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FuldaerZeitung

Anzeiger für die Skadf und den Kreis Fulda. Amlliches Kreisblakf.

Erkibeint sechsmal wSchentllch- Wochenbeilaaen: illustrierte Bei- laae" und BuchenblStter" Rotationsdruck und «erlag der Niuldaer Actiendruckerei in iulda. iernwrecher Nr. 9.

WonntTWr «ernaSNreiS. 1.50

Donnerstag, 9. §ept. 1926.

»nteiaen- Vreis^ Klein,eile iColonel) okal 0,lb ReichSmar' auSWiirtS 9.20 Reichsmark. Reklame,eile- lokal O.ßf1 Reichsmark auswärts 0.80 Reichsmark.

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Zaiirg. 53.

llr. 208.

Gel und Politik.

Anti-bolschewistische Oel-Konzerne?

' Don einer besonderen Seite wird uns geschrieben: Dieser Tage ist in den verschiedensten Ländern eine Mitteilung verbreitet worden, die etwa fol­genden Inhalt hatte:

Zwischen der „Royal Dutsch Petroleum" und der „Standard Oil", den beiden größten Weltkon­zernen auf Oelgebiet, sei vor einigen Tagen eine geheime Vereinbarung geschlossen worden über die Interessen an der Petroleum-Industrie in Ruß­land. Die erste habe seit einiger Zeit mehrere sehr aktive Organisationen gebildet oder unterstützt, welche im allgemeinen den Sturz der kommunisti­schen Sowjetregierung vorbereiten oder unterstützen wollen, rcfp. auf die dann kommenden Dinge alles vorzubereiten. Die Standard Oil hätte mit der Sowjetregierung selbst verhandelt, konnte aber zu kctinem Resultat kommen und habe sich wieder zu­rückgezogen. Jetzt arbeiteten beide Konzerne ge- meinsam mit anti - kommuni st ischen Zie­len und Hauptzweck, sobald sich die Gelegenheit dazu biete, die russischen Oelfelder neu zu verlei­ten, sodaß andere Einflüsse oder Staaten davon ausgeschlossen würden. Beide Konzerne ständen auch auf dem Standpunkt, einen direkten deut­schen Anteil an der russischen Oelgewinnung zu verhindern. Man will die deutschen Gesell­schaften nur als untergeordnete Distributions-Körper halten.

Diese Meldung wird von uns als unglaubwür­dig angesehen. Einmal widerspricht sie einer frühe- tert Nachricht, welche besagt, daß sich das russische Naphtamonopol in einer Art Aktiengesellschaft um» gewandelt habe, in der englisches Kapital (vertreten durch das konservative Unterhausmitglied Moore) beteiligt sei und in England das koordinitere Unter­nehmen „Independent Oil Distributing Co" gegrün­det hat.

Wenn also diese obige Meldung verbreitet (und von vertrauenswürdiger Seite weitergeleitet) wird, so kann es sich lediglich um einen englischen Ver­suchsballon handeln, wobei die oben erwähnte srühere Nachricht das Zuckerbrot und die vorliegende Meldung die Peitsche ist, um die Russen geneigter zu machen, weiter angestrebte Konzessionen auf dem Gebiete der angelsächsischen Oelinteressen zu ver­leihen.

Politisch handelt es sich wiederum um den alten Trugschluß der Immerwährenden" englisch- rus fisch en Gegnerschaft — das Gegenteil ist wahr; richtig ist, daß die englisch-russische Ver­ständigung nur äußerlich und anscheinend langsam von statten geht, innerlich aber beide Reiche zu der „Verständigung zwischen Bär und Allfisch" f e st entschlossen sind. Das Barometer hierfür sind die Randstaaten.

Sodann muß man sich zum dritten darüber klar sein — und werden die auf der Welt am aller­besten orientierten Angelsachsen sich erst recht klar sein — daß der Bolschewismus in Rußland weder durch anareifendes Militär, noch durch Gttd gestürzt werden kann, weil ersteres n chl nach Moskau ge­langen kann, (wie die Feldzüge Koltfchaks, Deni­kins Judenitsch und Wrangels zeigen, die den Bol­schewismus in der ersten Zeit größter Unkonsobdie- rung angrisfen), für letzteres aber sino die Empfän­ger durchwegs allzu fragwürdige Gestalten.

