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Anzeiger für die Skadf und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblalk.

nr. 202

Donnerstag, 2. Sept. 1926

Zahrg/52

Vie rheinischen Bauernvereine.

Der Rheinische Bauernverein hat den Entschluß gefaßt, seinen Austritt aus der Vereinigung der deutschen Bauervereine zu erklären, lieber die Gründe dieses bedeutsamen Schrittes gab der Vorsitzende, Freiherr von L o e, den Pressever- tretern eine Erklärung ab: Den Entschluß, so führte er u. a. aus, sei in erster Linie aus der Erkennt­nis gefaßt worden, daß die Landwirtschaft nicht ge­nügend zur Geltung komme. Ziel des Austritts sei hauptsächlich die Schaffung einer einheitlichen, ge­schlossenen Organisation der Landwirtschaft inder Rheinprooinz. Der Vorsitzende der Landwirt- schaftskammer für die Rheinprooinz, Freiherr von Lüning, teilte mit, daß die Kammer diesen Schritt des Rheinischen Bauernvereins wärmstens begrüße und ihn nachdrücklichst fördern werde. — Da haben wir mm das Ende des v. Loe und o. Lüning seit langem geführten Kampfes um die Macht in der deutschen Bauernschaft.

Angesichts solcher Ausschreitungen sagt sich der vernünftige Staatsbürger, daß es nun doch hoch an der Zeit wäre, diesen hysterischen Schreiern mit Erfolg das Handwerk zu legen.

Der bisherige Verlauf der Studienkvm- mission des Völkerbundsrates in der Frage der Ratssitze läßt die Aussichten für einen reibungs­losen Abschluß der diesmaligen Tagung des Döl- ferintnbeS nicht gerade günstig erscheinen. Es zeigt sich wieder mit aller Deutlichkeit, welche Verwirrung dadurch angerichtet worden ist, daß die Frage der Verteilung der Rats­sitze überhaupt zur Debatte gestellt worden ist. Man ist jetzt dabei, mit allen juristischen Fi­nessen einen Verteilungsschlüssel aufzustellen, der ein ungewöhnlich kompliziertes System darstellt, das in demselben Augenblick, in dem es in die Praxis umgesetzt werden soll, wieder zu neuen Schwierigkeiten führen müßte. Man hat den Be­griff von halbstündigen, von wieder wähl- baren, von halb wieder wählbaren Sitzen geprägt, damit aber keinen beftiediqt, denn die einen sehen ihre Ansprüche dadurch nicht erfüllt, den anderen gehen die Begünstigungen wiederum zu weit.

Es wäre aber falsch, alle diese Dinge und Schwierigkeiten nur sehen zu wollen unter juri­stischem Gesichtspunkt. Zweifellos verstecken sich unter dem Mantel solch juristischer Bedenken weit­greifende politische Ziele. Es kann nach Lage der Dinge gar kein Zweifel mehr darüber be­stehen, daß die hauvtsüchlichsten Treibereien von Italien Eommen, das, ohne das freilich beson­ders nach außen herauszustellen, die spani­schen und brasilianischen Ansprüche nicht nur verteidigt, sondern auch noch antreibt. Nach­dem Brasilien seinen Austritt aus dem Völkerbund bereits -anaekündigt Hai, steht nun ein ähnlicher Entschluß Spanien im Hintergrund. Demgegen­über ist es nickt nur von taktischer, sondern auch von großer politischer Bedeutung, daß mit Eng­land und Frankreich auch Deutschland in einer Linie operiert und zwar auf der Grundlage des absolut klaren und korrekten, schon bei der Märztagung von Lord Cecil gemachten Vorschlages, wonach das Los darüber entscheiden soll, welche Ratsmitglieder nach einem, nach zwei oder nach drei Jahren ausscheiden sollen. In der Frag« der Wiederwählbarkeit ist von französischer Seite der Vorschlag gemacht worden, daß derjenige Staat, der schon bei feiner ersten Wahl eine Zweidrittel­mehrheit erba" < hat, damit ohne weiteres als wiederwählbar erklärt wird. Eine positive Sicher­heit, daß er dann auch von der Vollversammlung

