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FuldaerZeüung

Anzeiger für die Sfabf und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

Mittwoch, 8. September 1926,

'•Inxelflen» Treffe: ftfefnieile (SaloneD 'okal 0,15 9lefc68ntari auswärts 0.20 Reichsmark. Reklame»eile: lokal 0.80 Reichsmark auswärts 0.80 RefchSmarL

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Zahrg. 53.

Nr. 207.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: JUuNrierte Bei- läge" und .Suchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Suldaer «ctiendruckerei in Nulda. Nernsvrecher Nr. 9.

swonatlicher Se»ugSt>re!S: 1.50 Mk.

Die Eisenbahnattentäter von Leiferde.

• Wie das W. T. B. erfährt, find am Montag abend in Berlin zwei junge Leute, Otto Schle­singer und Willn Weber, im städtischen Asyl für Obdachlose im Zusammenhang mit dem Atten­tat auf den D-Zug bei Leiferde verhaftet wor­den.

Zu dieser Festnahme zweier junger Leute unter dem Verdacht, das Eisenbahnattentat bei Leiferde verübt zu haben, melden die Blätter noch: Montag nachmittag erschien auf dem Polizeipräsidium in Hannover ein Kaufmann Weber, der wichtige Angaben über die mutmaßlichen Täter machte. Er beschuldigte seinen eigenen Bruder des Ver- brechens und gab an, daß dieser mit ihm am Sonntag an der Grabstätte feines verstorbenen Vaters weilte. Unter Tränen habe der jüngere Bruder gestanden, daß er in jugendlichem Leicht­sinn zusammen mit seinem Freunde Schlesinger das Attentat auf den D-Zug bei Leiferde verübt habe. Seit einigen Tagen hätte er feine Ruhe mehr gefunden und müßte sich nunmehr stets ver­borgen halten, da bereits die Polizei auf feine Spur gekommen fei.

Bevor noch Weber die Verhaftung seines Bru­ders hatte veranlassen können, war dieser vom Friedhof verschwunden und zusammen mit seinem Freunde Schlesinger nach Berlin gefahren. Hier trieben sie sich mittel« und stellenlos umher. Die Kriminalpolizei in Hannover machte dem in Han­nover weilenden Berliner Kriminalkommissar Dost sofort von dieser Anzeige Mitteilung und dieser kehrte noch abends im Flugzeug nach Berlin zu­rück. Mit zwölf Beamten begab er sich nach dem städtischen Obdach in der Annahme, daß hier die beiden Burschen übernachten würden. Nach mehr­maligem Durchsuchen der Schlafräume fand man in später Abendstunde Weber und Schlesinger vor. Sie wurden schwer gefesselt nach dem Polizeipräsi­dium gebracht. Bevor noch ihre Vernehmung in

mitternächtlicher Stunde erfolgen konnte, mußten die Beamten nochmals nach dem Obdachlosenasyl, um nach weiteren Helfershelfern der Beiden zu fahnden.

Qn polizeilichen Kreisen rechnet man mit ziem­licher Bestimmtheit damit, daß die beiden Verhaf­ten mit dem Attentat in Leiferde in Verbin­dung stehen.

(Ein Geständnis?

wtb Berlin, 7. Sept. (Priv.-Tel.) Don den gestern abend im Asyl verhafteten mutin<aßlichen Urhebern des Seif erber Cisenbahnattentats, We­ber und Schlesinger, meldete sich heute früh Schlesinger bei den Kriminalkommissaren und legte ein Geständnis ab. Schlesinger gab bei feinem Vernehmen an, gemeinsam mit Weber, den er im Asyl in Friedrichshafen kennen gelernt habe, durch die Schweiz nach Deutschland gewandert zu sein. Als ihnen das Geld ausging, planten sie, durch Ge­walttaten sich Geld zu verschaffen. Ob sie diese Pläne ausgeführt haben, werden erst die weiteren Vernehmungen ergeben. An der Eisenbahn ent­lang gehend fanden sie in der Nähe des Tatortes bei Leiferde einen Schienenschlüssel, einen zweiten Schlüssel stahlen sie auf einer Wärterbude. Die Vernehmung Schlesingers wird im Laufe des Vor­mittags fortgesetzt.

