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Anzeiger für die Sfohf und den Kreis fffulda. Amtliches kreisblalt

Sonntag, 29. Kugust 1926

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In Erwartnnq der Genfer Konferenzen

Neuer Konflikt Moskau-Mukden

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Die Fortsetzung dec Weltkirchentzonserenz

Die Deutschnationalen und Genf

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Durch die Absage der d e u t s ch n a t i o n a- len Volkspartel, eines ihrer Mitglieder an der Reise der deutschen Delegation nach Genf teil­nehmen zu lassen, ist, wie der „Lokalanz." hört, der Plan der Reichsregierung, überhaupt Parla­mentarier nach Genf gehen zu lassen, nicht aufge­geben worden. — Das wäre auch noch schöner, wenn an einer derartigen Absage ein wohlerwoge­ner Plan der Regierung scheiterte.

* Luxemburgs Stabilisiernnqsmatznahmen. Nach zuverlässigen Informationen steht die Veröffentlichung des auf Diktatorialgewalt basierenden RegierungS« dekrete« unmittelbar bevor, wonach im Großherzog. tumLuxemburg sozusagen alle Schuldverpflichtunaen und Guthaben sowohl des Staates wie auch der Privaten auf der Basis von 175 Franken -- 1 Pfund Sterling stabilisiert werden. Dieser Schritt ge- schiebt laut .Luxemburger Zeitung" im Einvernehmen nut Belgien.

Märkische Zeitung" des Herrn Bacmeister ist ein Blatt, das im Kampf gegen den politischen Gegner keine Grenzen kennt. Cs ist bedauerlich, daß Vieles Blatt aus Sensationslust auch von Leuten gelesen wird, denen man mehr Geschmack und politische Urteilsfähigkeit zutrauen sollte. Sein jetziges Vor­gehen gegen Severing, der in seinem Privatleben völlig unantastbar und als Politiker von anerkann­ter Tüchtigkeit ist, kann schon heute als Fehlschlag ge- wertet werden. Severing wird m der nächsten Land- tegssitzung in der ihm eigenen deutlichen Weise mit feinen Verleumdern abrechnen. Bacmeffter und Ge- nossen wollen auch mit Enthüllungen gegen Zen­trum s f ü h r e r hervortreten. Wir fürchten nicht, daß dieser Kampf mit der Dreckschleuder, den die Gegner unserer staatlichen Ordnung eröffnen, erheb, lichen Schaden anrichten kann. Sie besudeln sich nur selber.

wähl der Parlamentarier soll aber keine-wegs durch die Fraktionen erfolgen, sondern die Regie- rung will von sich aus diese Wahl treffen, wobei sie die verschiedenen Fraktionen berücksichtigt. Hier- bei legt man regierungsseitig das größte Gewicht darauf, daß vor allem die Oppositionsparteien ver­treten sind. Das ist nur zu begrüßen, and die Grunde, die die Regierung unter anderem hierfür angibt, nämlich daß Deutschland in Genf und in außenpolitischen Fragen endlich einmal geschlossen auftritt, können wir nur gutheißen. Das v-ürbe «ach außen hin nicht nur den größten Eindruck machen, sondern würde vor allem auch die Ver­handlungsmöglichkeiten der Regierung stärken. Es wäre deshalb aufs höchste bedauerlich, wenn die Deutschnationalen aus ihrem oben gekennzempieten Auftreten die politischen Konsequenzen ziehen wür­den, und den von der Regierung für die deutsche Delegation hinzugezogenen Professor Dr. H o e t sch an der Annahme seiner Einladung zu behindern.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit» teil, hat der Minister des Innern mit Zustimmung der Reichsrgierung die Hindenburger Orts­gruppe des Roten Frontkämpferbundes auf Grund des Gesetzes zm Durchführung der Artikel 177 vis 178 des Friedensvertrages aufgelöst. Die von der Ortsgruppe und ihren Mitgliedern benutzten militärischen Geräte und Ausbildungsvorschriften so­wie Sprengstoffe werden zugunsten des Reiches ein­gezogen und beschlagnahmt.

