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FuldaerZeüung

Anzeiger für die Stabf und den Kreis Fulda. Amkliches Kreisblakk.

fir. 188. a

Erscheint sechsmal wSchentlich- Wochenbeilagen: Illustriert« Bei­lage" und .Bnchenbllitter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fcrnsvrecher Rr. 9.

Monatlicher BernaSbreiS: 1.50 Mk.

Dienstag, 17. fluguff 1926.

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Zahrg. 53

Relchsfinanzminifter vr. Reinhold hat vor einigen Tagen vor Vertretern der Presse einen Ueberdlick über die Entwicklung der Reichs­finanzen bis zum Juli gegeben, die einen außeror­dentlich günstigen Abschluß für das laufende Rechnungsjahr verheißen.

Dieses Jahr wird, so glaubt der Reichsfinanz- minister schon mit aller Deutlichkeit erklären zu können, ohne Defizit abschließen. Besonders der Ausweis des Reichsfinanzministeriums über die Julieinnahmen, der in diesen Tagen veröffentlicht wird, wird zeigen, daß die Steurremgänge außer­gewöhnlich günstig waren und daß die selbst vam Reichsfinanzminister gehegten Erwartungen nicht un­erheblich übertroffen werden. Allerdings ist ein der­artiges günstiges Ergebnis für das Gesamrjahr nur zu erwarten unter der Voraussetzung, daß der Reichstag nicht neue unerwartete Mehr, ausgaben fordert und daß vor allem die Wirt- fchafr sich in dem jetzt beginnenden Mahr weiter bessert. Gerade auf die Besserung drr Wirtschaft hatte Reichsfinanzminister Dr. Reinhold sein ganzes Finanzprogramm, das er seinerzeit im Frühjahr ent­wickelt hat, aufgebaut. Damals war er vor allem für eine Milderung der Steuern eingetreten, um die Wirtschaft zu entlasten. Diese Vorschläge hat­ten in vielen parlamentarischen Kreisen, auch im Zentrum, gewisse Bedenken ausgelöst, weil man im Vorjahre gerade unter dem Druck des Kabinetts Luther und des Reichsstnanzministeriums ein neues Steuerbouquet schweren Herzens im Reichstag be- schlosien hatte, das weitgehende neue Steuern auf­erlegte. Man war infolgedessen zunächst einmal überrascht von der neuen Auffassung des Reichs­finanzministers und sah den kommenden Ereignissen mit einer gewissen Skepsis entgegen.

Durch die jetzt inzwischen veröffentlichten Aus­weise des Reichsfinanzministeriums, besonders des noch bevorstehenden, wird aber die Finanz- Politik und die Prognose ds Rsichsfinanzministers voll bewahrheitet. Die günstige Entwicklung macht es dem Finnzminister sogar möglich, auf die Lom. bardmöglichkeit für Schatzwechsel, die ihm durch die Aenderung des Reichsbankgesetzes in die Hand gegeben war, vorläufig verzichten zu können. Eben- sowenig braucht er das Debet bei der Reichsbank, das ihm in Höhe von 100 Millionen Mark offen steht, anzugreifen. Ja darüber hinaus kann er logar vorläufig davon absehen, auf dem Anleihe- wege die Mittel, die für das Arbeitsbefchaffungs. Programm notwendig sind, zu suchen. Merdings soll damit nicht gesagt sein, daß auf derartige An­leihen nun ein für allemal verzichtet wird, denn an dem Standpunkt hält der Reichsfinanzminister prinzipiell fest, daß derartige große Ausgaben nicht aus den Steuern, sondern aus Anleihen ge­deckt werden müssen. Aber er will eben den jetzi- gen günstigen Finanzstand benutzen, um den An­leihemarkt erst dann in Anspruch zu nehmen, wenn die Aussichten der Geldbeschaffung (oor allem die Frage der Zinsen) am günstigsten sind.

Sur Lrwerbrlosenstatistik.

