Einzelbild herunterladen
 

nr. 226.

vonnerst^o. 30. Sept 1026

3ahra. 53

Die Gefabrenq'elle>

zu

Der Kulturkampf in Mexiko

Der englische Beroarbefterstreik.

Neue Abstimmung unter den Bergarbeitern.

Aus Lo n d o n wird gemeldet: Nach einem Beschluß der Bergarbeiter wird nächste Woche eine allgemeine Abstimmung unter ihnen darüber zu entscheiden haben, ob der Vorschlag Baldwins betr. regionale Verhandlungen und die Ein­setzung eines Schiedsgerichtshofes angenommen werden könne. Bisher forderten die Arbeiter be­kanntlich Regelung der Arbeitsbedinqunaen auf überregionaler, auf nationaler Grundlage.

lvirrwar in Griechenland.

wtb Athen, 28. Sept. (Eig. Funkm.) Die Füh­rer sämtlicher politischer Parteien erschienen heute beim Präsidenten der Republik, bei dem sich auch Ministerpräsident K o n d y l i s eingefunden hatte, um u. a. über den Modus der Wahl für die n ä ch st en Parlamentswahlen und ferner darüber zu beraten, ob das gegenwärtige Kabinett die Geschäfte weiter führen solle. Ein Einvernehmen zwischen den politischen Führern konnte in, diesen lange andauernden Beratungen nicht erzielt werden. Ministerpräsident Kondylis bot darauf dem Präsidenten der Republik, um die­sem seine Aufgabe zu erleichtern, den Rücktritt aus dem Kabinett an. Der Präsident der Republik be­hielt sich seine Entscheidung vor.

* Ein albanisches Dementi. Die albanische Ge- sandtschaft in Paris dementiert die Nachricht über eine angebliche Revolution, die in Nord­albanien ausgebrochen sein soll.

* Verurteilung eines Spions. Unter Ausschluß der Oeffentlickkeit batte sich der 29jährige Dekora- tionsmaler Karl Ruhr aus Duisburg weoen ver- lu-bter Spionage vor dem 5. Strafsenat des Reichs­gerichts in Le pzig zu veramworten. Ruhr wurde beschuldigt, 1925 mit einem belgischen Inspektor in Verbindung gestanden und diesem Nachrichten über- rnrieit zu haben Das Gericht berurteilte ihn wegen Vergehens nach § 6 Abi. 1 des Spionageaesetzes zu einem Iabr und neun Monaten Gefängnis.

England und Rußland

Keine Einigungsmöglichkeit.

Volkes, zumal auch vom religiös-afzetifchen Stand­punkt aus die aulerlegte Selbstbeschränkung den Sinn des Volkes für den christlichen Opfermut um Gottes willen weckte. Die Kaufleute, sonst vielfach so materiell eingestellt, wandten sich angesichts des unerwarteten Erfolges des Boykotts an Präsident und Bischöfe, mit der Bitte, sie möchten aus patrio­tischen (!) Gründen auf die Beilegung dieser Be­wegung drängen.

Wie sehr das neue Kampfmittel wirkte, mögen einige Tatsachen beweisen. Der größte Ta­bakkonzern Mexikos, dessen Leiter ein einge­fleischter Freimaurer ist, zeigte plötzlich eine große Zuneigung für die Liga zur religiösen Verteidi­gung! Eine Lotterie, deren Hauptgewinn 125 000 Pesos betrug, erreichte eine Einnahme non nur 50 000 Pesos! Die Kinobillette non 2,50 Mark fie­len auf 1 Mark! Die Regierung sah sich genötigt, den Lichtspieltheatern Abgaben zu erlassen. Der Preis des Bieres fiel um die Hälfte. Eines der größten Geschäfte in Meriko-Stabt batte an einem Tage eine Einnahme non nur 4 50 Pesos. Selbst manche Regierungsbeamte beteiligen sich heimlich

Die Regierung bat schon Millionen Pesos an Tagen verloren. Die Leitung der Bonkottbewe- gung erklärt, das Volk könne noch Monate aushal­ten und spare zudem eine Menge Geld dgbei. Die Außenhandel.? bilanz Merikos wird schon sichtbar durch den Boykott getroffen. Der Import läßt mangels Absatzmöglichkeiten stark nach. Der Silberneso sank um mehrere Punkte. Begreiflich, daß die Regierung diese Tatsache im Lande zu verheimlichen sucht!

