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Arneiaer für die Sfahf und den Kreis Fulda. Amfliches Kreisblatt.

fir. 236.

Erscheint sechsmal wöchentlich- Dochenbeilanen- Illustrierte Bei­lage" und Suchenblötter" Rotationsdruck und «erlaa der Nuldaer Actiendruckerei in Tkuida- ^ernivrecher Nr 9- <n"onnHi<f><>r Ver,ia«>'r<>!s I SO mf.

Dienstag, 12 Oktober 1926.

'nieiaen- Preis»! Sleinieile 'Colonel) okai ll.lb ReichSmar auSwört» 0.29 Reichsmark. Reklameteile- lokal n.6' ReichSmar auswärts 0.80 Reichsmark.

P»i Wiederdolnnaen Nadat» VoiNcki-ckkoni» OiranNur« a.<m. 40M

lahra. 53.

Der Kanjlet in Essen.

Reichskanzler Dr. Marx sprach am Sonntag abend im Städtischen Saalbau in Essen. Unter Be­zugnahme auf die Ausführungen Dr. Sil. v e r b e r g s auf der Dresdener Tagung des Reichs- Verbandes der deutschen Industrie führte der Reichs­kanzler aus: Wenn Dr. Silverberg auch keine allgemeine Zustimmung fand, so hat'sich doch ge­zeigt, daß in immer weiteren Kreisen der Arbeit­geber diese Gedanken Anklang finden. Wer von der Notwendigkeit eines einträchtigen Hand in -Hand-Arbeitens zwischen Arbeitge­ber und Arbeitnehmerschaft überzeugt ist, wer vom Arbeitgeber soziale Gesinnung und vom Arbeitnehmer wirtschaftliches Verständnis verlangt, wer von beiden erwartet, daß sie ohne Einschrän­kung den Staat, wie er heute ist, anerkennen und an seiner Entwickelung mitarbeiten, der leistet un­serem schwer bedrückten Volk den besten Dienst; der leistet gute Arbeit int Sinne der Volksgemein­schaft. Der Regierung ist die Mitarbeit aller Parteien willkommen, die die mühsam aufgebaute staatliche Ordnung anerkennen und sich schützend vor sie stellen. Wir brauchen alle Kräfte, die ge- wkltt sind zur positiven Mitarbeit. Rur so werden wir die schwierigen Aufgaben lösen, für die wft im kommenden Winter gestellt werden. Wir können uns nicht den Luxus gestatten, große Parteien von vornherein mit dem Stigma der Regierungsun­fähigkeit zu brandmarken.

Uebergehend zur finanziellen Lagestellte der Reichskanzler zunächst fest, daß in den Mo­naten Juli und August eine gute Besserung auf der Einnahmeseite zu verzeichnen ist. Zweifellos ist daraus auf eine größere Liquidität unserer Wirtschaft zu schließen. Auf der anderen Seite ist aber nicht zu verkennen, daß auch die Ausgaben stark angestiegen sind. Der demnächst dem Reichs­tag zugehende Rachftagsetat betrifft insbesondere die Ausgaben für die Erwerbslosenfür- so rg e, für das Arbeitsbeschaffungsprogramm, den Wohnungsbau, das Siedlungswesen und für die Fürsorge an besonders bedränge Landesteile. Wenn die Reichsregierung an dem Stteben nach wei­teren Steuererleichterungen feschält, darf nicht verkannt werden, daß dies nur möglich sein kann bei einer befriedigenden Lösung des Finanz­ausgleichs. Daß m'tt der richtigen Gestaltung des Finanzausgleichs auch die Aufgabenverteilung zwi- schen Reich und Ländern zusammenhängt, und daß es sich hier um das finanzpolitische Zenttalproblem für das Reich und die Länder überhaupt handelt, möchte ich mit allem Nachdruck bewnen.

Der Reichskanzler behandelte dann das Problem der Arbeitslosigkeit und Einzelheiten des Arbeits- beschaffunqsprvgramms.