Der Bolschewismus kann nur Selbst Zer­splitterung, durch den bewaffneten Kampf der einen (sogenannt gemäßigten) mit der anderen (so- fenonnt rad'kalen) Gruppe niedergerungen werden, llnb hierfür ist nicht der geringste Anhalts­punkt vorhanden, denn nichts ist offensichtlicher als der Plan, Smojew und den Komiwem von inne­ren Fragen abzulenken und ihnen Pol'n als das zu revolutoni-'rend- Betätigungsfeld zuzuweisen. - Dom't 'm engen Zusammenhang stehen Meldungen, daß sie die Position Stalins wesentlich verstärkt hat. ■-i Ob für den Bolschewismus „Gefahren" besteh-m, falls cm Krieg mit Polen schiff ffnge, steht dahin: die Erfahrungen des Jahres 1920 sprechen dage­gen! Ob umgekehrt ein siegreicher Krieg einen Eeneralismus — Diktatur — Ka ser zeitigen könnte, 'ft k'ne unmöglich su beantwortende Frnge. Wäh­lerisch in d"r Wabl der Beseitigung solcher per« Mtre'len Gefahren fifftr ja die Bolschewlt n nucht. [ Zusawm"nfafs-'nd wird m"n also sagen müssen: - r Bolst'umüsmus ist da und herrscht in Rußland - so nüchterne R"«ffier wie die Angelsochsen lassen sich in ihren Geschäften nicht vom Bodm der realen Mctsach"n ablenken! Darum 'ff di" Einganasmel- Wvna für falsch zu halten, außer jenem Teil, der fcit j«’! delül-r-m G'selllchoften als (r-Uotiv!) unter.

e- dneten Distrih'st'ons-Köro-r spricht — damit Wird men sich im Dau'lcki m R'ich unh in dessen Oel«

ustr'e noch viele Jahre lang obfinden müssen.

■Der englische Vergarbeiterstreik. t'in Besch'us; dcS britischen Grubenbesitzuveibandes. M Ter Grubeobesihervetband befch on, lein-n Bezirks- *c,bänbe:i die Frage vorzulegen, ob sie entsprechend

Wunsche der Regierung damit rmveistandcn f*nh, daß der Grubenbesitzer verband mit dem Berg« rrbettetöetbanö die Verhandlungen wieder aufnimmt. | ^eitler bezeichnet bieün Beschluß als eine neue

Verzögerung der Regelung der Frage.

Vertagung der Saarfrage.

Der Völkerbundsrat hat debattelos beschlossen, me Frage der Zurückziehung der französischen Trup- . hm aus dem Saargebiet bis zur Wintertogung zu Der« tagen. — Man hatte schon befürchtet, daß die Ange- i 'kgenheit zur Erörterung kommen würde, ehe Deutsch­land Mitglied des Völkerbundes ist.

JeiitsPmd in öen$öto6nnii ausgenommen

Der Beschluß der Völkerbundsversammlung.

Der Mittwoch, der 8. Sept, des Jahres 1926, wird in der Geschichte vermerkt fein. An diesem Tage ist nach langem und oft recht unerauicklichem Hin und Her von der Völkerbundsversammlung, die im Reformationssaal in Genf tagte, die Auf­nahme Deutschlands in den Völkerbund beschlossen worden, und das nach der Nieder­lage im Herbst 1918 von dem unter dem Machtge­bot der Entente-Mächte stehende Völker-Konzert geächtete deutsche Volk zum Rate der Kulturvölker wieder zugclaffen worden. Ein bitterer Leidensweg liegt hinter dem deutschen Volk, auf dem es un­verdient viel Demütigungen und Kränkungen hat auf sich nehmen müssen. Aber der Weg hat durch all das Schwere hindurch in die Höhe geführt. Ein großes Stück Besreiunasarbeit ist heute geleistet und wie in stolzen, glücklichen Tagen vor Aus­bruch des Weltkrieges "sitzen die deutschen Vertreter nun wieder gleichberechtigt mit den anderen Nationen am Verhandlungstisch. In diesem Augen­blicke einer erfolgreich durchgeführten deutschen Außenpolitik gedenken wir in Dankbarkeit der Män­ner, die unter Einsatz ihrer ganzen Person, trotzend Beschimpfungen und persönlichen Gefahren, die Poli­tik geführt haben, die jetzt den greifbaren Erfolg gebracht hat. Vor allem gedenken wir unseres Reichskanzlers Dr. Marx, dessen Verdienst an der Entwicklimg unbestreitbar ist. Aber auch der Männer aus den anderen Parteilagern, die sich für die Völkerbundspvlitik mannhaft eingesetzt ha­ben, darunter Walter Rathenau, der um dieser Politik willen von ruchlosen Gesellen niedergeschos­sen worden ist, sei ehrenvoll gedacht.