sie mehr nach.Sofia als nach Belgrad zieht. Und so sind heute die herrschenden Kreise Bulgariens mazedonisch; man darf wohl sagen, daß das ge­samte politische Leben Bulgariens un­ter dem Einfluß von Mazedonien steht. Denn die Mazedonier sind politisch gewandte Men- schen, während dir Bulgaren eine ruhiges, dem poli­tischen Leben abholdes Bauernvolk sind. So kam es, daß die Mazedonier, vor allem nach der Aus­wanderung aus den abgetretenen Gebieten, in alle Kreise Bulgariens eindrangen und bald das öffent­liche Leben Bulgariens beherrschten. Sie versuchen nun ihre eigentliche Heimat, das abgetretene Maze­donien wieder zu gewinnen, indem sie die mazedo­nische Frage aufzurollen versuchen. Anlaß gaben die Massen der aus den abgetretenen Gebieten zu­rückflutenden Mazedoner, die brot- und obdachlos sind und in ihrere revolutionären Gesinnung immer wieder Bandeneinfälle in die Nachbarländer unternehmen.

Die Regierung in Sofia ist machtlos hiergegen; denn sie hat weder die Mittel, um diese Flüchtlinge anzusiedeln noch auch die militärische Gewalt, um sie in Schach zu halten. Vor allem werden die Massen aber auch von revolutionären Verbänden und Komitees immer wieder aufgereizt.

Gegen diese Drahtzieher müßten sich also die Re­gierungen in Belgrad, Sofia und Athen (die beiden letzteren haben diesmal anscheinend kein allzu gro­ßes Interesse) wenden. Aber, imd das ist das be­deutsame an der ganzen Sache, das „Mazedo­nische Revolutionäre Komitee hat sei­nen Sitz und Zufluchtsort in — Rom und es ist ein offenes Geheimnis, daß Italien die revolutionäre Bewegung fördert und materiell unterstützt. Der Balkan wird also erst zur Ruhe kommen, wenn er nicht mehr das Schachbrett der europäi­schen Politik ist.

* Grundsteinlegung zum GörreSdenkmal. Am 15. September wird der Grundstein zu dem Görres- denkmal gelegt. Der Denkmalsausschuß hat sich für den Entwurf des Prof. Lange aus Düffeldorf ent­schieden. Standort des Denkmals wird der Platz in den vorderen Rheinanlagen sein, und zwar in der Mittelachse deS Schlosse? und in der Achse der ZugongSstraße von der Schiffsbrücke aus. Das Denk­mal stellt einen Genius dar, der die Bedeutung des großen GörreS symbolisch wiedergibt. Die Höhe der Figur beträgt 5 Meter, die des ganzen Denkmal- 10 Meter.

Der völkische Graf R e v e n t l o w schreibt in seiner Zeitschrift anläßlich des Eisenbahnunglücks von Leiferde folgendes:

„Es wäre sehr reizvoll und notwendig, eine authentische Liste der Toten und Verstümmelten und sonst in ihrer Gesundheit Geschädigten der Eisenbahnunfälle seit etwa Beginn des Jahre 1925 aufzustellen, zu veröffentlichen, die Photogra­phien und Namen der Herren Dr. Marx, Dr. Stresemann und Dr. Luther darüber zu setzen und die Listen öffentlich anzuschlagen: Väter des Vaterlandes!"

ausgleichen: es sucht den Weg zum Aegäischen Meer frei zu bekommen und umwirbt Griechenland. Das Bündnis zwischen Griechenland und Serbien datiert schon aus der Vorkriegszeit. In ben letzten Jahren zeigte sich Athen aber recht spröde gegen­über Belgrad. Das hing wohl mit dem Liebeswer- ben Mussolinis zusammen; die italienisch-griechischen Beziehungen, die früher nicht sonderlich gut waren, hatten sich nämlich gebessert. England hatte die Widerstrebenden zueinander geführt, da es sich als Druckmittel gegen die Türkei benutzen wollte. Nach­dem England und die Türkei sich in der Moffulfrage aber geeinigt hatten, sah sich Griechenland nach anderen Beziehungen um, denn von dem großen angelfächsischen Gönner war nicht mehr viel zu er­warten. Daher wurde es für das Werben Belgrads zugänglicher. Jugoslawien hatte aber zwei große Anliegen: ein großes Hafengebiet in Saloniki und die Regelung des Warenverkehrs von Südsla- wisn zu diesem Hafen, sowie die Regelung der mazedonischen Frage. Beides wurde durch den neuen griechisch-südslawischen Vertrag im Sinne Belgrads geordnet. Belgrad erhält ein grö­ßeres Hafengebiet als bisher, die Warenzufuhr dort­hin ist erleichtert und beide Staaten sind darüber einig, daß die Minderheiten- (d. h. m a z e d o« Nische) Frage nur den Völkerbund, nicht Bul­garien etwas angehe.

