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Arneiaer für die Sfabf und den Areis ^ulda. Amflicbes Kreisblafk.

Nr. 229.

$ti<6eittt (erf)5ma' wöckientUcb- Wocbenbellasen- Illustriert? Sei* laac“ und Buchenbliitter" Rotationsdruck und Verlag der Sulboer Aettendruckerei In lllulda- IernlvreLer Rr 9.

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Sonntag, 3. Oktober 1926,

nreiaen» Prell«! Kleinteile «Colonel» oka! o.lb ReichSmar auswärts 0.20 Reichsmark. Rekiameieile- 'okal 0.6« ReichSmarl auswärts 0.80 Reichsmark.

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3ahrg. 53.

Die Räumung.

wtb. Paris, 2. Okt. (Gig. Funkm.) In einem Arttkel des Außenpvlitikers des „Mattn" Heißt es, daß der medr oder weniger vollkommene Ver­zicht auf die Rheinlandsbefetzung und auf die Ausbeutung des Saargebiets gegen die mehr oder weniger äusaedehnte Mobilisierung von Eiscnbahnobligationen vielleicht nicht gerechtfertigt sei. Wenn man den Vergleich ziehe zwischen Opfer und Leistung, sei es schwierig, eine Amderung der französischen Politik zu rechtfer­tigen. Deshalb müsse man den Mut haben, auf folgendes hinzuweisen: 1. Die französisch-englische Entente hat nicht die günstigen Ergebnisse gehabt, die man erwartete. Zwei Mächte zeigten sich un­fähig, ihre Ansichten miteinander in Einklang zu bringen. Daraus ergibt sich eine große Beun­ruhigung für alle Nationen, für die diese Ver­ständigung die einzige Richtlinie ihrer eigenen Poli­tik war. 2. Inzwischen ist Deutschland als Schuld­ner Gegenstand der allgemeinen Fürsorge geworden und hat sich wirtschaftlich und finanziell wieder erholt. Nichts kann verhindern, daß es eine Rolle an der Seite Frankreichs und Englands spielt. 3. Die Politik in mlm Teilen Europas, eine ständige Wache gegen Deutschland zu errichten, ist heute nicht mehr möglich, um so weniger als Frankreich finanziell geschwächt, Italien und Rußland beunruhigt sind. 4. Die wirtscha ft- liche Annäherung zwischen den beiden Län­dern, die der Natur der Dinge entspricht, hat be­gonnen und wird wahrscheinlich ausgezeichnete Er­gebnisse haben. 5. Es ist nur möglich, das Prob­lem der internationalen Schulden in Ge­meinschaft mit dem Problem der Reparationen, d. h. durch eine gemeinsame Aktion von Frankreich und Deutschland zu regeln.

Das sind nach Ansicht des Außenpolitikers des „Matin" genügend Gründe für einen Staatsmann, die Annäherung und die vorzeitige Räumung, die die Folge davon sei, zu rechtfertigen.

Räumung von Engers am Rhein.

wtb. Mainz, 2. Okt. (Gig. Funkm.) Wie berichtet wird, haben die Besatzungstruppen von Engers am Rhein in Stärke von einem Bataillon den Ort ge­räumt, was für die kleine Stadt wesentliche Er­leichterung bedeutet. ■; L %

poinearö und Vriand.

wtb Paris, 2. Okt. (Eig. Funkm.). „Echo de Paris" zufolge haben Poincarä und Briand gestern abend ihre Eindrücke über die deutsch- französischen Beziehungen nach Gen ; und Thoiry miteinander ausgetauscht. Das Blatt sagt nicht, ob dies bei einer besonderen Un­terredung geschehen sei oder etwa im Laufe des Ministerrates.

Germersheim.

Wie das Wolffbüro von gut unterrichteter Seite erfährt, sand in Landau eine Konfrontation zwischen dem französischen Reserve-Unterleutnant Rouzier und dem bei dem bekannten Zwischen­fall vom Sonntag nacht durch einen Schuß ver­letzten Holzmann statt. Nach der Konfrontation wurde Holzmann von der französischen Behörde für verhaftet erklärt unter der Begründung, daß (1 Rouzier geschlagen habe.

wtb. Germersheim, 2. Okt. (Gig. Funkm.). Ge­stern abend wurden in Landau außer Holzmann noch zwei weitere Germersheimer Einwoh- ner von den Franzosen verhaftet.

