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FuldaerZettung

An^eioler für die Sfabf und den Kreis ^ufba» Amtliches Kreisblalt.

Nr. 212

Dienstag, 14 September 1926

lahrq. 53.

und explodierte, während der

den Köln

Der Internationale Verband der beim Völker- bund akkreditierten Journalisten hat Georg Bern­hard, Chefredakteur der „Vossischen Zeitung", für das nächste Jahr zu seinem Vorsitzenden gewählt.

namens Erntet» Giovannini, von Beruf Steinmetz, eine Bombe gegen den Wagen. Die Bombe traf das Seitenfenster bi *

Da; Attentat auf Mussolini

bat sich bestätigt. Als Mussolini, der italienische Diktator, im Automobil nach dem Palazzo Chigi fuhr, schleuderte an der Porta Pia ein junaer Mann

Das nationale Direktorium der faszistischen Partei richtete sofort an die Parteimitglieder eine Botschaft, in der u. a. gesagt wird:

Gott rettete Italien noch einmal. Mussolini ist unversehrt. Er nahm sosort wieder auf der Kommando­brücke Platz und befahl, daß keine Repressalie verübt werden forte.

„Das nationale Direktorium fügt hinzu, man müsse dem Befehl des Führers gehorchen, der allein urteilen könne. Die Kundgebung schließt mit den Worten: „E§ lebe Italien! Es lebe Mussolini!"

Im Verlauf des Tages haben die Faszisten sich wiederholt gegen Frankreich gewandt, von wo der anarchistische Attentäter gekommen sein soll.

Mussolini teilt dem Köwig telegraphisch dir Nach­richt von dem aus ihn verübten Attentat mit. In seiner Anwort drückte der König sein Entsetzen über den Vorsall aus und beglückwünschte Musso- "tni zur Errettung aus der Gefahr. Auch der Kron­prinz sandte ein in herzlichen Worten gehaltenes Telegramm an Mussolini, der seinen Dank dafür aussprach. Die gesamte italienische Presse veröffent­licht Artikel, in denen sie das Attentat brandmarkt und der Freude darüber Ausdruck gibt, daß Ita­lien ein unabsehbares Unglück erspart worden ist. Die Zeitungen beglückwünschen Mussolini dazu, daß er unverletzt geblieben ist.

Der deutsche Geschäftsträger in Rom hat dem Ministerpräsidenten Mussolini anläßlich des Scheiterns des Attentats auf Mussolini die herzlich­sten Glückwünsche ausgesprochen.

Die Anschläge auf den italenffchen Diktator sind verabscheuungs würdig. Ihre Häufung erklärt sich aus dem Umstande, daß moderne Völker eine Gewaltherrschast, wie sie der Faszismus unter Mussolinis Führung aufgerichtet hat, auf die Dauer nicht ertragen.

Die Person des Attentäters

Blättermeldungen aus Rom zufolge hat sich heraus- gestellt, daß der Mann, b»r den Anschlag auf Mussolini ausgefübrt hat, falsche Personalien angegeben hatte. Er heißt in Wirklichkeit Gino Lucetti. Auch kam er nicht direkt aus Frankreich, sondern weilt schon seit dem 2. Februar in Rom. Da die Polizei annimmt, daß er das Werkzeug einer weitverzweigten Verschwörung ist, wurden zahlreiche Ver­haftungen vorgenommen.

Nach einer Pariser Meldung des „Montag" soll der französische Geschäftsträger in Rom im Auftrag der französischen Regierung bei Mussolini offiziell gegen den Artikel ves „Gioruale d' Italia" protestiert und der Erwartung Ausdruck gegeben haben, daß die italienische Regierung Maßnahmen ergreifen werde, um eine Irreführung der öffentlichen Meinung in Italien zu verhindern.

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ßcn Juristen Adolf Bach und Klein.

Oberbürgermeister Dr. Adenauer hieß Deutschen Juristentag namens der Stadt herzlich willkomen. Dann sprach

Reichsjustizminister Dr. Bett.

