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Nr. 211.

Fuldaer Zeitung (amtliches Kretsbiatf). Sonntag, 12. September 1926.

Beiblatt.

Das Krüppelheim in Fulda.

Man schreibt uns:

Unterhalb dem weithin bekannten und malerisch schön -cl-genen Frauenberg, ganz an der Peripherie der Stadt hat die Genossenschaft der barmherzigen Bruder «NN Montabaur ein- ansehnliche Filiale, in der sie ein «Vllvvelheim unterhält. Wie dieser Orden überhaupt sich »i-n neuzeitlichen Verhältnissen der Gesundheitspflege

Fürsorge in anerkannter Weise angenommen und nnaepaßt hat, so hat er hier ein Heim geschaffen für wenigen, die der besonderen Liebe und Pflege bedür. s,n Niemand hat ein zarteres Empfinden als körperlich Gebrechliche Menschen; erst recht ist die Behandlung und msieae von Krüppeln eine Tätigkeit, die einer hingeben. C unb aufopfernden Liebe bedarf.

ü <Her das Krüppelheim in Fulda einmal besichtigt, der rs sestsiellen, daß hier die Liebe der pflegenden Brüder m ter und Mutter ersetzt. Wir sehen hier Krüppel von « Monaten bis zu 20 Jahren. Di« frühzeitige Operation, ? ie hie intensive Heilbehandlung unter fachärztlicher Leitung, wie sie in dem modern eingerichteten Krüppel- heim erfolgt, hat schon manchen vor einer dauernden 2, früpprlung bewahrt. Was besonders angenehm «uffäCt, 'st die Einrichtung der verschiedensten Werkstät- ° ' Der Gedanke, auch den verkrüppelten schulentlas­senen langen Menschen eine Ausbildung zu geben, daß sie später in einem handwerksmäßigen Beruf ihr Brot verdienen können, ist sehr begrüßenswert. Das Heim ht eine Korb- und Stuhlflechterei, Bandagiftenwerk- njtte, Schuhmacherei, Schneiderei, Anstreicherei und fflärtncrei. Die einzelnen Werkstätten stehen unter Lei- tung eines geprüften Meisters und ebensolcher Gesellen. Die Lehrlinge legen nach vollendeter Lehrzeit ebenfalls in dem Heim ihre Gesellenprüfung ab.

Bielsach sind aber auch die Krüppel durch ihre Leiden in der g e i st i g e n Entwicklung ober ihrer Ausbildung zurückgeblieben. Damit sie nun in den wichtigsten Ele­mentarfächern sich die Grundlagen für ein späteres Dor- roärtsfnmmen verschaffen können, hat die Leitung des Krüppelheims auch eine unter staatlicher Aufsicht stehende Schule mit regelrechtem Lehrplan eingerichtet. Sie wird von einem staatlich geprüften Lehrer geleitet. Dem Heim gehören Krüppel aller Konfessionen an.

Es ist erfreulich, daß der Vorsteher des Hauses ne­ben dem Ausbau der Werkstätten auf der anderen Seite auch sucht, Stunden der Er h o l u n g für die Insassen 31t schaffen. Jeden Samstag und Sonntag werden ein ober auch zwei schöne Filme vorgeführt. Für musikalisch ver- anlagte Krüppel stehen die verschiedensten Musikinstru. mente zur Verfügung, sodaß sie unter Leitung eines ehemaligen Militärkapellmeisters ihrer Veranlagung nach sich hierin' freiwillig betätigen können. An Sonn- und Feiertagen findet des Defteren jirr Abwechslung und zur Freude dieser bedauernswerten Menschenkinder durch eine Kapelle aus der Stadt ein Konzert statt. Dankbar schlagen daher dem Bruder Vorsteher die Herzen der ihm Auvertauten entgegen. Die Liebe ist der ständige Gast des Hauses. So soll es fein unb bleiben!

Eine Verpflichtung hat demgegenüber die Oeffentlich- feit, insbesondere größere Anstalten andrer Art, indem sie auch zum Abnehmer der hergestellten und sehr gedie- genen preiswerten Ware wird, damit ein solches Heim auch weiterhin bestehen und sich zum Wohle unserer Krüppel fortentwickeln kann. H. R. in Montabaur.

aus der Kriegsopferbewegung.

Ermäßigung der Kirchensteuer.

