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Erschein» sechsmal wöchentlich. Wochenbe-laaen^
Illustrierte Bei'
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Samstar», 25. September 1926
"Monatlichem Beruasnmels- 1.M «”r.
Anzeiger für die Sfobf und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.
fm'fMftr. HofffWlRrfq)
Stresemann wieder in Berlin.
Vortrag beim Reichspräsidenten. — Berichterstattung im Rabinettsrat.
Ueichsaußenmimster Dr. Stresemann ist Donnerstag nachmittag um 5 Uhr in Berlin Nieder eingetwffen. Obwohl er darum gebeten hatte, von emem offiziellen Empfang am Bahnhof abzusehen, hatten sich unter Fühnmg des Reichs- lanzlers Marx Mitglieder des Reichskabinetts sowie Vertreter des diplomatischen, Korps am Anhalter Bahnhof zu seinem Empfang erngefunden. Von der Reichsregierung waren außer bem Reichskanzler die Minister Ar. Bell, Dr. Lurtius und Dr. Haslinde erschienen, auch der zurzeit in Berlin weilende deutsche Botschafter ht Amerika, Freiherr v. Maltzahn, hatte sich emgefunden. Vom Berliner diplomatischen Korps sch man den englischen Botschafter Lord D' Aber- non, den belgischen, polnischen und schweizer Gesandten und die Geschäftsträger der französischen und tschechoslowakischen Republik. Dr. Stresemann war begleitet von Ministerialdirektor Dr. Kiep sowie von Staatssekretär Dr. Weismann.
Noch am selben Abend gegen 6 Uhr wurde der Außenminister vom Reichspräsidenten empfangen, der sich über die Ergebnisse der Genfer Beratungen Bericht erstatten ließ. Nach dem etwa einstündigen Vortrag danfte der Reichspräsident dem Reichsminister Dr. Stresemann für seine mühevolle Arbeit und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die jetzt angeknüpsten Verhandlungen zur Lösung der . noch schwebenden schwierigen Fragen und zur baldigen Befteiung des Rheinlandes und des Saargebietes führen möchten.
Das Reichskabinett versammelt.
= Berlin, 24. Sept. (Eig. Funkm.) Wie die B. Z. meldet, ist das Reichskabinett seit 11 Uhr vormittags versammelt, um den Bericht Dr. Stresemanns über Genf und über die Unterredung in Thoiry entgeqenzunehmen. Man rechnet mit einer ziemlich langen Dauer der Sitzung.
Lin Telegramm des rheinischen Oberpräsidenlen an Stresemann.
Der Oberpräsident der Rheinvrovinz, Dr. Fuchs, hat an.Dr. Stresemann folgendes Telegramm fiefanbt-, „Bei Ihrer Ankunft in Berlin empfangen vre der Rheinprovinz herzlichen Gruß und D an k jur alles, was Sie in mehrjähriger zielbewußter L und zäher Arbeit im Wege der Verständigung für uns getan und erreicht hoben. Gatt schenke unserem Vaterlands recht bald völlige Freiheit und , Frieden."
Lin Wermutsttoofen.
Zu der Rede des Reicksaußenministers am Dienstag abend vor der deutschen Kolonie in Genf schreibt der „Temps". was behinderen Anstoß er- L regt habe in dieser Rede sei die Behauvtung, daß | die feierliche Art, wie Deutschland in Genf zuqe- V lassen worden sei, ein sicherer Beweis dafür sei, daß die Anschuldigungen hinsichtlich der Verantwortlichkeit Deutschlands für den Krieg gewisser- \ maßen durch die im Völkerbunde vertretenen Mächte k Milckgenommen und so die Kriegsschuldftage in- , direft geregelt worden sei. Dagegen verwahrt sich der „Temvs", man würde, so erklärt er, die Dinge seltsam fälschen, wenn man die Großmut, mit der man Deutschland ausgenommen habe, als eine Art nwralische Reparation, die man Deutschland nicht । schulde, ansehen würde und die eine wahrhafte Un- gerecktigkest bilden würde gegenüber den Völkern, me die schmerzlichen Ovser des Angriffes vom August 1914 geworden seien. Die Rede Strese- | Manns scheint uns, so schreibt der „Temps" weiter
Wesentlich inspiriert von innerpolitischen Befürch-
Dölberbunö und Abrüstung.
