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. Anzeiger für die Sfahf und den Kreis Fulda. Amtliches kreisbfakl

nr. 201

Mittwoch, 1. September 1926

lahrg. 53.

Regierung die Bedinl

Zungen zu erörtern, unter denen 'Mächte, die bisher die Tanger-

Poincarismus und Eupen-MalmedH

Russische Schiffe in Cherbourg.

wtb Paris, 31. Aug. lEig. Funkm). L>i» ^Jour­nal" aus Cherbourg meldet, haben die Hafenbehör- den die Landung der Besatzung der cm Sonntag dort eingetroffenen Sowjrt-Flotille nicht gestattet. Den Schiffen, vie reparaturbedürf. t i g sind, ist ein abgesonderter Teil des Hafens an- gewiesen worden.

* Der Stand der Reichsfinanzen. Nach einer Ueberstcht des Reichsfinanzministeriums betrugen die Einnahmen des Reiche? in den Monaten April bis Juli 1926 2272.8 Millionen Rmk. Die Summe der Ausgaben belief sich für dieselbe Zeit auf 2247.5 Millionen Rmk. Nach Einstellung der MonatSzwölftel der in den Haushalt eingestellten Ueberschüsie au« dem Jahre 1924/25 ergibt sich mit­hin ein Ueberschuß von 147.7 Millionen Rmk. Der Stand der schwebenden Schuld betrug am 31. Juli dieses Jahres 69.7 Millionen Rmk.

die Zustimmung der konvention nicht angenommen haben, erreicht werden kann. Bei einer solchen Erörterung würde es der spanischen Regierung freistehen, ihre Ansichten unter gebührender Beachtung der bestehenden Verträge

* Das Ausführungsgesetz zum Art. 48. Zu der Meldung, daß der Reichsminister des Innern, Dr. Külz den Entwurf eines Ausführungsgesetzes zum Art. 48 der Reichsverfassung an das Reichsjustiz» und an das Reichswehrministerium gesandt habe, hört dasBerl. Tagebl.", daß es sich nur um eine Referentenarbeit handelte, in der der Reichsminister des Innern lediglich eine Grundlage für dir Ver­handlungen mit dem Reichswehrministerium und dem Reichsjustizministerium erblicke. Eine bindende Aeußerung des Reichsministers des Aeußern könne erst nach den Verhandlungen mit den erwähnten beiden Reichsministerien erfolgen.

Der Heilige Vater empfing vor einigen Tagen einen kleineren mexikanischen Pilgerzug, welcher von Assisi zurückkehrte, und richtete einige Worte an denselben, auf die religiöse Lage in Mexiko Bezug nehmend. Er forderte sie zum weiteren Aus­harren im Kampfe auf und gab der Hoffnung Aus­druck, daß Gott den Verfolgern der Kirche in Mexiio in Zukunft jenes Maß an Gerechtig­keitsgefühl und Verständnis geben werde, dessen sie so sehr bedürften.

. In dem Prozeß des Reichsbankpräsidenten Dr. Schachts gegen den Vorsitzenden des Verbandes der Reichsbank-Gläubiger, Roll, der sich in Versamm­lungen in schweren Beleidigungen gegen den Reichsbank-Präsidenten vergangen hatte, wurde Roll heute zu 7 50 Mark Geldstrafe ver- urteilt. Reichsbankpräsident Dr. Schacht wurde die Berechtigung zugesprochen, das Urteil auf Ko­sten des Angeklagten imBerliner Lokalanzeiger", Berliner Tageblatt" undVorwärts" zu veröffent­lichen.