Chinas Selbftänötgfteitsörang.

wtb. Pari», 2. Okt. (Eig. Funkm.) Havas be­richtet aus Shanghai, obwohl die russisch- asiatische Bank praktisch unter der Kontrolle Frankreichs steht, beabsichtigt die chinesische Regierung, sich der Ernennung eines französischen oder englischen Liquidators zu widersetzen. Sie hat bereits einen Chinesen ernannt, dem ein Franzose zur Seite stehen soll.

* Die Rede des Industriekapitäns Dr. Silver- berg steht immer noch im Mittelpunkt politischen Interesses. Auf der Hauptversammlung des Ver­eins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaft­lichen Interessen im Rheinland und Westfalen, die in Düsseldorf stattfand, kam der Vorsitzende, Kom­merzienrat Dr. Paul R e u s ch»Oberhausen, kurz auf die Dresdener Tagung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie zu sprechen. Den hier von Dr. Silverberg über „das deutsche Unternehmer­tum in der Nachkriegszeit" entwickelten Ausführun­gen, erklärte der Redner, könne man in der Haupt­sache vollundganzzustimmen. Gr stimme Silverberg ferner darin zu, daß nicht gegen und nicht ohne Arbeiterschaft regiert werden olle. Gr glaube aber, auch darin mit ihm einig zu ein, daß von der Industrie im Interesse ihres ge­soffenen Auftretens die Parteipolitik erngehalten werden müsse. Gr stelle hier, entgegen den Pressemeldungen, ausdrücklich fest, daß die Rede des Herrn Silverberg dem Präsi­dium und dem Vorstand vor der Dresdener Ta- S nicht vorgelegen habe. Der Redner begrüßte

die Maßnahmen, die der Reichsfinanzmini- ster Dr. Reinhold zur Vereinfachung des Ver­waltungsapparates in feinem Ministerium getrof­fen hat, und sprach die Grwartung aus, daß sich

•. ?.^?hnende Vereinfachung in der Verwaltung choglichst bald auch bei den übrigen Reichsministe- rten, sowie bei den Ländern und Gemeinden durcki- letzen werde Das Wohl der Wirtschaft sei mit rmem gesunden Führertum eng verknüpft.

Hindenburgs Geburtstag.

Der Präsident des Deutschen Reiches, Paul von Hindenburg, vollendete am 2. Oktober sein 79. Le- benssahr. Der grelle Ehrenmann er'R'-rf bei d'eser Ee'e^enheit aus allen ßa~en Beweise der Hoch­achtung, die sich auf unvergeßliche Dienste gründet, die Hindenburg in Krieg und Frieden dem deutschen Volke geleistet hat. Auch die Zentrumsanhänger stehen freudig in der Reihe der Gratulanten. Sie sehen in dem Reichspräsidenten das m verfassungs­mäßiger Weise gewählte StaatÄ»berhaupt, dem sie nach göttlichem Recht Achtung und Gehorsam schul­den. Die menschlichen Eigenschaftm Hindenburgs machen es uns leicht, chm über das Pflichtmaß hinaus Verehrung zu zollen. Das deutsche Volk muß Gott danken, wenn er uns diesen Präsidenten noch lange in Gesundheit erhält.

•

Auch die Presse der übrigen bürgerlichen Par­teien gedenkt des Geburtstages des Reichspräsi­denten in ehrenvoller Weise. So bezeichnet es der deutschnationale „Lokal-Anzeiger" als einen unge­heuren Gewinn für Deutschland, daß an der Spitze des Reiches ein Mann steht, der nur das eine Ziel kennt: Nach Maßgabe seiner Kräfte und nach Maß­gabe des recht engen Rahmens, den die Weimarer Verfassung seiner Täftgkeit gezogen hat, an der Wiederaufrichftmg des Vaterlandes und an der Einigung des Volkes zu arbeiten. In der „D.A.Z." heißt es: Deutschland in seiner überwältigenden Mehrheit steht zu Hindenburg, wie Hindenburg in jeder Stunde seines tatenreichen Lebens zu Deutsch­land gestanden hat. Die „Tägliche Rundschau" schreibt: Es wäre das beste Geburtstagsgeschenk für unseren Reichspräsidenten, wenn das deutsche Volk endlich lernte, die innere Uneinigkeit zu über­winden. Das linksdemokratische „B. T." betont, daß Demokraten und Republikaner in Hindenburg stets den ersten Repräsentanten des Reiches erblickt und geehrt und jederzeit anerkannt haben, daß ihm in seinen Handlungen als Staatsoberhaupt immer nur das Wohl und das Recht des neuen republika­nischen Deutschland als Leitgedanke vor Augen standen. ______________________

Mussolinis Regiment.

