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FuldaerZeüung

Anzeiger für die Stadt und den Kreis .Hulda. Arnttiches Kreisblalt.

fir. 237

Mittwoch, 13. Oktober 1926

3ahrq. 53

Wie zu erwarten war, gestaltete sich die Montag» Sitzung des Landtags, auf dessen Tagesordnung die

praktische leicht seii

Vas Sterben in Hannover.

wtb. Hannover, 12. Okt. (Eig. Funkm.) Heute früh befanden sich in den städtischen Krankenhäusern 1575 Typhuskranke und Typhusverdächtige. Die Zahl der Todesfälle ist aus 210 gestiegen.

Im H auptauSschuß deS Preußischen Land» tagS wurde das Gesetz über die Vermögensausein­andersetzung mit den Hohenzollern mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien gegen die Stimmen der Kommunisten bei Stimmenthaltung der Sozial­demokraten angenommen. Die zweite Lesung findet am Dienstag und die dritte Lesung am Frei­tag statt.

Die„Vofi. Ztg." hört, daß sich der Kaiser-Friedrich- Museums-Verein an die preußische Regierung und an die Parteien deS Landtags wenden werde mit der Forderung, daß vor der Uebergabe von Kunstwerken an die Mitglieder des früheren Königshauses die maßgebenden Sachkenner zu Rate gezogen werden.

politische Verhaftungen.

Die Berliner Polizei hat laut ,Voss. Ztg.' den aus dem Hitler-Putsch bekannten völkischen Führer Hauptmann a. D. Römer verhaftet. Zu­gleich mit ihm wurde der Leiter der Nachrichtenor» ganisation der kommunistischen Partei, sowie ein kommunlstischer Agent in Haft genommen. Bei dem Kommunistenführer wurde interessantes Ma­terial beschlagnahmt. Der unter Fememordverdacht verhaftete Hauptmann Römer gab bei seiner Ver­nehmung an, daß er den Kommunisten erst seit wenigen Tagen kenne und keine weiteren Be­ziehungen zu ihm habe.

in Zukunft folgenden Eid zu leisten haben: „Ich schwöre, daß ich den Befehlen des Duce ohne zu diskutieren nachkommen werde und daß ich mit allen meinen Kräften und, wenn es notwendig

gibt eben auch heute noch Kräfte genug, die ein Interesse nicht an einer Beruhigung, sondern an einer Aufrechterhaltung des Unfriedens auf politischem, wie auf wirtschaftlichem Gebiete haben, und es wird des Zusammenstehens aller positiv Schaffenden bedürfen, um trotz allem das Ziel der Arbeitsgemeinschaft aller derer zu errei» chen, die Staat und Volk zu neuer schöpferischer Tat verhelfen wollen.

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Jie deutsche Volkspartei und das Prechenkabinett.

Tritt die Volkspartei in die Regierung ein oder bleibt das Kabinett unverändert? — Fortgang der Verhandlungen.

Erscheint sechsmal wöchentlich. WochenbeUaaen- Nvuttrierte Bei- aae" und Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernlvrecher Nr- 9- Monatlicher vernasorei?- 1.60 ‘mf.

= Der Präsident des Stahlkarlells In Berlin. Aus Luxemburg ist laut „B. Z." Dienstaa vormittag Prafi- sident Mayrisch, der neu gewählte Leiter des internatio- nalen Rohstahlkartells, in Berlin eingetroffen.

