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Anzeiger für die Sfahf und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisbfafk.

Nr. 214

Donnerstag, 16. Sept. 1926

Zahrq. 53.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilaaew Illustrierte Bei- iaae" und Buchenblütter" Rotationsdruck und «erlag der Iuldaer Actienkruckerei In Iulda. Nernwrecher Nr 9. ""onntlither BeruaSNre««. I SO «rf.

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«ei Wiederdo'nnaen Nndatt. «ost'ch-ckkonta "tranklur' n. m. 4051

Die Engländer sollen 2

iesbaden räumen

Ländern zu zerstreuen. Auch sonst hätten sich im Laufe der Verhandlungen viele Schwierigkeiten ergeben, die mehrfach, wie in London und bei den früheren Jahresverhandlungen in Genfzu ernsten Krisen gefühtt hätten. Ihre Uebertvindung sei neben dem Willen aller zur Mttauensvvller Zusammenarbeit nicht zum min- oesten der wertvollen Mittlertätiakeit der englischen Politik zu danken.

Zur abessinischen Frage.

Wie Havas aus Genf berichtet, scheint die Streit­frage, die zwischen Abessinen einerseits und Italien und England andererseits wegen gewisser von den beiden letzteren Staaten geplanter Abkommen ent­standen war, erledigt zu sein. Die abessinische Regierung hat die Mitteilung, die sie für den 10. September angekündigt hatte, nicht nach Genf ge­langen lassen. Man schließt daraus, daß die abessi­nischen Delegierten in Genf im Laufe der Besprechun. gen alle möglichen Zusicherungen erhalten haben.

Sleich sminister Dr. Stresemann emp­fing aus Anlaß des Austausches und der Nieder- legu ig der Ratifikationsurkunden über x * £ Vertrag von Locarno die in Genf an- ""Ärmden VertreterderenglischenPresse. Jt. Stresemann wies in seinen Ausführungen auf 4ie Vorgeschichte und die politische Bedeutung des Locarnoverttages hin unter besonderer Hervor­hebung des bedeutsamen Anteils, den der eng­lische Außenminister Sir Austen Chamberlain

»abei gehabt habe. Dem Genannte^ sowie der englischen Regierung Dank auszusprechen für ihre wertvolle Tättgkeit bei dem Zustandekommen des Derttaqs von Locarno sei ihm heute Pflicht und Bedürfnis. Der Zusammenhang zwischen dem Werk von Locarno und dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund sei nicht nur normaler Natur: Beide Tattachen bedeuteten die bewußte und ent­schlossene Abkehr von einer Politik der gegenseitigen/ Bekämpfung und den Uebergang zu dem System der europäischen Verständigung und der darauf aufgebauten Zusammenarbeit. Voraussetzung sol­cher Verständigung sei ein Geist des Vertrauens, der zunächst bei den Führern vorhanden sein und von da aus in den Völkern sich ausbreiten müsse. In den am Locarnowerk beteiligten Ländern sei die damalige deutsche Amegung zu einem Sicher­heitspatt zunächst auf starkes Mißtrauen gestoßen

Das angesehene Londoner Blatt „Manchester Guardian" weist auf die natürliche Erbitterung bin, die die Anwesenheit britischer Be- satzungstruppen in Wiesbaden verur­sache. Seit fünf Jahren habe England sich be­müht, die Deutschen vor den Franzosen zu schützen. Aus diesem Grunde seien die englischen Truppen in Deutschland gebliebem Aber es frage sich nun, ob es nicht im Interesse der künf­tigen Beziehungen Deutschlands und Englands besser sei, sie nunmehr zurückzuziehen.

