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Nr. 195.

Mittwoch, 25. Kugust 1926.

3nhrq. 53.

Erscheint sechsmal wöchentlich- Wochenbeilaaen: illustrierte Bei­lage- und Buchenblütter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda- Fernlvrecher Rr- 9.

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FuldaerZeüung

M Anzeiger für die Sfcibf und den Kreis Hulda. Amiliches Kreisblakl.

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Hindenburg an den Katholikentag

Jas WeiHrogrmnl -es Bölkerbun-srates

Der Mkrrbundsrat wird am 2. September in Genf zu seiner 11. Tagung zusammentre­ten, die während der ganzen Dölkerbundsversamm. lung dauern wird. Den Vorsitz wird Benesch- Tschecho-Slowakei führen. Dem Dölkerbundsrat wird in dieser Tagung der Bericht der von ihm ein­gesetzten Kommission zur Prüfung der Reorga­nisation des Völkerbundsrates, die be- tannthd) am 30. 8. in Genf zusammentreten wird, vorgelegt werden.

Unter den übrigen Punkten der vorläufigen Ta- aesordnung find zu erwähnen die Berichte über die Arbeiten der verschiedenen Kommissionen, die seit der Juni-Session des Völkerbundsrates getagt ha­ben, das heißt der Hygienekommission, der Mandats- kommission, der Finanzkommission, der Wirtschafts- Kommission und anderes mehr.

Der Dölkerbundsrat wird ferner Kenntnis neh- men von den Schlußberichten der Völkerbundsober, kemmissare in Wim und Budapest, die ihre Tätigkeit gemäß den in der letzten Session des Rates ge- ,Mten Beschlüssen eingestellt haben. Des weiteren -wird sich der Dölkerbundsrat mit der Frage der An­siedelung der griechischen und bulgarischen Flucht- bnge beschäftigen, die finanzielle Lage der freien Stadt Danzig prüfen und über die Maßnahmen be­raten, welche die Rrgierungskommission für das

aber gerade im Zeitalter der Demokratie nicht nur den Behörden ob, sondern ist Sache jedes ein- zelnen Staatsbürgers. Unter Demokra­tie versteht man allzuoft nur die Erwerbung grö­ßerer Rechte und Freiheiten, übersieht aber, daß die wahre Demokratie auch strenge Pflichter- f u l l u n g verlangt von denen, die die Rechte des Staatsbürgers erworben haben. Der Staat ist nicht etwas Fremdes, das Volk selbst ist der Staat. Vom Verhalten des Volkes hängt das Wohler- gehen des Staates und damit des Volkes ab Es ,st nicht staatsfördernd und national gehandelt, wenn man die bestehende Regierung unablässig hä- Mlsch kritisiert und herabsetzt, sich aber weigert, selbst mit Hand anzulegen, um den Wiederaufbau unseres zu Boden geworfenen Staatswesens zu fördern. Cs ist bequem und leicht, Kritik zu üben, wenn ein Volk durch den unglücklichen Aus­gang des Weltkrieges zusammengebrochen ist. Pflicht eines jeden national gesinnten Bürgers m es, nach bestem Können dafür zu sorgen, daß Wirtschaft und nationales Leben zu neuer Blüte gelangen. National ist es nicht, die Empfindungen derjenigen, die über die Einrichtungen des Staa­tes anderer Meinung sind, durch Hohn und Svott zu verletzen statt, wie die Not der Zeit es erheischt, alles Trennende zurückzustellen und gemeinsam alle Kräfte zum Wohle des Volkes anzuspannen. Na­tional ist es nicht, die mühsam aufgebaute staatliche Ordnung zu stören und zu verwirren, statt die nun einmal rechtsverbindlich zustande gekommene Ver­fassung zu achten und vor jeder Derunglimvfung zu schützen, mag man über ihren sachlichen Inhalt denken wie man will.

Auf der G e n e r a l v e r s a m m l u ng des Dolksvereins für das kath. Deutschland, die im Rahmen des diesjährigen deutschen Katholiken­tages am Dienstag vormittag stattfand, führte Reichskanzler Dr. Marx in einer Rede u. a. aus: Wie wenig findet man den Geist wahrhafter Staatsgesinnung in unserem Volk vertreten. Man spricht soviel vom.Geist der D e m 0 k r a t i e und freut sich, daß sie zum Sieg vorangeschritten ist, aber vom wahren Geist demokratischer Zusam­men- und Gemeinschaftsarbeit verspürt man unge­mein wenig. Der Geist des Individualis­mus beherrscht noch zu sehr die einzelnen Kreise unseres Volkes, ein Individualismus aber, der jeden Gemeinschaftssinn ertötet und erstickt. Er- Neuerung des Gemeinschaftssinnes muß eine vornehmliche Aufgabe aller derjenigen fein, denen die Pflicht obliegt, für das Wohl des Vol­kes und des Staates zu sorgen. Diese Pflicht liegt

