Sonntag, 1. August 1926.
--- Fuldaer Zeitung
2. Blatt
Drnd der Fuldaer Acllendruckerel, Fulda.
3.
4.
Schwefelsaures Natron
Der Mann im Monde.
5. Schwefelsäure Bittererde
insgesamt 6,1816 Gramm
mineralische Bestandteile,
8. Eisen
9. Tonerde
Mag Rhönlands besaltner Mohrenstein Zum Staunen erzählen im Lande: „Wie er gebrodelt in Flammenschein Und geschwärzt entstiegen dem Brande".
Seiten hin ab. Die Mächtigkeit der Lavadecken verminderte sich nach den peripherischen Teilen zu. So mögen diese im Zentrum des damaligen Hochgebirges etwa 3000 Meter, nach außen hin 2000 Meter stark gewesen sein. Eine gewaltige Gebirgslandschaft, grandios!
die eben doch eine Magenfrage bleibt, so gibt es heute keine unabhängigen Diktatoren mehr. Dazu kammr, daß alles rein Militärische dem Vorrang des Wirtschaftlichen hat weichen müssen, so daß ein noch so schneidig gezückter Musfolinisäbel mehr ein theatralisches Schauspiel als ein? ernsthafte Drohung ist. Man versteht es daher, wenn Länder wie Frankreich alles versuchen, um der internationalen Finanzkontrolle zu entgehen. Caillaux, der Fachmann, hielt das für unmöglich. Poincarö, der Mann des Krieges und der Gewalt, zugleich vertraut mit allen Methoden diplomatischer Gewaltpolitik, scheint daran zu glauben. Wir märten gespcumt auf den Ausgang, indem wir, einmal abgesehen von der Person Poincarßs, heimlich hoffen, daß der Freiheit der Sieg werde und daß nicht wieder einmal die lebendigen Wurzeln einer Volks- kraft in den Totenkammern der Raubburgen einer anonymen Hochfinanz vertrocknen müssen.
Wir müssen's abwarten und gehen still vertrauend durch das sommerliche Land, Gott dankend, daß er doch ein und für allemal so eingerichtet hat, daß Wiesen, Wälder, Regen und Sonnenschein von keiner menschlichen Diktatur kommandiert werden können. Wir haben Kirschen gegessen, Erdbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren, und nun färben sich die Himbeeren auch schon ganz rot und die Brombeeren werden schwarz und die Heidelbeeren reiben sich das blaue Auge. Und all dieses geschieht, ob die Herren Mussolini wollen oder nicht. Wenn doch endlich die Menschen auf den gescheiten Gedanken kommen wollten, daß alle großen Dinge nicht kommandiert werden können, sondern daß sie ihre innere Gesetzmäßigkeit haben, die nur dem Kommando des großen Herrschers folgt, der seine Welt kennt und der weiß, daß jedes nach seiner Art werden und wachsen müsse, der Efeu an der feuchten Mauer so- wohl wie die Bergföhre, die sich im Föhnsturm neigt, die Tiere des Feldes und die Vögel des Him- mels und der Mensch, all dieser Wesen herrlicher Bruder. Ehrfurcht vor jedem Blümlein und Ehrfurcht vor jedem Menschenkind, das schafft freie Bahn dem Tüchtigen, während Diktatorenherrschaft die Welt wohl für einen alten Bierwagen ansieht, wo man sich denn nur auf den Bock setzt, mit der Peitsche knallt, und holterdipolter rasselt das Fuhr- werk mitten wackelnden und tönenden Fässern über das Pflaster. Run kommt der Grimm über mich, und im Zorne soll man nicht sprechen und noch weniger schreiben.
— Hungen. Bei Kanalisationsarbei- t e n ereignete sich hier ein tödlicher Unfall. Der Arbeiter Johann Mayer stürzte beim Transport von Zementrohren in einen Schacht, dessen Abdeckung durchbrach. Das nachrollende Zementrohr, das ein Gewicht von über zwei Zentner hatte, frei dem Manne auf den Leib. Wenige Stunden nach dem Unglücksfall ist der Bedauernswerte seinen schweren Verletzungen erlegen. Er hinterläßt Frau und zwei Kinder.