Vom Reichsverband deutscher Kriegs- beschädigter und Kriegerhinterbliebener wird uns geschrieben:

In den letzten Wochen sind die Kirchengemeknden wiederum dazu übergeganqen, die Veranlagungen für das laufenbe Jahr an die Steuerpstichtigen ergehen zu lassen. Die Veranlagung selbst geht unter Zugrundelegung nach- stehenden vor sich: Gemäß § 81 des Einkommensteuer- gescheS werden von den einzelnen Landesregierungen usw. Pauschbeträge als Grundlage für die Veranlagung der Kirchensteuer festgesetzt, die Erhebung derselben ob­liegt alsdann den örtlichen Kirchensteuerverwaltungen.

Die bisherige Praris hat gezeigt, daß bei der Fest- setzuna der Pauschbeträge der normale Verdienst als grundlegend herangezogen wirb, d. h. besondere Steuer­ermäßigungen sind stets außer Ansatz geblieben.

Sämtlichen erwerbstätigen Kriegsbeschä­digten sind bezüglich der Einwmmensteuer bisher auf Antrag unter Vorlegung des Rentenbe­scheides von den Finanzämtern SonderwerbungS- kosten zugebilligt worden durch Erhöhung der steuer­freien Beträge, entsprechend dem Prozentsatz der Erwerbsbeschränkung, auch erwerbstä­tige Kriegerwitwen konnten auf Antrag steuerliche Vergünstigungen in Anspmch nehmen. Durch diese Erhöhung der steuerfreien Beträge tritt praktisch in Erscheinung, daß daS Einkommen sich steigert, wo- durch wiederum bei der Veranlagung der Kirchensteuer sich noch Nachteile geltend machen, da eben, wie gesagt, die Pauschbeträge sich an die tatsächlichen Einkommens­verhältnisse anlehntn.

Es ist aus diesem Gmnde mehrfach versucht wor­ben, auf die maßgeblichen Stellen einzuwirken, daß auch bei der Veranlagung d er Kirchensteuer die Vergünstigungen Platz greifen, die bei der Einkorn- mensteuer an sich bestehen, und eS darf mit Gemig- tuung festgestellt werden, daß diese Bemühungen nicht ohne Erfolg geblieben sind. Nach den Richtlinien für die Erhebung der Kirchensteuern im Rechnungsjahre 1926 in den katholischen Kirchengemeinden und Gemeindeverbänden Anlage A, Ziffer 3, des Er­lasses des preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 23. 2. 26 ®. I 420 G. II, sind »Kriegsbeschädigte, die ausweislich der Rentenbescheide mindestens 25 v. H. er- werbsbeschränkt sind und daher im Ka- lenderjahr 1925 eine Erhöh ung des steu­erfreien LohnbetrageS mit dem Hundert­satz der ErwerbSbeschrä nkung erfahren Haven, je nach d er Höhe der ErwerbSbe- schränkung in eine entsprechend nied- tigere Gruppe elnzustufen."

Auf Grund dieses Erlasses empfehlen wir allen Kameradinnen unb Kameraden, unverzüglich bei dem zuständigen Kirchensteueramt unter Vorlegung deS Ren­tenbescheides Antrag auf Herabsetzung der veranlagten ®teuerbeträge zu stellen.

. * Der große Mangel an evangelischen Theologen lvird durch folgende Tatsache eindringlich gekenn» zeichnet: Der aus Frankfurt stammende HilfSpfarrer Albert Troch ist im Verlauf der letzten vierzehn Tage zum evangelischen Pfarrer in Wehrheim i. T., "rIdstein und in Weilburg gewählt worden. Pfarrer Troch hat sich für Weilburg entschieden.

Bluttat in Limburg.

Limburg. In einem Hause in der Frankfurter- "raße stieß der 19 jährige Spenglergeselle Karl S. den 55 jährigen obgebauten Eisenbahnschlosser Clemens Kräh, der bei den Eltern des S. als Untermieter Mute, nach einem varauSgegangenen Streite die Treppe hinunter, fobaff er mit zertrümmertem Möbel liegen blieb. Kräh ist kurz nach seiner Ein- "eferung im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. *te Ursache der Tat ist in Mietsstreitigkeiten ?u suchen. Die Eltern des Täters wollten Kräh aus °er Dohnung heraus haben und strengten gegen diesen Ne Räumunasklage an, die aber aboew'esen wurde. 18 nun der 19 jährige Sohn abends 10 Uhr im Flur **? "rah begegnete, fing er Streit mit diesem an < m Wulste ihn nicht in sein Zimmer kaffen. Im leih beS Wortwechsels gab er dem schwer äugen» fobnfc "ntl erblindeten Manne einen Stoß,

er d" Treppe hinunterstürzte und dabei einen MteT Sch^wlbruch erlitt. Der Täter wurde ver-

Die Jubiläumsfeierlichkeiten in der Abteikirche der Benediktinerinnen.

