Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

E d 1 Wnwwwff tm. m Mffr. Hallst? ISM)

FuldaerZeüung

Sinniger für die Sfnbf und den Kreis Julda. Amtliches Kreisblakk.

Samstag, 4. September 1926

Nr. 204

^scheint sechsmal wöchentlich. SBotbenbeilaoem Illustrierte Bei- !ane“ »nd Buckenblötter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda- Fernlvrccher Rr- 9.

Monatlicher Beruasnreis! 1.50 °wr.

in,einen- «reil»! «lein,eile (Colonel) ’ otal 0,16 ReichSmar answLrts 0.20 Reichsmark. Reklame,eile, lokal O.ßr Reichsmark auswiirts 0.80 Reichsmark.

Bei Wiederdolungen Rabatt. Volt.checkkonto Franksurt a. 'm. 4051.

Zahrg. 53.

Spanien seierlichst zum Verzicht ansgesardert.

Die Schlußsitzung der Studienkommission in Genf.

Die Stu dien kommt fsion hat dis zum Donnerstag abend den Bericht über die von allen Be- teiltgten mit Ausnahme Spaniens- gebilligte Lösung derRatsfragen beraten und redaktionell festgelegt. Ani Freitaa vormittag mußte jedoch noch aus formalen Gründen werter verhandelt werden. Freitag nach­mittag soll der Bericht dem Völkerbundsrat über­reicht werden. Damit haben die Dinge in Genf sich nun doch günstiger entwickelt, als anfangs an­genommen worden war. Im großen und ganzen ist der Märzplan des Engländer Lord Cecil an­genommen worden. Im Effekt bedeutet das eine ge. wisse Zusicherung sowohl für Spanien wie für Po­len, wenigstens einen halbstündigen Sitz in Aussicht gestellt zu sehen. Spanien konnte sich mit dieser Regelung allerdmps nicht einverstanden er­klären, es beharrte auf seiner Forderung nach einem ständigen Ratssitz. Es drang aber mit diesem An­spruch nicht durch, und daß kennzeichnende an der Situation ist, daß die italienischen Delegier­ten auf Grund neuer Instruktionen aus Rom nun­mehr den spanischen Anspruch als unberechtigt erklärten, während sie vorher ihn zu unterstützen schienen. Von den deutschen Vertretern ist als Wunsch der deutschen Reichsregierung ausgespro­chen worden, daß Spaniens Mitarbeit dem Völker­bund erhalten bleibe. Der deutsche Vertreter hat zur Sache selbst korrekter Weise keine Stellung ge­nommen, eine Einmischung vielmehr abgelehnt mit dem richtigen Hinweis, daß Deutschland ja selbst auf einen ständigen Sitz Anspruch erhebe, daß ihm dieser Sitz auch zugesagt sei, daß aber Deutschland noch nicht Mitglied des Völkerbundes und Inhaber eine ständigen Sitzes sei, infolgedessen auch nicht Stellung nehmen könne.

Was wird Spanten tun?

Ein Schritt des Papstes.

Pariser und Londoner Blätter melden aus Rom, daß der Papst am Donnerstag eine Unterredung mit dem gegenwärtig in Rom weilenden Nun­tius in Madrid hatte, deren Gegenstand die Haltung Spaniens zum Völkerbund war. Der Nuntius wird, wie es in den Blätter- meldungen heißt, sofort nach Madrid zurückkehren und dort eine Audienz sowohl beim König, als auch bei Primo de Rivera nachsuchen, denen er erklären werde, daß nach Ansicht des Datikans sowohl im Interesse der katholischen Kirche, als auch im Interesse des Friedens Spanien Mitglied des Völkerbundes bleiben müßte. Die De­marche des päpstlichen Nuntius soll die Form eines

persönlichen Appells des Papstes an den König von Spanien haben.

Hösch bei Brtanb.

