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Nr. 217

Sonntag, 19. September 1926

3ahra. 53.

i, wie das

Noch einer Londoner Meldung beschloß das Büro des englischen Bergarbeiterverbandes die Ein­berufung einer Vollversammlung des Vollzugs- au ssch u s ses des Beroarbeiterverbandes für kom­menden Montag, in der der Vorschlag Baldwins, em Schiedsgericht für die Beilegung des Konfliktes 3« schaffen, geprüft werden soll.

Verschärfung der Lage in Spanien.

wtb. London, 18. Sept. (Eig. Funkm.) „Daily Ehromcle" berichtet aus Madrid, daß die dor­tige Lage von neuem sehr ernst sei. Die In­fanterie habe sich der Artillerie ange­schlossen und werde in Spanien zurückgehalten. Sie habe eine fomelle Aufforderung an Primo de Rivera gerichtet, zurückzutreten. Primo de Rivera werde heute nach San Sebastian fahren, um mit dem König zu beraten.

ntHaeit- Greife »leimetle <6oloneD oka! O.Ib Reickrmar auswärts 0.20 Reichsmark. Reklame,eile- lokal 0.6< Reichsmark auswärts 0.80 Reichsmark.

Bei W«ei>erk>o''inaen "»aball Paltrchechkonta "trnnffur* n.40M

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbe-lagen^ stNustrierte Sei- 's«« und Buchenblätler" Rotationsdruck und vsrlaa der gluldaer Actienbruckeret in ssulda. ^ernkvrecher Nr. 9- ""nnatNcher BeriiaSNrei»^ 1.50 ®"f.

Unter vier Augen in Thoiry.

Grundsätzliche Einigung zwischen Briand und Strefemann. — „Huf dem Wege zur Gesamtlösung des deutsch-französischen Zragen-Nomplexes." vriands Hbreise nach Paris.

2)cr B otpreis in Paris. Der Brotpreis "Paris, der gegenwärtig 2,45 Franken beträgt, ronb vom 23. September ab auf 2,70 Franken er­höht werden.

* Massenverhastungcn in Rom. Wie die Blätter meiden, hat die römische Polizei etwa 333 Personen erhaftet und etwa 600 Hausiuchnngen vorgenommen. J," ?n& wurde eine Hausiuchunq bei dem

p>>bl,konischen Abg. Chiesa vorgenommen.

itAl. Emsührnng der Todesstrafe in Italien. Der h; ’ Ministerrat ist einberufen worden, um - Borlage über die Verteidigung des Staates, driLliß Einführung der Todesstrafe zu

Communiquä selbst besagt, nur barm, wenn die beiden Außenminister die Billigung ihrer Regie­rungen finden. Briand und Dr. Strefemann wer- den in diesem Fall Gelegenheit haben, sich in den ersten Dezemberwochen in Genf bei der nächsten Völkerbundstagung zu treffen. Jedoch ist es auch möglich, daß, wenn es der Stand der Verhand­lungen erlaubt, sich die beiden Staatsmänner vor diesem Zeitpunkt entweder in Paris oder anderswo ».essen. Briand hat mit seiner Befriedigung über die Fühlungnahme mit dem deutschen Außenminister m Genf nicht zurückgehalten. Seit dem Beginn seiner Besprechungen mit Dr. Strefemann hat er

Die chinesischen wirren.

Pekinger Meldungen zuft»lge hat der Gouver­neur von S ch a n s i die Kapitulation von drei 7 Divisionen und zwei Brigaden der vormaligen M Armee Fengsusiangs angenommen. — „Chicago MTribüne" meldet aus Peking, daß ein amerika­nisches Kanonenboot bei Hankau von einer Batterie der Kanwntruppen unter schweres Feuer genommen worden sei. Die Ameri- wner hätten das Feuer erwidert. — Nach einer Meldung aus Hongkong haben die englischen Marinebehörden mif Grund von Versicherungen der Kantvner Regierung, daß Schiffsladungen und Passagiere geschützt und polizeiliche Maßnahmen gegen die Einmischung der Streikposten getroffen werden sollen, ihre Kanonenboote zurück- Stjogen.