vermögensrechtliche Auseinandersetzung mit den Fürsten stand, sehr lebhaft. Die Kommunisten ver- suchten auf jede nur mögliche Weise diesen Punkt von der Tagesordnung abzusetzen, was ihnen jedoch nicht gelang. ES kam zu erregten tumultarischen Szenen, sodaß die Ausführungen deS Finanzministers Höpker-Äschoff nur zum Teil verständlich waren. Rach einer Unterbrechung von fünf Minuten fährt der Minister in seinen Ausführungen fort und empfiehlt die Annahme des Kompromiße nt- wu r fs, der bedeutende Berbesierungen im Vergleich zu dem früheren Entwurf enthalte. Ein kommu­nistischer Abgeordneter beantragt einen Mißtrauens­entwurf gegen den Ministerpräsidenten sowie gegen den Finanzminister und beantragt Verbindung dieser Anträge mit der Aussprache. Ein anderer kommu­nistischer Abgeordneter bringt gegen den Innen­minister einen Mißtrauensantrag ein. Die Be­sprechung wird dann geschlosien und die Anträge der Kommunisten abgelehnt. Nach erregter Debatte be- antragt ein Zentrumsabgeordneter Schluß der Debatte. Dieser Antrag wird angenommen. Dienstag findet die zweite Beratung statt.

Die umstrittene Sowjetflagge.

Eine von der Presse wiedergegebene Nachricht aus Tokio, nach der die Sowjetbehörden die Wrangelinsel besetzt und die englische und amerikanische Flagge durch die Sowjettflagge ersetzt hätten, wird von der Sowjetbotschaft in Paris als gegen st andslos bezeichnet, da seit Regelung der Frage der Wrangel-Jnsel vom Jahre 1924 zwischen Sowjetrußland und England nur die Sowjetflagge dort gehißt worden sei.

Wirtschaft genannt hat. Doch kann diese Ab­machung, die ja im wesentlichen privater Natur ist, wenngleich sie auch in die politische Struktur der einzelnen Länder entscheidend eingreift, nur ein Anfang sein, denn zu einem wirklichen Locarno der Wirtschaft gehört eine internationale Zusam­menarbeit nicht nur auf einem Spezialgebiet, son­dern auf allen Gebieten der Wirtschaft.

, So hat der Zwang der Verhältnisse, weil eben fein einziges Land unter dem politischen Unfrieden auch wirtschaftlich gedeihen konnte, zu einer wesent­lichen Veränderung in der Stellungnahme der Ver­treter der Wirtschaft gegenüber dem Staat, und zwar nicht nur bei uns allein, geführt. Es geht nicht an, sich wirtschaftlich verständigen zu wollen, sich gleichzeitig aber auch politisch zu befehden. Dazu sind die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Politik viel zu engmaschig. Das erfreulichste Er- dieser inneren Umstellungen war ja die mit der bekannten Rede des Mdustriellen Führers ® 1' ner berg aufgeworfene Parole auch der in« nerpolitifchen und der parlamentarischen Zusam­menarbeit zwischen den Unternehmern und der Ar­beiterschaft. Dieser Vorgang, der nur noch weni­gen, die Dinge nur einseitig parteipolitisch betrach, tenben, Kreisen umstritten wird, zeigt wohl am besten, wie die Wirtschaft heute den Einfluß beur­teilt, den die Politik und ihre zweckmäßige Führung und Vertretung auf das Gedeihen der inneren Wirtschaft, wie auf die Förderung der wirtschaft­lichen Beziehungen nach außenhin ausübt.

Man kann sich dieser Entwicklung nur freuen, und man möchte wünschen, daß sie auch alsbald zu praktischen Ergebnissen führt. Daß das nicht ganz leicht sein wird, darüber sind wir uns alle klar. Es

Nach der Lnglandreise.

Der Führer der deutschen Jndustriedelegation in England, Geheimrat Duisberg, wird nach dem „B. T." am kommenden Donnerstag in der Vorstandssitzung des Reichsverbandes der deut­schen Industrie über die Ergebnisse der Füh­lungnahme mit der englischen Industrie berichten. Außerdem wird in dieser Sitzung die Debatte über die Dresdener Rede Dr. Silverbergs, welcye inzwischen auch schon Gegenstand von Erörterungen des Vereins zur Wahrung der wirtschaftlichen Inte­ressen von Rheinland-Westfalen gewesen ist, weiter­geführt werden.

poincare Im Elsaß.

