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FuldaerZeriung
Anzeiger für die Skadf und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.
fir. 230
Zatzrg. 53.
Dienstag, 5. Oktober 1926
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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilanew Illustrierte Beilage" und BuchenblLtter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei ht Fulda. Fernsvrecher Nr S- Monatlicher BernaSNreiS- 1.50 Mk.
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Der paneuropälsche Kongreß.
In Wien wurde vom Grafen Coudenhoven der efnbenifene erste paneurvpäische Kongreß durch eine Rede des früheren Bundeskanzlers Seipel als Vorsitzenden eröffnet. Einleitend wies er daraufhin, daß sich heute die Vertreter aller rnropSkschen Nationen eingefunden haben, um bei voller Wahrung ihrer Kultur und Geschichte an dem Ge- danken eines geeinten Europas zu arbeiten. Seipel erläuterte die schwierigen Probleme, die der Kongreß zu lösen habe und sprach von der Sehnsucht aller Menschen nach wirklichem und dauerhaftem Frieden, einer Sehnsucht, die nicht durch Worte, sondern durch die Mitarbeit aller Euwpäer und insbesondere durch der Religionsgemeinschaften und des Völkerbundes, der gerade in diesen Tagen durch den Eintritt Deutschlands auf das Wertvollste vervollständigt worden sei, und durch die Mitarbeit der führenden Männer deS jv- zialen und wirtschaftlichen Lebens erfüllt werden müsse.
Bundeskanzler Ramek hieß namenS der österreichischen Regierung den Kongreß willkommen, dessen Wege und Ziele in Oesterreich vollstes Verständnis fänden. Der Bundeskanzler erinnerte an die schweren Leiden nach dem Kriege, die bei den Völkem die Erkenntnis geweckt hätten, daß neue Wege gesucht werden müßten, um eine Wiederkehr solcher Katastrophen zu vermeiden.
Der ungarische Delegierte v. LukacS wies auf die fehlerhafte Konstruktion des Völkerbundes hin und betonte, der Kernpunkt aller euro« päischen Friedensprobleme liege in der besonderen Entwicklung der französisch-deutschen Beziehungen. Der Redner sprach dann eindringlich von der Ungerechtigkeit des Friedensvertraoes von Trianon, der ein ganzes Drittel der ungarischen Rasse unter Fremdherrschaft gestellt habe und wünschte, daß die paneurvpäische Union in besserer Organisation die von Ungarn aufgestellten zwei Probleme, allgemeine Abrüstung und wirksamer Miiwritätenschutz, löse, und für eine unparteiische Revision der unhaltbar gewordene Friedensverträge die nötige günstige Stimmung schaffe.
Don den weiteren Rednern, die sich alle für die paneurvpäische Idee einsetzten, überbrachte oer französische Vertreter Belasse die GrüßePam- lev6, Caillaur und Herriots und erklärte, das ganze ftanzöslsche Volk sei von tiefer Friedens- schnsucht erfüllt. Es erkenne, daß die wirtschaft- liche Krise nur durch die Verwirklichung von Pan- Euwpa behoben werden könne. Der Engländer Watte bemerkte, England verfolge die paneuropäische Idee mit dem größten Interesse, die sich am stärksten in Oesterreich zeige. Die Delegierten Schwedens, Norwegens, Hollands, Danzigs und Dänemarks überbrachten die Grüße chrer Länder. Rußland hatte offiziell die Beteiligung an dem Kongreß abgelehnt, jedoch sprach, ohne in der Rednerliste genannt zu sein, der ehemalige Ministerpräsi- deut Kerenski und erwähnte, daß Rußland schon > 1917 den Gedanken des neuen und friedlichen Euw- ,pas gefaßt habe. Der amerikanische Delegierte Allan erklärte, daß die wirtschaftliche Absperrung der Euwpäer den Amerikanern unverständlich fei. Die Welle der Schutzzollpolitik führe zu einer Kris« der Pwduktion und des internationalen Handels. Die wirtschaftliche Einheit Euwpas müsse Schritt für Schritt kommen. In seinem Schlußwort sagte Graf Coudenhoven, Paneuwpa sei eine Frie- denserklärung an alle Leute, die guten Willens seien. Jedoch müsse es erst in dm Teil- nehmern an diesem und an späteren Kongressen selbst lebendig werden, ehe es in der Welt zum Leben erwachen könne.