Neue wirren in Griechenland.

wtb Pari», 13. Sept. (Eig. Funkm.). Nach einer Meldung des „Journals" aus Athen hat der Präsident der Republik, Admiral von Son- öuriolis, weil er für die Verantwortung der Regierung für die Zwischenfälle, dis sich am Don­nerstag ereignet haben, nicht teilen wollte, die Un­terzeichnung der Proklamation abgelehnt, die Ge­neral Kondylis zur Rechtfertigung der Haltung der Regierung ausgearbestrt hatte. Konduriotis habe Athen verlassen.

geschichte vollziehen solle. In warmen Worten ge­dachte Dr. Kahl dann noch den verstorbenen gro»

von der Genfer Tagung.

Die Arbeiten des Unterausschusses deS RechtS- ausschuffes der Versammlung wurden am Samstag Aachmsttag fortgesetzt. Deutschland war durch Mi- nisterialdttektor Dr. Gaus vertreten. Die Verhand­lungen ergaben in allen Fragen eine vollkommene Ilebereinstimmung mit den vom Rat bereits geneh­migten Vorschlägen für die Umbildung des Völkerbundrats. Trotzdem scheinen nicht un­wesentliche redaktionelle Aenderungen notwendig zu fein, da der Unterausschuß Montag nachmit­tag um 5 Uhr zu einer weiteren Sitzung zusammen- treten wird. Inzwischen soll ein Redaktionskomitee hie Formulierung ausarbeiten. Dadurch ist es nicht möglich, daß die Genehmigung der Versammlung zu der neuen Fassung der Wahlordnung vor Diens­tag und die Wahl der nichtständigen Mit­glieder vor Mittwoch stattfindet. Man rechnet sogar damit, daß die Wahl erst am Donners­tag vvrgenommen werden wird, da über den durch den Austritt Spaniens frei gewordenen Sitz neue Verhandlungen nötig geworden sind.

Der gemeldete Austritt Spaniens wird in Genf nicht sonderlich ttagisch genommen. Der belgische Außenminister Vandervelde, der aus Genf zurück­gekehrt ist, erklärte vor Pressevertretern, es fei sehr bedauerlich, daß Spanien sich vom Völkerbund zu­rückziehe aber er fügte hinzu, da es sich um eine zweijährige Vorankündigung handle, könne man sowohl für Spanien als auch für Brasi­lien sagen, daß sich in den zwei Jahren noch Vieles ereignen könne.

* Ein Dementi. Havas verbreitet folgende offiziöse Mitteilung aus Kreuznach: Es ist eine Nachricht verbreitet worden, daß ein ehemaliger Oberst der deutschen Armee bei den Manöoern der französischen Rheinarmee wegen Spionage verhaftet worden sei. Nach Erkundigungen an zuständiger Stelle kann dieses Gerücht in aller Form dementiert werden. Es handelt sich in dem vorliegenden Fall keineswegs um Spionage, sondern lediglich um die Uebertretung mner Verordnung des Hauptquartiers, nach der Deutsche ohne besondere Erlaubnis den Bewegungen sranzosischer Truppen nicht folgen dürfen. Es besteht Dsber kein Grund, dem Vorfall die Bedeutung und schwere beüumeffen, wie das geschehen ist.

9us Lhma.

wtb. London, 13. Sept. (Eig. Funkm.) .West­minster Gazette' berichtet aus Shanghai, japanischen Meldungen zufolge habe General Dang Sen nach einer Besprechung mit bem japanischen Konsul eine Proklamation erlassen, in der er seinen Truppen befiehlt, ihre Beschießung auf britische Schiffe zu beschränken und erklärt, die Ja- paner und Franzosen hätten keinerlei Feindselig, leiten gegeigt

ie§ Automobils, fiel dann zur Erde e, während der Wagen seine Fahrt fortietzte. Durch die von der sehr starken Explosion herrührenden Splitter wurden vier vorübergehende Personen leicht verletzt, die in ein Krankenhaus ge­bracht wurden. Der im Jahre 1908 geborene Giovannini wurde sofort durch die Polizisten, die Mussolinis Automobil begleiteten, verhaftet. Er er­klärte, er sei am Morgen vom Auslande über die Berge zurückgekehrt und besitze keinen Paß. Mussolini ist gänzlich unversehrt.

Reichsaußenminister Dr. Sttesemann hat namens der deutschen Delegation in Genf an den Reichs­kanzler folgendes Telegramm gerichtet:

„An dem Tage, an dem der Eintritt in den Völkerbund vollzogen ist, gedenken wir in aufrich­tiger Dankbarkeit Ihrer führenden Mitwirkung an "^«Politik, hic.4iL.iÜ£fäu und über­

mitteln Ihnen in diesem Sinne die herzlichsten Grüße.