Im Verlaufe der Verhandlung erklärte Reichs­bankpräsident Dr. Schacht, der Zweck seines Auf­tretens gegen die Aufwertungsverbände fei gewe­sen, den Unfug zu beseitigen, daß den armen Leu­ten, die durch die Inflation ihr Geld verloren hät­ten, weiteres Geld aus der Tasche ge­zogen würde, indem man sie in Massenversamm­lungen locke, wo sie eine Mark Eintritt zu bezahlen hätten, ohne daß sie etwas davon hätten. Er habe schon damals gesagt, daß diese Aufwertungs- bestrebungen der Verbände fast an Volks- betrug grenzten.

lieber Vorgänge bei der Reichswehr in Ost­preußen werden auf Gnmd der Angaben einer Denkschrift, die in einzelnen Berliner Blättern wie­dergegeben wird, merkwürdige Behauptungen auf­gestellt. Das Reichswehrministerium erklärt dazu, es müsse es ablehnen, sich in eine Erörterung der­artig unqualifizierbarer und völlig unwahrer An­griffe einzulassen. Die weitere Erledigung der An­gelegenheit werde Sache der I u st i z sein, wozu die erforderlichen Schritte bereits veranlaßt seien.

DieFrankfurter Zeitung" schreibt dazu: Gegen wen sich das angekündigte Strafverfahren richten soll, geht aus dieser Mitteilung nicht hervor. Da aber die Anklagen in der Oeffentlichkeit erhoben worden sind, kann der Sache durch eine gerichtliche Erledigung nur gedient werden, wenn die Ver­handlung im vollen Licht der Oeffent­lichkeit stattfindet. Dies darf umso bestimmter erwartet werden, wenn die in der Denkschrift erho­benen Anklagen wirklich unwahr sind.

und Vereinbarungen darzulegen. Seiner Meinung nach sei die Tagung der Völkerbunds­versammlung nicht ein geeigneter Platz für eine solche Erörterung. Zweckmäßigerweise würde auch eine Erörterung unter den von ihnen be­zeichneten Mächten eine Vvrverhandlung für Er­örterungen mit anderen Mächten sein.

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Spanische Königssorgen.

wtb Paris, 31. Aug. (Eig. Funkm.).Matin" meldet aus San Sebastian, wo sich der spanische Hof gegenwärtig aufhält, man beschäftige sich leb­haft mit der Frage der baldigen Einberufung der Cortes, besonders wegen des Gesund­heitszustandes des Kronprinzen, Oer eine neue Regelung der Thronfolge notwendig mache. Durch eine Revision der Wahllisten würde man Neuwahlen vorbereiten, aber Prstno de Ri- vera habe die Art der Abstimmung und die Befug­nisse dieser Versammlung noch nicht festgesetzt. Die politischen Parteien glaubten, ihren Mitgliedern Wahlentscheidung empfehlen zu sollen und hielten zu diesem Zwecke gemeinsame Besprechungen über die Grundlage einer unter Umständen zu erlassen­den Kundgebung ab. Der Konflikt zwischen den Artillerie-Offizieren und Primo de Rivera dauert noch an.

Weltfriedenskongreß.

Die feierliche Eröffnungssigung des 25. Welt­friedenskongresses fand in Genf in der Viktoria-Hall in Gegenwart von Vertretern der verschiedenen inter- nationalen Verbände, welche in Genf ihren Sitz haben, von Mitgliedern des diplomatischen Korps und von Delegierten der Kantonal- und Gemeinde- beworben von Genf statt. Unter den Anwesenden be- fand sich Reichstagspräfident Lobe. Ansprachen wurden gehalten von dem Präfidenten des Organisations­komitees des Kongresses, Louis Favre, vom Genfer Staatsratspräsidenten Alexander Moriaud, vom Rektor der Universität Genf und von dem Präsidenten der Union der Friedensgesellschaften.

Militärkontrolle.

des englischen Vertreters fallen gelassen. Der Un­terausschuß besteht aus Scialoja-Italien, Brouckere- Belgien, Sokol-Polen, Siöborg-Schweden, Guani- Urugan, Cecil-Englond, Fromageot-Frankreich, von Hösch-Deutschland und Motta-Schweiz.

Die Cangerfrage.

Gerüchte über Unruhen ht Spanien.

