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Nr. 231

Mittwoch, 6. Oktober 1926

Zahrg. 53

Die Lage in Oesterreich

Beamtenfragen.

I Budget vor. Ob die Beendigung der programma- I "schen Gesichtspunkte, zu deren Regelung das Ka- I binett berufen war, oder die Aufarbeitunq laufen- I der Detailfragen für den Kabinettswechsel maß- I gebender sein wird, steht noch in Frage, deren Be- I antwortung sich noch im Stadium der Erwägung I bei den Parteileitungen der beiden Regierungspar- I te'en befindet: die endgültige Entscheidung durch die I Parteien selbst wird wohl mit den eingangs er- I wähnten Wahlerwägungen in engem Zusammen- I bang stehen, vielleicht auch durch die Frage der Be- lesiung des Landeshauptmannspostens in Steier­mark beeinflußt werden.

Jedenfalls sind persönliche Kombinationen für die Besetzung der Ressortminister verfrüht, während die Auffassung bezüglich der Kanzlerschaft durch den eingangs erwähnten Gesichtspunkt cha­rakterisiert ist, daß Regierungsführuna und Partei- mhruna in einer Hand zusammengelaßt ist: daraus ergibt sich,jedoch weiter, daß die Neubildung einer Regierung keinen Kurswechsel der inneren Politik Oesterreichs bedeutet so daß man füglich nicht von einer Regierungskrise, sondern weit bester von einer personellen Regierunqsumwandlung sprechen kann. Im übrigen wird die Situation da­durch gekennzeichnet, daß als der wahrscheinliche Nachfolger des jetzigen Kabinetts Ramek der frü­here Bundeskanzler. Prälat Dr. Seipel in Be­tracht komme. Die Wahl seiner Persönlichkeit würde am sichersten die Fortentwicklung Oesterreichs auf der von ihm seinerzeit eingeleiteten Bahn gewähr­leisten. Ob der Kabinettswechsel in einer Woche oder erst in vier Wochen Platz greift, wird von den taktischen Gesichtspunkten beeinflußt, die mit den aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Frühjahr ver­legten Wahlen im engsten Zusammenhang stehen.

Neben diesen programmatischen Aufgaben ist es ledoch landläufig, daß jeder Regierung auch noch Detailsaufgaben obliegen, welche die Regelung so- zusagen aktenmäßiger Angelegenheiten betreffen. Als derartiges Aufarbeitungspensum des Kabinetts Ramek liegt dermalen die Regelung derZentralbank- Angelegenheit (Rückleitung der diesem Institut vor­schußweise Überlassenen Kapitalien), weiter die Er- ledigung des Diersteuergesetzes, der Beamten-Ge-

seiner Kanzlerschaft brachte außenpolitische Fragen in den Vordergrund, welche mit der Beendigung der Finanzkontrolle des Völkerbundes und der Freigabe der sogenannten Restkredite der Völker­bundsanleihe zu kennzeichnen sind. Damit sind die programmatischen, man kann fast sagen historischen Aufgaben, die dem Kabinett Ramek gesetzt waren, durchgeführt, wobei nicht zu verkennen ist, daß diese erfolgreiche Amtsführung Dr. Rameks auch im kommenden Wahlkampf in eingehender Weise den Wählern zur Ueberprüfung dargeboten werden wird.

Inkrafttreten des amerikanisch-ungarischen Freundschaftsvertrages. Der am 24. Juni 1925 oon Ungarn mit den Vereinigten Staaten von Amerika geschloffene Freundschafts-, Handels- und Konsularvertrag trat nach dem erfolgten Austausch der Ratifikationsurkunden am 4. Oktober in Kraft.

Neuer Besatzungs-Zwischenfall.

wtb. Paris, 5. Okt. (Eig. Funkm.) Die fran­zösischen Blätter berichten von einem neuen Zwi­schenfall in N e u st a d t a. d. S). Uebereinstimmenü melden die Zeitungen, daß am 4. Okt. ein deut­scher Zivilist in einem Restaurant der Fried­richstraße mit einem französischen Unteroffizier des 12. Flieger-Rgtms., namens Audigou, in einen Streit geriet, in dessen Verlauf der Deutsche den Franzosen mit einem Dolch-Stoß in die Herz­gegend schwer verletzte. Die deutsche Polizei hat sich sofort den französischen Militärbehörden zur Verfügung gestellt, um des Täters, dessen Person bekannt sei, habhaft zu werden.