Die Lage In Polen.
Aus Warschau wird gemeldet: Die rechtsstehende Presse nimmt die Bildung des Kabinetts Pilfudski mit Ruhe auf, ja sie verbirgt ihre Befriedigung nicht darüber, daß der Marschall als Urheber des Maiputfches nun endlich die Verantwortlichkeit für die Vorgänge im Staate übernimmt. Die Zusammensetzung der Regierung begegnet aber da und dort der Kritik, indem hervorgehoben wird, daß im neuen Kabinett neben Sozialisten auch W i l - na-Monarchlsten sitzen werden. Was die Person des neuen Finanzministers Czechowicz an- betrifft, so lenkt das national-demokratische Blatt die Aufmerksamkeit darauf, daß er der Verfasser der Broschüre über die Notwendigkeit der Einführung der Z u s a tz w ä b r u ng in Polen, oder mit einem Wort gesagt: Anhänger der Jnfla- t i o n sei. Das sozialdemokratische Organ unterstreicht, daß der Eintritt Moraczewskis in das Kabinett für die sozialdemokratische Partei Polens nicht die geringste Bindung bedeute, die ihre Stellung zur Regierung von ihren Taten abhängig machen werden. Voller Begeisterung ist das Blatt der engeren Pilsudski-Anhänger, „Glos Prawdy", welches schreibt, daß nun der „Kommandant die Leitung übernommen habe, der gewohnt sei, in den Kämpfen, die er führe, auch zu siegen". Für die Stimmung in weiteren Offizierskreisen ist es be,zeichnend, daß mehrere hundert Offiziere der Warschauer Garnison vor dem Landtagsgebäude Mar- schall Pilfudski, der sich dorthin zu einer Konferenz beim Sejmmarschall Rataz begeben hatte, stürmische Ovationen darbrachten.
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Die Session des polnischen Landtags ist das erstemal in der Geschichte Polens auf Grund der ueugeänderten Verfassung vom Staatsprösi- d e n te n durch Dekret geschlossen worden. Der Landtag muß aber verfassungsmäßig noch im Ob tober zu einer ordentlichen Budgetsession zusam- •tentreten.
Die Tagung der Deutschen Volkspartei.
Stresemann gegen die „Aristokratie des Viceps".
_ Auf der Tagung der Deutschen Dolkspartei in Köln hat vor allem Dr. Stresemann bemerkenswerte Ausführungen gemacht. Zur Innenpolitik führte er u. a. aus:
Unser Kampf muß sich richten gegen den Klassenkampfcharakter als solchen, ob er auf der einen oder anderen Seite auftritt. (Erneuter Beifall.) Wenn die S o zi a ld em o k ra ti e in den einzelnen Ländern oder im Reich oder in ihrer Gesamteinstellung zurückfällt in den Gedanken des Klassenkampfes, der Erringung der alleinigen Macht für das Proletariat, dann gilt ihr unser entschiedenster und grundsätzlichster Kampf, den wir nur führen können. Es ist? selbstverständlich, daß für uns, die wir nicht Marxisten sind, und uns dagegen auch gar nicht zu verteidigen brauchen, daß wir dem Marxismus näherstehen, nur der eine Gedanke gilt, der des Nähertretens aller bürgerlichen Parteien zueinander. Aber dazu gehört das zweite: Die Bereitschaft dieses sich verständigenden Bürgertums auch zu jeder Verständigung mit j e d em, der gewillt ist, den Klassenhaßcharak- ter aufzugeben, rechts oder links, und sich die Hand zu reichen zu gemeinsamer Arbeit. Das ist die Grundauffassung unserer Partei und ich warne davor, daß wir irgendwie von dieser Grundauffassung zurückweichen. Die Liebe zum alten Deutschland wird uns stets in Gegnerschaft finden gegen