Sie Feier des 300jährigen Gründungsjubiläu'.ns der Benediktinerinnen-Abtei ab f. Mariam zu Fulda hat einen sehr befriedigenden und glänzenden Der- lauf genommen. Nachdem die drei Abendandach­ten bereits einen nuten Besuch aufzutveisen hatten, war das in nach höherem Maße am Festtage selbst, dem Feste Mariä Geburt, der Fall. Schon von außen grüßte die Abtei ddr Herbeieilenden durch frohen Fahnenschmuck. Am Eingang der Nonnen- gasse war eine prächtige Ehrenpforte aufgebaut, mit Girlanden und Fahnen verziert; sie trug von einem Lorbeerkranz umrahmt, in der Mite drei Wappen, dasjenige des Stifters, Fürstabtes Johann Bern- hard Schenk zu Schweinsbery, das Abteiwappen und das Wappen der derzeitigen Frau Abtissin lieber dem ganzen war das eigenartige Hauszei chen, ein von einer Krone überragtes und in seit- famer. Buchstabenverschlingung geschriebenesMa- ria angebracht. Links auf der Seite war das Wappen des derzeitigen Hochwürdiasten Oberhirten der Fuldaer Diözese, rechts das FuDaer Stadtwap­pen aufgeführt. Die Nonnengasse selbst war einfach ober wirkungsvoll zu beiden Seiten mit dunklen Fichten geschmückt, Kirchen- und Hausportal tru­gen einen Kranz und über ersterem prangte auf gol­denem Grunde das benediktinische Motto: Ut in om- nibus glorisicetur Deus, Auf daß Gott in allem ver­herrlicht werde. Im Innern war die Kirche zu dem emzigartipz'n Festtage aufs schönste ausgeftcfteL Dunkelgrüne Kränze wanden sich von der Höhe des orcus triumpbalis herab an den Seidenwän- den und der Brüstung des Nonnenchores entlang. fyfh oben schwebte inmitten des Kranzes oas Haus- wappen, dessen drittes Feld die Zahl 300 trug. Palmen und Lorbeerbäume gaben dem Raum einen ungemein festlichen Anstrich und vom Hochaltar leuchtete ein ebenso geschmackvoller wie anmutiger Blumenschmuck. Alles war hier bereit, um zu der großen Festesfreude des Tages beizutragen, und die zahlreichen Teilnehmer der Feier erwarteten voller Spannung die Ankunft des Hochwürdigsten Herrn Bischofs, der selber das Pontifikalamt in der Iubelkirche halten wollte. Bei seiner Ankunft mit demEcce sacerdos nuxgnus" vom Nonnenchor her­ab begrüßt, stimmte der Pontifex unmittelbar dar­auf die Terz an, die von den Nonnen während des Anlegens der liturgischen Gewänder gesungen wurde. Dann begann das feierliche Amt, welches von den Nonnen nach den asten Traditionen des Benediktinerordens m den ehrwürdigen, in ihrer Ein­fachheit so tiefformmen Gelängen des gregorianischen Chorals begleitet wurde. Nachdem das Evangelium beendet war, hielt der hochw. Herr Pater Leander Haase, Benediktiner aus der Abtei Ettal, die Fest- predigt. Er führte ungefähr folgendes aus:

Natlvitas tua, Del genitrix nirao, gaudlum annun« tiavit Universa mundo. Deine Geburt, 0 jungfräuliche Gottesmutter, hat der ganzen Welt Freude verkündet, weil aus dir hervorgegangen ist die Sonne der Gerech­tigkeit, Christus unser Golt, der hinwegnimmt den Fluch der Sünde und Gnade schenkt, der den Tod besiegt und ewiges Leben bringt. Das ist der Jubel der Kirche am heutigen Tage. Durch den Eintritt Marias in die Welt war den armen Menschen der Hostnungsstern aufgegan­gen, der ihnen an den Paradiesespforten verheißen wurde. Nach ihm hatten sie feit jenem Tage der ersten Sünde, aber auch der trostvollen Verheißung, Ausschau gehalten. Und jetzt, da er einmal am Himmel leuchtet, kann ja die Sonne, deren Vorbote er ist, nicht mehr ferne fein. Die Sonne ist kein anderer als die Sonne der Gerechtigkeit, der Erlöser der Welt. In diesem Sinne ist Maria, die stella matutina, der Morgenstern unserer Erlösung, die causa noftrae laetitiae, die Ur­sache unserer Freude. Viertausend Iah« schmachtete die Menschheit in den Kesten der Sünde, es war eine lange, dunkle Nacht. So verstehen wir den Jubel der heiligen Kirche, die Frohstimmung, die in den Gebeten und (Be­fangen des heutigen Tages immer wieder durchdringt: Freude hat deine Geburt gebracht, 0 jungfräuliche Got- tesmutter, der ganzen Welt. Dieses Kind wurde Bringe- rin des Friedens, Retterin, Msterlöserin der Welt, als es später Mutter des Kindes wurde, über dessen Krippe die Engel auf Bethlehems Fluren fangen:Frieden den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind."