Der Enderfvlg des glücklich begonnenen Boy­kotts hängt von der Zähigkeit der Durchführung ob. Ob die Mexikaner diese Zähigkeit, auch mo­natelang im Kampfe ausznharren, aufbringen wer- den, muß sich erweisen. Die Führer sind überzeugt, durchhalten zu können.

Der erste Erfolg des Boykotts hat den Katholi- ken die Augen geöffnet, was sie im öffentlichen Le- ben bei treuem Zusammenhalten leisten und durch- setzen können. Die alte Verfassung Merikos hatte die Kirche und ihren Einfluß in die Gottes­häuser einzusverren versucht. Ealles bat die Kirche systematisch auch innerhalb ihrer Gottes­häuser angegriffen und so die Tore geöffnet. Die katholische Bewegung in Meriko verkündet nun laut die „Eroberung der Straße". „La conguista de la calle", natürlich im Sinne friedlicher Durch­dringung des öffentlichen Lebens mit katholifck^n Ideen und Einflußnahme auf die Gestaltung des politischen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens. Hier war in der Tat von den Katholiken viel verab- säumt worden, in einem Lande, das trotz dauernder Verfolgung der Kirck- noch immer katholische Luft atmete. Nach dem Beispiel der nordamerikanischen Katholiken wollen und werden die Mexikaner sich jetzt auch die Freiheit und die Achtung der Religion im öffentlichen Leben er- kämpfem

In der Oeffentlichkeit ist es still geworden über Mexiko. Die Regierung Calles hat es in den letzten Wochen vermieden, aufsehenerregende Ge­walttaten gegen die Kirche anzuwenden, sie führt aber in der Stille den Kulturkampf weiter und ver­sucht nicht nur durch rigorose Post- und Teleqra- phenzensur und durch Verbreitung falscher Nach­richten ihr stark ramponiertes Ansehen im Ausland zu heben. Wir werden darauf bei Gelegenheit noch zurückkommen.

Wie, gesagt, die Regierung Calles führt ihren Kampf jetzt stiller. Sie ist eben moralisch und ma­teriell in die Defensive gedrängt; moralisch durch das Urteil der Weltpresse bis weit in die Kreise jener Parteien hinein, die der Kirche sonst wenig gewogen sind, materiell durch die wirksame Boy- kottbemem'ng.

Diese Boykottbewegung wurde von Laien ins Werk gesetzt und ist von der „Liga für r e l i - giöse Verteidigung" glänzend durchorgani­siert worden. Die Leitung hat ein Ausschuß von drei Persönlichkeiten, der bei seiner Gründung in der Hauptstadt sofort vier Ersatzausschüsse wählte für den Fall, daß einer der Ausschüsse ins Gefäng­nis wandern müßte. In der Tat wurden die Aus­schüsse 1, 2 und 3 verhaftet. Als der vierte auto­matisch in Wirksamkeit trat, ermattete die Regie- rung und ließ die Verhafteten gegen Kaution frei. In jedem Bundesstaat ist ein Abteilungsdelegierter tätig, der direkt der Zentrale verantwortlich ist. Unter ihm arbeiten für Stadt, Häuserblock, Straße Unterdelegierte, die die Boykottbewegung in straf­fer Organisation durchzuftthren und zu überwachen haben. Die Leiter haben den Plan lange erwogen, ehe er ins Werk gesetzt wurde. Er ist klug auf der Dolkspsychologie aufgebaut. Man mußte eine Waffe wählen, die da? ganze Volk, ohne Gefahr, verhaftet zu werden oder die Arbeitsstelle zu ver­lieren, handhaben konnte; eine Waffe, die kein Blutvergießen herbeiführte und doch den Staat in seinen materiellen Interesfen empfindlich traf.

