Beilage zur Fuldaer Zeitung Nir unsere Frauenwelt.
Nr. 190 vom 19. Kugust 1926.
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Gerhard Wiegand
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Giftige Pilze zu erkennen!
Wieder ist die Pilzzeit da und es entsteht bei der Hausfrau die Frage: wie erkenne ich giftige Pilze von den Eßbaren. Und es gibt auf diese Frage nur eine einzige Antwort: Mit einem Pilzkenner hinaus- wandern und suchen. Alle anderen Erkennungszeichen sind trügerisch. Kein silberner Löffel zeigt die Giftigkeit eines Pilzes an und das Blauwerden der Schnittfläche eines Pilzes ist kein Erkennungszeichen für feinen Gift- gehalt. Auch alle die anderen Hausmittelchen, wie was- fern in Uoraxwasser, Abkochen mit Soda ufw., sind ab- wegig und gefährlich dazu. Nur gewissenhafte Kenntnis der Einzelmerkmale der verschiedenen Pilzsorten schützt vor Verwechslung und bewahrt vor lebensgefährlichen Irrtümern. Das fei unseren Hausfrauen noch einmal mit besonderer Deutlichkeit gesagt: Kinder sollte man niemals mit dem Sammeln von Pilzen beauftragen, es fei denn, daß man das Sommelergebnis Stück für Stück durchsieht.
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ttinderstübchen.
Don Friedrich Marx.
Wie in Gottes Kirche trete ich ins Kinderstübchen traut, und zum innigiten Gebete wird mir Kindes Stammellaut.
Äug' der Unschuld, fromm erhoben, bist mir, was dem dunklen Tal heiloerkündend, glanzgewoben, ist der goldne Morgenstrahl!
Himmelssegcn auf die Lippe fühl' ich und ins Herz mir tau'n, gleich den Hirten an der Krippe, hingesenkt in süßes Schau'nj
Drei, Zwilch, Tarpauling blaugestreift
1, IV, und 2 Ztr. fassend.
verstehen können, daß es Frauen gibt, die einige frische Blumen in ihrer Wohnung vermissen wollen, nur we > ein wenig Mehrarbeit damit verbunden ist. Daß man aber anstelle der lebenden Kinder Floras entsetzlicke künstliche Blumen in unmöglichen Vasen und Be- hältern aufstellt, die dazu noch ungesunde Staubfänger sind, stört viele dieser Hausfrauen nicht im geringsten. •
Daß zur Wohnungspflege vor allem aber auch Orb- nung gehört, wollen wiederum viele Hausfrauen nur schwer einsehen. Wohl scheuert man die sog gute Stube, doch auch in der Küche etwas Ordnung zu machen fällt vielen Hausfrauen im Traume nicht ein. Da wird das benutzte Geschirr in malerischem Durcheinander auf Tische, Schränke und Anrichten verteilt, man läßt es stundenlang uugefpült ftefjet. und wundert sich dann vielleicht noch, daß di« Wohnung einen muffigen Geruch annimmt, daß man die einzelnen in einem Hause wohnenden Familien an ihrem ihnen eigenen, ganz spezifischen Geruch erkennen kann, wenn nur die Flurtür einen Augenblick geöffnet wird
Pflegliche, d. h. auch hygienische Behandlung der Wohnräume, scheint es mir auch nicht zu sein, wenn in der Wohnung allerlei Dinge getrieben werden, die nicht hinein gehören .Ich denke da an das Hatten von Tieren, die über den Vegrist des Hausiieres hinausgehen, wie Hafen, Kaninchen, Gänse, Tauben, Hühner und Schweine. Dinge, die vielfach aus der Kriegszeit übrig geblieben sind veberhaupt sollte man in der Wohnung alles unterlassen, was ihren Zustand zum Nachteil verändern kann.
Nicht im Interesse des Hausbesitzers allein, sondern vor allem um deswillen, weil man ja selbst in der heuti- gen Zeit der Wohnungsnot jahrelang in der gleichen Wohnung bleiben muß. Es gehört sich deshalb auch nicht, daß in der Wohnung Holz gespalten und Wäsche gewaschen wird, wenn zu diesem Zweck betontere Räume vorhanden sind. Schließlich gehört zur pfleglichen Behandlung der Wohnung auch noch die rechtzeitige Ausbesserung kleiner Schä- den, die anfänglich mit ein paar Pfennigen repariert werden können, später aber oftmals viele Mark erfnr- derlich machen.
in längeren Ausführungen sehr entrüstete und Alexander Severus (146—211 n. Ehr.) verbot sooor das 'ragen von Ohrringen.