Aus Rom wird gemeldet: Fünfzehn politische Emigranten sind der italienischen Staatsan­gehörigkeit für verlustig erklärt worden, barunter u. a. der frühere Pressechef Rossi, der frühere Sek- retär Mussolinis sowie der frühere und jetzige Herausgeber des „Paese"; ferner mehrere Redak­teure des Pariser Emigrantenblattes „Eorriere degli italieni". _____________

pilsudskis Kabinett.

Wie aus Warschau gemeldet wird, hat Pilsudfki dem Präsidenten Moszicki berichtet, daß er das Ka­binett gebildet hat. Während Pilsudfki das Präsi. dium innehat, st der frühere Mnisterpräsident Bar- t e l stellvertretender Vorsitzender des Ministerrats.

Der U e b e r f a tl polnischer Offiziere auf den früheren Finanzminister hat das größte Auf- sehen erregt. Eine Reihe hochstehender Persön­lichkeiten, darunter Gesandte und Abgeordnete, ha­ben dem Minister, der infolge der erlittenen Ver- wundungen zu Bett liegt, persönlich ihre Wünsche zur baldigen Genesung ausgesprochen. Die Abend- blätter berichten über den Zwischenfall selbst noch, daß die Ofifziere vor dem Ueberfall die leie- phonleitung zur Wohnung des Ministers durchschnitten haben.

Das deutsche Luftfahrtwesen.

Der Beirat für das Luftfahrtwesen bat das Reichsverkehrsministerium einstimmig ersucht, die dem europäischen Luftverkehr und der Vorbereitung des transazeani'chen Luftverkehrs dienenden Strecke solle das Reich voll subventionieren, ferner daß vermieden werde, daß die'internationalen Linien durch die innerdeutschen Strecken ungünstig beeinflußt werden. Ter Beirat nahm Kenntnis von den Vor- bereitungen zur Herausgabe einer Flugkarte von D e u t s ch l a nd.

* Aus dem preußischen Landtag. In einem kommunistischen Antrag wird das Staats- minifterium ersucht, bei der Reichsregierung dahin zu wirken, baß im Reichstag schnellstens ber Ent­wurf einer Novelle zur Reichsoersiche- rungsorbnung vorgelegt wirb, durch die auch die Arbeiter und Angestellten des Gast- wirtgewerbes in die Reichsverstcherungs- orbnung einbezogen werden.

* Reichsfinanzminster Dr. Rheinhold in Spa­nien. Aus Madrid wird gemeldet: Reichs­finanzminister Dr. Reinhold hatte eine Unterre« düng mit dem spanischen Finanzminister. Dr. Reinhold reift jetzt nach Andalusien weiter.

* Bevorstehende Gründung einer „Liberalen Vereinigung in Bayern". Wie der Landesdienst des Süddeutschen KorreiPondenzbüroS hört, steht nun­mehr auch in Bayern die Gründung einer Libe­ralen Vereinigung bevor, nachdem ein vorläufiger Ausschuß, dem namhafte Persönitchkeiten des polt« lischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens ange­hören, die Vorbeteiiungen vollendet hat. Die „Libe­rale Vereinigung Bayern" soll, ohne selbst Partei zu sein, die deutsch-freiheitlichen Kräfte und Gruppen im Lande auf der Grundlage vaterländischer (3e- sinnung, volkstümlicher Freiheit und sozialem Em­pfinden zu >amm en führen und zu einheiilichen staats« politischen Handeln bereit machen.

* Abschluß eines Handelsvertrages zwischen Italien und Jemen. Slefani meldet, daß Italien mit Jemien einen Handels- und Fceunbschaftsvertrag abgeschlossen hat.

Ueberfiüssige Ministerien?