Dieser Boykott richtet sich gegen die ersten Steuerzahler. Er bringt sie in eine Lage, die sie unfähig macht, dem Staat die Steuern zu zahlen. Nicht die Geschäftsleute sollen dadurch gestraft wer­den, sondern die Regierung wird indirekt in ihren Einkünften getroffen. Die Suspension des Gottes­dienstes, hat hierbei unschätzbare Hilfe geleistet, da in Mexiko die Bauern Sonntags nach der Messe auf dem Markt ihre Einkäufe zu machen pflegen. Bicfe Märkte sind jetzt fast ganz zum Erliegen ge­kommen. Zweifellos würde die Wiedereröffnung des Gottesdienstes den Boykott schwer schädigen.

Die Boykottbewegung verlangt völlige Enthal­tung vom Einkauf in Luxuswaren und Quafi- Luxuswaren, von allen Vergnügungen, Unterhal­tungen, Kinobesuch, Teilnahme an Lotterien usw. Man verzichtet auf die Erlaubnisscheine zur Be­nutzung eigener Autos, die pro Monat 10 Dollar kosten, legt sich Einschränkungen im Gebrauch des Notwendigen auf, kauft nach Möglichkeit keine neuen Kleioer u. a. m.

Der Erfolg ist bisher über Erwarten groß. Das einfache Kampfmittel gewann rasch die Massen des

* Demission des Landeshauptmanns von Si« r- mark. Ter Landeshauptmann von Steiermark in Graz teilte dem PräsideMen des steiermärkischen Landiaaes mit, daß er fein Mandat niederlegt und als Landeshauptmann bemijfioniett.

gterung vereinbarten Vertraa gutzuheißen.

Krassin in London.

mt&. London, 29. Sept. (Eig Funkm.) Gestern abend, ist Krassin in London eingetroffen, um seinen Posten als russischer Geschäftsträger zu übernehmen.

Mkoholsünder in Amerika.

Die Uebcrtrehimen der Prohibitions-Gesetze.

Das amerikanische Iustizamt gab bekannt, das die Zahl der im letzten Fiskaljahre wegen Ver­letzung des ProbibitionSoesetzes erfolate« Berur- teilunaen 44022 betrug. Freiheuestrafen wurden 5660 verhängt. Die Geldstrafen beliefen sich auf über 7 Mill. Dollar.

Im Reiche Mussolinis.

Fascistische Ausschreitungen in Südtirol.

Nach einer Meldung des .Vorwärts' haben am Sonntag abend 800 Fassten aus Mittelitalien in der südkiroler Stadt Sterzing ichwere Ausschrei­tungen verübt. Sie zeckten in den 2Bhf«häiiiern die ganze Nackt hindurck, ohne die Zecke zu beiablen, beschädigten die Einrichtungen und mißhandelten auf den Straßen die Einwohner.

Erfolge im Osten.

wtb. London, 29. Sept. (Eig. Funkm.) „Daily Telegraph" berichtet aus Kairo: Nach einer Pri­vatmeldung aus Hodeida hat der Gouverneur von Erythreu, Gasparini, ein wichtiges Wirtschaftsabkommen mit dem Imam Pahia ab­geschlossen, daß den italienischen Interes- sen beträchtliche wirtschaftliche Vorteile im fernen verschafft. Gasparini werde sick sofort nack Rom begeben, um Mussolini das Abkommen vorzulegen.

Poln'sche Wirtschaft.

Ministerpräsident Bartel hat nach einer Meldung aus Warschau in der Frage des Streits zwischen der polnischen Regierung und dem Landtag eine Besprechung mit Sejmmarschall Rataj gehabt. Wie der „Kurjer Waraszaski" erklärt, wurde beschlossen, daß cm Donnerstag auf jeden Fall eine Sejm- sitzung abgehalten werden soll. Wahrscheinlich wird Ministerpräsident Bartel mit einer kurzen Erklä- ung hervortreten und dann die Vertrauens- frage stellen. Wie das gleiche Blatt hört, soll die Taktik der Regierung auf eine baldige Auf, löiuno der gesetzgebenden Körper­schaft abzielen.