Im Schlußteil seiner Rede erörterte er die letz­ten internationalen Ereignisse, wobei er zunächst zum

Abschluß des Stahlpaftes, dessen wirtschaftliche Bedeutung man nicht unter­schätzen solle, ausführte: Der Stahlpatt wird durch die Beendigung des Schleuderverkaufs auf den ausländischen Märkten die Rentabilität der deut­schen eisenerzeugenden Jndusttie erhöhen, ihr und ihren Arbeitern Beschästigungsmöglichkeit geben, den Wert der deutschen Ausfuhr in diesen Er­zeugnissen steigern, was von besonderer Bedeu­tung für die Gestaltung unserer Handelsbilanz ist. Auch die eisenverarbeitende Industrie mit ihrer Arbeiterschaft wird Nutzen aus dem Abkommen ziehen. Das Stahlabkommen hat aber eine über das rein ökonomische hinausgehende Bedeutung. Es scheint mir nicht möglich, daß man innerhalb wichtiger führender Industrien wirtschaftliche Friedensakte abschließen und sich daneben politisch befehden kann. Das eine schließt das andere aus, denn wir wissen doch alle, wie tief die Kriegsursachen in wirtschaftlichen Gegen­sätzen begründet waren. So steht zu erwarten, daß auch auf politischem Gebiete eine weitere Entspannung eintreten wird, zunächst innerhalb des Kreises der beteiligten vier Länder, dann aber auch darüber hinaus, denn der Stahlpatt richtet sich gegen kein Land. Jedes andere Land kann ihm neitreten. Die Erkenntnis der Gemeinsamkeit der Interessen hat gesiegt und Konflitte auf ftiedlichem Wege zu lösen unternommen, für deren Besei- tigung früher gar zu leicht politische Machtmittel verwandt worden wären.

Im Anschluß an Deutschlands Einttitt in den Völkerbund erklärte der Reichskanzler: Wir wer- ben im Völkerbünde loyale Mitarbeit leisten im Geiste der hohen Ideale, die dem Bunde gesetzt sind und hoffen, auf diese Weise auch unsere Inte­ressen aufs beste zu wahren sowie die Interessen der deutschen Minderheiten, die von uns mit gutem Recht Schutz erwarten dürfen. Die eingehenden Besprechungen von Thoiry sind eigentlich etwas selbstverständliches gewesen, zwischen Nationen, die einem Bund angehören, dem die friedliche Lösung etwa austauchender Streitfragen als erstes Ziel gesetzt ist. Noch manche Schwierigkeiten werden zu über­winden fein, ehe wir zu einer befriedigenden Lösung oder zwischen Deutschland und Frankreich schwe­benden Fragen kommen werden. Aber ich habe das feste Vertrauen, daß diese Lösung gefunden werden wird, weil ich hüben und drüben den ernst­lichen Wille sehe, sie zu finden. Einen Willen, der nicht erschüttert werden darf durch bedauerliche Ereignisse, wie wir sie in den letzten Tagen 'm besetzten Gebiet erlebt haben. Wie immer auch die Schuldfrage bei den schmerzlichen Zwischen­fällen aufgeklärt werden mag, das Eine ist gewiß, das Ziel der Besprechungen in Thoiry kann und darf durch solche Porkommnisse nicht beeinttächtigt kerben. Solange deutsches Gebiet noch vonftem- den Truppen besetzt ist, wird immer die Gefahr be­stehen, daß es zu Konflitten zwischen Besatzung "nd Bevölkeruna kommt. Solche Konflitte zu ver­

meiden, liegt in beiderseitigem Interesse. Möge, so schloß der Reichskanzler seine mit laug anhal­tendem Beifall aufgenommene Rede, bald der Tag kommen, auf dem meine und des gesamten Kabi­netts heißeste Wünsche gerichtet sind: Der Tag der Befreiung deutschen Bodens von ftem- der Besatzung.

Das Marokko - Problem.

Der „Temps" warnt die französische Oeffentlich- feit davor, nachdem die großen Operationen in Marokko beendet seien, anzunehmen, daß nun die Truppen aus Marokko zurückgezogen werden könnten. Es wäre ein großer Fehler, wenn man der französischen Oeffentlickkeit zuliebe die neube- fetzten Zonen zu früh von Truppen entblößen würde, solange die Spanier noch nicht genau ihre Ab- sichten und Forderungen bekannt gegeben hätten.

Das neue Polen.

