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Verlage zur Zuldaer Zejtung

Für unsere Frauenwelt.

Nr. 232 vom 7. OKI. 1926.

Mit Gott.

Don Fr. Schrvnghamer-Heimdal.

Was ist die Welt? — Ein Kraftgewühl im Raum. Und was bist du' — Ein Blatt am Lebensbaum. Die Kräfte kreisen und die Säfte gähren: Sieh' zu, dein eigen Zweiglein draus zu nähren. Daß Blüte wird und eine volle Frucht, Daß dich ein Wandrer einst am Wege sucht. Daß dich ein Lobmund preist, ein Kind bestaunt. Daß auch dein Selbst im Weltall widerraunt Als Kraft im Kreise, Ring im grossen Ring, 3m Unbewußten ein bewusstes Ding. Daß die Beschauenden ein Wunder wähnen Und ist doch nichts als selbstersülltes Sehnen. Daß du verschwendend einem, einer gibst. Dem Einen und der Einen, die du liebst. Sieh' zu, wie du dir deinen Kreis bezirkst-, Gott wirkt kein Wunder, dos du selbst nicht wirkst.

Etwas vom Ztrickstrumpf.

Don Anna Freiin von Krane.

Neulich saß ich an meiner Schreibmaschine, da pochte es und auf mein: Herein? trat dos Töchterlein einer Bekannten über die Schwelle. Mit einem mich beehren­den Vertrauen sagte sie: „Tante, möchtest du mir nicht dieMafchen für ein Strümpfchen aufschlaqen, wir sol­len jetzt Strümpfe stricken lernen in der Schule?"

„Warum nicht?" und lächelnd ließ ich den Helden meiner Novelle im Stich, mitten in einer stürmischen Handlung, verließ den „Typewriter" und verwandelte mich in ein altmodisches Tantchen, das, im Sessel sitzend, die Maschen für das bewußte Strümpfchen aufschlug.

„Du kannst's aber schnell und flink!" hieß es, wäh­rend ein paar Kinderaugen meinen Fingern folgten, „so lerne ich es nie "

„Hoffen.lich doch," erwiderte ich, „es ist gut und nütz­lich, flott stricken zu können und zu wissen, wie man einen Strumpf verfertigt."

„Und es ist doch eine langweilige Arbeit," meinte die Kleine, als sie sich mit der angefangenen Strickerei entfernte. Ich aber konnte ihr nicht beistimmen. Bist du wirklich langweilig Freund Strickstrumpf, Begleiter so vieler meiner Lebensstunden? Nein! Für eine ver­ständnisvolle Seele bedeutest du mehr, als nur eine Ar­beit müßiger Augenblicke. Es ist keine geistlose Beschäf­tigung, wenn sich Masche an Masche reiht, ohne daß das Auge hinzulehen braucht. Ich kann nie besser mich mit meinen Gedanken absinden, als wenn meine Hände die blinkenden Nadeln handhaben, „Strickstöcke", rote man in meinem Geburtsort Darmstadt dafür sagt. Das ist im Grunde tresfend, denn Nadeln im eigentlichen Sinne sind es nicht, mit denen wir den Faden verarbeiten.

Ja, die Strickstöcke! Mit denen lernten wir Alten frühzeitig umgehen! Ich kann mich gar nicht erinnern, nicht stricken gekonnt ,zu haben. Man erzählte mir, daß ich es noch von meiner frühverstorbenen Mutter gelernt hätte, als ich vier Jahre alt gewesen wäre. Das wird schon so richtig sein, denn wem erstes Erinnern geht auf ein gewisses Körbchen zurück, das ich fetzt noch abmalen könnte, in dem nebst einem Knäuel bunter Wolle zwei „Sirickstöcke" lagen, mittelst deren meine noch ungefchick- ten, vor Mühsal schwitzigen Händchen ein Strumpfband ^u stricken hatten. Damals gabs nämlich noch keine Gummistrumpfbänder, sondern man wand ein aestricktes Band ums Knie, um die weißbaumwollenen Strümpfe zu halten. Weißbaumwollen mußten sie fein! Etwas anderes wäre damals verpönt gewesen! Etwas anderes als weiße Baumwolle durfte nicht an die Füße, das galt, und nicht ganz mit Unrecht, für reinlich. Selbstverständ- iich brauchte man sehr viele Strümpfe auf diese Art, denn sie wurden sehr rasch grau und unansehnlich beim Tragen, da war es eine Ehrensache für jedes Mädchen, sich bis zur Hochzeit wenigstens drei Dutzend Strümpfe gestrickt zu haben. Dann nahmen diese selbstgestrickten Strümpfe auch einen Ehrenplatz in der Aussteuer ein, unb lagen mit rosa Band umwunden, stolz im großen Schrein, der alles Leinenzeug und alle Wäsche der Braut barg. Sie waren ein ehrenvolles Zeugnis ihres Flei­ßes.