3m Mittelalter, besonders durch die Golbfchm-eg:- zünfte bewirkt, wurden die Ohrringe wieder sehr beliebt, allerdings nur bei Frauen, welche auf Kostbarkeit, Feinheit und Zierlichkeit des Schmuckes großen Wert legten unter Bevorzugung von Gold. Silber, edlen Steinen, Perlen, Korallen, meist unter Aul-b - m i an die Muster der Vergangenheit und des volkstümlichen Schmuckes (nordisches und italienisches Gold unn Silier- filigran, Emailleschmuck der Renaisiaueezeit, orientoli- scher Münzenschmuck) weniger unter Nachahmung de? Ohrenschmuckes von Völkern, die noch Nationaltrachten tragen, wie Schweden. Norweger, Russen und Italiener.
Die heutige moderne Fr.iu verlangt als Ohrring die zierlich schaukelnde Perle an leichter Kette, grschmack- voll und sicher ausgewählt, selbstveestätidlich ohne bara- barisch-monströse Form.
Don der pflege der Wohnung.
Von Hilde H e g e m a n ■» • Heidelberg.
Auch richtige Wohnungspflege will verstanden sein. Manche Frau glaubt schon genug getan zu haben, wenn sie ihre Wohnräume sauber hält, wenn sie Staub wischt und putzt, oft sogar mehr, wie es dem gestrengen Herrn Gemahl und den Kindern lieb ist. Aber dar nenne ich nicht Wohnungspflege. Unter Wohmmgspflege ist vor allem jenes Talent zu verstehen, das es manchen Frauen gestattet, mit wenig Mitteln eine Wohnung gemut- l i ch, sie zum Heim zu machen. Ich habe es z. B. nie
Zweckmäßige Kinderkleidung.
Von Erna Recke- Braunschweig.
Gerade auf dem Gebiete der Kinderkleidung wird von unseren Müttern oft noch unbewußt gesündigt. Es ist menschlich begreiflich, daß sich jede Mutter bemüht, ihre Kleinen möglichst schön anzuziehen und die Keinen Modeäfschen, die man auf der Straße manchmal sehen kann, geben Zeugnis davon, wie stolz ihre Mütter auf sie sind. Aber fragt diese Kleinen einmal selbst, ob sie sich in ihren Kleidchen aus Samt, Seide, Brokat und allerlei anderen kostbaren Stoffen, die erwachsene Frauen früher nur vom Hörensagen kannten auch wohlfühlen. Ich glaube kaum. Ein Kind hat z. B. bei Spaziergängen gar nicht die Geduld, fein sittsam hinter der Frau Mama herzulaufen, es will springen, sich austollen und seine Jugend in unbändiger Freude genießen. Da sind kostbare Kleider, auf die man fortgefetzt achtgeben muß, durchaus ungeeignet. Ein Waschkleidchen, das in wenigen Minuten in etwas warmem Wasser und Seife von allem Schmutz befreit ist, tut die gleichen Dienste und sieht mindestens ebenso sauber und gefällig aus, wie das Kleidchen aus Seide. Und bann eine Frage: Muß es denn überhaupt ein Kleidchen fein? Für unsere Zwei- bis Fünfjährigen tut doch bas buntfarbige Spielhöschen bie gleichen Dienste unb ist um deswillen so bequem, weil man auf all den zeitraubenden Kleinkram wie Unterröckchen, Höschen, Leibchen usw. verzichten kann. Ueberflüssig sind im Sommer aud; Strümpfe. Ein paar Ledersanbolen, bie gut passen, genügen vollkommen Man kann sie sogar zur Not draußen im Freien ausziehen, zumal es bei solcher Kleidung Schelte für Schmutzigmachen nicht mehr gibt. Auch das Kleinkind, vor allem aber den Säugling, wird die verständige Mutter vom überflüffigen Kleiderballast befreien. Strampelfreiheit heißt die Forderung unserer modernen Säuglinge. Das feste Einpacken in Einschlagtücher und Decken, dazu noch ein Dierteldutzend Win-, dein und womöglich noch bie Gummihose, grenzt hart an Quälerei: kein Wunber, baß viele Säuglinge im Som» mer fortgesetzt schreien! Die Hitze ist ihnen unerträglich. Die Mütter sollten sich übrigens vor Erkältungskrankheiten bei Kinbern nicht fürchten. Ein einigermaßen naturgemäß erzogenes Kind erkältet sich nicht sehr leicht, selbst an Tagen nicht, bie wir als kühl zu bezeichnen pflegen. Für Erkältungskrankheiten anfällige Kinber sind meist solche, die unzweckmäßige Kleidung dazu vorbestimmt.