Der französische Ministerpräsident Poincare weilt, wie angekündigt, in Elsaß-Lothringen. Er besichtigte in M e tz die jüdische Volksschule und hier- auf die von Schwestern geleitete Knaben- und Mädchenschule. Mittags fuhr Poincare nach For- b ad), um ebenfalls dem Unterricht einiger Schul­klassen beizuwohnen.

Poincare trat nach dem Besuche der Schulen in Forbach und Boulay die Weiterreise nach Straßburg an, wo er am Abend eintraf.

Gegen die anfonomistische Bewegung.

wtb. Paris, 12. Okt. (Sig. Funkm.) Wie Havas aus Metz berichtet, hat der Arrondissement-Rat von Thionville-Ouest einstimmig eine Ent­schließung angenommen, in der Poincare per­sönlich das Vertrauen ausgesprochen und die autvnomistische Bewegung verurteilt wird.

* Rückkehr des Reichskanzlers. Der Reichskanz­ler ist Dienstag ftüh von Essen wieder in Berlin eingetroffen.

♦ Der neuernannle Ches der Heeresleitung dürfte wie die B. Z. erfährt, sein Amt gegen Ende Oktober antreten. General Heye befand sich auf einer Urlabsreise, als er die Nachricht von seiner Ernennung erhielt.

* Die deutsch-polnischen Handelsvertrags-Ver­handlungen haben, wie den Blättern mitgeteilt wird, am Montag in Berlin mit einer formellen Sitzung begonnen.

Der Zentrumsabgeordnete Dr. Heß hat be­kanntlich vor einigen Wochen dem Vertrauensmann i)er Deutschen Volkspartei Dr. Leidig Vorschläge über eine Erweiterung des preußischen Kabinetts gemacht. Die Deutsche Dolkspartei scheint damals noch nicht recht klar darüber gewesen zu sein, was ie machen sollte. Jetzt sind, nachdem inzwischen wichtige Veränderungen in der preußischen Regie­rung vor sich gegangen sind, und Severing durch Grzesinski, Dr. Meister durch Dr. Abegg ersetzt wor­den ist, neue Verhandlungen über einen Eintritt der Deutschen Volkspartei ausgenommen worden. Dr. Porsch, der Führer des Zentrums, verhandelt mit dem Führer der Volkspartei, Dr. Campe. Die „Germania" schreibt zu diesen Verhandlungen: Eine gewisse Mißstimmung ist in der Volkspartei durch die Ernennung des neuen Ministers des Innern entstanden. Noch stärker ist offenbar der Unwille über die Verabschiedung des volkspartei­lichen Staatssekretärs Dr. Meiste r. Die Verärgerung der Volkspartei über diese Tatsache kann man gewiß verstehen, aber sie scheint dabei zu übersehen, daß im gegenwärtigen Stadium ein längeres hiauszögern so wichtiger Stellenbesetzun­gen ftaatspolitifd) untragbar gewesen wäre und auf der anderen Seite hätte doch die Volks- part ei Mittel und Wege gehabt, um ihrer Mei- nungAusdruckzugeben. Von solchen Ein- Wirkungen ist indes nichts bekannt geworden und man mußte daher annehmen, daß die Ernennungen von Bedeutung für den Entschluß der Dolkspartei zur Großen Koalition nicht sein könnten.

Die „Voss. Ztg." weiß mitzuteilen, daß bei der Regierungskoalition in Preußen die Nachricht nicht wenig verstimmt habe, daß die Deutsche Volks­partei Neigung zeige, für den kommuni st i- fchenMißtrauensantrag gegen den neuen Ministers des Innern Grzesinski zu stimmen.

vom preußischen Richtertag.

Auf dem Preußischen Richtertag in Kassel wurde in einer Entschließung die Notwendigkeit einer Per waitungsreform in der Justiz anerkannt, die wegen der wirtschaftlichen Bedrängnis nötig sei. Höchstleistungen und Ersparungen seien auch in der Justizbeamtenschaft geboten. In einer weiteren Ent- schließung zum Magdeburger Fall wurde zum Aus- druck gebracht, daß es unbedingt erforderlich er- scheine, daß nach gerichtlichem Abschluß der Ange­legenheit die Grenzen zwischen den Befugnissen der Behörden, vornehmlich beS Gerichtes und der Polizei, bestimmter als bisher festgelegt werden. Hinsichtlich der Schuldfrage sei nicht nur zu untersuchen, ob auf richterlicher Seite, sondern auch ob auf polizeilicher Seite Verfehlungen begangen worden seien.