Heber die amtliche Erwerbslosenstatistik sind un- zutreffende Nachrichten verbreitet worden. Der Um- stand, daß seit Jahresbeginn die Notstands - a r b e i t e r in der Statistik der Erwerbsloscnfürsorq« gesondert aufgeführt werden, wurde als Irrefüh­rung bezeichnet. Tatsächlich mußte eine Regelung erfolgen, weil die Arbeitsnachweise km Hinblick auf die besondere Stellung der Nofftandsarbeiter sie teils in die Statistik aufnahmen, teils überhaupt wegließen. Bei der Neuregelung war Folgendes zu beachten. Merdings ist in bestimmten juristischen Beziehungen die Beschäftigung von Erwerbslosen bet öffentlichen Notstandsarbeiten eine Form der Erwerbslosenfürsorge. Bei der Statistik der Er- werbslosenfürsorge aber kommt eS nicht hierauf an sondern auf die wirtschaftliche und soziale Seite. In wirffchastlicher und sozialer Hinsicht sind aber Nofftandsarbeiter nicht erwerbslos, sondern stehen in Arbeit und erhalten — abweichend von der früheren Regelung — grundsätzlich Tariflöhne. Es war demgemäß richtig, sie in der Statistik der Erwerbslosenfürsorge gesondert zu führen. Unzu­treffend ist es ferner, wenn in Teilen der Presse der beträchtliche Rückgang der Ziffer der unter- stützten Erwerbslosen in der zweiten Julihälste auf das Ausscheiden von langfristig Unterstützten aus der Füfforge zuruckgeführt wird, im Gegenteil, es liegt eine unbestreitbare Besserung des Arbeitsmarktes vor. Das wird u. a. durch Berichte der gewerkschaftlichen Verbände bargetan, Die für den Juli ebenfalls einen Rückgang in der Zahl ihrer Arbeitslosen und ihrer in Kurzarbeit stehenden Mitglieder berichten.

• Die vierzehn befreiten Deutschen. Auf Grund des deutsch-russischen Amnestieabkommens erhalten laut „B. T." folgende in Moskau gefangen gehest, tenen Deutsche die Freiheit wieder': Der Student Molscht und der mit diesem verurteilte Dr. Kinder­mann, der Konsularagent Schmitz, Frau Schmitz, der Konsularagent Cornelsen, der Konsularagent Eck, die 75jährige Frau Asch, die wegen einer bei ihr vorgefundenen Notiz seit langem im Gefängnis saß, Herr Vögele:, Frau Vogelei, der Angestellte der Firma Junkers Scholl, bet Kaufmann Lorenz, ber Kaufmann Ludwig Bayer, der Kaufmann Arendt und der Kaufmann Müller.

* Die Leiche des angeblichen kikchsner. Der >,S. Z." wird aus London gemeldet: Der von Frank Power aus Norwegen nach England ge­brachte Sarg, der angeblich die Uebcrrefte des Feld-. marfchalls Kitcheners enthalten soll, wurde am Samstag nacht durch die Polizei beschlagnahmt. Er soll in Gegenwart des Leichenschaurichters geöffnet werden und Power soll unter Eid aussagen, was er ;tiber den Sarg, seinen Inhalt und die Umstände, Uunter denen er nach London gebracht wurde, weiß.

Um den weltstieden.

Begrüßung des „Demokraffschrn Kongresses für den Frieden" durch Darthou.

Anläßlich des 6. Internationalen Demokratischen Kongresses für den Frieden, der in Bi er ville tagt, wurde in Paris im französischen Ministerium des Auswärtigen ein Frühstück gegeben, an dem etwa 130 Personen teilnahmen. Justizmini­ster Barth ou hielt in Vertretung des auf seinem Landsitz weilenden Ministers des Aeußern Briand eine Rede, in der er erklärte, Poincare habe ihn beauftragt, die Delegierten des Friedenskongresses zu begrüßen und seine Zustimmung zu ihren Be­strebungen auszubrücken. Kein Lanb habe ben Frie­den nötiger als Frankreich, keines wünsche ihn loyaler und aufrichtiger, nicht als vorübergehende Notwendigkeit, sondern als Grundsatz, als Bedin­gung und Garantie der demokratischen Konstitution. Kein Volk habe dem Merke von Genf, bei dem sich trotz unvermeidlicher Schwierigkeiten das neue Recht der wieder emporgebrachten und versöhnten Menschheit zu zeigen beginne, entschlossener und beständiger seine Unterstützung geliehen als das ftanzösische. Das Friedensstatut sei ein tech­nisches Merk und benötige zu seiner Entwicklung Zeit und eine Atmosphäre, in ber die öffentliche Meinung mit der Diplomatie in einem Geiste des Vertrauens zusammenarbeite. Das Friedensproblem sei ein moralisches Problem. Bis alle Nationen sich als Mitgsieder einer und derselben Familie betrachten, hätten sie, ohne ihre vitalen Interessen zu opfern, sich durch Loyalität zu bemühen, dem Ideal der Menschheit näher zu kom­men. Es sei zu begrüßen, daß auf diesem Kongreß den Frauen und der Jugend ein so großer Platz eingeräumt wurde. Möge man, fuhr Minister Barthou fort, ben jungen Leuten, bie vom Re­vanchegeist und den engen Formeln einer über­kommenen vergangenen Zeit frei sind, die Fahne jener Zukunft anvertrauen, in ber bie Menschen ihren guten Willen der Welt aufzwingen werden. Ich erhebe im Namen der Regierung der ftanzö- sischen Republik mein Glas und trinke auf das Gelingen Ihres Kongresses, auf Ihre Bemühungen und auf ben auf Recht und Gerechtigkeit gegrün­deten Frieden.

