3af)tg. 53.
Mittwoch, IS August 1926
fit. 189
Das Ende der Pntschpolitik?
Mexiko und Rom
Der Auswärtige Ausschutz tagt.
wtb Berlin. 17. Aug. (Eig. Funkm.j. Der Vor- itzende des Auswärtigen Ausschusses des Reichs- ages, A b g. Hergk, hat nach Besprechung mit !>em Reichsminister des Auswärtigen für Ende des Monats, voraussichtlich Donnerstag, den 26. Aug., vormittags 10 Uhr, eine Sitzung des Auswärtigen Ausschusses zur Entgegennahme von Erklärungen der Reichsregierung über die gegenwärtige außenpolitische Lage, insbesondere auch über die dringlichen Fragen der bevorstehenden Tagung des Völkerbundes, in Aussicht genommen.
immer die Republik zu retten glauben, wenn sie möMchst nft den Kampfruf erschallen lassen: Die Republik ist in Gefahr! Aber etwas Anderes ist es. Es gilt, nichts zu tun, um die Hoffnungen der Gegner der Republik unb der Verfassung wieder aufflammen zu lassen. Das haben die Parteien selbst in der Hand, die es ehrlich mit der Republik meinen. Machen sie eine entschlossene Politik und stellen sie sich dem republikanischen Gedanken zur Verfügung, so ist damit zu rechnen, daß die Festigung des neuen Staatsgedankens sehr rasche und entscheidende Fortschritte macht. Loebell hat darauf hingewiesen, die Parteien der Republik seien gefestigter als die Rechte, und er hat einen besonderen Appell an das Zentrum gerichtet. Wir sind ihm dafür dankbar, aber er darf sich darauf verlassen, daß das Zentrum jede ehrliche Arbeit an der Republik auch von der rechten Seite begrüßt. Die beste Politik ist noch immer die, eine Sammlung der Gegner der Republik zu vermeiden. Wir sind auf dem Wege dazu. Die unsinnige Haltung der vaterländischen Verbände in Sachsen bat jedenfalls zu der erwünschten Klärung einiges beigctragen. Die Volkspartei weiß genau, woran sie ist. Das Streben der vaterländischen Verbände nach Einfluß auf die politischen Parteien ist übrigens das beste Eingeständnis, daß nur über die „legale" Politik noch etwas zu „machen" ist. Auch das ist ein Zeichen der Zeit in dem Sinne, wie wir das oben betont und nachgewiesen haben! Also man sammle die, welche Mitarbeiten wollen und schließe niemanden aus; man schaffe immer mehr Vernunftrepublikaner, dann wächst auch die Zahl der Herzensrepublikaner. Dazu braucht es gar keiner Neugründungen und neuer Verbände. Eine kluge und weitsichtige, dabei weitherzige revublikanische Politik ist die beste Gewähr für die Zukunft. Nie war die deutsche Republik moralisch seit sieben Jahren so stark tote heute; nützen wir den Augenblick, um jahrelange Ruhe zu schaffen!
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(Eine Handelsluftflotte für Japan.
wtb London, 17. Aug. lEig. Funkm.l. „Daily Telegraph" meldet aus Tokio, in Japan sei eine Bewegung im Gange, um eine Handelsluftflotte ßu bauen, die der von England, Frankreich oder Amerika gleichen und mindestens 2mal so groß wie die Chinas oder Rußlands sein soll.
Ausland.
* Englische Schadenersatzansprüche an die Vereinigten Staaten. Aus Mexiko wird gemeldet: Die Veracruz Terminal Company, eine britische Eisenbahngesellschaft, hat, wie Reuter meldet, die Absicht, gegen die Regierung der Vereinigten Staaten Schadenersatzansprüche im Betrage von mehreren Millionen Doll, zu erheben. Die Gesellschaft will infolge der amerikanischen Besetzung von Veracruz im Jahre 1914 den von ihr reklamierten Schaden erlitten haben.
♦ Der kikelwütige Diktator Griechenlands. Aus Athen wird gemeldet: Der Redakteur Kiros der Zeitung „Hestia" wurde vom Schiedsgericht zu 2000 Drachmen verurteilt, weil er es wiederholt unterlassen hat, bei Erwähnung des Generals Pangalos dessen Titel zu nennen.