Nach diesem südslawischen Erfolg in Griechenland wird auch Mussolini bald wieder auf dem Plan erscheinen. Sein großes Ziel ist entweder die B e- herrschung oder die Verhinderung eines Balkanbundes. Solange Frankreich dort ent­scheidenden Einfluß hat, sucht Mussolini jede Serbin« düng der Balkanstaaten zu verhindern, da ein Bal­kanbund eine Bedrohung der Ostflanke Itasiens werden könnte. Dor allem ist Mussosini bestrebt, Ju­goslawien, den französischen Balkanvorpoften, einzn- kreifen durch die Beinflussung Rumäniens, Grie- chenlands, Albaniens und Bulgariens. Insbeson­dere kommt ihm der ju g o s l a w i s ch-b u lg a r i s che Gegensatz, die fogenannte mazedonische Frage sehr zustatten. Sie ist auch diesmal wieder der äußere Anlaß der Dalkanwirren; die innere Ursache ist dagegen die machtpolitische Auseinander, setzung der Großmächte und daneben der unglück­selige Friedensvertrag von Neuilly, der dem Selbstbestimmungsrecht der Völker zum Hohn Mazedonien mit rein mazebonisch-bulgarischer Bevölkerung unter Griechenland, Rumänien und Südslawien aufteilte. Seitdem ist insbesondere der bulgarisch-jugoslawische Gegensatz sehr gewachsen und Bulgarien lehnt sich eng an Italien an, das ihm anderseits den Rücken steift.

Sowohl Bulgarien wie Iugoflawien nimmt für sich in Anspruch: Belgrad bestreitet, daß es ein Ma­zedonien und eine mazedonffche Bevölkerung gebe; dagegen weist Bulgarien darauf hin, daß Mazedo­nien vor 900 Jahren eine Provinz des großbul- garischen Staates gewesen sei. Nach dem Frieden von Neuilly sind di. Mazebonier in Mas­sen nach Bulgarien ausgewandert, da es

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mit der nun nur noch notwendigen einfachen Mehr­heit gewählt wird, besteht freilich nicht. Hier ist der Punkt, an dem sich die Geister scheiden, und zu seiner Klärung hat man, um nicht gleich in den ersten Stunden der Beratungen dieser Studien­kommission zu einem Fiasko zu kommen, eine Unterko mmis sion eingesetzt, was aber nur gleichbedeutend ist mit einer weiteren Verzögerung der Genfer Arbeiten.

. Wenn schon in solchen formalen Dingen, denen wir gewiß nicht eine weiterwirkende politische Be­deutung aberkennen wollen, derartige Gegensäße auftreten, was soll dann erst werden, wenn die großen weltpolitischen Probleme dieser Versammlung zur Entscheidung torgelegt werden. Antworten der Mächte an Spanien.

In einem Leitartikel schreibt die Times:

Die spanische Forderung nach Einverleibung Tangers .in die spanische Marokkozone sei prompt und deutlich beantwortet worden. Die drei Antworten, die getrennt, aber nach einem gegenseitigen Meinungsaustausch erfolgt seien, erheben überein st immend ihr Veto gegen den spanischen Vorschlag. Niemand konnte zustim- men, daß irgend ein Land das Recht habe, gebieterisch einen Sitz im Völkerbundsrat zu verlangen, bevor ein anderer Kandidat gewählt worden sei, insbesondere wenn es die Forderung mit einer Drohung begleite. Die Revision des Tanger-Statuts müsse, wenn sie komme, zwcks einer besseren Regierung dieses Teiles Afrikas er­folgen; sie habe aber mit dem Ratssitz nichts zu tun.