Und auch als Frau arbeitete sie weiter! Ich habe noch lange einen angefangenen Strumpf aufgehoben, den meine liebe Mutter bis zu den letzten Tagen ihres Lei- dens mit schwachen Händen strickte. So fein! So dünn die Nadeln. Ich könnte es kaum mit meinen gesunden Händen ertragen, denn, das weiß jede Strickerin, zu feine Nadeln und gar Baumwolle strengen die Hände sehr an!

Meine Großmutter strickte in feder freien Minute. Sie hatte nach alter Sitte den Strickbeutel mit dem Knäuel am Arm, wenn sie durch Haus und Garten ging, allem nachzusehen, denn sie war eine Hausfrau ersten Ranges, llnd während sie ging und sprach und Befehle gab, reihten ihre Finger unablässig Masche an Masche zu Strümpfen für ihre Kinder und Enkel. Ich habe bis zu meiner Jungmädchenzeit nie andere Strümpfe ge­tragen als die von ihr gestrickten. Wie oft gab sie mir wieder ein halbes Dutzend, das fertig geworden und ich dankte nur mechanisch dafür unb dachte nicht an die Arbeit und Liebe, die damit verknüpft war. Groß- mutter konnte auch allerlei schöne Dinge in die Strümpfe hineinstricken. So den Namen der Trägerin in „Loch­verzierung" oder gar mit feinen Glasperlchen eingesiickt! Das hielt in der Wäsche und sah sehr niedlich ausi Auch die Ränder der Strümpfe wiesen allerlei Berzierungen auf, die lustig aussahen. Ich brachte es natürlich nicht zu solchen Künsten, denn mir war die tägliche Strick- aufgabe durchaus kein Vergnügen. Seufzend strickte ich, als ich zur Würde eines Strumpfverfertigers heran- gewachsen war, meine bestimmten Anzahl von Runden. Zuerst dreimal „herum", bann schließlich zehnmal, das war mir bitter! Damit ich nicht „mogelte", wurde, wie bei allen Strickbeflissenen, ein rotes Fädchen jedesmal am Anfang eingestrickt, so daß meine gestrenge Erzie­herin nachzählen konnte, ob auch die Ausgabe erledigt sei.

Ich liebte auch meine weißen Strümpfe als Fuß- Bekleidung nicht. Im Garten unserer Mietwohnung war

nämlich eine Bleiche und auf dieser Bleiche ein gras­bewachsener Hügel, und den konnte man so schön hinab- rutschen und sich herumkugeln, wenn nicht die verräte­rischen Grasflecken in den weißen Strümpfen gewesen wären! Das entscheidet ja ein Kinderurteil!

Dann vergingen lange Jahre, wo man nichts vom Strickstrumps wissen wollte und ich nur im Stillen die verachtete Handfertigkeit betrieb, weil mein Vater nur eine gewiße Art von Socken tragen wollte, die ich ihm verfertigte. Nachher aber kamen Zeiten, wo ich gern und viel strickte, auch andere Sachen als Strümpfe, und jetzt bin ich wieder zu der Simftfcrtigteit meiner Groß, mutter zurückgekehrt, und der alte Geselle meiner Ju­gend ist mir ein lieber treuer Freund geworden.

Töchter im Haushalt.

Don Maria Oehligschlager-Pforzheim.