Die Völkmhundsversammlung hielt am Don» i "erstag eine Vollsitzung ab, in der in erster Linie j me Frage der Einberufung der i n t e r n a t i o n a l e n Abrüstungskonferenz besprochen wurde. Der
französische Delegierte Paul-B o n c o u r legte eine Entschließung vor, welche fordert, daß die Ab» rüstungskonferen, außer int Falle materieller Un- Möglichkeit vor September 1 927, also vor der 8. ordentlichen Völkerbundsversqmmlung einberufen werde. Vaul.Boncour erinnerte an alle Bemühungen des Völkerbundes, die Vorbedinaungen für eine allgemeine Verminderung der Rüstungen zu schaffen. Diese Bemühungen müßten unermüdlich fortgesetzt werden. Das Abkommen von Locarno habe den Weg dazu geebnet und eine neue beffere Atmosphäre in Europa geschaffen. Die vorbereitende Kommission habe zusammen mit der technischen llnterkommission bereits wertvolle Vorarbeiten geleistet, so daß die Einberufung der Konferenz vor der nächsten Völkerbundsversammlung als möglich erscheine und tatsächlich auch vorgenommen werden sollte.
slusschutzsitzungen in Genf.
Ter Erste Versammlungsausschuß (Rechtsausschuß) und der Fünfte Versammlungsausschuß (fv- zrale und humanitäre Fragen) haben am Dienstag abgeschlossen. Der Rechtsausschuß hat beschlossen, inbezug auf den norwegischen An- “a9 auf Einführung des Prvportionalsystems für die Wahl der nichtständigen Ratsmitglieder durch dm Generalsekretär der Völkerbundsversammlung des nächsten Jahres einen Bericht vorlegen zu lassem. Im Fünften Ausschuß standen in den letz- ten Sitzungen Referate des Berichterstatters Dr. Brertsch ei drüber die Lage der russischen und armenischen Flüchtlinge in den verschiedmen Län-- dern und die Fortführung der von Nansm unter- ^s?ai^?en Schritte zur Ansiedlung armenischer Flüchtlinge m Armenien zur Debatte. Dazu kam noch ein von dem belgischen Deleqiertm in der Bundes- versammstrng eingebrachter Anttag, welcher die Aus- dchnung des Schutzes des Flüchtlmqskommissariats des Völlerbundes auf alle Staatenlose bezweckt. Dieser von Dr. Breftsckeid als Berichterstatter vertretene gesamte Fraaenkompler war Geamstand sehr emaehmder Verhandlungm, die bemerkenswerte Aitt- Wuffe über die Auswirkung dieses Problems in volitkscher und sozialer Hinsicht in dm verschiedenen Staatm brachten, wobei insbesondere die Arbeitsbeschaffung für Flüchtlinge eine bervvrra- gmde Rolle spielte. Es entspann sich eine ausführliche Debatte über einen von Dr. Breitscheid vorgelegten Antrag, der einm Zusammenhang zwischen der Arbeitsbeschaffung für die Flüchtlinge und der allaemeinm Arbeitslosmftaqe feststellte. » ? bei künttigm Derbandlunqm mit einer abso- lutm Mehrheit in dieser Frage gerechnet werdm der dmtschc Antrag zurückgezoam. Dr. Breitscheid wurde zum Berichterstatter in der Vollversammlung ernannt.
Säumige Völkerbundsmitglieder.
Sechs Staaten mit Beiträgen im Rückstand.