Dieser Festjubel gewinnt hier an der geweihten Stätte einen ganz eigenen Klang. Deine Geburt, 0 jungfräuliche Gottesmutter, hat Freude gebracht diesem Hause, den Kindern des hl. Benediktus, Freude der Stadt des hl. Bonifatius, mit ihrem allverehrten Ober- Hirten, der in so sinniger Weise den heutigen Tag zur Feier des Klosterjubiläums auswählte; Freude dem ganzen Orden der schwarzen Mönche, die Fulda zu ihren berühmtesten und segensreichsten Wirkungsstätten der Vergangenheit rechnen müssen; Freude der gemein­samen Mutter aller, der hl. Kirche, die immer einen kostbaren Teil der Herde Christi in den gottgeweihten Jungfrauen gesehen hat, die mit allen jungfräulichen Seelen dem Lamme folgen, wohin es geht. Der päpst- liche Segen, der eigens vom Hl. Vater allen- Teilnehmern an diesem Feste bewilligt wor­den ist und am Ende der Feier erteilt werden wird, bringt dies zum deutlichen Ausdruck. Freude hat dein Geburtsfest, 0 Gottesmutter uns allen gebracht, die wir am heutigen Tage den dreihundertsten Geburtstag dieses Klosters feiern, bas deinem Namen geweiht ist.

Deliciae Benebictinae" Wonne der Benediktiner, das ist der uralte Ehrentitel der Gottesmutter im Benedik- tinerorben. Im volkreichen Trastevere zu Rom steht ein Kirchlein, vom Romfahrer kaum gekannt; aber jedem Kinde des hl. Vaters Benediktus pocht das Herz freu­diger, wenn es feinen Namen nennen hört: San Bene­detta in Pistinula, Pirche des hl. Benediktus. Hier soll einst der Palast der Anitier gestanden haben, jener alten Patriztersamilie, deren Größter weltfern vom vöter- lichen Hause hochoben in der Felsengrotte von Subiaco unter dem Wehen der Gnade zum Vater einer anderen Familie herangebildet wurde. Die 8 Säulen und der Mosaikboden des Kirchleins dürften wohl noch Ueberrefte des alten Palastes fein; weit kostbarer indes ist das Ma- donnenbild über dem Altäre links in der Vorhalle auf einer Mauer des Palastes: hier soll der junge Benedik­tus schon gebetet haben, während feiner römischen Studien. Bei der Mutter mit dem Gotteskinde suchte der damals 17jährige Kraft unb Stärke in feinen Kämp­fen. Diese ßegenbe beutet die zarte unb innige Ver­ehrung an, welche bie Tradition dem hl. Benediktus zu­spricht.Deliciae Benedietinae, Wonne der Benedik­tiner. Es kann heute nicht meine Aufgabe sein, einen geschichtlichen Ueberblitf der Marien«erehrung im Bene­diktinerorden zu geben. Alle Jahrhunderte, alle unsere Klöster würden davon sprechen, wie Maria in Kunst und Dichtung, in zarter Herzensandacht unb in der Li­turgie stets verherrlicht wurde. Nur 5 Namen möchte ich nennen, die in der Geschichte der Marienverehrung unauslöschlich sind. Da nimmt im 11. Jahrhundert Hermann Contraetus, Mönch von der Insel Reichenau, zunächst durch feine unsterblichen Antiphonen desSalve Dtegina" unbAlma Rebemptoris mater", Sei gegrüßt, 0 Königin unb Erhabne Mutter unsres Herrn, einen Ehrenplatz ein. Der 2. ist der heilige Bischof von Can­terbury Anselmus; bei all feiner Gelehrsamkeit war er ein kindlicher Verehrer Mariä, deren Reinheit er be­