Aus Oberheffen und den hessischen öemtern
— Marburg. Beim Heuabladen stürzte in Niederasphe eine Frau so unglücklich vom Wagen, daß sie sich eine schwere Rückenverle.^ung zuzog. Die Frau, an deren Aufkommen gezweifelt wird, wurde in eine Marburger Klinik eingeliefert.
Erst langsam erloschen die entfesselten Elemente, das Land kam allmählich zur Ruhe, die Rhön trat in ihr letztes Entwicklungsstadium ein. „Der Zahn der Zeit" begann sein langsam aber sicher zerstören- des Werk. Mit einem bald einsetzenden starken Klimawechsel — zunächst herrschte zwar fast tropisches Klima, wie aus den Funden in den tertiären Siebloser Schichten und an anderen Orten des Ge- birges heroorgeht, dann begann eine Periode star- fer Regen und Niederschläge — wird das Erd» sions- und Denudationszeitalter der Rhön eröffnet. Die immer stärker werdenden Nie» derfchläge sammelten sich in kleinen Rinnsalen, die die riesigen Berghänge herabrieselten und sich zu
3ur Entstehung und Morphologie der Rhön.
Non Studienrat Schönberg.
$u!öa als Badeort.
(Ein Traum vor hundert Jahren.
Das Rhöngebirge ist reicher an Mineralquellen als man für gewöhnlich annimmt. Die Heilquellen von Brückenau und Kissingen haben einen Ruf be- kommen, der über die Grenzen Deutschlands hinausreicht. Das Ntineralwasser von Neuhaus an der ft. Saale genießt in weiten Teilen Deutschlands Beachtung und Zuspruch. Mer von den vielen anderen Mineral- quellen der Rhön weiß man nichts in der Ferne, so- gar nichts in der näheren Umgebung. Die Sauerbrunnen an der Lütter bei Memlos und Weikards hof, bei Kothen, Qberriedenberg, Bocklet; sie blei- ben heute völlig unbeachtet, in der Regel selbst bei **n Bewohnern der nächsten Siedlung. Diese Mineralquellen träumen ihren Dornröschenschlaf.
Den meisten von ihnen hat ein wechselvolles Geschick geblüht. Sie sprudelten im Laufe der Zeiten vorübergehend stark und klar; sie labten Durstige und Kranke. Dann wurde die Quelle kleiner und kleiner, der Mineralgehalt nahm ab und das Brünnlein geriet in Vergessenheit. Es verschüttete, versiegte. Saunen und Tücken der Mineralquellen, sie sind heute in allen Badeorten gefürchtet, sie trieben auch früher ihr Spiel bei den Sauerbrunnen der Rhön. Dadurch schlug gar manche hoffnungsvolle Erwartung um in schmerzliche Enttäuschung. So war vor 200 Jahren die Sauerbrunnenquelle an der Lütter bei Memlos in Stein gefaßt worden. Trinkhallen daneben luden ein zur Benutzung. Ein Badeort, primitiv, aber verheißungsvoll! Da entdeckte man in der ersten Hälfte des 18. Jahr- Hunderts die ersten Heilquellen von Brückenau, und ziemlich zu gleicher Zeit ging die Mineralquelle an der Lütter nach Menge und Beschaffenheit zurück. Vielleicht stand das in ursächlichem Zusammenhang mit den neuentdeckten Mineralquellen in Brückenau, vielleicht lag nur ein zeitliches Zusammentreffen vor. Ganz gleich, Brückenau wurde der Ruin für Memlos und Weikardshof. Die dortigen Trinkhallen warteten vergebens auf Besuch. Man riß sie ab und errichtete aus dem Holz Fleischbänke in Fulda, dort, wo jetzt das Postge- gebäude sich befindet. Die Poesie des Badeortes ging über in die Prosa des Lebens! Ein ähnliches Geschick war dem Säuerling bei Kothen beschieden.
Am allermeisten in Vergessenheit geraten sind die Mineralquellen in der nächsten Umgebung von Fulda. Sie entspringen dem Wiesengelände zwischen Johannesberg und Neuenberg und sind beinahe versiegt. Auch der mineralische Gehalt des Wassers ist stark zurückgegangen. Nur noch ein schwacher säuerlicher Geschmack weist hin auf gewisse Beimischungen. Die stärkste von ihnen befindet sich in der Wiese unterhalb der Domäne Johannesberg. Sie hat vor hundert Jahren die Fata Morgaua: Fulda als Badeort! ins Leben gerufen. Es sollte nur ein ganz kurzer Traum sein.