Wer sich die Verhältnisse im besetzten Gebiet angesehen hat, kann nur mit einem kräftigen I a antworten. Es wäre nicht nur besser, sondern am besten, wenn sich die Engländer zurückziehen würden. Die Verständigung der Völker wurde da­durch überaus günstig beeinflußt werden.

verändertes, nur in zwei Punkten sind n e u e E n t- schließungen gefaßt worden und zwar 1) in« bezug auf die Nichtanrechnung der Weißen Stimm­zettel entgegen der durch den Unterausschuß für das Wahlverfahren vorgesckflagenen Formulierung und 2) durch die Wiedereinführung der sogenannten K a ss at, o n s kla u sein, die heute nachmittag beschlossen wurde. Dabei handelt es sich um die Aufnahme eines Norwegischen Antrages durch Lou. cheur, der die Anwendung des Rechts der Ver­sammlung, das an sich auch bei Wegfall der Kassa­tionsklausel bestanden hätte, durch deren Wieder- einsiihrung formell zu erleichtern wünschte. Mit dieser Wiederherstellung war die Gesamtheit der Kommission einverstanden, da Polen seine Auf­fassung zu der Frage durch Nichtbeteiligung an der Abstimmung zmn Ausdruck brachte. Man nimmt angesichts dieses Abstimmungsergebnisses an daß nunmehr in der Mittwoch-Vollsitzung, die Rechts- Vorlage für die Ratsform — die Schaffung der drei neuen nichtständigen Ratssitze ist bereits in der vorigen Woche von der Versammlung angenommen worden — ohne größere Debatte zur Annahme gelangt.

Internationale Zusammenarbeit.

Minister Stresemann wies anschließend darauf hm, daß die deutsch - französische Ver- ständigung keine Beeinttächttgung der englischen Interessen bedeute. Dies gelte auch von den Ver­handlungen über einen Eisenpakt, an denen die englische Jndusttie auf Grund eigener Ent- sthließung sich nicht beteilige. Zum Schluß gab der Minister der Hoffnung Ausdruck, daß das gemein­same Werk von Locarno sich zum Wohle aller Beteiligten immer weiter auswirken möge.

Die Rats-Wahl.

Aus Genf wird gemeldet:

Die Verhandlungen des Rechtsausschufses der Versammlung über das Wahlreglement sind zum Abschluß gekommen. Der Vorsitzende des Ausschus­ses Motta ist zum Berichterstatter ernannt worden. Er wird Mittwoch vor der Völkerbundsoersamm- lung über das Ergebnis der Kommissionsberatun- gen berichten. Dieses Ergebnis ist, wie erwartet werden konnte, in allen wesentlichen Teilen ein gegenüber der Vorlage der Studienkommission un-

Im zweiten Versammlungsausschuß des Völ­kerbundes (technische Organisationen) stand die be­deutsame Zukunftsaufgabe einer internationalen geistiger Zusammenarbeit und ihrer Organisation zur Erörterung. Dabei begrüßte der Direktor des Institutes für geistige Zusammenarbeit in Paris, Luchaire, mit besonders warmen Worten die durch den Eintritt Deutschlands gewonnene un­entbehrliche deutsche Mitarbeit an diesen Bestrebungen. Das deutsche Mitglied, Frhr. v. Rheinbaben erwiderte, daß Deutschland auch ohne Mitglied des Völkerbundes zu fein gerade auf dem Gebiete von Kunst und Wissen- schäft die Mitarbeit bei den internationalen Ver­anstaltungen niemals versagte. Gerade das P a- rif er Institut, dessen Mitglieder ja Professor Einstein und andere deutsche Gelehrte und Künst­ler sind, sei davon der Beweis, v. Rheinbaben . ... , -------- —------- legte dann dar, daß die Schaffung eines nationa-

wib, es sei erst im Laufe-der ,Zeit..g«l»mgen, dieses- im Komitees für diesen Aufgabenbereich nach dem ' ---—"—■ -----------” Beispiel anderer Länder in Deutschland gewissen