Der Herr Reichspräsident v. Hindenburg hat auf das Ergebenheitstelegramm, das der Ka- tholikentag an ihn gerichtet hat, folgende Antwort übermittelt:

„Der 65. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands danke ich für die freundlichen Grüße, die ich h e r z l i ch st e r w i d e r e, und für das Ge- löbnis der Treue und Mitarbeit, das ich gern ent­gegen genommen habe. Möge ihre Tagung guten Erfolg haben und dazu beitragen, den Geist gegen- fettiger Verständigung und gemeinsamer Hingabe an das Vaterland zu stärken und zu verbreiten, gez. v. Hindenburg, Reichs­präsident."

Saarg'biet zur Sicherung der Transport- undTran- fitfreiheit auf den Eisenbahnen des Saargebiets ins Auge gefaßt hat.

•

Der auswärtige Ausschuß des Reichs­tages ist von feinem Vorsitzenden nunmehr endgültig auf Donnerstag, den 26. August, 10 Uhr vormittags, einberufen worden. Auf der Tagesordnung steP die Entgegennahme einer Erklärung der Reichs- regierung über die gegenwärtige außenpolitische Lage-

französisch-polnische Lustrüstungen.

wtb. London, 24. Aug. (Eig. Funkm.) „Daily News berichtet, in Frankreich würden Riesen­flugzeuge für die Armee gebaut. Ein Apparat sei bereits abgeliefert worden und etwa ein Dutzend andere würden folgen. Auch die pol- nische Regierung habe einer polnischen Flugzeug­fabrik einen Auftrag auf 100 neue Militärflugzeuge gegeben. Diese Tatsache und in Verbindung damit die Transporte stanzösischen Kriegsmaterials nach Polen überraschten, und die Anweseicheit eines französischen Flottengeschwaders in den baltischen Gewässern verursachte beträchtliche Neun- ruhigung in den Randstaaten und in Deutschland.

in

Ein neues deutsches Waffengesetz.

Kontrolle der Kleinkaliberbüchsen.

Wie eine Korrespondenz mifteilt, wird der Ent- Wurf der neuen Gesetzes über Schußwaffen und ^chreßbedarf einige wichtige Erweiterungen er- wvren. Während bisher nur für die Führung von Schußwaffen an öffentlichen Orten ein Waffen- erforderlich war, wird nunmehr der Besitz von Waffen überhaupt von der Erteilung einer Erlaubnis abhängig gemacht. Auch Kleinkaliber- vuchien dürfen nicht ohne Waffenschein er- worben werden. Außerdem werden die Führung Kleinkaliberwaffen durch politische Organi- folT,*e das Abhalten von Schießübungen ""»»arischer Form verboten werden.

ftus dem fernen Osten.

Ernste Lage in Schanghai.

Meuter meldet aus Schanghai: Die Lage in .Eiterkreisen wird infolge des Ver-

Po^t, die am 13. August gegen Der . ttcx?u8 eingeschritten ist, immer ernster, feien „ » dehnt sich auf die japanischen Spinne- den nnT' Mehrere Europäer und Japaner tour- $r3h;„1^Stiffcn- Der Tupan (Gouverneur) der sicht ™ proklamierte das Standrecht mit der Ab- wist.^Egen die chinesischen Bolsche- n strenge Maßnahmen zu ergreifen.

Japans neue Auswanderungspolttik.

bigunn 30ti° wird gemeldet: Bei der Ankün- tortfero» r Eröffnunug der Süd-Pacifichandels- beä ?.m 11. September erklärte ein Mitglied ferne L/v^föen Auswärtigen Amtes, Japan habe ’Wtftbe» *mte ^luswanderungspolitik umgestoßen, früheren ^die Zwecklosigkeit und die Torheit seiner zu send. Bemühungen, seine Bevölkerung dorthin sehen sie nicht gewünscht werden, einge- k a i d 0 ~ Japan beabsichtige in Zukunft H 0 k- ungen ?°rmosa und seine anderen Besitz- 9Iu$WnhJ5Onifierttt- Es beabsichtigt jedoch nicht, deren Australien, Kanada oder an-

seine ^ä^ern zu entsenden, da c5 erkenne, daß viel snJfr $c Politik viel Schwierigkeiten und tik sei j^^ng verursacht habe. Japans Poli- tebefr.nk®1’ jcn Handel mit anderen Ländern, ^lvndere denen im Süd-Pacific zu ver-

bessern. Die Vorlage, die das Einwanderungs- pwgramm nach Hokkaido enthält, wird dem Land­tag in seiner kommenden Tagung vorgelegt werden.