Die Postwoche.

Im Rahmen der von der Verwaltungsakademie in Berlin veranstalteten 6. post- und telegra» graphenwissenfchaftlichen Woche stellte der R e i ch s p o st m i n i st e r in seiner Er­öffnungsansprache fest, daß die neuzeitlichen Wirt» schaftsbestrebungen der Reichspost von dem Perso­nal und der Wirtschaft günstig ausgenommen und gefördert worden. Er verlangte vom Personal weitgehende Initiative und Energie in der Durch­führung von Vereinfachungs- und Mecha- nifierungsmaßnahmen, sprach sich aber gleichzeitig fegen die Ueberstürzung solcher Reformen aus, da )te gegebenen Verhälnisse und die allgemeine Per- onallage berücksichtigt werden müßten. Mechani- terungsanlogen seien notwendig, dürften aber nie­mals um ihrer selbst willen eingeführt werden. Maßgebend seien der jetzige und der zukünftige Verkehrsstand und die Rentabilität. Der Postdienst sei kein Fabrikbetrieb nach Art der Ford'schen Un­ternehmungen. Die Feststellung des Bedarfs an Arbeitskräften müßte bei der Post nach besonderen ihrer Eigenart angepaßten Grundsätzen stattfinden. Der Minister bekannte sich erneut zum Berufs- beamtentum. Allerdings dürfe keine unge­hemmte Vermehrung der Zahl der Berufsbeamten eintreten, sondern das wirkliche Bedürfnis sei aus­schlaggebend. Das Berufsbeamtentum müsse voll auf der Höhe der Zeit stehen. Die Postbeamtenar- ganifationen sollten sich unter Zurückstellung alles Trennenden nach Möglichkeit zu einer Einheit zu­sammenfinden. Der Minister stellte eine zweite Postwirtschaftstagung in Aussicht, zu der die Spitzenverbände aller Kategorien eingeladen wer­den sollen. Anfang November findet unter Füh­rung des Reichspoftministeriums in Berlin eine Konferenz von Telegravhentechni- tern der ganzen Welt statt.

Times zufolge hatte der russische Geschäftsträger Krassin bei feinem Antrittsbesuch im englischen Auswärtigen Amt eine lange Unterredung mit Chamberlain über die Erneuerung von ..... ..........

Verhandlungen Sowjetrußlands mit der englischen ist, mit meinem Blute der faschistischen Revolution 5Reaieriuu' 1 dienen werde."

Am Montag kam es bei der Verhandlung des Reichstagsfemeausschusses in Miin - chen zu einem Zwischenfall, als der Zeuge Ge­neral Epp aufgerufen wurde, mit beiden Händen in den Hosentaschen feinen Platz einnahm. Auf die Aufforderung des Prä­sidenten, die Hände aus den Taschen zu nehmen, antwortete der Zeuge, er wisse selbst, wie man sich benehme. Nach wiederholten Aufforderungen des Vorsitzenden an den Zeugen, die Hände aus den Taschen zu nehmen, zog sich der Ausschuß zu einer , «maIv-wmo I ReaierUüN

Amerika.

In der Gerichtsverhandlung gegen die Treuhänder für das Eigentum früherer Kriegsgeg­ner, Daugherty und Miller, fomten die Geschwo­renen zu keinem einstimmigen Beschluß gelangen. Da unter solchen Umständen ein ameri­kanischer Gerichtshof keinen Urteilsspruch füllen darf, wurden die Geschworenen entlassen.

Amerika und Sowjetrußland.

wtb. Paris, 12. Okt. (Eig. Funkm.) Wie eine Wirtschaftskorrespondenz aus Washington meldet, verlautet aus der Umgebung des Präsidenten Coolidge, daß das Weiße Hans noch nicht bereit ei, in eine Erörterung der Frage der Anerken­nung der Sowjet-Regierung einzutreten.