Schwierigkeiten begegnen dürfte, weil das geistige Leben in Deutschland nicht zentralisiert sei, sondern seine Pflege, wie z. B. im Fall der Universitäten, Aufgabe der L ä n d e r sei, und weil außerdem die zahlreichen kulturellen Zentren Deutschlands z. T. bereits seit langer Zeit außerhalb des BSlkerbun- des fruchtbare internationale Beziehungen pfleg- ten. Deshalb fei es vom deutschen Standpunkt aus schwierig, zu der Anregung endgültig Stellung zu nehmen, die auf die Schaffung bestimmter natio­naler Organisationen hinauslaufen, um die Arbeit des Institutes für geistige Zusammenarbeit seitens der einzelnen Nationen zu fördern. Aus jeden Fall aber werde Deutschland jede Anregung begrü­ßen, um die Beziehungen des Vertrauens zwischen den Organen des Völkerbundes und den bestehen­den deutschen wissenschaftlichen und kulturellen Or­ganisationen herzustellen.

5lu§ dem Lande Mussolinis.

Nach einer Meldung aus Triest soll es dort am Montag zu Zusammenstößen zwischen Fas- z i st e n und Carabinieri gekommen sein, wo­bei zwei Faszisten und ein Carabinieri schwer ver­letzt wurden. Ein Faszist ist seinen Wunden er- legen. Die übrigen beiden Verwundeten ringen mit dem Tode.

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Die „Innsbrucker Nachrichten" melden, daß eine Abtrennung des deutschen Teils der Provinz Trient und die Schaffung einer besonderen Pro­vinz Bozen bevorstehe.

Wie die Blätter berichten, ist im Laufe einer Unterredung zwischen Poincare und dem italienischen Botschafter, die in Paris stattfand, die Frage der in Frankreich schwebenden antifaf» Zistischen Bewegung aufgeworfen worden. Nach dem „Matin" habe der italienische Botschaf». ter namens seiner Regierung sich damit begnügt, dem Ministerpräsidenten die starke Erregung der öffentlichen Meinung in Italien zum Ausdruck zu bringen. Poincare bewies dem Botschafter, daß die Verantwortung für das Attentat ausschließlich der i t a l i e n s ch e n Polizei zur Last falle, die allein die Möglichkeit habe, den Zu­tritt zum italienischen Gebiet einer Person unmög- "ch Zu machen, die nicht einmal ihre Identitätspa- ptere besitze.

Eröffnung des Deutschen Evangelischen Psarrer- . r* deutsche Evangelische Pfarrerkag wurde n ^ee^lau von dem Vorsitzenden Superintendenten 0. Schafer-Remscheid eröffnet.

Die Finanzen (Englands.

Rückgang der Staatseinnahmen in England.

Nach Ausweisen deS englischen Schatzamtes für die Zeit vom 1. April bis 11. September betragen die Eingänge 287 567171 Pfund Sterling, die Aus­gaben 355 302170 Pfund Sterling. In der gleichen Periode des Vorjahres betrugen die Eingänge 316961569, die Ausgaben 351424440 Pfund Ster- ling. Ter Rückgang der Einnabmen ist bei­nahe ganz auf den Rückgang der Einkommen- fteuererträpniffe um 16 Millionen und auf den Rückgang der Einkommensieuerzuschlages um 6 Mill, zurückzuführen, die durch die wirtschaftliche Depression infolge des Generalstreiks und des Streiks in den Kohlenbergwerken verursacht worden ist. Es muß ferner darauf verwiesen werden, daß die größten Einnahmen regelmäßig erst während der letzten drei Monate des Finanzjahres einzugehen pflegen.

* Zeichen der Zeit. Der deutschnationale säch­sische Landtagsabgeordnete Zill er ist aus der Deutsch nationalen Vvlkspartei aus­getreten mit der Begründung, daß er die grund­sätzliche Oppositionspolitik nicht mehr mitmachen könne, durch die die Deutschnationalen sich von jeder positiven politischen Arbeit selbst ausschalten. Für unglücklich halte er besonders die deutsch- nationale Außenpolitik und den ebenso per­sönlichen wie unversöhnlichen Kampf gegen Strese­mann.