Die Untersuchung der Germersheimer Bluttat.

Die Agentur Havas veröffentlicht in Bezug auf die Untersuchung des Germersheimer Zwischenfalls durch die deutschen und französischen Behörden folgende Auslassung: General Guillaumat, der Be- fehlshaber der französischen Besatzungsarmee, hat den Kriegsminister wissen lassen, daß er den Be­richterstatter des Kriegsgerichts von Landau auf­gefordert habe, in der Germersheimer Angelegen­heit als Z e u g e den deutscherseits mit der Rührung der Untersuchung beauftragten deutschen Beamten sowie die von ihm benannten Zeugen zu verneh­men. Dies sei die einziae ftorm deutsib-französi- scher Zusammenarbeit, die ins Auge gefaßt werden müsse. Der Reichskommissar habe diese Formel angenommen. Die Angelegenheit sei nunmehr eine rein gerichtliche und die Untersuchung wird alles berücksichtigen und absolut unparteiisch fein. _______

3m Reiche Mussolinis.

Vorgehen gegen Bäckereien in Italien.

AuS Rom wird gemeldet: Da die Behörden großen Wert darauf legen, daß die Herstellung des EinbeitsbroteS *tn ordentlicher Weise erfolge, und damit nicht die schlechte Qualität des Brotes die Bevölkerung veranlaßte, gegen die Regierung zu murren, wurden in zahlreich'« römischen Bäckereien Untersuchungen über die Beschaffung des Mehls und der Backart angestellt. Bisher sind 15 Bäckereiinhaber in Untersuchungshaft ge­nommen worden, weil von ihnen das herqestellte Brot gegen die hygienilchen Vorschriften verstoßen soll.

* Dankertaß deS Reichspräsidenten. Das Büro des Reichspräsidenten aib# folgenden Erlaß des Reichspräsidenten v. Hindenburg bekannt: .Auch in diesem Iabre sind mir zu meinem Geburtstage aus allen Teilen des Reiche- nnb von Deutschen auS dem Auslande zahllose Glückwünsche zuaegangen, deren Einzelbeantwortung mir leider unmöglich ist. Allen, die freundlich meiner gedacht haben, spreche ich daher auf diesem Wege meinen herzlichen Dank aus und bitte sie zugleich, mit mir weiter auszu- halten im steten Bemühen um die Befriedung und Befreiung unseres Vaterlandes."

Von einem Wiener besonderen Mitarbeiter wird uns geschrieben:

In den letzten Tagen wandte die in- und aus­ländische Oeffrntlichkeit ihr Interesse dem Thema zu, welches mit der Ueberschrift „ö st e r r e i ch i - s ch e R e g i er u n g s k r i s e" überschrieben werden kann. Beeinflußt wurden diese Erwägungen nebst einigen nebengeordneten Gesichtspunkten durch die bereits in Erscheinung tretenden Wahlvorbe- r e i t u n g e n, die es wahrscheinlich erscheinen las- sen. daß die programmäßig erst für den Herbst 1927 fälligen Nationalratswahlen bereits etwa im April vorgenommen werden. Diese Umstände las­sen es innerhalb der Majoritätsparteien wünschens­wert erscheinen, daß die mit der Parteiführung betrauten Persönlichkeiten auch zur Regierungs­führung berufen werden, um in vollkommen kon­solidierter Stärke in den Wahlgang einzutreten, dem in Oesterreich die Bedeutung zukommt, ob auch fernerhin eine bürgerliche Majorität oder s o- zialdemokratische Regierung den Bundes­staat leiten soll.

Diese Erwägungen lassen eine Regierungs- umlvandlung umso denkbarer erscheinen, als Bun­deskanzler Ramek alles das erfüllt hat, was an großen Fragen für feine Berufung maßgeblich war. Auf innerpolitischem Gebiet hat das Kabinett Ra­mek die Verfaffungs- und Verwaltungsreform sowie den Finanzausgleich zwischen Bund und Ländern durchgeführt — Fragen, die ungefähr das erste Jahr

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Bel W'ederboliinaen Rabatt Polttchechkanto ^ronffur* a. <R. 4051.

3ur britischen Reichskonferenz.

