmal über die Frage, ob man bereit fei, eine Erweiterung der Regierungsbasis drrnch Hinzuziehung ber Deutschen Dolkspartei vorzunehimen und zum zweiten, ob im gegenwärtigen Augenblick die sachlichen Voraus­setzungen für eine derartige Erweiterung gege­ben wären. Alle da ei Regierungsparteien hatten grundsätzlich ihr EiMAerständnis dazu erklärt, daß eine Erweiterung betf Regierungsbasis vorgenom­men werde. Ueber die Frage, ob die fachlichen Voraussetzungen gegeben seien, hätten sich die Mei- nungsverschiedenheiten gezeigt. Man habe es des­halb für zweckmäßiger gehalten die Beratungen zunächst zu unterbrechenl, bis Anfang Novem­ber auch der Reichstag zusammen getreten fei, der nach ben inzwischen, veränderten politischen Verhält­nissen im Reich doch auch für die Lösung dieser Koalitionsfrage auf das höchste interessiert sei. Die drei Regieruntgspart«ien hatten den Minister­präsidenten gebeksn, in Viesern Augenblick dann wieder die Verharzungen aufzunebmen und sie bis dahin zu unterbrachen. Braun erklärte sich bereit, demgemäß zu verfahren und also Anfang Novem­ber wieder an bje Deutsche Dolkspartei heranzu­treten Die Deutsche Volkspnrtei hat zu diesen Er­klärungen des Ministerpräsidenten bis jetzt noch keine Stellung genommen.

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Ueber eine cangeblich im Reichstag ftattgefun- bene Sitzung brr Zentrumsfraktion des Reichstags Jft in verschiedenen Berliner Blät­tern berichtet worden, und zwar soll sich die Frak­tion mit der F^age der Großen Koalition beschäftigt habe».

Wir können hierzu auf das Bestimmteste fest­stellen, daß eitve derartige Sitzung nicht stattge­funden hat. <fcs hatten sich lediglich im Zimmer ber Zentrumsfrviktion eine Anzahl Parteibeamte aus dem Lande zuseimmengefunden, um in Verbindung mit den Landls- und Provinzicllvorsitzenden mit der Zentralleibung der Partei die Vorbereitung für die Erfurte/c Tagung des Reichsparteiausschuffes zu besprechen. Abgeordnete der Fraktion haben bei diesen Besprühungen nicht teilnehmen können. Selbstverständlich konnten die Verhandlungen sich auch nicht auf die politischen Probleme und im be» ■ sonderen nid;# auf die Fragen der Großen Koa- , lition beziehc«. *

Sowjet-Rußland.

Eine litauische Wirtschaftsabordnung ift in Mos­kau einqetroffen, um Verhandlungen über einen Handelsvertrag zwischen Sowjetunion und Li­tauen zu führeki.

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Aralow, Mitglied des Kollegiums des Komitees für auswärtige Angelegenheiten ist auf ein Aner­bieten der lettischen Regierung, bte Verhandlungen über einen Garantiepakt sofort wieder aufzunebmen, nach Riga abgereist. Von lettischec Seite ist der Minister des Auswärtigen Ulmanis zur Führung der Verhandlungen bevollmächtigt worden.

Der politische Korrespondent der „Sundary Ti­mes" will wissen, daß K r a s s i n , der russische Be- auftragte in England, bei seiner Unterredung mit Chamberlain es abgelehnt habe, die Rückzah­lung der Schulden der z a r i st i s ch e n Re- g i e r u n g zu erwägen. Er habe aber, ohne seine Regierung zu binden, erklärt, nach seiner Ueber» zeugung würde die Sowjetregierung bereit sein, über irgend eine Form der Einlösung ber Gemeindeschu lden zu verhandeln. Hem­mend hätte bei den Verhandlungen der Wunsch der Sowjetregierung nach einer Anleihe in Eng­land g'wirk». Die britische Regierung nehme in diesem Punkt nach wie vor eine sehr steife Haltung ein. Der diplomatische Berichterstatter des „Obser­ver" spricht baoor, daß Krassin die Derhandlungen mit Chamberlain so weit gefördert habe, daß er nunmehr die City sondiere. Krassin habe einen Vorteil gegenüber seinem Vorgänger: Nicht nur habe eine große englische Bank der Russischen Staatsbank Kredite gewährt, sondern es habe sich auch die diplomatische Spannung zwischen Mos­kau und London verringert. Die wahre Schwie­rigkeit bestehe aber jetzt darin, daß die Moskauer Regierungskreise darauf beständen, daß die Schul­denzahlung aus den Mitteln einer neuen Anleihe bestritten wurde, während die City der Ansicht sei, daß die Wiederherstellung des russischen Kredits der Gewährung einer Anleihe an Rußland vorauszuaehen habe. Man erwarte daher, daß Krassins Fortschritte in London nur langsam vor sich gehen würden._____________

Zemeausschuß und Recht.