Namens der deutschen Delegation

gez. Sttesemann."

Reichskanzler Dr. Marx hat hierauf dem Reichs­außenminister mit folgendem Telegramm geantwortet:

„Für Ihre namens der deutschen Delegation drahtlich übermittelten Grüße danke ich aufrichtigst. Mtt ist es ein Herzensbedürfnis, Ihnen, als dem langjährigen und erfolgreichen Führer der gegen­wärtigen deutschen Außenpolitik zu dem Ergebnis des gestrigen Tages zugleich im Namen der gesam­ten Reichsregierung meine verbindlichsten Glück­wünsche auszusprechen. An diesem Wendepunkt der Geschicke der Völker fiel)en wir zu dem göttlichen Lenker aller Dinge, daß er die vom deutschen Volke in seiner überwältigenden Mehrheit an den Eintritt m den Völkerbund geknüpften Hoffnungen und Wünsche zum Segen unseres Vaterlandes baldigst in Erfüllung gehen lassen möchte. An Ihrer und der Reichsregierung tatkräftigen Arbeit zur Er­reichung dieses hohen Zieles wird es nicht fehlen. Verbindlichste Grüße Ihnen und der ganzen deut­schen Delegation.

gez. Reichskanzler Marx."

Der deutsche Iuriftentag.

In Köln fand der 34. Deutsche Juristentag statt. Unter den Ehrengästen befanden sich Kardi­nal-Erzbischof Dr. Schulte, Reichsjustizminister und Minister für die besetzten Gebiete Dr. Bell und zahlreiche Vertreter der Reichs- und Staatsministe­rien aller Länder und freien Städte, ferner Ver­treter der deutschen juristischen Vereinigungen in Deutsch-Oesterreich und der Tschechoslowakei, sowie schließlich Vertreter der Universitäten Köln und Jena. Auf Vorschlag Prof. Wieruszowskis wurde durch Zuruf Universitätsprofessor Geheimer Justiz­rat Dr. Wilhelm Kahl, M .d. R., Berlin- Wilmersdorf zum Vorsitzenden des Juristentages gewählt. Dr. Kahl dankte für die ihm nunmehr zum 3. Male zuteil gewordene Ehrung. Er stellte in seiner Ansprache die Arbeiten der Tagung in den Dienst des Wiederaufbaues. Er dankte den deutschen Volksgenoffen am Rhein für die Treue, die sie in schwerer Zeit dem Vaterlande hielten. Er begrüßte besonders herzlich die Deut­schen aus den noch besetzten Gebieten am Rhein und an der Saar. Er verband damit in feierlicher Verwahrung einen ernsten Appell, nicht namens der auswärtigen Politik, sondern namens des ewi­gen heiligen Rechtes doch endlich das Recht zu seinem Rechte kommen zu lassen und daß endlich eine Einigung gefunden werde zwischen den Machtansprüchen und dem versöhnlichen Geiste, in dem sich die Weiterentwicklung der Welt-

sum deutschnationalen Parteitag der, wie wir schon berichten, in Köln stattfand, schreibt die „Kölnische Volkszeitung", das Rheinische Zentrumsorgan:

Das Bestreben der Deutschnationalen, auch int Westen Fuß zu fassen, datiert nicht von heute. Schon vor dem Kriege wurde von den Konservativen der Ritt nach dem Rhein unternommen, und es wurde versucht, namentlich in die Reviere des Zentrums einzubrechen. Der diesmalige Parteitag hatte wohl auch in der Hauptsache sich das Ziel gesteckt, in gro­ßen Reden auf dem eigentlichen Parteitag und in öffentlichen Kundgebungen den Gegensatz zu beleuch­ten, der zwischen der Politik des Zentrums und der- jtnigen der Deutschnarionalen besteht. Die Partei­leitung konnte dabei unmöglich den Glauben haben, die Bereitwilligkeit des Zentrums zu stärken, dem­nächst mit den Deutschnationalen in einer Regierung gemeinsam zu arbeiten; denn sehr freundlich waren manche Wendungen nicht, welche sich auf das Zen, irum bezogen, wenn auch zugegeben ist, daß man sich einer gewissen Vorsicht in der Behandlung die­ser stärksten und einflußreichsten Partei im Rhein­lande befleißigte und nicht den Versuch unternahm, die überragende Bedeutung der Zentrumspartei für das neue Deutschland zu oet^rptern. Es ist in die- ser Partei wie in jeder ändert -a politischen Gruppie­rung: die Gereiften besitzen bei aller Grundfatzfestig- feit Mäßigung, die Jungen drängen und bohren und ziehen viel kühner vom Leder. Der Graf We- starp besitzt die Routine des Parlamentariers und Politikers von Format, der Abgeordnete Schlange- Schöningen — ohne Zweffel einer der stark im Hin­tergründe drängenden kommenden Führer — legt offenbar weniger Wert darauf, als kluger Politi­ker, denn als Orator und — Demagoge genommen zu werden. Bei Westarp und den übrigen älteren Führern ist das Bestreben erkennbar, durch eine ge­wisse Vorsicht den im Frühjahr verloren gegangenen Anschluß an die Regierungsparteien wiederzuerlan­gen, bei den jüngeren wahrt man äußerlich Diszip­lin, schluckt aber nervös an dem etwas harten Brok- ken, der durch unzweideutige Pourparlers eingelei­teten Versuche, wieder zur Regierung zu kommen. Das Letztere kann uns im Augenblick nicht interes­sieren, da die Regelung dieser Angelegenheit gar nicht drängt und zudem vorläufig auf der Seite des Zenttums nicht übermäßige Geneigtheit besteht, jetzt, nachdem große außenpolitische Schwierigkeiten ausgeräumt sind, denjenigen am Regierungstisch Plätze einzuräumen, die während des Sommers eine ebenso billige wie aufrichtige Agitation gegen das Zentrum sich leisten zu können glaubten. Auch auf dem Parteitage haben einige Redner namentlich in Sachen des RÄchsfchulgefetzes eine Sprache ge­führt, die mit dem Worte kühn sehr milde bezeich­net ist. Wenn es bisher nicht zu einem Reichsschul- gesetz gekommen ist, so liegt die Schuld daran nicht beim Zentrum, das bekanntlich auf diesem Gebiete noch viel entschiedenere Forderungen stellt als die Deutschnationalen sie erheben, fonbem daran, daß die Deutschnationalen durch ihre intransigente Poli­tik im allgemeinen und ihr freiwilliges Ausscheiden aus der Regierung im besonderen die Sage er­schwert haben. Heute treten sie mit Pathos und i-m Gewände der Allerchristlichsten als Rufer für ein Reichsschulgesetz auf, um von der Tat­sache abzulenken, daß sie selbst eine Regierung ge­sprengt haben, die das Gesetz hätte schaffen können. Sie dürfen nicht zu plump auf die Vergeßlichkeit und Schnelligkeit dieser Zeit spekulieren.

Der Kölner Deutschnationale Parteitag fiel zu­sammen mit dem bedeutsamen Zeitpunkt der Aus­nahme Deutschlands in den Völkerbund. Diese Auf. nähme bildet den Schlußpunkt einer Politik, welche die deutschnationalen Minister bis kurz vor Locarno, also in den entscheidenden Phasen mitgemacht ha­ben.. Als es gatt, den Worten die Tat folgen zu lassen, gingen sie aus der Regierung heraus und in das Lager der bequemen Opposition. Jetzt auf ein­mal, nachdem alles unter Brief und Siegel ist, was unter Beihilfe deutschnationaler Minister im Ka­binett wohlüberlegt geplant wurde, mochten sie sich auf ben Boden der Tatsache stellen. Was die kom­menden Wochen auf dem innenpolitischen deutschen Gebiete bringen werden, wissen wir nicht, wir möch­ten aber glauben, daß die Parteien, welche eine sta­dste Regierung lieben, und das ist vor allem das Zentrum, die unzweideutigsten Sicherungen gegen neue Abenteuer der Deutschnationalen verlangen, ehe man den Entschluß faßt, noch einmal zu ern­steren Beratungen sich mit ihnen an den Tisch zu setzen. Im Zentrum weiß man, daß die jüngsten Bestrebungen nicht so sehr die Beteiligung an der Reichsregierung im Auge haben als vielmehr di? Möglichkeit, auf dem Wege einer neugebilbeten Reichsregierung die preußische Front aufzurollen. Die Deutschnationale Partei verleugnet dabei nicht ihr eigentliches Gesicht. Sie ist rein preußisch orien­tiert, und sie übersieht in ihrem blinden Eifer für die Auflackierung einer preußisch-brandenburgischen Gloriole, daß die Zeiten sich geändert haben. Kei­nem deutschen Gkiedstaate mehr kann die Hegemonie zuerkanM werden. Ein neues Reich ist erstanden, ein Renh, das aus sich selbst und nicht mehr von Gnaden und unter ausschlaggebendem Einflüsse ir­gendeines Einzelstaates leben will.