Die Johannesberger Mineralquelle hatte zu Beginn des vorigen Jahrhunderts verschiedentlich den Wechsel der Zeitläufe erfahren: Sie war schon lange bekannt, zeitweise sehr geschätzt und ihr Wasser viel getrunken, nachher aber wieder vergessen und fast gänzlich verschüttet worden. Da riefen die staatlichen Veränderungen, die Verschiebungen der Landesgrenzen nach den Befreiungskriegen die Erinnerung an sie wieder ivach. — Brückenau war bayrisch geworden, ein ausländischer, nicht mehr ein ftildaischer Badeort. Das konnte Fuldaer Lokalpatriotismus nicht leicht verwinden. ES-foifte tnt Ersatz für -ben Verlust von Brückenau geschaffen werden. Wer wie? Der Medizinalrat Dr. Schneider wies hin auf den Johannesberger Mineralbrunnen und gab damit den Erwägungen, Heber- legungen und Plänen eine bestimmte Richtung. Und bald ging es darüber hinaus ans Handeln! Zunächst ließ man die verschüttete Quelle von Johannesberg wieder aufgraben und probierte in den folgenden Jahren die zweckmäßigste. Brunnenfassung aus. Endlich, vor genau hundert Jahren, schienen die Bemühungen von Erfolg gekrönt zu fein. Das Wasser floß reichlich und die chemische Analyse des Wassers entsprach den weit- gehendsten Hoffnungen.
bei Gicht und ähnlichen Leiden. — Da aber brach das Unglück unerwartet und folgenschwer über die Heilquelle von Johannesberg und damit auch übet die Stadt Fulda herein. Der Berichterstatter schreibt: „Wer während dieser Kuren ereignete sich ein Unglück, welches Fulda und seine Bewohner nicht genug beklagen können. DaS Wasser nahm ab, quantitativ und qualitativ an Gehalt, und es ergab sich, daß die neue Fassung nicht kunstgerecht und vorsichtig geschehen war."
In den folgenden Jahrzehnten hat es nicht an Anregungen gefehlt, die Mineralquelle bei Johannesberg neu zu ergraben, zu erhöhten. Es ist bei den Anregungen geblieben. Fulda als Badeort, in Konkurrenz mit Brückenau, Kissingen, Selters, das war ein Traum, fürwahr ein ftirzer Traum. Das Brünnlein mit dem sauren Wasser, das damals so stolze Hoffnungen erweckte, fließt noch immer, wenn auch nur schwach und wenig gehaltreich an Mineralien. Welcher Vorgang im Erd» innem hat vor hundert Jahren den aus der Spcllt- quelle herausdrängenden Wassern zum größten Teile einen anderen Weg gewiesen? Worauf ist die veränderte Zusammensetzung des Wassers zurückzuführen? Wird eine Neubvhrung der Quelle den früheren Wert und die frühere Beschaffenheit zurückverleihen? Auf diese Fragen kann niemand mit Sicherheit antworten und über Vermutungen hinausgehen. Völlig versiegte Mineralquellen aus früheren Zeiten sind nicht selten, auch nicht in der Rhön. Wenn man südlich vom Dammersfeld im Buntsandstein auf Schwerspatgänge trifft, so hat man ein« Mineralquelle vorzeiten, jetzt versiegt, entdeckt. Der Schwerspat war nämlich im Wasser aufgelöst und hat sich dort abgesetzt, wo in der Vorzeit eine Mineralquelle rieselte. Im Tale der ftänkischen Saale weisen drei Meter mächtige Massen von Eisenocker darauf hin, daß hier vor vielen, vielen Jahren starke Eisensäuerlinge sprudelten, die heute ganz und gar verschwunden sind. Da die Mineralquellen dort hervorbrechen, wo sich tiefe, unterirdische Erdrisse und Spalten befinden, wo immer noch Erdverschiebungen und Srbfentungen stattfinden, treten bei ihnen leicht Veränderungen ein. Wassermenge und mineralische Bestandteile vermindern sich, ja verschwinden. Ein jeder Badeort hat schon bet seinen Mineralbrunnen ähnliche Erfahrungen. Er hängt deswegen förmlich ab von der Gnade und Ungnade, von der Laune und Tücke seiner Heilquellen. Fulda hat damit üble Erfahrungen mache:* müssen, als es sich rüstete, anschickte, Badestadt zu werden. ehw.