In letzter Zeit begegnet man in den verschieden- ften Presseorganen ber Deutschnationalen immer roieber dem Vorhalt, daß drei Ministerien, darunter zwei des Reiches (Arbeits- und Ernäh­rungsministerium und das Preußische Wohlfahrts­ministerium) „übersiüfsig" seien. Der deutschnatio­nale Reichstagsabgeordnete von Dry and er hat vor kurzem in einem besonderen Artikel im „lag" (Nr. 288 vom 23. 9. 26) das Reichsarbeitsmini- fterium und das Preußische Wohlfahrtsministerium „Revolutionsschöpfungen" genannt. In anderen deutfchnationalen Blättern, namentlich auch in gewissen gedruckten Mitteilungen, die nur einem bestimmten Kreise zugänglich gemacht werden, wird unter dem Schutze der Anonymität dieser Faden aufgegriffen, zugleich aber die Katze aus dem Sacke gelassen. Hier wird nämlich ganz unverblümt aus- gespochen, daß diese drei Ministerien verschwinden müssen, weil an ihrer Spitze Vertreter des Zen­trums stehen. Ein derartiges deutschnationales Winkelblättchen bringt es sogar fertig, vom Zen­trum, weil es diese drei Ministerien vertritt, zu sagen, daß es das „größte Hindernis" für die Spar- famkeitswirtfchaft bilde, größer als die „Sozialdemo­kratie insofern, als diese bürgerliche Partei den an­deren mit dem schlechtesten Beispiel vorangeht und in dem Futtergrippensystem sich wohl sühlt wie die Made im Speck".

Diese Agitation ist außerordentlich charakteri­stisch und man sollte sie sich gut merken. Sie macht sich aber gerade im jetzigen Augenblick sehr lustig, wo kaum ein Tag vergeht, an welchem nicht Hergt und Graf W e st a r p immer wieder sich an die „Futterkrippe" herandrängen und sich bei demsel­ben Zentrum anbiedern, das ihre eigenen Frak­tionsgenossen und ihre eigenen Zeitungen jetzt in solcher Weise beschimpfen.

Zu ber Frage, ob das Reichsarbeitsministerium überflüssig ist, hat sich im besonderen Reichsarbeits- Minister Dr. B r a u n s soeben in ber Oeffentlichkeit ausgesprochen. Er erinnert an das Aufgabengebiet des Reichsarbeitsministeriums und bezeichnet es als wahrscheinlich, daß Herr von Dryander auch auf dem Gebiete des Reichsarbeitsministeriums einen „Abbau öffentlicher Aufgaben" anstrebt, selbst wenn er sich habet nur die Anschauung anderer Kreise zu eigen gemacht habe, lieber die einzelnen Mög­lichkeiten hierzu macht Minister Dr. Brauns mit Recht folgendes geltend:

„Will Herr Dr. v. D r y a n b e r etroa bei ber So- zialverficherung anfangen, ober hält er etwa die Fürsorge für bie Erwerbslosen, Arbeitsnachweis, Ar- beitsbeschaffung, für eine überflüssige Beschäftigung ber Reichsregierung? Auch den Arbeiterschuß wirb er wohl kaum für überflüssig erklären wollen, ba selbst Bis­marck schließlich nicht umhin konnte, ihn zu bejahen. Diel- leicht hält er mit einer großen Zahl ber Arbeitgeber bie Regelung bes Schlichtungswesens durch das Reich für entbehrlich unb bie Verbinblichkeitserklärung sogar für verwerflich. Wir glauben aber kaum, daß ihm babei ber SIrbeiterflügel ber Deutschnatio­nalen Partei folgen wirb. Ober glaubt er etwa bie bescheidene Tätigkeit bes Reiches auf bem Gebiete ber Wohlfahrtspflege entbehren zu formen? Er möge biefer- halb einmal bei Organisationen ber Inneren Mis­sion unb SHeinrentnerbünben anfragen; sie werben ihm für einen Abbau auf biefem Gebiete ebenso- wenig Dank wissen, wie ber ihm nahestehenbe Kyffhäu- serbunb unb bie Osfiziersverbänbe, wenn etwa bas Reich bie Sorge für die Kriegsbeschädigten und Kriegerhinter­bliebenen den Finanzämtern übertragen sollte. Bliebe noch bas Wohnungs- unb Sieblungswesen. Ich glaube, daß ber Widerstonb gegen einen Abbau auch auf diesem Gebiete ebenfalls weit in bie deutschnationa- len Kreise hinreichen würde. Hat man sich im Lager der­jenigen, die für den Abbau des Reichsarbeitsministe­riums schwärmen, überhaupt einmal vorgestellt, welche Erregung in den weitesten Kreisen des Volkes entstände, wenn mit dem Abbau des Reichsarbeitsministeriums Ernst gemacht würde? Eine solche Maßnahme würde von der gesamten Arbeitnehmerschaft, gleich weicher Par- tei sie angehört, als beginnender Abbau der Sozial­politik gewertet werden. Will Herr Dr. v. Dryander mit seinen politischen Freunden die Verantwortung für die Folgen übernehmen? Es ist kein Zufall, daß es heute keinen Kulturstaat von Bedeutung gibt, in dem nicht bie sozialen Fragen von einer befonberen Zentral- behorde behandelt werden. Wer Deutschland den inne­ren Frieden, den Wirtschaftsfrieden sowohl wie den sozialen und politischen Frieden wiedergeben will, ber muß bafür sorgen, baß ber Ruf nach Abbau bes Reichs- arbeitsministeriums endlich verftummt."