Aus dm Beratungen des Budgetausschusses der Bolkerbundsversammlung ergibt sich, daß sechs Staaten mit Beiträgen von insgesamt6.5 Millionen Goldfranken im Rückstand sind Es Ad dies Bolivien mit 337 000, China mit 4 660 000, Honduras mit 130 000, Nicara- llua mit ebenfalls 130 000, Peru mit 1187000 und Panama mit 22000 Goldfrankm. Hon- nuras und Nicaragua haben ihren Beitrag noch niemals bezahlt: Peru ist feit 1920 im Rückwand hat jedoch 1923 eine L-Conto-Zahlung geleitet. Bol-vien hat wiederholt kleinere Dellzahlungen von 20 Prozent feiner Verpflichtung geleistet. China hat in dfiem Jahre rund 104 000 Goldfranken be- Wt Es beruft sich aber auf die Ablehmmg der von ihm geplanten Zollreform durch die Pekinge" Zollkonferenz, um das bisherige Ausbleiben der großen und für die Finanzen des Völkerbundes recht bedeutenden Reste zu motivieren. Panama soll, wie verlautet, der kleine Restbetrag seiner Schuld erlassen werden.
Duöget-Schwierigkeiten in polen.
Billigung des Budget-Prvvffvriums in der vor der Regierung vorgefchlagmen Fassung oder Auflösung des Landtages.
fnn ¥ uib ?yroruar 1UZI TUT alle
Zahlungen mit den notwendigen Mitteln
Griechenlands Ministerpräsident zurückgetreten.
Der griechische Ministerpräsident General Kondy t i s, der den Diktator pangalos gestützt hat, ist am Donnerstag zurückgetreten.
Kondylis führt in der Botschaft an das Volk, in der er feinen Entschluß kundaibt, sich endgültig aus dem politischen Leben zurückzuziehen und bei den nächsten Wahlen nicht zu kandidieren, aus: Obwohl er an der Stütze der national-demokratischen Partei stehe, wolle er sich politisch nicht betätigen, um dem Lande die Rückkehr zum normalen parlamentarischen Leben zu erleichtern. Er bittet seine Freunde und Mitarbeiter, sich anderen republikanischen Parteien anzuschließen ober unabhängig zu bleiben, aber immer Republikaner. Ferner rät er bem Volke, durch feine Haltung zur Gesundung des politischen Lebens und zur Einstellung des Kampfes um die Regierungsreform beizutragen. Die Armee fordert er auf, sich jeder Einmischung in die Politik zu enthalten.
i dem 1-6t Mt der Regierung, sondern * Tronffon Generalstabschef der Rheinarmee.
letzt hnr hi»9 smne 5rtfe bl?Ae; Der Sejm werde Der französische Brigadegeneral Trousson ist zum ote Alternative gestellt, entweder die > Generalslabschef der Rheinarmee ernannt worden.
Zur Finanzlage in Frankreich.
[ . -Echo be Paris" erklärt mitteilen zu können, | die Bilanz der Bank von Frankreich eine neue ! ^erkliche Verrinaerung der Vorschüsse an den I , vgt aufweist. Im übrigen rechne man mit einem »roßen Erfolg der drei Milliarden Kon solid ie- I o^^'Anleihe der Amortiiationskaffe. Das : Natzamt sei bereits jetzt bis Februar 1927 für alle
-^wtb. Warschau, 24. Sept. (Eig. Funkm.) Jn- des gesttlgen Sparbeschlusses des Budgetaus-
Misses bemühte sich Ministerpräsident Bartel I ' 1 gestern in die späten Nachmtttagsstunden hinein, ! r den Sejem-Parteien zu einem Kompromiß zu
6 Uhr abends verbreitete sich in der ^^delgängen die Nachricht, daß Pilsudski > hnh« ^Egierung in lakonischer Weise telegraphisch ! <ts ® Mkommen lassen: „Keine Kompromisse!" i tei»nU- - wurden die Verhandlungen mit den Par- l I »„rn 'Ofort abgebrochen, und der Ministerrat trat ! i 9r, s?tm’Ln' der einstimmig seiner Meinung dahin i ® 9rö, daß eine Verminderung der ieni^?a-n gegenüber e m Regier ungs- | be,.1 f irch nicht durchführen lasse. In r toitb die Lage dahin kom-
{ i®6t nicht der Regierung, sondern
, Sine Antwort Dr. Wirths.