Der Verlauf der Mittwochsitzung.

Wie uns ein Privattelegramm aus Genf mel­det, zeigte di» Mittwoch Vormittagsitzung, in der die Völkerbundsversammlung die Aufnahme Deutschlands und die Verleihung eines ständigen Ratssitzes an Deutschland beschließen soll, den Cha­rakter eines großen Tages. Die Delegierten sind vollzählig anwesend. Aus der Diplomaten-Tribüne sieht man b:n deutschen Generalkonsul in Gens, Dr. Aschemann. Präsident Nintschitsch (Jugoslawen) erteilt sofort dem Schweizer M o t ta als früherem Vorsitzenden des Prüfungsausschusses für die Rats-Umbildung und Vorsitzenden des Rechtsausschilfses Las Wort. Motta empfiehlt unter Ccfparmler Autmarksamknt der Versammlung im ersten Teil seiner Rede das vom Vorstands-Büro d-i Versammlung vorgeschlagene Verfahren zur gleichzeitigen Beschlußfassung über die Aufnahme Deutschlands, ine Zuerteilung eines ständigen Ratssitzes und Die Vermehrung der nichtständigen Ratssitze. Er wiederholte nochmals die Argumente, die er bereits vor dem Rechtsausschuß der Ver- la-awlung entwickelte und weist ii.ieberum darauf h n, daß es sich nach Auftastung des V"lkerbunds- rates bei den erwähnten drei Punkten um ein untrennbares Ganzes handele. Im zwei­ten Teil 'eine*- Rede der vornehmlich Len durch die Ratskrise entstandenen Problemen galt, er­klärte Motta zunächst, daß die Aufnahme Deutschlands eine Lebensnotwendig­keit für den Völkerbund fei. Diese V>r"-i?u»

Ruhe in Spanien.

Primo de R'vera hat an die „Evening News" ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt, das Ver­halten dcr Artillerieoffiziere habe die de- fannt»n Drofoni’then Strafmaßnahmen erforderlich g"macht. Die Anstifter der Schwierigkeiten würden ’einem besonderen Militärgericht abge- irMJf werden. Zu e’mer Revolution fei es über» £>aaiyt nicht gekommen. Die Angelegenheit fei covkommen ohne Störung der öffentlichen Ordnung gervaeft worden.

General Pv'mo erklärt Journalisten, daß er dem König über den Stand der militärischen Fra­gen Bericht erstattet habe. Die Gerichte hätten be­reits mit der Untersuchung begonnen, um die Schuldigen festzustellen.' Der Finanzmini - ft e r habe über die Lage des Schatzamtes berichtet, die | e b r g ü n ft i g fei und das Steigen der fpa- n'fchen Wertpapiere hervorgerufen habe. Der König habe ein Dekret unterzeichnet, welches den Kriegs- Minister zur Anwendung. Auflegung und Eraän- zuna d"s Erlasses betreffend die Artillerieoffixere ermächtigt. *

wtb. Madrid, 8. Sept. (Eig. Funkm.) Das Auswärtige Amt teilte gestern abmd der Presse mit, daß nachmittags 4 Uhr alle Truppen wieder in der 5) and der Regierung wären. Der Belagerungszustand werde sehr bald aufgehoben werden. ________________

* Griechifch-tüikifche Einigung. Agenc» d'Atl.ene meldet: Tas griechi'ch.türkisch-serbische Abkommen zur Regelung von Flüchilingsfragen wurde para- päiert. Ter türkische Delegierte wtrd sich nach An­gora begeben, um Weisungen seiner Regierung über gewisse andere Fragen, die den Gegenstand von Zu- satzabkom.men bilden sollen, einznholen. Man glaubt, daß er in 14 Tagen zur endgültigen Unterzeichnung zurückkehren wird.