* Reiebsbankpräsident Dr. Schacht in Wien. Reichsbankpräsi^enl Dr. Schacht ist am Freitag in Wien eingeirofsen, um einige Vorträge im Rahmen der internationalen Hochschulknrse zu halten. Er wird sich dann auf kurze Zeit nach Budapest begeben. Von Wien reift Dr. Schacht nach Budapest, wo er am Samstag eingetroffen ift. Seine Reise trägt, tote er erklärte, rein privaten Charakter.

Der Genfer Havasvertreter gibt zu dem Com- munique über die Aussprache zwischen Dr. Strese- mann und Briand einen längeren Kommentar, in dem unter Bezugnahme darauf, daß die beiden Außenminister sich Vorbehalten haben, ihren Re­gierungen Bericht zu erstatten, erklärt wird: Die Zukunft der deutsch-französischen Be­ziehungen, so, wie sie Dr. Stresemann und Briand aufzufassen scheinen, hängt also nicht mehr allein von ihnen, sondern von den Regierun­gen ab, denen sie angehören. Nach der Auf-

yaldwms Vermittlungsvorschlag. tfm)Jfang der veraarbelkerführer. — Schaffung eines

nationalen Schiedsgerichtshofs nach Wiederauf­nahme der Arbeit.

Baldwin empfing am Freitag den Präsiden­ten des englischen Erubenbesitzerverbandes, Evans Williams, den er zu sich gebeten hatte. Im Anschluß tcran empfing er die vier Bergarbeiterführer Her­bert Smith, Cook, Richardson und Ri­chards.

Die von Baldwin im Laufe der Besprechung dem Bergarbeiterführer Cook gemachten Vorschläge sind folgende:

1. Sobald die Arbeit aufgrund vorläufiger Ab­kommen lokaler Art wiederausgenommen sein sollte, wird die Regierung em Gesetz durchbringen, durch das ein Schiedsgericht für die Arbeits­bedingungen im Kohlenbergbau für ganz England geschaffen wird, es sei denn, daß durch ein vorheriges Zustandekommen eines Abkommens für ganz England ein solcher Schritt sich erübrigen sollte.

2. Jede an irgendwelchen provisorischen Abkom­men beteiligten Partei kann in dem Fall, daß dieses provisorische Abkommen eine Verlängerung der Arbeitszeit vorsieht, sich an das zu schaf­fende Schiedsgericht wenden, um eine Ueberprüfung aller solcher Punkte zu erreichen, die bis jetzt durch •in Arbeisabkommen für ganz England geregelt Morden sind.

3. Das Schiedsgericht hat dir Befugnis, der­artige provisorische lokale Abkommen zu bestätigen oder abzuändern, und alle Bergleute in einer Grube, wo eine längere Arbeits­zeit herrscht, haben, wenn sie durch eine derartige Entscheidung des Gerichts betroffen werden, das ge­setzliche Recht auf Löhne, die der Entscheidung des Schiedsgericht entsprechend festzusetzen sind.

britische Lage in Marokko.

wtb. poris, 18. Sept. (Eig. Funkm.) Der Be­richterstatter des „Matin" 'm Rabat teilt mit, die Verbindung zwischen dem spanischen Oberst C o - P a c und den ihm zu Hilfe gesanden Verstärkungen ift hergestellt. Capac hat aber das von ihm besetzt gehaltene Gebiet den Beni Haled überlassen, so daß die französischen Truppen auf breiter Fröntvon 100Klm. sich den nichtunter» tnorfenen Beni Haleds, Ktama und Semhadjas gegenübersehen, ohne daß irgend eine spanische Truppe auf der anderen Seite »er Grenze die Rifleute in Schach hallen kann.

Deutscher Staötetaa in Stettin.