Die Amtsbefugnisse PilsudskiS und Dr. Bartels.

Preffemeldungen aus Warschau zufolge ist fol­gende Begrenzung des Amtsbereichs zwischen den polnischen Kabinetismitgliedern vorgenommen worden:

Der Ministerpräsident Marschall Pilsudski Hal für seine Person sämtliche Militärangelegenheiten zu entscheiden, außerdem wendet er fein spezielles Inte- reffe den Angelegenheiten des Ministeriums des Aeußern und des Innern zu. In mehreren Be­sprechungen mit dem Minister des Aeußern wurde

Französische Finanzleute in Berlin.

» Berlin, 11. Ott. Wie die B. Z. berichtet, ist eine französische Finanzkommisfion unter Führung des französichen Ministerialdirektors, Jean Al- phaud, in Berlin eingetroffen. Die Verhandlungen, zu denen die Kommission nach Berlin gekommen ist, sollen mit den Besprechungen von Thoiry im Zusammenhang stehen. Für die Leitung der französischen Thoiry - Kommission soll dem Blatt zufolge Loucheur ausersehen sein. Die Mit- Mitglieder dieser Kommission seien noch nicht er­nannt. Die Ankunft Loucheurs in Berlin werde erst später erwartet.

Von unserem besonderen Pariser Korrespon­denten:

Langsam, etwas mühsam sind die Bestrebungen der friedliebenden Staatsmänner, Politiker und Dolksteile in Deutschland und Frankreich zu einem positiven Ergebnis gekommen. Was in Genf und Thoiry erreicht worden ist, leidet zwar noch an Schwächen, ist aber trotzdem ein lebensfähiges We­sen: es handelt sich um eine politische Orientierung und das ist die Tatsache. Sie ist dazu angetan, nach und nach das Gesicht Europas zu ändern.

Es ist schon lange gesagt und erkannt worden, daß ein festes Einverständnis zwischen den beiden nachbarlichen Großmächten einen kräftigen Wall dar­stellen würde, gegen den dieAnstrengungen der an­deren Staaten wenig Erfolg haben würden. Des­wegen ist es immer versucht worden, dieses Bünd­nis zu verhindern, was übrigens nicht schwer war, da die Gegensätze zwischen den beiden Völkern im­mer lebendig und nicht abzuschwächen waren. End. lich haben ihre jetzt führenden politischen Parteien und Persönlichkeiten eingesehen,daß diese feindli­chen Strömungen auf die Dauer zu einer töd­lichen Abnutzung führen; sie sind entschossen, ihre ganze Kraft einzusetzen, um diese Strömungen ab­zuändern. Gegen diese letzten hat der Kampf jetzt angefangen. Die innerlichen Umwandlungen wird sich ebenfalls alsbald vollziehen müssen.

Wie wird aber die Haltung der a n b e r en Staaten dieser Tatsache gegenüber fein? Die­jenigen, die dem Völkerbund angehören, haben ihr Einverständnis und ihre Befriedigung darüber er­klärt, und seitens Chamberlains scheint diese Versicherung aufrichtig zu sein. Das entspricht eben dem Geiste und dem Ziele des Völkerbundes, die Gegensätze zwischen den verschiedenen Ländern ab« zuschwächen und zu einer Einigung zu führen.

Man sagt aber, daß trotz der öffentlichen Er­klärungen des englischen Ministers und der halb­amtlichen italienischen Zeitungen Über die poli­tische Annäherung Deutschlands und Frankreichs das wirtschaftliche Stahl- und Eisen-Ab- kommeneinDornindenAugenderLei- t e r Eng I a n b s und Italiens sei. Und es kann wohl sein, daß es so ist. Die Lage der Industrie und des Handels dieser Länder ist momentan wenig erfreulich, sie können befürchten, daß die Industriel­len Deutschlands, Frankreichs, Belgiens, Luxem­burgs einen großen Einfluß über die Bildung der Preise üben.

