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Nr. 233

Sreitaa, 8 Oktober 1926

3ahra. 53.

DerHohenzollern-Berqleich unterzeichnet

her Erwägung leiten läßt, daß die Umwandlung ber . den Anschluß verneinenden Stellungnahme Italiens in eine den Zusammenschluß bejahende nach italienischer Ansicht durch die Uebertra- nung der kolonialen Rechtsansprüche des Deutschen Reiches auf Italien am leichtesten vollzogen werden kann. Unter obwaltenden Umständen scheint daher in der Erwägung des Anschlußvroblems in Livorno sowie dessen pressemäßiger Erwähnung ein nicht unbeträchtliches Körnchen Wahrheit zu stecken.

Etwas Aehnlichss gilt für die Erwähnung des D a (Fans, worüber die Presseaufmachung wissen will, England habe Italienfreie Hand" am Bal­kan überlassen. Bei dieser Lancierung handelt es sich in erster Linie um eine neue Variante, um einen Druckversuch auf Jugoslawien im Sinne der ..Erweiterung des Adriapaktes" auszuüben, wor­über bekanntlich seit Monaten die Verhandlungen schweben. Da die endgültige Fertigstellung des itolienisch-iugoslavischen Freundschaftsvertraaes im gewissen Sinn das entscheidende Ereignis ist, um Italien jene Rückenfreiheit zu gewähren, die es braucht, um Im westlichen Mittelmeer den Gleich­gewichtsfaktor gegenüber Frankreich zu bedeuten, scheint es sehr erklärlich, daß England alle jene Be­strebungen Italiens begrüßt, die Italien Rücken- freiheit im Osten gewähren, was für England umso leichter zu unterstützen ist, als es sich um entspan­nende und Ruhe verbürgende Verträge Italiens handelt. Aus diesen Feststellungen geht jedoch her­vor, daß auch in diesem Fragenkomplex die ver­schiedenen Pressemeldungen ein Körnchen Wahrheit enthalten, das zwar nicht den Nagel der Taktik auf den Kopf trifft (Einkreisung Iugoslaviens), wohl aber das strategische Problem italienischer Rücken- freiheit. ____________________

* Albert Thomas verunglückt. Der ,Berliner Lokalanzeigei' berichtet auS Genf: Der Direktor des Internationalen Arbeitsamts, Albert T omas, ist mit seinen drei Töchtern auf der Rückreise von Lyon nach Genf berunnlütff. Auf einem Eisen- bahnübergang stieß das Auto mit einer Motorloko­motive zusammen. Thomas mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Seine drei Töchter erlitten nur leichtere Verletzungen.

Wie dieGermania" meldet, ist der Vergleichs­vorschlag für das Abfindungsabkommen zwischen Preußen und dem Hause Hohenzollern Mittwoch abend unterzeichnet worden, und zwar auf feiten des ehemaligen regierenden Hauses Hohen- övllern verbindlich für die Haupt- und Nebenlinien, und für Preußen von Finanzminister Höpker- Aichoff vorbehaltlich der Zustimmung des Parla­ments.

Wenn die Zustimmung des Parlaments erfolgt, >st damit der wesentliche Teil der Fragen, die beim Volksbegehren und Volksentscheid über die Fürsten­abfindung das Volk so aufgeregt haben, e r I e b i gt.

,~ ^"^JÜltige Stellungnahme Hindenburgs zu

Seeckts ^ntlapungsaesuch wird erfolgen, sobald eine

Gegenüber dem voraussichtlichen Ergebnis des Kompromißentwurfes, der im Reichs­tag nicht verabschiedet wurde, ergeben sich folgende wesentliche Aenderungen:

3m Verhältnis zur Hauptlinie fallen dem Staate 50 000 Morgen Land und Forst weniger Zu. Diese werden ausgeglichen durch Bellevue (Wert nach der früheren Denkschrift 36.4 Millionen Mark), das der Staat nach dem Kompromißentwurf nicht erhalten hätte. Außerdem zahlt der Staat der Hauptlinie 8 bis 9 Millionen Mark mehr. Diese Summe stellt die Aufwendung dar, die der Staat nach den 9 bis 11 des Kompromißentwurfes für den Erwerb von Schloß und Park Babelsberg (Wert nach der Denkschrift 17.3 Millionen Mark) zu machen gehabt hätte, sowie die Gegenleistungen für Grundstücke (Wert nach der Denkschrift 5 bis 6 Millionen Mark), die der Staat nach dem Kom­promiß nicht erhalten hätte 3m Verhältnis zur Albrecht-Linie fallen dem Staat 20 000 Morgen Land und Forst mehr zu. Im Verhältnis zur Karl- linie war nach der Auffassung des Finanzministe­riums bei dem nicht unzweifelhaften Schicksal der Herrschaft Flatow-Krojanke (insgesamt fast 100 000 Moroen), nicht mehr zu erreichen als der Verzicht auf 27 000 Morgen. Dieser Verzicht, zusammen mit dem Verzicht der Albrecht-Linie auf 20 000 Morgen, entspricht bei der vorhandenen Ungewiß­heit der Entscheidung des Reichssondergerichts der voraussichtlichen Wirkung des Kompromißentwur­fes auf das Verhältnis zu den Nebenlinien.

Der neue Vergleich wird dem Staatsrat und dem Landtag in der Form eines neuen ..Gesetzentwurfes über die Vermögensauseinandersehung zwischen dem preußischen Staat und den Mitgliedern des vormals regierenden Preußischen Königshauses" zu­gehen.

Unterrebung des Reichspräsidenten mit dem Reichskanzler stattgefunden hat.

ivaft alle Blätter sehen den Generaloberst von Seetft mit größtem Bedauern von seinem Amte fdjeiocn und heben das große Verdienst hervor, das er sich um den Aufbau der neuen deutschen Wehr- ma(i)t erworben hat. In derD. A. Z." heißt es: .Wan begreift die Haltung des Reichswehrministers und bedauert es allgemein, daß er sich von dem lang, ahn gen Mitarbeiter trennen muß. dessen Verdiensten erst eine spätere Wertung voll gerecht werben kann. DieGermania" schreibt: Seeckt hat »er Republik treu gedient. Er hat einen Fehler begangen, und trägt als aufrechter, gerader Sol­dat entschlossen die Folgen. DasB. T." sagt: Es 'st kaum daran zu zweifeln, daß der Reichspräsi­dent das Entlafsunasgefuch annehmen wird. Mit äußerster Entschiedenheit muß man die volle Wah­rung, die unantastbare Sicherstellung der ministe­riellen Autorität in der Reichswehr verlangen Der Vorwärts" erklärt: Mit der Annahme des Rück­trittsgesuches des Generals v. Seeckt wird her Be­weis dafür geliefert fein, daß man auch in der Bei ch s wehr Ordnung schaffen kann, wenn man nur will. Jeder Reichswehrminister, der diesen Willen betätigt, wird dabei die überwi-aende Mehrheit des Reichstages und des ganzen Volkes auf feiner Seite haben.

DieFrankfurter Ztg.", die mitteilt, daß der iiigendliche Kronnrinzenfabn bereits Leutnant in der Reichswehr gewesen sei, erörtert die Frage des Nachfolgers Seeckts und schreibt: Nach unseren Informationen kommt für den Posten keiner der beiden Gruppenkommandeure in Frage, dagegen wird als aussichtsreichster Kandidat d->r Befehls- baber des Wehrkreiskommandos 1 in Königsberg. Generalleutnant Hege, genannt, daneben noch Generalmajor v. Hasse, Befehlshaber des Wehrkreiskommandos 3 in Berlin, der übrigens mit dem General gleichen Namens, der den Reichs­wehreinmarsch in Thüringen kommandierte, nicht identisch ist. Der rangälteste General ist zur Zeit her Oberbefehlshaber des Gruvpenkommandos 2, General der Infanterie Reinhardt.

Was ist in Livorno vorqeaaiMN?

meinen-Tre-'e »letmeilr 'Colonel) ofai 0,15 9tet*emtir inrwärt» 0.20 Reichsmark Reklame-,-i>e> lokal n.6' ReichSmar, aurwSrtr 0.80 Reichsmark.