Der Vorsitzende des Kongresses, MarcSang- nier, erwiderte auf bie Ansprache des Justiz­ministers u. a.: Wir wissen, daß ber Friede ein großes taktisches Problem ist und daß zu feiner Lösung enthusiastische Wünsche und auch der ent­schiedenste Wille nicht genügen. Aber wir wissen auch, daß et vor allem eine moralische Ange­legenheit ist und daß man, um den Frieden wirk­lich herzustellen, zunächst an ihn glauben und fähig fein muß, mit Hingebung für ihn zu arbeiten. Unfere Kongreßteilnehmer, die aus ben verschie­densten weltanschaulichen und religiösen Lagern kommen, sind der einmütigen Ueberzeugung, daß ber Friede einer psychologischen Vorbereitung be­darf. Wir wollen Realfften fein und als solche erkennen wir nicht nur die materiellen, sondern auch die geistigen Realitätm an. Marc Sang­niet erklärte zum Schluß: Mle unsere Freunde wissen jetzt, daß die ftanzösische Regierung ihre Be­mühungen fördert und bie, die zu Hause bisweilen um des Fricbens willen so viel zu leiben hatten, stützt und aufrichtet. Sie werden überall verkünden, daß Franfteich ben Frieben will.

* Der deutsche Kreuzer „Hamburg" ist am 15. August in Nagasaki eingetroffen. Die Weter- fahrt nach Manila erfolgt am 19. August 1926.

Neue Förderung d

Das Reichsarbeitsministerium teilt mit: Auf dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung ist ein weiterer Fortschritt dadurch gesichert, daß auch die Preußische Staatsregierung der Durchführung des zusätzlichen Wohnungsbauprogramms zugestimmt hat. Damit ist auch auf dem Gebiete des Wohnungsbaupro­gramms die seitens des Reichs erforderliche Tätig­keit abgeschlossen. Das Reich gewährt denjenigen Ländern, die wie Preußen und eine ganze Reihe an- derer Länder mit Rücksicht auf die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe, einer Anregung des Reichsarbeits­ministeriums folgend, neben dem ordentlichen Jah­resbauprogramm ein zusätzliches Bauprogramm durchzuführen beabsichtigen, sofort vorschußweife die zur Aufnahme der Arbeiten erforderlichen Mittel. Diese Mittel werden barm von den Ländern, sei es aus der Hauszinssteuer, Lsi es durch Anleihen, im Laufe des Jahres aufgebracht.

Die Beschaffung der er st en Hypothe- k e n ist auf Grund von Verhandlungen des Reichs mit den Realkreditinstituten ebenfalls sicher gestellt. So ist eine erhebliche Förderung des Wohnungs­baues für dieses Jahr erzielt worden. Das Reich hat durch die Gewährung von 200 Millionen für die Zwischenkredite auf erste Hypotheken im Anfang des Jahres die Beschaffung der Baugelder und der ersten Hypotheken erleichtert und die Senkung des Zinsfußes gefördert. Während im vergangenen Jahre für erste Hypotheken noch bis zu 15 Prozent Zinsen zu zahlen waren, stehen jetzt bei den Hypo- thekenbanken solche zu 9% Prozent und bei den Sparkassen auch noch zu einem billigeren Zins- fuß zur Verfügung. Die Zinsen für das Daugeld