sonders feiert. Dann der minigliche Abt von Clairveaux, der honigfließende Lehrer, der hl. Bernhard, der Maria zugetan war mit der ganzen Glut feiner schönen Seele. Ihr Lob verkündet er in immer neuen Worten. Mit ihm stand in regem Briefwechsel Deutschlands große Pro­phetin, die hl. Hildegard, Abtissin auf dem Rupperts- berg bei Bingen, die viele von ihren lateinischen Liedern der Gottesmutter geweiht hat. Neben ihr steht die hl. Gertrud die Große, die durch ihre mystische Begnadi- gung Maria besonders nahe war. Das sind nur we­nige Namen, die die Verehrung der Gottesmutter im Benediktinerorden beweisen. Maria ist die Schutzher­rin vieler Abteien, manches berühmte (Bnabenbilb findet sich in ihnen. Spanien hat fein Montserrat, - die Schweiz Einsiedeln, Maria Zell ist das österreichische Nationalheiligtum. Mario bei Monte zu (Mena ein benediktinisches Marienheiligtum in Italien. Der Flam­länder pilgert zu unterer lieben Frau von Asslighem bei Brüssel, durch das Donautal ziehen die Wallfahrer zur Schmerzensmutter von Beuron, am stillen Eiseisee ragen bie romanischen Türme von Maria Laach empor, unb unser Kloster Ettal mit dem kleinen Marmorgnadenbild grüßt Maria alsder Alpen schönste Rose, unserer Berge Edelweiß". Zu diesen marianischen Heiligtümern müs­sen wir auch die Abtei zu Fulda rechnen, deren Jubi- iäum wir heute begehen. Maria mit ihrem Kinde steht auch am Anfänge des Stammbaumes dieser Abtei, deren Ahnen jetzt an unserem Geistesauge vorüberziehen. Von ihr beginnend kommen wir über Bonifatius und Sturmius, die großen Heiligen unb Grünber Fuldas über bie lange Reihe ber Fuldaer Siebte zu Fürstabt Johann Bernhard Schenk zu Schweinsberg, dem Grün­der dieses Hauses. Er berief im Jahre 1626 die ersten vier Nonnen aus dem Kloster Zella auf dem Eichsfelde. Mit dem Herannahen des Frühlings tarnen sie in die Stadt, am 13. Januar wurde in der Severikirche mit dem Gottesdienste begonnen, der den Franziskanern vom -Frauenberg übergeben wurde. Sie sind, ganz im Sinne ihres heiligen Ordensvaters, immer treue hilfs­bereite Freunde der Benediktinerinnen geblieben, und fo nehmen bie Söhne bes hl- Franziskus vom nahen Frauenberg im Jubiläumsjahre ihres Ordensvaters einen Ehrenplatz auch bei dem Jubiläum des Benebif» tinerinnentlofters ein. Mit der Grundsteinlegung zu diesem Hause am 24. März 1626 nahm gleichsam die Gottesmutter Besitz von dieser geheiligten Stätte. Doch erst nach fünfjährigem Wohnen auf dem Johannesberg konnten die Benediktinerinnen in ihr neues Kloster ein- ziehen. Am Feste der Erscheinung des Herrn 1631 fei­erte Fürstabt Johann Bernhard das erste hl. Opfer in ber Notkirche bes Klosters.Stehe auf, Jerusalem, werbe Licht," singt bie hl. Kirche in der Epistel dieses Tages,denn siehe, es kommt dein Licht und die Herr­lichkeit des Herrn ist über dir." Das war, 0 Stadt bes hl. Bonifatius, auch für bich ein Licht eigener Art, bas feit diesem Tage an heiliger Stätte brennt und leuchtet, das Licht eines heiligen Lebenswandels fo vieler Jung­frauen im Kleide des hl. Benediktus. Doch es kam für das junge Kloster die Feuerprobe. Infolge der Kriegsnöte mußten die Nonnen oftmals fliehen, der Tob ihres eblen Stifters war ein harter Schlag für sie, bazu kamen Plünberungen feinblicher Truppen. Die Fürstäbte ließen indeffen bas Erbteil ihres Vorgängers nicht zu Grunde gehen, und vor allem zwei Namen, die Siebte Hermann Georg und Joachim von Grav-nega, verdienen hier genannt zu werden. Das 17. Jahrhun­dert ging ruhiger vorüber, auch die Schrecken der- tularifation verschonten das Kloster, wenngleich nun ihm in Mißkennung feiner Eigenart eine wesensfremde anders