I Der Hauptausschuß des Deutschen Städtetages I ist am Freitag in Stettin zu einer Tagung zu- : I sammengetreten, um zu wichtigen kommunalen Fra­gen des Tages Stellung zu nehmen. Etwa 200

I Städtevertreter haben sich unter Leitung des Ober» I bürgermeisters Boeß - Berlin eingefunden. ' Unter I den zahlreichen Gästen bemerkte man u. a. den Reichsminister Dr. Külz und den preußischen Mini- ; I ster des Innern Severin g, sowie Öen. früheren j Reichswirtschaftsminister Hamm, geschäftsführen­des Präsidialmitglled des Deuffchen Industrie- und Handelstages. Oberbürgermeister Boeß begrüßte ; die Erschienenen und dankte der Stadt Stettin für

I die freundliche und liebevolle Aufnahme. In seinen I weiteren Ausführungen wies er noch auf die schwere I allgemeine Wirtschaftslage und die damit mitbe­dingte schwierige Lage der Städte hin. Das Ver-

I Handlungsthema des ersten Tages des Deutschen I Städtetages war die Frage der Finanzreform. I Der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Mu- I lert erstattete über diese Frage einen eingehenden I Bericht.

Dann ergriff der preußische Innenminister S e. I vering das Wort. Er betonte, daß er den Korn- I munalverwaltungen dazu verhelfen werde, örtliche I Zuschläge zur Einkommensteuer zu be- I kommen. Die finanzielle Selbstverwaltung der Ge- I meinden müsse unbedingt wieder hergestellt werden. I Einen großen Anteil an der Wiederherstellung ge« I ordneter Zustände nach dem ungeheuren Zusammen­bruch hätten die Gemeinden durch die Anlage von I Spiel- und Sportplätzen und Stadien im Dienste I der körperlichen Ertüchtigung. Die Ausgaben da- I für seien jedenfalls wertvoller und mehr zu begrü­ßen als die Gewährung von Schadenersatz für Tu- I multe. Der Minister betonte zum Schluß unter leb­haftem Beffall nochmals, daß er als Minister wie I als Parlamentarier die Interessen der Gemeinden I hn Sinne der Selbstverwaltung vertreten werde.

Reichsminister des Innern Dr. Külz versicherte, I daß er sich als Treuhänder der Interessen der Ge­meinden betrachten wolle. Die ganze Finanz- gesetzgebung sei völlig unorganisch ge­worden. Nunmehr gelte es, eine organische Ent­wicklungsperiode einzuleiten und die endgültige

I Scheidung der Steuerquellen bzw. die endgültige Fi- I xierung des Anteils an den Steuerquellen durchzu» I fuhren. Weiter handele es sich darum, die Selbst- I Verantwortung der Gemeinden bei den finanziellen I Entscheidungen wieder herzustellen. Man sei einig in dem großen Ziel, daß der Finanzausgleich zur

I Voraussetzung hat die Abgrenzung der Zuftänbig- kest und der Funktionen zwischen Reich, Ländern

I und Gemeinden. Gesetzgebung, Regierung und Ver­waltung müßten wieder getrennt und non den zu­ständigen Stellen ausgeübt werden. Auch ihrem

I Auf- Und Ausbau nach müsse es sich um eine oraa- I nische Gestaltung der Steuern handeln. Die Haus- zinssteuer müsse sozial und gerecht und wirtschaftlich

I erträglich gestaltet werden. Ein befriedigender Aus- I gleich zwischen Staat und Verwaltung sei unbedingt I möglich, wenn man die ganzen Gegensätze behan- dett unter starker Betonung der Tatsache, daß eine

I gesunde Wirtschaft die beste Säule eines geordneten Staates ist.

Reichsminffter a. D. Hamm betonte als Per- treter der Wirtschaft, daß man zwischen der Sellstt- I Verwaltung und der Wirtschaft sich besser verstehen I lernen müsse. Zweifellos müsse eine starke Wirtschaft I die Kommunen schützen auch nicht nur in guten, sondern auch in bösen Tagen die Wirtschaft. Der Redner begrüßte dann die Ausstihrnngen be$ Roichsfinanzministers über eine gesunde Reichs­finanzreform. Eine Milderung der Lasten sei ledig­lich zu erreichen auf dem Wege der Selbstverwal­tung. Dieser Gedanke sei auch in der Wirtschaft auf dem Vormarsch.

Auf der Tagung des Deutschen Städtetages wurde eine

Entschließung einstimmig angenommen, in der es heißt:

Die Finanzlage der Städte hat sich im Gegensitz zu der des Reiches in letzter Zeit erheblich verschlechtert. Die Städte fordern daher erneut eine endgültige Regelung des Finanzausgleiches. Reben der Gewährung ausreichender Mittel muß ihnen die Rückkehr zur vollen Selbitoerantwortlichkeit und die Wiederherstellung der Selbstverwaltung ermöglicht wer­den.