'Ne' en>^5»r5ou,nqen 'rranKttr. <m

N°ck>enbeiiaaen. Illustrierte Bei- laße und BuchenblStter» Rotationsdruck und Verlag der »nlHaer «ct-endruckerei in llkulda. lliernivrecher Nr 9.

an «Micher Be-imSNreiS- 1.801.

Der Generaloberst v. Seeckt, dieser im Kriege Lt,er°rT,2enb bewährte Offizier, der nach dem Ärtege sich dem neuen Deutschland zur Verfügung stellte und die Reichswehr geschaffen hat, ließ sich w -1. bewegen, den Sohn des Kronprinzen in die -"erwehr aufzunehmen, ohne von dieser unge­wöhnlichen Maßnahme mit starker politischer Für- bung dem Reichswehrminister Dr. Geßler Mit- 'hL'Jnnr? 3lL ??ad)etL, Alle ihm untergebenen Dienststellen haben rechtzeitig die Verantwortung Don sich abaewälzt und vorher die Genehmigung 3ur Dienstleistung des Prinzen von ihrer voraesetz- ten Stelle e, n g e holt. Von Stufe zu Stufe ist btefes Ersuchen bis zur obersten Stelle in der Hee- resfeiüing gelangt. Die Verantwortung hat also Generaloberst v. Seeckt übernommen, ohne von beren Entscheidung den Reichswehrminister in ni5 fetzen. , Als der Reicbswehrminister (Semer erfuhr, wie die Dinge lagen, die er jetzt vor bem Reichstag vertreten soll, hat er in einer Un­terredung mit dem Generalobersten v. Seeckt kei- nen Zweifel darüber gelassen, daß er ein weiteres vertrauensvolles Zusammenarbeiten mit ihm nicht mehr für möglich hatte, und daß ei-er don ihnen aus dem Amte scheiden müßte. Der -^'wehrmmister hat den Reichskanzler benach- unb fofort dem Reichspräsidenten als dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht Vortrag gehal- ten. Cs scheint, daß von einem Reichsminister noch Ve.snEungsversuche gemacht wurden. Der Reichs­präsident hat aber wohl von Anfang an keinen Zweifel darüber gelassen, daß er bereit war, als Oberbefehlshaber die Konsequenzen zu ziehen, und baf) er es ablehnte, als Reichspräsident einen aus ber Belassung des Generalobersten im Amt zwei­fellos sich ergebenden politischen Konflikt zuzulassen. Er mußte damit rechnen, daß bei einer anderen Entscheidung der Reichswehrminister, der forotefo aus einer Reihe von Vorfällen der letzten Seit immer stärker den Wunsch herleitet, aus dem Zimte zu scheiden, nunmehr endgültig feine Demis­sion gegeben hätte.

* Abschiedsessen beim englischen Botschafter. Zu Ehren des Reichspräsidenten gab Mittwoch abend der britische Botschafter Lord d' Abernon ein Di­ner, zu welchem auch der Minister des Aeußern Dr. Strefemann und Gattin und andere Staatsbeamte geladen waren. Unter den übrigen Gästen be­fanden sich Fürst Otto v. Bismarck und Fürst und Fürstin Münster von Derneburg.

Rückblick auf Genf.

Reichstagsabgeordneter Professor Dr. Kaas, Mitglied der deutschen Völkerbundsdelegation, ge­währte einem Vertreter derTrierischen Landeszei­tung" eine IMemhung, in der er auch auf die DitzckrmMM'M ^kk-MiMf 3trl6re»en kam. I

Seine Ueberzeugung, führte Prälat Kaas u. a. aus, sei gewesen, daß in Genf von deutscher Seite nichts hätte unterlassen werden dürfen, was für eine Verbesserung und Vervollkommnung des Völ­kerbundes in seiner Struktur als auch in seinen Funktionen von Bedeutung sein könnte. Weder zu den Siegerstaateir noch zu den Nichtsiegerstaaten hätte die Bahn durch eine lediglich abwartende Hal­tung frei gemacht werden können. Heute Au­ßenpolitik nur in Reminiszenzen machen zu wollen, sei total falsch. Nach dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund handele es sich nur um die ehrliche Anerkennung dessen, daß das Deutschland, dem man seinerzeit in Versailles glaubte diktieren zu müssen, dem Deutschland von heute Platz machte. Kaas erklärte weiter, er habe in Eens mit Briand und Loucheur Unterredungen gehabt. Keiner habe dabei den Versuch gemacht, die Besetzungsthese noch weiter aufrecht zu hal­ten, für den Fall, daß eine wirklich befriedigende Gesamtregelung zwischen Deutschland und Frank­reich zustande komme. Jeder vernünftige Fran­zose würde für diesen Fall leicht davon zu über­zeugen sein, daß es bann kein besetztes Gebiet und auch keine Saarsrage mehr geben könne und dürfe.