In unterrichteten Kreisen in London verlautet d.r Möglichkeit, daß nach der dieser Tage er- sollten Ankunft Krassins in London seitens der sowje'regierung der Versuch gemacht wird, die rwücken beiden Ländern bestehenden noch ungelösten Fronen zu regeln, daß die Haltuna der britischen Regierung aeaenüber Rußland unverändert sei. Man, werde Kralsin wie feinem Vorgänaer Rakowski witteilen, daß die konservative Reoierung nicht in her Lane, fei, den feinerlei! zwischen den Vertretern der Sowjetunion und der damaligen britischen Re-

<krs»elnt cechrma' wS-SrntU-b. Wochenb-Naaen illustrierte »ei. und Bu»enb'«'er" Sotaf^brmt j Z de Trnlbaer tVcttendruckerei in iu'da. iernwrecher Nr 9.

be§ Auswärtigen Ausschusses außer den Bespre­chungen über Genf und Thoiry auch den Z w i - bringen ° Germersheim zur Sprache zu

Der Ministerpräsident Braun betonte in einer dem Außenpolitiken des „Matin" gewählten Unterredung, daß die junge preußische Republik nichts mit Reaktion und Mili­tarismus zu tun habe. Seiner Ansicht nach mußten die wohlverstandenen Interessen der Völ­ker auf friedlichem Wege gelöst werden kön­nen. Das komme besonders für Frankreich und ^"lschland in Frage. Frankreich und Deutsch- land könnten sich gegen Europa sichern, wenn sie eine, Politik her Annäherung und der Versöhnung betrieben. Die Epoche des Jahrhunderte langen Sick-Zerfleischens müsse für immer abgeschlossen fein. Tas Jahrhundert der Technik soll gleich­zeitig ein Jahrhundert der Kultur werden Aber alle Reden über Kultur und zivilisierte Menschheit werd-n nur Phrasen und Thesen sein, solange die Möglichkeiten und Vorbereitungen zu blü- tigen Auseinandersetzungen bestehen. Wir. Deutschland und Frankreich, müssen gewisser­maßen dafür Sorge tragen, daß die Technik sich nicht gegen die Erfinder richtet, in der Form fürch­terlicher Waffen und Zerstörungsmittel.

* Der Polizei-Kongreß in Berlin. Zu Ehren der Teilnehmer des Internationalen Polizeikon- greffes und der allgemeinen Polizeikonferrnz sand in Berlin ein vom Minister Severing veran­stalteter Teeabend statt, an dem u. a. Reichsinnen. Minister Dr. Külz und Landwirtschaftsminister Dr. Steiger teilnghmen.

* Dr. Luther in Bolivien. (Eig. Funkm.) Der frühere Reichskanzler Dr. Luther ist in La­ll o r z (Bolivien) eingetroffen. Von der Regierung und dem Deutschen Club wurde ihm ein warmer Empfang zuteil.

* 3ur Derwaltunasresorrn ht Frankreich. Der französische Minister des Innern hat ein Dekret ausgearbeitet, das demnächst erscheinen wird und das in Verfolg der Verwaltungsreform die Dezen­tralisierung und Dekonzentrierung vorsieht. Dadurch sollen die Aufgaben der Zentralverwaltung erleich­tert werden. Den Generalräten und Gemeindebe­hörden werdetz Befugnisse 'in* vermäuakrchÄechnffchet Hinsicht übertragen werden, welche bisher den Prä­fekten und der Regierung Vorbehalten waren.

Reue Kampfe in China.

wtb. London, 29. Sept. (Eig. Funkm.) „West, mmster Gazette" meldet ans Shanghai, Marschall Suntfchuanfang habe den .Kantontruppen bei Nantfchang eine ernste Scklappe beigebracht. Tie Kantontruppen hätten 2000 Mann verloren. Zm englischen Unterhaus sagte Baldwin in Beant­wortung zahlreicher Anfragen über den Zwifchen- faHin Wanshien, die Reoierung finde die Flottenverstärkunaen. die nach China untermeng sind, genügend. Tie'e Kräfte beständen aus dem Flug« zeuamuttersckiff „Hermes"und einem Geschwader bon neun Zerstörern. Mit den an Ort und Stelle befindlichen Kräften würden diese Verstärkun. gen genügen, nm die britischen Untertanen sowtz die britischen Intereff-n wirksam zu schützen.