Dagegen würde es zwar zwei Heilmittel geben: 1 ein erweitertes wirtschaftliches Abkommen, an dem England und Italien teilnehmen würden; 2. die Verbesserung der französischen Valuta. Was diese letztere betrifft, kann England doch etwas tun, vor allem auf dem Gebiet der Spekulation und durch Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten Amerikas und andern Regierungen und Finanz­kreisen. Der Schwerpunkt in dieser Frage liegt ohne Zweifel bei Amerika. Von ihm hängt zum größten Teil der Erfolg der Schritte ab, die die sranzo fische Regierung unternehmen wird, und der finanziellen Abmachungen, die sie mit Deutschland treffen kann.

Man sieht allo, daß die Verständigung Frank- reiebs mit Deutschland zu einer sozusagen Weltver- ständiguna führen konnte und müßte. Sie soll nicht wie ein diplomatischer ober wirtschaftlicher Krieg auslehen und auch nicht im Grunde das sein; im Gegenteil, sie muß danach streben, alle

Völker zu beruhigen. Sie verlangte Zeit, um oas zu geben, wonach sie strebt.

Die Vereinigten Staaten von Amerika schei­nen in der S ck, u l d e n f r a g e unbeugsam blei­ben und keine Erleichterung in dem sogenannten Mellon-Verenger Abkommen gewähren zu wollen Wir glauben daher, daß Poincar 6 seine ganze Kraft einsetz-m wird, um von der französischen Kammer die Ratifizierung dieses Abkommens zu erlangen. Er will zwar weiter versuchen, die Ver­besserung und Stabilität des Francs durch innere Maßnahmen zu erreichen, weil eine künstliche Sta­bilisierung immer trügerisch und nicht von Dauer ist; das hat das Beispiel Polens und Belgiens ge­zeigt. Nichts destoweniger verlangt eine Stabilität ausländisch? Hilfe ober Mitarbeit, unb ohne die amerikanische Zusage kann nichts Dauerhaftes in dieser Beziehung erreicht werben. Ohne bie An­nahme Amerikas würbe bie Mobilisierung eines Tei­les der Dawes-5 bligation zwecklos fein. Die fran­zösische Diplomatie muß also mit Amerika rechnen unb versuchen, br-rt etwas zu erreichen.

Kann Englanb babei etwas mittun? Vielleicht Iebenfalls hanbett es sich, wie man cs sieht, um eine allgemeine Zusammenarbeit. Die Der« schiebencn Nationen finb untereinander durch be­sondere Interessen gebunden und jede hat etwas bei den anderen zu schonen. Deutschland v.nb Frankreich können nicht allein zu dem gewünschten Ziele gelangen; sie müssen auch mit den anderen Staaten rechnen aber wenn sie zusammen arbei­ten und ein gemeinsames Streben haben, können s'e viel erreichen.

Die deutschen Eisenbahnobligationen

Die Havasagentur in Paris veröffentlicht ein Telegramm aus Washington, in dem mitgeteilt wird, daß wahrscheinlich in dieser Woche bie f r a n- zösische Regierung offiziell bie Regierung von Washington zu bem Verkauf ber deutschen Eisen­bahnobligationen aufforbern werbe.

Der „Temps" glaubt zu wifstn, baß es sich hier­bei um Folgenbes hanbelt: Nach bem Finanzab­kommen vom 14. Januar 1925 erhalten bie Ver­einigten Staaten von Amerika, benen bie Besa­tzungskosten noch nicht voll zurückerstattet würben, 2K Prozent bet jeher Verteilung ber Eisenbalm- obligationen sowie ber übrigen aufgrunb bes Da- wesplanes aufgunebmenben Schuldverschreibungen. Infolgebessen müsse jeher Mobilisierungsantrag von Eisenbahnobliaationen eine Verftänbigung mit ben Vereinigten Staaten auf ber Grunblage bes Eisenbahnabkommens vom Jahre 1925 voraus­gehen.

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Ministerpräsibent Poincare hat bie Delegierten ber Bezirksgruppe bes Nationalverbandes ber Frontkämpfer, ber übrigens mit bem repu­blikanischen Verbanb ber Frontkämpfer in keiner Verbindung steht, empfangen. Die Delegierten überreichten Poincare eine Entschließung zur Frage ber Schulbenregelung, in ber zum Äusbruck ge­bracht wirb, baß Frankreich unmöglich sieben Milliarden Dollar an Amerika unb beinahe hie gleiche Summe an Englanb zahlen könne. Wahrscheinlich wirb erklärt, baß bas Was­hingtoner Schulbenabkommen in ber gegenwärtigen Form nicht ratifiziert werben bürfe.