Aus parlamentarischen Kreisen schreibt man uns:
Wer aufmerksam die Vorgänge in den letzten Monaten bei den sogenannten Vaterländtschen Verbänden verfolgte, der konnte dort neben allerlei häuslichem Streit beobachten, tote die Empfindung, als sei die Republik nicht mehr zu „werfen", immer mehr an Boden gewonnen hat. Der jüngste Derfassungstag hat das auch den Gegnern der Republik bestätigt. Wir nähern uns einem gewissen Stadium der Festigung und der größeren Ruhe. Eine lebhafte Mißstimmung hat die Rechtskreise mit der bisherigen Poliftk erfaßt. Schon das Jarres- Gayl'sche Projekt ließ das erkennen. Nachdem weder die vaterkändischen Verbände noch die brutale Agi- tationspokftik der Deutschnationalen und ihres Anhangs zum Ziele gelangen konnte, will man es erreichen durch ausgesprochene politische Mittel. Die „große Rechte" war der Schlachtruf!
Vielleicht gab einem gewissen politischen Katzenjammer am lÄchastesten Herr von Loebell Ausdruck in einem Aufsatz, in dem er bekennen mußte, daß die Republik vorläufig nicht zu „werfen" sei. Nimmt man dazu etwa das Bekenntnis der Volkspattei in ?^»vehr der Bestrebungen einzelner vaterländischer Verbände in Sachsen, einen Artikel von Campes im „Zusammenschluß", so hat man so un- Jefähr die Fäden in der Hand, um die Richtung bei er Rechten zu überschauen. Es kommt dann noch ein Schreiben des Herrn Erhardt hinzu, der selbst erklären muß, die Zeit der Putsche sei vorüber. Kurzum, wir erleben unmittelbar hinter dem siebenten Verfassungstag die überraschend erfteuliche Tatsache, daß die Front der Vernunftrepublikaner auf jeden Fall gewachsen ist und daß die deutsche Republik nie fester als heute gestanden hat. Ihre eigenen Gegner selbst lassen das erlernten, und wir glauben ihnen schon, daß sie keine taktischen Ziele ganz anderer Att mit ihrem widerwilligen Geständnis verbinden. Es ist in der Tat so: Aus der Episode von Weimar ist die polittsche Zäsur des neuen Deutschland geworden.
Aber wachsam sein heißt alles! Wir wollen damit nicht im mindesten denen beipflichten, die
Aus Rom wird uns geschrieben:
Der mexikanische Kutlurkampf hat das Interesse der Welt auf dieses sonst wenig im Vordergrund der Ereignisse stehende Land gelenkt, und man kann dieses Mal die Beobachtung machen, daß nut wenigen Ausnahmen die öffentliche Meinung der meisten Länder Stellung gegen diese, von dem Präsidenten Calles vom Zaune gebrochenen Bürgerkrieg genommen hat.
Denn ein Bürgerkrieg droht das törichte Verhalten der mexikanischen Regierung hervorzu- rufen, wenn nicht gar internationale Verwicklungen mit den benachbarten Vereinigten Staaten, die, wenn es sich um Petroleumkonzessionen handelte, sicher schon l ä n g st reagiert hätten. So aber schwebt Calvin Coolidge beständig in der Angst, er würde durch die Kündigung der Anerkennung Der Regierung Calles sich den Zorn der Klu-Klux-Clan- Leute zuziehen, welche politisch und auch gesellschaftlich zu fürchten sind, während die Katholiken in der Mehrzahl in der gegnerischen Partei politisch vertreten sind. Seine persönlichen Sympathien haben sicher nicht die verfolgten mexikanischen Ka- thosiken und seine, wegen ihres Glaubens aus Mexiko vertriebenen amerikanischen Landsleute, denn sonst würde er schon längst eingeschritten fein, besonders, als fein amerikanischer Landsmann und päpstlicher Nuntius Mfgr. Caruana in brutaler Weife des Landes verwiesen wurde.