Zu der Verhaftung der beiden mutmaßlichen Täter von Leiferde teilt auch die „B. Z." mit, Schlesinger habe bei feiner Vernehmung auf dem Polizeipräsidium gestanden, gemeinsam mit We­ber den Anschlag auf den Eisenbahnzug verübt zu haben, um die verunglückten Fahrgäste zu berauben.

Die Pressestelle der Reichsbahndirektion bestä­tigt, daß die beiden Verhafteten gestanden haben.

Cin ZMechll Wische« England und China.

Nach einer Mitteilung der Admiralität in Lon- oon gaben chinesische Banditen Gewehrschüsse auf .«ttMbnfer" und ein Hilfsschiff ob. Einige Matrosen wurden getroffen.

wtb. London, 7. Sept. (Priv. Tel.) Bei Wanh- sien ist es, wie bereits kurz gemeldet, zu einer Be­schießung britischer Streitkräfte durch Truppen des Wupeifu unterstellten Generals, Pangsen, gekom­men. Der General hatte versucht, drei englische Damvfer zu beschlagnahmen, angeblich, weil zwei kleinere chinesische Fahrzeuge durch einen der Damp­fer versenkt worden sein sollten. Nach einer Reu- termeldung ist jedoch diese Versenkung erfolgt als das Schiff sich gegen die Versuche chinesischer Sol­daten, es zu kentern, erfolgreich zur Wehr setzte. Die beiden anderen Dampfer wurden tatsächlich von den Chinesen besetzt. Der Kommandant eines englischen Kanonenbootes versuchte vergeblich Ibie Freigabe btefer Fahrzeuge zu verlangen. Daher würbe ein Kanonenboot unb ein Transportschiff mit Seesolbaten nach Wanhsien entsandt. Diese wur­den von den Chinesen beschossen. Die Angegriffenen antworteten energisch, mußten sich aber schließlich ans Ufer zurückziehen. An Bord des einen Ka­nonenbootes wurden der Kommandant und fünf Mann verwundet. Auf dem Dampfer waren auch schwere Verluste zu verzeichnen.

•

Der der British-Indischen Damvsschisfahrtsgesell- schast gehörende Dampfer „Talamba", der sich auf dem Wege von Singapore nach Hongkong befand,

bat durch Funkspruch gemeldet, daß unter den an Bord befindlichen Deportierten Unruhen aus« gebrochen seien, weswegen er um Hilfe bat. Das englische Kriegsschiff „Carlisle" ist darauf zu Hilfe geeilt und hat Bewaffnete auf dem Schiff zurück- gelassen.

Reuter meldet aus Hongkong: Au Beschluß der britischen Regierung werden von britischer Seite aus Maßnahmen gegen die Streikpo­sten in Kanton und Swartau, die sich wie Piraten ungesetzlicher Handlungen schuldig gemacht haben, getroffen werden. Wie verlautet will man es nicht länaer dulden, baß die britische Schiffahrt behindert wird.

Chinas Protest.

wtb. Hongkong, 7. Sept. ((Fifl. Funkm.) Der Minister des Auswärtigen der Kantonregierung legte in einem Schreiben an den britischen General- konsul gegen bie Lanbung von britischen Marinekräften auf ber Mola des Santoner Hafens am 4. September Verwah­rung ein. Dieses Vorgehen fei eine Vergewal­tigung des internationalen Rechtes unb ein materieller und moralischer Angriff. Der Minister verlangt die sofortige Zurückziehung ber fraglichen britischen Gruppen Truppenteile, die so­fortige Einstellung ber Kontrolle der Flußschiffahrt und die Zurückziehung der an der Mole verankerten britischen Kanonenboote.

