Anzeiger für die Stahl und den Kreis Fulda. Amtliches Areisbiaik.
Tlr. 234.
Erscheint sechsmal wSchentttch. Wochenbeilaaen. Illustrierte Bei- läge" und Buchenblitter" Rotationsdruck und Verlag der
Iuldaer «ctiendruckerei in Iulda. Iernivrecher Nr 9.
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Sumstaq, 9. Oktober 1926
nreiaen» Preise; Älrimellr1 iColonel) okal 0,15 ReichSmar ruSwLrtS 0.20 Reichsmark. Reklame,eile- lokal o.ßr ReichSmar auswärts 0.80 Reichsmark.
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Mtentatsplan gegen Strefemann.
— Berlin. 8. Okt. (Eig. Funkm.) Wie die „B. Z. am Mittag- meldet, begann beute vor dem Schwurgericht des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Bombe die Verhandlung gegen die beiden früheren Angestellten der Firma Siemens u. Halske. Werner Lorenz und Karl K a l t d o r f f. Die Angeklagten sind beschuldigt, ein Komplott zur Ermordung des Reichsaußenministers Dr. Strefemann geschmiedet zu haben Da ein Zeuge fehlte und der Staatsanwalt auf diesen wichtigen Zeugen nicht verzichten zu können glaubte, wurde die Verhandlung auf den 20. Oktober vertagt.
Die ernste Lage in England.
I i; 'Angst vor dem Bolschewismus.«
I ' Der englische Ministerpräsident B a ld w i n hielt s fn einer Versammlung in Scarborough eine Rede, l in der er sagte: Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und hie Ratifizierung des Pattes von Socarno stellen einen bedeutenden Triumph der britischen Diplomatte und die Krönung des großen Werkes des britischen Ministers des Äeu- » ßern dar. Für die Bezahlung der itali eni sch en und der französischen Schulden sind Abkommen getroffen worden, deren Bedingungen ich für gerecht halte. Baldwin ließ ferner die Absicht der Regierung durchblicken, einen Aenderungsan- trag zum Gesetz über die Gewerkschaften, einzubringen. Er erklärte: Die jüngsten Ereignisse machen es notwendig, das Gesetz über die Gewerkschaften einer Nachprüfung zu unterziehen. Die Schwierigkeit besteht darin, die Frage der Kollektivrechte und der indivuellen Rechte der Ar- better zu lösen. Der Generalstreik — und ff dasselbe gette auch für den Bergarbeiterstreik — sei größtenteils die unvermeidliche Folge - von Tendenzen, die vor dem Kriege in Eng- I fand aufgetaucht seien. Es bestehe eine sehr enge | Parallele zwischen der industtiesien Lage und der Hl Lage Europas vor dem Kriege. Wenn man au lls beiden Seiten große Massen bewaffneter Männer " habe, so sei die Versuchung unwiderstehlich, gegenseitig seine Stärke zu messen. Jetzt mache sich in \ der Industrie dieselbe Erscheinung bemerkbar. Die Frage sei, ob man aus der Vergangenheft lernen wolle. Hinsichtlich der Gewerkschaften sagte Bald- f win, gemeinsames Handeln fei für die Gesellschaft noch notwendig, welche die Gewerkschaften noch brauche. Man könne dieses System nicht zer- ttümmern, und selbst wenn man es könnte, würde dies ein Unrecht sein. Das Land aber sei größer als die Jndustrieherren oder die Gewerkschaftsführer.
Die Jahreskonferenz der Konservativen Parte: nahm eine Entschließung an, in welcher die Regierung aufgefordert wird, ein Gesetz zu erlassen, durch welches jeder von den Gewerkschaften verkündete Streik als ungesetzlich gelten soll, wenn nicht zuvor eine Eeheimabstimmunq unter ben Arbeitern stattqefunden hat, die die Ar- veiterschaft von jeglicher Einschüchterung schützt, I und durch welches ferner gewisse Stteikpvsten als ungesetzlich bezeichnet werden sollen.