* Revolutionäre Bewegung in der Tschechoslo- wakei? Zu der Meldung einer Nachrichtenagentur aus Berlin über eine revolutionäre Bewegung in der Tschechoslowakei läßt das französische Außen­ministerium durch Havas niitteilen, daß es keine Nachrichten über eine derartige Bewegung besitze.

Die Bergarbeiter.

Die Bergarbeiter-Internationale einberuien.

Wie der „Vorwärts" ans Amsterdam meldet, hat die Bergarbeiter-Internationale zum 30. September eine Sitzung nach Ostende einberufen, nm für den Fall eines Scheiterns der Verhandlungen im englischen Kampf eine

internationale Streikaktion

zur Unterstützung der englischen Bergarbeiter einzu­leiten. Der internationale Gewerkschaftsbund hat bisher, abgesehen von anderthalb Millionen Gulden Darlehen, 225000 Gulden als Beitrag der Lande?- zentralen für die englischen Bergarbeiter überwiesen.

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Laut „Westminster Gazette" habe der Streik der Bergarbeiter Englands bisher 350 Milli­onen Pfund — 7 Milliarden Goldmk. gekostet.

Neichskonserenz der deutschen Bergarbeiter.

Der Deutsche Bergarbeiterverband wird nach einer Meldung aus Bockmm am 26. September eine Reicbskonserenz narb Düsseldorf einbernfen, wo M dem Beschluß der Exekutive der Bergarbeiter- internationale Stellung genommen werden soll, nach­dem die Landesorganisationen beauftraat werden, die Fraae eines Solidaritätsstreiks für die ansgesperrten englischen Bergarbeiter in Erwägung zu ziehen.

Die englischen Fabrikanten.

Aus London wird gemeldet:

Die Union englischer Fabrikanten bat Baldwin in einem Briefe ersucht, keinerlei Schritte zu tun, um eine Regelung der Koblenbergarbeiter« frage auf der Grundlage eines nationalen (statt örtlichen) Abkommens zu erzwingen. Nach Ansicht der Union fei ein Eingreifen der Regierung überhaupt nicht ratsam, wenn nicht sowohl die Ar- beiter als auch die Arbeitgeber darum ersuchten.

Das englische Kabinett.

Das Kohlenkomitee des englischen Kabinetts er- örterte die durch die ablehnende Antwort der Bergwerksbefitzer entstandene Sage und stellte einen Bericht fertig, der der Kabinettssitzung am Donnerstag vorgelegt werden soll, bet her voraus­sichtlich Baldwin den Vorsitz führen wird.

Internationaler Kongreß des Transportarbeiter.

Verbandes.

Der Internationale Konareß des Transport- arbeiterverbandeS, auf dem 180 Vertreter aus zwanzig Staaten anwesend sind, begann in Paris seine Arbeiten, die «s zum 21. 9 1926 dauern werden.

Professor Lucken gestorben.

Wtb Jena, 15. Sept. (Eig. Funkln.) Der ®en tot der deutschen Philosophen, Geheimer Hofrat Prof. Dr. Rudolf Eucken, der seit 1877 der Universität Jena angehört, ist in der veraangenen Nacht an einer Lungenentzündung im 81. Lebens, jähre gestorben.

* Urlaubsreife deS Reichsfinanzministers. Der Retchsminister der Finanzen Dr. Reinhold tritt nadh Beendigung seiner Besprechungen mit der «ess'scheu Regierung in Darmstadt einen etwa vier- wöchentlichen Erholungsurlaub an, den er in Spanien verbringen wird. Seine Vertretuna fuhrt Staatssekretär Dr. Popitz.