jeden, der so klein im Herzen und so oer- ledert im Gemüt ist, daß er nicht empfindet, welche Kraftquellen der deutschen Seele der Gedanke der großen deutschen Vergangenheit ist. (Beifall). Aber das neue Deutschland, für das wir leben, zwingt uns auch hier, den Kampf aufzunehmen gegen diejenigen, die ich mit demselben Ausdruck, den ich bei der Außenpolitik gebraucht habe, die ewig Gestrigen auch im neuen Deutschland nennen möchte. Wenn wir ein neues Deutschland heute aufbauen, die Einseitigkeit, die es einstmals gab, 3U Zeiten, zu denen schon die Ernennung eines Nationalliberalen zum preußischen Landrat als große Konzession an das Bürgertum gewertet wurde, wünschen wir nicht wiederkehren zu sehen. Wir wollen und bekennen uns zu der Heber- windun g jeder Gesellschaftsunterfchlede" die viel mehr zur Stärkung der Sozialdemokratie beigetragen haben, als das Erfurter Programm. Ich möchte nur noch folgendes sagen: Wäre es nicht wünschenswert, daß wir uns im Kampfe der Parteien, im Kampfe der einzelnen Schichten des deutschen Volkes, mehr zur Objektivität durch- ringen könnten? Mag jemand im heftigsten Par- teikampf zu den Führern der Deutschnationalen Partei stehen, etwa auf der Linken, daß diese Partei eine Persönlichkeit wie Dr. Helfferich, einen der hervorragendsten begabtesten Deutschen dem Deutschen Reiche zur Verfügung gestellt hat, unterliegt für jeden, der ihn gekannt, keinem Zweifel. Aber sehen sie auf deranderen Seite: Wäre es nicht an der Zeit, daß man über die Grenzen der Parteien hinaus erkennt, was ein Mann wie der erste Reichspräsident Friedrich Ebert, für das deutsche Volk gewesen ist, der Mann, der die schwere Aufgabe gehabt hat, in der schlimmsten Zeit der Erniedrigung dazustehen, wo er stand, und der gleichzeitig mit einer Objektivität ohnegleichen und mit einer Vaterlandsliebe, die nie geschwankt hat, an dieser Stelle feines Amtes gewaltet hat. (Zustimmung.)
Stresemann erklärte weiter: Mir scheint es notwendig, auch auf die Gefahr hin, weiten Massen zu mißfallen, einmal ein Wort davon zu sagen, daß das Geistige gegenüber dem Körperlichen nicht weiter zurücktreten darf, wie
Die Düsseldorfer Tagung des Vereins wirtschaftlicher Interessen im Rheinland und Westfalen wurde durch die Aussprache, die dort über die Frage der internationalen Arbeitsgemeinschaft geführt wurde, zu einer nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch bedeutsamen Veranlassung. Die Aussprache erhielt ihre Note durch eine erneute Rede des Industriellen Siloerberg, der von seinen früheren, von einem namentlich deutschnational orientierter Persönlichkeiten kritisierten Aeußerun- gen nicht das geringste zurücknahm, sondern seiner Forderung einer Verständigung der Unternehmerschaft mit der Arbeiterschaft auch nach der politischen Seite hin vollkommen aufrecht erhielt. Es war bemerkenswert, daß übrigens der Führer der Opposition, Generaldirektor Reusch, vollkommen den «Alverberg'schen Satz übernahm, daß nicht gegen und nicht ohne die Arbeiterschaft regiert werden solle. Das aber bedeutet im Effekt eine glatte Absage an den Grafen Westarp, der beim letzten deutschnationalen Parteitag gerade eine gründ- sätzliche Ausschließung der Arbeiterschaft, soweit sie sich in der sozialdemokratischen Partei sammelt, forderte.