Frauen und Mode
f. Schlank bleibt Trumpf auch für Herbst und Winter 1926-27. Die weit gehaltenen Kleider zeigen reiches Plissee und tief eingelegte Falten. An die Stelle des schlichten Kleidchens tritt das reichgarnierte, äußerst komplizierten Schnittes. Auch die reichausgeputzte Ueberkleidung erreicht durch komplizierten Schnitt famose Wirkungen. Sie müssen sich sofort einen Ueberblick über all diese recht kleidsamen Neuerungen verschaffen! Der im Verlag Otto Beyer, Leipzig erschienene Beyer, Modeführer, Herbst und Winter 1926-27 Band 1, Damenkleidung (über 300 Modelle, großer doppelseitiger Schnittbogen) ist der beste Berater der Frau, die modisch geleitet fein will, mit ihrem Garberobegelb aber aus. kommen muß! Er ist für 1,50 Mark überall zu haben.
Die . Frau und der Ohrring.
Kulturgeschichtliche Plauberei von August Kruhm.
„Iubith leit fröhlich Gewanb an unb Singerlein unb Ohrring."
Der Ohrring als Schmuckstück ber Frau ist uralt Schon Eva soll Ohrringe getragen hoben zum Zeichen ihrer Hörigkeit vom Manne, eine Ansicht, hie wir auch bei ben Arabern finben, beim bei ihnen heißt „den Ring des Gehorsams im Ohr tragen" sich unter fremden Willen unterwerfen.
Homer berichtet von einem glänzenden Gehänge, bas bie Ohrläppchen Junos schmückte. Die griechischen Frauen trugen bie Ohrringe als Symbol adliger Ab- ftammung, während dieselben bei ben Phöniziern ein Zeichen ber Knechtschaft waren. Aegyptische Gräberfunbe zeitigten Ohrringe in Form großer gotbener Reifen unb bei ben Völkern bes alten Testamentes spielt ber Ohr- ring eine überaus wichtige Rolle. Rebekka trug von V» Lot Gewicht aus Golb unb im 8. Kapitel bes Buches der Richter wagt Gideon an bie Israeliten bie Bitte: -Gebet mir bie Ohrringe von Eurer Beute," unb sie breiteten einen Mantel auf bie Erbe unb warfen herauf bie Ohrringe von ber Beute unb das Gewicht ber geforderten Ohrringe war taufend unb 700 (Settel Gol- bes ohne bie Zierraten unb Halsgehänge unb Purpur- Keiber, welche bie Könige Mibians zu tragen pflegten unb ohne bie goldenen Halsbänder ber Kamele. Zu dem Guß bes golbenen Kalbes, ber im 32. Kapitel bes 2. Buches Moses geschilbert wirb, trug man samt- liche Ohrringe bes Volkes auf Veranlassung Aarons herbei, was beweist, in welchen Mengen bie Ohrringe damals bei Frauen unb Männern vorhanden warm.
Man schrieb von altersher dem Ohrring über- irdische Kräfte zu, man glaubte durch das Tragen desselben ein Mittel zur Abwehr von Srnnfheit,»n zu besitzen (weshalb Schiffer, Hirten und Landleute sie vielfach heute noch tragen). So war dieser Schmuck bei den Indern, den Babyloniern. Metern, Persern, Arabern, Hebräern, bei den alten Galiläern unb (Birmanen. bei beiden Geschlechtern im Gebrauch, da alle diese Völker dem Ohrring die Kraft von Amuletten unb Talismanen zuschrieben unb sie für geeig iet hielten, Zaubertöne vom Ohr fernzuhalten. Bei vielen Urvöl- kern wurde daher die Zeremonie des Dhrrti!giartf2g’ns feierlich begangen, der Akt des Ohrlöcherstehens um Tage ter Namensgebung des Kindes, meist am 30. Tage nach der Geburt, war stets ein 3eft unb ter hnu ans- erfehene Schmuck, meist aus Metall, Knochen, Mu- schein. Korallen, auch Bronze, Go'b und Kupfer, war mit geheimnisvollen Zeichen bedeckt.
Guter Rat für Ehemänner.
von Clara Niesse n-Odenkirchen.
Es war am Abend, als Peter von feiner Arbeit ermüdet und schlecht gelaunt nach Hause kam: er sand seine Frau ebenso schlecht gelaunt unb ebenso ermübet wie sich. Mit mürrischer Miene ließ er sich am Fenster auf einem Stuhle nieder, während sie selber das Abendessen fertig machte Als das Essen aufgetragen war, sagte sie zu ihrem Manne: „Komm!" in einem so falten Tone, daß er nahe daran war, ihr ein bitteres Wort zu sagen. Still setzte er sich zu Tisch.