Was die Unterredungen von Thoiry anbetreffe, so betonte Kaas, daß das letzte Glied in der Kette, die von Genf nach Thoiry und von Thoiry bis zur Endlösung führe, Sinter ita in ber Hand habe, ba jebe großzügige Finanztransaktion ohne Ameri­ka unmöglich sei. Deutschland hätte in Genf und in Thoiry den Weg zur europäischen Befriedigung und vielleicht auch in der Richtung der Zusammen­fassung der europäischen Staaten beschritten. Möge aus 'Thoiry das vorläufig eine vielv er - sprechende G est e ist, recht bald em greif­bares gesichertes Resultat werden!

Aus dem besetzten Gebiet.

Einer HavaSmeldung aus Mainz nimmt zu Be. richten über einen neuen Zwischenfall zwischen französischen Offizieren und deutschen Zivilpersonen in Koblenz berichiigenb Stellung und erklärt diese Nachrichten für absolut unrichtig. Es habe sich bet bem Zwiichenfall nur um einen Streit zwischen deutschen Zivilpersonen gehandelt, dem keine Be- beutung zukomme. Irgend eine französische Zivil­person sei nicht belähint worden.

* Japanischer Krenzcibeiuch in Frankreich. Eine au8 zwei Kreuzern bestehende Ausbilbungsdivision bet japanischen Marine mit zwei Mitgliedern ber Familie des Kaisers von Japan an Bord, ist von Neapel fommenb vor Toulon eingetroffen.

3u dcn Besprechungen von Livorno zwischen Chamberlain und Mussolini geht uns oon einer gut unterrichteten, objektiven italie­nischen Quelle folgende bemerkenswerte Dar­stellung zu:

Anläßlich der Konferenz Chamber- lain-Mussolini zu Livorno trat die benter» benstoerte Tatsache in den Vordergrund, daß eine Jteilje von Gesprächsgebieten genannt wurden, die ganz gewiß teilte Rolle spielten. Unwillkürlich mtrb man durch diese Presseverschleierung an jene Zeiten erinnert, in denen die Mossulfrage im Vor­dergrund des politischen Weltinteresses stand. Auch bamals gab sich ein meisterhaftes Zusammenwirken ber englisch-italienischen Diplomatie mit ber eng­lisch-italienischen Presse kund. Groß ausgemachte Angriffsabsichten Italiens gegen die Türkei und Expansionspläne Italiens am Balkan waren der Rahmen, hinter dessen Schleier plötzlich das Bild bes Mossulfriedens und das Uebereinkommen über Abessinien der erstaunten Welt präsentiert wurde. Auch diesen Meldungen war eine englisch-itali­enische Konferenz vorausgegangen: Die Zusammen­kunft Mussolinis und Chamberlains zu Jahresbe­ginn in Rapallo. Man wird aber nicht fehl gehen, Aehnliches für Livorno und dessen Pressesymphonie gelten zu lassen.

In Livorno wurde die Frage einer Neurege­lung der ehemals deutschen, nunmehrigen Man­datskolonien durchbesprochen. Der diesbezüg. sich italienische Standpunkt ist bekanntlich darin zu- sammenzufassen, daß Italien seine Zustimmung zu dem eventuellen Rückerwerb von Mandatskolv- nieteiten durch bas Deutsche Reich bavbn abhängig macht, daß eigene italienische Ansprüche be« friebigt werben. Ohne sich in Details festzulegen, bürste Chamberlain biefen italienischen An­sprüchen grunbsätzlich zugestimmt haben, wobei nebst Berücksichtigung Englanbs als Hauptmanbat- träger auch bie Erwägungen Frankreichs einerseits und bem nun im Bölkerbunbrat vertretenen Deut» chen Reich anberereits galten. In bie Reihe bieser Erwägungen fügt sich wohl auch ber Besuch Cham­berlains in Paris als biesbezügliche Fühlungnahme vollkommen ein.