„Reuter" meldet aus London: Der süd­afrikanische Premierminister General Hertzog, der zur Teilnahme an der bevorstehenden britischen Reichskonferenz hier eingetroffen ist, erklärte, die südafrikanische Union wolle auf der Reichskonferenz nichts anderes fein als ein hilfreicher Ge­nosse bei der Förderung der Interessen der bri­tischen nationalen Gemeinschaft. Es fei nichts Re­volutionäres in feinen Absichten verborgen, nichts was nicht in vollster Uebereinftimmung mit den bereits vorhandenen Grundlagen stehe.

granfcreid} und Rußland.

lieber bestimmte Verhandlungen, die zwischen iVranfreitf) und Rußland gegenwärtig hinter den Kulissen geführt werden, liegt jetzt nachstehender interessanter Bericht vor:

In Frankreich hat eine sehr wichtige Audienz Rakowskis bei P0incare stattgefunden, in der Poincare sich höchst befriedigt über die Sowjet­regierung ausgesprochen hat, wenn es sich bestä- daß man jetzt zu einer Verständigung kommen könne über die russischen Schulden in Frankreich. Poincare hat an Rakowski den persönlichen Wunsch ausgesprochen, daß Frankreich es zu respektieren wisse, wenn seitens der Sowjetregierung in kurzer Seit die Möglichkeit geboten werde, mit Frankreich zu einem engeren Verhältnis zu kommen. Ra­kowski war sehr unter dem Eindruck dieser Unter- dandlungen, mit Poincare und scheint einer Ver­ständigung in Moskau die dringendste Empfehlung mitgegeben zu haben in feinem ausführlichen Be­acht. Die noch in Moskau sitzenden Gegner einer solchen Verständigung ließen' sofort die Meldung verbreiten, daß Rakowski demnächst von seinem Posten abberufen werde, weil er keinen fran­zösischen Kredit erlangen könne. Poincare hat da- gegen jeden Kredit in Aussicht gestellt, wenn Ruß- land mit Polen zu einem Vergleich komme auf einer Friedensbasis. Diese Aussicht scheint Mos- kau zu sondieren.

Die Uneinigkeit unter den Bolschewisten.

Die Telegraphenagentur der Sowjetunion mel­det aus Moskau:

Die Oppositionsführer Sinowjew, Trotzki, Ra- dek, Pjatakow, Smilga und Sapronow begaben sich trotz der Beschlüsse der Kommunistischen Par­tei über die Unzulässigkeit von Diskussionen über die Partei in eine Moskauer Fabrik, um dort eine Diskussion einzuleiten. Die kommunissischen Arbeiter dieser Fabrik verurteilten aber in einer Entschließung das Auftreten der Oppositionsführer. Das Moskauer Komitee fordert das Zentralkomitee auf, gegen die Mitglieder des Zentralkomitees, die die Parteibeschlüsse verletzt haben, Maßnah­me n zu treffen.

Gegen die Moskauer Opposition.

In zahlreichen Moskauer Betrieben fanden Massenversammlungen statt, in denen Resolutionen angenommen wurden, die das ratio­nelle Auftreten der Opposition mit Sinowjew und Trotzki an der Spitze verurteilen.

Der Pan-Turopa-Rongreh.

Die Mitglieder des Paneuropa-Kongreffes, der zurzeit in Wien stattfindet, wurden in Schönbrunn vorn Bundeskanzler Dr. Ramek empfanden. In seiner Begrüßungsansprache gab er dem Wunsche Ausdruck, daß dieser Abend seinen bescheidenen An­teil haben möge an den Erfolgen des Kongresses •>nb an der Verständigung der Völker dieses Erdteils.,

Lin Lehrauftrag über die Entwicklung der Friedensbewegung.

Dem „B. T." zufolge hat das preußiche Unter­richtsministerium ProfefsorSchücking einen besonderen Lehrauftrag für die geschichtliche ntwicklung der internationalen Friedensbewe­gung erteilt. _________

Südtirol.

Aus Bozen wird gemeldet: Die Generalver­sammlung des Südtiroler Bauernbundes hat nach Billigung der bisherigen Tätigkeit der Führer des Bundes beffen Verschmelzung mit dem Faschistischen Nationalverband der Land­wirte Italiens beschlossen.

Schuld tragen alle.