Das eigentliche charakteristische Merkmal erhielt diese Tagung durch das Referat des Abgeordneten Lammers über Weltwirtschaftskonferenz und die internationale wie nationale Verständigung und Arbeitsgemeinschaft. Lammers schloß sich den Sil- verberg'schen Darlegungen vollkommen an und betonte die Notwendigkeit der Verständigung der deutschen Unternehmer mit den Arbeitnehmern. Sammers trat für eine klare und offene Arbeitsgemeinschaft ein: Im besonderen betonte er, daß er die Zusage der deutschen Ar
es jetzt der Fall ist. (Großer Beifall.) Wir sind Freunde jeder körperlichen Ertüchtigung, aber wie es bereits auf dem Katholikentag gesagt wurde, kann nicht die Aristokratie des Geistes durch die Aristokratie des Bizeps ersetzt werden.
Und nun ein Wort zum Schluß: Wir werden in Bälde das 60jährige Bestehen der Natio - nalliberalen Partei begehen, das heißt unserer Partei, denn es ist nicht richtig, daß jemals die Deutsche Dolkspartei begründet worden ist. Auf ihrer letzten Zentralvorftandsfitzung hat die Nationalliberale Partei beschlossen, unter dem Namen „Deutsche Volkspartei" fortzubestehen. Ihre Söhne und Enkel sind wir und an das, was groß in ihr war, werden wir ebenso mit Freude und Genugtuung zurückdenken wie an das, was groß und mächtig war im alten Deutschland. Ich hoffe, daß in den Tagen des 60jährigen Bestehens auch der Grundstein des Denkmals gelegt werden wird für den Mann, der einer der Deutschesten und einer oer Freiesten, einer der Nationalsten und der Li» bereiten gewesen ist, für unfern Freund Ernst Basser mann in Mannheim. Man hat davon gesprochen, den Namen unserer Partei zu ändern. Wie wir heißen, darauf kommt es nicht an. Wir sind und bleiben national und liberal, und nur die Leute, die so denken und fühlen, werden dies besonders fiihlen in unserer Deutschen Dolkspartei. (Beifall.) Durch unsere Partei geht wie durch das Herz jedes Deutschen der Schnitt, die Trennung von dem alten Geliebten zu dem Neuen, in das wir hineingewachsen sind. Alles in unserem Leben ist ja doch nur Etappe zum Vorwärtsschreiten. Und so lassen Sie uns hoffen, daß das deutsche Volk die Zukunft sieht mit dem Gedanken an die Weltgeschichte: Ich lasse dich nicht, du segnetest mich denn! (Stürmischer nicht endenwollender Beifall.)
Die Parteitagsmitglieder erheben sich von ihren Plätzen und bringen dem Parteiführer starke, lang anhaltende Ovationen dar.
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Strefemanns Feststellung, daß die Deutsche Dolkspartei mit der früheren Nationalliberalen Partei identisch ist, verdient besondere B e a ch t un g.
(Eine (Entschließung.
Auf dem Parteitag der Deutschen Volkspartei wurde einsttmmig folgende Entschließung angenommen:
„Der in Köln versammelte Parteitag der Deutschen Dolkspartei grüßt in engster Verbundenheit die deutschen Brüder am Rhein in Hessen, in der Pfalz und an der Saar und dankt ihnen für alle Standhastigkeit und Treue. Er weiß sich eins mit allen Deutschen des noch immer besetzten Gebietes in dem Willen, die nach dem Eintritt des Deutschen Reiches in den Völkerbund mit dem Geist wahrer Gleichberechtigung und des Friedens unter den Völkern unerträgliche Last der Besatzung fremder Verwaltung baldigst zu beenden. Deshalb dankt der Parteitag einmütig dem Führer der Partei, dem Außenminister des Reiches, Dr. Stresemann, für seine kluge und von tiefem vaterländischem Gefühl geleitete Politik, die großzügig und weitblickend dem Ziel, der Freiheit und Stärkung des Reiches, zustrebt. Er dankt zugleich der Reichstagsfraktion für ihre geschlossene vertrauensvolle Arbeit an der Wiederaufrichtung der inneren Ordnung und des Wirtschaftslebens des Reiches
Der Parteitag stellt mit Genugtuung die völlige E i n- mütigkeit der Deutschen Volkspartei fest. Die folgerichtige, stetige Politik der Partei und ihres Führers hat sich als richtig und dem Vaterland förderlich erwie- sen. Die Deutsche Volkspartei wird diesen Weg einig und im Vertrauen zu ihrem Führer weiter gehen und alle, die hierbei aus anderen politischen Lagern Hilfe leisten wollen, sind ihr zur Mitarbeit willkommen.