Wie den Blättern mitgeteilt wird, fft die der „Chicago Tribüne" verbreitete Meldung, nach angeblich in Deutschland U-Boote

Immer wieder politische Raufhändel,

polilische Zusammenstöße in Hamburg.

Rach einer Meldung des „Berliner Tagblatt" aus Hamburg kam es nachts zwischen Mitgliedern der Vaterländischen Verbände und An­gehörigen des Roten Frontkämpferbun­de s zu Zusammenstößen, bei denen zwei Personen Verletzungen davontrugen. Im Zusammenhang mit diesen Zusammenstößen sind von der Polizei a ch t Verhaftungen vorgenommen worden.

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Die deutsche Abrüstung.

Bon verschiedenen Seiten verlautet, daß die Dotschafterkonferenz dem deutschen Bot­schafter in Paris am 17. 8. drei Verbalnoten über­leicht hat. Die Roten beschäftigen fick, dem Tage­blatt zufolge, unter anderm mit den Rechtsver- bänden, deren militärische Tätigkeit verboten werden soll, sowie mit der vorübergehenden Ein­stellung von Mannschaften in die Reichs­wehr. Auch wird beanstandet, daß von deutscher Seite Beschwerden der Militärkontrollkommission n vr s chl e p p e n d berücksichtigt würden. Das „Ber­liner Tagblatt" betont, daß der Ton der Roten korrekt sei und nicht, wie von „Lokalanz." gemel­det worben sei, ultimativen Charakter trage.

Eine Bearbeitung der drei neuen Ent- waffnungsnoten der Botschafterkonferenz, die seit einer Woche in Berlin vorliegen, hat, wie der „Bei- liner ^.okalanz." schreibt, noch nicht stattgefunden, da der Vorsitzende der deutschen Entwaffnungskom­mission, General v. Pawelß, jetzt erst vom Urlaub

Der Londoner Berichterstatter des „Manchester Guardian" fdutibt: die in amtlichen briti­schen Kreisen der Tagung des Völkerbundes im nächsten Monat entgegengebrachten Erwartungen seien 0 P t i m i st i s ch. Man glaube, daß die Stu» dienkommission den vereinbarten Bericht erstatten werde, der automatisch angenommen werde. Es be­stehe eine bestimmte Aussicht für die Erwartung, daß Deutschland diesmal in den Völkerbund ohne Bedin­gungen und ohne weiteres hin und her ausgenom­men wird. Deutschland werde dann Mitglied des Völkerbundes fern, ohne daß dann von irgendwel­chen weiteren Veränderungen die Rede sein werde, ^außer denen, welchen Deutschland etwa vorher zu- aestimmt haben mag." Man glaube nicht, daß

Ueble Rampfesweise.

Die schon angekündigte Aktion der Rechtradika- len gegen den preußischen Innenminister Seve- r i n g hat jetzt eingesetzt. In dem Blatt des früh«, ren Abg. Bacmeister, der Bergisch-Märkischm Zei- tung in Elberfeld, werden „Enthüllungen" über Severing gemacht, die auf einen Kaufmann Schlich- Ung zurückgehen, der früher Sozialdemokrat und ein Bekannter Seoerings war. Die Vorwürfe, die gegen Severing erhoben werden, gipfeln in der Behaup- tuno, daß er während der Inflations-Zeit ein Spe­kulations-Konto unterhalten habe. Es fft bemer­kenswert, daß die „Kreuzzeitung" und die „Dänische Tageszeitung", geschworene Feinde des Ministers Severing, von den Angriffen Bacmeisters bislang gSr keine Notiz genommen haben. Die „Bergisch-

Dom Balkan.