Die Beseitigung des ReichsernSherungs- rn i n ist e r i u rn s mit Zeichnung ihres Namens zu fordern, hüten sich die deutschnationalen Abgeord­neten sehr wohl. Umso auffallender ist es, daß in der kleinen deutschnationalen Presie diese Forde­rung aufgestellt wird, weil ein Vertreter des Zen­trums dieses Ministerium gegenwärtig inne hat. Solange ein Deutschnationaler diesem Ministerium Vorstand, war alles gut und recht. Und es würde wohl wieder der Fall fein, wenn der Zentrums­mann verschwände. Und solche Leute, die derartige Auffassungen vertreten, wagen es noch, von Futter- krippenpolitik — Anderer zu sprechen!

Empfang im Reichskanzlerhaus.

Der Reichswehrminisker empfängt die Inter­nationale Polizei.

Die Idee bes Friedens.

In Salzburg wurde im Rittersaal der Resi­denz in feierlicher Weise die Tagung des Gene- ralrats der Völkerbundsligen in An­wesenheit der Spitzen der Behörden eröffnet. Der Vorsitzende, Roger Dolfus-Schweiz, brachte unter lebhaftem Beifall der Versammlung dm Dank der Tagung an die Bundesregierung und an die Stadt Salzburg für die herzliche Aufnahme zum Ausdruck. Bundespräsidmt H a i n i s ch beglückwünschte m einem Telegramm, das Dolfus vorlas, die gesin- nungsverwandtm Kämpfer für die Idee des Friedens. Bundeskanzler Ramek hatte gleich­falls ein Degrüßungstelegrmnm gesandt, worin er dm Wunsch ausspricht, daß der in den Völker­bundsligen wirkende Idealismus, der schon so be­deutende Erfolge in der Verbreitung des Völker- bundsgedankms aufzuweism hatte, dem Emser Bund weitere Freundeskreffe zuführen möge.

Doffchaster a. D. D u m b a, Präsident der österreichischen Völkerbundsliga, der darauf das Wort nahm, gab zunächst der Hoffnung Ausdruck, daß der Völkerbund in seiner Fürsorge für Oester­reich nicht einhalten möge. Der Redner gedachte weiter des kürzlich vollzogenm Eintritts Deutsch­lands in den Bund und damit des Inkrafttretens der Locarnoverträge.

Landeshauptmann Dr. Rohrl begrüßte die Tagung namens des Bundes und der Landesregie, rung. Der Landeshaupt^»nun gedachte wie der Vorredner der Ausnahme Deutschlands in dm Völ­kerbund. Er bezeichnete sie als Marksteine in der Entwicklung des Völkerbundes und eine Tat, durch die der Völkerbund seinem Zwecke, der m der Her­beiführung der Völkerversöhnung und der Ermög­lichung einer friedlichen Zusammmarbest gipfele, um einen gwßen Schritt näher gekommm sei. In der Arbeitssitzung des Generalrats wurde zunächst auf einen deutschen Vorschlag hin der Professor Aulard von der Sorbonne unter lebhaftem Bei- fall der Versammlung für 1927 zum Präsidenten der Union gewählt.