Das einzige, was das Staatsdepartement in Washington bis jetzt erreicht hat, ist die Rückgabe der protestantischen bischöflichen Kirche, welche jetzt als einzige Kirche im Lande ihre Glocken ertönen lasten darf. Präsident Coolidge weigerte sich auch, den Vorsitzenden Flahetty der Columbus-Ritter, jener mächtigen katholischen Laienvereinigung der amerikanischen Katholiken zu empfangen, und verwies ihn an das Staatsdepartement, wo man für den Wunsch der amerikanischen Katholiken, man möge Calles die weitere Anettenmmg der Bereinigten Staaten entziehen, bisher nur taube Ohren gehabt hat.
Und trotzdem findet Calles keine „gute Presse". Auch die ernstere protestantische Presse sowie die Labour-Patty und die amerikanischen Gewerkschaftler verurteilen ihn.
Seine Entschuldigungen sind auch geradezu kläglich. Zuerst behauptete er, daß die kirchenfeindliche Gesetzgebung gar nicht fein Werk, fei, sondern daß er nur vorhandene Gesetze ausführe. Sicher tut er das nur aus religiöser Gewissenhaftigkeit!
Dann sucht er die katholische Kirche als die Der- bummerin des mexikanischen Volkes hinzustellen, welches sich nur Darum bekümmerte, sich zu berei» chern, und nichts für die Bildung und Hebung des Volkes getan habe und noch jetzt nichts tue. Dag kann wörtlich von den antiklerikalen Regierungen Mexikos gelten. Die katholische Kirche gründete schon im Jahre 1525 die erste Universität des Landes in Mexiko, also kurz nachdem unsere berühmtesten Universitäten in Deuschland gegründet wurden, die auch den „verdummenden Pfaffen" zum großen Teil ihren Ukfpruny verdanken. Der Staat dachte erst im vorigen Jahrhundert daran, für Schulunterricht zu sorgen, was bis dahin der Kirche meistens um Gotteslohn — getan hatte.
• bie Kirche die ersten sozialen Ge- 2® 5 e für die mexikanischen Arbeiter durchsetzte, "t“1 »äs jim 15. Jahrhundert, scheint der in Ge-
* Petroleum in der Pfalz. Nachdem im Vorjahr bereits Bohrungen in Baden vorgenommen wurden, um den Verlust der Quelle von Pechelbronn zu ersetzen, hat nun die I. G. Farbenindusttie bei Schaidt im Bienwalde Versuchsbvhrungen begonnen. Wenn auch bei 500 Meter Tiefe kein Oel gefunden wurde, so zeigten doch die Dort vorhandenen Gasmengen, die die Bohranlage zertrümmerten, daß in größerer Tiefe, etwa 400 Meter tiefer, Oel vorkommt. Es wäre jedenfalls für die Anilingruppe von hohem Wett, tn der Nähe der badischen Hauptfabrik eine Oel quelle ausbeuten zu können.
Deutschland und Japan.
Der bevorstehende Abschluß des Handelsvertrags zwischen Deutschland und Japan lenkt unsere Augen erneut auf das Land, dessen Polisik uns während und nach dem Kriege so schwer enttäuscht hatte.
Als während des Kriegs auch Japan uns den Krieg erklärte, war ganz Deutschland enttäuscht und entrüstet über den Undank eines Landes, das so vieles uns verdankte. Seinen ganzen kulturellen Aufschwung verdankte es uns nicht zum geringsten Teil. In Verwaltung und Heilkunde, in Heeres- organifation, in Industrie und Technik war es m Deutschland in Schule gegangen, und wir warm stolz darauf gewesen, einen so gelehrigen Schüler zu haben, bis er uns eines Tages ohne irgend eilten Gund den Krieg erklärte.