kam es für das Kloster im sog. Kutturkamvf Wie so viele andere mußten auch bie Töchter bes 1 "men Va­ters Bencbittus im Auslanbe sich eine neue Zufluchts- stätte suchen. Daß fo schnell zu Drouville bei Nancy ein passenbes Plätzchen gefunben wurde, muß wohl dem Opfermut der Chorjungfrau Scholastika Endert, der einzigen Schwester des Hochseligen Bischofs Adalbert Endert, ziigeschrieben werden, die ihr Leben Gott auf­opferte, damit ihre Mitjchwestern nicht auseinander- gerissen, sondern ihrem heiligen Berufe erhalten würden Sie starb am 29. Juni 1875. Zwölf Jahre später an ihrem Todestage, dem 29. Juni 1887 traf vom Preu­ßischen Ministerium die Genehmigung zur Rückkehr nach Deutschland in Drouville ein. Was mag diese Froh­botschaft für einen Jubel wachgerufen haben! Am 18. Oktober trafen sie in Fulda ein, in festlicher Prazes- fion zum Kloster geleitet. Unter dem Gesang einer An- tiphon, die bei ber Profeßablegung von Den Nonnen gefangen wird, während sie die hohe Treppe hinanstei­gen, zogen sie nun wieder diese Treppe empor zum Hochaltar:Et nunc fequimur in toto corbe, unb nun kommen wir aus ganzem Herzen bereit." Freu lieh. 0 Fulda, du hast deine Nonnen wieder!Aus der Seele eures verehrten Oberhirten heraus glaube ich zu fpre- chen, wenn ich in dieser Stunde die Worte des hl. Völ­kerapostels Paulus an die Phisipper auch aus eure Be­nediktinerinnen anwende:Ihr meine Freude unb meine Krone." Euer greifet Oberhirte weiß, was die Bene­diktinerinnen für feine Diözese, für das Land des hl. Bonifatius, für Deutschland bedeuten. So mnten wie olle in das freudigeGratias agamus Domino Deo noftro" einftimmen, das ber Bischof halb am Altäre fingen wirb. Unb in dieses Dankgebet gegen Gott soll auch ber Dank gegen alle biejen;gen eingefchloffen sein, die dem Kloster treue Freunbe gewesen. Ich müßte viele, viele Namen nennen: alle die "lebte und Bischöfe, die dem Kloster mit väterlicher Liebe nahestanden, alle die Hochwürdigen Herren, die ihre Kräfte dem Hause widmeten, alle die Wohltäter, bie ihm geholfen haben burch Rat und Tat, wobei auch das Scherflein der Witwe nicht vergessen fein soll. Nennen müßte ich die Namen der 18 Priorinnen unb ber beiben Hochseligen Abtis- sinen. So klinge benn die Feier aus in ein Magaiflcar bes Dankes gegen Gott, ber Großes an diesem Kloster getan hat. Unb bas fei unser aller Wunsch, wie es immer in biefen 300 Jahren war, so möge es noch lange bleiben: biefes Kloster sei unter dem Schutze ber hehren Himmelskönigin eine Stätte des Gebetes, eine Stätte benedikttnischen Geistes am Grade des großen heiligen Bonifatius. Amen.

Noch diesen warmen, von allen Zuhörern mit Ergriffenheit aufaenommenen Worten wurde das hl. Opfer fortgefetft, nach dessen Beendigung der päpfisjche Segen ßeiersich verkündet und erteilt wurde, der allen Festteilnehmern die Gewinnung eines vollkommenen Ablasses zu den gewöhnlichen Bedingungen mögsich macht. Nach dem sakramen­talen Segen ^Moß ein sichelndesGroßer Gott, wir loben dich", die eindrucksvolle Feier. Der .Hochwürdigste Herr Dffchof nahm danach Gelegen­heit, dem Konvente seine und des Domkapitels Glückwünsche auszusprechen und ein Schreiben zu überreichen, das den Dank der Diözese Fulda gegen d''e Benediktinerinnen für ihr sohrhundertlanges, verborgenes Opfer- und Gebetsleben ht herzlichen Worten ausdrückt. Auch der Magistrat der Stadt Fulda sowie das Preußische Gnmnasium, das durch den seit nun mehr als 100 Jahren in der Abtei­kirche abaehaltenen Gottesdienst der Gnmnasiasten dem Kloster nahe steht, brachten ihre Glückwünsche dar. Die Teilnahme an der Festessteude der Abtei war eine weite und herzliche in allen Kreisen. Möge der frohe Gedenktag der Beginn eines neuen glückbrinaenden Jahrhunderts klösterlichen Lebens für die Abtei ad fanctam Mariam fein.

nhafett hurrh Schulunterrickg a<

Aus Dem gulöaer Lantz.