Auf der Konferenz des Nationalverbandes konservativer und unionistischer Vereinigung in Scarborough wurde eine Entschließung eingebracht, die der Regierung die Unterstützung bei allen Schritten zusagt, die geeignet sind, die Tätigkeit der Sowietagenten zu unterdrücken. Locker Lampson unterstützte diese Entschließung. Die Roten müßten aus England „hinausge- trommelt" werden. Krassin müsse entweder „blechen" oder machen, daß er fortkomme. England müsse die Fesseln Moskaus abschütteln und wieder ein fteies Königreich sein. Der An- ttag wurde unter großer Begeisterung angenommen.
' Mussolini.
Aus Rom wird gemeldet: General Gonzaaa , hat sich von der Miliz mit dem Taaesbefehl verabschiedet, in dem er mitteilt, daß Mussolini das Kommando der Miliz übernimmt.
I Die ,Tribuna' berichtet aus Bari, daß dort die Polizei eine Versammlung albanisch er Flucht- , l i n g e in einer Pension a u s g e h o b e n hat. 45Albanier j wurden festgenommen. Man habe in deren Woh. i nungen zahlreiche Korrespondenz beschlagnahmt. Nach I dem Verhör der Festgenommenen wurden 13 von I »««*« Hast gehalten. Die Nachforschungen der ; Polizei dauern fort.
|Die französischen Sparmaßnahmen.
Das „Journal officiel" in Paris veröffentlicht liehen Dekrete betreffend die Durchführung oer Sparmaßnahmen, die in verschiedenen Punk- eiae beträchtliche Abänderung der zollgesetz- Uchen Bestimmungen im Gefolge haben. Nach der ^avasagentur werden die Zollabschläge, die die -Negierung gemäß dem Gesetz vom 29. Juli 1919 hf* L.?"delsvertragsverhandlungen zu gewähren
Möglichkeit hat, sich künftig auf die Zollsätze des hien£5ccr'f5 beziehen und nicht, wie bisher, auf e Differenz zwischen General- und Minimaltarif.
.,e Berechnung der Zollsätze für Waren, die 'n dritten Landern mit Hilfe von Rohmaterialien "Oberen i.ändern hergestellt werden, werde *' *Qn bte oft schwierige und strittige Abschätzung des
viplomatenschub in Polen.
Wie der meist gutinformierte „Kurier Czerwony" erfahrt, bereitet man sich in Polen zu einer auSge- dehnten diplomatischen Aktion, deren Zweck es Ware, die Beziehungen zu den westlichen und öst- lichen Nachbarn zu vertiefen. In diesem Zusam- menhang werden Veränderungen auf den leitenden diplomatischen Poften erwartet. Vor allem sollen die den Rechtsparteien angehörendm polnischen Ge- sandten in London und Rom abberufen werden Der römische Posten werde wahrscheinlich von dem UnterftaatSfefretat im Ministerium des Aeußern Knoll und der Londoner vielleicht durch den Grafen Skrzynskl besitzt werden. Als Nachfolger Knolls wird der diplomatische Vertreter Polens in Danzig Dr. Straßburger genannt. 0 B
Der Berliner polnische Gesandte in Berlin, O l- sz o w f k i, ist in Warschau eingetroffen, weil er, w.ss polnische Blatter melden, zum polnischen Mitglied der gemischten Locarnokommission ernannt werden soll., Als sein Nachfolger wird Fürst Janusz R a d z l w i l l genannt.
proportionalen Wertes der in dritten Ländern aus- geführten Arbeitsleistung aufgeben; man werde künftig den höchstmöglichen Zollsatz wählen und zwar unter Zugrundelegung des Ursprungs, des Werks oder der Art der Ware. Außerdem enthalten die Dekrete noch eine ganze Anzahl Ausfüh- rungsbestimmungen, die sämtlich den Zweck haben, gewisse Formalitäten des Zollverkehrs zu erleichtern. Durch die Vereinfachung sollen 1700 Zollbeamte überflüssig werden.
* Keine Revolution in Brasilien. (Eig. Funkm.) Wie das ,Petit Journal' mitteilt, dementiert die brasilianische Botschaft in Paris die Meldungen von einer revolutionären Erhebung in Brasilien.