Wenig bekannt war allerdings im deutschen Volke, daß unsere Regierung 20 Jahre vorher, im Vertrag von Schimonoseki, Japan auf das empfindlichste vor den Kopf gestoßen und beigetragen hatte, das Land um feine Siegesbeute aus dem chinesisch-japanischen Kriege zu bringen. Korea und Formosa hatte es in diesem Kriege den gelben Nachbarn entrissen, da legte sich Rußland ins Mittel, das Japan nicht als Konkurrenten hier großwerden lassen wollte. Seinem Widerspruch trat sein Bundesgenosse Frankreich zur Seite. Wilhelm H., der Rußland 1890 vor den Kopf gestoßen hatte, als er den Rückversicherungsvertrag nicht erneuerte, und dadurch den Franzosen in die Arme getrieben hatte, hoffte bei dieser Gelegenheit, den neuen Zaren Alexander II. für Deutschland wieder zu gewinnen und trat auf Rußlands Seiten, so daß Japan angesichts dieses geschlossenen Widerstandes zurückwei- chen mußte. Daß Rußland ihm in die Arme fiel und Frankreich fernen Bundesgenossen unterstützte, konnte es verstehen. Nicht begreifen und vergessen konnte es aber, daß Deutschland, mit dem es auf gutem Fuße zu stehen glaubte, ihm hierdurch in den Weg trat. Und dieser Stachel blieb stecken und war eine Ursache mit zu der Kriegserklärung, die es als Trabant Englands an Deutschland richtete
Nach dem Kriege hat sich das japanische Volk bald wieder Deutschland zugewandt, feine Universitäten besucht, feine Wissenschaften studiert, hat das deutsche Eigentum, das während des Krieges beschlagnahmt war, zum großen Teil wieder heraus- gegeben und feine alte Sympathie feinem alten Lehrmeister wieder zugewandt.
Anders allerdings hatte sich die Regierung verhalten, die dauernd im Konzern der Feindbundmächte auf Seiten Frankreichs stand. Im Rapallo- vertrag wüteten sie am stärksten mit gegen Deutschland; bei der Abstimmung in Oberschlesien entschied der japanische Vertreter gegen uns, nie legte er feine Stimme zu unseren Gunsten ein. Ja, als eine japanische Kundgebung zugunsten Deutschlands vor unserer Botschaft in Tokio stattfand, zerstreute die Regierung die Demonstranten, die den französischen Ruhreinbruch verurteilten und uns ihre Sympathien bezeugen wollten. So hat uns Japan nach dem Kriege dauernd ein doppeltes Gesicht gezeigt, sich eifrig um uns bemüht, wo es sich kulturelle ober wirtschaftliche Vorteile von uns versprach, zu gleicher Zeit uns aber politische Fußtritte versetzt, weil es sich aus ber Freundschaft Frankreichs außenpolitische Votteile versprach.
Seit einiger Zeit ist aber auch in der politischen Führung Japans eine Aenderung eingetreten. Heute sieht es ein, daß nicht Deutschlands Vernichtung, sondern im Gegenteil ein starkes Deutschland seinem Lande Helsen kann, nicht nur in kultureller Hinsicht.
Seit dem Januar vorigen Jahres hat sich die japanische Regierung Rußland zugewandt, und immer mehr scheint sich in der Dolkspolitik gegenüber dem Angelsachsentum eine Verbindung zwischen Japan, China und Rußland zu vertiefen.
Japan ist infolge feiner Uebervölkerung auf Ausbreitung angewiesen, wird aber von Amerika wie Großbritannien in feinem Expansionsdrang behindert. China ist allmählich die Ausbeutung von feiten der ausländischen Mächte übersatt und will die lästtgen Fremden abschütteln, Rußland wird von England auf allen Seiten eingeschnürt. Das russische Riesenreich mit seiner ungeheuren Ländermasse hat nicht einen einzigen wirtschaftlich auch nur nennenswerten Hasen. Den Zugang brr Dftfee zum Weltmeer sperrt Englands Trabant Dänemark, zum Mittelländischen Meer Gallipoli, von da zum Weltmeer Gibraltar, Suezkanal und Aden. Dazu treten noch andere grundsätzliche Gegensätze zwischen Rußland und England-Amerika.
Frankreich ist aber Gegner der von Japan betriebenen Blockpolitik in Asien, wie es auch infolge seiner Haltung zu Polen Gegner von Rußland ist.
Deutschland wie Japan haben so in Rußland einen Verbündeten gegen Frankreich-England, bzw. des Angelsachsentum. Beide Mächte haben ein ge- meinsames starkes Interesse an Rußland, das Berlin ja m seinem Vertrag auch schon stark öffentlich dokumentiert hat.