Davor bewahrt mich übrigens eine hübsche Por. zellansache auf meinem Tisch. Das ist nämlich ein philosophischer Affe, der am Rande eines Aschenbechers hockt. Aus der freien Stirn hat er mächtige Falten, die im Verein mit den tiefliegenden Augen auf Lebensnot und Lebenserfahrung hindeuten. Den Zeigefinger der rechten Hand hat er im Munde, der infolgedessen etwas offensteht und schief nach unten neigt, wie bei einem Kinde, das zahnt. Er scheint immer zu sagen: „Es gibt nichts Neues unter der Sonne . . . Laßt doch die Welt laufen wie sie lauft. ... (Es bleibt doch alles im alten Trott. . . Affen finb eben Affen, und in fein Schicksal muß man sich fügen . . . Mach etwas blauen Rauch und leg mir die Asche zu Füßen . . ." Wer möchte leugnen, datz solcherlei Reden außerordentlich beruhigend auf das ©emüt wirken. Man braucht einen übereifrigen Besucher, der sich über die Schlechtigkeit der Zelt erhitzt, nur auf diesen Affen hinzmveisen, und es 9,ebt n>ie in dem bekannten Reim: „Und hab' mir ein Liedlein gesungen, und alles war wieder gut". Neben diesem einen Affen steht übrigens noch ein an» Derer, der genau so zahnt und sogar ausgefprodrn trübselig dreinschaut. Ja, meinte ein Besucher, das f)at wie alles sicher auch feinen Grund. Der Unglückliche fft wahrscheinlich verheiratet . . .
Hofrat Wurzer in Marburg hatte das Wasser unter- äidjt und pro Liter folgende Bestandteile festgestellt: 1. Salzsaure Bittererde 0,1500 Gramm
2,2160 Gramm 0,1040 Gramm 1,6082 Gramm 0,2002 Gramm 1,0148 Gramm 0,8718 Gramm 0,0198 Gramm 0,0058 Gramm
6. Schwefelsaurer Kalk (Gips)
7. Kohlensaurer Kalk
2. Salzsaures Natron (Kochsalz)
2. Salzsaures Kali
Der Volksmund sagt, es müsse ein Mörder immer noch einmal zu der Leiche zurückkehren, und es ist dieses Motiv oft in der Sage wiederholt worden. Mir fie^ es ein, als ich hörte, es habe sich nun Poincarö bei dem eigentlich schon gestorbenen Franken gezeigt, um ihn aus der Gruft herauszu- rufen. Wer ihn gemordet und wer überhaupt den Massenmord von Menschen und Wirtschaft über Europa gebracht hat, das ist doch die Kriegshetze gewesen, unter denen der neue französische Ministerpräsident einer der eifrigsten war. Wir können nur wünschen, daß ihm die Auferweckung eines Lazarus, der schon riecht, noch gelingen werde, wenn wir uns auch einigermaßen skeptisch zu Auferstehungsgliedern verhalten, die man vor Ostern singen will. Irgendwo in einem verborgenen Winkel des Herzens, wo die kleinen Teufelchen grinsen, die schon in jedem Menschen wohnen, sitzt einer, der fein brennendes Schwanzende in die Hemd genommen hat und damit doziert, wie unser alter Lehrer, wenn er den Fibelunterricht mit dem Rohrstock begleitete, und das Teufelchen sagt: Cs wäre ihm ganz recht, wer diese Suppe eingebrockt, der soll sie auch auslöffeln. Vom Hosanna bis zum Eruzisige ist nicht weit, und wenn es um den Geldbeutel geht, dann ist es noch weniger weit wie gewöhnlich. Poincar«, nun kommt die Reihe an dich....