Vie Lage in Mexiko.

Nach der Unterredung zwischen Präsident und Bischöfen.

Aus Mexiko wird gemeldet: Ein besonderer Ausschuß von zehn Erzbischöfen und Bischöfen aus verschiedenen Teilen Mexiws beschäffigt sich unter dem Vorsitz des Erzbischofs Moray bei Rio mit der vom Episkopat int Kirchenstreit weiter einzunehmenden Haltung. Wie verlautet, hat der Ausschuß durch, Vermittlung des päpstlichen Le­gaten Curuana in Havanna dem Vatikan einen eingehenden Bericht drahtlich übermittelt. Wie an­genommen wird, werden alle weiteren vom Epis- dpat in der Frage der Registrierung der Geist­lichen und der Wiederaufnahme des Gottesdienstes zu unternehmenden Schritte von der Antwort des Papstes abhängen. Der Plan, entsprechend der Anregung des Präsidenten Calles eine Ab- änderung der auf die Kirche bezüglichen Der- fassungsartikel anzustreben, besteht in bischöflichen Kreisen unverändert fort. Von Persönlichkeiten, die der hohen Geistlichkeit und der Regierung nahe- stehen, wird versichert, daß der versöhnliche Geist, der im wesentlichen die Konferenz zwischen Calles und den Prälaten beherrscht habe, geeignet sei, zu einem Uebere inkommen zu führen, bei dem beide Teile ihre Würde gewahrt wissen könnten.

Iuwelendiebstahl in Warschau.

wtb Warschau. 24. Aug. (Gig. Funkm.) Ein im Hotel „Europe" befindliches Iuwelengeschäft wurde gestern mittag von Dieben mit Nachschlüs­seln geöffnet. Es wurden Juwelen aus dem Aus­lagefenster sowie den Auslagekästen im Werte von 10 000 Zloty gestohlen. Der Diebstahl erregt gro­ßes Aufsehen, weil das Hotel und seine Umgebung ständig von uniformierten und nichtuniformierten Polizisten bewacht wird, da im Hotel mehröre Di­plomaten wohnen und weil sich dem Hotel gegen­über das Platzkommando befindet.

Das Ende des Diktators.

Der griechische Diktator gefangen gesetzt.

Er kommt als gemeiner Verbrecher vor Gericht.

Zur Umsturzbewegung in Griechenland schreibt per „Temps", sie werde keine Ueberrafchung für die­jenigen bedeuten, die aufmerksam die Ereignisse, die sich feit mehreren Wochen in Griechenland abspiel- ten, verfolgt hätten. Wenn die Diktatoren gegen jede Vernunft und gegen jedes Recht die Gewalt in etn Regierungssystem zu bringen sich anjchickten, hätten sie schließlich gegen sich die Koalition sämt­licher nationalen Rankünen. Das fei in Griechen, land der Fall gewesen. Die Armee habe Pan- galos zum Diktator erhoben, die Armee hab: ihn wieder gestürzt. Sein Sturz sei umso tiefer, }e schneller fein Aufstieg erfolgt fei. Niemand könne gegenwärtig sagen, welches das Regime von Mor­gen fein werde. Es fei aber höchste Zeit, daß das griechische Volk sich aufraffe und sich bemühe, seiner politischen Organisation solide und dauerhaft: Grundlage zu geben.

Das „Journal des Depots" erklärt, nichts stehe auf schwächeren Füßen als eine Diktatur, die sich einzig und allein auf das Heer stütze. Die M i l i - t ä r a n a r ch i e sei die g e sä h r l i ch st e Form der Unordnung. Die griechischen Politiker seien wegen ihrer Unfähigkeit und ihrer Streitig- keiten zum großen Teil an den Mißständen in Grie- chenland schuld. Pangalos hätte an die demnäch- fhge Wiedereinführung eines normalen Regimes denken muffen. Er habe aber leider für feinen eTn<?rrK0'2n Gewinn und für den einer kleinen An- Sahl Anhänger gearbeitet, deren Gefangener er bis- wo°len gewesen zu sein scheine. Er habe kein Pro­gramm gehabt. Die Tatsache, daß General Eon- dilis den früheren Präsidenten der Republik zurück- gerufen habe, erlaube er die Hoffnung, daß er die Absicht habe, rasch zur verfassungsmäßigen Legalität zuruckzukehren. Griechenland werde sich nur dann wieder erheben, wenn es aus der Aera des Pro- nunciamento herauskomme.