Verschärfte Wachsamkeit an der bulgarischen Grenze

Aus Sofia meldet die Telegr. Agentur: Der Kriegsminister hat an die Truppen an der Grenze einen Befehl gerichtet, in dem er feine früheren Er- Mahnungen wiederholt, wachsam für die Unber- letzlichkeit der Landesgrenze zu sorgen und den Uebertritt jeder verdächtigen Person zu verhindern, um die höheren Interessen des Landes zu schützen.

nach Berlin zurückgekehrt ist. Ihm werde zunächst die Prüuna der Noten obliegen. Jedenfalls seien nach der „Tägl. Rundschau" wesentliche Dif­ferenzen bezüglich der Abrüstung Deutschlands nicht vorhanden und was davon vorhanden sei, würde bis zum Eintritt Deutschlands in den Völker- bund erledigt fein. Im Gegensatz dazu verzeichnet der Vorwärts die Möglichkeit, daß über den Inhalt ^der Noten in Genf gesprochen werde.

Der „B. Z. am Mittag" zufolae sollen nach Uebereintunft zwischen Berlin und Paris die drei Entwaffnungsnoten der Botschafter-Konferenz nicht veröffentlicht werden.

Die Tangerfrage.

Das französische Außenministerium fft zurzeit noch mit der Prüfung der ihm am 25. August zu- gegangenen Note der spanischen Regierung beschäftigt, in der diese den Wunsch zum Ausdruck bringt, daß der durch die Internationalen Verträge Spanien zugewielene Einfluß gesteigert werden möge. Eine Antwort wird umso rascher erteilt werden, als die spanische Note den Versuch macht, die Tangerfrage mit den Fragen in Verbindung zu bringen, die in der kommenden Woche den Gegen­stand der Beratungen des Völkerbunds­rates abgeben werden.

Die Reparationskommission.

Wie der „Intransigeant" mitteilt, wird die Re­parationskommission vom 1. September ab auf Grund der Pariser Abmachungen vom 14. Juni 1925 den prozentualen Anteil Belgiens von 8 Prozent auf 4,5 Prozent herab setzen, weil die belgische Priorität vollkommen erschöpft ist. Belgien hat demnach 2 Milliarden Goldmark er­halten. Die verfügbar werdenden 3,5 Prozent sol­len im Verhältnis von 52 bezw. 22 Prozent auf Frankreich und England verteilt werden, sodaß Frankreich von nun an über 54 Prozent aller von Deutschland an die Alliierten geleisteten Zah­lungen erhalten wird.

unterzeichnet werde, jedoch fand dieser Vorschlag bei der polnischen Regierung keinen Anklang. Dieser Gegenbesuch sollte bereits im Mai stattfinden, wurde jedoch infolge des Umsturzes in Polen aufgeschoben. Gegenwärtig tft der Gegenbesuch Zaleskis, do Tschit- scherin zurzeit leidend ist, auf den Spätherbst ver­legt worden.

Rußland und Finnland.

In Helsingfors begannen Verhandlungen zwischen den bevollmächtigten Vertretern der Sowjet» Union und Vertretern des finnländischen Ministeriums des Aeußeren über den Abschluß eines Garantie­pakies.

Deutsch - japanische Verhandlungen.

Nachdem durch Abschluß eines Abkommens zwischen der Interessengemeinschaft der Farben- industrie und Japan über die Behandlung der deutschen Farbeneinfuhr die Hauptschwierigkeit der deutsch-japanischen Handelsvertragsverhandlungen be­seitigt ist, besteht auf beiden Seiten der Wunsch, die Verhandlungen über den Handelsvertrag nun­mehr baldmöglichst zu Ende zu führen. Da hierzu noch eingehende Besprechungen mit den beteiligten Stellen notwendig sind, wird der deuffche Botschafter in Tokio, Dr. Sols, im September in Berlin eintreffen, um über den gegenwärtigen Stand der Verhandlungen mündlich zu berichten, und die Grund­lage für die Weiterführung der Verhandlungen zu erörtern.

Frankreich in feiner augenblicklich sehr verzweifel­ten Lage imstande fein werde, Unheil zu stiften oder sonst jemand ins Schlepptau zu nehmen. Man glaube, daß Frankreich, ebenso wie England, in Genf eine unbeschriebene Seite anfangen werde Chamberlains Versprechen an Spanien sei verfallen und es fei Spanien auch mitgeteilt worden, cs verfallen fei.