$n einem Artikel „Die Schuldam Kriege" schreibt die tn Prag erscheinende „Tribuna" u. 0.: Es gibt nur einen einzigen Weg: die Vergangenheit zu vergeffen, alle Erinnerungen an sie auszurotten und durch nichts mehr an sie zu erinnern. Es handelt sich nicht um irgend eine Rehabilitierung Deutsch­lands, die ein ebensolcher Irrtum wie dessen Ver­urteilung durch den Versailler Vertrag wäre, sondern nur darum, daß die Zukunft nicht auf falschem Schritt aufgebaut wird, der fchließlich doch einmal liquidiert werden müßte. Es wäre ein rühmliches Zeugnis befferer Selbsterkenntnis, wenn der Artikel des Friedensvertranes über die Kriegsschuld aestrichen werden würde. Wenn dieses noch nicht möglich ist, dann möge darüber wenigstens nicht gesprochen werden, besonders nicht in dem Augenblick, wo die französisch-deutsche Annäherung die Hoffnung gestattet, daß wenigstens via facti das verwirklicht werden wird, wo? bisher unüberwindlichen Widerstand her­vorrief, sobald eS mit seinem eigenen Namen genannt wurde. Die Schuld tragen alte. Es ist die Pflicht 'aller, die Wiederholung dieser Schuld hintanzuhalte n.

per endgültigeReichkwirtschastrrat

Dem Reichskabinett wird, wie die „Voss. Ztg." hört, der Gesetzentwurf über den enbgiüUiaen Reichswirtschaftsrat zugehen. Die jetzt vorliegende Fassung unterscheidet sich dem Blatt zufolge in we- nigen Punkten von den früheren Entwürfen des Reichswirtschaftsministeriums. Die Zahl der M i t g l i e d e r soll etwa 130 betragen. Eine we­sentliche Neuerung ist die Einsetzung einer per­manenten K 0 m m i f f i 0 n zur Vorbereitung von Enqueten. Die in der Reichsoerfassung vorge­sehene Gliederung nach Bezirkswirtschaftsräten ist in dem Gesetzentwurf nicht enthalten. Der Reichs­wirtschaftsrat soll im weiteren Umfange als bisher in die Lage versetzt werden, feine Vorschläge und Bedenken vor dem Reichstag zu vertreten. Da der Gesetzentwurf in der jetzigen Fassung als v e r f a s. sungsändernd angesehen wird, bedarf es zur Verabschiedung der Zweidrittelmehrheit der Reichstages.

was ist Wirtschaft?

Rede des Reichswirtschafksministers Dr. Lurlius in Düsseldorf.

(irfieint leckrmal wöchentlich. Wochenbe'lagew Illustrierte Bei- !nfle Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der »uldaer Acttendruckerei in Iulda. Iernsvrecher Rr S.

""onotlicher BeruaSvreiS- 1.50 Wf.

PoTen und Danzig.

Die Polnische Telegraphenagentur ist ermächtigt, die vom Pariser „Zonrnal des tinanceS' gebrachte Nachricht, als ob die polnische Remerun" bereit wäre, auf daS angeblich lancierte Projek» einer Abtretung Danzigs an Deutschland einzugehen, auf daS entschiedenste zu dementieren.

Auf der Tagung des Reichsausfchuffes für Han­tel und Industrie der Deutschen Volkspar­tei führte Reichswirtschaftsminister Dr. Eurtius unter anderem folgendes aus:

Das schwierigste Problem, dem wir in der Re­gierung gegenüberstehen, ist die Lösung des Rät­sels: Was ist denn eigentlich ffiirt- 1 ------

schäft? Es ist doch nun einmal Tatsache, daß c,.ncr Kanzlerschaft ausfüllten. Das zweite Jahr die Landwirtschaft und die übrige Wirtschaft nicht -------

nur in der Regierung organisatorisch getrennt sind, sondern auch tatsächlich in unserem Volkskörper entgengesetzteInteressen haben. Es ist sehr schwierig, sie zum Ausgleich zu bringen. Wie ist es überhaupt möglich, eine Wirtschaft geschlossen ?u führen und der Regierung Forderungen oder Tatbestände in die Hand zu geben für ihre gesetz­geberischen Arbeiten, die von einem einheitlichen Willen getragen sind? Die Gegensätze bestehen kei­neswegs nur zwischen der L a n d w i r t s ch a f t und Industrieund zwischen Unternehmertum und Arbeiterschaft, sondern auch, wenn sie die Fertig- und Rohindustrie betrachten. Auch in der Kartellfrage stehen sich die Wirtschafts­telle zwiespältig gegenüber. Es ist außerordentlich schwierig, wirklich Politik zu treiben, die der Wirt­schaft die nötige Freiheit beläßt. Ich denke nicht daran, ohne Fühlungnahme mit den maßgebenden Führern der Truste und Kartelle ein Kartellgesetz vorzulegen. Eine Auseinandersetzung über bie । - ----------c