* Ter neue Gouverneur von Niedcrländifch-In- dien. Der neue Generalgouverneur von Niederlän« disch-Jndien, ^onkheer de Graefs, hat offiziell von seinem Amtsvorgänger Dr. Fock die Amisge- schäfte übernommen.

gung habe sich bei ihm von Jahr zu Jahr verstärkt und werde heute von niemand mehr bestritten.

Der entscheidende Beschluß.

wtb. Genf, 8. Sept. (Tel.) Die Dölkerbunds- oetfammlung hat nach Annahme der vom Büro voc- geschlogenen Tagesordnung für die heutige Dormst- tagssihung um 11.45 Uhr den ersten Punkt ihrer heutigen Tagesordnung genehmigt und einstim­mig die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund beschlossen. Der Beschluß wurde mit starkem Beifall von dec Bersammlung begrüßt.

Die deutsche Delegation in Genf.

Einer Korrespondenzmeldung zufolge ist die Liste für die deutsche Völkerbundsdelegation nunmehr voll­ständig ausgestellt. Der Delegation gehören darnach neben den bisher genannten Persönlichkeiten als Sach­verständige noch eine Anzahl höherer Beamter und die bereits in Genf weilenden Mitglieder der vorbe­reitenden AbrüstungSkommisfion an. Weiter werden Mitglieder der Delegation der deutsche Gesandte in Bern, Adolf Müller und der Genfer Generalkonsul Aschmann fein. Der erstere ist nach Blättermeldungen aus Genf bereits dort eingetroffen.

Die Reorganisation des Völker­bundsrates.

Die „Tägl. Rundschau" neuntes verfehlt oder zu mindestens übertrieben, den Ratsbeschluß, wonach die Zuerkennung eines ständigen Ratssitzes an Deutschland und die Erhöhung der Zahl der nicht­ständigen Mitglieder von sechs auf neun gleichzeitig behandelt werden toll, als eine schlimme Intrige gegen Deutschland hinzustellen und ihm „kata» stropbale Folgen" für Deutschland zuzuschreiben. Die Reichsregierung habe durch ihre Delegierten in der Studienkommission der Vermehrung der nicht­ständigen Sitze schon im Mai zugestimmt. Diese Haltung habe seinerzeit die einmütige Billigung der großen Parteien im Auswärtigen Ausschuß gefunden. Nachdem Deutschland als Mitglied der Studien- kommission fein Einverständnis mit der Vermehrung erklärt habe, hätte es auch als Ratswttglied nicht eine gegenteilige Stellung einnebmen können. Es könne also nicht davon die Rede fein, daß der Völ- kerbnndsrgt durch seinen Beschluß Deutschland vor vollendete Tatsachen gestellt habe.

Die Tanger - Frage.

wtb. Paris, 8. Sept. (Eig. Funkm.) Nach einer Meldung des „Journal" aus San Sebastian hatte der spanische Außenminister Panguas gestern eine Besprechung mit dem spanischen Botschafter in London und dem spanischen Delegierten Beim Völkerbund, der ihm über die Eindrücke der spa­nischen Delegation Bericht erstattete. Was die Tangerfrage betreffe, fo fei das eine sehr heikle Angelegenheit, die man in ihrem vollen Um­fange erörtern müsse, wenn der Völkerbund feine Arbeiten beendet habe.

Siehe auch unter „Das Neueste".

Der Ronchaß der völkischen.