Botschafter v. Hösch hatte eine längere Unter­redung mit dem französischen Minister des Aeußern Briand. 5te Besprechung galt vorwiegend der durch die Vorschläge des Prüfungsausschusses für die Zusammensetzung des Völkerbundsrates geschaf. fenen Lage. Briand zeigte sich über die zustande gekommene Lösung sehr befriedigt und äußerte auch Genugtuung über die nunmehr feststehende Tat­sache des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund als ständiges Ratsmitglied.

Die Besprechungen, bei denen ferner verschiedene technische Einzelheiten über den Eintritt Deutsch­lands in den Völkerbund behandelt wurden, dreh­ten sich schließlich um verschiedene laufende Fragen, darunter auch um die Frage der De r m i n d e r u ng der Besatzungstruppen hn Rheinland.

Die deutsche Delegation.

Das Reichskabinett in Berlin hat sich mit der Frage der deutschen Vertretung auf der Völker­bundstagung in Genf befaßt. Der deutschen Ver­tretung werden hiernach als Delegierte angehören: Reichsaußenminister Dr. Stresemann, Staats, stkretär Dr. v. S ch u b e rt und Ministerialdivektor Dr. G a u s. Die Delegation wird ferner die Reichs­tagsabgeordneten Graf Bernstorff, Dr. Breitscheid, Dr. Kaas und Freiherrn von Rhsinhaben, die Staatssekretäre Dr. Pünder und Weismann, die Mi. nffterialdirektoren Dr. Kiev und Dr. Schäffer sowie Sachverständige aus verschiedenen Ministerien um­fassen.

Brasilien.

Mello Franco, der seit drei Jahren als Ver- freier Brasiliens im Völkerbundsrat in Genf an­wesend war, ist nunmehr nach Paris übergesiedelt, von wo er sich am 5. Oktober nach Rio sinschif- fen wird. Montarroys bleibt im Aufttage der bra- silionffchen Regierung vorerst weiter als Beobachter in Genf.

Danzig und Saarfrage.

Die „Germania" meldet: Wie aus Ratskreisen verlautet, wird die Danziger und die S a a r- frage erst nach dem Eintritt Deutsch- l a n d s in den Völkerbund vom Völkerbundsrat behandelt werden, damit Deutschland Gelegenheit hat, an den Besprechungen teilzunehmen.

Siehe auch unter „Das Neueste".

Wichtige Abänderung des Dawesplanes.

Wie die Blätter melden, ist zwischen dem Reichsfinanzmini st er und dem G e n e - ralagenten der Reparationen, Parker Gilbert, eine wichtige Abänderung vereinbart wor­den, die bereits die Zustimmung der R e p a r a - tionskommisüon gefunden habe. Nach dem Dawesplan war ein besonderes als kleiner „Besse­rungsschein" bezeichnetes Verfahren vorgesehen, wonach im Falle einer Erhöhung der Einnahmen vis den Zöllen und bestimmten indirekten Steuern für das Reich in den Jahren 1926 bis 1928 V» da- von bis zur Gesamthöhe von % Milliarde Mark als Sonderreparation gezahlt werden sollte. Auf Grund der vereinbarten Abänderung werden Nun statt der 500 Millionen Mark, die els Zusatzleistungen in den Wintern 1927 und 1928 fx zahlen wären, vom Oktober 1926 an 3 0 0 M! l- tonen Mark gezahlt und zwar in 12 Monats­raten von 18 Millionen steigend bis zu 34,8 Mill. Diese Zusatzleistungen werden nicht in bar trans­feriert, sondern in Sachlteferungen geleistet verden. Eine weiter für die Reichsfinanzverwal­tung nicht unwesentliche Vergünstigung besteht darin, daß die Einnahmen aus den verpfändeten Zöllen und Verbrauchssteuern künftig direkt in die Reichskasse fließen und daß die Reparations­zahlungen daraus erst 45 Tage später abgezogen werden dürfen. Daraus ergibt sich eine Verbesse­rung der Liquidität der Reichskasse.

Zu dieser Herabsetzung der Verpflichtungen Deutschlands aus dem „kleinen Besserungsschein"

Der Streik in (England.