3um Zwischenfall in Germersheim.

Dienstag nachmittag wurde in Germersheim der französische Unterleutnant Rouzier, der in der Nacht zum Montag einen jungen Germers- getmet erschossen und zwei andere schwer verletzt hatte, auf der Kommandantur vernommen. Abends wurde Rouzier als Gefangener nach Lan- dau abtransportiert, nachdem er noch durch einen lranzo fischen General aus Koblenz und einem Een- oarmerieoberst vernommen worden war.

Die Beerdigung des Erschossenen mußte auf Donnerstag nachmittag verschoben werden, da die -oesatzungsbehörde die Leiche noch nicht freigegeben «nb die Beerdigung für Mittwoch verboten hat. Wie das Blatt hört, beabsichtigt die französische Jtegierung, einem Wunsch der maßgebenden deut- lchen Stelle entsprechend, die französischen die Angelegenheit nach Berlin zur Kenntnisnahme zu übersenden.

♦

n-„ Artillerie-Regiment 311, dem auch der nm £ bEr Unterleutnant Rouzier, angehört, soll n Donnerstag abtransportiert werden.

*

kn Ron deutschnationaler wie von Url‘U’Jcher Seite ist beabsichtigt, in der Ochsten, für den 7. Oktober an^esetzten Sitzung

tuHflett- Tre-e «lein,eil- -Colonel) oka' 0.1b ReichSma, 'urwSrtS 0.20 Reichsmark. Re"ame,el>e. lokal 18' ReichSmar anrwSrt« 0.80 Reichsmark.

Wie oft tft schon darauf hingewiesen worden, daß die fortdauernde Anwesenheit fremder Sol­daten auf deutschem Boden eine ständige Gesäbr- Ä rrx” auf Verständigung gerichteten Weltpolitik darstellt. Soldaten sind nun einmal keine „Boten des Friedens ‘. Das zeigt sich mit größter Deut- lichkeit m dem Pfälzer Städtchen Germers- h e im wo schon vor einigen Monaten unliebsame Vorfälle von sich reden machten und jetzt aufs neue sich in späten Nachtstunden eines Sonntags blutige Vorfälle abgesvielt haben, die der Versöh­nung zwischen Deutschland und Frankreich wahr- m? .6 rächt zuträglich sind. Ueber die Vorgänge ist schon berichtet worden.

. Ss hat sich bei der Untersuchung herausgestellt, daß der Täter, der franwsische Unterleutnant Rv u- zi er vom 311. Artillerieregiment, sich bei dem Zusammenstoß mit dem Schuhmacher Holzmann am Ludwrgstvre m einem Zustand der Gereizt- h e t t und Erregung befand, die nach dem jetzigen Stand der Untersuchung auf Ausschreitungen ftan- zösischer Besatzungsangehöriger zurückzuführen ist, die sich etwa zwei Stunden vor der Blut- Rotten, und an denen auch der fran­zösische Unterleutnant beteiligt war. Em etwa 17 "ahre alter Germersheimer namens Klein wurde am Sonntag, abend gegen 10.30 Uhr von meh- französischen Besatzungsangehörigen auf der Straße m der Nähe des Ludwigstores unter der Anschuldigung, er habe einen französischen Sol­daten mißhandelt, in einen Hausgang geschleppt, trari einem französischen Zivilisten mit einer Reitpeitsche mißhandelt und dann einer herbeige­rufenen vier Mann starken französischen Streife übergeben. Unter fortgesetzten Stößen mit den Ee- ■ Aehraolben auf Kopf und Rücken wurde der junge 5 Mann m eine ftanzösische Kaserne gebracht. Nach- :: dem sich dort herausgestellt hatte, daß die gegen Ars erhobene Anschuldigung jeder Grundlage ent­behrte, wurde der junge Mann gegen 12 Uhr lieber auf freien Fuß gesetzt. Nach einwandfreien Zeugenaussagen ist der ftanzösische Zivilist mit dem »Unterleutnant Rouzier identisch, da beide einen dusifletz Anzug, eine schwarze Hornbrille und eine «fische trugen. Aus dieser ersten Ausschreitung erklärt sich die Erregung des Leutnants bei dem euva zwei Stunden später erfolgenden Zusammen- lwfi nut dem Schuhmacher Richard Holzmann.