Rlidvlfshan. Ein alter, treuer Freund der Fuldaer Zeitung", Herr Fran, Stock hier, vollendete dieser Tage lein 75. Lebensjahr. Ec ist noch lehr rüstig unb lieft mit großem Interesse die .Fuldaer Zeitung" seit über 50 und den .Bonifatiusboten" seit über 40 Jahren. Wir wünschen dem wackeren Manne noch viele glückliche und zufriedene Lebens- lahre!

Rückers (Kreis Fulda). Dieser Tage wurde wahrend der Abwesenheit des Beamten in das nabe bei unserem Drr gelegene Bahnwärterhaus eingebrochen. Durch Zertrümmern der Fensterscheiben beridjaffie »ch der Spitzbub Zutritt, erbrach die Schränke 2c. und uuhm Kleidungsstücke und mehrere Sachen mir.

Aus dem Joßgcund schreibt man uns: In Ode rn- dors trat in diesem Jahre der Männergefangveiein Sängerin ft" mit einem groß angelegten Sänger» feft au; den Plan. Begünstigt von, herrlichsten Wetter, unterstützt von den Vereinen der engeren und weiteren Umgebung gestaltete sich diese Festveranstaltung zu einem wahren Volksfeste unb zu einer machtvollen Kundge- bung für den edlen Volksgesang. Am Samstag wurde die Feierlichkeit mit einem festlichen Fackel- und Lam- pionumzug eröffnet, an der sich jung unb alt beteiligte. Der Sonntag morgen vereinigte alle Sangesbrüber mit ber Gemeinde zu einem Gedächtnis gottesdien st für bie gefallenen Vereinsmitglieder Schlicht unb ein­fach, aber wuchtig und erhebend war bann die Feier am Kriegerdenkmal. Nachdem bas dreistimmige:Morgen­rot" des Schulkinderchvrs verklungen war, und ein Schulkind ein innigesan unsere Helden" oorgetragen hatte, gleichzeitig einen Lorbeerkranz mit zwei leuchtend weißen Blumen nieberlegenb, widmete Herr Lehrer Vo­gel den gefallenen Kameraden und Brüdern einen herz- lichen, warm empfundenen Nachruf. Nachmittags er­lebte unsere Gemeinde einen Festzug, wie sie ihn in letzter Zeit noch nicht gesehen hat. Verein auf Verein durchzog unter klingendem Spiel zweier Musikkapellen bas festlich geschmückte unb roohlgepflegte Dorf War dieser äußere Einbruch für alle Besucher fees Festes der denkbar günstigste, überraschte jeden Teilnehmer der Fest­platz, ber mit selten großem Fleiß und Eingabe aller Beteiligten in Form unb Ausstattung Seltenes bot. Mit dem herzlichenGott grüße Dich" leitete ber feftgebenbe Verein bie Begrüßung ein, worauf ber Dirigent, Herr Lehrer Vogel, allen Erschienenen aus Nah unb Fern sein herzlichstes Willkommen entbot. In seiner anschließenden Festrede gab er seiner Freude darüber Ausdruck, daß bas deutsche Lied nicht Hast macht an bett blauweißen unb jchwarzweißen Grenzpfählen, nein, bas deutsche Lied marschiert, es umschlingt alle deutschen Brüder in Einig­keit. Ein von Frl. Hohmann gefühlsinnig norgetragener Prolog war angetan, die Festteilnehmer erneut in den Bannkreis ber Veranstaltung zu ziehen. Nachdem aus hundertfachem Sängermunde der MassenchorHab oft im Kreise der Lieben" seinen Eindruck nicht verfehst hatte, warteten die erschienenen Gastvereine mit sorgfäl­tigen, zum Teil he orragenben Chören auf. Der Mon­tag brachte den Schluß ber Festveranstaltung. Am nachmittag hatten sich bie Schulen ber engeren Um­gebung zu einem Schulsinatag zusammengefunben. Bei dreistimmigem Gesang ber Kinber, abwechselnb mit Sin- berbeluftigung unb Kurzweil für bie Kinberherzen, ver- flössen bie kurzen Stunben allzu schnell. Alles in allem kann man dem MännergesangvereinSängerlust" Oberndorf zu seinem diesjährigen, Sängerfeft gratu­lieren.