Unsere Heranwachsenden Töchter können von der Mut­ter im Hausha't ruhig zu mancherlei Handreichungen und fii'fsrrbeiten Verwendung finden. Es ist den 12-, 13- unb 14jährigen durchaus von Nutzen, wenn sie ler­nen, wie man eine Stube aufwischt, den Staub in der Wohnung bekämpft, ober wie man Geschirr abwascht, ganj zu schweigen von den vielerlei kleinen Arbeiten, die ein großer Haushalt tagtäglich venirfacht. Zuge­geben, manchem unserer jungen Mädchen wird das wenig gefallen. Sie werden Mangel an Zeit, Schularbeiten, Unluft oder hunderterlei andere Gründe vorschützen, um sich von der unbequemen Arbeit zu drücken. Aber dann muß die Mutter streng auf die Einhaltung ihrer An­ordnungen drängen. Zuerst kommen natürlich die Schul- arbeiten, bann auch ein Stündchen Ruhe und Erho­lung. Schließlich aber bleibt doch noch soviel Zeit übrig, daß die Heranwachsende Tochter gewisie häusliche Pflich- len regelmäßig verrichten kann, llebrigens sind viele Mädchen zu solchen Arbeiten außerordentlich willig und anstellig. Es gibt Töchter, die schon mit neun Jahren ganje Wohnungen abstauben, es gibt aber auch andere, die mit fünfzehn Jahren noch nicht wißen, wie man einen Kaffee bereitet. Hier hat die Mutter eine große Verantwortung, nicht nur für den Augenblick, sondern auch für später. Ein Jungmädchen, das rechtzeitig an die Mithilfe im Haushalt gewöhnt ist, wird später auch seinen Töchtern wieder eine Mutter fein, die zeigt, wie man es machen soll und wie nicht. Unsere Töchter zu schonen, ihnen alles aus dem Wege zu räumen, damit sie ihr junges Leben genießen können, während sich die ge­plagte Mutter von früh bis spät abrackern muß, ist grundoerkehrt. Wer gesunde Glieder hat, kann und soll ruhig ein wenig mitaupacken. Selbstverständlich muß bann die Mutter dafür sorgen, daß es mit Maß unb Ziel geschieht, damit gesundheitliche Schäden vermie­den werden.

fHIes zu seiner Zeit!

Don E. A. S ch ö n f e l d.

Diele Frauen sind der Meinung, für den Mann exi­stiere sonst nichts auf der Welt als seine bessere Ehe­hälfte und deren Sorgen und können es nicht verstehen, wenn er nach getaner Arbeit nicht gleich an ihren oft kleinlichen Sorgen teilnimmt.

Eine kluge Frau wird im allgemeinen nur dann sprechen, wenn sie weiß, daß der Mann wirklich Zeit hat und seine Gedanken nicht mehr bei den geschäftlichen Angelegenheiten weilen. Sie muß mit einem Worte genau die Stunde kennen, wann sie ihrem Mann auch ihre Sorgen mitteilen, sich mit ihm über verschiedene Angelegenheiten unterhalten kann. Zur riibtio--- Stunde in richtiger Weise vorgebracht, wird das Anliegen der Frau bei einem vernünftigen Ehegatten immer In- tereffe wecken, die Antwort wird selten abweisend und nie nervös sein.

Die Frau muß eben immer bedenken, daß der Mann nach geistiger ober körperlicher Arbeit müde und abgespannt ist, sie darf ihn nicht zur unrichtigen Zeit mit unnötigen Worten quälen. Je mehr Wissen eine Frau besitzt, desto weniger Worte wird sie verlieren, desto besser wird sie aber auch die Gelegenheit wahrneh- men, sich mit ihrem Manne aufs angenehmste zu unter­halten.

Etwas von pelzen.

Don K o v a t s ch y - Frankfurt a. M.