Auch „Daily Telegraph" schreibt in einem Leitartikel,, die spanischen Diplomaten haben in der Tanger frage eine ausgesprochene Abwei­sung erhalten. Die britische Ansicht gehe dahin, daß die Zahl der ständigen Sitze nicht vermehrt werden soll, bevor Deutschland dem Völkerbund beigetreten sei und ständiges Mitglled geworden ist.

Die Stimmung in Tanger.

wtb. London, 1. Sept. (Eig. Funkm.) Westminster- Ggzette berichtet au8 Tanger, die Nachricht von der Weigerung der Regierungen Groß-Britanniens und Frankreichs die Ueberlaffung von Tanger an Spa­nien als eines Teiles einer Protektorates -,u er­wägen, habe in der französischen Kolonie Jubel hervorgerufen, in der spanischen Kolonie aber Empörung geweckt. Von der Verwaltung werde alles getan, um einen Konflikt zwischen den beiden Gruppen zu verhindern.

wichtiger Schiedsspruch.

Verbindlichkeitserklärung des Lohnschiedsspruches für den Ruhrkohlenbergbau. ‘

wtb. Berlin. 1. Sept. (Eig. Funkm.) Der Schieds­spruch vom 27. August d. Is. ist auf Antrag der Bergarbeiterverbände vom Reichsarbeitsminister für verbindlich erklärt worden. Damit sind die Löhne für den Ruhrkohlenbergbau für längere Zeit festgelegt.

Die Schuldenpolitik Amerikas.

Keine Aenderung.

wtb. London, 1. Sept. (Eig. Funkm) Reuter berichtet, Coolidge fei, wie erklärt wurde, der An­sicht, daß kein Grund bestehe, irgend eine Aenderung der Politik der Regierung in der Frage der den Vereinigten Staaten vom Ausland geschuldeten Be­träge vorzunehmen.

wtb. London, 1. Sept. (Eig. Funkm.) .Times' berichtet aus New-Dark, in der Sommerresidenz des Präsidenten sei erklärt worden, Coolidge nehme nicht an, daß die Vereinigten Staaten den Beschluß, dem Weltgerichtshof beizutreten, um stoßen wür­den. Die H e r b st w a h l e n könnten nicht dazu führen, den Charakter des Senats so zu ändern, daß ein solcher Wandel einträte.

Der (Eifentruft.

Zusammenkunft belgischer Eiseuindustrieller.

wtt Brüssel, 1. Sept. (Eig. Funkm.) Gestern nachmittag fand hier eine Zusammenkunft der Eisen­industriellen von Lüttich und Charleroi statt. Die Besprechungen, die heute fortgesetzt werden sollen, haben, wie verlautet, noch zu keiner Einigung geführt, nehmen aber anscheinend einen günstigen Verlauf. _____________

Erscheint sechsmal wöchentlich. Mochenbeilaaen: Illustrierte Bei­lage" und .BuchenblStter" Rotationsdruck und Verlag der ssinldaer «ctiendrnckerei in Nulda. Niernsprecher Nr. 9.

Monatlicher v-rnaSdreir- 1.50 -wk.

Tangerfrage und Ratsfrage

Unerquicklicher Streit.

valkanpolitik.

Von Peter Bongartz-Bonn

Kaum war die Marokkokrise abgeflaut, da lodert ein neuer positifcher Brand auf; diesmal auf dem Balkan, der anderen Wetterecke Europas. Die augenblickliche Lage auf dem Balkan ist so kritisch, wie sie seit 1914 wohl nicht mehr war. Daß es bis jetzt noch nicht zum Kriege kam, ist dem Eingrei­fen der Großmächte zuzuschreiben, dieselben Groß­mächte, die zum Teil, vielleicht sogar alle an Bal- kann irren und an eine Aenderung auf dem Balkan das größte Interesse haben. Denn Balkankämpfe sind europäische Kämpft, und Kämpfe der Großmächte. Und daß es noch nicht zu einem Bal­kan b u n d kam, der vielleicht am besten den Frie­den fördern könnte, ist zum großen Teil Schuld der- selben Großmächte, die jetzt mit ernster und besorg­ter Miene ihre etwas hitzigen Marionettenpuppen auf der Balkanbühne zur Eintracht mahnen.