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Ministerpräsibent Poincare hat nach bem Empfang ber Delegierten bes Nationalverbanbes ber französischen Frontkämpfer unb einer längeren Unterrebung mit Foch Paris verlassen, um sich auf feinen Landsitz in Sampygni zu begeben, von wo aus er seine Stubienreife nach Elsaß- Lothringen antreten wirb. Poincare trifft Montag abenb in Metz ein, wo er einen Tag Aufenthalt nehmen wirb, unb begibt sich alsbann nach Straßburg. Er wirb auf feiner Reise von bem Referenten für elsaß-lothringische Angelegen­heiten begleitet werben.

daS Programm für bie auswärtige Politik Polens in Der nächsten Zukunft ausgearbeitet. Der Obhut beS VizepremierminifterS Dr. Bartels sind bie wirtschaftlichen Angelegenheiten, vor allem aber bie Bubgetfragen sowie bie repräsentativen Pflichten dem Sejm gegenüber anvertraut worben.

Zusammenstöße in Potsdam.

Anläßlich einer nationalsozialistischen Veranstaltung in Potsdam drangen, einer Berliner Korrespondenz zufolge, in ber SamStagnacht etwa 30 Nationalsozialisten in ein Gewerk­schaftslokal ein. Es entwickelte sich eine erbitterte Schlägerei, wobei mehrere Gäste verletzt würben. Tas Ueberfallkommanbo mußte mit dem Gum­miknüppel eingreifen unb mehrere ZwangSge- stellungen vornehmen. Am Sonntag nachmittag kam es auf dem Marktplatz zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten zu einer Schlägerei. Die Schutz­polizei mußte die Kämpfenden auSeinanberbringen. Zwangsgestellungen wurden vorgenommen.

China.

Reuter meldet aus Shanghai: Ein zuverlässiger Bericht aus Hankau besagt, daß ein Friedens- abkommen zwischen der seit einigen Wochen in Wutschang gelagerten Streitmächten und den an- greifenden Kantontruppen am , reitag nachmittag unterzeichnet wo?den ist. Die Kantontruppen haben am Samstag nachmtttag Wutschang besetzt.

England und Deutschland.

Die deutsch-englischen Inbustriebesprechungen.

In Broadlands fanden über das Wochen­ende zwischen deutschen und englischen Jndustti- ellen zwanglose Unterhaltungen statt, die den Zweck hatten, festzustellen, in welchem Umfang es möglich sei, die Interessen der beiden Länder auf eine gemeinsame Formel zu bringen. Die Teilneh­mer handelten hierbei in privater Eigen­schaft und es bestanden keine Vollmachten, irgend­wie geartete Abkommen zu schließen. Ausgehend von einer Bettachtung der Wirtschaftslage ber bei­den Länder, wandte sich das Interesse internatio­nalen Abkommen auf wirtschaftlichem Gebiete zu. Hierbei wurden die Aussichten erörtert, die für eine gegenseitige Unterstützung bestehen, um Europa einer wirtschaftlichen Gesundung entgegenzuführen, insbesondere um im Hinblick auf bie Arbeits­losigkeit in beiden Ländern in größerem Um­fang Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen.

Im Zusammenhang mit diesem Problem wurde ferner besprochen, wie angesichts einer wachsenden Pwduttionsfähigkeit bie Kaufkraft ber europä­ischen Länder, die nach dem Krieg stark gesunken ist, gehoben werden könnte. Die Verhandlungen waren getragen von dem aufrichtigen Bestteben gegenseitigen Verstehens, von dem Wunsch, Schwie­rigkeiten zu beseitigen unb eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen. Es kann gesagt werden, daß die Besprechungen in der Tat eine ausgezeich­nete Grundlage für künftige Abmachungen zwischen beiden Ländern bilden würden. Darüber hinaus bedeutet nach dem Gefühl aller Beteiligten die Konferenz einen entschiedenen Beittag für die wirt­schaftliche Verständigung in Europa.