Mit der Neuregelung des Finanzausgleiches ist ein einheitlicher und systematischer Saften- ausgleich zu verbinden, bei dem die Verteilung der Mittel unter Berücksichtigung der örtlichen Seiftungs- fähigkeit und der Belastung mit Pflichtausgaben nach objektiven Merkmalen zu erfolgen hat Slenderimgen von Reichs- und Landessteuergesetzen, die sich auf den städtischen Haushalt auswirken, dürfen während eines laufenden Rechnungsjahres im Interesse einer geord- neten Wirtschaftsführung nicht vorgenommen werden.

Die gegenwärtige Regelung der H a n s z i n s lt« u er kann auf die Dauer nicht beibehalten Her­ben. Ihre Umwandlung in eine ablösbare Rente er­scheint auch als geeigneter Weg, um die zur Beseitigung der Wohnunsnot durch eine umfassende Neubautätigkeit erforderlichen Mittel zu beschaffen. 80 bis 90 Prozent der Gesamtaufwendungen der Städte sind gesetzlich oder anderweitig festgelegte Pflichtausgaben, an bereit Höhe sie keine unmittelbaren Einwirkungsmöglichkeiten besitzen. Die vielfach geforberte Einschränkung der städti­schen Ausgaben ist nur möglich durch Einschrän- kung der Aufgaben, der eine entsprechende Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen vorangehen muß. Die Städte sind bereit, gemeinsam mit Reich und Ländern an der Verringerung des öffentlichen Ausgabenkreises und der unnaufschiebbaren Reform der inneren Ver­waltung mitzuwirken, um so eine Senkung der öffent­lichen Lasten zu erreichen.

* Tas südslavische Königspaar in Paris. D«i südslavische Köniospaar ift' am Freitag in Parst inkognito eingetroffen. Es gedenkt acht Tage in Pari» ru verweile».

faffung Bricmds, wie auch nach derjenigen Dr. Stresemanns werden die in Genf und Thoiry ein- geleiteten Besprechungen mehr oder weniger von Erfolg gekrönt fein, je nach dem diese in den beiden Ländern Ermutigung finden. Es werden neue Besprechungen stattfinden, jedoch, Communiquä selbst besagt, nur dann,

I _£,er bereits angekündigte Unterredung zwischen I Strefemann und Briand fand am Freitag I tto^mittag in Thoiry, einer kleinen Orffchaft im I französischen Jura (etwa 25 Kilometer von Genf I entfernt), statt. Sie dauerte nicht weniger als I fünf Stunden. Ihre vollkommene Vertraulichkeit toar dadurch sichergestellt, daß ihr außer den beiden I Ministern lediglich ein Dolmetscher beiwohnte und I daß der Ort der Zusammenkunft, über den ein Test der _ Auslandspresse die verschiedenartigsten I Kombinationen angestellt hatte, stteng geheimgehal- I ten worden war. Verschiedene amerikanische und französische Journalisten versuchten vergebens durch Abstreifung der ganzen Umgegend den Ort der Zu­sammenkunft ausfindig zu machen.

Die Unterredung betraf in der Tat, wie das I auch der Wortlaut des unten mitgeteilten Com- I muniques hervorhebt, alle zwischen den beiden I Ländern bestehenden Fragen, die bisher der Lösung harren. Das Schwergewicht bei dem in dem ver- I einbarten Kommunique dargestellten Ergebnis liegt vielleicht in der Betonung des Einklanges, der zwischen den beiden „Ausfassu ngen über eine Gesamtlösung" der Fragen erzielt wurde. Es ist bekannt,, daß die Auffassung Dr. Sttese- manns stets dahin ging, daß nicht die Lösung von Einzelftagen, sondern nur eine Gesamtlösung zu den angestrebten Zielen führt.

