Fuldaer Leitung
Sonntag, 29. August 1926.
Rund um die Woche
TeMrefehe frehwNhoe Ane^lrennonoen
Sie verrückte Welt. - Menschenähnliche Assen «nd assenähnliche Menschen. - Der Müllhausen vor der Mietskaserne. — Die Pariser Mädchen. — Das rückständige Deutschland.
wie wird das Wetter?
Von Westen her breitet sich hoher Druck aus, sodaß in den nächsten Tagen mit vielfach heiterem Wetter zu rechnen ist. Die Temperaturen steigen langsam an.
Aussichten für Sonntag: Noch etwas wärmer, sonst keine wesentliche Aendenmg.
— Geimpftes Holz? Schon seit Jahren geht man mit dem Versuch um, die Holzfärbung und -beize durch ein Verfahren zu ersetzen, das wfjt nur die Oberfläche des Holzes trifft, sondern durch und durch alle Poren und Fasern durchdringt, sodaß die Farbe mit zur Natur des Holzes gehört. Man hat nunmehr einen ernsthaften Versuch gemacht, indem man in der Nähe von Goslar eine Reihe von Bäumen- mit einem Anilinfarbstoff impfte. Am Fuße des Stammes sind eine Reihe kleiner Bohrlöcher gemacht worden, durch die man den Farbstoff einführte. Don dort ist der Farbstoff durch den Saft des Baumes überall hin getragen worden und ist bis in die äußersten Spitzen der Aeste und Zweige vorgedrungen. Zwar verloren die Bäume zunächst nach der Impfung ihre Blätter, aber nur vorübergehend. Sie schlugen bald wieder aus, und machten danach einen durchaus gesunden Eindruck. Ein besonderer Vorteil hat sich noch insofern ergeben, als die Bohrinsekten dieses gefärbte Holz in keinem Falle angegriffen haben. Cs könnte sein, daß sich dadurch ungeahnte Möglichkeiten ergeben für jene, besonders in den Tropen liegende Holz- bestände, die fast alle den Termiten zum Opfer fallen. Große Bestände könnten vielleicht auf diese 9F" sie vor der Zerstöruva bewahrt werden.
ganz bestimmte Energiemenge ab, die man nach Planck, dem Begründer dieser Anschauung, als Energie- g u a n t u m oder auch nur als Quanten bezeichnet. Die kühnste Phantasie reicht nicht aus, die wirtschaftlichen Fortschritte auszumalen, die sich notwendigerweise ergeben müßten, wenn es gelänge, auf irgend einem Wege das Elektron zu solchen Sprüngen zu veranlassen und die dabei fretwerdende Energie zum Wohle der Mensch, heit nutzbar zu machen. Hier in dem kleinsten Baustein der Materie schlummern noch ungeheure Kräfte und warten auf Lösung ihrer Fesseln.
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Acklendruckeret, Fulda
Oetkers
Marmeladen
iu haoen in allen oesseren Leset arten
Kabel Berlin meldet mir von der großartigen Entdeckung einer neuen Verjüngungsmethode. Professor Steinach ist überholt. Der Entdecker, natur« uch auch ein Professor, hat's auf die Drüsen ab- gesehen. Daß die Zirbeldrüse em außerordentlich wichtiges Organ ist, das wußte ich freilich schon «mFe. Descarte, der große Philosoph und der Erfinder der analytischen Geometrie hat ernst di« Seele des Menschen darin untergebracht. Es gibt aber noch allerhand andere Drüsen im Menschen, und in ihnen ist also der eigentliche Lebensjugendsaft. Indem man nun diesen Saft von einigen menschenähnlichen Assen auf einige affenähnliche Menschen ubertrug, gelang es, dieselbe zu verjün« gen. Sofort habe ich meinem Mäzen, einem vielfachen Millionär, davon Kenntnis gegeben mb das erste, was er tat, war die Bestellung von rini- gen hundert Flaschen Champagner, die er in seinem verjüngten Alter nun noch zu trinken hofft. Bald erfuhr ich, daß stch zur Operation bereits gemeldet haben Muffolini, Poincare, Lloyd George und Cecil Rhodes, alle vier, um Zeit zu gewinnen, der erste für die Eroberung von Abessinien, der zweite für die Stabilisierung des