Es ist wiederum der italienifch-franzö. fische Gegensatz, der sich in diesem Erdteil bemerk­bar macht. Auch England hat seine Hand im Spiel und es scheint, als ob es vor allem Italiens Machtstreben dort fördert, um den großen franzö­sischen Einfluß abzuschwächen. Der französische Va­sall und Vorposten auf dem Balkan ist Jugosla­wien, das in der Adriafrage ds Erbe Oesterreichs angetreten hat. Derselbe Streit, der vor dem Kriege zwischen Rom und Wien geführt wurde, wird jetzt zwischen Rom und Belgrad fortgesetzt. Das Inte- ressante an der ganzen Geschichte ist, daß Paris die- fen Gegensatz vor dem Kriege benutzte, um Italien vom Dreibund wegzuziehen, während es ihn jetzt benutzt, um Italien vorn Balkan abzudrücken. Denn Italien macht energische Versuche, auf dem Balkan in wirtfchaftl'cher und politischer Hinsicht feften Fuß ju fassen. Noch vor wenigen Tagen, gelegentlich der Behandlung des Madrider Vertrages mahnten die italienischen Blätter die Regierung, Italiens gute Beziehungen mit Griechenland auszu- banei’ und sich der Türkei zu nähern. Die Pa­riser Blätter verfolgen die italienischen Bemühungen mit nicht mißzuverstehenden Kommentaren; „Paris Soir" schrieb am 10. 8.: Mussolini scheine auf dem Balkan die Methoden der österreichisch- ungarischen Regierung übernommen zu toben; bald umschmeichele er Jugoslawien und Griechenland, bald bedrohe er diese Länder und gegenwärtig habe er den rumänischen Ministerpräsi­denten, General Avareseu nach Rom eingeladen.

In Albanien, das wogen der etwas romanhaf­ten Thronkandidatur des Prinzen von Wied in Deutschland noch tu Erinnerung fein mag, scheint Wafien gewonnenes Spiel zu haben. Der albanische Diktator, der mit Hilfe Belgrads zur Macht ge­langte, laborierte anfangs geschickt zwischen Italien und Jugoslatvien, in dem Bestreben, aus der Hab- mcht und Eifersucht beider Mächte für Albanien möglichst viel herauszuschlagen. Nun scheint er sich ober festgefahren zu haben, denn wirtschaftlich ist Mbanien vollends auf Italien angewiesen. Charak­teristisch ist die Gründung der A l'b a n i s ch e n N a- Hon a Trant im September 1925; der Sitz der Meneraldirektion ist zwar in der albanischen Haupt­stadt, aber Verwaltungsrat und Vollzugsausschuß haben ihren Sitz satzungsgemäß in R o m. Das Ak. Senfapital ist über 50 Prozent italienisch und den Präsidenten hat ein mailändisches Bankunterneh- ijen gestellt. Hieraus erhellt, daß die albanische Währung eine Art Dasallenwährung der ftalenischen !"• Die beiden großen Häfen des Landes, Va- ^n a und Du ra zz o wurden von 'italienischen Jn- genieuren und mit italienischem Selbe ausgebaut. Dos getarnte W i r tsch a fts l e b en ist nach I ta- ten bin orientiert und der Balkanreisenbe, wt Albanien besucht, glaubt in eine italienische Pro- ®in$ ober doch in ein italienisches Protektorats- ‘«n b zu kommen. In der Tat, bas wirb bie Frage ,r Zukunft fein: wird Albanien eine römische Pro- mnj ober nur ein Protektorat? Jugoslawien hat sich schon resigniert bamit abgefunben, in biefem "wbe eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Auch mit R u tu 6 n i e n unterhält Italien gute «Aehungen, die zeitweise sogar herzlich genannt ®£rben konnten Das zeigte sich barm, baß Rumä­nien eine Anleihe der Petroleumgesellschaft „A g i p" ihn •’ ^>eren Aktienkapital zum großen Teil bem Tonischen Staat gehört, baß ihm außerdem grö-

Kredite für Rohmaterialien gewährt wurden, zuletzt sind bie guten persönlichen Beziehuw ^ Zwischen Mussolini unb bem rumänischen Mini- jPräfibent bebeutfam, der zur Zeit wieber in Rom tein ‘ D^sem Besuche muß eine gewisse Bedeutung J^mcffen werden, sowohl in politischer wie in