Der Rücktritt v. Seeckts genehmigt.
wtb Berlin, 8. Off. (Eig. Funkm.). Bet Reichspräsident hat das Rücktriktsgesuch des Generaloberst von Seedf angenommen.
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Die Entscheidung über das Abschiedsgesuch des Generaloberst v. S e e ck t war am Donnerstag noch nicht gefallen. Der Reichspräsident hat sowohl mit v. Seeckt als mit Geßler verhandelt. Dagegen hat der Reichskanzler Dr. Marx, der feit Donnerstag in Berlin weilt, zunächst nur im Reichstag politische Besprechungen gehabt und geht erst am Freitag zu Hindenburg. Die Empfänge des Generaloberst v. Seeckt und des Reichswehrministers Dr. Geßler durch den Reichspräsi- denten führen mehrere Blätter auf einen Versuch des Reichspräsidenten zurück, den K o n f l i k t zwischen dem Minister und dem Chef der Heereslei- hing gütlich beizulegen. Wie das gefche- hen könnte und ob dieser Versuch Erfolg gehabt hat, ist nach den Blattern nicht bekannt. Jedenfalls sei eine Lösung, die den Rücktritt Dr. G e ß - lers nach sich ziehen müßte, undenkbar, da ein solcher Rücktritt unmöglich ohne Rückwirkung auf das Gesamtkabinett bleiben könnte. Freitag vormittag wird sich der Reichspräsident mit dem ReichskanAer besprechen und im Anschluß daran dürfte dann die Entscheidung über das Abschiedsgesuch des Chefs der Heeresleitung fallen.
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Besonnen und ruhig, aber auch durchaus mit der von allen Anhängern des Verfassungsstaates geforderten Eindeutigkeit schreibt die „Kölnische Volks- zeitung" zu der Angelegenheit des Generalobersten o. Seeckt folgendes:
Wenn ein gewöhnlicher Sterblicher den Wunsch gehabt hätte, an militärischen Hebungen der Reichs- wehr aktiv teiizunebmen, so wäre ihm dieser Wunsch sicherlich abgelehnt worden. Leider ist man mit dem ältesten Kronprinzensohn anders verfahren. Es darf jetzt wohl als feststehend angesehen werden, daß in dem hier vorliegenden Falle alle Instanzen bis zur höchsten militärischen Stelle, also bis zum Chef der Heeresleitung, befragt worden sind. Da die Antwort bejahend ausfiel, so hat der Kronprinzensohn tatsächlich an den Manöver- Übungen des Reichswehrregiments Rr. 9, das in Potsdam stationiert ist, und in sich die Traditions- kompagnie des 1. Garderegiments zu Fuß also des Hohenzollernregiments, enthält, t e i I g e n o m- men. Man sagt, obwohl der Prinz der Reichs- wehr nicht angehört, in der Uniform eines Reichs- wehroffizers, sowie auch in der des alten Heeres. Das ist der lapidare Vorgang.
Die Angelegenheit, die jetzt durch den Rücktritt v. Seeckts zu einem sehr ernsthaften Nachspiel geführt hat, ist zweifellos von militärischer und politischer Bedeutung. Wir möchten nicht in den Fehler verfallen, den man in manchen Ortschaften. der Rechts- und Linkspresse vorfindet, den Fall Seeckt parteipolitisch aufzuziehen oder ihn in überhitzter Weise zu behandeln. Es ist ebenso falsch, ja man möchte sagen, es ist geradezu ungeheuerlich, wenn man nun rechts den Versuch macht, den Rücktritt v. Seeckts mit außenpolitischen Vorgängen in Zusammenhang zu brin- gen. Niemals könnten die abgelehnten Tendenzen, die wiederholt von französischer militärischer Seite Herrn d. Seeckt gegenüber zum Ausdruck gebracht haben, einem tüchtigen und verdienten Offizier den Laufpaß zu geben. Wir lehnten dieses entschieden ab. Dagegen ist es nach unserer Auffassung auch nicht statthaft, mit bewußter Uebertrelbung darauf hinzudeuten, daß nun wieder einmal die Republik in Gefahr gewesen sei. Wir haben gerade in der letzten Zett Beispiele erlebt, die einwandfrei zeigen, daß die Republik fest genug ist, um selbst schwere Konflikte zu bestehen, Konflikte, die vielleicht in früheren Nachkriegszeiten zu ernsten politischen Weiterungen geführt hätten. Wir erinnern dabei an die Flaggenfrage und den Sturz des Kanzlers Luther. Heute bestraft sich jede Sünde gegen die Republik von selbst. Man tut deshalb gut, den Fall Seeckt mit möglichster O b- ektivität und Ruhe zu behandeln.