Franken, der dritte für die Erneuerung der liberalen Partei in England und der vierte für die Beruhigung des Völkerbundes. Die Schlauesten waren natürlich Sie Bolschewisten, die fofort sich der Tatsache erinnerten, daß es zwar eine und emehalbe Milliarde Menschen auf Erden Mbt, aber nur hunderttausend menschenähnlicheAffen, die man obendrein erst noch fangen muß. Es ist zwar sogleich in Brasilien ein großer Park von Spitzen des neuen europäischen Eisenkartells erworben worden, denn in Sachen einer Verjüngung waren die Herren sofort untereinander einig. Um aber gleich von Anfang an die Interessen des internationalen Proletariats zu wahren, ließen die Bol- chewisten durch einige ihr-r Agitatoren am Kongo em Dutzend besonders vornehmer Gorillas in plombierten Waggons nach Moskau verladen, wodurch denn der rusiifche Kommunismus, das heißt also zunächst der Volkskommissare im alten Zarenpalast, sich verjüngen sollen.. Als ich fteisich «in Fläschchen von diesem Drüsenlebensellxier aus sozialem Empfinden heraus einem Arbeitslosen reichte, da schleuderte er es an dir Wand und fluchte: „Roch achtzig Jahre weiterfaulenzen? Das hält das größte Faultier nicht aus . . . ." Auch wollte sich mein Schuster, der mit dem Philosophenblick des Jakob Bohme vor seiner Glaskugel faß, nicht darauf ein- lasien, denn er meinte, er habe im Leben bereits ll^vug geklopft und sei ganz froh, wenn er aus dem Pech einmal herauskäme, zumal er ja doch memals ein verjüngter Minister würde, sondern höchstens ein verjüngter Schuster. Aber einige Parteiführer meldeten sich bei mir, die ich allerdings einen nach dem anderen empfangen mußte, damit sie sich nicht prügelten. Wenn es nämlich gelänge, die bewahrten Führer für achtzig weitere Jahre mit jugendlichem Schwung zu versehen, dann würbe sich in Nie geahnter Weise die Erfahrung des Alters mit der Tatkraft der Jugend versöhnen und wir wurden tatsächlich glänzenden Zeiten entgeoengehen. Es hatte jener Professor in der Tat das Del rrfun- oen, das manch rostige Parteimaschine wieder in reibungslosen Galopp versetzen könnte. Schließlich habe «h den Rest meiner Fläschlein einer guten Ekäellenz gegeben, denn sie hätte für ihr Leben gern Zeit gewonnen, um noch ein paar Böcke zu schießen.
Ach, ich armer Journalist! Was habe ich von meinem Handwerk! Es bringt mich noch um all meinen von so manchem Bürgermeister schon be- statigten guten Ruf. Werde in Deutschland Steine- klopfer, aber nur kein Journalist! Was hilft es Ar, daß du dich berufen kannst auf Lessing und G^the, auf ©orres und Bernhard Shaw. Im
3tt Bierville.
Jm park Marc Sangniers. — Frohgemute deutsche Jugend. — Deutsche und Franzosen.
Paris, Ende Auust 1926.
Ein liebliches Tal im Süden von Paris, wie cs f>ier manche gibt: In eine baumlose, im jetzigen Augenblicke goldgelbe und fruchtbare Hochfläche hat ein kleines Flüßchen, die Juisne, ein wunderschönes ?"al eingegraben. Oben Tannen- und Fichtenwäl- der und unten längs des Flüßchens saftgrüne Pfade. Das ist der Park, welcher Marc Sangnier und der ^cune Republique" gehört. Drinnen dann ein alt- französisches Schloß, welches das ganze Jahr über Freunden zum angenehmen Landaufenthalt geöff- net ist, kaum 60 Kilometer von Paris: SÄ ist Bier- vills.
Allerdings vermögen das Schloß, das anliegende Hotel und eine alte dazu umgebaute Mühle bei weitem nicht alle Kongressisten zu fasten, welck)e in Besten schlafen möchten. Bis über das Städtchen Etampes hinaus, das acht Kilometer entfernt liegt, ja bis Orleans hin wohnen ältere Leute, „die SittenÄ. Morgens kommen sie in Kraftwagen, die sie abends wieder hinaufführen.