* Erweiterung de« Arbeitsbeschaffungsprogramms. Wie die „Voss. Ztg." erfahren haben will, soll ber Plan des erweiterten Arbeitsbefchaffungsprogramms ber Reichsregierung in den nächsten Tagen dem ReichSrat zugeben. Die neuen Vorschläge berück­sichtigen besonders den Bau von Ueberlanb» st raß en.

Die völkerbundrtagung.

In der Nachrnittagssitzung der Völker- bundsversammlung am Montag wurde zum Prä­sidenten der 7. Völkerbundsversammlung mit 42 von insgesamt 48 abgegebenen Stimmen der j u - goslawische Außenminister Nint- tschi tsch gewählt. Der Bericht der Wahlprü- fungskommission, den wie üblich ber kubanische De­legierte Aguero erstattete, ergab bie Anwesenheit ber Delegierten von 48 Völkerbunbsmitgliebstaaten. llticht vertreten finb in ber Völkerbunbsversammlung Me Republik Argentinien, ferner Bolivien, Bra­silien, Costarica, Honburas, Peru und Spanien. - Nach einigen Begrüßungsworten des Ratspräsi- benten Benesch an den neugewählten Präsidenten kr Versammlung Nintschitsch, nahm dieser das $ßort, um in kurzen Sätzen die Bedeutung des Völ­kerbundes zu charakterisieren, die er vor allem darin lieht, daß die Staatsmänner aller Länder in Genf regelmäßig freundschaftlich miteinander in Berüh­rung kommen. Dadurch seien schon soviel schwere volgen von Mißverständnissen internationaler Art vermieden worden, daß man es nicht mehr nötig wbe, die Bedeutung des Völkerbundes nachzu­weisen.

r Präsident Nintschitsch begrüßte bie Auf- "°bme Deutschlands und sprach die Hoff- ??nq aus, daß auch die Freunde des Völkerbundes, ?? geglaubt haben, sich infolge vorhergehender Ver. minmung entfernen zu müssen, wieder zurückkehren, )°toie daß diejenigen, bie ihm noch fernstehen.

sich ihm balb anschließen möchten. Jetzt macht ber Bunb, so sagte Nintschitsch, einen neuen Schritt zur Universalität, aber bas wirb nur bann ein wirklicher Erfolg fein, wenn bie Staatsmänner auch nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatstaaten ben Geist bort pflegen werden, den sie hier zu vertreten geholfen haben.

Die Versammlung genehmigte bann auf Antrag bes Völkerbunbrates bie Tagesordnung unb fügte den zwölf Punkten ben Reformplan ber Studienkom Mission bei. Nach der Ver­teilung der Tagesordnung auf die sechs zu wählen­den Kommissionen wurde die Sitzung der Vollver­sammlung auf Dienstag mittag 12 Uhr vertagt.

Handelsverträge.

Wie die Agentur Jnbo Pacific au? Tokio meldet, wird ber deutsche Botschafter in Japan, Dr. Sols am 11. September nach Berlin reifen, um mit der deutschen Regierung über bas deutsch-japanische Handelsabkommen zu beraten.

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A»S Mexiko wird gemeldet: DaS Ministerium des Auswärtigen bat kürzlich erklärt, daß es bie Absicht habe, die bestehenden Handelsverträge mit Deutschland, England, Frankreich und den anderen Ländern, die in diesem Jahre ablaufen, nicht zu erneuern. Mexiko sei aber gewillt, über neue Verträge zu verhandeln.

• Auftreten einer unbekannten Krankheit. Am Freitag erkrankten in Duisburg plötzlich vier Kinder unter Vergiftungserscheinungen. Ein 13 jähriges Mädchen verstarb am Samstag. Von den inS Krankenhaus gebrachten Kindern verstarb ein elfjähriger Knabe kurz nach ber Einlieferung. Weder die Ursache noch die Art der Krankheit konnten bisher einwandfrei festgestellt werben.