Das Verfahren für die weitere Behandlung der heute erörterten Ausgaben wird dahingehen, daß I zunächst die beiden Minister ihren Regierungen I über ihren Gedankenaustausch und die dabei ge­wonnenen Resultate Bericht erstatten. Das wird bei Briand, der am Freitag abend einen kurzen Urlaub antritt, etwa Ende September der Fall sein, also ungefähr gleichzeitig mit dem Termin, I M dem auch in Berlin nach Rückkehr der deutschen Delegation die Erörterung dieser Frage gegen­ständlich wird. Jedenfalls besteht die Absicht, wenn die Billigung der beiderseitigen Kabinette erlangt I ist, auf die sowohl Briand wie auch (strefemann i hoffen, sofort in die weitere Bearbeitung einzu- I treten, da eine Gesamtlösung, wenn sie überhaupt I angestrebt wird, sobald als möglich erzielt werden muß.

Reichsminister Dr. (strefemann selbst schilderte feinen Eindruck von der Zusammenkunft dahin, daß er bei Briand wie stets bisher starkes Ver­ständnis dafür gefunden habe, daß die ganze Sitna- tion eine europäische Verständigung fordert, deren Kernstück die deutsch-ftanzösische Verständigung sei. Wenn ein Zusammenwirken auf den verschiedenen Gebieten angestrebt werde, so dürften keine Streit« fragen zwischen den beiden Ländern offen bleiben, welche fortgesetzt die Annäherung hemmen.

Als seinen Eesamteindruck bezeichnete bet Mi­nister den einer außerordentlichen Bestie- I bigung über den ganzen Lauf der Be­sprechungen.

Auch Briand, bet Freitag abenb -/-IO Uhr Gens verläßt, um ebenso wie bet am Donnerstag nach Genua abgefahrene Chamberlain sich eine kurze Erholung zu gönnen, empfing im Laufe des Abends für einige Minuten die Presse, um ihr in ähnlicher Weise fine Dr. Strefemann feine Eindrücke und | Empfindungen mit Bezug auf die Zusammenkunft von Thoiry auszusprechen. Auch er hat es natür­lich vermieden, auf Einzecheiten einzugehen, für I beten Erörterung bet Zeitpunkt heute noch nicht I gekommen sei.

Das amtliche Tommuniquö.

Ueber bie Zusammenkunft zwischen Neichsmini- ster Dr. Strefemann unb bem französischen Mini­ster bes Aeußern, Btianb, würbe am Freitag abenb I 7 Uhr folgende gemeinsam vereinbarte amtliche Mitteilung ausgegeben:

„Der deutsche Reichsaußenminister Dr. Strese- m a n n und der französische Außenminister Briand trafen sich zum Frühstück in Thoiry. Sie hatten dort eine mehrstündige Unterhaltung, die in herz­lichster Weise verlief. 3m Berlauf dieser Unter­haltung prüften sie der Reihe nach alle ihre beiden Länder interessierenden Fragen und suchten gemein­sam nach den geeignetsten Mitteln, um die Lösung I dieser Fragen im deutschen und im französischen Interesse und im Geiste der von ihnen unterzeich­neten Bereinbarung sicherzustellen. Die beiden Minister brachten ihre Auffassungen über eine Gesamtlösung der Fragen in Einklang, wobei sich jeder von ihnen vor­behielt, seiner Regierung darüber Bericht zu erstatten. Wenn ihre Auffassung von ihren beidersettigen Regierungen gebilligt werden, werden sie ihre Zu­sammenarbeit wieder aufnehmen, um zu den ge- I wünschten Ergebnissen zu gelangen.

uldaerZeitun^

Anzeiger für die Stadt und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

bet jeher Gelegenheit dessen große Korrettheit unb vollkommene Loyalität anerkannt. Ueberbies wer­ben bie in Genf unb in Thoiry abgehaltenen Be­sprechungen, wenn es bie Regierungen für angezeigt galten, bie erste Etappe auf bem Wege zu einer engeren Zusammenarbeit auf allen Gebieten zwi­schen ben beiben ßänbem barstellen.

Briand berichtet dem Ministerrat.

wtb. Paris, 18. Sept. (Eig. Funkm.) Briand, der rm Laufe des Samstag in Paris eintreffen ttjtrb, wird in dem für Dienstag angesetzten Mi- m ft errat Bericht über feine gestrige Unter­redung mit Reichsaußenminister Dr. Strese­mann erstatten.

Zaleski bei Staatssekretär v. Schubert.