Die Jugend ist da bester dran. Betten braucht sie nicht. Droben auf dem Plateau, noch im Parke STarc Sangniers, ist ein riesengroßes Zeltlager auf- geschlagen. Einige haben ihre eigenen Zelte mitgebracht. Aber die meisten schlafen in den großen Sanitätszelten, die übrigens sehr nett eingerichtet sind. Und im ungeheuren Speisesaal im „tramp', einer Art Riesenflugzeugzelt, stehen mittags und abends über 1500 Mittagessen oder Abendessen bereit, wenn die Jungen von unten aus den Sitzungen kommen.
Engländer, Holländer, Flamen sind vertreten, dann besonders Deutsche, unter ihnen sind Westfalen, der Rhein, Schwaben und Baden am zahl- reichsten, da sie zu gleicher Zeit einige der Hauptsitze des Quickborns darstellen. Denn das Sonnenkreuz wird hier viel getragen. Während der ersten Woche, die eigentliche Jugendwoche, war nicht gerade viele französische Jugend da, tefls aus finanziel- len Gründen, dann auch deshalb, da die Jugend die Mhr Arbeiterjugend als Intellektuelle, während gerade die jungen Deuffchen größtenteils Stuben, ten find. Aber diese Woche sind viele herbeigeeilt, um ihre Feierwoche im Lager zu verbringen, besonders aus dem proletarischen Norden und aus dem --mystischen Lyon', das immer, weit mehr als das glänzende, skepttsche Paris einer der Hauptsitze des schlichten „Sillon' gewesen war.
Vorlesungen wurden dis erste Woche abgehalten über theorettsche Fragen und dann auch viele Be- richte gehört über Jugend und die Friedensidee in den meisten Ländern Europas. Deutschland wurde besonders von Proftstor Platz vertreten. Desglei- chen waren die Spitzen der belgischen und holländischen Delegationen Unroerfitätsprofefforen.
Auch Feste werden gefeiert, so ein deutsches Fest: k ^"ttafsungstag wurde hier von allen anwesen- den Deutschen und auch der anderen demokratischen Lugend als ein Tag des Fortschritts der Demokra- »e in Europa gefeiert. Zuerst morgens oben im „Lamp . Und dann zog abends beim Sinken der £u<Vi em unendlicher Fackelzug mit den deutschen . uyssarben hinunter ins Tal zum Freilichttheater, wo Sangmer auf die deutsche Republik em Hoch ausbrachte. Denn hier, in einem eigens dazu her- gerichteten „theatre be verbure", Theater im ©rü« «en, wird jeden Abenb etwas aufgcfübrt einmal em englisches Stück, dann bas „Stpoftelfpiel" von oer Essener Spielschar, „Franz von Assisi' von ben ■düngens aus Rouen, ober ein Konzert. Letzthin führten Schauspieler bes besten französischen Thea- ters, bcr „Comedin francaise', ein köstliches Lust- fpid auf, ben „Arni Fritz.'
n JDort ^nb die große feierliche Manifestation Mtt, wo Vertreter der ftanzösischen Regierung ben grüßten, fpähcr fi(f) ÖU(f) ber
mofraf Dergsttäßer und ber ehemalige italienische Ministerpräsident Ritti eingefunben 2tort organisiert auch ber Regisseur bes ,.Odöons' em ungeheures Spiel mit Chören, Gesängen die alle zu einer ungeheuren Friebensmanifrstation wer- Den sollen.