Diese Erkenntnis hat sich in Tokio langsam Bahn gebrochen, und so zeigt sich Japans Verhalten au: der letzten Völkerbundstagung in der Vermehrung ber Ratsitze in anderem Lichte. Für uns kann es nur erfreulich fein, wenn wir int Völkerbund bei der Aufnahme Mitglieder finden, die wir auf unserer Seite sehen. Dann gilt es aber, in ber japanischen Presse deutsche Propaganda zu machen, damit das Volk, das auf unserer Seite steht, uns in unseren Lebensfragen — ich nenne nur Besetzung des Rheinlandes, Kriegsschuldfrage, Reparattons- lasten, Kolonien — unterstützt.
In diesem Sinne ist es erfreulich, daß endlich der feit einem Jahre schon angebahnte Handelsvertrag unter Dach kommt. Die Differenzen wegen der Farbeneinfuhr scheinen ausgeglichen zu fein. Hof. fentlich trägt der Vertrag dazu bei, die Beziehungen zu Jahren freundschafllcher zu gestalten. Dr. W.
schichte schwache Calles nicht zu wissen. Sonst würde er davon gehört haben, daß der deutsche Dominika- nerpater Las Casas beim spanischen Monarchen durchsetzte, daß die indianischen Kolonial- und Minenarbelter wie gleichberechtigte Mitmenschen und Bürger behandelt wurden, während die kapitalistischen Ausbeuter der damaligen Zeit diese ungefähr so behandeln wollten, wie Calles die katholischen Priester, Krankenschwestern und seine eigenen katholischen Mitbürger behandelt.
Wie seinerzeit in Frankreich und wie schon zur Zeit ber ersten Christenverfolgungen mutz auch dieses Mal das Märchen von dem Reichtum der Kirche herbalten, um den Appetit der Reflektanten auf billiges Kirchengut zu reizen. Der hl. Laurentius, beffen Fest in diesen Tagen begangen wurde, bezeichnet schon vor 1600 Jahren dem Kaiser Dio- klettan die Armen und Notleidenden als den Schatz Der Kirche. Die Milliarden, welche Calles der Kirche nachrechnet, summieren sich meist aus Gebäulichkeiten wie Kirchen, Kloster, Schulen und Krankenhäusern, welche bekanntlich keine Mietzinsen abwerfen, wenn sie auch noch so im Mittelpunkt der Stadt gelegen sind. Vor zwanzig Jahren behaupteten Com- bes und Clemenceau dasselbe vom Reichtum der Kirche in Frankreich verkauften und versteigerten das Kirchengut an ihre Gesinungsgenossen, die es für ein Butterbrot erstanden, da ein anständiger Mensch kein gestohlenes Gut kaufen wollte, und aus den Milliarden der Kirche tarnen einige klägliche Millionen heraus, die zum Begräbnis des französischen Antiklerikalismus mithalfen.
Wie den französischen Kirchenfeinden wird es auch Calles mit seinen Kumpanen gehen. Die mexikanischen Katholiken, in denen etwas von dem Glaubensmute und der religiösen Inbrunst ihrer spanischen Vorfahren steckt, sind zwar größtenteils auf sich selber angewiesen, wissen sich aber zu verteidigen. Der von ihnen ausgeführte wirtschaftliche Boykott der FreimaurercIique hat schon Erfolge zu verzeichnen gehabt, und ckiurch dieses Loch im Geldbeutel ber amerikanischen Nachbarn geht vielleicht auch ber Weg zum Herzen Mr. Coolibge und der Magnaten der Wallstreet, die dadurch an ihrem empfindlichen Punkte getroffen werden.
Wenn Calles etwas mehr Geschichte studiert hätte, würde er den Kampf sicher garnicht ausgenommen haben, denn die Weltgeschichte ist voll von dem rühmlosen Ende derartiger Kämpfe. Alle Kir- chenverfolgungen von den römischen Kaisern bis au: Julian den Abtrünnigen, und von der großen Revolution bis auf Bismarck und Sowjetrußland nahmen das gerade entgegengesetzte Ende von dem, was ihre Verursacher gewollt hatten, und den beiden letzten muß es zur Ehre angerechnet bleiben, daß sie noch rechtzeitig Halt machten und der Eine nach Canossa ging und Moskau In letzter Zeit viel Wasser in den schäumenden Wein feines Antiklerikalismus schüttete.