Es ist nun eine allbekannte Tatsache bes kauf- männischen Lebens, baß schwierige Besitzfragen am leichtesten burch ben Hinweis auf anbermertige Kompensationen entwirrt werben. In ber obwal- tenben Frage ber Manbatskolonien ist bies das da­mit in keinerlei ursächlichen Zusammenhang ste­hende Thema besAnschlussesOesterreichs an dasDeutscheReich. Daß bieses bermalen gewiß alles eher als aktuelle Problem melbungs- gemäß mit ber Lioorner Zusammenkunft verknüpft mürbe, zeigt, wo man für bas Deutsche Reich nach einem Ausweg sucht, um einerseits eine Mitbetei- ligung Italiens am Manbatskoloniebesitz vorneh­men zu können, ohne ben bisherigen Besitz Eng- lanbs unb Frankreichs allzusehr zu beschneiben, aber auch ohne beutschem Gefühl unb deutschen In­teressen allzusehr vor ben Kopf zu stoßen. Es ist »aber nicht zu viel gesagt, wenn sich Italien von

3m fernen Osten.

Auf Korea ist es zwischen Chinesen unb Japanern zu Zusammenstößen mit beiberseitigen Verlusten gekommen.

Aus Schanghai wirb gemeldet: Nach hier eingetroffenen Telegrammen haben räuberische Horben, deren Stärke auf 5000 Mann geschätzt werden, am 4. Oktober in den Städten Tungt- schou unb Chcnliu Plünderungen verübt unb in Chenliu den britischen Missionar Riding mit seiner Dienerschaft gefangen genommen. Japanische Rei­bungen aus Hanku besagen, daß sich der dortige Kommissar für auswärtige Angelegenheiten wegen der Beschießung japanischer Dampfer auf dem Pcmatse bei der japanischen Regierung entschuldigte.

FuldaerZettung

______^"^'aer für die Stadt und den Kreis Fulda. Amtliches Kreishlatt.

* Rücktritt des belgischen Finanzminislers. Wie ber Brüsseler Korresponbent desJntransigeant" meldet, hat Finanzminister Francqui angekün- bigt, baß er aus ber Regierung anfangs November ausscheiben werde, ba seine Ausgabe, ben belgischen Franken ru retten, glücklich burchqeführt sei.

Der Finanzminister hatte, bevor er unterzeich­nete, aus den Beratungen ber Fraktionen bie Ge­wißheit erhalten, baß er bafür eine Mehrheit im Ganbtage erlangen werde. Im Vergleiche zu dem Vertrag vom 12. Okiober 1925 ergeben sich für ben preußischen Staat aus bem neuen Vertrag folgende Verbesserungen:

Die Hauptlinie des früheren Königshauses verzichtet in bem neuen Vertrage auf bie Schlösser unb Parks Bellevue, Babelsberg (mit Inventar) unb Königswusterhausen, ferner auf eine Reihe von Nutzgrundstücken, unb zwar in Berlin auf bie j Häuser Breitestraße 29, Karlshorst, Kaiser Wil- ; helmstraße 13, in Potsbam auf ben Weinberg om Obelisk, bie Kolonie Alexanbrowka unb bie Liegenschaften Königstraße 26 und Nikolskö. Wei­ter verzichtet bie Hauptlinie auf bie Güter unb Forsten im Umfang von 88 000 Morgen unb auf eine Barzahlung von 15 Millionen Mark. Die Albrecht-Linie verzichtet auf 20 000 Morgen, die Karl-Linie auf 27 000 Morgen Land unb Forst.

Ilm die AulorW des Reichslvehrsnlillisters.

Generaloberst von Seeckt reicht sein Mschiedsgesuch ein. Der Sohn öes Kronprinzen als Reichswehr-Leutnant.

Karl Sewing.