Militärisch gesehen, darf es wohl als ein Inbing bezeichnet werden, daß an der Hebung einer aktiven Truppe eine Privatpersönlichkeit unmittelbar teilnimmt. Prinz Wilhelm ist ein Staatsbürger wie jeder andere auch. Seine frühere militärische Eigenschaft, die sich aus seiner Zugehörigkeit zum Hause Hohenzollern herleitet, fällt heute nicht mehr ms Gewicht. Es müßte denn sich Prinz Wilhelm, wenn er Neigung zum Militärberufe hat, den Bedingungen unterwerfen, die heute für die Zugehörigkeit zur Reichswehr maßgebend find. Daß man in den Nachgeordneten militärischen Stellen, die der Fall betrifft, so gedacht, scheint uns schon daraus hervorzugehen, daß man es für richtig hielt, ich wegen der Teilnahme bis an die Spitze der Heeresleitung zu wenden. Hat Herr v. Seeckt sich
Ein demokratisch gerichtetes Abendblatt glaubt über die Vorgeschichte einiges Nähere Mitteilen zu können. Es wird gesagt, beim Kronprin- zenpaar habe schon längst die Absicht bestanden, den ältesten Sohn in irgendeiner Form militärisch auszubilden. Nach dieser Richtung hin habe eine Hnterhaltung zwischen der ehemaligen Kronprinzessin Cecilie und Herrn v. Seeckt aus Anlaß eines gesellschaftlichen Zusammentreffens stattgefunden. Es scheint, als ob hier die ersten Ansätze für die jetzige Verwicklung liegen. Außerdem sagt das gleiche demokratische Abendblatt ,es hätten in viel stärkerem Maße als Herr v. Seeckt sich einige ihm untergeordnete Offiziere im Reichswehrmini st eri um dem Projekt zugänglich erwiesen, den Kronvrinzen- sohn in irgend einer Form an Reichswehrübungen teilnehmen zu lassen.
Marx bei Hindenburg.
wtb Berlin, 8. Okt. (Eig. Funkm.) Reichskanzler Dr. Marx hat heute vormittag um halb 10 Hhr eine Besprechung mit dem Reichspräsidenten, die sich bis gegen halb 11 Hhr ausdehnte und die die mit dem Rücktrittsgesuch des Generaloder- sten v. Seeckt zusammenhängenden Angelegenheiten zum Gegenstand hatte. Der Reichspräsident hat sich seine endgültige Entscheidung bis heute nachmittag Vorbehalten, jedoch hat dem Vernehmen nach die Besprechung mit dar» Reichskanzler keine neuen Moment« acaeben
I hier zustimmend verhalten, so ist für uns keine an« I dere Erklärung möglich als die einer gewissen Cour- toisie gegen den ältesten Sohn des ehemaligen Kronprinzen. Wir möchten nicht soweit gehen, Herrn v. Seeckt dafür fähig zu halten, daß er eine Demonstration im Auge gehabt habe, mit der eine besondere Betonung nach monarchistischen Seite hin verbunden gewesen fei. Daran hat v. Seeckt wohl kaum gedacht, denn wir kennen ihn, den allerdings schweigsamen, undurchdringlichen Mann von untadeliger Gesinnung und loyaler Haltung. Aber Seeckt ist auch als kluger Mann bekannt. Um so verwunderlicher ist, daß er sich über die Wirkungen des Falles nicht bewußt geworden ist. Denn in der Tat kommt man nicht daran vorbei, der Angelegenheit auch eine politische Seite zuzuschreiben.