* Rückkehr des Reichsministers für die besetzten ©ebiete Bell nach Berlin. Der Reichsminister für die besetzten Gebiete Bell, der zur Besichtigung der „Gefolei" in Düsseldorf weilte, ist wieder nach Berlin zurückgekehrt.

* Fortsetzung der dentsch-tschechoflowakischen Han- delsvertrags-Berhandlungen. Zwischen der deutschen und der tschechoslowakischen Regierung ist vereinbart worden, daß die im Juli ds. Js. begonnenen Handelsvertrags-Verhandlungen am 30. September h?. Js. in Berlin fortgesetzt werden sollen.

Wahlen in Uanada.

wtb. London. 15. Sept. (Eig. Funkm.) Reuter meldet aus Ottawa, die Parlamentswahlen hätten nach den Ergebnissen, die bis Mitternacht entgingen, eine Niederlage der konservativen Re­gierungsparteien und ein bedeutendes An­wachsen der Liberalen gebracht, die unter Umständen sogar eine unbedingte Mehrheit erlangen könnten. Bisher gewannen die Konservativen drei, die Libe­ralen achtzehn und die Progressisten einen Sitz.

Polen und die kleine Entente.

Das Tschechoslowak'sche Pressebüro medei aut Genf: Auf den von den Vertretern der Presse der kleinen Entente gemeinsam mit Vertretern der pol­nischen Presse veranstalteten Diner gedachte der pol­nische Minister des Auswärtigen Zaleski in einer Ansprache des Bündnisses zwischen Polen und R u m ä n i en sowie des Freundschasts- u. Arbitrage- Vertrages mit der T s ch e ch o f l o w a k e i. In den kommenden Tagen, so fügte Zaleski hinzu, würden diese Freundschaften noch durch einen Freimdschafts- und Arbitraaenertrag zwischen Polen und Jugo­slawien gestärkt_____________

Spanien.

Das Standgericht in Segovia verurteilte bei. Chef der Artillerieakademie, Oberst Marqueses. zum Tode. Da Standurteile sofort vollziehbar sind, traf bald darauf die telegraphische Begnadigung des Königs ein, der das Urteil in lebenslängliches Zuchthaus „milderte". Die Standgerichte in Valencia haben nunmehr ihre Tätigkeit ausgenommen. Die Damen der Stadt reichten im voraus ein Gnadengesuch ein.

Die Ereignisse «in China.

Der japanische Minister des Auswü:l'gen in Tokio erklärte mit Nachdruck, daß Japan beab­sichtige, China gegenüber weiter neutral zu bleiben, daß es aber die nötigen Maßnahmen er­greifen würde, um das Leben und die Interessen der Javaner zu schützen, falls sie gefährdet wer­den so Uten.

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Zuständige Londoner Kreise haben beru­higende Nachrichten über China erhalten. Nach dem letzten Telegramm habe General Jangsen die Slbsendung einer Abordnung nach Jtschana ange­boten, um den Zwischenfall von Wanh- fiett zu besprechen. Der brittsche Admiral, der sich augenblicklich auf dem Pangtse befindet, würde sich nach Jtschang begeben, um diese Abordnung zu tteffen. Das gegen die ausländischen Schiffe gerichtete Feuer sei nunmehr eingestellt.

* Der neue japanische Finanzminister. Aus Tokio wird gemeldet: Handelsminister Nacharu Kataoka übernimmt das Finanzportefeuille, das durch den Tod des Finanzministers freigeworden ist. Sein Nachfolger wird Rechtsanwalt Jkunosuke Fujisawa.

* Die Wirren iu Nicaragua. An? Managua wird gemeldet: Der Kommandant der amerika­nischen Seestreitkräfte in den Gewässern von Niacaragua meldet, daß er eine bewaffnete Abteilung zur Befreiung eines englischen Dampfers entsandt hat, der von den Revolutionären geentert worden ist.