Offener Brief an Professor Cujo Brentano.
Reichskanzler a. D. Dr. Wirth antwortete Prof. Lujo Brentano auf dessen Bitte um eine klare und eindeutige Auskunft über die „Treue der Deutschen Zentrumsp artei zur Republik" im „B T." durch einen Hinweis auf die Mitarbeit des Zentrums beim Zustandekommmen der Weimarer Verfassung u. a.: In der Weimarer Verfassung lebt auch ein gut Stück Zentrumsseele. In diesem lebendigen Derwachsensein, in diesem Verbündetstem durch Verantwortung findet sich die tieffte ungemein wurzelfeste Gewähr für die Treue des Zentrums zur Republik. Daß es im Zentrum Kreise gibt, die aus persönlichen Interessen ober gesellschaftlichen Bindungen biefe staatsaufbauende Tätigkeit nicht angemessen zu würdigen wissen, leugne ich nicht. Sie werden sich aber wohl eher auf die neue Tatsache einrichten, als die Verfechter eines „romantisch kftchlichen Monarchismus" glauben. Auf die weitere Frage Brentanos hinsichtlich der Möglichkeit einer Verständi- 9ung mit den Sozialdemokraten und Demokraten auf sozialpolitrschrrn und kulturellem Gebiet, antwortete Dr. Wirth, indem er die realpolitische Haltung der Zentrumsführung betonte: Don Idealen kann wohl eine kulturelle Bewegung int Volke leben, von Idealen kann sich auch der Politiker, .der in dieser Bewegung steht, zutiefst in feinem Handeln „richten" lassen, aber in der Politik muß er von den Tatsachen ausgehen, vor allem auch von der Tatsache, daß es außer ihm Politiker gibt, die andere Ideale in ihrem Herzen tragen. Diese realpolitische Haltung ist immer ein anerkannter Vorzug der Zentrumsführung gewesen. Ihr.christlicher Idealismus und ihre christliche Staats- und Gefellschaftsibeologie, welche befonberen Prägungen sie auch immer gehabt haben mag, ist für eine solche realpolittsche Haltung, wenn sie Politik machen mußte, nie ein Hinbernis gewesen. Es gibt auch heute noch in katholischen Reihen Integralisten und Romantiker, die von der Eigenständigkeit des Po» litffchen nichts wissen wollen, unter ihrer Kritik hat die Zentrumspartei selbst immer zu leiden gehabt. Dr. Wirth fügte hinzu: Auch die sächsischen Altsozialisten und viele Iungsozialisten sehen den Unterschieb zwischen Partei und Bewegung. Auf sie setzte ich die Hoffnung, zu einer Verständigung zu kommen. Aus sozialvolitisckem Gebiet ergibt sich die Möglichkeit praktischer Zusammenarbeit ziemlich leicht. Die moderne Technik wird häufig von einem unsozialen Kapitalismus beherrscht. Der moderne Arbeitermensch fühlt sich noch als Sklave der Wirtschaft. In der Befteiung des Menschen aus dieser würdelosen Abhängigkeit sieht der Christ sowohl wie der Sozialist die Aufgabe der deuttchen Republik. Es ist leider in revolutionären Kreisen vielfach die Auffassung oertreten, daß die Kirche mit der bestehenden Gesellschaftsform auf Gedeih und Verderb verbunden fei. Die Ansicht ist falsch, und wenn das katholische Volk die Konfessionsschule verlangt, so tut sie es nicht, um ein Machtmittel gegen radikale und soziale Reformen in der Hand zu haben. Kein vernünftiger Katholik wirb verlangen, daß auch die Sozialistenkinber in der Konfessionsschule erzogen werden müßten.
Zum Schluß erklärt Dr. Wirth, daß in der demnächst erscheinenden Wochenschrift die hier vorliegenden Fragen ausführliche Beantwortung finden würden.
Die Kriegsfall in dbina.
Beunruhigende Nachrichten von der Südfronk.