So werden wir also zu dem italienischen, dem spanischen, dem griechischen und dem polnischen Dikta, tor bald auch einen französischen haben. Sie alle sind mehr oder weniger Kinder der Revolution und einer falsch entwickelten Demokratie. Will man genauer sagen, worin das Falsche dieser Demo- fratie gelegen ist, so kommt man auf den Unter- schied zwischen einem qualitativ aufgefaßten Bolks- ganzen und einem quantitativen. Nimmt man die Masse nur quantitativ und verquickt man das mit ber Gleichheitslehre des Sozialismus, so kann eben jeder reden über alles und jedes. Demokratie ist dann tatsächlich das, was Masaryk 1918 sagte: „D c- mokratie ist Diskussion". Es ist denn auch in diesen Demokratien soviel geredet worden, daß der gleiche Masaryk vor kurzem zu einem Herrn Eapek sagte: „Nicht soviel reden, mehr handeln". Handeln aber können nur Menschen, die von der Sache etwas verstehen. Hätte man in den Demokratien mehr dafür gesorgt, daß die Einzelne« mitreden, je nachdem sie von einer Sache etwas wissen, so wäre sehr bald eine qualitative Abstufung mitsamt einer Führerauslese entstanden und überhaupt em organisch gegliedertes Volk. Es hätte dann der Diktatoren nicht bedurft, von denen jeder eine Fiaskoerklärung des demokratischen Gedan- kens bedeutet. Geschichtlich betrachtet, waren sie bisher niemals etwas anderes als Hebergang zu einem gänzlich antidemokratischen System. Aus Cäsar, den Diktator, folgte Augustus, der Imperator, und so teilen sich, ähnlich wie im wirtschaftlichen teben mehr und mehr die ganz Reichen gegen oie ganj Armen stehen, auch im politischen Leben die Rollen so, daß auf der einen Seite übrig bleibt ter geradezu vergöttlichte Autokrat, und auf der anderen die stumvfe Masse.
Allerdings darf eines nicht vergessen werden, was die Stellung heutiger Diktatoren von jener früherer unterscheidet. Nationale Diktaturen setzen em nationales geschlossenes Ganze voraus ein Land, was auch noch existieren könnte, selbst wenn man es mit einer chinesischen Mauer umgeben wollte. Solche Länder gibt es heute nicht mehr. Es ist vielmehr das eine auf das andere angewiesen und sicherlich jedes auf eine bestimmte Verbindung mit den internationalen Finanzmächten. Well d'ese Finanzmächte den öffentlichen Brotkorb m der Hand haben, indem sie Dafür die Preise zu bestimmen vermögen, und weil sie infolgedessen auch die eigentlichen Herrscher der Volksstimmung sind,
Wenn man die Entwicklung eines bestimmten Gebietes der Erdoberfläche näher erfassen will, dann muß man zunächst einmal den Gesamtaufbau bei Erdoberfläche betrachten. Unser Erdball mit einem Durchmesser von durchschnittlich 12 700 Kilometr., besitzt eine verhältnismäßig dünne Erdkruste. Würde die Erdkruste auf die Größe eines Hühner- eies zusammenschrumpfen, dann hätte die feste Erdkruste noch nicht einmal die Dicke der Schale Des Eies. Und selbst davon kennen wir Menschen ein- wandfrei nur einen Bruchteil, nämlich die alleräußersten Schichten. Diese bestehen bekanntlich aus den verschiedenartigsten Gesteinen, die dem Alter nach klassifiziert finb. Die ältesten liegen bei normaler Bodenbeschafsenheit natürlicherweise zu Unterst, die jüngeren lagern darüber. — Als Urge- fteine bezeichnen mir die an vielen Stellen der Erd- Zerstäche zu Tage tretenden Schiefer und G n e i ß e. Dann entstanden zur Zeit der Bildung der festen Erdkruste die devonischen (Grauwacken), Granit und Porphyr. Weiterhin, 'm sogenannten „Mittelalter" der Erde, die Trias- gesteine (B u n t s a n d st e i n, Muschelkalk, Keuper), später Jura, Kreide, und in der „Jceu^eit" der Erdgeschichte die uns in der Rhön allbekannten Tertiärgesteine (Basalt, Phonolith und Tuffe), die als die jüngsten Gesteine der Erdoberfläche gelten.