Frage des Zusammenarbeitens wird stattfinden I balts-Reform, vielleicht auch noch das kommende müssen. Cs wird möglich sein, mehr und mehr "

einen Ausgleich zwilchen Staat und Wirtschaft und in der Wirtschaft selbst herbeizuführen. (Leb­hafter Beifall.)

von der Reichsbahn.

Derkehrsverhältnisft und Geschäftsergrbnisse im zweiten Vierteljahre 1926.

Der Reichsverkehrsminister hat dem Reichstag einen Bericht über die Betriebsverhöltnisse, Verkehrsleistungen und Geschäftsergebnisse der Deutschen Reichs- bahn im zweiten Kalendervierteljahr 1926 übersandt. Heber die Betriebsergebnisse wird mitgeteilt: Gegen­über der Gesamteinnahme des zweiten Vierteljahres 1925 mit 1 136 239 000 Reichsmark bleibt die des glei- chen Zeitraumes des Jahres 1926 mit 1 085 957 000 Rm. um 50 322 000 Rm. zurück, d. h. 1926 brachte gegen 1925 eine Einbuße von 4.4 v. H. im Vergleich zum ersten Vierteljahr 1926, in dem die Einbuße gegen 1925 noch 12.3 v. H. betrug. Das zweite Vierteljahr 1926 bedeutet mit seiner Einbuße von 4.4 v. H. gegen« über 1925 eine erhebliche Besserung. Die monatlichen Zahlungen für den Dienst der Reparationsschuldverschrei­bungen wurden rechtzeitig gemäß der Vereinbarung ge­leistet. Die Ausgaben für den Dienst der Reparations- schuldverschreibungen beliefen sich für April-Juni 1926 aus 150 013 000 Rm., für die Zeit von Januar bis Juni 1926 auf 299 860 000 Rm.

Dem Reichstag ist der Gesetzentwurf über ein Ab. kommen betreffend den gegenseitigen Eisenbahnver- kehr zwischen Deutschland einerseits, Polen und der Freien Stadl Daqzjg audere^eits iugesangen.

^wirtschaftliche Kampfbewegungen.

= Der englische Bergarbeiterstreik. „Daily Herald" und „Morning Poft" zufolge beträgt die Zahl der in den englischen Schächten wieder eingestellte Ar­beiter jetzt 210 000.

= Der. Hamb- rger Haf-na-beit-rstreik. (Eig. Funkm.) Die am Montag vorgenommene Abstimmung der Hafen- arbelter, die, wie gemeldet, die erforderliche Dreiviertel­mehrheit für die Weiterführung des Streiks nicht er­geben hat, hat bis jetzt zu einer wesentlichen Wieder­aufnahme der Arbeit nicht geführt. Die Streikleitung erkennt die Abstimmung nicht an und fordert zu einer "eure”. Urabstimmung auf, Die Dienstag vormittag in verschiedenen Lokalen stattsinden soll.