Die deutsche Reichswehr knüpft — das ist ganz natürlich — in ihrer Entstehung sehr stark an alte Traditionen an, also auch an das alte Heer. Jede Handlung der Reichswehr und ihrer Führer wird in der Oeffentlichkeit mit besonderem Augenmerk und kritischer Betrachtung verfolgt. Wir machen uns die These nicht zu eigen, daß die Reichswehr antirepublikanisch sei. Aber wer weiß, wie oft Zweifel erhoben worden sind, wie wett die Reichswehr sich den neuen Verhältnissen angepaßt hat, der hätte den dringendsten Wunsch, daß alle Zwi- schWfälle vermieden werden, und daß außerdem die Hinwendung zu den neuen Verhältnissen stärker hervorgekehrt wird. Daß der Fall des Kronprinzensohnes — mag er für sich allein genommen auch noch so gering sein — von den eben geschilderten Gesichtspunkten aus zu einer politischen Angelegenheit werden mußte, ist psychologisch und fach- lich völlig klar. Herr v. Seeckt hat einen Fehler begangen, als er dieses Moment nicht in Rücksicht
Dazu kommt eine andere Hnbegreiflichkeit. Herr v. Seeckt hat dem Reichswehrminister von dem Vorfall keine Kenntnis gegeben. Der Reichswehrmini, fier ist letzten Endes die militärische Instanz — man denke an die Aenderung der Befugnisse, die vor noch nicht langer Zeit auf Grund der Auseinandersetzungen mit der Kontrollkommission stattgefunden haben — die zu entscheiden hat. Reichswehrminister Dr. Geßler ist aber auch derjenige, der vor dem Parlament für alles gerade zu stehen hat, was in der Reichswehr vor sich geht. Wäre es nicht die Pflicht des Herrn v. Seeckt gewesen, sich über die Hal- tung des Reichswehrministers zu vergewissern? Wenn jetzt Dr. Geßler erklärt, die Verantwortung für den Münsinger Zwischenfall nicht tragen zu fön. nen, so blieb nur der Konflikt Geßler-Seeckt übrig, Würdigen wir die sachlichen Gründe, die wir uns eben bemüht haben, darzulegen, so besteht für uns kein Zweifel daran, daß wir hier die Verpflichtung haben, auf die Seite des Reichswehrministers zu treten. Wir werden ihn unterstützen, wenn er be« müht ist, die Reichswehr endlich aus dem politischen Streit herauszuführen und sie zu einer Truppe des Staates zu machen, auf den sie den Eid geleistet hat. Wir sagen damit nicht, daß Herr v. Seeckt dieses Bestreben nicht gehabt hätte. Es ist bedauerlich. daß dieser kluge Soldat über den Zwirnfaden von Münsingen stolpern muß. Es wäre an der Zeit, daß sich Herr Geßler auch einmal im Reichswehrmini st erium umsieht.
Die rNilitär-rtontrolle.
„Matin" zufolge wird die Botschafterkonferenz in einer ihrer nächsten Sitzungen die allgemeine Frage der kurzfristigen Einstellungen in die Reichswehr diskutieren und zu gleicher Zeit auch die schwebenden Fragen hinsichtlich der Befestigung von Königsbergs und des Statutes für die Schutzpolizei prüfen. Wenn allen diesen Forderungen Genüge geleistet sei, könne alsdann die Militärkontrolle gemäß den Bestimmungen des Friedensvertrages von Versailles auf den Völkerbund übergehen.
Zum Eintritt des Erbprinzen von Eoburg in die Reichswehr.
Von berufener Stelle wird mitgeteilt, daß die Pressenachricht von dem Eintritt des Erbprinzen Johann Leopold von Sachsen-Coburg-Gotha in die Reichswehr insofern nicht zuttifft, als es sich lediglich um eine Anmeldung des Prinzen beim 14. Reichswehr-Jnsanterie-Regiment handelt. Der Eintritt ist noch nicht erfolgt, da die Zustimmung des Reichswehrministers noch aussteht.