Eine Meldung der „Agence d'Athenes" besagt: Pangalos, der beim Versuch, nach dem Auslande zu flüchten, mit feinem Adjutanten Catzaros und Tsigantes verhaftet wurde, befindet sich in Athen im Militärspital. Er wird mit den ehemals- gen Ministern Tavoularis, Tantalides unter an­

derem wegen gemeiner Verbrechen von dem obersten Gerichtshof a b-g eu r t eil t werden. In einer großartigen Kundgebung brandmarkte das Athener Volk die abscheuliche Tyrannei und faßte einen Beschluß, der eine verdiente Strafe gegen diejenigen fordert, die die heiligen Recht» des Volkes vergewaltigten. General Kondylis be­tont in einer Rede, fein Ziel fei die vollständige Wiederherstellung der bürgerlichen Frei­heiten und die Rückkehr des Landes zu einem Formalen Zustande. In Saloniki und anderen Städten haben Volksversammlungen ähnliche Be­schlüsse gefaßt.

Zum griechischen Gesandten in Belgrad soll laut „Politika" Venizelos ernannt werden.

Alle internationalen Verträge suspendiert.

Der „Politika" in Belgrad wird aus Athen ge­meldet: Admiral Kondurioiis hat die Durchführung sämtlicher von dem gestürzten Regime ab­geschlossenen internationaler Verträge suspendiert. Unter ihnen befindet sich auch ber griechisch- jugoslawische ’ Freundschaftsvert rag und die Konvention betreffend Saloniki.

Stahlhelm und Beamteneid.

,Wie der Vorwärts meldet, hat der Regierungs­präsident von Merseburg Grühner bei dem preußi­schen Minister deS Innern den Antrag gestellt, den Beamten die Zugehörigkeit zum Stahlhelm mit Rück­licht auf die schweren Beschimpfungen der Reichsverfassung in dem Stahlhelm-Organ der „Standarte" zu verbieten, weil die Zugehörigkeit zum Stahlhelm mit dem preußischen Beamteneid nicht vereinbart werden könne.

Der Regierungspräsident von Merseburg hat ferner den Polizeipräsidenten von Halle und die Landräte angewiesen, unverzüglich gegen die stu- dentische Mensur einzuschreiten.

Deutsches Reich.

* Ministerpräsident Brann im Urlaub. Der preußische Ministerpräsident Braun bat einen mehr­wöchigen Urlaub angetreten. Die Vertretung hat als ältester Minister Dr. Am Zehnhoff über­nommen.

Die Luftfahrt im besetzten Gebiet!

Der Relchskommiffar für die besetzten rheinischen 'n Koblenz teilt folgendes mit: Nachdem Deutschland und Frankreich sich durch fein beson- bereä Abkommen gegenseitige Erleichterungen für Pf” zugestanben haben, hat nunmehr

bte Interalliierte Rheinlandkommisfion in Koblmz durch ihre Ordonnanz 309 vom 17. August 1926 das bisherige Verbot für deutsche Flieger auf- SLoben Ferner hat sie die bisher für die be­setzten Gebiete fuspendierten deutschen Gesetze über bte Luftfahrt für bte rheinischen Gebiete zugelassen. Von jetzt an bürfen deutsche Flieger also über das besetzte Gebiet fliegen. Sie bedürfen jeboch hierzu ber vorherigen Genehmigung der Rhein- landbommission. Diese Erlaubnis wird an Lust- Verkehrsgesellschaften zum Betrieb tron festen Luft- Unten durch eine Kollektivgenehmigung auf den Namen der Gesellschaft und mit Gültigkeit für be- fttmmte Zeit erteilt. Einzelne Flieger müssen um eine auf den Namen des Fahrers lautende Ge-

nehmigung bei der Rheinlandkommission nach­suchen. Dies gilt auch für den fo genormten <5 e g e I- flug. Hier besteht insofern eine Erleichterung, als die Genehmigung für eine Sportgruppe kollektiv erteilt werden kann. Die Errichtung von Flug­plätzen bedarf ebenfalls ber vorherigen Geneh­migung. Freiballonfahrten sind ohne be­sondere Erlaubnis gestattet. Die Beförderung von Waffen und bergl. durch Flugzeuge ist verboten. Der Transport und die Beförderung von Bildgerät muß besonders genehmigt werden. Die militärischen Landungsplätze dürfen nur als Notlandungsplätze benutzt werden. Die Verordnung 80, durch welche bisher das Ueberfliegen des besetzten Gebietes für Deutsche verboten war, ist aufgehoben. Der Wort­laut der Verordnung 309 wird alsbald im Mit­teilungsblatt des Reichskommissars veröffentlicht werden, das durch alle Postanstalten zu beziehen

Das wirtschaftliche Locarno.