Von der Tagung des Evangelischen Bundes.

Auf der in Dresden abgehaltenen General­versammlung des Evangelischen Bundes wurde Reichskanzler Dr. Marx als der „provozierendste Vertreter des politischen Katholizismus Deutsch­lands" bezeichnet. Der Berliner Domprediger und früherer Hofprediger Wilhelms H., Dr. Doeh - ring sagte:

Der Bolschewismus, der keineswegs nur im Zeichen der roten Fahne auftrete, wolle dem deutschen Volke seine Geschichte verekeln. Por allem höhne der Katho­

volksabstimmung in Spanien.

wtb pari«. 13. Sept. (Eig. Funkm.). Nach einer Blättermeldung aus Madrid übersteigt die Zahl der Personen, die sich bis gestern für das Regime Primo de Rivera ausgesprochen haben, alle Erwartungen der offiziellen Kreise. Nach einer Meldung des „Matin" aus Hendaye soll die Polizei in Barelona eine Reihe von Perso­nen, die öffentlich für Stimmenthaltung bei der Volksabstimmung eingetreten sind, ver­haftet und mit einer Geldstrafe von je 500 Peseten belegt haben. Der Klerus hat nunmehr alle Gläubigen aufgefordert, das Manifest der patrioti­schen Union zu unterzeichnen.

lizismus nach bolschewistischer Methode über die deutsche Geschichte. Er trage das Zeichen an der Stirn, daß er nicht von Gott lei. Bolschewismus und Ultramontanis. mus seien die beiden erbittersten Feinde der deutschen Volksseele. Beide pflegten die engsten Beziehungen und beide seien auch mit den Methoden unterirdischer Wühl­arbeit wohl vertraut. Rom besetze in Deutschland jede Beamtenstelle, die ihm erreichbar sei — und es seien ihm heute sehr viele erreichbar — ob der Bewerber nun geeignet sei oder nicht. Der Jtellektuelle freilich wolle solche Anklagen gegen die bolschewistische Methode der römischen Kirche nicht hören; er brumme von Störun­gen des konfessionellen Frieden«. Aber, so erklärte Doehring wörtlich mit großem Pathos: „Heber derar­tigen Unverstand debattelos zu Tagesordnung überzu­gehen, ist selbstverständliche Pflicht."

Auf das „bestechend klingende Wort" des Präsidenten des Breslauer Katholikentages, es sei in Breslau kein Wort gegen Andersgläubige gefallen, antwortete Doehring, der Evangelische Bund sehe sich gezwungen, anders zu verfahren als Breslau. Er werde nicht auf hören, das Papsttum zu bekämpfen.

Die deutschen Katholiken werden von den Aus­führungen Doehrings Kenntnis nehmen und sich aufs neue überzeugen, was sie von dieser Seite zu erwarten haben, falls ihre politische Schutzwehr zusammenbrechen sollte. Die deutschen Katholiken aber werden sich durch Doehrings Worte nicht da­von abbringen lassen, auch weiterhin dem Frie- densgeist, wie er m Breslau zutage trat, zu dienen.

An den früheren Reichskanzler Luther, der sich gerade in Peru aufhält, sandte sein Nach­folger Marr ein Telegramm, das Luthers Ver­dienste um Deutschlands Eintritt in den Völkerbund hervorhebt.

Dr. Stresemann in Chamonix.