Staatsmann und Parteipolitiker

Beide stellen sich in der Staatspolitik verschiedene Aufgaben. Jener sucht ihre Lebensnotwendigkriten vom Staatsganzen aus, dieser von einer Volks­gruppe aus zur Geltung zu bringen. Denn das Staatsvolk ist eine geistige Einheit in verschieden­artigen Gliedern. Beide schaffen das Wohl des Staatsvolkes, die gute Staatspolitik, wenn sie über, zeugt sind, daß der eine der Ergänzung durch den andern bedarf. Diese wird nicht erreicht durch Recht­haberei, in der der eine dem andern seine Teileinsicht als alleinige und volle Weisheit aufzuzwingen sucht. Man ergänzt sich nur dadurch, daß beide in Ein- tracht die im Augenblick richtige, zum Ziele führende Politik in Vorschlag und Gegenvorschlag suchen. Da­bei muß der Parteipolitiker beachten, daß nicht er, sondern der Staatsmann die letzte Verantwortung für die Poliffk des Staates im einzelnen und im en trägt. Er wird darum bereit (ein, dessen ung in Einzelheiten nachzugeben, wenn das den wesentlichen Zweck ber politischen Maßnahmen nicht gefährdet. Besonders wenn er sich fragt, ob er, mit ber Verantwortung des Staatsmannes be­lastet, anders als dieser urteilen könnte. Jedenfalls muß er dessen Vorschläge höher werten als jene der andern Parteipolitiker. Staatmann und Parteipoli. titer sind eben nicht dasselbe.

Die Aufgabe des Staatsmannes fft die Gesamt- Vertretung des Staatsvolkes, die verantwortliche Leitung, der Gesamtpolitik. Er hat, ähnlich dem Leiter eines Gesangchors, die verschiedenen Par­teien zum Einklang der Eefamtpolittt zu vereinigen, aus ihrer Vielheit und Gegensätzlichkeit die frucht­bare Einheit zu schaffen. Er soll sie nicht willkür­lich vergewaltigen, sondern eingliedern mit allen guten Vorschlägen, Kritiken und Strebungen. Den unparteiischen Willen dazu muß er offenbar werden lassen. Als verantwortungsvoller Anwalt der Na­tion hat er, ähnlich dem Richter gegenüber dem Ankläger und Verteidiger, die Lebensnotwendigkei­ten der Natton unerschrocken zur Geltung zu brin­gen. Er muß erwarten, daß man ihm ob seiner Weisheit, Sachkenntnis und Charakteffesttgkeit das Vertrauen entgegenbrmgt, er trete als berufener Führer der Natton nur für die richtige Gesamt­politik ein aus einer Gesamtschau und umfassenden Würdigung aller in Betracht kommenden Verhält- nisse. Deshalb muß er im Noffalle auch den Mut haben zur Geltendmachung des höheren Staais- wohles. Als Führer muß et wissen, was er will, und wollen, was er soll. Dazu ist er auf den Po- sten des Staatsmannes von den Parteien als ihr Vertrauensmann gestellt. Er wird aber nicht im Gegensätze zu einer Gefolgschaft, sondern mit ihr führen.

Die Aufgabe der Parteipolittker ist, in der Staatspolitik die Einsicht und Sachkenntnis, die Mitverantwortung, Liebe und Sorge der freien Bür­ger um die Staatsrsgierung zur Geltung zu bringen, sodann den tüchtigsten Staatsmann in die Regierung zu entsenden. Von jener beraten, aus diese gestützt, muß der Staatsmann im Dolksstaat regieren, den Staatswillen zum Ausdruck bringen in feiner un­parteiischen und unabhängigen Stellung, bie er vor dem Parteipolitiker voraus hat. Viel zu viele Wäh- ler sind, weil sie noch nicht staatspolitisch denken, gewohnt, den Abgeordneten als ihren bloßen Ge­schäftsführer anzusehen, der ihre privaten Interessen gegenüber dem Staate durchzusetzen habe. Der Staatsmann als Anwalt des Staatsvolkes darf sich solchem gemeinschädlichen Treiben nicht beugen; lie­ber muß er zurücktreten.