Man schreibt uns:

Die Deutsch-Völkischen haben dieser Tage, aller­dings unter Ausschluß der Oeffentl'chkeit, im Preu­ßischen Landtag einen Parteitag abgehalten. Was über dis dortigen Reden verlautet, läßt auf die Gei­stesverfassung dieser Kreise, über die man sich ja freilich noch niemals einer Täuschung hingegeben hat, einen besonderen Schluß zu. So hielt der Professor Wolf aus Düsseldorf eine Haßrede ge­gen den deutschen Katholizismus überhaupt, und er schwelgte in einem förmlichen Romhaß. Bezeich­nend war es, daß er dabei die größte Aufmerksam­keit und den inbelndest Beifall der Versammlung fand. Nach Professor Wolf sind Rom und Juda die Verderber Deutschlands. Höhnisch bemerkte Pro­fessor Wolf, daß bas Zentrum „im Namen Gottes" Futterstellenjägerei in der Republik betreibe. In diesem Zusammenhang sprach er von dem römischen Kanzler und dem römischen Justizminister!

Solche Auswüchse einer haßerfüllten Phantasie kann man nur nrt dem Ausdruck des Mitleids ent­gegennehmen. Man müßte es mit Verachtung tun, wenn man sich sagen müßte, daß fache Hetzer alle fünf Sinne zusammenhätten! Im übrigen war es bemerkenswert, daß der Herr von Graefe, der mit dem Ausdruck Hefen Bedauerns feftftetlen mußte, daß die völkische Bewegung ihren Höhe­punkt überschritten habe, sich bei den Rechtsparteien anbieberte, aber zur Voraussetzung für die Zujam. mennrbeit die Forderung erhob, „daß Demokraten und Zentrum aus dieser Arbeitsgemeinschaft aus- geschlossen würden"! So hat auch der diesmalige deutsch-völkische Parteitag gezeigt, daß diese Leute nicht ernst genommen werden können, daß sie aber gerade wegen ihres fanatischen Hasses, mit dem sie ihre Volksgenossen bekämpfen, einen Fremdkörper im Leben der deutschen Nation darstellen.

* Vier Bergleute verschüttet. Auf der Zeche „Holstein" in W ickede-Alseln wurden vier Bergleute durch plötzlich niedergehende Gesteinsmassen verschüttet. Zwei von ihnen konnten noch lebend geborgen werden. Während der Dritte noch Lebens­zeichen von sich gibt, meldet sich der Vierte nicht mehr.

Die wirren in China.

Das englische auswärtige Amt veröffentlicht eine eingehende Darstellung des Zwischenfalls in Wanhsien am oberen Pangtse, bei dem die britischen Marinestreitkräfte Verluste erlitten hatten, als sie vergeblich versuchten, zwei britische Schiffe zu befreien, die von General Pan Sen, einem An­hänger Wu Wei-Fus, beschlagnahmt und zurück- gehalten worden waren. Danach beschlagnahmte General Pan Sen, nachdem das britische Kanonen­bott „Cockshofer" bereits am 29. August in Wanh- fien das britische Handelsschiff „Wanlin" vonchine- ftschen Soldaten, die es besetzt hatten, befteit hatte, zwei andere Schiffe derselben britischen Schiffahtts- gefellschast und besetzte sie mit 300 Soldaten. Die beschlagnahmten Schiffe lagen neben dem britischen Kanonenboot vor Anker. Die chinesischen Soldaten hielten ihre Gewehre auf das Kanonenboot ge­richtet, das durch diese Uebermacht zur Untätig- fett verurteilt wurde. Nachdem verschiedentlich ver­sucht worden war, mit General Pan Sen zu einer freundschaftlichen Regelung zu gelangen, wurde an­gesichts der demütigenden Sage der beiden britischen Schiffe und des „Eookshafer" ein britisches Ka­nonenboot und ein Handelsdampfer mit einer Ma- rmeabteihmg entsandt, um als letztes Mittel Ge­walt anzuwenden. Die Marinestreitkräfte versuchten am 5. September die Befreiung der beiden Dampfer und der sechs britischen Offiziere durch­zuführen. Sie wurden von sehr schweren Feld­geschützen und durch Gewehrfeuer angegriffen, das sie erwiderten. Sie zogen sich schließlich zurück. Der Kapitän eines der beiden Handelsschiffe scheint ent- kommen zu sein. Es liegen jedoch keinerlei Nach­richten über das Schicksal der anderen fünf Han- dÄsschfffsoffiziere vor.