Aus London wird gemeldet: Die Delegierten- konferenz der Bergarbeiler hat mit 557000 gegen 225 000 Stimmen den VorscklagdesVollzugs- ouSschusseS angenommen, daß der Ausschuß er- wächtigt werden soll, Vorschläge für die Ein­stellung eines nationalen Uebereinkom- wens zu unterbreiten. Eine weitere Konferenz soll iur Erledigung aller Vorschläge für die Regelung einberufen werden. Der Vollzugsausschuß wird freie Hand haben, sowohl über die Zahl der Ar­beitsstunden, als auch über Löhne zu verhandeln, Unter der einzigen Bedingung, daß ein nationales, Ulsvs nicht örtliches, Uebereinkommen Zustandekommen ? Die Aussichten, daß auf diesem Wege der Streik Wnmehr beigelegt wird, werden von der englischen Presse wenig optimistisch beurteilt.

> * Rücktritt des persischen Kabinetts. Aus Teheran wird unter dem 3. September gemeldet: 06 persische Kabinett ist gestern zurückgetreten.

ist ergänzend mitzuteilen, daß die auf Grund der neuen Vereinbarung mit dem Generalagenten für die Reparationszahlungen, Parker Gilbert, von Deutschland nach dem „kleinen Besserungsschein" zu zahlenden 300 Millionen Reichsmark' in 12 Monatsraten, beginnend mit dem 15. Oktober 1926, zu zahlen sind, während die ursprünglich vorgesehe­nen 500 Millionen in zwei Jahren abzutragen ge­wesen wären. Das neue Abkommen entlastet den Reichsetat, denn schon im Nachtragsetat für 1926-27 würden 37,8 Millionen Mark erspart. Für den nachfolgenden Etat ergebe sich eine Erparnis von 58 Millionen, die sich für das Etatsjahr 1928-29 auf 104,2 Millionen vergrößere. Das Ab­kommen enthalte keine irgendwie geartete politische Sondermaßnahme in der Richtung, daß Deutsch­land auf anderen Gebieten irgendwelche Verpflich­tungen auf sich nehmen müsse, sondern es fei le- diglich in dem Willen gegenseitiger Ver- ständigung geschlossen. Durch dieses Abkom- men verringerten sich die Verpflichtungen im Etat um 145,8 Millionen. Es sei möglich, daß sich die Augusteinnahmen der Reichskasse ebenso günstig wie die Juli-Einnahme entwickelt hätten, von einer Emittierung von Schatzwechseln abzusehen. Das Reick beabsichtigte vorläufig nicht, an den Geld- markt wegen eines größeren Anleihebetrages her- anzutreten.

Die durch das neue Abkommen mit dem Gene­ralagenten bewirkten Erleichterungen würde die gesamte Wirtschaftslage günstig beeinflussen.

* Neuer Verqleichsvorschlag des Hauses Hohen- zollern. Die „Börlenzeitung* meldet: Am Samstag trifft der Generalbevollmächtigte des Hauses Hohen- zollern, v. Berg, in Berlin ein, um dem preußischen Staatsministerium einen neuenVorschlag in der Angelegenheit der vermögensrechtlichen Auseinander­setzung zwischen dem Staat und dem ehemaligen Königshaus zu unterbreiten. Er hat in Doorn alle strittigen Fragen mit dem vormaligen Kaiser ein­gehend besprochen und auf Grund dieser Besprechungen den neuen Vergleichsvorschlag abgefaßt. Das HauS Hohenzollern erklärt sich, der „Börsenzeitung" zufolge, zur Rückgabe einer Reihe von Besitzungen bereit, die vor allem geschichtliche B-deutung haben.

— Die Berliner Hilfsaktion für die notleidenden Angehörigen der freien Berufe. Der vm der 'Berliner Stadtverordnetenversammlung eingesetzte Unterausschuß hat dem Magistrat empfohlen, zur Unterstützung der Angehörigen der freien Berufe 10 000 Mk. auszuwerfen, 527 Angehörige der freien Berufe sollen durch die Notstandsaktion des Magistrates aus ihrer trau­rigen Lage befreit werden. Auch öte private Hilfstätig­keit schließt sich der städtischen Aktion an.