In der Unterhaussitzung in London erklärte der Staatssekretär des Aeußern Sir Au st en Cham­berlain in Erwiderung auf eine an ihn gerichtete Frage: Die Regierung hat die spanische Note be­treffend Tanger beantwortet und erklärt, sie könne einer Einverleibung Tangers in die spa­nische Zone nicht zustimmen, sei jedoch bereit, gemeinsam mit der französischen und spanischen

Srfcbeint sechsmal wöchentlich. Wockenbeilaaen: Illustrierte Bei» l<i«e" und Buchenbliitter" Rotationsdruck und 8erlag der giuldaer Slctiendruckerei in giuldo. Iernsvrecher Nr. 9- w"anntticher BeinnSNreir. 1.50 Ms.

politische veleidigungsprozesse.

Einer Zeitungskorrespondenz zufolge hat die Oberstaatsanwaltschaft gegen den verantwortlichen Redakteur desDeutschen Tageblattes, Hans Stelten, wegen eines Artikels des Reichstags­abgeordneten v. R e v e n t l o w, in dem Reichs­kanzler Dr. Marx, Minister des Aeußern Dr. Stresemann und Reichskanzler a. D. Dr. Luther wegen ihres Eintretens für den Dawesplan alsHauptschuldige am Eisenbahnun­glück von Leiferde" bezeichnet werden, An­klage wegen Ministerbeleidigung erhoben.

Der Bürgerkrieg in China.

Die Kankon-Armee beseht Hankau.

wtb Santon, 31. Aug. (Eig. Funkm.). sAmtl Preffebüro). Der Generalissimus der Kintonormee hat telegraphiert, seine Truppen hätten am 26. August Wutschung erobert und am selben Abend Hankau besetzt. Das Telegramm fügt hinzu, daß bei der Nachricht des Anmarsches der Kantmarmee in der Richtung Wutschang drei Divisionen der Ar­mee Wupeifus Hankau räumten, nachdem si» dis Eingeborenenstadt geplündert hätten.

Die Agentur Fabra in Madrid erklärt, daß alle im Auslande verbreiteten Nachrichten, wonach in Madrid Unruhen ausgebrochen sein sollen, jeder Begründung entbehren.

Mussolini zur Tangerfrage.

Im Ministerrat in Rom gab der Premierminister ein Expose über die internationale Sage. Er führte u. a. aus, daß Italien im stalle der Einberufung einer Tangerkonferenz als Slgnatarmacht vertreten fein müsse. Jedenfalls sei die langerfrage voll­ständig getrennt von der Frage der Völker- Hundsratssitze zu behandeln. Die italienische Dele­gation in Eens habe feste Instruktionen erhalten, wenn diese auch elastische Grenzen hätten, um gegebenenfalls unvorhergesehene Situationen be­gegnen zu können.

| Die interalliierte

DieGermania" tritt in einem Artikel Behaup- F hingen entgegen, daß in den letzten drei Entwarf- | nungsnoten der Botschafterkonferenz neueun­erhörte Forderungen" erhoben worden seien. Deutschland habe so radikal entwaffnet, daß fürunerhörte neue Forderungen" überhaupt kein Raum mehr wäre. Was setzt noch übrig sei, wor­über man jetzt noch verhandele und Noten wechsele, das seien nichts als Bagatellen, verglichen mit der Riesenarbeit, die bereits bewältigt ist. Die be. : finitioe Beseitigung der Mili tärkon- t r o l l k o m m i s s io n e n sei für Deutschland von schlechthin überragender Bedeutung und man sei zu­ständigen Ortes entschlossen, daraus die nötigen Kon­sequenzen zu ziehen und bis an die äußerste Grenze * des Möglichen in Bagatellfragen Konzessionen zu machen. Das deutsche Volk erwarte, daß b*e geg­nerischen Möchte, wenn das kleine restliche Pensum der Kontrollkommffsionen, vollends erledigt sein werde, alsdann auch endlich sich zu dem politischen Entschluß der Rückberufung dieser Kommissio­nen aufraffen werden. Frankreich schicke sich an, demnächst wieder Militärattachees nach Deutschland zu entsenden. Diese mit diplomatischem Charakter ausgestatteten Persönlichkeiten würden in eine völlig unmögliche Situation geraten, wenn sie in Deutschland Eintreffen sollten, solange die Kontrollkommissionen noch dort sind. Die deutsche Diplomatie habe mit Recht es ab gelehnt, die Ab­berufung der Kontrollkommissionen zur Vorbedin­gung des Eintritts in den Völkerbund zu machen. Auf der anderen Seite dürfe die deutsche Regierung die Geweißheit haben, daß das ganze deutsche Volk hinter ihr stehen werde, wenn sie nach erfolgtem Eintritt die endgültige Abschaffung die. fer ^Reliquie der Kriegsepoche fordert. Kabmettssitzung am 2. September.