Prirno de Rivera Herr der Lage.

Wenn auch durch die dem spanischen Diktator feind­lich gesinnte Weltpresse die Vorgänge in Spanien möglichst ungünstig für den Vertrauensmann des Königs und des Volkes hingestellt werden und die Erfolge der ausständigen Offiziere der Ar­tillerie-Regimenter recht groß dargestellt werden, scheint Prirno de Rivera Herr der Lage zu fein. Es liegen folgende letzte Meldungen vor:

totb. Madris, 7. Sept. (Priv. Tel.) In Spa­rn en herrscht vollkommene Ruhe. Bis jetzt ist kein Zwischenfall zu melden. In Barcelona wurde die Artillerie-Kaserne von den Offizieren in voller Ruhe verlassen. Infanterie- und Kaval­lerie-Abteilungen besetzten diese Kaserne.

wtb. Madrid, 7. Sept. (Priv. Tel.) Der Mi- nisterpräsident hielt in den gestrigen Abend­stunden Besprechungen mit dem General! a- pitel von Madrid, mit dem Minister unb bein OderLommandierenden bet Zivil-Garbe ab, ber Kriegsminister habe die Meinung geäußert, der Artillerie-Konflikt sei völlig beendet.

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Havas meldet aus Derbere: Nach Mitteilungen von Reisenden, die aus Spanien kommen, ist Bil­bao der Hauptherd der militärischen Bewegung. In Madrid hallen sich die regierungstreuen Truppen auf der Straße für jede Eventualität bereit. Das spanische Volk scheint der Bewegung der Artilleristen feindlich gegenüberzustehen. Im Laufe seiner Unterredung mit dem König soll General Prirno de Rivera seinen Rücktritt als Ministerpräsident angeboten haben, den der König jedoch abgelehnt haben soll. General Prirno de Rivera scheint I ferner vvndergroßenMehrheit der öffent­lichen Meinung unterstützt zu werden. Die 1

Mitglieder der Regierung und besonders die KriegS- minister haben zahlreiche militärische und zivile Persönlichkeiten empfangen. General Primo hat eine lange Unterredung mit dem Kriegsminister und hat hierauf den englischen Botschafter ausgesucht. Französische und andere ausländische Zeitungen werden an der Grenze beschlagnahmt.

Der Kampf um Spanien in Genf.

Der Genfer Havasvertreter will erfahren haben, daß verschiedene Delegationen einen letztenVer- such unternehmen müßten, um Spanien zum Ver­bleib int Völkerbundsrat und in der Völkerbunds­versammlung zu veranlassen. Unter den verschie­denen ins Auge gefaßten Möglichkeiten erwähnt der Korrespondent einerseits die Wahl Spaniens zu einem nichtständigen Ratsmitglied mit erneuerungsfähigem Mandat, anderer­seits die Besetzung von nur 8 nichtständigen Mit­gliedern mit der Maßgabe, daß ein Sitz für Spanien fpei bleiben soll.

(Ein Anschlag auf König Alfons vereitelt.

wtb' Paris, 7. Sept. ((Fig. Funkm.) Wie die Pariser Ausgabe ber .Daily Mail' meldet, wird be­hauptet, daß durch die überstürzte Abreise des König Alfons auS San Sebastian bie Ausführung eines Planes ber spanischen Republikaner, bie sich in großer Zahl in Saint Jean de Luz aufge­halten, vereitelt worben fei. Diese Kreise hatten die Absicht gehabt, sich der Person beS Königs zu bemächtigen, um ihn zur Abdankung zu zwingen.

Die Lage in Mexiko.