Zur Frage der republikanischen Union.

2n diesen Tagen hat sich die Presse fast aller Richtungen mit der Frage der sogenannten repu- iranischen Union wiederum sehr nachdrücklich be­schäftigt. Die Frage ist dadurch etwas brennend geworden, daß von den Deutschnational en ganz unverhohlen der Anspruch auf Wiederbeteili- 9ung an der Regierung erhoben worden ist, und "lese Forderung, die insbesondere Graf Westarp mit Eifer in der Oeffentlichkeit vertreten hat, fällt zusammen mit der Kenntnis von der Tatsache, daß die Deutschnationalen im Auswärttgen Ausschuß gegen die Dölkerbundspolitik der gegenwärtigen Regierung gestimmt haben. Daß sie daneben den Anspruch echeben, nach Genf in derselben Re- merung maßgebend vertreten zu fein, deutet frei« uch auf ein sehr hartes politisches Feld. Die „Germania" schreibt nun zu der Aktion W i r t h's folgendes:

Wirth hat, wie uns scheint, kein glück­liches Unterscheidungsmerkmal gewählt: erschließt Es, was nicht ausgeschlossen werden darf, und «r öffnet Türen, die er geschloffen halten möchte. Aber sehen wir mehr auf sein Ziel, als aus seine Wortprägung. Dann glauben wir, daß das Ziel auch das der Zentrumspartei ist. Aber ob seine Melden auch die des Zentrums sein können? Es ist schon früher gesagt worden, daß das Zen- rrum seinem Wesen nach keine Festkettung an eine bestimmte Partei ko mb,Nation verträgt. Ob eine „Republikanische Union" und eine besondere repu­blikanische Zeitschrift für zweckmäßig zu erachten ist, das mag auf sich beruhen. Aber Dr. Wirth will auch parlamentarisch wirken, und das kann er mit den von ihm in Aussicht genommenen Mitteln höchstens indirekt, in seinem Sinne vorbereitend. Das gilt sowohl vom Zentrum wie von der Sozialdemokratie."

. 2m Anschluß daran sagt sie zu dem Verlangen des Grasen Westarp: „Der Weg, den Graf Westarp gehen will, ist ein Holzweg. Weder die Entschlossenheit noch die Geschicklichkeit werden ihm etwas helfen. Graf Westarp glaubt vielleicht, es würde genügen, wenn die Deutschnattonalen nach dem Eintritt Deutschlands m den Völkerbund, den sie bekämpfen, sich auf den Boden der Tat- n stellen und den dann geschaffenen Völker- rechtlichen Zustand anerkennen würden. Aber Poli- «k ist kein juristisches Exempel. Der Buchstabe tötet, der Geist ist es, der lebendig macht. Wie steht es mit diesem Geist bei den Deutschnattonalen? Und dann gibt es außer der Außenpolitik auch noch einige andere Angelegenheiten, über die man sich mit Deutschnationalen unterhalten müßte, ehe man sie als koalitionsfähig begrüßen könnte. Wir furchten, daß sie das unvermeidliche Eramen rigo- rosum auf dem Gebiete der inneren Politik nicht bestehen würden, und ohne dieses Examen geht es nun einmal nicht. Das ist die natürliche Folge der bisherigen Haltung der Deutschnationalen zum neuen Staat. In den geistigen Grundlagen des neuen Staates, gemessen an deutschnattonäler Mentalität, liegen die Gründe unserer Skepsis. Wir möchten uns keine deutschnationalen Kuckucks- eier ins Rest legen lassen."