Pwfessor Aulard von der Sorbonne führte in einer Ansprache aus, da die nächste Tagung der Union in Deutschland stattfind«, gewinne seine Wahl die Bedeutung eines Symbols des Fort­schrittes auf dem Wege, den der Vertrag von Locarno begonnen habe. Der Eintritt Deuffch­lands in den Völkerbund werde zweifellos eine neue Aera in dm Beziehungen zwischen den bei- den grvßm Söllern Europas herbeiführm. Eianina Bouvet als Vertreter der schweizerischen Völker­bundsligen trat für eine Vertretung Italiens im Vorstand ein und hob die Notwmdigkest der An­wesenheit Jtalims hervor. Der deuffch-tiroler Ab­geordnete, Baron Stembach, als Vertteter der Min- derheitsligen m Jtalim, bezeichnete dies ebenfalls als unumgänglich notwendig, denn ohne die Mit­arbeit Äaliens würde künftighin die Diskussion über Fragm, die gerade dem Redner am nächstm liegen, schwer durchgeführt toerben können. Der Antrag Bouvet-Sternbach wurde gegen die alleinige Sttmme Spaniens angenommen.

Chamberlain und Mussolini.

wtb. Paris, 2. Okt. (Eig. Funkm.) „Mattn" will toiffett, daß der englische Botschafter Lord Crewe, den Briand gestern abenb empfangen hat, bestätigt habe, daß kein besonderes Abkom­men zwischen Chamberlain und Musso­lini ins Auge gefaßt nwrdm sei.

Zur Unterredung Chamberlain-Mussolini schreibt der „Temps", es sei hervorzuheben, daß das offiziöse Organ Mussolinis, das „Popolo d' Ita- lia", in einem viel bemerkten Artikel unterstreiche, daß die Besprechung in Livorno vertrauens­voll betrachtet werden könne, da nach der Unter­redung Briand-Stresemann in Thoiry diejenige Chamberlains und Mussolinis einen neuen Beitrag zur Reorganisation und Konsolidierung Europas sichern werde. Es handele sich keineswegs darum, Livorno gegen Thoiry zu stellen und die Un- terredung Chamberlain-Mussolini als Gegenpartie zur Unterredung Briand-Stresemann hinzustellen.

Eine etwas andere Auffassung über die Mini­sterbegegnung hat das „Journal des D^bats". Nach feiner Ansicht ist die italienisch-englische Freund­schaft traditionell. Ziemlich oft durch Eifer- fuchtskrisen auf italienischer Seite heimgesucht, be­stehe sie doch alle Proben, weil Italien, von drei Meeren umgeben, sich nicht einem Konflikt mit der größten europäischen Seemacht aussetzen könne. Trotzdem kokettiere Mussolini trotz seiner flammen­den Rede das Imperium Italiens im Mittelmeer gegenwärtig mit der Londoner Regierung. Er wende sich ihr umso lieber zu, als die Besprechung von Thoiry und die Kommentare eines Teils der französischen Presse ihn gegen eine französisch- deutsche Annäherung zur Vorsicht mahnten. Er sei n i e m a I s ein eifriger Anhänger Locarnos gewesen. Er bekunde für den Völkerbund eine nur mittelmäßige Sympathie. Er ziehe direkte Ab­machungen vor, die ihm eine gewisse Handlungs­freiheit sichern. Für den Augenblick untersuche er, welche Vorteile Italien aus einer Entente mit England ziehen könnte.

Aus Anlaß des Internationalen Polizei- fongreffeS und der Allgemeinen Polizeikonferenz fand in den Räumen des ReichskanzlerhaufeS ein Empfang statt, zu dem die Delegierten der deutschen unb ausländischen Polizei nebst ihren Damen ge­laden waren. Die Gäste wurden in Vertretung des von Berlin abwesenden Reichskanzlers durch den Reichswebrminlster Dr. Geßler empfangen. Unter den Anwesenden bemerkte man dm preußischen Kultusminister Decker, den Reichsminister des Innern Külz, den preußischen Minister des Innern Severing und den Polizeipräsidenlen Berlins Gresinski.

* Erkrankung des Oberbürgermeisters von Berlin. Wie die ,Voss. Ztg/ meldet, ist der Oberbürger­meister von Berlin, Böß, an einem schmerzhaften Furunkel im Gehörgang schwer erkrankt. Die Er­krankung entzieht den Oberbürgermeister auf längere Zeit allen geschäftlrchen Obliegenheiten.

* Der neue Bürgermeister von Budapest. Bei der Stichwahl für das Bürgermeisteramt in Buda-' pest fiiegte ber Kandidat der Rechtsparteien, der bisherige Bürgermeister Eugen Sipoecz, gegen den Kandidaten der Demokraten und Sozialdemo­kraten Stephan Barezy mit 166 gegen 135 Stimme».