Appell ber Bischöfe an ben Kongreß.

wtb. Lonbon, 7. Sept. (Eig. Funkm.) Reuter meldet aus Mexiko: Die Bischöfe Mexikos ver­öffentlichen ben Wortlaut eines Gesuches an ben mexikanischen Kongreß, worin um Aufhebung gewisser Bestimmungen der Verfassung ersucht wird. DaS Gesuch legt bar, die katholische Kirche verlange keine besonderen Vergünstigungen, sondern wünsche lediglich bie Freiheit ihrer Religion.

* Die Reparationszahlungen Deutschlands. Das Büro beS Generalagenten für bie Reparations- Zahlungen im zweiten Annuitätsjahr bis zum 31. August 1926. Darnach stellen sich die Gesamtem- nahmen im August auf 159840 218,63 GM. unb in der zweiten Jahresannuität bis 31. August 1926 auf 1169809587.26 GM. Davon wurden gezahlt an Frankreich im August 78388892,65 GM., an Eng- land 25708962,32 GM., an Italien 11579910,76 GM. und an Belgien 13283236,38 GM. Die Sachlieferungen Deutschlands betrugen im August

57659153,94 GM. und in ber zweiten Jahresanui- tat 655 928723,62 GM.

(Ertoerbslofenöemonftration der Kommunisten.

wtb Berlin 7. Sept. (Eig. Funkm.). Beim Rück- marsch eines kommunistischen Demonstrations-Zuges -in ber Erwerbslosenfrage wurden gestern an bet Ecke Frankfurterstraße und Weber-Wiese zwei Mit­glieder des Raten Frontkämpferbundes, die mehrere Beamten bedroht hatten, festgenommen. Da die Beamten sich sich sehr bedrängt sahen, mußten sie vom Gummiknüppel Gebrauch machen.

* Der erste Kreuzer Jugoslawiens. Der erst« Kreuzer ber jugoslawischen Marine „Dal Macija" traf in Tivat in der Bucht von Caltaco ein. Der Kreuzer wurde von ber Bevölkerung begeistert begrüßt.

* Ernste Erkrankung deS serbischen KönigSsohues. Nach einer Blättermeldung auS Belgrad soll der einzige Sohn deS serbischen KönigspaareS, ber drei Jahre alt ist, ernstlich erkrankt fein.

$om Allgemeinen Deutschen Spackassenlng.

Vie Aufgaben der Sparkassen.

Am 6. September wurde in Augsburg ber allge­meine Deutsche Sparkassen- unb Kommunalbanken, tag burch ben Verbanbsvorsitzenden Dr. Scholz er­öffnet. Es waren etwa 2500 Teilnehmer aus ganz Deutschland erschienen.

Dr. o. Leyben überbrachte die Grüße ber preußischen Staatsregierung! unb brückte seine Ge­nugtuung über bas Vertrauensverhältnis aus, das zwischen ber Interessenvertretung ber Sparkassen unb ber Staatsaufsicht bestehl. Er verbreitete sich bann in längeren Ausführungen über die Ausgaben ber Sparkassen unb Kommunalbanken unb erklärte, baß bie Staatsregierung stets den Stanbpunkt ver­trat, baß die Komunalverwaltungen durchaus be­rechtigt seien, ebenso wirtschaftliche Ziele zu verfolgen wie gemeinnützige, doch dürften die wirt­schaftlichen Ziele nicht Selbst- und Endzweck sein, sondern als allgemeiner Grundsatz müsse stets die Gemeinnützigkeit als Endziel bleiben. Dar. auf erteilte der Vorsitzende dem Präsidenten Dr. Mulert das Wort zu dem Referat „Oeffentlichr Finanzprobleme". Ferner sprachen Universitäts­professor Dr. Terhalle über „Die öffentlichen Ban­ken in der Volkswirtschaft", Präsident Dr. Kleiner über das Thema „Der Kommunalkrebit im Rahmen bes Aufgabenkreises ber Sparkassen unb ber Giro­organisation", Generalbirektor Dr. Bel über „Fi­nanz- unb betriebswirtschaftliche Probleme im kom­munalen Bankwesen", Verbanbspräsibent Dr. Eberle über bas Thema „Der kommunale Giro­verkehr, seine Entwicklung unb seine Zukunft".