Die amerikanische Frontkämpferlegion gegen Ver­bot des Gaskrieges.

Die Legion der ehemaligen Frontkämpfer wider- etzte sich der Ratifikation des Genfer Prowkolls gegen die Anwendung von Giftgasen, da diese w e - Niger unmenschlich seien als die übrigen Kriegsmittel.

Brisanz-Granaten sind tatsächlich in ihrer Wir­kung noch schauderhafter.

den las der Vorsitzende dem Zeugen einen Beschluß vor, wonach der Ausschuß einstimmig mit Stimm­enthaltung der Abgeordneten Troßmann und Dr. Schaeffer mit aller Schürfe das ungebührliche Ber- halten des Zeugen mißbilligte und ebenso einstim­mig ohne jede Stimmenthaltung das Verfahren des Präsidenten gegenüber dem Zeugen billigt. Die völkischen und deutschnationalen Abge­ordneten waren der Geheimsitzung ferngeblieben. Der Zeuge erklärte sodann in seinen Aussagen, nachdem der Ausschuß ihm eine Mißbilligung aus- gesprochen habe, komme es ihm daraus an, wer ihn mißbillige. Der Abgeordnete Mittelmann (Deutsche Bolkspartei) sprang hierauf in größter Erregung von seinem Sitz auf und schrie General Epp zu: „In welcher Schule haben Sie eigentlich gelernt, sich so flegelhaft zu benehmen?" Nur mit Mühe konnte der Vorsitzende wieder Ruhe in die Verhandlung bringen. Epp forderte den Abg. Mittelmann auf, Gelegenheit zu einer Forde­rung zu geben.

Neues vom Jungöo.

Erklärungen Mahrauns.

Der Hochmeister deS Jungdeutschen Ordens M ah- raun erklärte in Hamburg auf der Tagung der nardwestdeutschen Gruppe deS Ordens, wie daS ,Berl. Taaebl.' meldet, daß zwischen der Reaktion und dem Iungdo heute unüberbrückbare welt­anschauliche Gegensätze beständen. Mahraun bat sich zur Weimarer Verfafiuna bekannt, die die Unterordnung der Interessen deS Einzelnen unter die der Gesamtheit fordert.

Die .Vofiische Zeitung' erklärt, Mahraun habe zu dem F l a g g e n st r e i t auSgeführt, daß der Iungdo es ablehne, unter der Parole Schwär,-Weiß-Rot sich aegen die Schwarz-Rot-Goldenen Farben zu wenden. Zwischen den schwarzweißroten und den schwarzrot­goldenen Republikanern müsie gegenseitige Ächtung herrschen. ____________

* Eröffnung des holländischen Kolonialinstitutes. Die Königin von Holland hat in Gegenwart deS Ministerpräsidenten, deS Kolonial- und Unterrichts­ministers und des Minister« des Aeußeren sowie zahlreicher hervorragender Persönlichkeiten aus der Finanz- und Sandelswelt daS neue Kolonial- institut in feierlicher Weise eröffnet. Das Insti­tut umfaßt drei Abteilungen: ein Handelsmuseum, eine Abteilung für Länder, und Völkerkunde sowie eine Transport« und Schiffahrtsabteilung.

* Zur Fremdenkontrolle in Frankreich. In Ver- folg des Zirkulars des Innenministers betreffend das Verbauen der in Frankreich lebenden Fremden hat der Vorsitzender des italienischen Fa­lci os in Paris an sämtliche im Ausland lebende Falcisten einen Erlaß gerichtet, in dem er sie auf­fordert, die Gesetze des Landes, in denen sie leben, zu beachten, sich jeder Einmischung in die innere Politik zu enthalten und alles zu versuchen, um Konflikte innerhalb der italienischen Ausländerkolo- men ,it vermeiden, und wenn sie ouftreten, sie zu schlichten.