Wie der Genfer Sonberberid)terftatter des W. T. B. erfährt, hat der polnische Minister des Aeu­ßern, Zaleski, Freitag nachmittag eine Bespre­chung mit Staatssekretär v. Schubert gehabt, den er I im Hotel Metropole aufsuchte.

Prälat Haas über Genf.

Anschließend an bie gestern bereits hier wieder- gegebene Ansprache des Reichsaußenministers Stresemann hielt der Reichstagsabg. Prälat -s, °UJ der vom Reichspressechef gegebenen ge« ftllfchaftllchen Veranstaltung in Genf eine kurze I Ansprache, um die Empfindungen der anwesenden parlamentarischen Vertreter und der übrigen Dels- gationsmitglieder zum Ausdruck zu bringen.

I Er gedachte dabei mit Genugtuung dessen, was für das deutsche Interesse und die Vorbereitung einer weiteren glücklichen deutschen Zukunft in

I Genf getan worden fei. Er und bie übrigen parla­mentarischen Delegierten seien ohne Enthusiasmus hierhergekommen, aber er habe sich gerade hier da­von überzeugen können, daß seit 1923, seit den schweren Zeiten, von denen der Minister gesprochen habe, eine wichtige Arbeitgeleistet wor- den sei, um eine neue Zukunft für Deutsch- \\ o n b auf anderen Wegen zu finden. Diese Wege seien entsagungsvoll und stellenweise unendlich tragisch, aber er unb seine Partei hätten schon lange vorher die Meinung vertreten, daß dieser Weg gegangen werden müsse, weil der Versuch, einen anderen Weg zu gehen, nicht zu verantwor­ten sei. Wenn heute auch noch nicht der volle Friede sei, so sehe man ihn sich immer deutlicher abzeichnen. Wie soll es möglich sein, daß ein Volk, das so entmachtet ist, mit anderen Methoden sich einen Weg zu neuer Weltgeltung schaffen soll, als auf dem Wege des gemeinsamen stufenförmigen I Wiederaufstiegs und kleiner, zielbewußter und zweckmäßiger Teilerfolge? In Uebereinftimmung I mit Strefemann müsse er darauf Hinweisen, daß I vielfach Bismarck für Anschauungen zitiert I werde, die Bismarck selbst unter den heute gänzlich I veränderten Verhältnissen absolut und entschieden I ablehnen würde. Die These, die am Tore des Re- formationsfaales von uns angeschlagen werde, sei, I daß Deutschland nicht an eine Verzicht- I Politik denke, sondern seine Forderungen, I worauf es nicht verzichten könne, unter allen Um- I ständen aufrecht erhalte.

Der Prälat wandte sich dann an die Presse, in | der er vielfach das Gefühl eines tatsächlich u n b e » I rechtigten Pessimismus finde. Das per- I fpektivifche Sehen, führte Saas aus, scheint bei I manchen von Ihnen gerade umgekehrt entwickelt I M sein. Wo Großes zu sehen wäre, sieht man es I klein und Kleines vergrößert man ins Ungemef» I fene. Das fei eine unfruchtbare Stimmung für den I Anfang bes Kampfes unb am Anfang eines frieb- I lichen Kampfes um bie bie vollkommene Wie- I bererlangung unserer Weltgeltung ständen wir jetzt. Genf sei dafür die erste wichtige Etappe auf I dem Wege zum Erfolge.

Der Redner mies darauf hin, daß er als Par­lamentarier des b e f e tz te n Gebietes das I Recht habe, derartige Mahnungen laut werden zu I lasten. Das besetzte Gebiet habe in erster Linie | Opfer gebracht und habe ihr Ertragen auch auf län- I gere Sicht für weniger wichtig gehalten, als das I Erreichen großer Ziele. Deshalb dürfe man for­dern, daß die anderen außerhalb des besetzten Ge­bietes ihre begreifliche Ungeduld ebenfalls etwas zügeln. Die moralisch unb rechtlich nicht mehr haltbare Position sei von der Gegenseite innerlich bereits aufgegeben. Der Rebner schloß mit warm empfundenen Dank für die Offenheit und Loyali­tät, mit der Stresemann und die behördliche Dele­gation in den bisherigen Genfer Tagen zusam- I menarbeiteten 3