Wie Havas aus Peking berichtet, feien wider, sprechende Nachrichten über die Lage an der Süd- front im Umlauf. Der Kommandant der Kantontruppen plane eine Beschießung Wu Tschangs, bas immer noch Wiberstanb leiste. Er habe bie auslänbifchen Dampfer, bie auf bem Bangste gegenüber Wu Tfchang vor Anker liegen, aufgefor- bert, ihre Liegeplätze zu verlassen. Der am'erifa» lüsche Abrniral habe sich geweigert, ben Hafen zu verlassen. Die Mehrzahl ber in ber Konzessions- Zone lebenben Auslänber habe sich auf bie Kriegsschiffe geflüchtet. Man befürchte, baß bie sowje- tistifche Propaganda^ ber Sübtruppen unter ben Truppen ber beiben Marschälle Unruhen hervor- rufe. In Peking arbeite man an der Bildung eines Ministeriums, in bem Sun Schuan Fang einen größeren Einfluß haben solle. Nur unter bie« fer Bilbung bürfe er aktiv an ben Operationen gegen Kanton sich beteiligen. Man erwarte ben Abschluß eines Bündnisses zwischen Tschang-Tso- Lin, Wupeifu unb Sun Schuan Fang zur endgül- tigen Nieberringung ber roten Truppen.
wtb Conbon, 24. Sept. (Eig. Funkm.) Wie „Morning Post" aus Schanghai meibet, sympathisieren bereits zahlreiche führende Chinesen in Schanghai mit Tschiang kaischeck. Der ganze Feld- zug ber Sübtruppen werbe vom russischen Gene ra l Galan geleitet unb 250 russische Staats» Offiziere befänben sich bei ben Südtruppen. Ka- rachan verbleibe im Sowjet-Konsulat von Schang- bai. Alle Depots ber britischen „afiati Petroleum Company" seien von ben Santontruppen geschlossen worben. Die Depots ber amerikanischen Stan= darb Oil Company seien bagegen nicht angefaßt worben.
Feuergesechk eines britischen Kanonenbootes
Ein britisches Kanonenboot würbe 25 Meilen stromabwärts von Shashi auf bem Bangste von chinesischen Truppen befchoffen. Das Kanonenboot erroiberte bas Feuer mit Maschinengewehren unb Dreizollkanonen.
Kämpfe in Syrien.
Der „Matin" meldet aus Beirut: Drei Eskadron? wurdenzwei Kilometer nordwelllich von Damaskus in lebhafte Gefeckte mit Dritten verwickelt. Der Gegner flüchtete unter Zurücklaffung von 10 Toten.
Die Krife in Spanien.
wtb. London, 24. S°pt. (Eig. Funkm.) Nack einem Bericht des „Daily Chronicle" aus Gibraltar befindet sich Spanien in einer aroßen Krise. Die augenblickliche Laoe fei unerträglich. Entweder der König ober Primo de Rtvera müsse geben. Wahrscheinlick werde Primo be Rivera geben müssen. Sein Nachfolger werde wabrschein. lich bet Vizepräsident der augenblicklichen Regierung, Martinez Anida, sein.
* Die fiibbcutidien Länder für das Ehrenmal am Rhein. Die Regierungen von Boyern, Ba- den und Württemberg beabsichtigen eine Be- sichtigung ber Lorcher Rh ein in sei. Es wird eine gemeinsame Kundgebung der süddeutschen Staaten für das Reichsehrenmal auf der „Toteninsel" bei Lorch erwartet.
Wir und das
Von Franz L
Die Frage ber Mitarbeit der Katho- liken unb ber deutschen Zentrumspartei im Reichsbanner hat.in der letzten Zeit bie katholische Oeffentlichkeit stark beschäftigt. Ein kürzlich in ber Zentrumspresse erschienener Artikel „Katholiken im Reichsbanner" veranlaßte alle grundsätzlichen Gegner desselben zu einer heftigen Polemik. Dieselbe ging von dem Mißverständnis aus, daß ber erwähnte Artikel bie Absicht verfolge, ben Katholiken ben Eintritt in bas Reichsbanner zu empfehlen. In Wirklichkeit hat es sich aber bei ben Ausführungen „Katholiken im Reichsbanner" um eine verhaltene Warnung an bie Abreffe ber Reichsbannerführung gehandelt.