Erscheint sechsmal Wöchentlich- Wochenbeisaaen- Illustrierte Sei» faae" und Buchenblätter" Rotationsdruck und Perlaa der Nnldaer Actiendruckerei in Iulda. "ernsvrecher Nr- 9- Rerna-b*i»iS' 1.50 ^f.

Syrien.

3um Nachfolger de Jouvenels als französischer Oberkommissar in Syrien ist, wie Havas mitteilt, bei Direktor der Abteilung „Afrika und Levante" im Außenministerium, Ponsot, bestimmt, der auch bei den Marokko-Friedensverhanblungen mit Abb el Krim eine führenbe Rolle gespielt hat.

Wie Havas aus Fez gemeldet wird, hat Abd el Krim in Begleitung seiner Familie Fez verlasse» und wurde nach Casablanca gebracht.

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be u t werden sollen, durchaus falsch. Es sei in dieser Angelegenheit auch nicht, wie die Chicago Tribüne" gemeldet hatte, eine Note an die deutsche Regierung gerichtet worden.

Die „Voss. Zta." meldet auS Mulden: Fn den Beziehungen des Marschalls Tfchangtsolin zu Moskau ist ernent ein schwerer Konflikt ausgebrochen, der wieder die ostchinesifcheBahn betrifft. Tschangt- folin behauptet, daß die Ruffen das Hafeneigentum der chinesischen Ostbahn sich widerrechtlich angeeignet und bisher nicht wieder zurückgegeben haben. Da die Verhandlunaen mit Moskau zu keinem Ergebnis geführt haben, hat der mandschurische Marschall nun­mehr die gesamte russische Sungari»Flotte konfiszieren lassen. Der ©ungart ist der rechte Nebenfluß des Amur und die Hauptverkehrsader des Landes.

Rußland und polen.

Das Kommissariat für auswärtige Angelegen­heiten in Moskau veröffentlicht folgende amtliche Meldung: Der bevollmächtigte Vertreter der Sowjet­union in Warschau überreichte in diesen Tagen dem. polnischen Minister des Aeußeren den Entwurf eines Karantiev er träges, in dem festgelegt werden soll: beiderseitige Unterlassung von jedem agreffiven Vorgehen, Verpflichtung beider Parteien im Falle eines Angriffes gegen die andere Partei Neutralität HU wahren, Nichtteilnahme an gegen die andere Partei gerichteten Abkommen politischen oder wirt­schaftlichen Charakters, Entscheidung etwaiger strittiger Fragen durch eine gemischte Einigungskommission.

Die Sowjetregierung sprach den Wunsch aus, daß der Vertrag während des für August geplanten Be­suches Zaleskis in Moskau, der den vorjährigen Besuch Tschitscherins in Warschau erwidern soll,

In B e r n ist die Versammlung des Fort­setzungsausschusses der Weltkirchenkonferenz, die im Vorjahre in Stockholm stattfand, durch Erzbischof Soederblom (Upsala) eröffnet worden. Die katholische Kirche nimmt bekanntlich aus dogmati­schen Gründen an diesen Verhandlunngen nicht teil. Man bringt aber auch in katholischen Krei­sen den Verhandlungen Interesse entgegen .

Nach der Verlesung von Briesen, namentlich von hert Patriarchen und Erzbischöfen der morgenlän- dlschen Kirche, wurde der Patriarch der tschechoflo- wakischen Kirche. Farski, und der Erzbischof Küry von Bern für die altkatholische Kirche zu Mitglie­dern des Fortsetzungsausschuffes gewählt. Die französische Konferenz für soziales Christentum spricht in einer Zuschrift die Hoffnung auf För­derung der sozialen Ziele aus, vor denen die Christenheit heute steht, und beantragt, dem Welt­bund für freundschaftliche Zusammenarbeit der Kirchen sowie der Völkerbundsversammlung Grüße zu senden.