Auch religiöse Zeremonien finben ihren Platz. rLOW Park Marc Sangniers atmet christlichen «egt: Eine Franziskusgrotte, ein schönes Kreuz aus ■ vchwarzwalbholz mit einer Marmorplatte des Prin- ?en von Sachsen, eine schöne Johannisstatue begrüßt uns am Eingang bes Lagers unb ein „Calvaire', em bretonisches Kreuz, wo {eben Tag im Freien Messen gehalten werben. Dort hat am 15. August tn Frankreich dem höchsten Marienfeste, eine feier-
tfeftes hat Marc Sangnier zu einer der Formen gegriffen rote sie im alten Sillon geläufig waren Man hielt die „Waffenwache" ab: Eine ganze Rocht mußten die jungen Streiter wie ihre Vorläufer, die Ritter, vor dem Allerheillgsten im Gebet ver- bringen, um sich so auf ihre Zukunft vorzubereiten. -Diesmal hatten die Gebete einen andern Sinn: Sie ganje Nacht verweilte man abwechselnd in ber Schloßkap-lle im Gebet, indem nach Sangniers Wunsch die Franzosen für die gefallenen Deutschen und die Deutschen für die gefallenen Franzosen be- teten und alle beiden darum die wahre Friedensgesinnung als Gnade zu erhalten, bei und in sich liehe Messe stattgefunden. Zur Vorbereitung dieses Elektrizität aus derartig^ ttemsten Ulchon, den Elek- trizitatsatomen ober Elektronen zusammen. Es tft das groß- Verdienst des genialen Physikers Helmholtz (1821—1894) zum erfienmale diesen Gedanken von dem atomistischen Aufbau der Elektrizität ausgesprochen zu haben. Während nun die positive Elektrizität stets an den Atomkern gebunden ist, besteht die negative Clektri- zität als sog. Elektron, ungebunden an irgend eine Masse, d. h. frei für sich. Soll nun das Atom mit dem positiv geladenen Kern im Innern und den negativ geladenen Elektronen m der Atomhülle nach außen als unelektrisch erscheinen, so muß die Ladungssumme der Elektronen gleich der Kernladung sein. Nimmt man die Anzahl dieser Kernladungen bezw. die der Elektronen als ein neues Einteilungsprinzip der Elemente, so ergibt stch eine eiafnche und interessante Regel. Das erste Atom, der Wasserstoff, hat eine positive Kernladung und mithin umkreist ihn auch nur ein —Elektron: so hat das Oueckfilberatom 80 Kernladungen und daher In seiner Hülle ebensoviele Elektronen. Diese Tabellennummer oder auch Ordnungszahl des bett. Elements genannt, gibt also fofoft die Zahl der Kernladungen wie die ber Elektronen an.
Nun erscheint auch die Umwandlungsmög- lichkeit (Transmutation) in einem neuen Lichte. So könnte man das Oueckfilberatom durch Wegnahme eines Elektrons in das G o l d a t o m überführen, das in feiner Hülle nur 9 Planeten aufweist. Umgekehrt müßte man durch Hinzufügen von 2 Elektronen zum Queck- silberatom das Bleiatom erhalten ustv. Wenn auch diese Umwandlungen bisher noch nicht in jeder Weise verwirklicht worden sind, so ist die moderne Physik dem Problem ber Alchimisten doch gewaltig nahe gerückt. Ueberatl be, wo eine selbsttätige Umwandlung eintritt, rote z. B. bei ben radioaktiven Elementen Radium und Thorium, die beide in Blei übergehen, da. wissen wir heute, daß Elektronen den Atomoerband verlassen, lieber« rasche«- bleibt es noch, warum dieser selbsttätige Atom-
Vie Landstraßen im Reich.
Nach Feststellungen bes statistischen Reichsamts betrug bie Länge ber Lanbstraßen insgesamt im Deutschen Reiche 1925-26 414 290 Klm. (gegen 398 243 im Jahre 1913). Davon waren 151303 Kilometer Schotterstraßen unb 35132 Kilometer Straßen anberer Bauart. 51 050 Kilometer waren Staats« ober Provinzstraßen unb 127 620 Kilometer Kreisstraßen. Auf 1000 Quadratkilometer entfielen 447 Kilometer Landstraßen, auf 100 000 Einwohner 334 Kilometer.
* Schwere Stürme im Nirsenqebirge. Nach Blättermeldungen haben Stürme unb wolkenbruchartiger Regen im Riesengebirge großen Schaden an« aerichtet. In Weidenburg wurden mehrere Häuser durch den Sturm abgedeckt. Eine Scheune wurde hochgehoben unb einige Meter weit fortgetragen.
Lin Tannenzapfenjahr.