* Der neue Faschi^eneid. Aus Rom wird ge­meldet: Nach den Blättern werden alle Faschisten

Staat und wirtschaft.

Aus parlamentarischen Kreisen wird uns ge­schrieben:

Eine wesentliche Veränderung in der Einstellung der Wlr tschast zum S taat ist unzweifelhaft in der letzten Zeit wahrzunehmen. Lange Zeit schien es, als wenn bestimmte und gerade auch führende Kräfte der Wirtschaft mit denjenigen poli­tischen Gruppen paktierten, die weniger an einem ruhigen Aufbau, als an einer planmäßigen Zer­rüttung des heutigen Staates ein Interesse hatten/ Schon kurz nach dem Ruhreinbruch, der der Wirt­schaft tödliche Wunden schlug, machte sich eine Sin- neswandlung offenbar. Nachdem dann im weite­ren Ablauf der Dinge gerade auch die zwischen Deutschland und seinen Nachbarn, namentlich Frankreich schwebenden politischen Probleme in ge­ordnetere Bahnen kamen, nachdem mit Locarno eine politisch ganz neue Basis geschaffen war, muß­ten auch von Seiten der Wirtschaft bestimmte Kon- equenzen gezogen werden. Die Ansätze dazu er­laben sich ohne weiteres aus den wechselvollen, aber >och mit ganz bestimmtem Ziel geführten deutsch- französischen Wirtschaftsverhand- I u n g e n. Die engere Verflechtung aber erst ergab sich, als die Industriellen der verschiedenen Länder sich über eine internationale Verständigung speziell iuf dem Gebiete von Eisen und Stahl unterhielten, der ja auch der kürzlich geschlossene Eisenpakt ent­sprossen ist, den man mit Recht das L o c a r n o der

Lärm in Graz.

Lärmszenen im steiermärkischen Landtage.

In bet Sitzung des steiermärkischen Landtages, die sich mit der Neuwahl des Landeshaupt­manns beschäftigte, beantragten die Christlich- Sozialen die Wiederwahl Dr. Rinteiens. Dieser Antrag wurde von den Sozialoemokraten mit lauten, leidenschaftlichen Protestrufen ausgenommen und ein sozialdemokratischer Abgeordneter erklärte, seine Partei werde die Wiederwahl Dr. RintelenS mit allen Mitteln verhindern. Als Rintelen hierauf

♦ Zur Bildung des tschechischen Kabinetts. Wie „Lidowo Lisch" aus Prag meldet, werden im neuen Kabinett die tschechischen Agrarier 3 Mini­ster, die tschechischen Volkspayeiler, die slowa­kischen Volksparteiler 2, die Gewerbetreibenden und Nationaldemokraten je einen Minister haben. Die deutschen Mitglieder der Regierung werden erst nach der Genehmigung des Budgets ernannt wer­den. „Lidvw Noviny" meldet, daß Samstag die neue Regierung bereits bekannt gegeben werden wird. t , , ,

* Analphabeten in Amerika. Nach der letzten amtlichen Statistik leben in den Vereinigten Staa­ten von Amerika 82 739 315 Menschen. Davon sind fast 5 Millionen (genau 4 931905) Analphabeten im Alter von zehn Jahren und darüber, das heißt des Lesens und Schreibens nicht kundig. Diese Zahl wäre noch bedeutend höher, wenn auch die Bewohner der überseeischen Kolonien (Philippinen, Hawaii, Porto usw.) von der Statistik ersaßt wor­den wären.

selbst das Wort ergreifen wollte, erhoben die Sozial- dewolralen einen un ebeuren Lärm, sodaß die Sitzung uvtetbrochen werden mußte. Nach Wieder­aufnahme der Sitzung konnte Dr. Rintelen seine Rede halten, wobei er aber andauernd von den Sozialdemokraten unterbrochen wurde. Nach Be­endigung seiner Ausführungen wurde die Sitzung geschlossen, ohne daß es zu der Wahl des Landes­hauptmanns gekommen wäre.

(England und Ruhland.