Dazu erklärte Reichsgerichtspräsident Dr. Si­mons: Die Deutschen, obwohl Deutschland noch nicht zum Völkerbund gehöre, schlössen sich diesem Anträge an, da Deutschland seine Aufnahme in den Völkerbund beantragt habe und er die Hoffnung hege, daß die bevorstehenden Verhandlungen im Geiste freundschaftlicher Verständigung und brüder­licher Liebe geführt würden.

Der Dekan von Canterbury und Professor D e i ß m a n n (Deutschland) berichteten über die Veröffentlichung der Akten der Konferenz: Die bei­den Bände ergänzen sich gegenseitig und bilden zu­sammen ein Dokument, das einen wertvollen Ouerschnitt durch die geistige Lage der ökumenischen Christenheit von heute darstellt. Die deutsche Aus­gabe erscheint im Furcbe-Derlag in Berlin mit Un-

Son einem parlamentarischen Mitarbeiter wird uns geschrieben:

In der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses vcs Reichstags ist es am Donnerstag zu einer politisch sehr interessanten Abstimmung gekommen. Die Kommunisten hatten beantragt, das Plenum des Reichstags einzuberufen, um einen Beschluß da­hingehend zu fassen, daß die Reichsregiening er­sucht werde, ihren Antrag auf Aufnahme in den Völkerbund zurückzuziehen. Für diesen Antrag stimmten außer den kommunistischen Abgeordneten die beiden deutschvölkischen Abgeordneten und auch die deutschnationalen Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses, die Abgeordneten Graf Westarp, . Freiherr von Freytagh-Loringhoven, |Wallraf und Dr. Quaatz. Der Antrag wurde i von der Mehrheit abgelehnt.

Diese Abstimmung ist insofern interessant, als plötzlich die Deutschnationalen wieder in einer Front mit den Kommunisten und Völkischen aegen Genf aufmarschieren. Mit dieser Möglichkeit hatte Man eigentlich nicht gerechnet, nachdem die Deutsch- Nationalen in letzter Zeit nicht mehr gegen den ein« . tritt Deutschlands in den Völkerbund waren. Ja, 7 nachdem sie sogar hatten durchblicken lassen, daß M l'e bereit wären, mit in die Regierungskoalinon [ cinzutreten, und sich mit der Person Dr. S t r e f e- L Manns abzufinden und ebenso die Außenpolitik | "er jetzigen Regierungskoalition gutzuheißen. Der | Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ist aber I "ie logische Konsequenz der bisherigen Außenpoli- E iik. Wenn die Deutschnationalen nun einen der» »artigen Antrag unterstützen, so bedeutete das eine M Erneuerung der Kampfansage an die Außenpolitik des Kabinetts und der Regierunqskoalition. Hier hegte also wiederum parteipolitische Rücksichtnahme g Segen bessere Einsicht. Denn daß eine Reihe füh- K render Männer der Deutschnationalen und auch ■ eine große Mehrheit der Partei sich zu der Er- I lenntnis durchgerungen hat, daß die jetzige Außen­politik die einzig richtige und mögliche tft, und sie «es ferneren zu der Erkenntnis gekommen sind, daß Ader Eintritt Deutschlands in den Völkerbund nicht pur wünschenswert, sondern auch im eigenen In- «reffe Deutschlands notwendig ist, daran ist wohl Uicht zu zweifeln.