= Lauterbach. Der große Teich bei Niedermoor wurde dieser Tage ausgefischt. Nachdem das Wasser abgelaffen war und die zurückgebliebene Wasserfläche nur fünf bis sechs Morgen betrug, be­gann der Fischzua. Auf der Bahnstation Grebenhain wurden allein über 100 Zentner Fische ver­laden. Auch einige der alten Fischreiher suchten sich eine gute Mahlzeit zu verschaffen. Auch ber Rokenbacher Teich bet Bermutshain wurde ausge­fischt, die Ernte betrug hier nahezu 20 Zentner. Der Erlös der Fischernte ans den Teichen wird auf 20000 Mark geschätzt.

Bus dem Nachbargebiel.

= Hanau. Wie das hiesige Kriminalkommissariat mitteilt, sind hier falscheZwanzigmarkscheine im Umlauf. Sie bestehen aus Stücken je zwei ver­schiedener echter Scheine und tragen daher zwei ver­schiedene Nummern. Die Stücke sind bei allen bis­her auftzetauchten Scheinen mittels eines 12 Millimeter breiten bronzierten PaPierstreifens, der gepreßt ist und auf seiner ganzen Oberfläche kleine, nebenein­anderliegende, erhabene Pünktchen trägt, zusammen- getlebt. Die Scheine ftrtb kürzer als echte.

Wiesbaden. Der Sohn eines Friseurs, ein hoffnungsvolles Früchtchen, hatte einem Gastwirt in der Bleichstraße einen größeren Geldbetrag aus der Tasche gestohlen. Als er sich entdeckt und verfolgt sah, nahm er Reißaus, flüchtete in ein Haus und von da über einigeDächer. Mehrere Schutzleute nahmen die Verfolgung des Diebes auf und holten ihn herunter. Der Vorfall hatte eine große Menschen­menge angezogen.

Heues aus Frankfurt.

Für 20 Millionen R.-Mk. Bauten bewilligt. Der Hauptausschuß der Stadwerordnetenversammlung geneh­migte bie Magistrawvorlagen, bie einmal den Bau einer Grvhmarkthalle im Osthcwen - Gebiet vorsehen und so- dann die Umstellung des Elektrizitätswerks vom Gleich­strom aus Drehstrom. Für den Bau der Markthalle sollen dreizehn, für das Elektrizitätswerk sechs Millio­nen R.-Mk. bereit gestellt werden. Die Bausummen sollen im Wege einer Anleihe beschafft werden. Der Ausschuß sprach sodann seine Zustimmung zu einem Wasserllefcrungsvertrag mit der Stadt Höchst a. M. aus. Danach erhält bie Stadt Höchst jetzt ihr Wasser aus den Frankfurter Wasserwerken bet Hattersheim und bezahlt für das Kubikmeter 12,8 Pfennig.

Technik und Verkehr.

= Eine internationale Lastkraftwagenausstrllung. In einer gemeinsamen Sitzung des Vorstandes des Reichs- Verbandes des Automob il-Jndustrie, des Deutschen Auto­mobilhandels und des Messeamtes Köln im Rathause zu Köln wurde der Termin ber internationalen Auto­mobilausstellung für Lastwagen unb Spezialkraftfahr­zeuge auf den 20. bis 29. Mai 1927 festgesetzt. Die Ausstellung gliebert sin in folgenbe Gruppen: Last­wagen für den Güterverkehr (tont Eintonner bis zum Spezialwagen für die einzelnen Wirtschaftsbetriebe), Derkehrsfahrzeuge (Omnibus, Aussichtswagen usw.) Kraftfahrzeuge für kommunale Betrübe (Straßenrei­nigungswagen, Müllahfuhrfahrzeuge, Feuerwehrfahr­zeuge, Sanitätswagen usw.) Kraftfahrzeuge für bie Landwirtschaft, für Automobilstrahenbau usw. Die Aus stellung wird ergänzt durch eine in Verbindung mit dem Institut für Verkehrs Wissenschaft in ber Universität Köln veranstaltete wissenschaftliche Abteilung, welches Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung aus dem Gebiete der wirtschaftlichsten Transportmöglichkeiten veranschau­lichen soll; ferner durch Tagung bedeutender nationaler und internationaler Wirtschaftsverbände, deren Referen­ten zu den aktuellen Fragen des Krastfahrzeugwcsens Stellung nehmen werden.

= Die Luftlinie Marseille-Paris in Betrieb. Nach einer Meldung aus Paris ist die Luftlinie Marseille- Paris am Freitag offiziell m Betrieb genommen roorben.