H Wohnungsbaues, selbst betragen bekanntlich 1% Prozent. Dringend erwünscht ist es allerdings, daß auch dieser Zins- betrag noch erheblich gesenkt wird. Der Zinsfuß von annähernd 10 Prozent bedeutet eine Verdoppelung des Friedenszinsfußes. Dies erscheint weder vom Standpunkt des Kapitalmarktes noch von der allgemeinen Wirtschaft gerechtfertigt. Die neuesten Ausweise über die Enwicklung des Ab- fatzes von Hypothekenpfandbriefen ergeben eine un- erwartet starke Nachfrage nach dieser Form der Kapitalanlage. Bedauerlich ist es vor allem, daß die Vergütung für den Verttieb der Pfand­briefe von den Banken neuerdings wieder auf 3 Prozent gesteigert worden ist. Von dem Stand- punkt der allgemeinen Wirtschaft, von dem der ge« funben Mietpreisbildung muß mit allen Kräften auf die Senkung derartiger Kosten und Zinsen gedrängt werden.

Das zusätzliche Bauprogramm ermöglicht für das ganze Reich die Herstellung von etwa 200 000 Woh- nungenüberdasJahresprogramm hin­aus. Dadurch tarnt die Beschäftigungslosigkeit der Bauarbeiter immerhin wesentlich vermindert wer- den. Einzelne Länder haben bereits bie Finan- zierung des zusätzlichen Bauprogramms, tellweise so- gar in Verbindung mit dem einheitlichen Baupro­gramm für 1927 durchgeführt Es muß deshalb er­wartet werden, daß überall, wo in den Kreisen der Bauarbeiter noch Erwerbslosigkeit besteht, die Durch- führung des zusätzlichen Bauprogramms umgehend in Angriff genommen wird und daß die erforder­lichen Mittel balbigft beim Reich abgerufen werden.

* Die Urheber ber Liepler Explosions-Kata­strophe ermittelt Aus Bubapest wird gemel­det: Wie bie Blätter melden, hat die Polizei drei Arbeiter festgenommen, die unter dem Verdacht stehen, die Explosionskatastrophe hervorgerufen zu haben

* Professor von Jagemann gestorben. In H e i- beiberg starb am Sonntag der ordentliche Hono- rarprofessor der juristischen Fakultät der Universität Heidelberg und der frühere badische Gesandte in Berlin, Excellenz Eugen von Jagemann

Richter und Volk.

.Aus parlamentarischen Akademikerfteisen wird uns geschrieben:

Der Magdeburger Fall soll hier nicht einmal enffcheidend in ben Vorder gründ geschoben werden, so naheliegend es wäre. Aber wir wollen uns lieber eines alten Spruches erinnern, und in ein schwebendes Verfahren nicht eingreifen. Es gibt auch so genug über dieses Thema zu sagen. Wir nehmen auch gleich vorweg, daß wir uns die all­gemeinen und vor allem verallgemeinernden Vor­würfe über den deutschen Richterstand nicht zu eigen machen. Es gibt in ihm Clemente, wie in jedem Stande, die vorzüglich ihre Aufgabe erfüllen, aber es gibt auch andere — und diese machen in letzter Zeit etwas viel und besonders unliebsam von sich reden.

Wenn vor einigen Tagen der Reichsjustizmini­ster Dr. Bell von der Vertrauenskrise gegenüber dem deutschen Richterstande ruhig sprechen tonnte, so gibt das doch allerlei zu denken und Dr. Bell ist selbst Jurist, er spricht also nicht als Außen- feiter, der das nicht „versteht"! Tatsächlich — und darin hat Dr. Bell recht, die Verttauenskrise ist da, dazu brauchte es nicht einmal des Magde­burger Falles.

Wenn man die Verhandlungen der verschiedenen Landtage beim Justtzetat verfolgte — die Justiz- pflege ist ja Landessache — so koiytte man eine durchgehende Erscheinung verfolgen, die gegen früher, wir meinen die vorrevolutionäre Zeit, ab, stach. Man war es ftüher gewohnt, daß die Sozia­listen an der Rechtspflege schon unter dem Kaiser­reich vielerlei auszusetzen hatten. Man nahm das damals hin, weil es eben zur Opposition ge­hörte. Heute sind die Opponenten geblieben, aber ein Unterschied ist doch da, obwohl sie teilweise mit in der Regierung sitzen; noch kennzeichnender aber ist, daß die mehr oder minder ausgesprochene Kritik in den bürgerlichen Parteien eben­falls Wurzel geschlagen hat und zwar sowohl bei den Demokraten wie beim Zentrum, und selbst in der Volkspartei. Das muß zu denken geben. Meist sind es in den zuletzt genannten Parteien selber Juristen, die sich zu Sprechern machen. In der Tat, es ist etwas nicht in Ordnung. Man muß allerdings zugeben, daß bie Gefahren für einen nicht charakterfesten Richter gegen ftüher auch gewachsen sinb. Dre Zahl politischer Verbrechen ist außerordentlich gewachsen und die Sucht, alles parteimäßig aufzuziehen ebenfalls. Die Beobach­tung des deutschen Richtefftandes durch die Publi- jiftit ist unter solchen Erscheinungen natürlich wesentlich intensiver wie ftüher. Kurzum, es kom­men eine Menge von Dingen zusammen, die , rein fachlich manches erklären, ohne es zu entschuldigen.