Reuter meldet aus Peking: Im Verlauf eines Kampfes bei Wanhsien auf dem Pangtse wurden drei Offiziere und vier Matrosen des Dampfers „Kaiwo", dessen Besatzung aus einem Marinedepar­tement bestand, getötet. Die Zahl der Verletzten soll groß sein. Die Kapitäne und Besatzungen des Kanonenbootes „Widgeon" und des Dampfers „Kaiwo" waren entschlossen, ihre Landsleute, die von den Chinesen schlecht behandelt wurden, zu retten. Es gelang ihnen, fünf von ihnen zu retten, während ein Sechster von den Chinesen getötet worden fein soll, als er versuchte, zu einem fran­zösischen Kanonenboot zu schwimmen. Jetzt ,be- finden sich nur zwei englische Schiffe mit chine­sischen Besatzungen in den Händen des Generals Yangsen.

Russische Note an Lhina.

wtb. Moskau, 7. Sept. (Gig. Funkm.) Tschit­scherin richtete an den chinesischen Geschäftsträger In Moskau eine neue Note. Diese hebt die Tat­sache hervor, daß ungeachtet der entschiedenen War­nung seitens der Sowjet-Regierung G e w a l tä­tig k e i t e n durch Besitzergreifung der sämtlichen Sch'sfe und des Schiffahrtzubehörs der Ostchinabahn erfolgt sind. Die Sowjet-Regierung spricht in der Note nochmals ihre Bereiffchaft aus, alle strittigen Fragen zu prüfen und erwartet von der chinesischen Negierung schleunige Maßnahmen zur soforttgen Abstellung der begangenen Rechtsverletzungen.

Das Hankauer Rrsenal erobert.

wtb. London, 8. Sept. (Eig. Funkm.) Nach einer drahilosen Meldung aus Hankau haben die Kan« tontruppen die Stadt Hanyang am Pangtse gegenüber Hankau und das dort befindliche wichtige Arsenal erobert, das das größte Chinas ist.

Die Randstaaten und Rußland.

wtb. Moskau, 8. Sept. (Eig.Funkm.) Die Mos-, lauer Presse veröffentlicht eine Pariser Meldung, daß zwischen den Regierungen Polens, Ruß­lands, Letlands und Estlands auf Verlangen Polens bte Einberufung einer geheimen Kon­ferenz der Außenminister dieser Staaten in Genf während der Völkerbundstagung vereinbart worden sei. Tort sollen die Beziehungen zur Union der Sowjet-Republik und insbesondere die Garan­tie-Verträge behandelt werden. Gegen die An­wesenheit Rumäniens hätten sich einige Teil­nehmer ablehnend verhalten. Möglicherweise werde Rumänien durch Polen vertreten. Estland habe fich bereits verpflichtet, die Forderungen Polens zu unter­stützen.

Rus der Sentrumstfartei.

• Kein Zentrumsparteitag in diesem Zähre. Wie uns mitgeteilt wird, ist eine Sitzung des Reich s- parteiausschusses für Sonntag, den 31. Ok- tober, vorgesehen. Der Ort der Tagung ist noch un- bestimmt. Es soll diesmal aber nicht Berlin fein. In Frage kommt voraussichtlich eine Stadt in Mitteldeutschland. Dieser Sitzung des Reichs- parteiausschusses wird eine ganz außerordentliche Bedeutung für die Pattei und für die allgemeine Politik zukommen. Den Hauptgegenstand der Be­sprechungen bilden einmal die politische Arbeit im Reiche in der kommenden Wintersession und zum Zweiten O r g a n i s a t i o n s f r a g e n. Dieser letz­tere Puntt ist beinahe noch wichtiger als der erste, denn es wird sich um eingehende Besprechung der gesamten Organisation der Deutschen Zenttums- pattei handeln, und wichtige Entschließungen wer­den in dieser Frage getroffen werden müssen. Da in diesem Jahre nicht in Aussicht genommen ist, einen Reichsparteitag zu halten, wird beab­sichtigt, diese kommende Tagung des Reichspattei­ausschusses in etwas gröheremRahmenab- zuhalten. Außerdem wird aber die ganze außer­ordentlich bedeutsame und wichtige Tagesordnung selber dieser Tagung eine besondere Note aufprägen.