Wenn man auf beiben Seiten jene Stimmen ausfchaltet, deren Stellung für ober gegen bas Reichsbanner lebiglich von parteipolitisch en Machtinteressen biktiert ist, bann bleiben immer noch sehr beachtliche Aeußerungen übrig, an denen man nicht schweigenb vorübergehen kann. Iebensalls, um bas vorweg zu bemerken, ist von Seiten des Zentrums eine Entwicklung ber Reichsbannerbewegung keineswegs mit ungerecht f e r t i g t e m Optimismus betrachtet worben. Man hat bie Schwierigkeiten von vornherein recht gut erkannt. Dor allen Dingen würbe auch ber Mentalität Rechnung getragen, bie be» bauerlicherweise bie Politik ber beutschen S o- zialbemokratie währenb ber letzten Jahre bei vielen wichtigen Entscheibungen beftimmenb beeinflußt hat. Das ist bie Mentalität, bie nicht aus großen staatspolitischen Gesichtspunkten heraus, onbern immer unter ausschlaggebenber Berücksich- tigung parteipolitischer Taktik zu hanbeln pflegte. Es ist ja bekannt, baß wirklich weistichtige Führer ber Sozialbemokratie, bie heute mit am Steuerrab bes Staates stehen, sich über biefen staatspolitisch o engen Horizont in kleinem Kreise bitter beklagen.
Das Zentrum hat in feiner praktischen politi- chen Arbeit bie beutsche Sozialbemokratie unb ihre Zuverlässigkeit gut genug kennen gelernt. Es hat
Reichsbanner.
n b a ch - Bettln.
sich baher von Anfang her keinen unberechtigten Erwartungen hinsichtlich ber Zusammenarbeit im Reichsbanner hingegeben. Für unsere Mitarbeit in biefer Organisation gaben wichtige unb Daten lanbische Beweggrünbe ben Ausschlag, lieber bie politische Notwendigkeit ber Unterstützung bes Reichsbanners durch bas Zentrum wirb man, ohne sich gegenseitig belehren zu lasten, verschiedener Meinung sein.
Politische Bewertungen stehen eben abseits von zwingenber Beweisführung. Zum Reichsbanner hat uns bie Ueberzeugung von ber Notwenbigkeit einer überparteilichen Organisation geführt, die den gegenwärtigen Staat stützt, in feiner Autorität festigt und ihn im Kampf ber politischen Extreme zu einem arbeitsfähigen und starken Organismus macht. Nach ben Erfahrungen, bie in ben letzten Jahren in so reichem Maße mit ben extremen politischen Parteien gemacht würben, schien bie Ibee bes Reichsbanners hierzu geeignet. Dem Kampf, ber seitens ber Völkischen unb ber fooenannten va- terlänbischen Verbände nicht nur rücksichtslos, sondern auch in seinen Mitteln wahllos gegen Staat unb Verfassung tobte, mußte ein Bollwerk entgegengesetzt werden. Zu diesem Bollwerk war bas Reichsbanner ausersehen. Als überparteilicher Zusammenschluß aller Kräfte, bie gewillt finb, auf dem Boden ber heutigen Verfassung mitmarbeiten, fällt ihm in erster Linie keine machtpolttische, son- bern eine sittliche Ausgabe zu. Das ist bie E r- ziehung zu verantworttmgsbew'ißter unb auf= bauenber staatspolitischer Arbeit, zum richtigen Derstänbnis ber Verfassung und zur 'Durchdringung des ganzen öfsentsicksn Lebens mit dem wahren Geist derselben. Solcken hoben vaterländischen Zielen kann nur unter ber Voraus- fttzung ber Uebervarteilichk-ttt, der "-""mseitiaen Duldsamkeit und sozial versöhnlichen Willens ent« gegenaestrebt werden.
Indem bas Zentrum bie beutsche Sozialbemokratie in einer solchen überparteilichen Organisation