Es ist soweit gekommen, daß die verallgemei­nernde OeffenMchkeit heute natürlich (sh. Schrö­der) je nachdem in welchem Lager sie steht, den einzelnen Richter, fei es mit Recht oder nicht, als Reaktionär charatterisiert und ihn dementsprechend behandelt. Soll man hier fagen: vox populi vor bei? Das wäre schlimm unb zur Ehre des deut- scheu Richtefftandes fei es gern gesagt; in dieser Verallgemeinerung stimmt es nicht. Aber kann man sich darüber wundern nach den Femeskandalen, dem Fall Jürgens? Kann man sich darüber wun­dem, wenn man erfährt, in welcher politischen Atmosphäre die akademische Jugend aufwächst nach den Erkenntnissen beim Bonner Stubententag? Der deutsche Richtefftand in seiner Allgemeinheit muß sich darüber klar fein, daß, wenn bie Stimmung, genährt durch einzelne bedenkliche Standesver- tretet, weiter fo wächst, daß bann Eingreifendes auf die Dauer nicht zu vermeiden ist.

Der Richter soll der Vertrauensmann des Dolles fein, aber dazu ist es notwendig, daß der Stand als solcher sich mehr als bisher mit dem sozialen Gedanken durchdringt. Die Demokratt- fierung des Richterstandes, nicht hn politischen, aber im sozialen Sinne, ist das Erfordernis der Stunde. Das bedeutet auch die Absage an bie Verführer der Richterjugend auf ben Universitäten. Und etwas mehr Wirklichkeitssinn! Man kann das Rad ber Zeit nicht rückwärts brehen. Wenn man schadenfroh fein wollte, fo könnte man Ä: gerade die „schneidigsten" Derfteter des Rich-

ndeS im allen System haben ihm am meisten geschadet unb ihren Gegnern bie Waffen geliefert. Es ist die höchste Zett, daß man sich besinnt, sonst ist Gefahr im Verzüge.

Der Kulturkampf in Mexiko.

In dem Vorort Mexikos, St. Angel, sammelten Kh am Sonntag Katholiken an, weil sie — wohl mit echt — glaubten, daß bie Behörben ber schis- m a t i s ch e n Kirche eine katholische Kirche be- schlagnahmen wollten. Gegen die Demonstranten ging die Polizei, wie es in Mexiko, diesem Land der „Freiheit" üblich ist, mit Gewalt vor und hat eine Reihe von Personen verletzt.

3ur Handelspolitik.

— Die deutsche Sontingentsaussuhr nach Frankreich. Am 20. August 1926 soll das am 5. August in Paris ge- gezeichnete vorläufige Handelsabkommen zwischen Deutschland und Frankreich in Kraft gesetzt werden. In diesem Abkommen sind für eine Reihe deutscher Aus­fuhrwaren die von Frankreich gewährten Zollvergünsti­gungen auf Kontingente beschränkt. Waren, welche im Rahmen dieser Kontingente nach Frankreich eingefühn werden, genießen nach den Bestimmungen des Abkom­mens die Zollvergünstigungen nur, wenn sie von einer besonderen Kontingentsbescheinigung be­gleitet sind. Diese Bestimmungen des Abkommens vom 5. August entsprechen der Regelung, wie sie bereits in dem sogenannten Frühgemüseabkommen vom 12. Febr. und 8. April 1926 getroffen war. Auch das für die Verteilung der Kontingente und die Ausfertigung der Bescheinigungen einzuschlagende Verfahren soll dem bis. her gehandhabten angeglichen werden. ~