Rom, das von seinem göttlichen Stifter bie Verheißung der Unüberwindlichkelt hat, wird sich auch dieses Mal stärker erweisen als bas Mexiko eines Calles.
Die mit Calles versippten Nachrichten-Agenturen belichten neuerbings roieber von Verschwörungen gegen bie mexikanische Regierung. Bekanntlich ist die erste Nachricht von einer solchen Verschwörung schnell als Schwindel entlarvt worben.
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FuldaerZeüun
Anzeiger für die Sfabf und den kreis Fulda. Amtliches krelsblatk
wetterleuchten auf dem Balkan.
In ber Sübostecke Europas zeigen sich wieder düstere Gewitterwolken. Die Spannung zwischen den Balkanvölkern hat einmal wieder einen Grad erreicht, der die Presse offen von der Möglichkeit eines neuen Kriege s reden ließ und das alles trotz Völkerbund und trotz internationaler Friedensabmachungen. Im allgemeinen hat man je auch früher schon die Zusammenstöße auf dem Balkan nicht allzu tragisch genommen, weil dort die Grenzzwischenfälle eigentlich an der Tagesordnung waren und durch mehr ober minber sanften Druck von außen her halb wieder beigelegt wurden, nachdem nur einige der Grenzbewohner sich blutige Köpfe geschlagen hatten.
Diesmal aber hat ber Konflikt insofern ein ernsteres Gesicht angenommen, als sich gezeigt bat, baß bie durch bie Alliierten groß gewordenen Staaten gegen das kleine Bulgarien ein wahres Kesseltreiben verursachen, um zu versuchen, im Trüben zu fischen. Gerade der Weltkrieg sollte ja letzten Endes, so hieß es wenigstens auf Seiten der Entente, die Bedeutung haben, endlich Friede in Europa zu schaffen. Statt aber auf dem Balkan geordnete Verhältnisse zu schaffen, hat man hier auf Kosten einiger Schutzbefohlenen willkürliche Grenzen gezogen und bas ohnehin schon immer gefährdete Gleichgewicht ber kleinen Staaten ins Wanken gebracht unb den Machthunger seiner eigenen Freunde neu angeregt. Die Schützlinge der Entente wissen leider, daß sie sich alles erlauben können und nur ber eine Umftanb wirkt günstig auf den weiteren Frieden und das hartbedrängte Bulgarien, daß nämlich die Entente auch keineswegs innerlich einig ist, sondern ihre Freundschaften verschieden verteilt und gewissermaßen selbst einer über den anderen eifersüchtig macht, daß der besondere Schutzbefohlene nicht zu kurz kommt. Es ist ja allgemein bekannt, daß gerade England ständig für Griechenland eintritt, während Frankreich aus Gründen der Einkreisung Deutschlands sich tets für bie Tschechoslowakei und Iugo - lavlen einsetzt. Allerdings hat man wohl bei )en Großmächten die Gefahren, die hier unter der Lava ruhen, rechtzeitig erkannt und durch den englischen Botschafter einen gewissen Druck in Belgrad ausüben lassen. Ob aber dieser Druck genügt, ist noch sehr fraglich, denn, wie gesagt, Bulgarien hat es nicht immer in der Hand, selbst bei bestem Willen, diese Grenzzwischenfälle zu vermeiden und so ergibt sich neuer Konfliktstoff, den natürlich die anderen kleinen Balkanstaaten benutzen, um mit dem Schein des Rechts Forderungen an Bulgarien zu stellen, die dieses aus Prestigegründen nicht erfüllen kann. Es scheint ja infolge des freundschaftlichen Drucks Englands, Frankreichs, Italiens, in Belgrad für die volle Aufrechterhaltung bes Bal- fansfriebens bie Situation zur Zeit etwas entspannt, sobaß man hoffen kann, baß biese Balkangewitterwolke ohne starke Entladung vorüberzieht.