betterorganifation zur Verständigung bekommen habe und diese Zusage sei auch bisher gehalten worden. Gerade in Rücksicht auf die Wirtschaftspolitik müsse man eine politische Koalition als reine Zweckmäßigkeitsfrage beurteilen und davon ausgehen, was die nächsten Jahre an wirtschaftspolitischen Problemen zu lösen hätten. Trotz aller Enttäuschungen, die nicht ausbleiben werden, brauchen wir eine große Arbeits-Koalition zwischen Unternehmerschaft und Arbeiterschaft, der wir ehrlich zustreben müssen.
Seine Ausführungen erzielten einen ganz außerordentlichen Eindruck. Der Beifall, den Sammers fand, war laut und ehrlich, und es gab sich in ihm kund, daß auch feinen sachlichen Ausführungen stärkste Zufttmmung gespendet wurde. Die Diskussion ist nunmehr in eine breite Dahn geleitet und man wird der Entscheidung, die am 17. Oktober in der Präsidialsitzung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie erfolgen soll, mit größtem Interesse entgegensetzen müssen. Es ist schon un- gemein viel erreicht, daß überhaupt nach so manchen Erfahrungen der letzten Jahre eine derartige Aussprache in Gang kommen konnte, und daß von führender Unternehmerseite die Notwendig- kett einer engeren, nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch politischen Zusammenarbeit zwischen Un- ternehmerschaft und Arbeiterschaft betont wird. Wir verzeichnen es mit besonderer Freude und Genugtuung, daß eine dem Zentrum und der Zen- trumsfrattieu des Reichstags angehörender Wirt- fchaftsführer Träger und Verteidiger dieses neuen Geistes ist und sich auch durch die Tat für die Verwirklichung dieses Geistes einsetzt.
Chamberlain bei Vriand.
Der englische Außenminister Austen Efjamber- Iain hat in Paris geweilt und sich mit dem franko» fischen Minister des Auswärtigen, Briand, unter- halten. Nach Beendigung der Unterredung ist feigenes Kommunique veröffentlicht worden:
„Die beiden Außenminister hatten eine Unterredung, in deren Verlauf sie die Gemeinsamkeit ihrer Ansichten und die Gemeinsamkeit der Hand- lungen für die Lösung der augenblicklich gestellten internationalen Probleme festgestellt und festgelegt haben. Sir Austen Chamberlain, der in Genf über die Ansichten feines französiftschen Kollegen sich mit dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann zu besprechen, unterrichtet worden ist, hatte die Schweiz vor der Zusammenkunft in Thoiry verlassen müssen. Bevor Chamberlain nach London zurückkehrt und wiederum Fühlung mit dem Foreign Office nehmen wird, wollte er sich in Paris aufhalten, um sich mit dem französischen Außenminister zu besprechen Die beider Außenminister haben die auswärtige Lage und insbesondere die de utsch.fr anzösischen Be- Ziehungen geprüft, deren Orientierung durch die Abkommen von Locarno und die Unterredung von Thoiry näher präzisiert werde. Die Unterredung hat sich in einer günstigen Atmosphäre voll- gegen, die die persönlichen Beziehungen der beiden Minister sicherstellt. Sie haben feststellen können, daß ihre Zusammenarbeit im Dienste des Friedens herzlicher und vertrauensvoller denn je bleibt.