Die Tannen zeigen in biefem Jahre einen schönen Behang mit grünen Zapfen. Er ist besonbers reichlich am Gipfel bes Baumes. Die Tanne blüht erst im dreißigsten Lebensjahr und im geschloffenen Walde sogar noch viel später, je nach dem Standort alle drei bis fünf Jahre. In milder Lage blüht die Tanne häufiger, in rauher Sage seltener. Die Stempelblüten sind kleine aufrechtstehende grüne zapfenähnliche Gebilde. Sie sind mehr an Wipfel- äften zu finden, besonders an kräftigen. An tiefer« stehenden Zweigen sieht man die kleineren Blüten mit dem Staub. Sie sehen sonst den Stempelblü- ten ähnlich. Die Staubblüten senden große Mengen von Pollenkörnern aus, die der Wind roeiter« trägt. Jedes Staubkörnchen ist ein kleines iall- schirmartiges Gebilde, es besitzt einen Flugsack. Durch den Wind oder auch durch Insekten tritt eine Bestäubung ein. Erst im September wird eine Frucht reif. Dieses Jahr war der Samenbildung besonders günstig.
Neues aus Zrankfun.
— Vermächtnis. Der verstorbene Rentner Dr. Oskar Kling, Bockenheimerlandstraße 98, hat der Stadt Frankfurt a. M. feine Bücherei testamentarisch ver- macht. Es handelt sich um etwa 25 000 Bände, hauptsächlich aus dem Gebiet der Philosophie, der Kunstgeschichte und des Kunstgewerbes, im Werte von min- bestens 50 000 Mark.
— Neues Selbstanschlußamt in Frankfutt a. Vl.-West. In nächster Zeit wird im Posthause Frankfurt a. M.« West mit dem Aufbau eines neuen Selbstanschluß-Amtes begonnen werden, an das die zum Anschlußbereich des jetzigen Amtes Maingau gehörigen Teilnehmer an- geschlossen werden sollen. Die Inbetriebnahme dieses Selbstanschlußamtes ist für Mitte 1927 vorgesehen.
= Flugzeugunglück im Frankfurter Flughafen. Im Frankfurter Flughafen glitt ein Sportflugzeug in einer Kurve ab und wurde zertrümmert. Die beiden Insassen, Erich Schulte aus Mannheim und Paul Wagner aus München, beide Flieger der Würzburger Schule, die mit dem Flugzeug aus Würzburg gekommen waren, erlitten schwere innere Verletzungen. Sie wurden ins Krankenhaus eingeliefett. Lebensgefahr scheint nicht zu bestehen.
— Lin merkwürdiger Selbftmorbgrunb. Die in einem hiesigen Industriebetrieb seit mehreren Jahren beschäftigte Kontoristin Rosa L. tn der Oberlindau erhielt vor einigen Tagen von dem Personalchef einen anderen Platz in dem Büro zugewiesen. Das nahm sich das Mädchen derart zu Herzen, daß es sich in seiner Wohnung mit Leuchtgas vergiftete.
Der Bau der Atoms im Lichte der modernen Physik.
H" Aon Dr. Joseph Westenberger -Fulda.
^Die schon in der Abhandlung von der Geschichte des ^Nischen Elementes (f. Fuld. Ztg. vom 9. August) ge- ^8« wurde, nimmt die moderne Physik auf Grund ex- ^mwnteller Untersuchungen an, daß die Atome, die 2ohrhunderte lang als die letzten unteilbaren Be- Ie ^nzen Materie ansah, noch weiter zer- Kfmb. In unermüdlichem Forschungsdrange sind tiirEr fer se^dem bemüht, nun auch in dieses geheim- Reich eindringen und sich ein anschauliches tu ’ ®on der Welt des Atoms zu entwerfen. Es soll hj, ?c’en Zeilen gezeigt werden, zu welchen Ergebnissen Mutige Atomforschung gelangt ist.