Seit jen-n Dorvätertagen, da die Germanen sich in wärmende Bärenfelle kleideten, ist der Pelz ein Be- standteil der menschlichen Kleidung geblieben. Im Mittel- alter, besonders zur Zeit der Renaissance, war die Pelz­verbrämung nur dem Adel und den Patriziern zu tragen erlaubt. Auch spätere Zeitläufte hatten genaue Ver­ordnungen über die Derwendung von edlem Rauchwerk zwecks Fütterung und Ausschmückung der Kleidung. Be- könnt ist die Verwendung von Fellwerk in etlichen Na­tionaltrachten, beispielsweise bei der russischen unb un- garischen, teils ans klimatischen Einflüssen erklärbar, teils ein Symbol stolzen Reichtums. Die schwere Bro­kattracht der ungarischen Gesandten bei Repräsentations­festen war reich mit Edelfellen, Zobel oder Nerz ver­brämt. Der Oberbürgermeister von Budapest trägt einen Radkragen aus seidigen Nerzfellen über seinem schworz- seidnen Staatsgeroanb, wenn er bei offiziellen Anlässen die vorgeschriebene historische Tracht anlegt! Auch bei Hofbällen spielte der Pelz eine hervorragende Rolle: Der hermelinbesetzte Purpurmantel war nicht nur eine Mär- chenerscheinung! Den Fürstinnen wurden auch an neu- zeitlichen Höfen die pelzbesetzten Kourschleppen nachge- tragen, viele feudale Offiziere prunkten in pelzigen Dol­men, unb die Zobelschleppe der Landgräfin Anna von Hessen, geborene Prinzessin von Preußen, hatte eine Art von Berühmtheit erlangt! — Die geistlichen Höfe, die auf Repräsentation hielten, zeigten zur ge­gebenen Zeit, bei hohen Kirchensesten und großen Pro- zeßionen, ihre Geistlichkeit hohen Rangs gleichfalls im überlieferten Prunk köstlichen Rauchwerks. (Ursprünglich: Rauch-Werk!). Im Chorherrenstift Beromünster in der Schweiz tragen die Chorherren noch heutzutage pracht- volle Pelerinen aus Hermelin über dem bischofslila und kardinalrotem Ornat: Ein wahrhaft fürstlicher Anblick in der erlesen schönen marmornen Stiftskirche!

Inzwischen ist der Pelz dar Allgemeingut aller frie­renden Bürger und Bauern, aller schmuckbedürftigen Frauen und Mädchen geworden. Die Mode bemächtigte sich des Rauchwarenmarktes unb der Kürschnerei und diktiert heute jener Zunft (die zu den wenigen Edel- fünften des Handwerks gehörte), ihre Gesetze und Will- kürlichkeiten Die Mode ist es auch, die neue Fellarten schafft, indem sie Edelpelze nachahmt, und mindere Pelz- fiere fo geschickt färben und zurichten läßt, daß der Pelz als Schnnickstück jeglichem Geldbeutel erschwinglich ist.

Das Auge des Laien erkennt kaum einen Unterschied zwischen lealähnlich gefärbtem Kanin und echtem Seat. (Pelzseehund). Das Auge des Fachmanns allein prüft die feinsten Unterschiede, und findet unbarmherzig die Imitation unter allen noch so schön gefärbten Fellen heraus, erkennt des Sealbifam und Seal Elektrik, (Kanin), die sich genau so schwarz-braun auf dem Markt einstellen wie der echte, unverwüstliche Seal, erkennt auch die gefärbten Füchse, die nochgeahmten Biber, Nutria, unb Nerz-Murmel, Sfunfs-Opoffum. Skunks-Schuppen ober Slungks-Wallaby, die anmarschiert kommen. Der Einkauf eines Stücks Fellwerk bleibt also ebenso Der- trauenssache, wie der Kauf einer schimmernden Perle ober eines sprühenden Diamanten, die häufig sehr ge­schickt nachgeahmt werden.