Lange Zeit, bevor unsere Rhön als Gebirge entstand war unsere Heimat, ja ganz Deutschland und die Landesteile darüber hinaus in den verschiedensten Epochen von Meeren überflutet, m Denen sich durch Ablagerung von Schlammassen I
Da erfolgten plötzlich, in der von uns als „Tertiär" bezeichneten Erdepoche (also schon Neuzeit. in der jedoch noch keine menschlichen und tierischen Lebewesen existierten!) jene gewaltigen Revolutionen in der Erdkruste, denen die K-tt-H'7' uu.i öu;iumiiiui|eii , Rhön letzten Endes ihre heutige Form als Gebirge
fnäc msmaterial auf dem Grunde ansammelte, das verdankt: die vulkanischen Ausbrüche fers’«,?Zuruckfluten oder Austrocknen des Was- Aus vielen Spalten und Risstn der Erdoberfläche s sich immer mehr verfestigte. Im Mitte^Oer * Drangen unter gewaltigem Tosen riesige Feuergar-
Rund um die Woche.
MSrder und Leichen. — Diktatoren und ihre Grenze. — Die Mussolinis und die Natur. Der verheiratete Asse.
, außerdem
Kohlensaures Gas (Kohlensäure) 320,0 ccm
Atmosphärische Lust 6,2 ccm
Die Quelle war recht ergiebig; denn sie lieferte in 24 Stunden 15-16 000 Liter Wasser, reicht« demnach
I für Trink- und Badekuren aus. Nach dem Ergebnis dieser Wasseruntersuchung übertraf der Sauerbrunnen
I von Johannesberg in der medizinischen Wirkung das I Brückenauer Mineralwasser und war den Säuerlingen I 3" Selters und Kissingen gleichwertig. Er enthielt
mehr Kohlensäure, nach dieser Richtung hin konnte sich I selbst das Mineralwasser von Selters nicht mit dem I Johannesberger Sauerbrunnen messen.
Das waren glänzende Aussichten für das Miueral- I wasser von Johannesberg und für die Stadt Fulda.
der ErDentwicklung (nicht zu verwechseln mit bem historischen Mittelalter Der Menschheitsgeschichte!) war nach neueren Ansichten ber Geologen unser Rhöngebiet mit weiten anderen Teilen unseres Da- terlanbes eine ausgesprochene Wüsten lanD- schäft, ähnlich vielleicht der Sahara, doch ohne da, überaus heiße Klima. Eine Pflanzdecke (Gras, Gebüsch, Bäume) gab es damals in unserem Rhöngebiet nicht. In diese Zeit fällt die Bildung der in ber Rhön weitverbreiteten Sanbfteine. — Doch abermals wurde unsere Heimat von einem | Gewaltigen Meere überflutet, das — wohl oft zurückgedrängt — halb roieber neu über die Landschaft hereinbrach und Absätze schuf, die uns heute als Kalk, Juragesteine entgegentreten. Es folgt eine Zeit scheinbarer Ruhe in ber Oberflächen- entwickkung unseres Gebietes. Die Rhön war da- mals ein flach wellig es Hügellanb mit einer zentralen Erhebung etwa im Gelände des heutigen Himmelbunkberg-Heidelsteinmassivs. Die Höhen dieses Hügellandes decken sich im allgemeinen mit bem heutigen Horizont des Bunbsandsteins und Muschelkalks, b. h. unser Rhöngebiet war burch- schnittlich etwa 200 m niebrtger als die heutige Rhön mit einer allmählichen Abdachung nach den Nachbargebieten, dach flacher und weitergehend in die Land- schäft als heute. Eine Entwässerung war selbstver- stänblich vorhanden, wenn auch die Haupttäler, wie Der FulDa, Der Werra, noch nicht vorhanden waren, so floß Doch Das Wasser im großen unD ganzen nach Pier Seiten hin ab und erniedrigte im Laufe Der JahrtausenDe immer mehr Die Landschaft
Die Stadt Fulda zählt 2 200 Häuser. Die „Fuldaer Zeitung-“ zählt, notariell beglaubigt, in der Stadt Fulda 4556 bezahlende Bezieher. Auf jedes Haus kommen also 2,07 Bezieher.
Die Werbekraft der .Fuldaer ZeitUM* Ist durchschlagend. Gesamtauflage 14000.