Die internationale Lage.
steine Zusammenkunft zwischen Blussokini und Driand.
wtb Paris, 8. Okt. (Eig. Funkm.). „Matin" erklärt, in offiziellen Kreisen werde mitgeteilt, daß entgegen der Meldung eines italienischen Blattes für den Augenblick keine Rede von einer Zusammenkunft zwischen Briand und Mussolini sei
Loucheur in Brüssel.
wtb. Brüssel. 8. Okt. (Eig. Funkm.). Den Zci- tungen zufolge ist der französische Minister C n ■ cheur in Brüssel eingetroffen und hat mit > ■’> Ministerpräsidenten und dem Minister des Aeun v.i Besprechungen gepflogen.
Sur Innenpolitik.
Eine Entschließung des Deutschnattonalen Hand- lungsgehilfenverbandes.
Der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband nahm eine Entschließung an, wonach er die Auf- fassung, die Gewerkschaften als gleichberech- tigte Faktoren des Wirtschaftslebens anzuerkennen, begrüßenswert findet. Darüber hinaus wäre eine Mitwirkung der Gewerkschaften in den Fragen der Zoll- und Handelspolitik und bei der Vorbereitung der Wettwirtschastskonferenz notwendig. Es muß auch verlangt werden, daß sich bi» Arbeitgeber zu praktischen Erörterungen über die Frage der Besitzbeteiligung der Arbeitnehmer bereit erklären.
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Der Reichsparteivorstand des Zen- trums beschäftigte sich Donnerstag nachmittag int Reichstage besonders mit der Vorbereitung der Erfurter Tagung des Reichsparieiausschusses des Zentrums, deren endgültiger Termin noch nicht seststeht.
Die Organisation der Beamten.
Bekenntnis zur Republik.
Auf dem 5. Bundestag des Deutschen Beamtenbundes, der in Berlin stattfindet, wurde ein Antrag des Gefamtvorstandes angenommen, nach dem der Bundestag des Deutschen Beamtenbundes dem Z u f a m me n f ch l u ß des Bundes mit dem Gesamtverband deutscher Beamten-Gewerkschaften zustimmt. Auf Antrag des Vorstandes wurde ferner beschlossen, den bisherigen Deutschen Beamtenbund in dem zu gründenden neuen Bund, der die Bezeichnung „Deutscher Beamten- bund" trägt, aufgehen zu lassen. Weiterhin wurde auf Antrag des Gesamtvorstandes einstimmig einer Aenderung des Programms des Deutschen Beamtenbundes zugestimmt. Der erste Absatz unter „Verfassung und Gesetz" soll in Zukunft lauten: „Der DeutscheBeamtenbund steht auf dem Boden derRepublikanischenVer- fassung des Reiches und der Länder. Er ist gewillt, im Geiste dieser Verfassung zu handeln und jeder Verletzung mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln entgegenzutreten."
Zum Bundesvorsitzenden wurde der frühere Vorsitzende, Lehrer F l ü g e l, auf zwei Jahre wiedergewählt. Zu Vertretern des Vorsitzenden wurden gewählt: Schrader von der Polizei-Beamtenschaft, Kugler von den Postbeamten, Ehrmann von den Kommunalbeamten sowie Oberregierungsrat Eymann.
Tagung des Bunde« preußischer Gerichlsassessoren.
Aus Kassel wird gemeldet: Der Bund preußischer Gerichtsassessoren hat in seiner Mitglieder- Versammlung in Kassel zu den Angriffen g e- gen den Richterstand Stellung genommen. Soweit die Angriffe die Stellung der Richterschaft zur Republik betreffen, wurde folgende Entschließung e i n ft i m m i g gefaßt: Die Mitglieder- Versammlung des Bundes preußischer Gerichtsassessoren bekennt sich offen und uneingeschränkt zur heutigen Staatsform und ihrer Verfassung, die das oberste Gesetz jedes Richters ist. Der Bund verwahrt sich gegen das Hineintragen von Politik in die Rechtsprechung. Politische Mitarbeit außerhalb der richterlichen Tätigkeit ist durchaus zu begrüßen.
China.
wtb. Hongkong, 8. Okt. (Eig. Funkm.) Sechs ameritanifAe Zerstörer sind hier eingetroffen.