Die Konferenz beschloß, einen Ausschuß zu bilden, dem u. a. Sir Robert Hörne, Herr Duis- berg, Herr Hanrwn, Herr Kastl unb Herr Nugent angehören werden. Aufgabe des Ausschusses soll es sein, die aufgeworfenen Fragen weiterhin zu behandeln. Wettere Zusammenkünfte der Kon­ferenzteilnehmer sind bereits m Aussicht genom­men. Dor ihrer Abreise nahmen die deutschen Teilnehmer Gelegenheit, Colonel Ashley und ins­besondere Miß Ashley für die überaus herzliche Gastfreundschaft zu danken und dem Gefühl Aus­druck zu geben, daß nicht zuletzt die gastliche Auf­nahme viel zu bem Gelingen der Unterhaltungen beigettagen hat.

wtb. London, 11. Ott. (Eig. Funkm.) Der Sonderkorrespondent der „Westminster Gazette" will wissen, daß auf der Konferenz von Romsey auch die Frage der Handelsbeziehungen zu Rußland erörtert wurde und daß die deutschen Vertteter offen die Auswirkungen des deutsch- russischen Handelsverttages bargelegt hätten.

Gemeindewahlen in Belgien.

wtb Brüssel, 11. Okt. (Eig. Funkm.). Die Ge- meinbervahlen gingen im ganzen Laube in vollkom­mener Ruhe vor sich. Nach ben bis kurz vor Mit­ternacht Dorliegenben Ergebnissen haben bie Kat ho­lt ken entschiebene V o r t e i le erlangt, währenb bie Sozialisten, namentlich in ben großen Indu- striezentren, beträchtliche V e r l u st e erlitten. Die Kommunisten, bie sich zum ersten Mal an Gemein- bewahlen beteiligten, werben in eine ganze An­zahl von Gemeinbevertretungen eingehen. Die klei­nen unpolitischen Parteien unterlagen fast überall.

Hus dem besetzten Gebiet.

Nene Anordnungen des Generals Guilleaumat.

Das Journal' berichtet au8 Mainz, General Guilleaumat werde angesichts der Z w i s ch e n f ä l l e, die sich im besetzten Gebiet ereignet haben, ge­wisse Vorkehrungen treffen. Abgesehen von ber geplanten Zusammenarbeit zwischen der beutscher unb ber französischen Polizei werde den Soldaten ber Besatzungsarmee zur Pflicht gemacht werden, nicht mehr einzeln, sondern nur noch in Gruppen zu zwei oder drei auszugehen. Die Zahl der Wacht­posten soll erhöht werden. Das Betreten abgelegener Stadtviertel soll den Truppen verboten werden.

Der Aufenthalt des Exkaisers.

Der preußische Finanzminister Hopker- Aschoff, ber für ben preußischen Staat bie Ver- hanblungen über bieAbfinbungderHohen- zollern geführt bat? veröffentlicht in ber Sonn« tagsnummer bes „Berliner Tageblattes" einen Ar­tikel, an dessen Schluß er aussührt:

„In einigen Zeitungen nimmt man Anstoß da­ran, baß bem letzten Könige unb seiner Gemahlin — übrigens schon burch ben Vergleich vom 12. Ok­tober 1925 — bas Recht eingeräumt wirb, in bem bem Staate zufallenben Schlosse Homburg von ber Hohe Wohnung zu nehmen. Dieses Woh­nungsrecht bebeute-t für ben Staat keine finanzielle Belastung. Es ist auch ohne politische Be­be u t u n g, ba politische Srünbe, beren Entschei- bung bei bem Reiche liegt, bie Rückkehr bes letz­ten Königs unmöglich machen, bas Wohnungs­recht also höchstens seiner jetzigen Gemahlin zu­gute kommen kann

Wes in allem: Ich sehe bie große Bebeutung des Vergletches barin. bah bem Kampfe, ber um biefe Frage fonft von neuem entbrannt fein würoe unb unser Volk zerteißt unb bie Gegensätze ber Parteien ver'chärft, ein Enbe bereitet würbe, unb daß bie letzten befonbrren Rechtsbeziehungen zwi­lchen dem Staate unb bem vormaligen Königshause gelöst werben unb bi> Mitglieber bes vormaligen 1 Königshauses in bie Rechte der Staatsbürger