Ein Gutachten des Reichsjustizministeriums über die Frage der Berechtigung von Reichstagsunter- suchungsausschüssen zur Derhängung von Strafen.

Der Femeausschuß des Reichstags verhängte be­kanntlich während seiner Münchener Tagung gegen den Zeugen Hauptmann Röhm eine Geldstrafe von 300 Mk., weil er sich weigerte, dem Abge­ordneten Dr. Levi auf Fragen zu antworten. Die Berechtigung, solche Strafen zu verhängen, wurde bestritten und der Abgeordnete Troßmann von der Bayrischen Volkspartei ersuchte das Reichsjustiz- minffterium um ein Gutachten. Wie der „Mon­tag Morgen" wissen wfll, verneinte das setzt erstattete Gutachten des Reichsjustizmmisteriums das Recht parlamentarischer Untersuchungsausschüsse, Strafen gegen widerspenstige Zeugen zu verhängen. Bestrafungen von Zeugen wegen Ungebühr von Ge­richt könnten sich nur auf das Gerichtsver- sassungsgesetz stützen.

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Wie der „Montag Morgen" hört, hat das preußische Justizministerium die Landsberger Staats- anwaltschast angewiesen, in dem am 25. Oktober vor der dortigen Schwurgericht beginnenden Feme­mordprozeß gegenüber den zu erwartenden An­trägen der Verteidigung auf Ausschluß der Oeffent­lichkeit den Standpunkt der Regierung zur Geltung zu bringen, daß die Verhandlung unbedingt in voller Oeffentlichkeit vor sich gehenmöge.

Heues von Ludendorff.

„Jüdische, römische, freimaurerische Einflüsse" bei der Deutschnationalen Dolkspartei.

General Ludendorff hat an die Anhänger der völkischen Bewegung in Sachsen und Thüringen, vor allem an die Mitglieder des „Tannenberg­bundes", einen Aufruf gerichtet, worin er sie aufforbert, bei den bevorstehenden Landtagswahlen nur für eine der völkischen Listen zu stimmen und sich durch keine der Parteien täuschen zu lassen, die vorgäben, deutsche Politik zu treiben. Er meint damit, wie er ausdrücklich sagt, die Deutsche Volkspartei und die Deutschnationale Volkspartei.

„Ueber bie nerfretmaurerte, rein k a p i t a l i st i s che Deutsche Dolkspartei des Herrn Strefemann, fo schreibt er, wirb ein Zweifel nicht bestehen. Sie ist schon lange klar erkennbar aus ben schwarzweihroten Parteien aus­geschieben, obwohl sie immer noch diese heiligen Farben entweiht. Auch bie Deu tschnationale Volks- Partei schaltet sich selbst immer mehr aus ben schwarz­weißroten Parteien aus. Jüdische, römische, freimaure­rische Einflüsse werden in ihr immer maßgebender. Seit- dem sie nun Locarno, Genf unb damit unmittelbar Ver- fattles unb die Schuldlüge als Recht anerkennt, den Da- wespakt ermöglicht und die Sparer im Stich gelassen hat, zeigt sie klar unb deutlich, daß auch sie nur noch Dienerin ber überstaatlichen Mächte, keine beutsche und völkische Partei ist. Daß einzelne deutsch­nationale Männer unb Frauen anders denken, ändert nichts an dieser Feststellung. Sie fügen sich der Partei und sind daher an ihrer beutschwidrigen unb unvölki- schon Politik mitschuldig."

Da sind ja scheints die Deutschnationalen eben­so schlimm tote das Zentrum: deutschwidrig und um völkisch. Eine böse Welt, Herr General!

— Schaffung eines preußischen Mustergutes. In Nettersheim (Eifel) wurde vom preußischen Staat ein 250 Morgen großes Gut angeblich zum Preis von 120 000 Reichsmark gekauft. Der Staat will aus der Besitzung ein Mustergut schaffen