Der Kürschner mußte allerdings zeitgemäß sich um. stellen und die Imitation als vollberechtigt anerkennen, da die Edelfelle nicht für Jedermann erschwinglich sind und die Mode allzu häufig wechselt. •

Während Maulwurf als beliebter Pelzbesatz, sowie als Material für Jacken, Mänteln unb Pelerinen feinen Platz behauptet, sind die in vorigen Jahren fo beliebten Katzenfelle, Leoparden, Seehund, Tigerkatze, Panther und Wildkatze weniger begehrt. Die „braune" und „blonde Mode" setzt sich immer mehr durch, daneben er­scheinen farbige Imitationen aus purpur, blau ober grün gefärbtem Maulwurf ober Kanin, sowie weiße Sport­jacken ober Abendumhüllungen aus Slings (Lammfell) ober Hermelinkanin. Fehkanin ist eine treffliche Nach­ahmung des russischen Eichhörnchens, verliert nur etwas stärker die Haare als jenes. Immerhin stellt auch eine solche Imitation noch einen erklecklichen Anschaffungs- preis dar.

Die Namen der modischen Neusinge auf dem Rauch­warenmarkt sind vielfach und glänzend: Platinfeh und Zobelfeh, Kolinsky, Chinchillakanin, alles nur vorge­täuschte Symbole aus Kanin, Hase, Lamm und Ziege. Wie viele brave Haustiere müssen doch ihr Leben laßen, um der Mode Launen zu befriedigen! Biberlammfell tritt für Biber und Nutria ein, ebenso wird Lamm in beige (blond) braun und platingrau zugerichtet. Feh- Hase und flöte Hase erseht den grauen Fuchs, blonde und psirsichsarbene Hafen (das Neueste!) den Blaufuchs, Squirelette Kanin tritt für Feh ein. Eine große Neuheit ist das krokodilähnlich gefärbte Alligator­kanin ebenso die blonden Töne in Lamm, Kanin und Hase.

Formen unb Arten der Rauchwaren treten also fo mannigfaltig auf den Plan, daß jedem Geschmack und jedem Geldbeutel in weitgel)endstem Maße Rechnung getragen wird. Da sich die Mode ohnehin für Spitzen und Pelze energisch einfetzt, braucht man dem Kürschner, der durch das Zuviel der Konkurrenz jahrelang schwer zu kämpfen hatte, nur noch Eines zu wünschen: Einen normal kalten, trockenen Winter, der alle seine Mitmen­schen vor den Schädigungen ihrer Gesundheit behütet, unb seinem Handwerk wieder zu Aufschwung unb An­sehen verhilft! _______________

slus dem Zrauenleden.

f. Frau Anna Gerhard-Altenburg gestorben. Im Alter von 59 Jahren ist die Vorsitzende des Reichsverbandes Deutscher Hausfrauen­vereine, Frau Anna Gerhard in Altenburg, ihrem langjährigen Wohnsitz, gestorben.

f. Wikviel weibliche Kriegsbeschädigte gibt es? Unter den 679 410 Kriegsbeschädigten in Deutschland befinden sich 1150 Frauen. Im einzelnen ist nicht bekannt, ob diese Kriegsbeschäbigungen in der Gefechtszone, etwa von Schwestern erworben wurden, oder ob es sich nicht viel­mehr um Opfer der Bombenabwürfe handelt. Immerhin ist es bedeutsam, daß der Frau auch in den Listen der Kriegsbeschädigten ein Denkmal des Opfermutes gesetzt worden ist.

f. Der Bubikops als Strafmittel. Eine in Posen erlaßene Kleiderordnung im Jahre 1754 enthielt die Forderung, daß es dem „bürgerlichen Frauenzimmer" nicht mehr sreistehen foOte, „die Haare fliegen zu las­sen, noch Mäntelchen zu tragen", während gleichzeitig auch die Verwendung gewisser Kleiderstoffe untersagt wurde. Jeder Weiblichkeit, die dem Verbot nicht folgte, drohte indes eine ganz eigenartige Strafe: sie wurde aufs Rathaus zitiert, und dort wurde ihr sogleich ein — Bubikopf geschnitten. Da diese Haartracht damals aber nicht Mode war, gab es viele Tränen, und so wurde das Gesetz wirklich streng befolgt unb kein verbotenes Mäntelchen mehr getragen.

Rechtzeitiges Rufstehen!

Don Dr. Isabella Suter- Basel.