— Offenbach. Am Mittwoch kenterte auf Dem Main ein Paddelboot infolge falschen Steuerns. Während Der eine Insasse sich mühsam In nächster Nähe eine Heilquelle von solcher Beschaffen- | ons ufer retten konnte, gelang es Dem anDeren voll- heit, das war frohe Zukunftsmusik. Lustschlösser wurden | ständig Bekleideten nicht, sich über Wasser zu halten gebaut, aber auch sofort prattische Versuche angestellt, | und er schien verloren zu sein. Die zur Zeit in um die Heilkraft des Wassers zu erproben. Alles ver- | der Nähe weilende Martha Lindemann lief, nach Wunsch. Der Medizinalrat Dr. Schneider | wurde durch Die Hilferufe Des Ertrinkenden auf- buchtet in dem 4. Band der von ihm herausgegebenen | merksam; sie sprang ins Wasser und es Zeitschrift „Buchonia" (1829) von vielen erfolgreichen | gelang ihr, den Schiffsbrüchigen, einen 3 5 j ä h« ersten, die er mit dem Johannesberger Sauerbrunnen | rigen verheirateten Mann unter Auf- ausgefuhrt hatte. Das Mineralwasser brachte Lindemng | bietung aller Kräfte ans Ufer zu bringen ooerjjxtlung bet Leber-, Gallen- und Nierenerkrankung, I Das Boot wurde von einem Schiffer geborgen
% hervor und schleuderten mellen- immer größeren Bächen und schließlich Flüssen ver. ®on}ben. heraus Die einigten. Es entstanden langsam im Laufe der ft ft* £ a>.ar bam<?[5 durch viele Jahrtau. weiteren Jahrtausende die T ä l er der Fulda, sende hindurch ein gewaltiges Vulkangebiet, wie Werra, Lütter, Ulster uff. Die Waller- ft /ft ber ®rbc vorfinden, massen nagten stetig an dem harten Gestein, gruben ft M, ^tc'?..°nner ?c ""d fragte sich immer tiefer ein und führten fortwährend G?> e’neft(Ie «t stch auf. — Ge- I steinsmaterial von den Bergkolossen und Hochslä- waltig türmten sich die Lavamasien und Begleitpro- chen zu Tal und lagerten es im Meere ab, ganz so fte im Laufe Der tausendfach sich wiederholenden I wie es heute noch geschieht. Immer kleiner mur- “ft ftkten unseres „vorbasalti- den die stolzen Berghäupter, immer niedriger Die Mjen ^ugetlanDes auf, so Daß Die Damalige I gewaltigen Hochplateaus. Viele Mill. Kubikmeter M ftft^sftftberg« auf 3000—4 0 00 Basalt und Phonolith nahmen als Sand, Schotter, SU e t e r geschätzt werden kann. Das Ausbruchs- I Gerölle den Weg von der Rhön zum Meere bin und n o lft trT.ft deute »°ch als Basalt, Ph °. ruhen heute friedlich in fremdesGefllden L Hnn 1 r'r ft L unö deren D - fferentia - das Gesteinsmaterial am härtesten war, trotzte es tnProdukten allenthalben auf Den Rhön- I naturgemäß am stärksten Den abtragenDen Wasser- nleTt cnt8®8^,-.—’ stroßten Lavamassen hat, I träften, während Die weicheren Gesteine ihnen schnei- "n Gelände der heutigen Wasser. I (er zum Opfer fielen und bald Das Bett von zahl- ruppe oufgeturmt, auch Das Heidelstem-Himmeldunk. | richen Tütchen und Tälern bildeten ° ’
„ S, formten (I* tagfom -b-r steten bl, 6rali«„ Ä tun A I Berge der Rhön heraus, die im Großen und Gan.
zen noch heute die Anlage und Beschaffenheit ber „Alpenrhön" dem Kenner verraten. Und allen, die m künftigen Tagen Rhönlandsberge, Die stummen Zeugen Der Zeit unD tausenDjährigen Seins, aufsuchen, um in Der Stille, fern vom Getriebe bet Welt mft all ihrem Kleinlichen, bie Schönheit und Erhabenheit dieser Dokumente erdgeschichtlicher Entwicklung in sich aufzunehmen, allen Denen, Die über Die verwitterten unD von WcllD- und Wiesenhumus bedeckten Basalttrümmer, aus Denen längst schlankc Fichten unD stämmige Buchen, HeiDegräser unD zahl- lose Moose ihre Nahrung ziehen, Hinwegschreiten — ihnen allen