Nach Blättermeldungen aus Genf war der Sonn­tag politisch ein völliger Ruhetag. Reichs- nünister Dr. Stresemann unternahm mit Frau und Sohn, sowie mit Staatssekretär v. Schubert, Mini­sterialdirektor Dr. Gaus und einigen anderen Herren einen Automobilausflua nach Chamonix am Fuße des Mont Blanc. In Chamonix wurde Dr. Stresemann zunächst nicht erkannt und der Ausflug mit der Bergbahn zum Mer de Glace und zurück berlief programmäßig. Später beim Mittagessen in c;ncm Hotel in Chamonix wurde die deutsche Gesell« schäft erkannt und mehrmals photographiert. Die Rückfahrt erfolgte nach 4 Uhr nachmittags und gegen 8 Uhr abends waren alle Teilnehmer des Ausfluges wieder in Genf.

Gegenüber Gerüchten, daß Dr. Stresemann mit Chamberlain und Briand in Chamonix wichtige Verhandlungen geführt habe, erklärt der Genfer Berichterstatter des ,Montag', daß diese Gerüchte jeder Grundlage entbehrten. Briand und Chamber­lain seien am Sonntag gar nicht in Chamonix gewesen. ____________________

Rechtsverbindung und Rechtsausübung müßten mit der Entwicklung des staatlichen und gesellschaftlichen Le­bens Schritt halten, um nicht folgenschwere Konflickte heraufzubeschwören. Drei Themen des diesjährigen Juristentages scheinen ihm als Reichsjustizminister be­sonders bedeutungsvoll: die Untersuchungsaus- s ch ü s s e, denen allerdings wegen ihrer kurzen Arbeits- zeit noch erhebliche Kinderkrankheiten anhafteten, die Reform des Aktienrechts, die jetzt mit aller Be­schleunigung durchgeführt werden müsse, und vor allem die Reform des Strafrechts. Dak hör n«Ue Ent­wurf nächsten Monat vom Reichsrat durchberaten werde, sei bereits bekannt. Eine neue Straf- vollzugsordnung, die den Stufenstrafvollzug bringe, sei fertig ausgearbeitet. Eine Neuregelung des Ermitte- lungs- und Voruntersuchungsverfahrens müsse ange­strebt werden, ebenso eine Verbesserung des Ehrenschutzes. Vor allem aber sei es notwendig, daß die zur Verbrechensaufklärung und Strafverfolgung berufenen Organe mit allen Erfahrungen der trimina» listischen und psychologischen Wissenschaft und Technik innig vertraut gemacht würden. Mit besonderem Schmerz erfülle ihn die drohende Vertrauens« trifte gegen die Justiz. Bei aller Kritik sei Sachlich- teil notwendig. In die Gewissensfreiheit des Richters dürfe auf keinen Fall eingegriffen werden. Er werde sich schützend vor die Unabhängigkeit der Richter stellen. Aber andererseits müsse von jedem Richter eine innere Staatsverbundenheit als Gewissens- Pflicht erwartet werden.

Die Ausführungen des Ministers fanden Bei­fall. Weitere Begrüßungsansprachen hielten Mi­nisterialrat Dr. Huber vom preußischen Justizmini­steriums, Ministerialrat Dr. Kadacka namens des Justizministeriums der Bundesrepublik Oester­reich, dessen Glückwünsche mit besonderem Beifall ausgenommen wurden, und Oberlandesgerichts­präsident Richartz-Köln, der den deutschen Juri­stentag die Grüße der rheinischen Juristen und im besonderen Auftrag diejenigen der aus dem Saar­gebiet herbeigeeilter ^triften übermittelte. Ferner sprach Prof. Dr. Meyer-Hartung namens der deut­schen Juristen in der Tschechoslowakei. In feinem Schlußwort erklärte Geheimrat Kahl, daß die Juri- ftentagung mit besonderem Dank Kenntnis nehme von der Kundgebung des Reichsjustizministers über die Beschleunigung der Strafrechts­reform. Geheimrat Kahl erwiderte die Grüße an die deutschen Juristen in Oesterreich mit war­men Gegengrüßen in treudeutscher Verbundenheit und versicherte die Kollegen und des ganzen Deutschtums in der Tschechoslowakei der lebendig­sten Anteilnahme des ganzen deutschen Volkes. Reichskanzler Dr. Marx und Oberpräsident Dr. Fuchs gaben schriftlich in warmen Worten ihrem Bedauern Ausdruck, nickt anwesend fein zu können.