Rechtzeitig aufstehen, eine Forberung. die man leider an viele Menschen vergeblich stellt. Sie bleiben morgens bis zur allerletzten Minute im Bett liegen, bann aber beginnt eine Hetzjagd, die neben den Unannehmlichkeiten für die übrigen Familienglieder auch mannigfache ge- sundheitliche Schädigungen zur Folge hat, die sich auf die Dauer am menschlichen Körper auswirken müssen. Deshalb sollte man es sich zur Regel machen, mindestens dreioiertel Stunden, ehe man das Haus verlaßen muß, auszustehen. Man kann bann die notwendige Reinigung des Körpers vornehmen und braucht die Waschung nicht, wie das fo oft geschieht, auf Gesicht und Hände zu be­schränken. Gerade die kühle Ganzwaschung am Vormit­tag ist gesundheitlich wertvoll und schätzt vor mancher- lei Erkältungskrankheiten. Auch die Einnahme des Früh- stückes soll mit Ruhe geschehen. Mindestens 15 Minuten gehören dazu, zumal der Magen ausreichend gesättigt werden soll. Gänzlich zu verwerfen ist das Essen auf dem Geschäfts- ober Schulweg. Nie im Leben kann ein

im Laufen eingenommenes Frühstück anschlagen, ganz abgesehen davon, daß am Morgen auch für die anderen notwendigen Funktionen des Körpers Zeit bleiben muß.

Besonders wichtig ist das rechtzeitige Aufstehen bei unseren Schulkindern. Hier sei die Mutter unbarmher­zig. Kein noch so lieber Blick, keine flehentliche Ditte darf sie erweichen, das Kind über den einmal bestimmten Zeitpunkt im Bett liegen zu lassen. Es ist leider eine unbestreitbare Tatsache, daß die Nervosität vieler Kin­der ihren Ursprung in der allmorgentlichen Hetze vor dem Schulbesuch hat, die selbst bei Erwachsenen auf die Dauer zu inneren Unruhen führen muß. Deshalb her­aus aus dem Bett, wenn es Zeit ist, ganz einerlei ob Winter ober Sommer, Werktag ober Feiertag. In einem kleinen Städtchen in der Schweiz lebte einmal ein Pfar­rer, der ärgerte sich, daß des Sonntags zahlreiche Kin­der und ebensoviele Erwachsene zu spät zur Kirche ka­men. Er ließ deshalb eine kleine Glocke anschaffen, die eine Stunde vor Beginn des Gottesdienstes geläutet wurde. Es war die A u f st e h g l o ck e. Und tatsächlich wurde es bester mit dem pünktlichen Kirchenbesuch in der Gemeinde. Mir will es nun scheinen, als ob eine "nfstehglocke, die unerbittlich ihre eherne Stimme ertö­nen läßt, auch in mancher Familie ein ganz notwendiges und nützliches Stück des hausfraulichen Inventars fein könnte.

Die $rau als Hausarzt

f. Vas „Bürffenbab“ wird von Stabsarzt Dr. Scholz als erfrischend und zugleich kräftigend allen Nervösen bestens empfohlen. Der Patient erhält zunächst ein Dollbad von 35 Grad Celsius. Nachdem er sich etwa 10 Minuten in diesem Bade aufgehalten hat. läßt er sich mit einer weichen Bürste in langen, gleichmäßigen Zügen Rumpf und Gliedmaßen bürsten. Der Kranke hat nach dieser Prozedur ein mehrere Stunden anhal­tendes erfrischendes Gefühl.

f. Fußbäder werden am besten im Eimer genom­men, sowohl wegen der größeren Benetzungsfläche als auch weil das Waßer in ihm länger warm bleibt, als in einer Wonne. Will man eine energische Wirkung erzie­len, so ist ein Wechselbad am Platze. Die Füße werden erst in einem Eimer mit heißem Wasser erwärmt unb dann auf etwa 10 bis 20 Sekunden in einem baneben- ftehenden Eimer mit kaltem Wasser gesteckt. Dieser Was­serwechsel wird mehrmals wiederholt und zum Schluß jedes Sein kräftig trocken gerieben.