I — Jur Einigung der Beamlenverbände. Don beson- I derer Seite wird uns noch zu dieser Frage geschrieben: I Die Einigungsverhandlungen zwischen dem „Deutschen I Gewerkschaftsbund" und dem „Gesamtverband der I Staatsbeamten", der dem „Deutschen Gewerkschafts- I bund" (christlich-national) angehört, haben, soweit die I Überführung in Frage kommt, zu dem Ergebnis geführt, I daß die beiden Verbände bereits auf kommenden Frei- I tag, den 8. Oktober, Hauptversammlung zur Beschlußfas- I sung nach Berlin einberufen haben. Die erforderlichen I Vertragsentwürfe sind von den beiden Vorftandschaften I bereits beschlossen und genehmigt worden. Der Entschluß I wird mit den Gefahren begründet, die dem öffentlich- I rechtlichen Beamtenverhältnis drohen. Diese Gründe I dürsten jedoch, nachdem beide Organisationen grundsätzlich I auf dem Boden des Berufsbeamtentums stehen, für ein I solches Zusammengehen allein nicht entscheidend gewesen I sein. Die Mitglieder der einzelnen Verbände dieser I Spitzenorganisationen erheben jedoch gegeng die über. I eilten Maßnahmen ihrer Führung starken Widerspruch. I Dor allem will der „Bund der Polizeibeamten" und der I .Zentralgewerkschaftsbund der Reichsbeamten und deren I Anwärter" die Verschmelzung mit der christlichen Beam- tenorganfation nicht mitmachen. Ebenso bestehen auch im Lager der christlich-nationalen Cisenbahneroerbände erhebliche Bedenken gegen einen bedingungslosen An- lchluß an den Deutschen Beamtenbund. Innerhalb der christlich-nationalen Verbände befrembte vor allem die Loslösung der dritten Säule im deutschen Gewerkschafts- I 1 bunt). Derselbe erfährt dadurch eine nicht unerhebliche I Schwächung, welche in der Zeit der dringlich notwendi- I gen Sammlung der positiv eingestellten Kräfte umso I mehr zu bedauern ist. Cs ist somit nicht ausgeschlossen, I baß sich noch in letzter Stunde auf beiden Seiten Wider- I stände ergebne werden, welche die beabsichtigte Derschmel- I »ung in Frage stellen. — Der Deutsche Beam- I len bund teil im Gegensatz zu obiger Auffassung fol- I geneds mit: Die angekündigten offiziellen Verhandlun- I gen zwischen dem Deutschen Beamtenbund und dem Ge. I samtverband deutscher Beamtengewerkschaften haben am I Montag, den 4. Oktober, stattgefunden. Sie führten zu I einer 0ölligen Ueberein ft immun g. Die Zu- ! fttmmung der beiderseitigen obersten Gewerkschastsor- I gane, Bundestag und Kongreß des Beamtenbundes und I Kongreß des Gefamtverbandes, die beide zum 7. Okto- I ber einberufen worden sind, dürfte nach diesem Ergeb- I füdjt mehr zweifelhaft fein. Damit werden sich I

1 1000 000 Beamte in dem parteipolitisch neutralen I neuen Bund vereinigen. J

Ter älteste Sohn des ehemakiaen Kronprinzen wll Blättermeldungen zufolge auf Einladung eines Regimentskommandeurs der Reichswehr an den Manövern bei Mergentheim teilgenommen haben. Nach einer anderen Meldung soll er sogar in da« Reichswehrregiment 8 eingestellt fein. Da« Reichs- Wehrministerium, dem darüber nichts bekannt ist bat eine Untersuchung eingeleitet. — Die körn', vl unistische Fraktion hat im Preußischen Land- tag einen Antrag eingebracht, daS Ssaatsministeiium zu ersuchen: 1. Die Mitglieder deS Hauses Hohen- Söllern werden sofort deS Landes verwiesen. Zealiche materielle Zuwendung fällt fort. 2. Fhr 'öefifc verfällt zugunsten der Erwerbslosen, Sozial- kentner und Kriegsrentner dem Staate.

Selbstmord eines Univerfitötsrebtors

Montag abend erschoß sich in seinem Labora- «Ä der Jenaer Universität,

unt» \der Chemie, Dr. Gutbier aus bisher unbekannter Ursache. 4

cn9lifrfier Dampfer mit Alkoholladunq ÄÄ’ amerikanische Küstenwache einp„9?etoc*^erfel) beschlagnahmte am 2. Oktober 2000 e n bnfllischen Fifchdampfer, auf dem sich in bern 9ren Ul't alkoholischen Getränken befanden, von N-w^"bl'ck wo die Ladung in der Bucht beim gelaicht wurde. Die Besatzung floh I

E bn?ex der Küstenwache. Der Dampfer soll Kisten aelandet hL"^" ^nwache 1000 KgentÄnt oegeti den Bubikopf. Die Erlaß bet ra^actf'c meIbet aus Peking, ein chinesischen c>°uverneurs von Tschili verbiete den I Androhung 'nnnUfA und Tientsin unter

9 von Strafe, ihre Haare'abzuschneiden. 1