DieGermania" meldet: Nach Abschluß der Be- rahmgen der Studienkommission des Völkerbundes im 2. September wird das Reichskabinett zu seiner nächsten Sitzrmg zusammentreten. Man hofft als­dann in der Lage zu sein, über die Zusammen- setzung der deutschen Delegation für Senf Beschlüsse zu fassen. Auf der Tagesordnung steht ferner die Frage der Einfuhrscheine.

Die Studien-Kommission.

Aus Genf wird gemeldet: Nach längerer Aus­sprache über die Tragweite des französischen Abän- derungsvorschlagks zu Artikel 2, der sich in erster Stnie auf die Frage der sofortigen Bezeichnung der Wiederwählt- al ke11 von Ralsm't- gliedern beziehe, beschloß in Ser Nachmittags- sitzung der Prüfungsausschuß auf Antrag Mottas und Lord Robert Cecils, einen Unteraus­schuß einzusetzen, der den ursprünglichen Vor­schlag des Prüfungsausschusses vom Mai d. Is. und den französischen Abänderungsvorschlag weiterbe­raten und grundsätzlich sie auch redaktionell mit- einander in Einklang bringen soll. Der Antrag Mottas, zunächst eine Aeußerung des Vol'ausfchuf- ses herbeizuführen, ob die sofortige Bezeichnung der Wiederwählbarkeit zulässig sei, wurde auf Wunsch

In der gleichen Unterhaussitzung fragte ein Ab­geordneter unter Hinweis auf die Pressetelegramme aus Gibraltar, wonach alle telegraphischen und telephonischen Verbindungen mit Spanien abgeschnitten seien, die Regierung, ob sie irgendwelche Erklärungen über die tatsächliche Sage in Spanien abgeben könne und ob angemessene Maßnahmen von der britischen Regierung getroffen worden seien, um die Person und das Eigentum der britischen Untertanen in Spanien zu schützen. Chamberlain erwiderte, er verfüge über keine Bestätigung bezüglich der erwähnten Presse­berichte. Er sei sicher, daß, wenn Maßnahmen er­forderlich sein sollten, um brittsche Untertanen zu schützen, sie von den spanischen Behörden auch getroffen würden.

Eine bemerkenswerte Feststellung.

Die in Berlin erscheinende Halbmonatsschrift für westdeutsche Politik, Kultur und Wirtschaft, Rh ei- nischer Beobachter, macht ihre Leser in einer i Serie biographischer Skizzen mit führenden rhei­nischen Köpfen bekannt. In ihrer letzten Num­mer (16/16) bringt sie eine von großer Wertschätzung getragene Schilderung der Persönlichkeit des Landes- Hauptmannes Dr. Horion, der im Jahre 1902 als jünger Assessor in den Beamtenstab der rheinischen Provinzialverwaltung in Düsseldorf eintrat. Dort Nmrde ihm das Dezernat des Landarmenwesens über- tragen, für das er besonderes soziales Verständnis und hervorragende fachliche Eignung mitbrachte. Wörtlich heißt es dann weiter:

Seine Fähigkeiten wurden damals von seinen sämtlichen Mitarbeitern bis zur Spitze sogleich erkannt. Trotzdem konnte Dr. Horion unter der Ungunst der Ver­hältnisse nicht hemmungslos den Aufstieg nehmen, der 'einen hervorragenden Talenten und den glänzenden "etoetfen feinet Verwaltung«kunst sowie der überraschen- den Einfühlung in die neuzeitlichen Probleme derSozial- litlk entsprochen haben würde. Es war eben jene Zeit, der int Gegensatz zur überwiegenden katholischen ehrbelt der Bevölkerung der Rheinprovinz das katho- ^sche Beamtenelement wie in allen öffentlichen Ver- altungen so auch in der rheinischen Provinzialver. ltuna nur äußerst spärlich vertreten war, so daß man e Zahl an den Fingern abzählen konnte, ein Zustand, sich unter dem Wandel der Verhäitniffe der Nach- iegSzeit zum wesentlichen Nutzen von Reich und Staat d zur Genugtuung der Katholiken des Rheinlandes essert hat.

Man kann, so schreibt dazu die K. V, dem Rhei­nischen Beobachter, der sorgfältig auf absolute Neu- Melität hält, für dieses Bekenntnis der früher im Meinlande herrschenden Imparität zuungunsten Katholiken nur dankbar sein. Besonders deshalb, il im Falle Horion der Widerstand gegen den Iholiken und Zentrumsmann absolut nicht mit dem ichen Argument der geringeren Begabung vertei- werden kann. Jawohl, es ist bester geworden diesen Dingen, dank dem energischen Kampfe um - Gleichberechtigung der Konfessionen, den die ntrum spar'tei'seit Jahrzehnten zäh und ziel- 6t geführt hat. Aber es bedarf auch heute noch

Wachsamkeit, damit die errungene Position verloren geht. Die sicherste Gewähr dafür, daß Eotholische Volksteil nicht noch einmal ins Hinter- t gerät, bietet nach wie vor eine starke, einige Urumspartei-

* Zusammenstöße zwischen Arbeitslosen und Polizei in England. In Südwales bei Pontypool, wo die Arbeit von einer Anzahl Arbeiter wieder ausgenommen worden war, kam es zu ernsten Zu­sammenstößen. Arbeitslose warfen Steine und die Polizei ging zweimal gegen eine Menge von meh­reren hundert Personen vor. Viele wurden ver­letzt.

Der Kulturkampf in Mexiko.

Eigener Bericht unseres besonderen römischen Ver­treters :

Nachdem gemäß Weisungen des Heiligen Stuhles weitere Verhandlungen zwischen dem Episkopat und dem Präsidenten Calles desautorisiert worden sind, ist zur Zeit die Situation so, daß an eine Wieder- aufnahme des Kultus vorläufig nicht gedacht wird, daß eine Bischofskonferenz die Anträge zur Ver- sastungsänderung auSarbeitet, welche dem Kongreß vorgelegt werden sollen, der im September zusammen- tritt, und daß der wirtschaftliche Boykott fortgesetzt wird.

Heber das Schicksal der Verfassungsänderungs- anträge sind die Meinungen der Kenner der dor­tigen Verhältnisse sehr geteilt. Während die einen die geringe Majorität Calles' im Kongreß betonen und daraus auf eine günstige Aufnahme der Petition von Seiten des Kongresses schließen wollen, halten andere auS demselben Grunde die Ablehnung der Anttäge für gewiß, wodurch die Kirche in eine ähnliche Sage dort geraten würde, wie seinerzeit in der Tschechoslowakei, auS der nur schwer wieder berauSzukommen fei. Als Grund der Ablehnung eines modus vivendi wird die Unauf­richtigkeit und Hinterhältigkeit Calles bei den Verhandlungen mit dem Episkopat bezeichnet.

Aus parlamentarischen Kreisen wird uns geschrie­ben:

Als Poincare wieder an die Spitze des fran­zösischen Staates trat, da legte er bekanntlich Ge­wicht darauf, B r i a n d als Außenminister beizu- behalten, den Mann von Locarno. Das war ein Zugeständnis an die Linksparteien; er wußte damals ganz genau, daß er ohne sie nicht regieren und Frankreich nicht finanziell sanieren könne und deshalb nahm er Briand; aber wohl auch aus einem anderen Grunde: Zur Sanierung Frankreichs gehörte auch ein gewisses Vertrauen auf den friedlichen Geist in Europa, und da war es schon zweckmäßig, Poincare,, den Mann des Krieges und der Ruhr, durch Briand zu kompensionieren. Mann wird auch zugeben müssen, daß sich der fran­zösische Ministerpräsident wenigstens äußerlich einer starken Zurückhaltung befleißigte, so stark, daß man stutzig wurde, als er erklärte, er sei der Finanzen wegen da, die Außenpolitik müsse Briand machen, barm mische er sich nicht!