311 Dienstag hat sich leider ein rc-to,<4*lnfatI Germersheim ereignet. Em Bruckenwarter erstattete Anzeige, daß aus einem Automobil, das anscheinend von einem Franzosen gesteuert wurde, ein Schuß auf ihn abgegeben, worden sei. Auch diese Angelegenheit, die noch nicht geklärt ist, ist Gegenstand von Unter­suchungen seitens der deutschen Behörden.

Die Presse des besetzten Gebietes nimmt bei Besprechung des Zwischenfalles in Germersheim kmrrrI9eJn.e,re-n Stellung zur Besatzungsfrage und stellt dabei fest, daß solche Zwischenfälle, die geeig- net sind, die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich zu zerstören, sich ereignen werden, s o - lange es überhaupt eine Besetzung gibt. Der „Mainzer Anzeiger", ein Blatt also, das im Hauptguartier des Oberbefehlshabers der Rhein- n6^' Ja8Lu/ a" "Dieser ewige Kon- fliktsstvff liegt im Besatzungssystem als solchem. Es ist einfach unmöglich für die ftanzösische Armee­leitung, über jeden einzelnen Soldaten zu wachen, Akche Zwischenfälle vermeiden ließen. Das Blatt zreht dann aber auch zu dem Germers- ZtE Uischenfall die politische Konseguenz. wenn es schreibt: Sollte der Gang der Untersuchung beweisen, daß die Schuld wieder bei einem Ange- höngen der Armee liegt, so muß die Forderung des besetzten Gebietes auf Abzug der Befatzungs- truppm zu einem Notschrei werden, der nicht ungehört Verhallen kann. Das eine kann jetzt schon gesagt werden: So geht es nicht weiter. Die Recht­losigkeit der deutschen Bürger drängt dazu, eine grundlegende Aenderung vorzuneh- AEn, die sich nicht auf Einzelheiten beschränken barf, fonbern zu einer Abschaffung des ganzen Besatzungssystems führen muß. Dieser Vorfall hat emen Anlaß gegeben, in der Besatzungsftage noch entscheidendere Schritte als bisher zu unternehmen, cklrenn etwas die Notwendigkeit einer raschen Räu- mung der Rheinlande erweisen kann, so dieser Vor- fall. Friedensreden schützen nicht vor solchen Blut- taten. Friedensräten können allein ihnen ein Ende machen."

Zum San Dietz.

Die kommunistische Fraktion des Preußischen Landtages hat folgende große Anfrage eingebaut:

„Nach einer Mitteilung des Vizepräsidenten Dr. Friedensburg auf der republikanischen Führer­tagung ist der Enthuller der monarchistischen Um» kurz, und Hochverratsprojekte vom Mai dieses Jahres, Dr. Heinrich Dietz, auf Veranlassung des Oberreichsanwalts Dr. Werner Anjana September ne r b a f t e t worden. Vizepolizeivräsident Dr. Friedensburg hat weiterhin die Feststellung ge­macht, daß es „trotz schwersten Belastungsmaterials nicht möglich gewesen ist, einen der Verdächtioteu auch nur in Untersuchungshaft zu bringen". Wir Tagen das Staatsministerium: 1. Stimmen diese Anoaben des Vizepräsidenten Dr Friedensburg? 2. Wenn ja, warum hat das preußische Staatsmini, terium diese Begünstigung monarchisti- scker Verschwörer durch Reichsstellen nicht bekanntgegeben? 3. Was gedenkt das Staate« Ministerium zur Verfolgung und Bestrafung der monarchistischen Hochverräter, deren verbrecheri­sche Pläne durch die aufgefundene Notverordnung aufgedeckt sind, zu unternehmen?"

FuldaerZettung

___2fn,eiogr för die Sfrthf und den Kreis Fulda. Amtliches Äreisbfaft-