* Eine Eingabe des Verbandes Preußischer Po'izeibeamteu. Der Verband Preußischer Polizei- beamten hat an den preußischen Minister des Innern und den preußischen Justizminister eine Eingabe ge­richtet, in der er, nach dem „B. T.", unter Bezug­nahme auf die Untersuchung des Mordfalles Helling darauf bertoeift, daß die Stellung, die der Krimi­nalpolizei im Strafprozeß eingeräumt ist, nicht nrehr zeitgemäß sei, und für „eine den Inte­ressen des Publikums und der Staatsautorität ge­recht werdende Stellung der Kriminalpolizei" eintritt.

Zr. toiiß über handel und Wirtschaft.

wtb. Düsseldorf, 15. Sept. (Eig. Funkm.). Auf der Tagung des Zentralverbandes des deutschen Großhandels hielt Reichswirtfchaftsminister Dr. Curtius eine Rede, in der er unter Hinweis auf die schweren Kämpfe, die der deutsche Großbau- del hinter sich habe und die ihm noch bevorständen, u. a. ausführte:

Wir stehen am Ende eines Abschnittes, in dem die Staatstätigkeit auf dem Gebiete der Wirtschaft sich wesentlich als Notstandsaktion gekennzeichnet hat. Der Zwang der weltwirtschaftlichen Lage, so erklärte der Minister weiter, und die besondere po­litische Einigung Deutschlands würden Voraussicht- lich n u r k u r z e W e I l e n b e r g e wirtschaftlicher Besserung gestatten. Seit den schweren Ta- gen des vergangenen Winters fei jedoch schon eine fehr fühlbare Erlei ch,t e r u n g zu verspüren. Dies gab der Reichsregierung eine Art von Atem­pause und die Möglichkeit, eine Weile Umschau zu halten und den Versuch zu machen, zukünftiges Handeln stärker zu fundieren als das in der Not­lage des vergangenen Winters möglich war. In­folge des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund werde die Frage des Verhältnisses von National- Wirtschaft zur Weltwirtschaft in der nächsten Zu- kunft in starkem Maße erörtert werden. Vor wem- gen Tagen habe Deutschland das zweite Repara- tionsjahr erfüllt, das nach dem Sachverständigen­urteil der deutschen Wirtschaft noch eine Atem- pause Inff en lallte, in Wahrheit aber eine der

schwersten Krisen mit sich gebracht habe. Die Stel­lung der Reichsregierung zum Dawesplan und feine Ausführung sei bekannt. Ohne einer Agitw tionskrise des Dawesplan das Wort zu reden, wünsche er eine stärkere Beteilgung der maßgeben­den Wirtschaftskreise an Untersuchungen der tat­sächlichen Wirkungen des Dawesplan in Richtung auf die deutsche Leistungsfähigkeit und der Auf- nahmefähigkeit des Auslandes für deutsche Lei­stungen.

Auf dem Felde der Handelspolitik lagen die größten Schwierigkeiten in den schutzzöllnerichen Bestrebungen, die sich sowohl in den europäischen als den außereuropäischen Län­dern breit machten, die mehr und mehr zur Selbst­bearbeitung ihrer Rohstoffe schritten. Natürlich sei die Reaktion auf diese Erstarkung der wirtschafts- nationalistischen Tendenzen nicht ausgeblieben. Dei protektionistische Wettlauf habe den Gedanken d e i europäischen Zollunion zu neuer unge­ahnter Lebenskraft verhalfen und selbst greife in feinen Bann gezogen, die ihm bisher skeptisch ge­genüberstanden. Deutschland werde zwischen die­sen beiden Extremen selbstverständlich nur von sei­nem eigenen Interesse geleitet, den rechten Weg ge­ben müssen. Das Ziel unserer Handelspolitik aber werde fein, Nationalwirtschaft und Weltwirtschaft in Einklang zu bringen und mit der Forderung der ersten gleichzeitig der letzten zu dienen.