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Außenminister Briand empfing im Anschluß an seine Besprechung mit dem englischen Außenminister Chamberlaui die Pressevertreter, denen er folgende Erklärung abgab:
Die Besprechungen, die Chamberlain mit M u s- f o I i n t und mit mir gehabt hat, können nur zur Aufrechterhaltung und Konsolidierung des Friedens beitragen. Die beiden Staatsmänner haben sich übrigens nur über Fragen unterhalten, die ganz besonders Großbritannien und Italien interessieren, aber etwas außerhalb des Blickfeldes der allgemeinen Politik stehen. Ich bin ein großer Anhänger der direkten Besprechungen zwischen Staatsmännern. Diejenige von Livorno kann nur die Sache des Frie- dens festigen. Was die ftanzösisch-englische Po- litik betrifft, fn bestätige ich, daß wir vollkommen einer Meinung in sämtlichen Punkten gewesen sind, um unsere Aktion mit den andern in Einklang zu bringen Chamberlain war sowohl über den Plan der deutsch-franzÖsischen Annäherung wie über die Bedingungen, unter denen diese An- näherung durchgeführt werden kann, im Bilde, unsere Besprechungen mit Berlin werden zweifellos bald wieder auf genommen werden. Augenblicklich ist das vor allen Dingen eine Angelegenheit der Sachverständigen. Ich habe noch nicht mit Chamberlain über gewisse Einzelheiten gesprochen', aber unsere Abmachungen mit Deutschland können nur durchgeführt werden im engen Kontakt mit den interessierten Ländern. Wir sind nicht allein. Die kontrahierenden Parteien können, wenn sie darauf verzichten, sicb gegeneinander zu stellen, gemeinsam die Lösungen für die Probleme finden, die sie interessieren und die sie bisweilen auch trennen. Die bereits erzielte Verständigung geht darauf hinaus, mehr ober weniger Reibungspunkte »er- schwindenzu lassen. Die Politik, die Chamberlain und ich selbst eingeleitet haben, ist gegen niemanden gerichtet, da wir ja beabsichtigen, die -e> ziehungen zwischen sämtlichen Mächten enger zu knüpfen und so tue Konfliktsursachen auf ihr Mm- destmaß zu brschränken. Mit I t a t i c n zum Beispiel nninschen wir die engste und freundschaftlichste Zusammenarbeit, die nur möglich ist. So muß Locarno und io müssen die Verträge, die Locarno begleitet haben und ihm gefolgt sind, Europa mit einem weiten Friedensnetz umspannen- Um nur ein Beispiel zu zitieren: Die Tan ger frage wird einfach, wenn man sie im Rahmen der früheren bereits abgeschlossenen Verträge behandelt. Es kommt darauf an, sich auf diesem Wege durch keine Hindernisse aufhalten zu lassen, denen jedes Unternehmen dieser Art begegnet. Ich denke an Öen Zwischenfall von Germersheim. Sind sie nicht rein örtliche Zwischenfalle, an denen erregte Nationalisten nicht unbeteiligt sind. Man darf nicht vergessen, daß sie a m A u s g a n g einesWirtshausessich ereignet haben, und daß sie eine Bedeutung angenommen haben, weil sie in einem gewissermaßen symbolischen Lande stattfanden. Unsere Regierungen müssen sich be- mühen, die Wiederkehr derartiger Zwischenfalle un- möglich zu machen, indem sie die notwendigen ^or- kehrungsmaßnahmen treffen. Ich kann versichern: das tun sie. *
Auch Austen Chamberlain hat sich nach seiner Ankunft in London zu den Pressevertreterr. über die Lage geäußert. Chamberlain erklärte in halb scherzendem Tone, er brauche nicht juJagen, daß keinerlei neue Abkommen geschlossen ober ins Auge gefaßt worden seien. Er sei fetzt in der glücklichen Lage, nicht nur offiziell mit den Ministern des Aeußern von Italien und Frankreich im besten Verhältnis zu stehen, sondern auch mit ihnen Beziehungen persönlicher Freundschaft ange- knüpft zu haben. Seit Locarno glaube er sagen zu können, daß er auch in einem nahen Freundschaftsverhältnis zu Dr. Stresemann stehe, fcetne Auffassung fei, daß diese Zusammenkünfte der Sache des Friedens bienen würden. Nach näheren E i n. zelheiten über seine Unterredung mit Mussolini befragt, sagte Chamberlain, man habe den entschlossenen Willen bekundet, die Locarno-Po»
Lammers für die Arbeitsgemeinschaft.