Das Essen mar gut zubereitet unb Peter würde es sich gut haben schmecken lassen, wenn er auf bem Gesicht seiner Frau nur einen Strahl ber Zusriebenheit ge- sehn hätte: aber sie zeigte gar fein Vergnügen ihn wie- derzusehen.
Als er temerfte, baß sie nichts zu sich nahm, wollte er zuerst fragen, ob sie nicht wohl sei, aber da er sürch- tete, eine unangenehme Antwort zu befommen. schwieg er lieber. Das Abenbessen verlief, ohne baß ein Wort gesprochen wurde. Dann räumte bie Frau ben Tisch ab unb legte die Decke barauf. Wie kann man bas aushalten, sagte ter Mann, welcher mit beiten Hän- ben in ben Taschen, im Zimmer auf unb ab ging. Hier ist es beiläufig so luftig wie in einem Gefängnis. Er fetzte sich unb zog aus seiner Tasche eine Zeitung. Der erste Artifel, ter ihm in bie Augen fiel, lautete: „Lobe deine Frau!" Ja, wenn man nur Grund dazu hätte, sagte er sich: aber er fuhr fort zu lesen: „Lobe deine Frau, ermutige sie ein wenig: das wird ihr auf feinen Fall schaden! „Ja, bas ist gut," sagte Peter mit feiner verdrießlichen Miene, „sie macht aus meinem Haus ein Fegefeuer!" Er fuhr fort zu lesen: „Wenn du findest, daß du feine Veranlassung zu einem Lobe für sie hast, f° lob sie wenigstens aus Mitleid. Sie erwartet es mcht unb bas wirb ihr wohl tun unb auch dir!" __
Diese Zeilen schienen gerate für Peter geschrieben zu sein. Es ist wahr, tagte er zu sich, du hast ihr noch nie ein Wort des Banfes ober ber Ermutigung gesagt.
3n diesem Augenblick setzte sich seine Frau an ben Tisch mit ihrer Arbeit, einem Hembe, welches sie für ihren Mann nähte.
„Wie du das so hübsch machst, Marie!" sagte er auf einmal. Es schien ihm, daß sich das Gesicht seiner Frau aufheiterte.
„Meine Hemden sind schöner, als die aller anderen Mitarbeiter."
„Wirflich sagte bie Frau, welche nun testo eifriger J» nähen fortfuhr. Das Eis war gebrochen.
„Ja, Marie," antwortete er in zärtlichem Tone, „man hat mir schon oft gesagt, daß ich eine sehr gute Frau haben müsse."
vei diesen Worten erhob sie ihre Augen. „Unb du, glaubft du das auch?" smg sie trocken.
„Was für eine Frage Marie, was für eine Frage," tagte er, ihr näher tretend.
glaubst du es auch?" wiederholte sie in demselben
„Sfber ja Marie," sagte er mit dem Ausdruck inni- ger Zärtlichkeit. „Wie kannst du mich so etwas nur fragen? Und indem er sich zu ihr neiaie. küßte er si
chrer Heimat mitbrachten, oter als Ab--ichm Standes. In der römischen Kaiserzeit wurde mit Ohrringen ein wahrer Luxus getrieben. Man berichtet von kost- baren Perlenohrringen, „Uniones* genannt, anfangs nur als einzelne wertvolle Perle unb nicht .'ls Paar im Ohr getragen, späterhin als „(frotalii", b. h. als Gehänge von brei bis vier aneinanberarr»;’-'"-* Serien welche bei jeder Bewegung der Trägerin ein lei les Ras-
Die Griechen kannten Ohrgehänge nur Schmuck des weiblichen Geschlechtes, ebenso auch die Römer, wo nur bie Sklaven in bem durchbohrten Ohr einen Ring trugen, entweder weil sie diese Sitte aus
„Wenn du es mir nur manchmal sagen wolltest. Peter, bas würbe mir wohl tun." Unb sie lehnte ben Kopf an bie Schulter ihres Mannes.
Jetzt ging bem Peter ein Licht auf. Er verstaub, bafi ferne freue Gefährtin an feiner Liebe gezweifelt hatte, unb daß sie deshalb unglücklich war.
„Du bift eine gute Frau, Marie," sagte er wieder. „Ich liebe dich und habe feinen größeren Wunsch, als dich glücklich zu wissen Wenn ich dich zulricten 'sehe, scheint mir bas Haus ein Parabies zu fein."
"Weich' ein Glück, dich fo reben zu hören, Peter," antwortete sie unter Tränen lächelnd. „Cs scheint mir, wie wenn ich nie mehr betrübt sein tonnte."
So zerstreute Peter mit wenig Worten bie Wolfen, bie seinen Herb zu oerbunfeln brohten.
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