Ich ast sicher Hinsicht. Denn trotz aller guten Be- befio en roaren beiden Staaten bisher in der HjA^bischen Frage uneins., sodaß Frankreich einen ben‘'^.unS) m Rumänien gewinnen konnte, durch zj>i-,'ölich abgeschlossenen rumänisch-sran- hkx ^Hho n Vertrag. Italien hat nämlich bis- t?n " Vertrag von 1920 zwischen den Großmäch- fPridy’l -Rumänien, der letzterem Bessarabien zu- daß v Uicht ratifijert Es besieht zu befürchten, !chpj.._^k Vertrag nichtig wird, da Rom sich an» den V, gegenüber Rußland gebunden hat unb k’Hierito $ überhaupt nicht ratifizieren wird. Die

Vermittlungsversuche Mussolinis zwischen zu e'mnJ!nb Rumänien Hieben erfolglos. Es ist beiden L baß burch die jetzige Aussprache der nigt ^jjRmHterpräfibenten diese Streitfrage bereu franrjfJ?’ denn Mussolini wird alles versuchen, den zu -tJa " Vorsprung in Rumänien wieder wett sich bc'/h’a Außerdem beabsichtigt Italien auch, ftlder „• Ausbeutung der neuen rumänischen Oel- siewfffe Beteiligung, überhaupt eine un- 7^« Pe-roleumzusuhr zu sichern.

Mitt-» ^°pps'die Ju g o s la w i e n in Albanien bat, mochte cs in anderer Hnsicht wieder

Ist das erträglich?

Der „Verband der Reichsbankgläubiger", besten Vorsitzenber, Roll, wegen Beleibigung bes Reichs- bantpräfibenten Dr. Schacht zu einer Geldstrafe von 750 Mark verurteilt worden ist, veranstaltete in Berlin noch am Abend in Gemeinschaft mit der „Reichspartei für Aufwertung unb Recht e. D", bie sich aus ben Reihen ber Jnflationsge- fchäbigten rekrutiert, eine öffentliche Ver­sammlung. Der völkische Journalist Erwin Piechottka richtete babei bie schwersten Angriffe ge­gen bie Regierung und ben Reichsbankpräsibenten Dr. Schacht. Der Provinziallanbtagsabgeorbnete Beer betonte, es sei Ehrenpflicht jedes anständi­gen deutschen Mannes, bie „Macher ber Inflation" zu beteiligen. Die Reichspartei für Aufwertung unb Recht habe eine Ehrentafel, auf ber alle vorbestraften Mitglieber namentlich verzeichnet würben, unb unter ungeheurem Beifall ber Ber- fammtung wurde ber Fabrikant Roll in biefe Ehrentafel ausgenommen. Piechottka bezeichnete den Anhang des Reichsbankpräsibenten als „Schie- bergefinbel" unb Dr. Schacht selbst als „Großschie­ber". Ferner stellte er bie Behauptung auf, baß E r 3 b e r g e r für bie Unterzeichnung bes Frie- densvertrages von ben Amerikanern 1 Million Franken bezahlt bekommen habe. Dies fei eine Tatsache, bie er von einem befreunbeten auslänbi- schen Diplomaten erfahren habe unb er, ber Reb- ner, sei wegen ber Verbreitung berselben nicht an­geklagt worben, obwohl er ben verstorbenen Reichs- minifter Erzberger öffentlich als ben größten Schurken Deutfchlanbs bezeichnet habe.

* Die Vereinigung der elsatz - lothringischer ZeitungSverleger hat auf einer in Straßburg abge­haltenen Versammlung eine Entschließung an genom­men unb bem Ministerpräsidenten übermittelt, in ber für bie im Preffeberus Tätigen Sonntagsruhe gefordert wirb.

* Wahlniederlage des ersten amerikanischen weib­lichen Gouverneurs. Frau Ferguson, ber erste weib­liche Gouverneur Amerikas, ist bei den abgehaltenen Vorwahlen um bie Stelle des Gouverneurs von bem Generalstaatsanwalt Dan Moody im Verhältnis von 2 zu 1 geschlagen worben.