Von einer sehr beachtlichen internationalen wirt­schaftlichen Seite wird uns geschrieben:

Als im Juni der Völkerbundsrat in Genf tagte, da genehmigte er u. a. auch einen Beschluß des vor- bereitenden Komitees der großen Wirtschaftskonfe- renz, in dem die Einberufung einer Konferenz der großen Notenbank angeregt wurde. Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß die notwendigen Vorbereitungen mit allem Eifer be­trieben werden.

Zu einer Zeit, da der französische Franken feine Abwärtsbewegung mehr und mehr verschärfte, traf der Gouverneur der'Federal Reserve Bank in New- york, Mr. Strong in London ein; unmittelbar nach feiner Ankunft reifte auch schon der Generaldirek­tor im französischen Finanzministerium, I. Rar- mentier, nach London. Im Laufe des Juli begab sich Mr. Strong an die Riviera mit dem Leiter der Bank von England, Montagne Norman. Zu den beiden Geldstrategen gesellte sich dort noch der Ge­neralagent für Reparationszahlungen in Deutsch­land, Parker Gilbert. Auf seiner Rückfahrt nach London machte der GouverUuer der Bank von Eng- land in Paris Halt, um dort mit Morceau, dem neuen Gouverneur der Bank von Frankreich, zu- fammenzutreffen. In der Zwischenzeit ist auch noch der Sekretär des Schatzamtes der Vereinigten Staaten, Mellon, in Cherbourg eingetroffen. Mr. Morgan befindet sich „zufällig" im Mittelländischen Meere. Mellon hält sich augenblicklich in Rom auf, edo er mitMussolini, dem Grafen Dolpi tagelange Konferenzen hatte.

lieber den Inhalt der Verhandlungen hat sich die italienische Presse bisher ausgeschwiegen. Doch versichern Kreise, die Mellon nahestehen, daß es sich um Vorbesprechungen für ein „ökonomisches Locarno" handeln dürfte. Diese Annahme gewinnt umsomehr an Wahrheit, als jetzt auch zwischen dem Präsidenten der deutschen Reichsbank Dr. Schacht und Mr. Strong eine Zusammenkunft, und zwar in Scheveningen, erfolgt ist.

Die in Genf und schon früher in Genua (1922) vorgeschlagene Konferenz ber großen Notenbanken ist danach vielleicht näher, als man in der Deffent» lichkeit annimmt, und es erscheint wahrscheinlich, daß sich die einflußreichste Gruppe von Männern, die es in Europa und vielleicht in der ganzen Welt gibt, zufarnmensetzen wird, um das europäische Währungsproblem zu lösen. Sowohl die Englän­der, wie auch die Amerikaner und Dr. Schacht ver­treten hierbei die Ansicht, daß die endgültige Rück­kehr zur Goldwährung eine Notwendigkeit ist.

Die größte Schwierigkeit auf dem Wege zur Wiedereinführung des Goldstandards liegt augen­blicklich bei F r a n k r e i ch. Die Bank von Frank­reich genießt nicht jene Unabhängigkeit von der Re­gierung, die nach angelsächsischer Auffassung Vor­bedingung für eine dauernde Stabilisierung ist. Solange dieser Zustand andauert, kann ein Wieder­aufbau nicht erfolgen.

Nach den Vorgängen in den letzten Wochen er­scheint es jedoch mehr als zweifelhaft, daß sich die französische Regierung ihres Einflusses auf die No­tenbank begibt. Der Beschluß Poincares, die Ra­tifizierung der Schuldenabkommen mit Amerika und England, ist vorläufig nicht zur Sprache zu bringen. Wohl sprechen wichtige Gründe für die Annahme der Schuldenabkommen, denn das fran­zösische Währungsproblem setzt sich aus drei Kom­ponenten zusammen: Ordnung des Staatshaus­haltes, Konsolidierung der schwebenden Staats­schuld und Regelung der internationalen Schulden. Doch Frankreich glaubt aus sich heraus im­stande zu fein, das Frankenproblem aus eigene! Kraft zu lösen — Frankreich werde es schon selbst machen! London und Newyork aber haben m jederzeit in der Hand, den Frankenkurs zu werfen: sie werden die Ratifizierung der Schuldenabkom- men eben erzwingen. Die große Finanzkonferery wird daher auf alle Fälle kommen. Frank­reich kann die große Finanzkonferenz verzögern aber verhindern kann es sie nicht.