bt $®Jft uns eine bekannte Tatsache, daß die Erde wie Wgen Planeten sich in Ellipsen um die Sonne *n- Der Begründer dieser Anschauung ist Niko- ^Kopernikus, Kanonikus am Dom zu Frauen- <1473-1543). Und nun zeigt es sich, daß auch das Ugm aus einem ähnlich gestalteten Planeten- besteht, in welchem die Sonne durch den ^4 Jern au5 einem ähnlich gestalteten Planeten "le Elektronen zu ersetzen sind. Doch der ter. dieser beiden Planetensysteme geht noch wei- bjc‘ e die Planeten die Sonne, so umkreisen auch Idto;,.yf*ronen in rasender und ungleichmäßiger Ge- doß v/^eit ihre Sonne. Nun hat sich weiter ergeben, bernfpr^ ®ern aller Atome letzten Endes aus ein und Unh fn ^loffe, dem Wasserstoff, aufgebaut ist duh>nemit b*e to°n ein Jahrhundert alte Proujsche An- Elep? D°n neuem auflebt. Woraus bestehen nun die ^°nen des Atoms?
bildet k 8 ®trter’e aus zahlreichen kleinen Teilchen llt. nämlich aus Atomen, jo setzt sich auch bi<
Lands ber Professoren bist bu doch gerichtet. Denn wohl barf ber Herrgott es sich leisten, auch einmal ein Würmlein zu schaffen unb er verliert nichts dabei, ein deutscher Professor aber verliert alles, wenn er auch nur einen einzigen Artikel in bie Zeitung fetzt. Nur roeiter, armer Hofnarr, bu sinbest am Ende auch in ber Republik noch Stoff, unb bann: Zigeunerkinb hat keine Ruh. . .
Da ist also das neue D-Zug-Tempo, bas heißt bas neueste ist seitdem schon roieber bei Leiserbe geschehen. Da streiten sich bie Leute herum, ob es nun ein Attentat ober ein Unglücksfall ober eine Fahrlässigkeit gewesen sei, unb wenn schon ein Attentat, ob es nun ein entlassener Streckenläufer war ober ein Bahnwärter ober weiß Gott roas für ein Schraubendreher. Unb wenn wir einmal annehmen, es fei nun ein Bandit gewesen, bann kommt bie weitere Frage, ob er es aus Verzweiflung getan, ob aus Sensationslust, ob aus politischer Rachsucht ober am Enbe nur aus Wahnsinn oder Trunkenheit. Und so sezieren wir die kleinen Verbrechen, wenn vor einer Mietskas'rne im Nordosten von Berlin, in der nur 42 Familien wohnen, ein riesiger Müllhaus'n liegt, der scheinbar niemals roeMefahren wird. Zwischen Müll und Schutt spielen untertags die Kinder. Beginnt es zu regnen, bann bilden sich Seen, die in allen Farben des Rsgenbogens schillern. Wird es heiß, bann entwickelt sich die Brut fauler Sümpfe, und dicke grüne Fliegen tragen die Krankheitskeime in hundert schmutzige Stuben, Mit dem Abend aber kommen die Ratten wie in Goethes Lied, wo die Mäuse Hochzeit halten. Und die menschliche Gesellschaft, die 21 Tote beklagt und die Rente berechnet, die sie ihr kosten, kümmert sich wenig darum, rote viel Lebensjahre jenen 42 Familien durch solche $,rtältr :f(e verkur,' werden.
Ich bleibe stehen vor diesem und jenem Haus. Feudales Gebäude. Angesehene Familie. Welr- sirma. Es ist alles in kein Haus funkelnagelneu und alles kostbar, alles, von der Türklinke bis zur Badewanne. Ich aber gehe an die erste Stufe jener Treppe, auf der dieses Kapitel feinen Weg zur Höhe begann. Tart ließ es eine verelendete Familie zurück, denn zu jener Zeit gab es noch keine soziale Fürsorge. Auf der zweiten Stufe lagen ebenfalls em paar verkrachte Existenzen. Auf der dritten grinste das Knochengerippe eines zu Tode konkurrierten Geschäftsinhabers, na, und so ging es denn diese Seufzertreppe hinauf bis zum bfin« tenöen Knopf an der herrschaftlichen Schelle. Das Klingeln ist mir vergangen. Lieber den Saft von Affen nehmen als den von Menschen. Wie ich aber nun roeitergehen wollte, da sah ich noch eben, wie unten der Hauswärter mit einer Riesenflasche Schnaps unter der Treppe verschwand. Nun, sagte ich mir, hätte er weniger Schnaps im Leben ge» trunfen, dann brauchte er am Ende nicht unter der Treppe zu wohnen, und so schlich ich mit dem trüben Gedanken Bernhard Shaws davon, daß es nämlich, roemr man schon Zuchthäuser baut, schließlich einerlei ist, wen man hineinsteckt.