Hierzu schreibt das „Berl. Tageblatt" (Nr. 413), daß zwischen dem Standpunkt der Germania zu der parlamentarischen Fundierung der republika­nischen Polittk und dem des Dr. Wirth kein Zwiespalt bestehe. Auch er suche genau wie die Zentrumspartei eine takttsche Lösung. Für das Liebeswerben der Deutschnattonalen um die Gunst des Zentrums brauche aber jetzt kaum noch Ro- tationspavier verschwendet zu werden. Die Königs­berger „Mlgemeine Zeitung" (Nr. 406) bemerkt, die republikanische Union würde im Falle eines Zustandeskommens ein willenloses Werkzeug der paar Männer, die mit ihrer politischen Kurzsichtig­keit und Engherzigkeit Deutschland einer Bewe­gung auSIiefern wollen, die nur zersetzend und zerstörend, nie aber einigend und aufbauend wirken könne.

Der demokratische Abgeordnete Koch (Vossische Zeitung Nr. 415) hält es für einen Fehler, den Zusammenhalt der Mitte zu schwächen, ohne daß Ersatz dafür gegeben ist. Der Fortschritt in der Deutschen Vvlkspartei fei unverkennbar. Je mehr praktische Arbeit sie im Dienst der Republik leiste, umso mehr müsse sie sich der neuen Zeit zuwenden. Innerhalb der Deutschen Vvlkspartei sei die Entscheidung auszutragen, ob sie eine Partei der Rechten oder der Mitte sein wolle. Er trete ein für jede Koalition, die die Republik schützt, die der europäischen Verständigung zusttebt und die Einheit des Reiches und die Kraft der Reichsregie­rung stärkt. Am besten sei dies in einer Mehr­heitsregierung gewährleistet, und da die Deutsch- nationalen einer solchen Zielsetzung widerstreben, bliebe nur die Große Koalition. Wenn sich aber die Svttaldemokatte einer solchen Regierung versage, so müsse man es entschlossen mit einer Koalition der Mitte und wenn die Deut- s ch e Vollspartei sich einer Koalition versage, eben­so entschlossen mit der Weimarer Koalition versuchen.

Der Vorwärts (Nr. 412) betont demgegenüber: „Wenn Zentrum und Sozialdemokraten eine ge« schlossene Gruppe bilden würden, die mit echt repu­blikanischem Geist erfüllt und entschlossen wäre, der unzerreißbaren Verbundenheit des demokra­tischen Gedankens mit dem sozialen Rechnung zu tragen, so würde sich das Problem der republi­kanischen Union viel leichter lösen lassen."

Was den Gedanken der republikanischen Union angeht, so wird es gut sein, auf ein wichtiges Unterscheidungsmaterial aufmerksam zu machen: man müßte, wenn man den durchaus richtigen Grund­gedanken der Zusammenfassung der Verfteter der Staatsidee und derjenigen, die bereit sind, für den Staatsgedanken und den heutigen Staat arbeiten, wirklich mit Erfolg in die Tat umfetzen will, nicht eine derartige Aktion parteimäßig auf» ziehen. Man dürste sich also nicht an die Par­teien als solche wenden, sondern man müßte an die Menschen, an die Staatsbürger ohne par­teimäßige Bindung hercmkommen. Denn das Ziel muß ja sein, alle diejenigen positiven Kräfte zu sammeln, die gewillt sind, Staat und Voll zu Helsen zu neuem Aufstieg.

Türkisch - persisch-russischer vertrag?

wtb London, 3. Sept. (Eig. Funkm.). „Times" berichtet aus Konstantinopel: Obwohl eine Bestä- tigung fehlt, besteht Grund zu der Annahme, daß ein Vertrag zwischen der türkischen, der persischen und der Sowjet-Regierung vor dem Abschluß stehe. Aus Moskau werden Zusammenkünfte zwischen dem dortigen türkischen Botschafter, dem persischen diplomatischen Vertreter und Tschitscherin gemeldet. Es wird für wahrscheinlich angesehen, daß der Hauptgrundsatz des Vertrages Neutralität fein werde.