Der Allgemeine Deutsche Sparkassen- unb Kom­munalbankentag faßte am Schluß ber obigen Ver- honblung eine Entschließung, in ber es unter anberem heißt: Die Sparkassen sehen nach wie vor in der Pflege des Realkredits eine ihrer dringend­sten Aufgaben. Es wird angestrebt, in absehbarer Zeit im Hypothekarkredit der Sparkassen wie in ber Vorkriegszeit roieber auf 40 Pro­zent der Spareinlagen zu gehen, soweit dieser Satz nicht schon erreicht ist. Zur Befriedigung des dringenden Realkreditbedarfs ber Landwirtschaft beabsichtigt bie Sparkassen- unb Giroorganisation, verfügbare Mittel ben größeren Kassen ber länb- lichen Sparkassen im Wege bes Ausgleichs über bie Girozentrale zuzuführen. Der mittelstänbige Sun» bentreis ber Sparkassen, ber keinen Grunbbesitz ver­pfänden kann, hat auch ein Anrecht auf ben Kre­

bst ber Sparkassen, namentlich als kurzfristigen De- triebstrebit zu angemessenen Sätzen unb in ber für den Mittelstand geeignetsten Form. Aus diesen Gründen gewinnt die Darlehensgewiih. rung in laufender Rechnung besondere Bedeutung sowohl im eigenen Interesse der Spar- kassen wie, auch im Interesse der Gesamtwirtschaft. Die verstärkte Förderung des Uederweisungsver- kehrs und der Ausbau bes kommunalen Girover- kehrs unb Gironetzes gehören zu ben wichtigsten Aufgaben im gegenwärtigen Bankwesen. Auf bem Gebiet des langfristigen Kommunalkrebits haben bie Girozentralen durch die Schaffung von Sammel­anleihen den mittleren und kleineren Kommunal» verbänden eine erhebiliche Verbesserung ihrer fi« ncinziellen Position gebracht. Die Sparkassen sind wie die Girozentralen zu einer loyalen Zusammen, arbeit mit den Kreditgenossenschaften und Privat­banken bereit. In ersterer Hinsicht sind erfolgver« sprechende Vereinbarungen mit ben genossenschaft« lichen Spitzenverbänben getroffen, in letzter Hin­sicht ist Voraussetzung, daß die Privatbanken die öffentlichen Gelb» unb Kreditanstalten in Er­füllung ihrer satzungsmäßigen Pflichten nicht zu be» hindern suchen.

Zu dieser Entschließung bes Sparkassentages führte Präsident Dr. Kleiner unter anderem aus, die Beziehungen zur Reichsbank feien erheblich enger geworden, mit ber Staatsbank unb ber Preußenkasse feien sie besonders eng und auch mH ben übrigen Kreditgenossenschaften sei es zu Vereinbarugen gekommen, bie eine loyale Zu- fammenarbeit gewährleisteten. Angesichts ber schwebenben Diskussion über bie Besteuerung bes Kontokorrent-Krebites äußerte sich Kleiner nur kurz zu bem Verhältnis zu ben Banken. Er betonte von neuem bie Verständigungsbereit­schaft, allerdings aber auch ben Willen, bie berech­tigten Ansprüche der Sparkassen unter allen Um­ständen burchzusetzen. Da weitere Wortmeldungen nicht vorlagen, schloß ber Derbandsvorsitzende bie Tagung mit folgenben Ausführungen: Als Fazit ber heutigen Verhanblungen stelle ich fest, baß bie gesamten Derhanblungen des heutigen Tages bas eine bewiesen haben, baß unsere beutschen Spar­kassen sein unb bleiben wollen eine Grunblage unb Eckpfeiler für ben Wieberaufbau unb bie Wiebererstarkung unseres geliebten deutschen Vaterlanbes.