Nun aber hat diese Abstimmung der Deutsch- fationalen wahrscheinlich noch eine Folge Die Re- Merung trägt sich bekanntlich mit dem Gedanken, ®Ie Delegation für Genf nicht nur auf die Regie- rungskreise zu beschränken,, sondern auch Pacla- U^entarier hinzuzuziehen. Man hat sich deutschcr- e,ts hierzu entschlossen, weil die Erfahrung der letz­en Tagung gelehrt hat, welche gute Dienste den jHfranjofen der Abgeordnete Paul B o n c o u r ge- Astet hat. Auch will man gleichzeitig das Ver- AWubnis des Parlaments für Völkerbund und ver- “‘ebene Völkerbundsfragen fördern. Die Aus-

Die oben ausgesprochene Vermutung bestätigt sich schon. Der deutschnationale Abgeordnete Dr. Hoetzsch wird, wie nunmehr seststeht, der nach Gens gehenden deutschen Völkerbundsdelegation nicht als Mitglied angehören. Die deutschnationale Pressestelle teilt offiziell mit:

„2er Herr Außenminister hat die Deutschnationale Volkspartei um ihr Einverständnis zur Berufung des Professors Hoetzsch in die jetzt zu bildend« Genfer De- legation ersucht. Der Parteivorsitzende hat namens der Parteileitung für diese Absicht mündlich und schriftlich seinen Dank ausgesprochen. Dabei hat er der Besürch» tung Ausdruck gegeben, daß eine Zuziehung von Par­lamentariern zu der Genfer Konferenz einer geschlosse- nen Führung der Reichspolitik Schwierigkeiten bereiten könnte. Die gestellte Frage selbst hat er, ohne diese Be- denken zu vertiefen, dahin beantwortet, daß er ange­sichts der Unsicherheit der gegenwärtigen politischen Lage, die für Deutschland allein schon durch die Stichworte Besatzungs- und Cntwaffnungssrage gekennzeichnet wird, und angesichts her unklaren Stellung, die den Partei- Vertretern in der Konferenz auch hinsichtlich ihrer Ent- schlußfreiheit und ihres Einflusses zufällt, in Ueberein- ftimmung mit Herrn Professor Hoetzsch bittet, von der .Berufung des Herrn Professors Hoetzsch in die jetzt zu bildende Genfer Delegation a b s e h e n zu wollen."

Also: Mitarbeit abgelehnt! Aber nachher: in Krrtik großzügig.

terstützung des Deutschen Kirchenbundes. Ebensv erscheint ein französischer Bericht über die Konfe­renz.

Beim Empfang der Versammlung des Fort- setzungsausschusfes der Weltkirchenkonferenz durch den schweizerischen Bundesrat versicherte Bundes­rat Chuard, daß der Bundesrat mit Interesse und Aufmerksamkeit die Bestrebungen der Konfe­renz verfolgt habe. Er habe dieses Interesse schon vor sechs Jahren beim Empfang des Weltbundes für Freundfchaftsarbeit der Kirchen zum Ausdruck gebracht. Diele Bestrebungen der Kirche verfolgten die Idee des Friedens und der Gerechtigkeit und verdienten daher volle Anerkennung der S t a a- t e n und V ö l k e r. In der Botschaft der Welt- kirchenkonferenz sei die hohe Bedeutung der Kon­ferenz von Stockholm aller Welt sichtbar geworden, denn darin liege ein neuer Geist, ein neuer Wille zum Frieden. Bundesrat Chuard sprach des­halb seine Freude darüber aus, daß die Schweiz auch den Völkerbund beherberge, der so eng mit diesen Bestrebungen verbunden sei. Insofern die Kirche praktisch an der Lösung der dringendsten Aufgaben unserer Zeit arbeite, helfe sie auch den verantwortlichen Regierungen für das Wohl ihrer Länder zu sorgen. Chuard erklärte zum Schluffe, er sei persönlich überzeugt, daß auch der Bundes- rat eine solche Mitarbeit von Seiten der Kirche schätze. Er wünsche der Konferenz einen vollen Er­folg.

Am Abend fand im Münster eine offizielle Er­öffnungsfeier statt. Ansprachen wurden gehalten u. a. von Dekan Herold (Schweiz), Professor Wil- fred Monod (Frankreich), Erzbischof Germanos (London), einem Vertreter des nationalen Patri­archats, Professor Deißmann, dem Erzbischof von Winchester und Erzbischof Soederblom, der zum. Schluß der Festgemeinde den Segen erteilte.