* Abd el Krims letzte Reife. Wie HavaS auS Marseille berichtet, ist der Dampfer „Amial Pierre" mit Abd el Krim an Bord nach der Insel Röunion in See gegangen.

_ * Der sozialdemokratische Parteitag. Laut Vor­wärts bat der sozialdemokratische Parteianschluß in feiner Sitzung vom 2. 9. beschloßen, den nächsten Parteitag Mitte Mai in Kiel abzuhalten.

Der Bürgerkrieg im Drachen - Land.

Nach Meldungen au8 Kanton haben dortige Streikende mehrfach auf Reisende und Schiffe geschossen, die auf dem Fluß zwischen Kanton und Hongkong verkehren. EinamerikanischeSKanonen- boot wurde von einem Schützen getroffen. Es heißt, daß die Kanton-Regierung gegen diese Aus­schreitungen ohnmächtig ist.

Am 1. Sept, ist in der Umgebung von Shanghai das Standrecht auSgeübt worden. Kriegsschiffe kreuzen vor dem Weesung-FortS und andere Maß­nahmen werden noch ergriffen, um eine eventuelle Landung der Kantontruppen zu verhindern.

m Luxus-Zug Paris-Prag bei Nürnberg entgleist

Neue EisenbahnunfSlle. -

Soeben bringt der Draht Kunde von einem neuen Eisenbahnunglück, das einen internationalen Luxuszug auf deutschem Boden, in Crailsheim bei Nürnberg, getroffen hat. Wir erhalten folgende Meldung:

wtb Nürnberg, 3. Sept. (Eig. Funkm.) Der Luxuszug Paris-Prag ist bei der Durchfahrt durch die Station Crailsheim entgleist. Ein Reifen­der und der Heizer sind verletzt. Der M a - terialfchaden dürfte sehr bedeutend fein. Die Ursache ist noch nicht bekannt. Der Bahn- verkehr mußte durch Umsteigen aufrecht erhal­ten werden.

Eisenbahnunglück bei Heidelberg.

Am Donnerstag abend ereignete sich auf dem Bahnhof Schlierbach bei Heidelberg ein Eisen­bahnunglück, welches leicht schlimme Folgen hätte haben können. Kurz vor dem Bahnhof rangierte eine Güterzugsabteilung, als von Heidelberg der Arbeiterzug aus Nekesheim heranfuhr. An der Unglücksstelle befindet sich eine unübersicht­liche Kurve. Das Einfahrtssignal hatte zunächst auf freie Fahrt gestanden, und wurde erst unmi11el- bar beim Herannahen des Zuges auf Sperre gestellt, so daß der Zugführer den

Soll bas so weitergehen?

Zug nicht mehr rechtzeitig zum Halten bringen konnte. Der Anprall war außerordentlich heftig. Von dem Güterzug wurden zwei Wagen nach rechts und einer nach links die Böschung hinunter­geworfen, während ein dritter Wagen über das zweite Gleise geschleudert wurde. Die anderen Güterwagen entgleisten. An dem Personenzug entstanden nur geringe Schäden.

Gleich hinter dem Gepäckwagen befand sich ein Personenzugwagen, in welchem sich eine Schar ober schlesischer Ferienkinder, Knaben und Mädchen im Alter von 8 bis 12 Jahren befan­den, die z. Zt. in Siegesbach in Baden ihre Ferien verbringen und einen Nachmittagsausflug nach Heidelberg unternommen hatten. Sie befanden sich in Begleitung von Schulschwestern und Kinder­gärtnerinnen. Durch den heftigen Anprall wur­den die Kinder im Wagen herumgeschleudert, wo­bei 18 Kinder leichte Verletzungen durch Beulen und Quetschungen erlitten. Leicht verletzt wurden ferner eine Kindergärtnerin sowie ein Rei­sender aus Neckargemünd, der mit Sanitätsauto in die Heidelberger Klinik gebracht wurde.

Wegen der S ch u l d f r a g e hat die Staatsan. waltfchaft und auch die Reichsbahn die Unter- suchung eingeleitet

1