Nun wird niemand dies allzu wörtlich genom­men haben. Denn schließlich ist die Rolle des Mi- nffterpräsidenten doch stärker, als Herr Poincari es darzustellen beliebte, und vor allem von ihm kann man es nicht annehmen, daß er so ganz auf sein Gebiet verzichtet, indem er mit rübrem nationa­listischem Glauben sich betätigte. Aber es hieße die Dinge nicht richttg beurteilen, wenn man in der bekannte Affäre Eupen-Malmedy nicht die Spuren Poincarez sehen wollte. Daß Deutschland d'sse treuen Deutschen nicht vergißt, die von der Mutter einfach lvsgerissen wurden, kann niemand übel nehmen, sie sind uns ebenso teuer, wie z. B. die Saardeutschen, und keine Opfer scheuen wir, die gebracht werden können, um sie zu erlösen.

Aber man ist genötigt, die Frage Eupen-Mal­medy grundsätzlich zu nehmen; sie kann nur so ver- standen werden und ist dann freilich ein Musterbei­spiel dafür, was Deutschland im gegenwärtigen Augenblick zu erwarten hat für eine ganze Reihe von Forderungen, die ebenso gebracht sind, wie die I von Eupen-Malmedy.

Der entscheidende Drehpunkt in der Behandlung dieser Frage war: esistgegendenGeistdes Friedensvertrages! Es war interessant, > man in Brüssel darauf nicht gekommen fein vll. Denn das geharnischte Dementi Brüssels wird eber gerade in seiner Form mit einem gewissen Schmunzeln lesen, der die diplomatische Sprache zu lesen versteht. Eine sck kategorische Ablehnung ist mehr als verdächtig! Wollte man in Brüssel da- durch seinen Aerger zu erkennen geben? Wollte man deutlich machen, wie wenig es einem gepaßt, bat, daß im letzten Augenblick sich die Schwierig­keiten türmten? Und woher tarnen sie? Die Antwort siegt offen: von Paris, von PoincacrL.

Eine Verletzung der Verträge? Was befürchtet man denn? Läßt nicht der Vertrag selbst die Mog. lichkeit von Nachprüfungen offen? Aber es gibt Leute, denen allzeit das Gewissen schlägt, so- bald sie etwas von Versailles hören. Heutearbei­ten die Freunde des Geistes von Versailles, und das ist doch ein großer Fortschritt, nicht mehr so o f f e n wie früher. DieserGeist" ist nicht mehr fo modern wie früher, er ist bei vielen Europäern bereits zu einem Gespenst geworden, das man gern los fein möchte, weil sich mit ihm allzuviel Un- sinn und Widerwärtigkeit verbindet. Während die deutsche Industtie mit Frankreich sich ins Benehmen fetzt und auf dem Punkte ist. Grenzen niederzulegen, und Versailles, diesen größten wirtschaftlichen Un­sinn der Weltgeschichte, wenigstens industriell seiner schlimmsten Auswirkungen zu entkleiden, versucht man von Paris aus noch lustig, wenigstens politisch das letzte Tüpfelchen vom i dieses Vertrages zu retten.

Aber man wird diese Dinge nicht zu tragisch nehmen dürfen. Daß überhaupt diese Frage eine Zeitlang so ruhig diskutiert werden konnte, ist doch ein schlagender Beweis dafür, wie wesentlich sich die Welt gewandelt hat! Sie wird sich noch weiter wandeln, aber wir müssen Geduld haben: Rom ist nicht an einem Tage gebaut worden! Die Wahr­heit wird schließlich doch siegen! Dep Bewohnern Eupen-Malmedy schütteln wir erneut die Handl