Die $rau in der Rüche.

f. Reisknödel zu Backobst. Man kocht einen steifen Reisbrei, fügt etwas Butter hinzu, sowie Salz unb Muskatblüte. Dazu gibt man auf 1 Suppenteller Reis 3—4 Eigelb und das zu Schaum geschlagene Weiße. Zwischen diese Maste gibt man so viel Semmeltrumen als nötig ist, Kloße daraus zu formen, und kocht sie in Salzwasser weich. Die Klöße halten noch bester zu­sammen, wenn man einen Kochlöffel voll Mehl zugibt.

f. Rehragout. Das minderwertige Fleisch vom Reh, wie der Hals und Rippen, ober auch die Dorderblätter, werden gut gewaschen, in Stücke zerschlagen, weich ge­kocht und mit einer säuerlichen Sauce, die gut bräunlich unb sämig sein muß unb mit Wacholderbeeren gewürzt ist, übergoßen. Man gibt Kartosfelklöße dazu.

hirschragoul. 6 Personen. 1% Stunde. Zu Ra­gout eignet sich besonders das kleine Fleisch von Hals und Blatt. Das Fleisch wird sorgsam gewaschen, von allen lappigen Teilen befreit, in hübsche Stücke geteilt, bann in einer Kasterolle mtt Wasser, etwas Essig, Salz, Wurzeln, Zwiebeln unb Gewürz aufgesetzt, gut ausge­schäumt unb langsam weich gekocht. Inzwischen dämpft man eine feingehackte Zwiebel in eigroß Butter weich, tut soviel Mehl dazu, als die Butter aufnimmt, unb läßt es bräunlich werben, rührt bann mit ber Wildbrühe, in der bas Fleisch gargekocht wurde, eine glatte sämige Soße, tut etwas braunen Zucker daran, schmeckt nach Essig, Salz und Pfeffer ab .vollendet mit 1 Teelöffel Maggi's Würze und richtet die Soße recht heiß über die Wildstücke an.

f. Gebackene Bananen. Nicht zu reife Bananen wer­den von der Schale befreit, halb durchgeschnitten, in einen guten Pfannkuchenteig getaucht und bann in hei­ßem Backfett gebräunt. Mit Zucker bestreut, reicht man eine Weinsäure dazu.

f. Weinsuppe. Leichter Rotwein wird zu einem Drit­tel mit heißem Wasser verwischt, gesüßt, mit etwas Zimt gewürzt unb mit einem Löffel Kartoffelmehl sämig ge­macht. Eiweiß wird zu steifem Schnee geschlagen, mit Zucker vermischt und in kleine Häufchen aus die Suppe gesetzt. Statt der Eiweißklößchen kann man auch Ma, fronen ober Zwieback zu der Suppe reichen

Kniffe für den Haushalt.

f Weiße Dielen. Blanke Bretterböden in Küche unb Zimmer, wie man sie oft auf dem Lande trifft, be» dürfen einer sorgfältigen Behandlung, sollen sie nicht binnen kurzem verwaschen und grau erscheinen. Schön weiß werden die Fußböden, wenn sie wöchentlich ein-, höchstens zweimal wöchentlich gerieben, mit Seife unb Soda gescheuert werden. Die Bretter werden dann stets weiß bleiben, während sie durch zu häufiges, oderfläch- liches Waschen eine graue Färbung bekommen und schmutzig wirken.

s. Lackierte Gegenstände dürfen niemals mit mar­inem Wasser gereinigt werden, weil der Lack dadurch Sprünge bekommen würde. Man reibt sie am besten mit einem weißleinenen mit Baumöl angefeuchteten Lappen ab.

f. Eierschalen und klein geschnittene rohe Kartoffeln bilden ein vorzügliches Mittel zum Reinigen von Fla­schen, in denen fettiger Inhalt war.

f. Gummischläuche, die zur Gasleitung benutzt wer­den, müßen immer von bestem Paragummi genommen werden. Am besten sind die überfponnenen. Man be­handle sie vorsichtig, damit sie nicht brüchig werden, was leicht geschieht, wenn sie mit der heißen Herdplatte in Berührung kommen.. Am besten ist es schon, man be- nützt Metallschläuche, die den Vorteil größter Haubar­keit haben.

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