Gleich haben mich die Kinder wieder in gute Stimmung gebracht, denn da war ein kleiner Bud mt einem riesigen Drachen, den er siegreich seiner Schar voran auf die Stoppelfelder trug. Ein Back- l'fch aber sagte süß-empört zu der älteren Beglei- tenn: „Mutter, denk dir, in Paris tragen die Mädchen um bie Strümpfe herum einen Steifen mit lau« ter elektrischen Birnchen. Abends werden sie wun- derbar blau beleuchtet. Ja, Mutter, ganz blau dem man hat gefunden, daß das auf dem rofa- trten Grunde wirklich entzückend aussieht. Ja, Mutter, fo gehen heute die Pariser Mädchen. Was sind wir in Deutschland doch rückständig!'
Der Mann im Monde.
selbst, die beste Grundbedingung jeglichen wahren Friedens. Friedrich Beith.
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Kardinal-Staatssekretär Gaspari hat an den Präsidenten des Friedenskongresses zu Bierville folgendes Telegramm gerichtet: „Der Hl. Bater hat den Tribut der Verehrung der katholischen Teilnehmer des Friedenskongresses dankend entgegeugenommen unb spendet allen den Apostolischen Segen. Er betet bafj für Alle und für Alles der völkerverbindende soziale Friede komme im Reiche. Christi. Er gedenkt besonders der mexikanischen Glsubensbrüder, 'welche Gott fünfen und schützen möge in der schweren Probe, der sie fetzt ausgesetzt sind.
abbau nur bei den Elementen eintritt, die eine große Anzahl von Elekttonen aufweisen.
Eine weitere Frage, die nun unser Interesse in An- fprurf; nimmt, ist, wie die einzelnen Elekttonen in der Atomhülle gruppiert sind. Nach der von dem dänischen Physiker Niels Bohr entwickelten Theotte find die Elektronen in mehreren Ringen bezw. Schalen an- geordnet, die sich in verschiedenen Abständen um den Atomkern legen. So liegen bei dem Helium, das die Ordnungszahl 2 trägt, die 2 Elektronen noch auf einer Scpale, während das bei dem nächst höheren Element Lithium hinzukommende Elektron auf einer zweiten Schale liegt und zwar in einem größeren Ab stände vom Kern. Dieser zweite Ring vermag nun bis zu 8 Elektronen aufzunehmen, so daß ein Clement mit einer Summenzahl von 11 Elekttonen, wie das Natrium, das einen Bestandteil des Kochsalzes bildet, schon einen dritten Ring enthält. Nach dem Stand der heuttgen Forschungen sollen die in der äußeren Schale sich be- findlichen Elektronen im wesentlichen den Charakter des bett. Elementes bedingen, so daß die Atome, die z. B. in ihrer äußersten Schale nur ein Elektron aufweisen, ebenso die, welche darin 2 Elekttonen bewahren usw. vollständig in ihren chemischen und in vielen physikali- schen Eigenschaften übereinstimmen. So kehtt das schon in der ersten Abhandlung erwähntt periodische System, begründet von Lothar Meyer und Mende- lejeff,in abgeänderter Form wieder. An die Stelle des Atomgewichts tritt jetzt als Einteilungsprinzip die Zahl der Elettronen, die stch bi dem äußersten Ringe befinden. Durch äußere Einwirkungen, wie z. B. durch "lektrifche oder Wärmenergie, ist es nun gelungen, das Elektron aus einer inneren Schale auf eine weiter außen liegende zu bringen. In diesem anormalen Zustande ver- bleibt jedoch das Elektron nur kurze Zeit unb bei der erstbesten Gelegenheit schnellt es wieder in den alten Ring zurück. Bei diesem Zurückgehen tn die ursprüng- ltd)e Bahn gibt das Elektron aber nach außen hin eine