Aus parlamentarischen Kreisen wird uns ge­schrieben:

Mit dem Preußischen Innenminister Karl Seve- ring verläßt eine der bemerkenswertesten Gestalten des nachrevolutionären Deutschland die politische Bühne, wenigstens vorläufig. Severing ist nicht irgend ein Minister, sondern er ist eben jene scharf umrisserie politische Persönlichkeit, die von der Ge­schichte Deutschlands und Preußens seit 1919 unzer­trennlich ist. Historisch ist er am stärksten im Jahre 1923 hervorgetreten, als er es durch seine kluge und wachsame Politik verhinderte, daß der Aufruhr in Deutschland, der bereits im Süden auflohte, auch nach Norden hinüberschlug. Der Ausbau der preu­ßischen Polizei ist ebenso sein Werk, wie die ener­gische Durchführung einer republikanischen und demo­kratischen Verwaltung innerhalb des Freistaates Preußen. Nirgendwo besitzt der heutige Staat festere Stützen als eben in Preußen und zu ihrer Konsolidation und Festigung, ja zu ihrer Popu­larisierung hat er ganz wesentlich beigetragen.

Ans diesem Grunde tierfolgt ihn die Rechte mit unerbittlichem Haß. Ihr wurde er zum Symbol der Republik und der Kampfruf gegen Severing war ja mindestens ebenso populär, wie der gegen die Franzosen. Sie hat sich nicht gescheut, den Gegner mit jedem Mittel anzugreifen. Und Dutzendemale sind von den Desperados Attentats­pläne gegen ihn gefaßt worden. Und wenn sie nicht zur Ausführung gekommen sind, so lag das nicht an bem Minister. Er selbst begegnete diesen Angriffen mit der ihm eigenen geistigen lieber» legenheit, denn Severing war weit mehr als ein hervorragender Sozialist. Er war einer der wenigen Staatsmänner, die das nachrevolutionäre Deutschland gesehen hat, und überragte auch tue meisten seiner Parteifreunde um Haupteslänge. Aber gerade seine Fähigkeit, das Interesse oer Partei hinter das Staatsinteresse zurückzustellen, gab dieser Persönlichkeit eine gewisse werbende Kraft über das Lager seiner Partei hinaus. Er hat niemals um die Gunst seiner Partei gebuhlt, son- )em erfüllte mit Klugheit, Gewandtheit und einem einen Gefühl für gewisse Imponderabilien ein» ach seine Pflicht. Die Sozialdemokraten wollten ihn mehrfach aus der Partei ausschließen.

Das Maß von Arbeit, das er geleistet hat, war geradezu phänomenal. Aber dieses vollwmmene Verwachsensein mit seinem Amte gab ihm auch technisch eine außerordentliche Ueberlegenheit über seine Gegner. Ein ungewöhnliches Gedächtnis un­terstützte ihn dabei und bot ihm die Möglichkeit, selbst in schwierigen Situationen ohne Studium der Akten aus einer absolut sicheren Personalkenntnis heraus rasche unb richtige Entscheidungen zu treffen.

Das Preußische Zentrum insbesondere hat verhältnismäßig reibungslos mit ihm gear­beitet. Er hatte volles Verständnis für die jahr­zehntelange Zurücksetzung des katholischen Dolksteils und bemühte sich ernstlich, die Fehler der Vergangenheit wieder gutzumachen. Das ist nicht immer leicht gewesen, denn die hundertjährige konservative Parteiherrschaft hatte eine so voll­kommene einseitige Zusammensetzung des ganzen Regierungsapparates herbeigefülM, daß er in den wenigen Jahren seiner Ministerschaft natürlich nur einen Teil des begangenen Unrechtes wieder gut­machen konnte, und die weitere Fortsetzung seinen Nachfolgern und den ständigen Mahnungen der Zentrumspartei überlassen mußte.

Auch als Parlamentarier stand er weit über dem Mittelmaß. Wenn dieser Mann mit dem Künstler­kopf und dem eigentümlich gern ei selten Schädel auf der Tribüne au stauchte, so konnte man sicher fein, nicht nur eine Persönlichkeit vor sich zu haben, die ihr Material vollkommen beherrschte, sondern die es auch mit Geist und Witz sich zu eigen gemacht